You are more than your Darkness

GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16 Slash
Finn General Hux Kylo Ren OC (Own Character) Poe Dameron Rey
17.11.2019
14.02.2020
40
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Sunja

Langsam öffnete ich meine Augen und konnte nichts, außer Dunkelheit, um mich herum erkennen. Doch ich spürte ihn, spürte seinen Körper nah an meinem liegen, spürte seinen Arm, der mich fest umschlungen hielt und das Kribbeln, welches seine Nähe in mir auslöste. Ich drehte mich vorsichtig um, wollte ihn nicht wecken, wollte nicht, dass er ging.
Warum war er eigentlich noch hier? Sicher war er einfach nur eingeschlafen. Sein Gesicht wurde vom Mondlicht, welches durch das Fenster hereinfiel, sanft angestrahlt. Er wirkte so entspannt, friedlich und zufrieden, während er schlief. Warum nur konnte es nicht immer so sein?

Früher, auf Anon, hatte ich immer gedacht, dass es nichts Schlimmeres gab, als einsam zu sein. Doch wie sehr hatte ich mich geirrt.
Viel schlimmer war es, Gefühle für jemanden zu hegen, die nicht erwidert wurden. Ich fühlte mich so vollkommen, wenn er bei mir war und so leer, wenn er wieder ging. Warum empfand ich das ausgerechnet bei ihm? Für ihn, würde ich doch immer nur seine Schülerin sein.

Aber warum war er dann immer so eifersüchtig? Sollte ich ihn provozieren, so wie Ria es bei Keth getan hatte? Ich wusste es nicht und so eine Aktion war auch irgendwie albern. Vielleicht sollte ich auch einfach Cole eine Chance geben?

Je länger ich Kylo ansah, desto stärker wurde der Drang in mir, ihn berühren zu wollen. Vorsichtig streckte ich meine Hand nach ihm aus, legte diese sanft auf seine Wange und war nicht darauf vorbereitet, was nun kam.

Ich sah einen kleinen Jungen mit großen, neugierigen Augen und schwarzen, lockigen Haaren. Er lag in seinem Bett und ich spürte die Einsamkeit, die an ihm nagte.
Zwei Stimmen drangen durch den kleinen Türspalt, der dafür sorgte, dass etwas Licht in den Raum fiel, an sein Ohr. Er tat so, als würde er schlafen, damit sie dachten, er bekommt nichts von dem Gespräch mit, dass sie führten. So, wie er es jedes Mal tat, wenn sie abends diskutierten.

Han, warum gehst du wieder? Wir brauchen dich hier. Ich weiß nicht, was ich noch machen soll. Er entgleitet mir“, sprach eine weibliche Stimme. „Leia, ich kann nicht bleiben und das weißt du. Wovor hast du denn plötzlich Angst, warum willst du ihn nicht trainieren?“, erwiderte der Mann, den sie Han genannt hatte. „Ich sehe die Dunkelheit in ihm, es ist nicht mehr zu leugnen, sie wird mit jedem Tag stärker. Luke hat mir zugesichert ihn zu trainieren, seine helle Seite und das Gute in ihm zu stärken. Das Monster in ihm, die Stimme, die zu ihm spricht, darf nie die Oberhand gewinnen“, sagte Leia entschlossen. „Meinst du, es wird besser, wenn wir ihn fortschicken? Vielleicht steckt zu viel von seinem Großvater in ihm und dann, kann selbst Luke ihn nicht mehr retten Leia“, erwiderte der Mann.

Plötzlich waren die Bilder verschwunden. War es mir gelungen in Kylos Gedanken einzudringen? War er, der kleine Junge gewesen, den ich gesehen hatte? Unruhig bewegte er sich neben mir. Ich war mir sicher, dass er gleich aufwachen würde, also schloss ich schnell meine Augen und drehte mich vorsichtig um, sodass ich nun wieder mit dem Rücken zu ihm lag. Wie erwartet schien er aufgewacht zu sein, denn er nahm seinen Arm von mir und setzte sich auf. „Du wirst mich irgendwann verlassen, so wie jeder andere bisher“, flüsterte er und klang dabei so anders, verletzlich, verzweifelt.

Langsam stand er auf und ich hörte wie sich kurz danach die Tür öffnete und er mein Quartier verließ. Er war fort, hatte mich verlassenen. Wie konnte er denken, dass ich ihn verlassen würde, wenn er es immer war, der ging? Es fühlt sich an, als würde er jedes Mal, wenn er ging, ein Stück von mir mit sich nehmen und langsam gewöhnte ich mich daran.
Millicient sprang auf mein Bett, schmiegte sich an mich und schnurrte zufrieden. Krampfhaft versuchte ich wieder einzuschlafen und schaffte es irgendwann auch.

