~ F A T E ~  The Golden Kings greatest Nightmare

GeschichteDrama, Romanze / P18
Gilgamesh OC (Own Character)
19.11.2019
07.02.2020
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Anmerkung: Ich habe einige Texte über Gilgamesh als kleine Hilfe benutzt :D
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und freue mich über Rückmeldungen ^^
PS: Nisha und Aselya stammen aus meiner Feder
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~Prolog~

Ohne den besorgten Blick, der sich hinter einer der großen Säulen verbarg, in seinem Rücken zu spüren, trat der blonde König an eines der großen Fenster heran. Weit konnte er über seine Stadt sehen, konnte die Menschen sehen wie sie ihrer Täglichen Arbeit nachgingen und fleißig ihre Aufgaben erledigten. Hell wurde die Abendliche Sonne in seinen roten Augen gespiegelt, ließ sie noch intensiver erstrahlen.
„Du wirst mich nicht davon abhalten, in den Zedernwald zu gehen, um das Ungeheuer Chumbaba zu töten.“, der zweite Mann im Raum ließ sich unter einem schweren seufzen in einen der Sessel fallen, die mit den edlen Fällen wilder Tiere bespannt waren.
„Suchst du so dringend nach dem Tod, Gilgamesh, mein Freund?“, mit einem kalten lächeln wandte sich der Junge König zu seinem Freund Enkidu, dem ehemals Wilden Mann aus der Steppe, um.
„Gewiss nicht.“, Gilgamesh tat einen tiefen Atemzug, fuhr mit der rechten Hand durch die Dichte, braune Mähne des Löwen, der an seiner Seite Stand und gab ein kurzes lachen von sich. „Das, was ich will, ist mir einen Namen zu machen.“
„Du bist der große König der blühenden Stadt Uruk. Welchen Namen willst du dir denn noch machen?“, der grünhaarige verdrehte die Augen und fasste sich an die Stirn.
„Mein Volk soll wissen das es ihr König war, der dieses Monster zur Strecke brachte und niemand sonst!“, in wilder Kampfeslust leuchteten seine Augen auf und ein Grinsen, so Siegessicher wie es nur einem König gestattet war, zierte sein Gesicht.
„Was du dir da zusammen reimst, erfüllt mich durchaus mit einem gewissen Maß an Entsetzen.“, warf Enkidu ein. „Aber wenn du dir diesen Kampf in den Kopf gesetzt hast, so werde ich an deiner Seite sein und dich begleiten.“
Entschlossenheit trat in die gelben Augen Enkidus, als er sich erhob und zu seinem Freund an das Fenster trat. Wie Brüder reichten sich beide Männer die Hände und sahen sich in die Augen.
Feuriges Rot traf auf warmes gelb.
„Dann lass uns Chumbaba gemeinsam töten und somit das Böse aus dem Land vertreiben.“
„Wie du es wünschst, Gilgamesh, mein Freund und König.“

Als die beiden Männer hinaus auf den großen, noch immer sehr belebten Marktplatz traten, waren nur wenig später die jubelnden Rufe der Massen zu hören, als ihr König ihnen verkündete, welche Heldentat er vollbringen wollte.
Die Trägerin des besorgten Blickes trat hinter der Säule hervor, die ihr als Versteck gedient hatte.
Besorgnis wandelte sich zu tiefer Trauer.
„Oh Gilgamesh … eines Tages wird dich dein Heldenmut, den dir der Sturmgott Adad einst in die Wiege legte, noch den Kopf kosten …“, hauchte sie leise und folgte aus Wiesengrünen Augen den Gestalten der beiden Männer, als sie durch die Tore der Stadt traten und sich auf den Weg zu dem Ungeheuer Chumbaba machten.
Erst als die Sonne hinter dem Horizont versunken war und die Nacht langsam Einzug hielt, wandte sich die Goldblonde junge Frau ab. Mit zunehmender Nervosität kam sie den Gemächern näher, die sie sich mit ihrem Gemahl – dem König selbst – teilte.
Schon oft war er losgezogen und hatte die Köpfe furchteinflößender Ungeheuer als Trophäen mitgebracht. Und schon oft hatte seine Königin voll Sorge auf ihn gewartet, nur um ihn immer wieder unter Tränen der Erleichterung willkommen zu heißen, wenn er heil zurückkehrte.

Zwei Dienerinnen verneigten sich vor der Königin von Uruk, als diese auf die großen Schweren Türen der Königlichen Gemächer zuging.
„Einen wunderschönen Abend, verehrte Königin.“, meinte die jüngere von beiden und reichte ihr einen Teller, der reichlich mit allerlei Früchten geschmückt war.
„Ich verspüre keinen Hunger.“, meinte sie bloß, worauf ihre Dienerin eilig den Kopf einzog und einen Schritt zurückwich. Die zweite Dienerin nickte den beiden Soldaten zu, die zum Schutze der Königin stets vor den Gemächern Wache hielten, wenn der König außer Lande war.
„Wünscht Ihr noch etwas, bevor Ihr zu Bett geht?“, kurz erhaschten die Grünen Augen der Goldblonden Königin die leere Schlafstätte, die sie diese Nacht wohl wieder Alleine bewohnen würde, dann sprach sie zu den Dienerinnen und den Soldaten:
„Ich wünsche nur eines: eine ruhige Nacht. Ich dulde keinerlei Störung bis mein geliebter König zurückgekehrt ist.“
„Jawohl.“, damit zogen sich die beiden Frauen zurück und gingen in ihre eigenen Gemächer. Die Soldaten postierten sich vor den Türen, kreuzten ihre Speere und sicherten so der Königin einen sicheren Schlaf.

