Zu viel

von Cleotopia
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P12
Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf
20.11.2019
26.03.2020
34
49570
22
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Meine Lieben...
Es war eine wunderschöne Reise mit euch. Aber alles hat mal ein Ende. So wie diese Story, die mit dem 34. und auch letzten Kapitel endet. Aber es steht schon etwas neues in den Startlöchern ;) So ganz kann ich es dann doch nicht lassen.
Gerne könnt ihr mir eine abschließende Rezension schreiben. Ich würde mich freuen!
Danke für die ganzen Favs und Rezensionen. Ich hoffe ihr hattet so viel Spaß beim Lesen wie ich beim Schreiben!
Ein letztes Mal: viel Spaß beim Lesen <3

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„Heeeey der vermisste Sohn ist wieder da!“ schallte es ihm entgegen, als er das Großraumbüro betrat und er guckte in Jakobs grinsendes Gesicht. „Na?“ grinste er zurück und nahm ihn etwas unbeholfen in den Arm. „Jakob kommst du bitte mal?“ Thomas erschien hinter ihnen. Klaas’ Augen trafen seinen Blick. Thomas legte ein Lächeln auf und nickte ihm kurz zu. Er wusste, dass das für Klaas als Begrüßung schon reichte, außerdem wollte er nicht auch noch auf ihn zustürmen. Joko blickte ihn ebenfalls an und nickte ihm dankend zu. Jakob war erst kurz vor Klaas angekommen und hatte Joko's Ansprache nicht mitbekommen. Umso dankbarer war der Große, dass Thomas sofort verstand und ihn weg gelockt hatte. Als Klaas mit Joko an seiner Seite ein paar kleine Schritte weiter ins Innere machte, bekam er von hier mal ein winken, von dort ein breites Lächeln. Der ein oder andere kam auf ihn zu, gab ihm die Hand. Verwundert nahm Klaas diese und schüttelte sie. „Morgen zusammen.“ rief er in die Runde, doch auch als er alle Blicke auf sich hatte, rührten sich nur vereinzelt Kollegen und kamen auf ihn zu.

Als sie in ihrem gemeinsamen Büro ankamen, schloss Joko die Tür und drehte sich sofort nach Klaas um. Er blickte ihm tief in die Augen um sicher zu gehen, dass alles in Ordnung war. Doch Klaas schien entspannt zu sein. „Okay Joko was ist hier los.“ durchbrach der Kleine die Stille. Joko hob eine Augenbraue und schaute ihn gespannt an. „Was meinst du?“ Klaas lachte kurz auf. „Ach komm ey du kennst den verrückten Haufen von Arschgeigen da draußen genau so gut wie ich. Seit wann sind die so distanziert? Wenn wir aus dem Urlaub kommen, können wir uns vor lauter Umarmungen und Begrüßungen gar nicht retten. Mit was hast du die bestochen?“ Joko ging auf seinen Schreibtisch zu und hing seine Jacke über den Stuhl. „Alter was denkst du denn wieder? Alle wissen, dass du das nicht geil findest, wenn dich jeder anfassen muss. Freu dich doch, dass die das endlich begriffen haben.“ Klaas hing ebenfalls seine Jacke über den Stuhl und ließ sich gleich darauf auf diesen sinken. „Nee is klar, auf einmal haben die das gerafft.“ murmelte er, doch Joko verstand ihn deutlich. „Pizza.“ sagte er nach einem Moment der Stille. Der Kleine blickte überrascht auf. „Pizza?“ Joko Kopf kam hinter seinem Bildschirm zum Vorschein und schaute ihn vorsichtig an. „Naja ich hab mit denen gesprochen, dass die nicht alle auf dich zustürmen am ersten Tag. Als Dankeschön geb ich heute Mittag Pizza aus.“ Klaas stand auf, lief durch das Büro und rieb sich über das Gesicht. „Siehst du? Und genau davor hatte ich Angst. Joko ich will nicht anders behandelt werden, nur weil ich mal einen kleinen Durchhänger hatte.“ Klaas Stimme wurde mit jedem Wort immer lauter. „Ich wusste, dass das passieren wird. Aber das will ich nicht, hörst du? Ich werde behandelt wie immer!“ Joko stand nun auch auf und versuchte Klaas in seinem Umherlaufen einzufangen. „Mensch Klausi, ich wollte dir das doch einfach…“ Klaas drehte sich ruckartig um. „Was du willst und was ich will, das sind zwei unterschiedliche Dinge. Du weißt, dass ich es hasse eine Sonderbehandlung zu bekommen, egal ob ich krank bin oder sonst was.“ Der Jüngere schrie seinen Freund regelrecht an, was Joko kaum merklich zusammenzucken ließ. Doch Klaas hatte die minimale Bewegung in seinem Körper bemerkt. „Tut mir leid.“ flüsterte der Lange und sah zu Boden. Klaas seufzte und mit einem Male wurde ihm klar, dass er zu weit gegangen war. Sein Freund machte sich immer noch Sorgen und wollte ihm den ersten Tag so schön wie möglich gestalten. Und was machte er? Er meckerte wieder nur.

