SCHWARZHÄNDLER SIND …

von Jeniver
GeschichteAllgemein / P12
Dirk "Bela B." Felsenheimer Jan "Farin Urlaub" Vetter OC (Own Character) Rodrigo "Rod" Gonzalez
17.11.2019
17.11.2019
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Schwarzhändler sind Schweine, ja genau!

Inspiriert von den Ereignissen rund um den Ticketverkauf am 14.11.2019 um 17 Uhr habe ich mich zu einem kleinen Onetake inspiriert gefühlt, in dem ich die Truppe um Carina noch einmal habe aufleben lassen - und vor allem die Vorkommnisse aus meiner Phantasie heraus erkläre!

Vielleicht hilfreich, aber nicht hundertprozentig notwendig, die Vorgeschichte ab hier zu kennen: https://www.fanfiktion.de/s/4ee39a4b0002231106d00bc6/1/Carina

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„Aber das könnt ihr doch nicht machen!“

Kaum dass ich das gesagt hatte, musste ich instinktiv zurückweichen vor der geballten Ladung Testosteron und Aggression , die mir augenblicklich entgegen wehte. Und das war schon etwas ungewohnt ...

Schließlich führten wir oft genug Diskussionen, wenn es um das Abmischen von Songs oder die Reihenfolge von Albumtiteln ging. In Kürze würde das wieder los gehen … Und normalerweise unterstützte ich auch jede noch so verrückte Idee - man denke nur an die kürzeste Singleauskopplung der Musikgeschichte! Aber das hier …

Rod blies sich den Pony aus dem Gesicht. „Carina, das hätte ich nun wirklich nicht von dir erwartet!“

„Ja genau“, grinste Bela dazu, „wo ist denn meine Wonder Woman geblieben?“

„Das muss ich aber auch sagen.“
Geradezu dankbar fuhr ich zum Urheber der Stimme herum. „Ah, da meldet sich der Schüler, um den Meister zu maßregeln, oder wie?!“
Täuschte ich mich, oder schrumpfte Karsten grade ein bisschen? „Ähm, naja, du weißt, ich hab da jetzt auch schon gut 20 Jahre Erfahrung und ich, ähm, also, auch wenn du es dir vielleicht nicht vorstellen kannst, es würde bestimmt - “ Doch, er war in den letzten Sekunden definitiv kleiner geworden und wand sich nun verlegen.

Theatralisch sog ich die Luft ein. „Sieh an, habe ich eine Schlange an meiner Brust genährt, was,  Auge?!“, funkelte ich ihn an.

Das fing an, mir Spaß zu machen. Okay, dass Karsten andeutete, ich würde seinen Plan bzw. die Ausführung nicht verstehen, war tatsächlich ein wenig ehrenrührig. Denn der Ruf als Hackerin Nr. Eins hallte mir noch immer nach und ich hatte ihm längst nicht alles beigebracht, was ich wusste. Vielleicht lag es daran, dass er seinen Plan nur äußerst mühsam an die heilige Dreifaltigkeit hatte bringen können, da sie alle Laien waren.

Aber trotzdem, was sie da jetzt wieder ausgeheckt hatten …

Plötzlich spürte ich eine Hand, die sich um meine Taille schob und musste fast grinsen. Die Charme- und Liebesattacke um den erbosten Drachen zu besänftigen, ja ja …

Wie durchschaubar, und doch, wie süß. Und das kurz vor unserem 19. Hochzeitstag, holla! „Fee, bitte“, säuselte Jan in einem Ton, der fast nicht hierher gehörte, was mich mit den Augen rollen ließ.
„Ja, mein lieber Ghosa? Frisch von der Abenteuerreise zurück und schon wieder auf dem Kriegspfad?“

„Ha!“, entfuhr es Jan und musste einen seinen typischen Lachanfälle unterdrücken. Dann wiegte er den Kopf hin und her. „Also gut, rekapitulieren wir noch mal. Was genau ist dein Problem?“

„MEIN Problem? Na klar, ich denke ja nur an die 30 Millionen Fans da draußen, aber ja, es ist ganz klar mein Problem!“
„30 Millionen?!“ Bela schrubbte über seine Nase. „Yeah, ich hab ausgesorgt!“
„Erben eh Keanu und Mila“, zuckte ich mit den Achseln. „Die Zahl setz halt selber ein, aber trotzdem, willst du DAS euren Fans wirklich antun?!“