Sie entledigte sich ihrer Kleidung, betrachtete kurz ihr, vor sorge verzerrtes, Gesicht in einem der Großen Spiegel und wandte sich dann der einsamen Schlafstätte zu. Mit großen Kissen, die er ihr einst zum Geschenk gemacht hatte, war sie gepolstert worden, um dem Herrschaftlichen Paar einen geruhsamen Schlaf zu ermöglichen. Gefüllt waren sie mit den Federn junger Vögel und überzogen mit dem Fell von wilden Tieren, die Gilgamesh eigenhändig erlegt hatte. Sie legte sich nieder, zog eines der Kissen an sich heran und atmete den betörenden Duft ihres Königs ein. Kurz schloss sie ihre Augenlider, nur fand die Königin keinen Schlaf egal wie sehr sie es auch versuchte.
Zu groß war die Angst, das Gilgamesh dieses Mal nicht zurückkommen würde.

Sie kannte die Geschichten, die sich um Chumbaba drehten und auch die, über den Wächter vor seinem Wald, dem Dämon des Wettergottes namens Werwer.
Jeder kannte diese Geschichten.
Auch Gilgamesh.
Und jeder fürchtete dieses Ungeheuer.
Jeder außer ihrem goldenen König.
Die Königin hörte die Worte deutlich in ihrem Kopf, die jedermann über Werwer sprach:
~~ „Werwer. Er schläft nie. Seine donnernde Stimme wird dich zutiefst erschrecken. Und dringst du dennoch weiter, wird Krankheit dich befallen.“ ~~  

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Nach einer langen Reise, die sie fast ohne Rast zurückgelegt hatten, standen Gilgamesh und Enkidu nun vor dem Zedernwald, vor dessen Eingang der Dämon Werwer hauste. Das Ungetüm sah die beiden Männer an, versuchte sie allein durch einen zornigen Blick zur Flucht zu bringen.
Aber sie blieben wo sie waren und sahen dem Biest entschlossen entgegen. Gilgamesh war der erste, der sein goldenes Schwert erhob und mit einem Kampfschrei auf Werwer zustürmte. Enkidu folgte seinem Freund sogleich und zusammen schlugen sie den Dämon in die Flucht, noch bevor dieser ihnen einen markerschütternden Schrei entgegen setzen konnte.

„Hm, das war leicht.“, Gilgamesh steckte sein Schwert zurück in die Scheide, blieb jedoch wachsam.
„Zu leicht.“, meinte Enkidu und spürte wie sich jede Faser seines Körpers anspannte.
„Sei´s drum.“, zuckte der König mit den Schultern. „Lass uns gehen.“, und damit tat er den ersten Schritt hinein in den Zedernwald. Enkidu folgte seinem Freund, treu wie ein Hund seinem Herrn.
Unter dem dichten Dach des Waldes spürten sie die angenehme Kühle, der Duft von süßen Blüten stieg ihnen in die Nasen und das Rauschen der Äste und Zweige im Wind drang an ihre Ohren.

Die beiden Männer achteten darauf Geräuschlos den Wald zu durchschreiten, hinter jedem Baum und jedem Strauch vermuteten sie Unheil. Wachsam spähten sie in jede Richtung, spürten ihre Angespannten Nerven. Und schließlich blieb Gilgamesh vor einem finsteren Abgrund stehen.
„Mein Freund … das ist kein gewöhnlicher Abgrund, oder?“, Enkidu musterte Aufmerksam die Mimik des Königs, wartete auf eine Antwort und erhielt sie in Form eines wilden Grinsen in den Zügen Gilgameshs.
„Nein, das ist ein Fußabdruck unserer Beute. Chumbaba ist erst vor kurzem hier vorbeigekommen.“, der König ging in die Knie und tastete vorsichtig den Rand des vermeintlichen Abgrundes ab.

Stunde um Stunde um Stunde verging.
Und außer einer Spur aus Fußabdrücken fanden sie nichts von dem Ungeheuer. Der goldene König geriet in Rage. Er griff die Gewaltige Axt, die er auf seinem Rücken trug und schlug sie gewaltsam in den Stamm einer Zeder.
„Komm raus, du Monster! Zeige dich uns, Chumbaba!“, Enkidu wich einen Schritt zurück.
„Gilgamesh, so beruhige dich doch … seinen Wald zu schänden wird ihn nur Wütend machen.“, der König holte ein weiteres Mal aus und mit diesem letzten Schlag, brachte er den Baum zum Fallen.
„Wenn er wütend ist, wird er aus seinem Versteck kommen. Hörst du das, Feigling?!“, krachend stürzte die Zeder auf den Boden des Waldes und im selben Moment donnerte eine Stimme, ähnlich einem ausbrechenden Vulkan.
„Welcher Bastard wagt es, meinen Wald zu schänden und meine Zedern zu fällen?!“, trotz seiner gewaltigen Erscheinung, war das Ungetüm lautlos hinter die beiden Männer getreten und stieß seinen stinkenden Atem in ihre Nacken.
Gilgamesh und Enkidu fuhren herum, die Erscheinung ihres Gegenübers übertraf ihre wildesten Vorstellungen Chumbabas.
Er besaß ein geiferndes Gesicht, welches zu einer verzerrten Fratze erstarrt war. Seine Pranken, miteinander verwachsene und vernarbte Tötungswaffen, waren mit scharfen Krallen gespickt und sein Körper besaß keine natürlichen Proportionen mehr, er ähnelte mehr einem Berg als einem Lebewesen.
„Ihr widerlichen, kleinen Menschen! Das werdet ihr noch bitte bereuen!“, donnerte Chumbaba und holte zu seinem ersten Schlag aus, doch die beiden Männer waren ihm in Sachen Schnelligkeit weit überlegen und konnten die ersten Treffer für sich entscheiden.

Ein Kampf entbrannte.
Enkidu unterstützte seinen Freund so gut er konnte, doch Gilgamesh war der Kampfeslust erlegen und setzte dem Ungeheuer immer weiter zu.
Bis es ihm schließlich gelang, ein Fangnetz über Chumbaba zu werfen und ihn so Bewegungsunfähig zu machen.