Düt Düt, dieses Geräusch riss mich aus meinem Schlaf. Vorsorglich hatte ich mir einen Wecker gestellt, um nicht zu verschlafen. Trotz der vielen Stunden, die ich geschlafen hatte, fühlte ich mich, wie gerädert. Am liebsten wäre ich liegen geblieben, zwang mich allerdings aufzustehen, damit ich heute pünktlich sein würde.
Überrascht stellte ich fest, dass meine Hüfte, als ich schnell aufstand, nicht mehr so stark schmerzte. Hatte Kylo den Heilungsprozess wirklich beschleunigen können?

Ein Blick in den Spiegel verriet mir, dass auch mein Äußeres sich langsam wieder zum positiven veränderte. Meine Haut war zwar blass, wie eh und je, doch ich sah nicht mehr so krank aus. Das Grün meiner Augen wurde wieder kräftiger und meine Haare hatten mehr Glanz. Ich öffnete den Kleiderschrank und widmete mich den Sachen, die links im Schrank lagen und von denen Kylo meinte, es wäre meine neue Trainingskleidung. Schwarze Unterwäsche, eine schwarze enge Hose und ein ebenso schwarzes, zum Glück höher geschlossenes, Tanktop. Wie ich solche figurbetonte Kleidung hasste.

Trotzdem zog ich die Sachen an und vervollständigte diese durch eine weite, bequeme Jacke. Ich schlürfte in das Bad und machte mich für den Tag fertig. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass ich noch eine halbe Stunde Zeit hatte, ehe Kylo zu mir kam. Ich fütterte Millicient und setzte mich anschließend mit meinem Datapad auf die Couch um zu sehen, ob ich Nachrichten bekommen hatte, doch das war nicht der Fall.

Kurz darauf klopfte es an der Tür, aber niemand kam herein, also stand ich auf um sie zu öffnen und war überrascht, dass es Cole war, der vor meiner Tür stand.
„Cole. Hallo. Alles gut?“, fragte ich ihn. „Ja, darf ich?“, fragte er, deutete mit der Hand in mein Quartier und lächelte. „Ja natürlich“, antwortete ich ihm und ließ ihn herein. Zögerlich stand er mir gegenüber. „Wie geht es dir? Ich wollte mich nur versichern, dass es dir gut geht“, erklärte er mir. „Gut, es wird immer besser. Danke, für die Nachfrage“, antwortete ich ihm.

Cole strich sich durch sein Haar, kratzte sich im Nacken und schien verunsichert. Was war denn nur los? Er überwand die wenigen Zentimeter, die noch zwischen uns lagen, zog mich nah an sich und sah mir in die Augen. „Ich wollte mich erkundigen, ob du morgen auf dem Bankett bist?“, erkundigte er sich. Diese Frage verwunderte mich, er musste doch wissen, dass ich dabei sein würde. Ich nickte und sah ihn an: „Und deswegen seid ihr so früh bereits hier, um mich das zu fragen?“.

„Ja. Und um zu sehen, wie es euch geht und um … ach verdammt was soll’s“, sagte er atemlos, zog mich so nah an sich heran, sodass unsere Körper sich berührten und legte seine Lippen auf meine, was
mein Herz, einen Schlag lang, aussetzen ließ.

Ehe ich begreifen konnte, was geschehen war, entschuldige er sich und trat etwas zurück. Alles wozu ich fähig war, war ihn anzustarren und das Lächeln, dass er mir schenkte, vollkommen perplex, zu erwidern. Plötzlich trat Keth mit einem Tablett voller Essen und den Worten: „Guten Morgen Sunja, ich hoffe, du hast gut geschlafen“, in mein Quartier. Überrascht hielt er inne, sah zwischen mir und Cole hin und her, um anschließend seine Augenbrauen hochzuziehen und Cole wütend anzustarren. Dieser schien das zu ignorieren, verabschiedete sich und verließ mein Quarter.

„Was war das Sunja?“, fragte Keth mich erbost. „Ich weiß es nicht, wirklich nicht“, antwortete ich verwirrt.
„Ist dieser Kerl dir etwa zu nah gekommen?“, fragte er wütend. „Ähm Ja und Nein. Ach Keth, was weiß ich denn schon? Ich habe keine Ahnung von diesen Sachen, was zwischen Frauen und Männern läuft, also doch schon, aber nur theoretisch, nur das, was Ria mir erzählt hat“, erklärte ich wild mit den Armen gestikulierend. Keth schien nun eher amüsiert zu sein. „Lass uns essen, Sunja. Ein Glück, dass Ren nicht hier war, der hätte nicht gezögert und Cole“, begann Keth zu plaudern, als er das Tablet auf den Couchtisch stellte.

