Wenn die Magie dich verrät

GeschichteRomanze, Fantasy / P16
Draco Malfoy Hermine Granger
16.11.2019
20.01.2020
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Einen 'verletzten' Draco Malfoy bei sich zu haben war scheinbar gleichbedeutend damit mit einem Kleinkind in einem Wartezimmer zu hocken.

„Ich weiß nicht.“ Murmelte sie augenrollend zum wiederholten Mal. Er war nicht unpässlich oder angesäuert aber ohne Zweifel war ihm langweilig und da sein schmerzender Knöchel ihn davon abhielt wie sonst auf und ab zu gehen, hatte er beschlossen sich einen Spaß daraus zu machen Hermine mit Fragen zu bombardieren.

Wahrheit oder Wahrheit… wieso bei Godric Gryffindor hatten sie das bloß erfunden…? Hermine hätte sich auf alle Fälle einiges an unangenehmen Fragen erspart, wenn sie bloß nie damit angefangen hätte.

„Doch komm schon...“

„Bist du sicher, dass da kein Kreuzworträtsel mehr in der Zeitschrift ist?“ fragte sie leicht genervt, doch wusste es besser. Eigentlich war sie auch gar nicht böse.

Er hatte sie gerettet… Und es war tatsächlich verdammt langweilig, wenn man keine Aufgabe hatte, das war der Hexe durchaus bewusst. Aber sie konnte sich kaum auf ihre Unterlagen konzentrieren wenn er ständig quaschte.

„Ich langweile mich!“ murrte er an die Decke starrend und warf die Arme in die Luft.

„Ach, was du nicht sagst.“
„Hast du denn wirklich nichts in deiner Tasche, womit du das beschleunigen könntest?“ er deutete auf seinen Knöchel.

„Du kannst froh sein, dass keine Sehne verletzt zu sein scheint, sonst hätten wir ein richtiges Problem.“ Murmelte sie abgelenkt und studierte ihre Aufzeichnungen.

„Langeweile wird hier gleich zu einem ‚richtigen Problem‘ Granger.“ Maulte er mit düsterem Blick. Das Gedudel aus ihrem Radio beschäftigte ihn bloß bedingt.

Seit Stunden hörte sich jeder Song gleich an (Muggelmusik war seltsam fand er) und die Nachrichten waren auch nicht gerade fesselnd.

Wann immer es soweit war legte die Hexe zwar Stift und Papier nieder und lauschte konzentriert, doch tatsächlich bekamen sie hier in Hereford bloß einige wenige Sender klar rein und die Nachrichten beschränkten sich meist auf Wetter- und Verkehrsmeldungen...

Kaum nennenswerte Muggelnachrichten, geschweige denn potentiell magisches.

Draco beobachtete wie sie die Stirn runzelte und in ihrem Notizbuch nach einem bestimmten Eintrag zu suchte... Schön, dachte er zynisch. Dann müsste Granger eben weiterhin für Unterhaltung sorgen.  

Er rutschte ein wenig in ihre Richtung an den Couchtisch und linste über ihre Unterlagen. Sie warf ihm einen abwartenden Blick zu. Einen dieser 'was-denkst-du-tust-du-da'-Blicke die sie so sehr perfektioniert hatte, dass es beinahe einer Kunstform glich.

„Was?“ fragte sie auffordernd.
„London.“ Stellte er stirnrunzelnd fest und sah an ihr vorbei auf die Karte und ihre Kritzeleien.
„Schon wieder?“

Granger verbarg ihre Aufzeichnungen unter ihrem Arm und so sah er wieder in ihr Gesicht. Abwartend – mit hochgezogener Augenbraue.

„Da waren wir doch erst.“

Sie wand sich ein wenig unter seinem Blick: „Ja, aber… es wäre die naheliegendste magische Option.“ Überrascht stutzte er.

„Du ziehst also allen Ernstes einen Vorschlag von mir in Betracht?“ Ein überhebliches Grinsen zog sich über Malfoys Lippen. 'Wie-schön-für-dich‘ stand ihm quer übers Gesicht geschrieben und es stieß Hermine sauer auf.

Die Hexe brummte unwillig: „Ja mach nur so weiter... Dann verwerfe ich die Idee sofort wieder.“ Doch Granger war nun Mal Granger – durch und durch Musterschülerin.

Demnach fand sie ihre Ernsthaftigkeit schnell wieder – immerhin sprachen sie hier nicht über einen netten Angelausflug. Wie gefährlich all ihre Vorhaben waren hatte keiner von ihnen vergessen.

