Der Moment des Todes

von Anna5000
OneshotSchmerz/Trost, Tragödie / P16 Slash
Jiang Cheng Lan Zhan Wei Ying
20.11.2019
20.11.2019
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Angst durchflutete seine Adern als er Wei Ying, seinen wohl besten Freund und große Liebe, am Abgrund stehen sah, dessen dunkle Tiefe nur einen grausamen Tod versprach.
Die rubinroten Iriden waren gezeichnet von Trauer und Schmerz durch die Ungerechtigkeit, die sie gesehen und ihrem Träger wiederfahren waren und dies nur durch die unsagbare Gier der Menschen.
,,Wei Ying!,“ rief er geschockt als er beobachtete wie sich der Schwarzhaarige langsam in Richtung Abgrund neigte, bereit in die Finsternis des Todes zu stürtzen.
Instinktiv sprang Lan Zhan zu ihm und konnte gerade noch die zierliche Hand des Jüngeren ergreifen.
Überrascht blickte Wei Ying seinen Freund an, während aus dessen tiefer Schnittwunde am Arm, mit dem er den Schwarzhaarigen hielt, pulsierend das leuchtende Rot floss.
,,Lan Zhan...,“ hauchte der Kleinere traurig lächelnd und schüttelte nur stumm seinen dunklen Schopf.
,,Lass los. Es ist gut so.“
,,Nein!,“ widersprach der Ältere fest entschlossen, auch wenn sein Körper bereits vor Anstrengung zu zittern begann.
Er würde seinen heimlichen Schwarm nicht einfach in dieses Verderben stürzen lassen bis er auf dem steinigen Grund der Schlucht zerplatzen würde und nichts außer einer undefinierbaren blutigen Masse aus Gedärmen und stinkenden Organen zurücklassen.
Wei Ying wollte gerade etwas erwidern, als sich sein Blick auf jemanden hinter Lan Zhan richtete und sich eine tiefe Trauer in die sonst so vor Schalk glänzenden Seen schlich.
,,Jiang Cheng...,“ hauchte er mit einem Schmerz in der Stimme, der seinem Freund das Herz schmerzen ließ.
Hilfesuchend blickte der Adelssohn über seine Schulter, in der Hoffnung, dass der Bruder seines Liebsten einschreiten und helfen würde Wei Ying vor dem sicheren Tod zu bewahren.
Doch der junge Clanführer tat nichts dergleichen sondern zog nur mit sprühendem Hass in den dunklen Augen sein geliebtes Schwert und trat auf seinen um sein Leben ringenden Bruder zu.
,,Fahr zur Hölle, Wei Wuxian!,“ schrie er diesen voller Zorn an und stieß bereits die Klinge nach ihm noch ehe Lan Zhan eingreifen konnte.
Fest stieß die spirituelle Waffe ins Gestein, doch sie wussten, dass der von Trauer zerfressene Mann nicht eher ruhen würde bis der Tod ihrer geliebten großen Schwester gesühnt war.
Schnell drehte sich die Schneide der Klinge, bereit, wenn auch nötig, dem Sohn des Lan Clans den Arm abzutrennen, sollte dieser weiterhin so fest den Leib des so verhassten Yiling Patriarchen halten.
Wei Ying lächelte noch ein letztes Mal gezwungen, blickte seinen langjährigen Freund entschuldigend in die goldenen Seelenspiegel und riss sich schlussendlich entschlossen von diesem los.
Er war bereit für den Tod.
Immerhin hatte er seinen Freunden und sogar seiner Familie immer nur Unglück beschert, hatte ihnen Schmerz zugefügt und sie letztendlich auch getötet.
Er spürte wie der beißende Wind an seiner Kleidung und seinem ganzen Körper zog, während er der Erde entgegenraste.
Bedrohlich ragten ihm die scharfen Felsen entgegen, bereit seinen fallenden Leib zu zerfetzen und ihm sein Inneres zu entlocken bis sich seine Eingeweide über ihm ergossen.
Leise hörte er noch die panische Stimme Lan Zhans, der verzweifelt seinen Namen schrie, bevor ihn der finstere Schleier des Todes umhüllte.
Seine letzten Gedanken waren erfüllt mit Bedauern, dem Älteren seine Gefühle nicht rechtzeitig gestanden zu haben.

Fassungslos starrte dieser ebenso wie Jiang Cheng die tiefe Schlucht hinab.
Er konnte nicht glauben, was nun passiert war.
Er hatte doch gerade eben noch die warme, zierliche Hand seines Liebsten gehalten und nun sollte dieser für immer verloren sein?
Wiederwillig und sich weigernd den Verlust des anderen zu akzeptieren, schüttelte der Ältere seinen dunklen Schopf.
,,Warum?,“ flüsterte er leise, doch mit ernster Stimme.
,,Er hat meine Familie getötet und mich verraten!,“ schrie der junge Clanführer daraufhin wutentbrannt, doch die glänzenden Tränen in seinen Augen straften diesen falschen Zorn Lügen.
,,Er war dein Bruder.,“ knurrte Lan Zhan enttäuscht, wandte sich von ihm ab und schwang sich auf sein Schwert.
Elegant nach außen, doch innerlich gehetzt, flog der Ältere auf seiner blutverschmierten Klinge den Abgrund hinab um sich dort von dem wirklichen Tod seines Freundes zu überzeugen und wenn notwendig zumindestens seine Leiche mitzunehmen und angemessen in der Nähe seines Zimmers bestatten.
Suchend blickte der Langhaarige sich um in der Hoffnung seinen Freund zu finden, doch der in Schatten gehüllte Grund war wie leergefegt.
Nicht einmal ein bleicher, weißer Knochen ragte zwischen den dunklen Felsspalten auf, nirgends war eine Spur seines toten Schwarms, was den festen Glauben in ihn weckte, Wei Ying wäre immer noch unter ihnen.
Fest entschlossen den verschwundenen Schwarzhaarigen zu finden, wandte sich Lan Zhan von der Stelle, an der er eigentlich die blutverschmierte Leiche des anderen hätte finden müssen, ab und kehrte, ein glückliches Lächeln unterdrückend, zu seiner Familie zurück, die sich noch immer auf dem Schlachtfeld über ihm befand.
Er würde alles tun um dieses bezaubernde Grinsen voller Schalk noch einmal wiederzusehen.
Auch wenn es bis dahin noch dreizehn Jahre dauern sollte.