Wütend unterbrach ich ihn: „Was hätte er getan und mit welchem Recht eigentlich? Meine Güte, er will doch nichts von mir, warum ist er dann immer so eifersüchtig? Es ist doch meine Sache, ob ich Cole mag oder nicht.“ Keth sah mich erstaunt an.
„Magst du diesen Cole etwa?“, fragte er mich perplex. „Ach ich weiß doch auch nicht. Ja schon, aber er ist nicht.. “, fuhr ich fort, doch Keth unterbrach mich mit einer Handbewegung.
„Ich ahne, was du sagen willst“, sagte er zu mir und sah mich nachdenklich an.

„Alles gut Keth, lass uns am besten über etwas anderes reden, ehe ich in Melancholie verfallen“, versuchte ich das Thema zu wechseln und hatte Erfolg. So redeten wir noch eine Weile und aßen zusammen, bis Kylo, ohne anzuklopfen, in mein Quartier kam. Daraufhin nahm Keth schnell das Tablett, mit den nun leeren Tellern, verabschiedete sich und verschwand. Was war denn nur heute mit allen los, dass sie so flüchteten.

Kylo sah ihm kurz fragend hinterher, setzte sich auf den Sessel gegenüber, um sich dann mir zu widmen. „Leider wird unser Training heute nicht lange gehen. Ich habe gerade erfahren, dass Hux mit unserem Ehrengast Ailla Rinou bereits heute Abend eintreffen wird“, erklärte er mir. Armitag, er war bald wieder hier? Ich konnte meine Freude darüber kaum verbergen, grinste fröhlich und Kylo sah mich irgendwie genervt an, als er es bemerkte.

„Du scheinst dich ja sehr über seine Rückkehr zu freuen. Ich habe gehört Hux und Ailla verstehen sich prächtig, nicht das er noch auf die Idee kommt, sich anderweitig zu orientieren“,sagte er mit einem Lächeln im Gesicht. Moment, wollte er testen, wie ich reagierte, ob ich eifersüchtig war?
Das konnte er haben. „Oh wie schön, das er seine Mission genießt. Kein Wunder, dass diese Ailla ihn mag, Hux ist ja auch ein sehr angenehmer Mann. Du brauchst dir übrigens keine Sorgen machen, er weiß, was er hier bei der Ersten Ordnung hat“, erwiderte ich zuckersüß.

Auch, wenn er versuchte es zu verbergen, sah ich wie er seine Hände zu Fäusten ballte und mich starr ansah. Meine Reaktion schien ihm wohl nicht zu gefallen.

„Was weißt du über die Macht?“, fragte er mich plötzlich. „Nicht viel, nur das deshalb, anscheinend diese Verbindung zwischen uns besteht, ich dadurch das Feuer lenken und mit dem Wolf kommunizieren konnte. Aber wie das alles funktioniert, davon habe ich keine Ahnung“, antwortete ich ihm ruhig.
„Aber woher wusstest du, wie du das Feuer ablenken kannst?“, bohrte er weiter. „Es war so, als wüsste ich es einfach. Ich habe nach den goldenen Fäden gegriffen, die um mich herum schwebten und habe eine Art Schutzschild daraus gemacht“, sagte ich ihm nachdenklich, während er mich durchdringend ansah.

„Die Macht wird oft, als eine Art Kraftfeld beschrieben, doch sie ist so viel mehr. Sie umgibt uns, fließt durch uns, beeinflusst alles in der Galaxy, ist grenzenlos mächtig“, sprach Kylo. Die Art, wie er von der Macht sprach, faszinierte mich und gebannt starrte ich auf seine Lippen während er fortfuhr: „Es gibt nicht mehr viele Machtnutzer, wie uns, in der Galaxy und wir sollten uns geehrt fühlen, dass wir uns die Macht zu eigen machen können. Wir sollten sie dafür verwenden, um für unsere Sachen zu kämpfen, dafür Ordnung in der Galaxy zu schaffen und den Krieg, den der Widerstand begonnen hat, zu beenden.“

„Du hast auf Anon gesehen, wozu ich mit der Macht fähig bin und ich werde dich lehren, sie ebenso zu nutzen. Ich werde dir zeigen, wie du ohne und mit ihr kämpfst. Ebenso werde ich dir beibringen ein Schiff zu fliegen. Wenn du deine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hast und du mein Vertrauen genießt, wirst du mich auf eine Mission begleiten“, erörterte er mir und ich wusste nicht, was ich von alldem, was er erzählt hatte, halten sollte.
Daran war auch dieses Gefühl schuld, wenn er bei mir war. Es fühlte sich an, als wäre die Luft, um uns herum, elektrisch aufgeladen und so war ich nur fähig, immer wieder zu nicken und ihm so zu signalisieren, dass ich ihm folgte.