Dass sie bis jetzt mit zwei unscheinbaren Narben und einem verstauchten Knöchel davongekommen waren, glich ohnehin einem Wunder…

„Ich hab‘ darüber nachgedacht, was du gesagt hast.“ Erklärte sie geschäftig. „Und wenn wir nur einen Nachmittag in der magischen Welt verbringen könnten, hätten wir eine viel größere Chance die Anderen zu finden.“

Sie kaute nachdenklich auf ihrer Unterlippe.
„Wir könnten eine Aufrufezauber starten…“ Die Hoffnung die sie in diesen Plan setzte schwemmte Dracos letztes Bisschen Leichtigkeit weg und auch er ließ die Späße sein.

„Woran hast du gedacht?"

Kurz sah sie in seine grauen Augen, dann nahm sie die Hand vom Tisch und deutete vage auf die Karte.

„Die Winkelgasse?“ Er legte die Stirn in Falten. „Du willst ausgerechnet in die Winkelgasse?“

Sie zuckte unschlüssig die Schultern. Eine Entscheidung hatte sie noch nicht getroffen, aber die Winkelgasse war natürlich das Erste woran man dachte – das Naheliegendste, wie sie gesagt hatte.

„Dir ist klar, dass die magische Welt noch andere Orte zu bieten hat als die Winkelgasse oder, Granger?“

Er klang verächtlich und sie schnaubte ungehalten – es war als wollte er darauf hinaus, dass sie als muggelstämmige Hexe bestimmt keine Ahnung von diesen Dingen hätte.

„Danke für die Geografie Stunde, Professor.“

Der Blonde grinste kurz süffisant. Er dachte einige Sekunden nach und begann dann damit ihre Möglichkeiten auszuloten: „Hogwarts ist keine Option mehr.“ stellte er überflüssigerweise fest und Hermine nickte wehmütig.

„Und natürlich ist Hogsmead ebenfalls zu riskant, seid Voldemort das Schloss für sich beansprucht hat... Zu viele Schwarzemagier unterwegs.“ fuhr er fort. „Und in Godric's Hollow waren wir schon.“ zählte er einige magische beziehungsweise halb-magische Orte auf.

„Es gibt es noch andere Möglichkeiten, aber-“ führte sie unbestimmt fort, doch ehe Hermine weitersprechen konnte unterbrach er nickend:

„-die meisten anderen Orte sind zu abgelegen und könnten somit die Ankas anlocken. Wir brauchen einen gut-besuchten magischen Ort um unserer Spur zuverlässig zu verwischen.“

Als hätte sie seine Gedanken gelesen...

Es war ein seltsames Gefühl ihn solche Dinge sagen zu hören. Selbst nachdem sie nun schon länger zusammen unterwegs waren, war es ungewöhnlich zu sehen, wie Malfoy… sich einbrachte und sie sich gegenseitig ergänzten.

Auf derselben Seite zu stehen fühlte sich fremd an, aber nicht falsch. Als er keine Antwort bekam sah er zu ihr hinüber.

Schnell wandte sie den Blick ab und nickte erwiderte: „Korrekt.“
Nun war es an Hermine süffisant zu schmunzeln. „Das bedeutet…?“

Siegessicher verschränkte sie die Arme vor der Brust.
Malfoy rollte seine grauen Augen. Herr Gott, sie und ihre Besserwisserei.

„Jaja, schon gut.“ motzte er. „Bleibt also die Winkelgasse…“ stimmte er ihrem ersten Vorschlag zu, doch Granger schüttelte nachdenklich den Kopf über ihren eigenen Plan.

„Aber das ist... zu gefährlich... Ich meine wir werden gesucht, Malfoy. Was meinst du wie die Chancen stehen, in der Winkelgasse unterzutauchen."

Von einem magischen Ort aus zu operieren war ja eine verlockende Vorstellung – oberflächlich betrachtet. Ein nettes Märchen.

Doch je länger sie darüber sprachen, desto mehr erinnerte Hermine sich daran, wieso sie überhaupt in der Muggelwelt untergetaucht war…

Auch der Malfoy-Spross schwieg nachdenklich. Einige Sekunden sagte niemand etwas und jeder überlegte für sich ob dieser Plan überhaupt umsetzbar war. Vielleicht war es eine Illusion, dass sie in die magische Welt gehen zu können. Wunschdenken.