Als Chumbaba sich seiner Niederlage bewusst war, flehte er den goldenen König um sein Leben an.
„Gilgamesh, großer König von Uruk und Tapferer Krieger, der es wagte sich gegen mich zu erheben, lass mir mein Leben! Ich werde dein Knecht und du mein edler Herr! All meine Zedernbäume werde ich abschlagen und dir Häuser und Paläste daraus erbauen!“, Gilgamesh neigte etwas den Kopf und musterte den geschlagenen Chumbaba. „Ich werde dir sogar den Myrtenbaum schenken, sein Holz soll deinen Palast würdig schmücken.“, Enkidu schenkte den Worten des Monsters nicht den geringsten Glauben und wandte sich an seinen Freund.
„Hör bloß nicht auf ihn, Gilgamesh! Seine Worte sollen dich gnädig stimmen, damit du ihm sein Leben lässt. Du musst ihn töten, deshalb sind wir doch hier her gekommen!“, Gilgamesh trat vor Chumbaba, das Schwert in der einen und die Axt in der anderen Hand fest umschlossen.
„Deine Worte treffen bei mir auf taube Ohren!“, und damit landete der König einen festen Schlag in Chumbabas Nacken. Enkidu tat sowohl den zweiten als auch den dritten Schlag. Chumbaba stürzte zu Boden, sie schlugen ihm den Kopf ab.
Und dieser sollte Gilgameshs Trophäe sein.

„Verehrte Königin, bitte Ihr müsst doch etwas Essen.“, bat die Dienerin und betrachtete besorgt die müde Gestalt der Goldblonden.
„Erst, wenn mein König zurück ist ...“, der Dienerin entfuhr ein seufzen. Wann immer der König auf Reisen war, um Monster und Feindliche Armeen zu bekämpfen verweigerte die Königin Nahrung zu sich zu nehmen.
„König Gilgamesh wird uns bestrafen, wenn Euch ein Leid geschieht. So bitte esst doch wenigstens ein kleines bisschen.“, sie schüttelte den Kopf.
„Ich werde mich nicht wiederholen.“, gerade als die Dienerin die Lippen öffnete, um zu sprechen, stürzte ein Soldat herein.
„Meine Königin, bitte verzeiht die Störung aber ...“, der Soldat musste kurz zu Atmen kommen, straffte die Gestalt und nahm eine Respektvolle Haltung ein. „Der König ist soeben zurückgekehrt, mit dem Kopf des Ungeheuers Chumbaba!“

Als die Königin diese Worte vernahm, hielt sie nichts mehr. Sie erhob sich und eilte den jubelnden Rufen entgegen. Sie konnte das Volk deutlich hören, wie sie immer wieder riefen:
„Hoch lebe König Gilgamesh, hoch lebe Enkidu!“, die Königin stürzte aus den Toren des Palastes und blieb mit heftig klopfendem Herzen vor dem Blonden Mann stehen, dessen rote Augen sich auf sie richteten.
„Mein König … Ihr seid wohlbehalten zurückgekehrt.“, aus ihren Augen lösten sich erleichterte Tränen und sie verneigte sich vor Gilgamesh.
„Meine Königin ...“, sie spürte wie sich Hände an ihre Wangen legten und wie man sie dazu brachte, sich aufzurichten. „Es freut mich jedes Mal, wenn du mich so Willkommen heißt.“, auf ihre Lippen legte sich ein anderes, ein sehr vertrautes Lippenpaar.
Und wie der König seine Gemahlin so vor dem Volk küsste, brach dieses in weiteren Jubel aus.

Der Tod des Ungeheuers Chumbaba wurde bis spät in die Nacht gefeiert.
Es wurde gesungen und getanzt.
Es gab edle Speise und das ganze Volk Uruks war in fröhlicher, ausgelassener Stimmung.
Gilgamesh saß auf seinem Thron und hielt in der einen Hand einen reichlich verzierten Kelch, gefüllt mit dem herrlichsten Wein den sein Reich zu bieten hatte. Seinen anderen Arm hatte er um seine Königin gelegt, die auf einem seiner Beine saß und ergeben den Kopf an die Brust ihres Gemahls geschmiegt hatte.
„Trinkt, Trinkt!“, lachte der König ausgelassen und hob seinen Kelch. „Dies ist eine Nacht die wir Feiern müssen!“

Immer mehr und mehr der Feier wütigen Gäste im Palast des König erlagen ihrer Müdigkeit und schliefen an Ort und Stelle ein. Auch der König erhob sich, seine Königin wich ihm dabei nicht von der Seite.
„Nun, meine Liebste, wollen wir dann unsere Schlafstätte aufsuchen?“, hauchte er nahe ihrer Lippen und erfreute sich an dem roten Schimmer an den Sandfarbenen Wangen seiner Gemahlin.
Sein Freund Enkidu saß etwas am Rande, hielt ebenso eine schöne Frau in den Armen und betrachtete das Königspaar, wie es sich in Richtung der gemeinsamen Gemächer entfernte.
„Auf dass der Schoß der Königin in dieser Nacht fruchtbar ist.“, entwich es ihm unter einem zweideutigen Grinsen. Er hob noch ein letztes Mal seinen eigenen Kelch, leerte ihn in einem einzigen Zug und wandte sich dann der Schönheit in seinen Armen zu, um sich selbst ein wenig der Körperlichen Liebe hinzugeben, so wie die Tiere in der Steppe mit denen er einst aufwuchs.

Gilgamesh nickte den Wachen zu, die vor den Königlichen Gemächern standen und schickte sie mit einer einzigen Handbewegung davon.
„Es ist noch Wein übrig, trinkt so viel ihr wollt.“, sprach er zu ihnen, legte eine Hand an die Hüfte seiner Gemahlin und fuhr fort, ohne die beiden Männer anzusehen. „Diese Nacht möchte ich mit meiner Königin ungestört sein.“, die Wachen verneigten sich und eilten davon, freuten sich schon auf den Wein.