Joko zuckte zusammen, als er eine Hand auf seinem Oberarm spürte. Als er seinen Blick hob, sah er in Klaas Gesicht, welches ihm plötzlich viel sanfter vorkam. „Sorry Joko. Das war nicht so gemeint. Mich überfordert das einfach alles. Ich wollte dich nicht anschreien. Ich weiß, du meinst es nur gut und willst mir helfen.“ Noch bevor Joko etwas erwidern konnte, klammerte sich sein Gegenüber auch schon an ihn. Joko seufzte und legte die Arme um Klaas. „Schon okay, weiß ich doch.“ Der Kleine schüttelte den Kopf an Joko's Halsbeuge. „Nein, das war nicht okay. Es tut mir wirklich leid.“ Joko drückte ihn noch etwas mehr an sich und legte seine Hand wie gewohnt in den Nacken seines Freundes.

Als sie sich nach einigen Sekunden wieder lösten, sahen sie sich einen Moment lang in die Augen. „Wie hältst du das nur so lange mit mir aus? Warum hast du so viel Geduld mit mir?“ fragte Klaas und der Große sah in seinen Augen, dass die Frage wirklich ernst gemeint war. Der Kleine schien sich darüber tatsächlich Gedanken zu machen. Joko lächelte ihn an, fasste mit einer Hand an Klaas’ Kinn um den mittlerweile abgewandten Blick wieder auf ihn zu lenken. „Weil du mein Freund bist.“ Nun musste auch Klaas lächeln, er schloss die Augen und atmete einmal tief durch. „Danke.“

Die Tage vergingen. Klaas schaffte es immer ein bisschen länger im Büro zu bleiben. Seine Therapie lief, trotz seiner Zweifel, gut und die Panikattacken waren nahezu Vergangenheit. Das Band zwischen Joko und Klaas war so stabil wie noch nie zuvor. Die beiden konnte nichts mehr trennen. Klaas genoss weiterhin seine Umarmungen, bei denen er sich immer fühlte als würde er nach Hause kommen.

Als sie beide, kurz vor der Aufzeichnung von Joko und Klaas gegen ProSieben, in der Maske saßen und sich über Gott und die Welt unterhielten, bemerkten sie nicht wie Thomas sich in die Tür stelle und dem Gespräch lauschte. Als sie beide fertig geschminkt waren, verließ die Maskenbildnerin den Raum, was die beiden gar nicht mitbekamen. Erst als Thomas in den Raum trat und er von beiden durch den Spiegel wahrgenommen wurde, verstummten sie. Thomas stand einfach nur da und schaute sie abwechselnd an. Joko und Klaas sahen sich fragend an und zuckten mit den Schultern. „Kann man dir helfen? Du siehst aus wie bestellt und nicht abgeholt.“ fragte Joko ihn durch den Spiegel. Doch Thomas grinste nur, schloss die Augen um sie nach ein paar Sekunden wieder zu öffnen. „Es ist einfach schön euch beide hier wieder sitzen zu sehen. Ich bin stolz auf dich Klaas, du hast dieses Kapitel in deinem Leben echt gut gemeistert. Für einen kleinen Moment haben wir alle nicht dran geglaubt, dass du hier je wieder auftauchst. Aber du bist einfach ein Kämpfer.“ Klaas blickte zu Joko. „Ohne El Giraffe hätte ich das nie geschafft.“ Joko lachte laut los. „Alter so schöne Worte und dann versaust du sie mit El Giraffe.“ Klaas grinste ihn an. „Naja muss ja langsam mal wieder anfangen etwas unsentimentaler zu werden.“ Als sie wieder in den Spiegel zu Thomas schauten, konnten sie eine einzelne Träne auf seiner Wange entdecken, die er auch gleich wieder wegwischte. „Och Schmitti.“ sagte Klaas und drehte sich zu ihm um. „Tut mir leid, aber es ist einfach schön, dass wieder alles beim alten ist.“ Beide standen nun auf, gingen auf ihren Redaktionsleiter zu und nahmen in in den Arm. „Jetzt auch noch Gruppenkuscheln?“ lachte Thomas und legte seine Arme um die beiden Chaoten.

Beide saßen in Jokos Garderobe auf der Couch und vertrieben sich die restliche Zeit mit Social Media, als es plötzlich an der Tür klopfte. „Ja?“ sagte Joko, den Blick Richtung Tür gerichtet. Thomas’ Kopf kam zum Vorschein. „Joko? Kommst du kurz? Hier ist jemand…du weißt schon.“ Klaas blickte fragend von Thomas zu Joko und wieder zurück. „Aaaaach ja, sehr gut, ich komme.“ Jetzt verstand Klaas absolut gar nichts mehr. „Was'n hier los?“ fragte er und hob seine Hände fragend in die Luft. „Bin gleich wieder da.“ erwiderte Joko nur schnell und war auch schon verschwunden.