Zu gefährlich…

„Die Winkelgasse ist groß…“ murmelte er schließlich. „Sie umfasst noch andere Straßen und Plätze die weit weniger bekannt sind.“

„Denkst du an die Nokturngasse?“

Er schmunzelte: „Die ist doch sehr bekannt, meinst du nicht? Aber es gibt auch noch genug andere Möglichkeiten, wenn wir die Winkelgasse als Ausgangspunkt nehmen.“

Erinnerungen brodelten in ihm hoch. Erinnerungen an Bogin und Burkes. An seinen Vater... ein Verschwindekabinett... Doch dieses Mal, sagte er sich, wäre es anders.

„Orte an die sich niemand aus Versehen verirrt.“ Dieses Mal wäre er aus einem anderen Grund in den finsteren Gassen. Und aus freien Stücken - mehr oder weniger zumindest.

Er bemerkte, dass sie ihn fragenden ansah und fuhr fort um dem Minenfeld auszuweichen: „Abgesehen davon könnten wir einen dieser Orte problemlos magisch schützen. Die Reiter könnten unsere Fährte unter den anderen niemals ausfindig machen.“

„Nein..." murmelte sie nachdenklich. „könnten sie nicht, das stimmt..."

„Und ganz nebenbei könnten auszukundschaften wie das Regime arbeitet..."
Was zum-?

Hatte er das eben gesagt? Wo war denn dieser Kommentar hergekommen? Das Regime auskundschaften – Draco, was denkst du was das hier ist? Fragte er sich.

Grangers utopische Vorstellungen und ihre Naivität schien langsam auf ihn abzufärben und er begann sich als eine Art Widerstandskämpfer zu betrachten – unterbewusst versteht sich.

Wieder spürte er ihren verwunderten Blick auf sich und hoffte, dass sie nicht dasselbe dachte. Denn er war Vieles aber bestimmt würde er sich niemals mehr irgendeiner Gruppierung anschließen... Er versuchte bloß zu überleben – irgendwie.  

Obwohl Draco sich eigentlich hatte umbringen wollen, doch das war vorher...

Vorher? Er schüttelte den Kopf um diese wirren Gedanken abzuschütteln. Er brauchte unbedingt eine Beschäftigung andernfalls würde etwas noch in ihm durchbrennen, wenn es so weiterging...

So oder so gab es auf alle Fälle genügend gute Gründe sich einen Unterschlupf in der magischen Welt zuzulegen. (Na war doch gar nicht so schwer, einen ordentlichen Gedanken zu formulieren oder?)

Auch wenn es zugegebenermaßen verdammt gefährlich war... Und er besaß nicht mal einen Zauberstab, fiel ihm ein. Dass er diese Tatsache einfach hatte vergessen können wunderte ihn. Aber tatsächlich hatte er davor nicht daran gedacht. Langsam schien er sich daran zu gewöhnen wie ein Muggel zu agieren... Ein seltsames Gefühl befiel ihm bei dem Gedanken. Eine Art Wehmut und Zufriedenheit in einem...

Wie auch immer; er könnte jedenfalls nichts magisch sichern - außer Granger würde ihm ihren Zauberstab überlassen. Und welchen Grund hätte sie schon das zu tun...?

Sie kaute auf ihrer Unterlippe herum. „Ich weiß nicht, Malfoy. Das ist alles verflucht riskant. Und wir sprechen hier nicht von ‘einen Irrwicht schupsen‘-riskant, sondern von…"

Nach Worten suchend fuchtelte die Hexe ein wenig mit ihrer Hand in der Luft.
„...‚eine Chimära am Schwanz ziehen‘-riskant.“

Er schmunzelte ob dieses Vergleichs einen Augenblick, dann wandte er sich wieder den Unterlagen zu und überlegte. Papier war ja geduldig wie es hieß.

Die Chancen, dass dieser Plan reibungslos klappen würde waren verschwindend gering – auch wenn Malfoy sich Mühe gab all ihre Einsprüche zu entkräften oder wenigstens zu relativieren.  

„Du willst dahin.", stellte sie ebenfalls in diesem Moment fest und zog die Augen nachdenklich zusammen. Sie konnte ihm keinen Vorwurf machen. Sein Zuhause war die magische Welt. Natürlich zog es ihn zurück 'nach Hause'.

Anstatt auf Grangers Behauptung zu reagieren, überlegte er sich einen weiteren Grund der das Vorhaben unterstützte: „Dort hätten wir auch Zugang zum Tagespropheten… das würde uns einen großen Vorteil verschaffen.“

„Nein, die magische Berichterstattung ist bestimmt ziemlich nutzlos mittlerweile... Sollte der Tagesprophet überhaupt noch erscheinen." murmelte Granger gedankenverloren woraufhin der Blonde sie fragend und zugleich überrascht über diese Schlussfolgerung musterte.