„Was denn antun? Ich finde“, brummte Dirk, „wir tun ihnen damit eher einen Gefallen! Und dafür brauchen wir halt dich.“
„Pff! Einen Gefallen? Das nennt sich eher einen Bärendienst erweisen!“
„Jetzt packt sie wieder die Gelehrte aus!“

Genervt fuhr ich mir übers Gesicht. Die Emotionen gingen hier ein bisschen zu sehr hoch, deswegen hob ich die Hände und holte tief Luft. „Jetzt noch mal von vorne. Rekapitulieren wir das Ganze also wirklich noch mal. Also, ihr wollt übernächste Woche beim Ticketverkauf so richtig aktiv was gegen den Schwarzhandel tun. Das ist ja an und für sich okay.“

„Oh, dankeschön!“
„Dirk, es reicht jetzt!“, zischte mein ewiger Ritter gegen Dirks Sarkasmus an. „Lass sie mal ausreden. Dann,“ jetzt grinste er sein übliches Lausbubenlächeln, „werden wir sie sicher überzeugen können!“

Allein dafür könnte ich ihn ja schon wieder küssen, aber dazu war später noch Zeit. „Nicht okay“, stieg ich wieder ein, „ist die Art und Weise, wie ihr es machen wollt. Ich meine, versetzt euch doch mal in die Lage eines Fans, der nach geschlagenen neun Jahren endlich die Möglichkeit am Horizont sieht, Die Ärzte wieder live zu erleben. Was sie wohl denken und fühlen … 'Sie leben, sie verstehen sich noch, sie haben sich nicht getrennt, endlich kann ich sie wieder live sehen ' … All sowas halt. Und dann wollt ihr mit eurem fiesen Trick dafür sorgen, dass sie keine Karten kriegen?!?!?“

Karsten räusperte sich. „KEINE Karten stimmt ja nicht so ganz. Es werden nur anfangs sehr wenige Karten verfügbar sein.“
„Ja, so dass so gut wie gar keiner eine in den Warenkorb bekommen wird. Kannst du dir den Frust nicht mal annähernd vorstellen?! Könnt ihr das nicht?“

Rod nickte. „Doch, doch, das können wir. Ich finde nur, dass man da echt mal einen Riegel vorschieben muss. Also so richtig!“

„Ja aber die Personalisierung, wäre das nicht eine Möglichkeit? Ich hab gehört, dass viele Bands da jetzt mit ihren digitalen Tickets drauf setzen?!“
„Yepp, das soll wohl abschrecken, aber ich hab noch von keinem Erfolg diesbezüglich gehört. Du? Ihr? Glaubt ihr, am Einlass hat das Personal die Zeit, tausende von Ausweisen zu kontrollieren? Das ist für mich reine Augenwischerei. Abschreckung bestenfalls, aber nicht wirklich effektiv!“

„Echt?“ Jetzt war ich tatsächlich enttäuscht, das war sozusagen mein Joker gewesen. Hilfesuchend wandte ich mich an die Managerin, doch der seufzte nur.
„Er hat Recht, theoretisch müsste man immer den originalen Einkaufsbeleg dabei haben, alle Persos, etc. pp. … Aber unter den Schwarzhändlern sind leider auch einige deiner Ex-Kollegen, liebe Carina, sozusagen auf die dunkle Seite über gewechselt. Und die können auch Kaufbelege so perfekt fälschen und manipulieren, dass jede noch so gute Kontrolle das nicht aufdecken würde. So sie denn überhaupt stattfindet.“

„Boh“, pustete ich die Backen auf, „und du, Karsten, hast jetzt ein Rezept dagegen entdeckt?“
Der nickte stolz. „Ja, ich hab da halt diese Entdeckung gemacht, als ich den Ticketshop programmiert habe. Erinnerst du dich an den Waterman-Fall?“
Ich nickte, der war inzwischen ein Klassiker unter uns Computerleuten, aber einfach zu schwer, ihn jetzt hier all den Laien zu erklären.
„Der“, fuhr Karsten, der sich in den letzten Jahren einen Ruf wie Donnerhall als Betreuer der beiden Homepages erworben hatte, fort, „und deine Aktion damals in Köln hat mich auf die Idee gebracht, ein ganz spezielles Tracing zu programmieren. Verstehst du?“

Es war mucksmäuschenstill im Büro, als ich über das Gesagte nachdachte. Ja, es machte durchaus Sinn, auch wenn sich mein Datenschützerherz ein wenig dagegen aufplusterte. Im Sinne der DSGVO war es sicher nicht …