„Des Weiteren verlange ich von dir, dass du dich voll und ganz auf deine Ausbildung konzentrierst. Ich dulde keine Beziehungen, oder Personen, die dich ablenken“, sagte er tonlos. Fast hätte ich aufgelacht, riss mich aber zusammen, als ich scheinheilig fragte: „Welche Art von Beziehungen meinst du denn? Ich kenne mich da nicht so aus, wie du vielleicht.“ Kylo presste seine Zähne fest zusammen, knirscht leicht mit diesen und zischte: „Du weißt ganz genau, was und wen ich meine, also verkaufe mich nicht für dumm. Es ist ein Befehl und diesem hast du ohne Widerrede zu folgen.“

Oooh, am liebsten hätte ich ihm eine Standpauke gehalten, dass er nicht über mich bestimmen konnte, aber sein Blick verriet mir, dass er kurz vorm Explodieren war, als schwieg ich und sah ihn nur ausdruckslos an. Er stand auf, ging in Richtung des Fensters und ich folgte ihm mit meinem Blick. Wie anders er in dieser einfachen schwarzen Hose, dem langärmeligen T-Shirt und ohne Maske aussah. „Bist du fertig mit Starren?“, fragte er mich und schien immer noch wütend zu sein. Ich senkte meinen Kopf und wich so seinem Blick aus. „Komm zu mir“, forderte er mich auf. Meinen Blick hebend, sah ich ihn wieder an, ging auf ihn zu und blieb neben ihm stehen. So standen wir beide vor dem großen Panoramafenster, durch das ich beobachteten konnte, wie der Schnee erneut fiel.

„Setz dich mir gegenüber und tu das, was ich tue“, ordnete er an. Kylo setzte sich, mit einer geschmeidigen Bewegung, im Schneidersitz, auf den Fußboden und verharrte dort. Tief einatmend legte er seine geöffneten Hände auf seine Knie und schloss die Augen. Fasziniert beobachtete ich ihn dabei, verlor mich in seinem Anblick, bis er abrupt seine Augen öffnete und sein finsterer Blick mir verriet, dass ich etwas falsch gemacht hatte. „Du sollst es mir nachmachen“, schimpfte er.

Sofort tat ich es ihm gleich und wartete darauf, was als nächstes geschehen würde. „Und nun atme tief ein, spüre, wie du mit jedem Atemzug ruhiger wirst und entspanne dich. Konzentriere dich nur auf dich, spüre die Macht tief in dir“, sprach er fast schon beschwörend. Ich hörte nur auf seine tiefe Stimme, entspannte mich durch die angenehme Wärme, die sie plötzlich ausstrahlte und mit jedem Atemzug spürte ich die Kraft in mir stärker werden.

„Und nun, sag mir was du fühlst“, forderte er mich auf. „Das Leben um mich herum, ich fühle es pulsieren, fühle die Macht, die alles umgibt. Helligkeit, Frieden und Ordnung, aber auch Dunkelheit, Wut und Chaos“, sprach ich fasziniert. „Du siehst die zwei Seiten der Macht. Konzentriere dich auf die Dunkle Seite, diese wird dir Stärke und Macht verleihen“, verlangte er.

„Da ist noch mehr Kylo. Der Tod, aus dem Leben entsteht. Zerstörung, die Platz für Neues schafft. Auf Dunkelheit folgt Licht und umgekehrt. Beides kann nicht ohne einander existieren.“

Kylo schnappte nach Luft, bevor er knurrte:„Konzentriere dich auf die Dunkle Seite der Macht, wie ich es gesagt hatte, Sunja.“ Meine Kraft, ich spürte, wie sie nachließ, genauso wie meine Konzentration und es gelang mir nicht mehr, mich auf die Macht zu konzentrieren. Krampfhaft zog ich meine Augenbrauen zusammen, versuchte mich zu konzentrieren, doch es gelang mir nicht.

Ein Kribbeln lief durch meine Schulter, ich spürte seine Nähe, seine Hand, die auf mir lag.
Ich öffnete meine Augen, deren Lider sich schwer anfühlten, blinzelte bis ich einigermaßen deutlich sah.