„Punkt Eins wenn es darum geht das System zu kontrollieren: die Pressefreiheit untergraben.“ erklärte sie ungerührt. „Wenn er das Ministerium kontrolliert, kontrolliert er auch die Medien.“

Die Brauen des Zauberers zogen sich noch weiter nach oben und sein bohrender Blick brachte sie dazu zu schnauben.

„Was?“ maulte sie mit gerunzelter Stirn. „Das ist nicht der erste dunkle Zauberer der versucht die Macht zu ergreifen, falls du das vergessen hast... lies' mal ein Geschichtsbuch, Malfoy.“

Abgesehen davon, wusste Hermine auch noch um die Geschichte der Muggel... Wie auch immer, auf keinen Fall könnten sie sich darauf verlassen was der Tagesprophet berichtete, sollten sie tatsächlich einen in die Finger kriegen.

„Sag bloß du schleppst eines in deiner Perlenhandtasche mit dir rum, Granger?" murrte er augenrollend.

„So etwas wie das 'kleine Einmal-Eins für Diktatoren'?“ sie wollte genervt klingen, doch irgendwie lächelte sie. Und ihr Gegenüber schien amüsiert über die Richtung die ihr Gespräch nahm.

„Tut mir leid, aber das war leider vergriffen...“
Er schüttelte grinsend den Kopf und ein paar Sekunden verfielen sie wieder in Stille.

„Der Klitterer wäre jetzt wahrscheinlich sogar informativer als das Geschwafel von Kimmkorn im Propheten...“ murmelte Draco und erinnerte Hermine damit an etwas.

„Ach ja.“ Sie zog ihr Notizbuch unter den Landkarten hervor und schlug es auf.

„Mir ist noch etwas eingefallen.“ Draco folgte ihrem schlanken Finger auf die letzte Destination ganz unten auf der vollgekritzelten Seite.

Ein neuer möglicher Anhaltspunkt schien Granger ebenso glücklich zu machen, wie es sie niederschmetterte einen weiteren Ort ohne eine Spur ihrer Freunde streichen zu müssen, fiel dem Blonden auf... Interessant.

Er las, blickte auf, las erneut und sah wieder in ihre Augen. „Nein.“
„Was soll das heißen ‚nein‘?“
„Das soll heißen, dass ich nicht zur irren Loony nach Hause gehe, das kannst du vergessen, Granger.“

Die Hexe erwiderte verärgert: „Sie ist nicht irre! Und ihr Name ist Luna... Außerdem“ sie seufzte wehmütig, „gehst du doch wohl nicht davon aus, dass wir dort jemanden antreffen werden... oder?“

Er beobachtete ihren Stimmungswechsel und ruderte zurück. „Ich weiß, aber... Das... es liegt zu abgelegen. Das ist viel zu riskant - genau dort würde man mit Springern wie uns rechnen.“

'Wie uns'... dachte er und etwas schnürte Draco plötzlich die Kehle zu.

„Niemand hat gesagt, dass du mitkommen musst!“ Dieser Kerl… unfassbar. Als könnte sie nicht auf sich selbst aufpassen. Sie war doch vor ihm auch alleine unterwegs gewesen, oder?

„Wieso hast du es mir dann gezeigt?“ schoss er zurück und ein Moment entglitten ihr die Gesichtszüge. Es wäre amüsant mit anzusehen gewesen, säße da nicht diese Traurigkeit in ihren braunen Augen.  

Der Lockenkopf schlug das Notizbuch zu. „Ich kann auch ohne weiteres alleine gehen, wenn der Eisprinz von Slytherin zu feige dazu ist.“ murmelte sie leise, woraufhin er leise schnaubte.  

Sie würde noch frohen Mutes in ihr eigenes Verderben rennen, wenn er nicht da wäre und ihr die Realität vor Augen halten würde.

„Lass' uns erst diese Katastrophe von Ausflug zu Ende planen, ehe wir uns auf das nächste Himmelfahrtskommando begeben.“ Brummte er ohne zu bemerken, dass ihre nächste Destination der Landsitz der Lovegoods wäre.

Doch Hermine hatte es mitbekommen und musste sich nun bemühen ein ein leichtes Lächeln zu verbergen. Es schien als würden sie langsam... eine Art Team werden.

Der Gedanke ließ sie schmunzeln, aber bei allem was sie bereits zusammen durchgestanden hatten waren die Bezeichnung 'Team' gar nicht so verrückt...