Gilgamesh hob seine Frau auf seine Arme, trat die Tür mit einem kräftigen Stoß auf und trug sie hinein, ließ sie sanft auf der Schlafstätte nieder und bedeckte sogleich ihren zarten Körper mit dem seinen.
„Ich sitze in einem Spinnennetz der Lüsternheit, lass mich die Beute nicht vermissen.“, raunte er ihr ins Ohr und zog verspielt an dem Band, das den Stoff geschlossen hielt der ihre wohlgeformten weiblichen Rundungen verbarg. Doch auch die Hände seiner Königin blieben nicht untätig. Sie streifte ihm den Mantel ab und stieß ihm die edle Königsmütze vom Kopf.
„Du, der in dem Spinnennetz der Lüsternheit sitzt, nimm mich zur Beute.“, hauchte sie an die Lippen ihres Gemahls und gab sich ihm schließlich voll und ganz hin.

Und während der goldene  König seine Königin in dieser Nacht immer wieder und wieder liebte, zog er den unbändigen Zorn der Göttin Inanna auf sich. Die fürstliche Göttin der Liebe und des Krieges war beeindruckt von Gilgameshs Heldenmut und all der großen Taten, die er bislang begangen hatte. Zum Gatten wollte sie diesen Stolzen König nehmen, doch sein Herz war verloren an eine Sterbliche Frau. Schon einmal hatte sie versucht ihn zu betören, wollte ihn in Versuchung führen, doch vergebens. Dieser Mann besaß einzig und allein Augen für Nisha, die Tochter eines einfachen Uschpar, eines törichten Schneiders, der es geschafft hatte mit einer Tempel Hure eine solch schöne Tochter zu Zeugen. Aus Wut über seine Abweisung hatte sie den schrecklichen Himmelsstier auf die Stadt Uruk los gelassen, doch Gilgamesh hatte ihn gemeinsam mit Enkidu erschlagen.

„Du einfältiger kleiner König.“, grollte die Göttin in ihrem Zorn. „Wenn ich deinen Leib aus Zwei Dritteln Götterfleisch nicht besitzen kann, so darf es diese Menschliche Frau schon gar nicht!“, in ihrem Herzen wuchs ein finsterer Plan, der ihrem gekränkten Stolz Befriedigung beschaffen sollte. Denn Gilgamesh war der erste Mann, der ihr jemals widerstand und sie abwies.

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Friedlich lag die schlafende Gestalt Nishas neben Gilgamesh. Ein glückliches lächeln lag auf den Lippen der Königin und selbst im Schlafe, genoss sie die liebkosenden Berührungen, die ihr Gemahl ihr zukommen ließ. Gilgamesh streichelte ihre Seiten und strich ihr eine Goldblonde Strähne aus dem Gesicht. Gleichzeitig ruhte der Blick des Königs aber auch auf der Körpermitte seiner Königin.
Schon lange sehnte er sich nach einem Sohn, einem Erben der ihm eines Tages auf den Thron nachfolgen sollte. Doch bisher schien der Schoß seiner Gemahlin nichts von ihm empfangen zu haben. Nisha drehte sich im Schlaf auf den Rücken, bot ihm eine wunderbare Sicht auf ihre weiblichen Hügel, an denen er sich bald seinen Sohn trinken zu sehen erhoffte. Der Blick Gilgameshs wanderte ein wenig abwärts, blieb schließlich an ihrer Weiblichkeit haften, die er in dieser Nacht reichlich in Anspruch genommen hatte. Federleicht fuhr er mit den Fingerspitzen daran entlang, brachte ihren Körper damit leicht zum Zucken. Als er seine Hand zurück zog, haftete an seinen Fingern noch etwas von seinem Königlichen Samen.
„Großer Sonnengott Utu, du bist mir bisher immer Gnädig gewesen und hieltest deine schützende Hand über mich … bitte, lass diese Nacht nicht vergebens gewesen sein.“, bat der Stolze König, schloss die Arme um die Gestalt seiner Königin und sank dann selbst in einen unruhigen Schlaf. Zu viele wirre Gedanken waren es, die ihn quälten.

Anders als der König, fand sein engster Freund Enkidu noch nicht einmal einen unruhigen Schlaf. Der grün haarige saß wach auf seiner Schlafstätte, neben ihm die Schönheit die mit ihm die Nacht verbracht hatte und die er seine Frau nennen durfte. Die Götter hatten ihm einen unheilvorhersagenden Traum geschickt, eine Botschaft war darin enthalten die unmissverständlich besagte, dass er bald sterben würde. Mit einem traurigen seufzen legte sich Enkidu nieder und vergrub die Nase in den Haaren seiner Liebsten. Ihre Verbindung währte noch nicht lange, da schmerzte es ihn umso mehr, dass sie wohl schon bald enden würde.
„Lass mich dir diese Nacht wenigstens noch mein Kind geschenkt haben, bevor ich diese Welt für immer Verlasse.“, hauchte Enkidu in die Stille der Nacht hinein, platzierte eine seiner Hände am Bauch seiner Frau und erhoffte sich, das darin bald ein neues Leben heran wachsen würde.

Und es geschah, wie Enkidu es fürchtete.
Er erkrankte an einem starken Fieber und konnte seine Schlafstätte nicht mehr verlassen. Sein Freund Gilgamesh wich ihm nicht von der Seite, wachte neben ihm Zwölf Tage und Elf Nächte lang.
„Gilgamesh, mein Freund … mein Bruder … tust du einem Sterbenden einen letzten Gefallen?“, fest umschloss der König die Hand seines engsten Vertrauten.
„Alles würde ich für dich tun. Sag, was wünschst du dir?“
„Ich …“, Enkidu hatte alle Mühe seine Augen geöffnet zu halten und legte seine andere Hand dem Freund ans Herz. „Ich möchte, dass du mein Kind als deines annimmst, sollte meine Frau eines von mir Empfangen haben … ich bitte dich, Gilgamesh, tu mir diesen letzten Gefallen.“, fest sah er in Enkidus goldene Augen. Sie strahlten ihn nicht mehr unbekümmert und Lausbübisch an, sie wirkten nun Müde und erinnerten an die eines alten Mannes, der auf seinem Sterbebett lag.
„Ich verspreche es dir. Deinem Kind und deiner Frau wird es an nichts fehlen. Sie sollen weiter hier im Palast leben und sicher sein.“
„Hab vielen Dank.“, Enkidu schloss die Augen, ein friedlicher Ausdruck lag auf den Zügen des Mannes aus der Steppe. Dann erstarb sein Atem und sein Herz gab keinen Schlag mehr von sich.