„Na gut, soweit verstehe ich das ja und auch eure lobende Intention. Und es tut mir leid, wenn ich mich hier so quer stelle, aber schließlich habt ihr mich ja ausdrücklich gefragt. Wobei mir nicht ganz klar ist, wofür ihr mich braucht.“

Mein Schatz wies auf Karsten. „Frag ihn, er hat dich angefordert.“
Hektisch wedelte Auge mit den Händen. „He, so kann man das nun wirklich nicht ausdrücken, ja?!! Das würde ich doch nie wagen!“

Na wenigstens hatte er doch noch einiges an Respekt vor mir. Irgendwie besänftigter nickte ich auffordernd und er fuhr fort.
„Das erfordert halt eine Menge Arbeit und man muss wissen, was man tut. Und abgesehen von deinem Können, ich bin sicher, ihr würdet das lieber im möglichst kleinen und eingeweihten Kreis belassen ...“

„Das leuchtet ein“, brummelte Axel, der wie immer nur abwarten konnte, was sich die drei Jungs nun schon wieder würden einfallen lassen. Möglichst wenig Mitwisser konnten ihm nur recht sein.

Vielleicht fühlte ich mich geschmeichelt, vielleicht war es auch das alte Jagdfieber, das mich so langsam ergriff, jedenfalls sagte ich: „Und deine Idee war nun also, das ganze erste Kontingent den Schwarzhändlern direkt ins Maul zu werfen?“

„Naja, es läuft darauf hinaus, jedenfalls den super professionellen. Es hat sich ja nun inzwischen heraus gestellt, dass die mit den allerschnellsten Maschinen und Bots arbeiten.“ Es war den Jungs hoch anzurechnen, dass sie hier nicht kollektiv 'Häh?', machten, auch sie waren schon in der modernen Welt angekommen. Karsten fuhr fort. „Mit dem Equipment sind die einfach um einige Sekunden schneller und zahlenmäßig stark vertreten. Da können wir hier mit unserem kleinen 3G-Netz nicht mithalten.“

„Fein, dann werfen wir also eure Tickets erst mal den Schwarzhändlern in den Rachen. Und dann? Damit hat noch immer kein Fan ein gescheites Ticket, oder?“
„Also, erstmal werden wir nur ein seeehr kleines Kontingent auf diese Art und Weise frei geben, in der ersten Stunde. Der Rest wird anschließend frei gegeben, genau so wie die 'Zusatzkonzerte'. Klar soweit?“

Ich rollte mit den Augen. „Jaja. Und all diese süßen Tickets der ersten Stunde werden wir über kurz oder lang auf allen möglichen Plattformen wieder finden. Teilweise, ohne dass die Typen das Papier überhaupt in der Hand haben. Wo ist da der Vorteil?“

„Der Vorteil, und da kommst du ins Spiel, ist, dass wir jeden Kauf zurück verfolgen können.“
„Kann man immer, auch wenns nicht erlaubt ist, wie ihr wisst. Und?“
„Und wir können auch gut herausfiltern, was ein Bot-Kauf war. Und ob auffällig viele Käufe über ähnliche IP-Adressen kamen … etc. etc.“

So langsam dämmerte es mir. „Du willst sagen, du kannst total genau identifizieren, wenn ein Schwarzhändler die Tickets mit voller Absicht, sie teuer weiter zu verkaufen, erstanden hat?!??“


„Jo, und das nicht nur, weil ich sogar die Verbindung über die Verkäuferadressen auf den Plattformen zurückverfolgen, sondern weil ich die sogar zusammen führen kann“, grinste er stolz. „Wir könnten ebenfalls mit den Bankverbindungen arbeiten, aber naja ...  Aber das beste ist-“

Jetzt hielt es Dirk nicht mehr länger aus. „Das beste ist“, krähte er laut heraus, „dass wir all den
Schweinen garantiert unechte, wertlose Tickets schicken werden!“

„Genau“, fügte Rod an, „beim Einlass brauchen die nur gescannt werden und lösen ein Mordstheater aus!“

„Hmhm“, nickte Jan, „so wären alle Deppen bloß gestellt!“

„Wow!“ Erst mal musste ich das alles verarbeiten. Der Plan hatte was für sich und sie hatten Recht, meine und Karstens Talente vereint würden es garantiert schaffen, ihn auszuführen. Langsam nickte ich und alle jubelten.