„Wie flüssiges Silber“, flüsterte er. Er kniete so nahe vor mir, dass sein heißer Atem gegen meinen Mund prallte und diese Nähe meine Lippen kribbeln ließen.

„Das reicht für den heutigen Tag. Ich habe bereits angeordnet, dass dir etwas zu essen gebracht wird, danach solltest du dich ausruhen. In etwa sechs Stunden wird Keth dich abholen, damit ihr Ailla Rinou und Hux bei ihrer Ankunft begrüßen könnt“, sagte er und wirkte merkwürdig entrückt, ganz so, als wäre er gedanklich woanders. Schnell stand er auf, entfernte sich von mir und verließ mein Quartier, wieder einmal schneller, als ich begreifen konnte.

Schnaufend streckte ich meine Beine aus und war einfach nur verwirrt. Warum wollte er, dass ich mich unbedingt auf die Dunkle Seite der Macht konzentriere? Licht und Schatten, gehört beides zusammen und diese Balance zwischen den beiden Seiten war mächtiger, als nur eine alleine. Meine Gedanken wurden unterbrochen, als ein Droide mir Essen brachte, dass ich jedoch stehen ließ und mich lieber schlafen legte. Essen konnte ich auch später noch, jetzt war einfach zu müde.

Als ich erwachte, war die Sonne bereits dabei unterzugehen, also beschloss ich mich für den Empfang vorzubereiten. Mein Herz machte erneut einen Satz, bei dem Gedanken Armitage wiederzusehen, doch ich musste ruhig bleiben und mir nichts anmerken lassen, wenn ich ihn sehen würde. Schnell ging ich duschen, Zähne putzen und stand anschließend mal wieder ratlos, in mein Handtuch gewickelt vor meinem Spiegel im Bad.

Seit kurzem hatte ich das Bedürfnis mich heraus zu putzen, so jedenfalls hatte es Ria genannt. Ein Gefühl, dass mir auf Anon völlig fremd war, da ich auch die Gelegenheit dazu gar nicht hatte. Und nun? Nun hatte sich so vieles bereits verändert, auch ich. Ich benahm mich oft eher, wie ein kleines Mädchen, anstatt einer Frau, war unbeholfen in so vielen Dingen, doch das musste doch langsam ändern. Auf Anon hatte ich nie die Chance dazu, die zu sein, die ich war und nun hatte ich sie. Doch wie wollte ich eigentlich sein? Ria meinte, ich würde es schon herausfinden.

Ach, was soll es, dachte ich mir und griff zu dem Make-up, was Ria mir da gelassen hatte, sah es unentschlossen an und beschloss nur meine Wimpern zu betonen. Ich flochtete mir einzelne Strähnen, in meine sonst offenen, Haare und verließ das Bad um in mein Schlafzimmer zu trotten. Einzig der Gedanke Armitage wiederzusehen, minderte meine Unlust auf diesen Empfang.

Der Blick in meinen Kleiderschrank ließ mich frustriert aufstöhnen. Wenn es ein offizieller Empfang war, wäre die Dienstuniform sicher angebracht, aber noch immer störte es mich, wenn etwas eng an meiner Wunde lag, daher schied die Uniformhose aus. Entschlossen griff ich zu dem Stapel der Hosen, die zwar eng, aber angenehm zu tragen waren, zog eine heraus und schlüpfte hinein. Als Oberteil wählte ich ein schwarzes kurzärmeliges Shirt. Mein Blick fiel auf eine Jacke, die ich noch nie getragen hatte. Sie war ähnlich meiner normalen Uniformjacke, aber tailliert geschnitten, mit einem etwas höheren Kragen und durch die schwarzen glänzenden Knöpfe, die asymmetrisch angebracht waren, wirkte sie fast schon elegant.

Ohne länger Zeit mit überlegen zu verschwenden, zog ich mir die Jacke über, wählte dazu ein paar schwarze Boots, die ich nicht komplett zuschnürte. Auf meinem Nachttisch lag die Kette, die Armitage mir bei seinem Abschied gegeben hatte. Ich nahm mir diese, legte sie mir um und ließ den Anhänger unter meiner Jacke verschwinden.

Wann Keth wohl kommen würde? Unruhig lief ich ins Wohnzimmer, starrte aus dem Fenster und dachte an meinem Onkel, während ich zusah, wie der Schnee vom Himmel schwebte, um lautlos auf die Bäume zu fallen und diese in ein glitzerndes weiß zu hüllen.