Der Kummer überkam den goldenen König.
Er schrie und war in seinem Wehklagen gefangen, zu tief saß der Schmerz über den Verlust seines Freundes.
„Liebster …“, Nisha näherte sich ihrem Gemahl und legte ihm tröstende Hände an die Schultern. Gilgamesh saß in sich zusammengesunken auf seinem Thron, den Blick leer aus einem der großen Fenster gerichtet.
„Fort … Enkidu ist einfach Fort.“, seine Stimme klang gebrochen, sie besaß nicht mehr den festen klang der ihm sonst zu Eigen war. „Liebster, du darfst dich nicht so in Trauer verlieren. Das würde Enkidu nicht wollen.“, Gilgamesh seufzte und schaffte es schließlich den Blick auf seine Gemahlin zu richten.
„Wie soll ich denn nicht Trauern wenn die Götter mir meinen Teuren Freund und Bruder nahmen.“
„Das Volk ist verunsichert weil du, ihr König, in einem derartigen Zustand des Selbstzweifels bist.“, sachte fuhr sie mit den Fingern durch seine blonden Haare und schenkte ihm ein warmes lächeln. „Das Volk braucht dich. Ich brauche dich …“, Nisha neigte sich ein Stück zu ihm und hauchte Worte in das Ohr des Königs, die sein Herz mit einem Mal voll Freude heftig in seiner Brust schlagen ließen. „ … und das Kind in meinem Leib braucht dich auch als starken Vater.“

Gilgamesh sah seine Frau fassungslos an.
Spielen seine Ohren ihm nun üble Streiche?
„Bist du tatsächlich …?“, er legte eine Hand an den Bauch seiner Königin und suchte den Blickkontakt zu ihren grünen Augen. Sie waren erfüllt von einer Liebe, wie sie nur eine Frau empfinden konnte, der das baldige Mutterglück bevorstand.
Nisha nickte.
„Unsere Liebe trägt nun endlich Früchte, Gilgamesh.“, für diesen Moment war die Trauer um seinen Freund vergessen, nur Freude fand Platz in seinem Herzen.

Während das Königspaar darüber frohlockte, brodelte die Eifersüchtige Göttin Inanna vor Zorn.
„Der Tod deines Engsten Vertrauten scheint dich noch nicht gänzlich gebrochen zu haben, mein lieber Gilgamesh.“, aus dem Himmelreich herab, konnte sie ihn und seine Königin betrachten. Inanna ekelte sich förmlich vor der Freude in des Königs Herz, wann immer seine Frau bei ihm war. „Ich werde den letzten Funken Liebe aus deinem Leibe quetschen.“, grollte Inanna und legte sich auf die Lauer für den nächsten Akt ihres perfiden Planes.  

Auch der Leib von der Witwe Enkidus trug ein Kind. Zum einen war sie froh darüber, zum anderen spürte sie jedes Mal einen Stich in ihrem Herzen, wann immer sie daran dachte, dass ihr Kind niemals seinen Vater sehen würde. Die Königin selbst war es, die sich der trauernden Witwe annahm und sie wie eine Schwester behandelte. Aselya wurde in edle Gewänder gekleidet, erhielt nur die erlesensten Speisen und durfte Heiße Bäder mit der Königin genießen, die den werdenden Müttern Erholung spendeten.  

Gilgamesh dachte noch häufig an seinen Treuen Freund.
Doch je mehr das Kind im Leibe seiner Königin wuchs, umso mehr schmälerte sich die Trauer. Sie wurde überschattet von der Bevorstehenden Geburt seines lang ersehnten Erben.
Aber auch die Geburt von Enkidus Kind rückte näher, waren beide Kinder doch in derselben Nacht gezeugt worden.