Nach 5 Minuten öffnete sich die Tür erneut und Joko kam herein, blieb jedoch im Türrahmen stehen. Klaas blickte fragend auf. „Klausi…hier ist jemand für dich.“ Der Kleine wurde misstrauisch. „Och nee Alter was habt ihr schon wieder angestellt. Kommt jetzt der Schulz um die Ecke?“ Doch Joko lächelte ihn nur sanft an und trat einen Schritt zur Seite. Nach ein paar Sekunden schauten ihn zwei bekannte Augen liebevoll an. „Nein…das glaub ich nicht.“ Joko kratzte sich verlegen am Kopf. „War gar nicht so leicht das einzurichten. Hab etwas gebraucht, bis ich sie gefunden hatte.“ Mit langsamen Schritten kam sie näher, bis sie vor Klaas zum stehen kam. Dem Kleinen schossen die Tränen in die Augen, denn mit dieser Überraschung hatte er nun wirklich nicht gerechnet. „Rosi?“ Die alte Dame lachte und klopfte ihm auf die Schulter. „Na mein Junge. Dachtest wohl du wärst mich los.“ Klaas schüttelte den Kopf und nahm Rosi vorsichtig in den Arm. Bei dem Anblick bekam auch Joko Tränen in die Augen, wischte sich kurz darüber und verließ dann leise den Raum. Er wollte den beiden etwas Zeit geben.

„Was eine schöne Überraschung. Ich hatte auch schon daran gedacht, dich mal wieder im Park zu besuchen.“ Rosi lächelte ihn an. „Das freut mich zu hören. Ich hab mir gewünscht, dass wir uns nochmal wieder sehen. Schließlich wollte ich wissen wie es dir geht.“ Klaas schnappte sich ein Taschentuch und trocknete seine Tränen. „Mir geht es sehr gut. Dank Joko. Jetzt hast du ihn auch endlich mal kennen gelernt. Er war die ganze Zeit für mich da und hat mir geholfen. Jetzt geht es mir wieder gut und ich kann arbeiten…naja wie du siehst, schließlich bist du ja extra hier aufs Studiogelände gekommen.“ Rosi klopfte ihm auf den Oberschenkel. „Ich schaue mir sogar gleich die Aufzeichnung an. Mein Sohn ist auch mitgekommen. Joko war so nett und hatte uns zwei Karten gegeben. Dass ich das noch erleben darf, in einem Fernsehstudio dabei zu sein. Jetzt habe ich alles gesehen.“ Beide mussten augenblicklich lachen und Klaas war in diesem Moment einfach nur glücklich.

Nachdem sich Rosi verabschiedet hatte und von einem Mitarbeiter der Produktion ins Studio auf ihren Sitzplatz gebracht wurde, betrat Joko wieder seine Garderobe. Sofort sprang Klaas auf ihn zu und drückte ihn an sich. „Das war eine schöne Überraschung Joko. Danke!“ Der Große strich mit den Händen über seinen Rücken. „Das freut mich. Komm wir müssen los. Wollte dich nur kurz abholen.“ Sie lösten sich voneinander und sahen sich in die Augen. In Klaas’ Blau erschien ein Anflug von Unsicherheit. „Nee, nee, nee, nee…hey du warst so selbstsicher die ganze Zeit. Leg das jetzt nicht ab. Ich bin bei dir, wir machen das zusammen.“ Klaas blickte ihn überrascht an, denn er konnte sich immer noch nicht daran gewöhnen, dass Joko ihn so gut lesen konnte. „Tut mir leid. Komm lass uns ins Studio gehen.“ Er griff sich Joko's Hand und zog ihn motiviert mit sich in den Flur. „Wow, langsam mit den alten Knochen.“ stolperte Joko dicht hinter ihm her.

Hinter der Bühne warteten sie auf den Sprecher, der sie ankündigte. Klaas knetete seine Hände, was Joko natürlich nicht entging. Er griff mit einer Hand nach den geknoteten Fingern. Klaas hielt diese sofort still, löste sie voneinander und ließ die Hände sinken. „Alles okay?“ Der Große drehte seinen Kopf um ihn anzusehen. Die bekannte Musik ertönte. „Ja bin nur nervös.“ kam es kaum hörbar von Klaas. Joko nahm seine Hand und drückte sie, was Klaas lächeln und sich ein wenig entspannen ließ. ‚Herzlich Willkommen…‘ Sie blickten sich in die Augen. „Bereit?“ fragte Joko. ‚…hier sind Joko und Klaas.‘ „Bereit geboren.“ antwortete Klaas. Sie ließen ihre Hände los und traten raus ins Scheinwerferlicht.

THE END <3