Langsam schritt ich auf das Fenster zu, legte meine Hand auf die Scheibe und genoss die Kälte, die sie abstrahlte. Der Anblick der tanzenden Schneeflocken beruhigte mich und ich stellte mir vor, wie es wäre einen Ball daraus zu formen. Ein Gefühl durchströmte meine Hand und erfreut sah ich dabei zu, wie der Schnee sich tatsächlich zu einer Kugel formte. Ein Klopfen an der Tür riss mich aus meiner Konzentration und der Schneeball fiel in die Tiefe. Erschrocken drehte ich mich um und sah zu Keth, der lässig in meiner Tür lehnte.

„Keth ist alles in Ordnung?“, fragte ich ihn, als ich den Verband an seiner Hand entdeckte.
„Ja alles in Ordnung. Der Widerstand ist zurzeit etwas aufmüpfig und dringt immer wieder in unsere besetzten Sektoren vor. Es wird Zeit, dass Ren mal wieder ein Exempel statuiert. Du brauchst dir keine Sorgen um mich zu machen“, sagte er gelassen, doch es beruhigte mich nicht. Ich verstand einfach nicht, warum dieser Krieg notwendig war. Auch wurde ich mir wieder der zwei Seiten bewusst, die Keth in sich trug. Eine liebevolle, nette, komische Seite und die eines Kriegers – kämpferisch, hart und erbarmungslos.

Keth war eindeutig ein angenehmerer Wegbegleiter, als Kylo und so redeten und lachten wir, während er mich durch die Gänge der Basis führte. Ich hatte gedacht, dass wir zu einer Art großem Empfangsraum gehen würden, doch wir gingen in einen Hangar, der bereits voller Menschen war.

Ich ließ meinen Blick über die Menge schweifen, es war eine Vielzahl an Offizieren, Generälen und Personen anderer Ränge versammelt, umgeben von Sturmtrupplern, deren weißen Rüstungen auf Hochglanz poliert waren und alle sahen zu dem luxuriös aussehenden Transporter, der vor ihnen stand.
So ein Aufwand für einen Gast, dachte ich mir, sie musste der Ersten Ordnung einiges an Credits zukommen haben lassen.

„Sunja, Keth, ich dachte schon, ihr kommt zu spät, das Schiff ist bereits gelandet. Ich bin gespannt, wie diese Ailla aussieht, sie soll ja eine Schönheit sein“, flüsterte Ria verschwörerisch und die Aufregung, mit der sie sprach, steckte mich an. Ria stellte sich links neben Keth und aus dem Augenwinkel sah ich, wie die beiden sich anlächelten und Keth dabei sanft über Rias Hand strich.

Jemand legte seine Hand auf meine Haare, strich sanft darüber, um anschließend auf meinem Rücken zu verweilen. „Es freut mich, dass es dir anscheinend besser geht. Auf jeden Fall siehst du heute bezaubernd aus und auch auf die Gefahr hin, dass dein Freund mich dem Erdboden gleich macht, muss ich dies nun tun“, flüsterte Cole mir zu, sah mich lächelnd an und gab mir einen flüchtigen Kuss auf die Wange, was mich dazu brachte ihn verwirrt und sprachlos anzusehen.

Mit einem lauten Zischen öffnete sich die Rampe des Schiffes vor uns und als ich Armitage heraustreten sah, musste ich unweigerlich lächeln. Neben ihm lief eine groß gewachsene Frau, die wirklich schön aussah. Ihre schwarzen, langen Haare fielen ihr in sanften Wellen auf die Schultern. Das lange, seidig wirkende Kleid schmeichelte ihrem schlanken Körper und jede ihrer Bewegungen wirkte anmutig. Neben der Rampe entdeckte ich Kylo, der dieser Frau jedoch keinen Blick schenkte, sondern nur wütend, starr, geradeaus sah. Als sich unsere Blicke trafen, merkte ich, dass sein Blick Cole galt, der immer noch nach bei mir stand.

Plötzlich lächelte er leicht und wand sich Ailla zu, die ihn ebenso anlächelte und entzückt musterte. In diesem Moment wünschte ich mir, dass er seine Maske tragen würde, damit sie nicht in sein atemberaubend, schönes Gesicht sehen konnte. Sie legte ihre Hand auf seine und diese Geste löste etwas in mir aus, was ich vorher nicht kannte. Am liebsten hätte ich dieser Frau die Augen ausgekratzt.