„Gilgamesh, nicht.“, ein lieblicher klang, wie das Kichern eines unschuldigen Kindes kam über die Lippen der Goldblonden, als ihr Gemahl vereinzelte Küsse auf ihrem gewölbten Bauch platzierte.
„Versuche mich doch daran zu hindern, meiner wundervollen Königin ein wenig Freude und Heiterkeit zu bereiten.“, seit Enkidus Tod war Gilgamesh nur selten guter Laune und so erfreute es Nisha umso mehr, ihn in diesen ruhigen Momenten zu zweit einfach nur herzlich lächeln zu sehen.
„So sehr mich deine Worte auch schmeicheln aber … ich bedaure es sehr, dass du deiner Lust derzeit nicht nachgehen kannst.“, Gilgamesh hielt inne, sah seine Gemahlin für einen Moment an.
„Warum sollte ich meiner Lust nicht nachgehen können, Nisha?“, ein zarter Rotschimmer zeichnete sich auf den Wangen der Königin ab und beschämt wandte sie den Blick ab.
„Natürlich könntest du dir auch eine der unzähligen Huren in die Gemächer holen und dich an ihr laben.“
„Niemals würde ich bei einer anderen Frau liegen, schon gar nicht in jenen Gemächern, in denen wir unser Kind durch unsere Liebe gezeugt haben.“, widersprach er ihr in bestimmtem Tonfall und suchte ihre Lippen mit den seinen auf, bevor ihrem Mund noch weiterer Unsinn entweichen konnte. Glücklich sah sie ihren König an und verfiel einmal mehr seiner hauchzarten Verführung.  
Viele weitere Tage und Nächte zogen ins Land. Gilgamesh dachte nun nur noch selten an seinen guten Freund, zu groß war die Freude auf die baldige Geburt seines Sohnes.
„Ich fürchte mich.“, aus angsterfüllten Augen sah die Witwe Enkidus die Königin an. „Was wenn mein Kind seinem Vater zu sehr ähnelt und ich in Tränen versinke, wann immer ich es ansehe?“, behutsam nahm die Goldblonde die Hände ihrer Freundin.
„Glaube mir, deine Augen werden mit Tränen gefüllt sein sobald dein Kind deinen Leib verlassen hat. Aber es werden Tränen der Freude sein.“, Aselya schüttelte den Kopf, ihre Haare warfen wirre Strähnen.
„Wie könnten es Freudentränen sein?“, das Lächeln auf den Lippen der Königin schien so warm wie die Sonne über Uruk.
„Es wird die Freude darüber sein, das ein Teil Enkidus noch immer weiter leben wird. Und“, sanft Strich sie über ihren gewölbten Bauch. „Dein Kind wird mit einem treuen Spielgefährten aufwachsen.“, Aselya lauschte den Worten der anderen und nickte Tapfer.
„Ja, dann werden es gewiss Freudentränen sein. Ganz so wie du es sagst, meine liebe Freundin.“
Durch die Worte der Königin gestärkt, sah Aselya der bevorstehenden Geburt ihres Kindes nun fröhlicher gestimmt entgegen. Jedoch versank das Volk, allen voran der König selbst, in große Sorge um das Wohlergehen der Königin. Je weiter ihre Schwangerschaft fortschritt, umso schwächer schien Nisha zu werden. Gilgamesh trieb die Heiler zu Höchstleistungen an, doch sie nagten am Rande der Ratlosigkeit, als alle ihre Methoden zu versagen schienen.
Die Augen von schwarzen Schatten umrandet, saß Gilgamesh an der Seite seiner Königin, die zarte zerbrechliche Hand seiner Liebsten mit der seinen sachte Umschlossen.  
„Warum strafen mich die Götter so?“, klagte er voll Trauer. „Warum lassen sie zu, dass ich dich so sehen muss? Du hast nie etwas getan, um dir den Zorn der Götter zu eigen zu machen.“, Nisha wandte den Kopf zu ihrem Gemahl, schenkte ihm ein kleines, warmes lächeln und ließ dann den Blick auf ihrem Bauch ruhen.
„Weine nicht. Schon viele Mütter sind auf dem Kindsbett in das Reich des ewigen Schlafes gesunken. Du musst Stark sein und unseren Sohn auf den rechten Weg Führen, damit er eines Tages ein Großer König sein kann. Ganz genau wie sein Prachtvoller Vater.“, kurz biss sich der König auf die eigene Zunge. Zu schmerzvoll waren die Worte, die sie da sprach.
„Sprich nicht, als würdest du schon mit einem Bein in der anderen Welt stehen.“, halt suchend presste er seine Stirn gegen die seiner Frau. „Nisha, du wirst nicht Sterben. Selbst wenn ich für dein Leben das der erlesensten Heiler oder den Göttern das edelste Vieh Opfern muss.“

Zu gern wollte Nisha seinen Worten Glauben schenken.

Zu gern wollte sie an eine gemeinsame Zukunft glauben.

Zu gern wollte sie ihr Kind Aufwachsen sehen und erleben, wie er eines Tages den Thron von seinem Vater übereignet bekam.

Doch die Königin wusste etwas, was ihr Gemahl nicht wusste.

Die Fürstliche Göttin Inanna war ihr im Traum erschienen und hatte ihr den Tod Prophezeit. Genau wie es Enkidu widerfahren war.
Aber das konnte die Königin nicht wissen.

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„Er kommt nach seinem Vater.“, Gilgamesh hielt den Säugling im Arm, während die Heiler sich um das Wohlergehen Aselyas kümmerten. Die junge Mutter sah mit traurigen Augen zu ihrem Kind.
„Enkidu hätte ihn sicher gern gesehen.“, der König von Uruk reichte ihr das Kind und verstand ihre Trauer nur zu gut.
„Er sieht ihn von der anderen Welt aus. Und er wird immer über euch beide Wachen.“, der Heiler trat an Gilgamesh heran, verneigte sich tief und sprach mit seiner Alten, rauen Stimme: „Mein König … bitte erlaubt mir Euch zu bitten Aselya ruhen zu lassen. Die Geburt war schwer und nun braucht sie Schlaf und dass Kind seine erste Mahlzeit.“, der König nickte. Ungern nahm der Stolze junge Mann Befehle oder gar Aufforderungen von anderen entgegen, doch gegen das Wort eines erfahrenen Heilers wagte er nichts zu erwidern.

Er wollte ohnehin nach seiner eigenen Gemahlin sehen. Und je näher er den Gemächern kam, desto lauter schlug sein Herz.
Eine Plötzliche Unruhe befiel ihn und er stieß mit einer ungeahnten Wucht die Türen auf.
„Nisha!“, er stürzte an die Seite seiner Königin.

Ihr schönes, ebenes Gesicht wirkte Fahl. Schweiß stand ihr auf der Stirn und ihre Atmung ging schwer.
„Liebster … bitte … die Heiler!“, sofort verstand er, eilte hinaus auf den Gang und rief aus voller Kehle nach den Heilern.
„Die Königin liegt in den Wehen! Heiler, kommt sofort zu den Königlichen Gemächern! Wer auch nur eine Sekunde zu spät kommt, dessen Kopf wird rollen und die Palastmauer Schmücken!“

„Ich bin bei dir, meine liebste.“, Gilgamesh nahm ihre Hand, erstarrte bei der Kälte, die von ihr Ausging. „Bitte bleibe auch du bei mir.“, ihre Augen suchten die seinen.
Sie wollte Antworten, doch ihre Stimme erstarb in einem grellen Schrei.
„Heiler!“, die Männer eilten herbei und begannen ihre Arbeit.