„Moment“, wehrte ich lachend ab, „ein bisschen hart finde ich es ja schon, den Fans gegenüber, die aus reiner Verzweiflung dort zuschlagen ...“

„Oh nein,“ insistierte mein Mann, „da kann echt keiner sagen, er wäre nicht gewarnt gewesen! Dass Schwarzhändler Schweine sind und sie so was nicht bedienen sollen, haben wir ja wohl schon oft genug klar gemacht, oder?!“
„Und es ist noch ein Jahr hin! Bis dahin wird es genügend legale Tauschtickets geben und wir machen ja auch die Zusatzkonzerte. Die Sommertournee nicht zu vergessen!“

Tja, im Grunde hatten sie mich schon im Sack. Trotzdem musste ich es noch einmal zusammenfassen. „Wenn ich das jetzt noch mal zusammen fassen darf: Wir geben (aus den Augenwinkeln sah ich Jans zufriedenes Schmunzeln, weil ich 'wir' sagte) in der ersten halben Stunde oder so nur ein ganz kleines Kontingent im Ticketshop frei in dem Wissen, dass das eh von den illegalen Weiterverkäufern abgegriffen wird. Für die Ehrlichen und die echten Fans wird der Rest zusammen mit den Zusatzkonzerten peu à peu frei gegeben. Und dann schicken wir den Schwarzhändlern unechte Tickets.“

„JAA!“, schallte es mir im Chor entgegen.
„Du machst also mit?!“

Seufzend hob ich die Schultern. „Wird eine Scheiß Arbeit werden, das wisst ihr ja wohl. Von Rechts wegen sollten Karsten und ich euch da für kleine Zusatzarbeiten mit einspannen ...“ Es war ihnen hoch anzurechnen, dass sie da nur kurz zuckten und nicht protestierten. „Und wir müssen unbedingt sicher stellen, dass es keinen Falschen trifft. Manche Leute haben nun mal sehr schnelle Gamer-PCs und werden vielleicht auch deswegen von ihrem Freundeskreis zum Ticketkauf abkommandiert. DEN Skandal, wenn die so gedisst werden, wollt ihr nicht, glaubt mir!“

Rod schaute ein bisschen enttäuscht und wechselte einen Blick mit Dirk, aber sie schienen es zu akzeptieren.

Deswegen wagte ich es, noch einen drauf zu setzen. „Ich würde sogar so weit gehen, wenn wir es hin kriegen, dass wir den Weiterverkauf nachverfolgen und den Fan vorher warnen. Dann ist er vielleicht sein Geld quitt, aber er ist davor bewahrt, sich am Eingang total zu blamieren und bloßgestellt zu werden. Ja, sorry, auch, wenn er es eigentlich verdient hätte. Aber allein schon der Geldverlust wird manche vielleicht kurieren. An der Geldbörse packt man die Leute noch am ehesten! Vielleicht können wir die Händler auch direkt verklagen oder anzeigen, die Community wird uns da eh unterstützen, schätze ich.“

Einen Moment herrschte Stille, dann ließ Karsten die Luft aus den Backen ab, die er wohl unbewusst angehalten hatte. „Also, ich finde, das klingt gut.“

Axel klatschte in die Hände. „Also gut, wenn Carina mitmacht, habe ich nichts dagegen, ich dachte mir schon, dass sie die Aktion in gescheite Bahnen lenken wird. Meinen Segen habt ihr.“

Die Dunkelhaarigen umarmten mich und zum Schluss schnappte mich Jan und wirbelte mich einmal im Kreis herum. „Super, Fee!“

„Ja super“, lachte ich, „aber seid gewarnt, da wir hiervon ja um Himmels Willen niemandem ein Wort verraten dürfen, wird das für ganz schönen Wind und Unmut sorgen.“
„Damit müssen wir leben, mein Schatz. Und wer uns kennt, der wird uns auch vertrauen. Irgendwie jedenfalls.“

„Ha!“, lachte diesmal ich. „Ärztige Aktionen sind sie ja von euch gewohnt, das stimmt, nicht zuletzt seit diesem Jahr. Dann wird Karsten mich in sein System einweisen und wir werden es durchziehen!“

So kam es, dass unheimlich viele Menschen zu ihrer Enttäuschung eine gefühlte Ewigkeit immer wieder Meldungen über ausgeschöpfte Kontingente erhielten, ja, hat vielen weh getan. Aber es wurde ja nach und nach viel nachgeschoben und Pech hatte man auch bei anderen Ticketverkäufen. Was halt keiner wusste, war die Maschinerie, die seitdem läuft und vielleicht dafür sorgt, den Ticketmarkt für eine Zeitlang etwas fairer zu gestalten ...