„Zuerst müssen wir ohnehin zusehen, dass dein Knöchel gut heilt. Alles andere ist viel zu gefährlich.“

„Oh ja…“ stimmte er sarkastisch zu. „Denn wer eine Chimära am Schwanz ziehen will muss schließlich anständig laufen könnten.“

Hermine lächelte kopfschüttelnd während Malfoy sich nun wieder angesäuert zu seinem Schlafsack zurück zog.

Die Hexe räumte sorgfältig ihre Unterlagen zusammen und faltete gewissenhaft die Landkarten, ehe sie aufstand.

Gerade als die beiden sich gezankt hatten, war ihr etwas eingefallen, dass ihrem ehemaligen Schulkameraden helfen könnte sich ein wenig zu beschäftigen.

Sie schnappte nach ihrer perlen-besetzten Handtasche und begann darin zu suchen. Unglaublich, dass sie es überhaupt vergessen hatte, war es doch eines der wenigen nicht-magischen Bücher die sie dabei hatte.

Als sie es gefunden hatte trat sie an den Blonden heran. Tatsächlich hatte sie dieses Buch gekauft, als die beiden das erste Mal zusammen in Hereford gewesen waren.

„Hier.“
Verwundert sah er auf das ziemlich dünne Büchlein zwischen ihren Fingern. „Was soll ich damit?“

„Nicht schon wieder…“ murrte sie entnervt. „Nachdem du mich das jedes Mal fragst, wenn du ein Buch siehst, glaube ich langsam du kannst nicht lesen.“

Er schürzte die Lippen. „Sehr komisch.“ Seine Augen ruhten auf dem Cover. „So etwas lese ich nicht.“

„Weil du nicht willst oder nicht kannst?“
„Ich kann lesen, Granger!“
„Beweis es.“
„Aber das ist ein Kinderbuch!“ er beäugte das Werk äußerst misstrauisch und Hermine rollte die braunen Augen.

„Lies‘ es doch erst ‘mal bevor du urteilst…“ verlangte sie und hielt es ihm immer noch auffordernd entgegen.

„Der Titel sollte dich doch zumindest ansprechen.“ Ergänzte sie leise, doch nicht leise genug, denn Draco zog die Augen zu Schlitzen zusammen.
„Was soll das denn bedeuten?“
Sie zog schließlich ihre Hand ein wenig zurück und legte den Kopf schief. Dann seufzte Granger.

„Beweis doch wenigstens einmal in deinem Leben, dass du dir von etwas selbst ein Bild machen kannst und dich nicht von Oberflächlichkeiten täuschen lässt.“

Das war keine Antwort auf seine Frage, aber Draco konnte sich ohnehin denken, was sie ihm hatte sagen wollen. Hermines Worte schwebten in der Stille zwischen ihnen.

„Nur einmal…“ gurrte sie verheißungsvoll und hielt ihm ‚Der kleine Prinz‘ erneut hin. Malfoys Hand schoss grob hervor und er riss ihr das kleine Büchlein regelrecht aus der Hand.

„Fein.“ Stieß er eher genervt als wirklich wütend hervor. „Ich lese dein dummes Muggel-Kinderbuch. Dafür kümmerst du dich um's Abendbrot -  und zwar ohne zu quatschen.“

„Pfff.“ stieß sie aus - als wäre sie es gewesen, die ihm heute ein Ohr abgekaut hatte... Aber bitte. Draco wünschte sich Schweigen? Gut, konnte er haben. Sie war es immerhin nicht die ständig Unterhaltung brauchte.



An diesem Abend beobachtete Granger ihn schweigend (wie abgemacht), während er Seite um Seite umblätterte und seine grauen Augen über die Zeilen huschten.

Je mehr er las, desto mehr zogen sich seine Brauen zusammen. Die Falten auf seiner Stirn wurden tiefer doch entgegen ihrer Befürchtung schimpfte er nicht lautstark oder pfefferte das Taschenbuch von sich.

Erst als Hermine sich zur Petroleumlampe beugte um sie zu löschen, legte er das dünne Büchlein beiseite. Doch er sah nicht zu ihr und sie schwieg. Sie hielt sich schließlich an ihr Wort.

Einige Minuten lagen die beide – jeder in seinen Gedanken – in der Dunkelheit. Doch bevor die Hexe in den Schlaf driften konnte, hörte sie ihn leise sagen: „Das ist kein Kinderbuch.“

Auf ihre Lippen legte sich ein nachsichtiges Lächeln.
„Nein.“ Brach sie ihr Versprechen unbekümmert. „Ist es nicht.“