„Vielen Dank für ihren zahlreichen, freundlichen Empfang. Ich freue mich, dass ich die Erste Ordnung und damit ihrer aller Ziele unterstützen kann“, sagte Ailla erhaben lächelnd. Sie sprach noch weiter, doch das bekam ich kaum mit. Mein Blick lag einzig und allein auf Kylo und wie er Ailla ansah. Das Applaudieren der Menschen, um mich herum, ließ mich aus meiner Starre erwachen.
Dieser Applaus war anscheinend auch das Zeichen, diesen Empfang aufzulösen, denn um uns herum lichteten sich die Reihen langsam und jeder ging wieder an seine Arbeit.

„Natürlich hoffe ich auch, unsere Beziehung weiter vertiefen zu können“, flötete sie Kylo zu. Ich hoffte auf einen ablehnenden Blick seinerseits, der sie in die Schranken weisen würde, doch dieser kam nicht. Er lächelte sie ebenso an. Das konnte doch nicht sein ernst sein! Sonst war er meist hochmütig und abweisend und bei ihr konnte er seine Maske auf einmal ablegen? Sunja beruhige dich, gleich wird er sie genauso emotionslos ansehen, genauso wie er es bei dir immer tut, sprach ich mir gut zu. Doch er tat es nicht. Er unterhielt sich mit ihr und führte sie durch den Hangar. Selbst Hux schien für einen Moment von seinem Verhalten überrascht zu sein.

Eifersucht und Wut bildeten einen gefährlichen Knoten in meinem Hals und am liebsten hätte ich laut aufgeschrien, doch ich verkniff es mir und so wurde der Knoten immer größer. Diesen Gefühlen zum Trotz lächelte ich, als die beiden an mir, auf den Weg zum Fahrstuhl vorbeiliefen. Als Armitage, der den beiden seelenruhig folgte, ebenso an mir vorbeilief, hätte ich ihn am liebsten umarmt, ließ es aber dabei ihn glücklich anzusehen und auch er sah mich erfreut, doch auch besorgt an.

„Seid Hux und du etwa so etwas, wie Freunde?“, fragten Ria und Cole gleichzeitig, als hätten sie sich abgesprochen. „Ja, wir sind so etwas wie gute Freunde“, versuchte ich gelassen zu antworten und wurde dabei von Keth mit einem merkwürdigen Blick bedacht, während Cole und Ria mit meiner Antwort zufrieden schienen. „Sunja, ich bringe dich auf dein Zimmer, damit du dich wieder ausruhen kannst, du siehst etwas blass aus“, sagte Keth und wollte loslaufen, doch Cole hinderte ihn daran und ergriff sanft seinen Arm.

„Vielleicht sollte ich sie noch einmal kurz untersuchen, nicht dass die Wunde sich doch entzündet hat“, schlug er vor und ein Blick in Keths Gesicht verriet mir, dass er mit sich kämpfte.
„Nein, es ist alles in Ordnung. Ich will nur auf mein Quartier und mich ausruhen. Cole, du musst dir keine Sorgen machen. Wir sehen uns dann morgen auf dem Bankett“, sagte ich bestimmend und merkwürdigerweise widersprach mir niemand.

In Gedanken versunken folgte ich Keth und Ria, die turtelnd vor mir herliefen, zu meinem Quartier.
Warum hatte er sie nur so angesehen und angelächelt? Ein Stechen durchzog mein Herz und die Erkenntnis, die ich zog, rieselte mir eiskalt den Rücken herunter. Er empfand wirklich nichts für mich, nichts, rein gar nichts. Sein ganzes Verhalten, seine Berührungen, seine Blicke, ich hatte sie, in meiner Naivität, schlichtweg falsch interpretiert. Wie konnte ich nur so dumm sein?

„Sunja, sollen wir noch etwas bleiben... Sunja? Soll ich doch nach Cole rufen lassen?“, fragte Keth besorgt, als wir an der Tür vor meinem Quartier standen. „Meine Güte Keth, mir geht es wirklich gut. Es ist alles in Ordnung. Ich brauche nur Ruhe und Zeit zum Nachdenken“, erwiderte ich müde, während wir hineingingen. „Vielleicht solltest du auch etwas essen. Du hast dein Mittagessen nicht einmal angerührt“, sagte er vorwurfsvoll.
„Ich hatte einfach keinen Hunger, Keth“, sagte ich erschöpft.
Ria zog Keth am Arm und flüsterte ihm etwas ins Ohr, was ihn dazu veranlasste doch zu gehen.
„Wenn etwas ist, lass es uns wissen“, sagte er noch, ehe Ria ihn aus meinem Quartier zog und mich ermutigend anlächelte.