Unter dem wachsamen Blick des Königs entfernten sie die Laken und schoben das Gewand der Königin über ihre Hüften.
Es missfiel Gilgamesh dass ein anderer Mann den Unterleib seiner Frau entblößt sah, doch dies war ein Umstand den er nun nicht ändern konnte.

Unruhe und Sorge ließen den König nicht still sitzen und so schickten die Heiler ihn hinaus.
Nun stand Gilgamesh vor den Türen, die zu seinen Gemächern führten und hörte seit geraumer Zeit die Schreie seiner Frau.
„Großer Sonnengott Utu … bitte … BITTE lass meine Frau nicht sterben. Ihr Götter habt mir doch bereits meinen Treusten Freund geraubt, das sollte euch doch genug sein!“
Doch Utu schwieg.
Der König von Uruk erhielt keine Antwort.
Er wurde mit seiner Angst allein gelassen und war gezwungen dem Leiden seiner Gemahlin zu lauschen.

Die Minuten zogen sich zu Stunden.
Als die Sonne über seiner Stadt in einem Wolken verhangenen Himmel unterging, so schien sie wie ein böses Omen zu sein. Langsam öffneten sich die Türen und die Heiler baten den König hinein. Sie alle hielten ihre Häupter gesenkt und eine schmerzliche Stille erfüllte den Raum.
Gilgamesh trat an die Schlafstätte heran und scheuchte den Heiler beiseite, der den Blutverschmierten Unterleib der Königin säuberte.
„Nisha?“, die Goldblonde sah ihn an.
Und der König erschrak.
Ihre Augen waren in Tränen getränkt.
Der Ausdruck in ihnen zeugte von solch einem tiefsitzenden Schmerz, den nur eine Mutter empfinden konnte die ihr …
Gilgamesh erstarrte. Der Raum war gespenstisch Still. Er müsste doch das Schreien eines Neugeborenen hören aber da war nichts.
„Wo ist unser Kind?“, ihre Lippen zitterten, als sie ihre Stimme suchte.
Und als sie sie fand stachen die Worte, die sie Sprach dem König direkt eine Lanze durch das Herz.
„Er ist tot.“

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Die Beisetzung des Toten Prinzen fand noch am selben Abend statt. Gilgamesh wollte, das man seinem Sohn Respekt zeugte, auch wenn er niemals einen Atemzug hatte tun können.
Die Königin ihrerseits nahm nicht an der Zeremonie teil.
Die Geburt hatte sie sehr geschwächt und so verbrachte sie ihre Tage meist mit Schlaf unter Aufsicht der Heiler.
Gilgameh verließ die Zeremonie direkt nachdem der Leib seines Erben eins mit der Erde wurde und begab sich zu seiner Frau.
„Wie fühlst du dich?“, fragte er, große Sorge in der Stimme tragend, und sah auf die Goldblonde hinab. Ihr einst so schönes seidiges Haar wirkte Stumpf und ungepflegt, ihre glänzenden Augen sahen ihn aus einem trüben Schleier heraus an.
„Mit jedem Tag verlässt mehr und mehr Kraft meinen Körper …“, hauchte sie mit leiser Stimme.
Gilgamesh wollte diese Worte jedoch nicht hören und schüttelte abwehrend den Kopf.
„Du wirst wieder gesund, hörst du! Ich lasse nicht zu, dass man mir auch noch meine Königin nimmt!“, Nisha versuchte ihrem Gemahl ein lächeln zu schenken, doch selbst für diese winzige Muskelregung hatte sie kaum noch Kraft. Sie schloss ihre Augen und fiel in einen tiefen Schlaf.

Der goldene König ließ sie ruhen und begab sich in seinen Thronsaal. Müde ließ er sich darauf nieder und vergrub nachdenklich sein Gesicht in seinen Händen.
Nachdenklich?
Nein. Viel mehr voller Verzweiflung.
Gilgamesh war ein Stolzer König und würde niemals Freiwillig eine Schwäche eingestehen doch die Sorge um seine Frau ließ ihn nicht los. Mit einem Mal riss er den Kopf hoch und schrie:
„Ich werde keine Gebete mehr zu euch Göttern entsenden, wenn ihr Nisha das Leben nehmt!“

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Die Drohung Gilgamesh´s verklang ungehört.
Der Zustand seiner Gemahlin verschlimmerte sich derart, dass kein einziger seiner Heiler noch wusste, wie man die Königin noch retten konnte.
„Ich bedaure sehr Euch dies mitzuteilen, Majestät aber … die Königin liegt im Sterben.“, tief verneigte sich der Heiler, hoffte sein König würde einsehen das es keinen Sinn mehr hatte auf ein Wunder zu hoffen.
„Du elender Scharlatan!“, wütend schlug Gilgamesh den Heiler nieder und versetzte ihm einen Knochenbrechenden Tritt in die Brust. „Wenn Nisha ihren letzten Atemzug tut, werden all eure Köpfe rollen! Hast du mich verstanden?!“, mühsam nickte der Mann unter seinem Fuß, ein Schwall Blut floss über seine Lippen.
„Jawohl, Eure Majestät.“
Der König wandte sich ab und schritt in die Königlichen Gemächer. Doch den Anblick seiner Gemahlin konnte er kaum ertragen. Ihr Körper schien bis auf die Knochen abgemagert zu sein, ihre Haut war fahl und ihre Augen schienen ihn noch nicht einmal mehr richtig zu sehen.
„Gilgamesh …“, ihre Stimme, einst so klar und lieblich, schien nun aus weiter Ferne zu kommen. Schnell eilte er an ihre Seite.
„Ich bin hier.“, er legte seine Hand an ihre Wange, erschrak vor dem Gefühl ihre Knochen so deutlich durch die Haut zu spüren.
„Liebster … ich kann ihn sehen.“
„Wen kannst du sehen, meine geliebte Königin?“, nun brachte sie tatsächlich ein winziges lächeln zustande, doch es kam Gilgamesh so unwirklich vor. Ihre Augen sahen an ihm vorbei, schienen in weite Ferne gerichtet zu sein.
„Unseren Sohn.“, ihre Worte stachen in sein Herz.
„Nisha …“, zitternd hob sie die Hand und versuchte etwas zu berühren. Gilgamesh schloss ihre Hand in die seine und versuchte die erkaltenden Finger zu Wärmen.
„Er braucht mich.“, ihr Körper wurde von einem rasselnden Atemzug erschüttert. „Er … Er …“, jegliche Anspannung fiel aus ihren Gliedern. Die Hand, die Gilgamesh umschlossen hielt, erschlaffte und wie der Kopf einer leblosen Puppe legte sich auch der ihre zur Seite.
Einen Moment lang konnte der König nur erschrocken auf ihren Körper starren.
„Nein …“, Gilgamesh wollte nicht wahrhaben, was gerade geschehen war und legte seinen Kopf an ihre Brust, versuchte verzweifelt ein Schlagendes Herz zu hören.
Doch es war verstummt.
So erklang der verzweifelte Schrei des Königs bis hinaus zu seinem Volk und die ganze Nacht konnte man sein wehklagen und die Rufe nach seiner über alles geliebten Königin hören.