Ich war froh, endlich allein in meinem Zimmer zu sein und hoffte so den Sturm, der in meinen Herzen und Gedanken tobte, unter Kontrolle zu bekommen. Meine gesamten Hoffnungen hinter seine Maske gelangen zu können und das er dann meine Gefühle erwidern würde, hatten sich zerschlagen. Ich setzte mich an das Fenster und starrte in den Nachthimmel. Irgendwann kam ein Droide, nahm das unangetastete Essen mit und brachte mir etwas Neues zu essen. Um vor Keth Ruhe zu haben, aß ich etwas davon und setzte mich wieder an das Fenster.

Feuer. Um mich herum war nichts, als Feuer. Ich rannte schreiend und weinend aus dem lichterloh brennenden Haus, indem ich meine Kindheit verbracht hatte. Trauer durchfuhr meine Körper, als ich kraftlos auf der Straßen zusammen sank und mich hinlegte. Alles, was ich tat, war still zuzusehen wie die Flammen alles zerstörten, was ich geliebt hatte, während der Regen, der auf mich fiel, mich beruhigte. Die Einsamkeit in meinem Inneren zerfraß mich und für einen Moment wünschte ich mir, ebenso zu sterben. Ein Mann kam auf mich zu und sah auf mich herab. Mein Onkel, es war mein Onkel.

„Sunja, alles in Ordnung, es war nur ein Traum“, beruhigte mich eine Stimme, die so anders klang, als die meines Onkels. Ich öffnete die Augen, mein Blick klärte sich und aus dem Gesicht meines Onkels wurde das von Armitage. Jetzt träumte ich wenigstend nicht mehr von Kylo, dafür aber wieder vom Feuer und das war eindeutig keine Verbesserung.

Weinend schlang ich meine Arme um Armitage und genoss den Geruch nach Minze, den er verströmte. „Ich hasse diesen Traum“, sagte ich erschöpft. „Welchen Traum meinst du?“, fragte er mich verwundert. Durch meine von Tränen verschleierten Augen sah ich Armitage an, bevor ich ihn bedrückt schilderte, was in der Brandnacht geschehen war, beziehungsweise, an was davon ich mich erinnern konnte und das ich es immer wieder in meinen Träumen durchlebte. Nach meiner Schilderung zog er mich fest an sich, strich mir sanft über die Haare und tröstete mich so.

Plötzlich ging die Tür meines Quartiers, mit einem Zischen auf und Kylo stürmte hinein. Seine verwuschelten Haare sahen aus, als ob er eben noch geschlafen hätte. Er riss Armitage, mit der Macht, förmlich aus meinen Armen, zog ihn zu sich und knurrte ihn an:„ Hux, was wird das? Kaum lasse ich euch aus den Augen, versucht ihr wieder Sunja nahezukommen. Was muss ich machen, damit ihr sie entgültig in Ruhe lasst?“

„Was macht ihr denn eigentlich hier, Oberster Anführer Ren?“, fragte Armitage hinterlistig, doch Ren antworte kühl :„Ich habe Sunja schreien gehört und wollte mich versichern, dass es ihr gut geht.“
„Ebenso wie ich, Oberster Anführer Ren. Verzeiht meine Annahme, dass ihr immer noch mit Ailla beschäftigt seid“, sagte er mit fester Stimme.

Was hatte Armitage da gesagt? Was um alles in der Galaxy meinte er mit ″beschäftigt sein″?
Hux, drehte Kylo den Rücken zu und sah mich an: „Wenn noch etwas ist, lass nach mir rufen“, sagte er mir und verließ mit langen Schritten mein Quartier. Fassungslos sah ich in Kylo’s ertapptes Gesicht. „Sunja, ist alles …“, fing er an, doch ich wollte nichts hören. „Es ist alles in Ordnung Kylo. Ich will dich nicht weiter aufhalten. Geh, bitte“, warf ich ihm emotionslos entgegen.

„Morgen wird es kein Training geben, damit du dich ausruhen kannst“, erklärte er mir ruhig.
Wohl eher, damit er Zeit für sie hat, ging es mir durch den Kopf. Ich nickte, drehte mich von ihm weg, legte mich hin und starrte still aus dem Fenster, bis ich das Zischen der sich schließenden Tür vernahm. Danach ließ ich meinen Tränen freien Lauf.

***
Bei diesem Kapitel habe ich übrigens Birdy mit Deep End gehört. Ich liebe dieses Lied.

Was soll ich sagen? Die Wörter sind einfach so, aus mir heraus geströmt und vielleicht war dieses Kapitel anders als erwartet.

Über eure Meinung zum Kapitel würde ich mich freuen :-)
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