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Auch viele Tage nach dem Tod der Königin hatte sich Gilgamesh seinem Volk nicht gezeigt.
Er hatte sich vollkommen in seiner Trauer zurück gezogen, verbrachte seine Tage allein in seinen Gemächern. Der Stolze König war gebrochen.
„Mein König?“, zaghaft hatte Aselya an die Tür geklopft, doch eine Antwort hatte sie auch nach wiederholtem Klopfen nicht erhalten. Und so war sie in die Königlichen Gemächer getreten und fand Gilgamesh gekrümmt an einem der Fenster sitzen.
„Majestät, das Volk sorgt sich um Euch.“, sprach sie ruhig und wagte es näher zu kommen.
Der Blonde junge Mann reagierte nicht. Aselya streckte eine Hand nach ihm aus, ihre Fingerspitzen berührten nur hauchzart die makellose Haut des Königs. Sofort fuhr Gilgamesh in eine Aufrechte Haltung, packte das Handgelenk der Witwe und drückte es gewaltsam von sich fort.
„Was hast du hier zu suchen?!“, schrie er sie an und warf ihr einen scharfen Blick zu. Aselya zitterte, wollte dem Griff des Königs entfliehen doch sie wusste, das sie seiner Stärke nicht gewachsen war.
„Ich wollte nach Euch sehen.“, wimmerte sie.
Gilgameshs Blick war kalt.
„Das ist nicht nötig.“, er stieß sie beiseite. „Geh und sieh nach deinem Kind. Der Sohn meines besten Freundes will versorgt sein.“
„Bitte zeigt Euch dem Volk, zeigt das Ihr noch immer der große König seid, zu dem wir alle Stolz aufsehen.“, bat sie noch einmal eindringlich. Gilgamesh stieß nur ein verächtliches Lachen aus. Aselya wusste, das er seine Trauer hinter diesem lachen zu verstecken versuchte. Auch sie trauerte, war die Königin doch zu einer wichtigen Freundin für sie geworden. Abrupt verstummte das lachen des Königs. Seine Roten Augen stachen sich in den Blick der Witwe.
„Nun geh schon! Hinfort mit dir!“, Aselya verneigte sich schnell und eilte dann hinaus.
Gilgamesh blieb allein zurück und bezog wieder seinen Platz am Fenster, sah hinauf zum Himmel und ballte wütend die Fäuste.
„Ich werde euch nicht anflehen, ihr verlogenen Götter!“, schrie er hinauf in das Reich der Unsterblichen. „Niemals wieder werde ich auf Eure Gnade vertrauen! Ihr habt mir alles genommen, an dem mein Herz hing! Ich gebe euch nichts mehr! Hört ihr? NICHTS!“, wütend schlug er gegen die Marmorsäule neben sich und wandte sich ab, vergrub sein schmerzverzerrtes Gesicht in seinen Händen.
Auch die Gnade im Herzen des Königs zerfiel.
All die Freude, die seine geliebte Königin ihm gab war erloschen, war mit ihr gestorben. Sein Blick verhärtete sich, sein ehrliches lächeln erstarb.

Und nicht nur das Volk bekam dies zu spüren. Auch die Witwe seines verstorbenen Freundes erfuhr die unbarmherzigkeit des Königs am eigenen Leib.
Zwar schien ein gewisser guter Kern in seiner tat zustecken, doch die Junge Mutter wusste nicht wie sie darüber denken sollte.
Nur wenige Tage nach seinem Hasserfüllten Ruf hinauf zu den Göttern hatte sich Gilgamesh erstmals wieder dem Volk von Uruk gezeigt und verkündet, das Aselya die neue Königin an seiner Seite werden sollte. Rufe der Verwunderung waren durch das Volk gegangen und der bittere Schrei der Göttin Inanna drang aus dem Himmelreich herab und ihre Eifersucht verzerrte sie derart, das die anderen Götter sie einsperrten.
Zu viel Unheil hatte sie bereits angerichtet.

„Mein König … seid Ihr Euch sicher, das ich den Platz Eurer Gemahlin einnehmen soll?“, unterwürfig war Aselya dem Blonden nach der Vermählung, welche noch am selben tage der Verkündung stattgefunden hatte, in dessen Gemächer gefolgt.
„Du nimmst keineswegs ihren Platz ein. Diese Heirat galt nur einer gewissen Formalität.“, verwundert sah sie den König an.
„Verzeiht, Majestät aber wie meint Ihr das?“, Gilgamesh wandte sich ihr um.
„Du wirst weder in diesen Gemächern Schlafen noch werde ich den Akt der Körperlichen Vereinigung mit dir vollziehen. Das du nun die Königin bist, macht deinen Sohn zu einem Prinzen.“, langsam begann Aselya zu verstehen. „Ich will das der Sohn meines besten und treusten Freundes nach mir den Thron von Uruk besteigt.“
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