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Die farbenfrohe Schreibfeder ✒️

OneshotAllgemein / P16 / MaleSlash
Kaito Kid / Kaito Kuroba Ran Mori Shinichi Kudo Shuichi Akai Toichi Kuroba Toru Amuro / Bourbon
16.11.2019
04.05.2021
27
43.920
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12.04.2021 1.365
 
One Shot Nr. 24

Mein persönlicher Shinigami


In den Erzählungen aus dem Volksmund und den schriftlichen Überlieferungen stand stets geschrieben, Shinigamis seien furchteinflößende Wesen mit einer grotesken Fratze, die einem kurz vor dem eigenen Tod erscheinen. Sie verhöhnten den Menschen und flüsterten ihm Angst ein, dass er schon sehr bald sterben werde.

Nun, ob er bald sterben wird, weiß Kaito nicht, genauso wenig wie er sterben wird, war sein Shinigami diesbezüglich sehr schweigsam und keineswegs angsteinflößend, geschweige denn hässlich.
Wüsste Kaito es nicht besser und hätte sein Shinigami sich selbst nicht als sein persönlicher Todesengel vorgestellt, würde er ihn für einen Abgesandten aus dem Himmelsreich halten, so bezaubernd wirkte er auf ihn mit seinen fluffigem, hellbraunem Haar, seinen azurblauen Augen, die ihn an das hellblaue Wasser eines Corallenriffes in der Karibik erinnerten und der makellose helle Teint, die jede Frau vor Neid erblassen lassen würde.
Kurzum:
Am liebsten würde er seinen persönlichen Todesengel vernaschen, wenn er könnte.
Aber hier lag die Betonung auf könnte, denn er war eine astrale Erscheinung, die nur er selbst sehen konnte als Auserwählter des Todes und der kam und ging, wann es ihm beliebte.

Kaito schlenderte durch den Beika Park. Es war Herbst, die Blätterpracht der Bäume war ein Mix aus Orange- und Rottönen und verlieh dem Park eine mystische und warme Atmosphäre, und trotz der eingeläuteten Herbstperiode herrschten angenehme Frühlingstemperaturen, so dass er lediglich seine dunkelblaue Übergangsjacke trug.
Es war Freitag und er war auf den Weg zum Beika See. Seinem Lieblingsort, wo er stets das Wochenende von der harten Arbeitswoche einläutete, ein Ritual, das er nicht missen wollte, war dies für ihn, egal zu welcher Jahreszeit, ein Ort der Entspannung und der Erholung.
Ein leichter Wind herrschte und wehte einige bunte Blätter auf. Er lächelte bei dem wunderschönen Herbstblattschauspiel und fing ein purpurrotes Ahornblatt auf.
Spielerisch ließ er dieses durch seine flinken Finger wandern, ehe er seine Holzbank erreichte und sich mit einem zufriedenen und doch gleichzeitig leicht wehmütigen Seufzen niederließ.
Ob er heute noch erscheinen wird?, fragte er sich und spielte damit auf seinen Shinigami an, den er heute noch nicht zu Gesicht bekam. Eine Seltenheit seitdem er aufgetaucht war, begrüßte ihn der schöne Todesengel sonst bereits am frühen Morgen.
Aber nicht heute.
Ob das vielleicht ein Omen ist?
Sein Blick schweife über die Oberfläche des Sees, welche in der tiefstehenden Herbstsonne golden schimmerte.
Ein Anblick den er so oft gesehen und bereits verinnerlicht hatte und dennoch konnte er sich nicht daran gewöhnen.

Ein Gurren zu seiner Rechten erweckte seine Aufmerksamkeit. Er wandte sich dem Gurren zu und blickte in zwei schwarze Knopfaugen, hatte sich, ohne dass er dies bemerkte, ein weißes Täubchen zu ihm gesellt. Überrascht zog er seine Brauen in die Höhe waren die freiläufigen Tauben eher menschenfremd angehaucht, aber nicht dieses Tierchen, was ihn erwartungsvoll zu Mustern schien.
»Hey, meine Schöne«, begrüßte er das Täubchen und hielt ihr seine ausgestreckte Hand hin. Mit dem Schnabel tippte das Tier prüfend gegen seine Fingerkuppen.
»Das kitzelt«, schmunzelte Kaito amüsiert und das Täubchen schien sich der Sache sichern zu sein, stufte ihn nicht als potenzielle Gefahr ein. Es hopste auf seiner Hand und er begann es liebevoll am Köpfchen zu streicheln, als erneut ein sanfter Wind wehte und er ihn hinter sich spürte.
Endlich, war sein erster Gedanke als er ihn tadelte ohne sich umzudrehen und weiter dem gurrenden Täubchen die geforderte Zärtlichkeit gab. »Du hast mich heute lange warten lassen, Shinichi.«
»Entschuldige, Kaito«, erwiderte Shinichi mit seiner engelsgleichen Stimme, die ihn jedes Mal aufs Neue erschaudern ließ. Sanft und warm klang sie. Traf ihn Mitten ins Herz. »Aber du solltest von hier verschwinden«, fügte er warnend hinzu und tauchte nun als schwebende Gestalt vor ihm auf.
Er trug einen schwarzen Haori, eine Kimono-Überjacke in der Art eines Jacketts, die bis zur Schenkelhöhe reichte. Ein schalartiges, grünes Gewandstück zierte seinen Hals, was ihm bis zur Hüfte reichte. Die Enden waren jeweils mit zwei weißen Bommeln bestückt und auf seinem Rücken zierte das Wappen der Shinigami, das einem Fünfstern ähnelte. Er hatte von Kudo erfahren, dass es die Wappen in unterschiedliche Farben gab und die Rangordnung der Shinigami angab. Es diente somit als Statussymbol.
Er wusste, dass sein Shinigami in der Oberliga mitspielte, bestand sein Wappen aus der Farbe Grün, was ihn als Oberhaupt betitelte. Danach konnte man nur noch den Meister anstreben. Als Kaito ihn bei ihrer ersten Begegnung fragte, wonach sich die Karriere eines Shinigamis richtete, hatte Shinichi milde gelächelt.
»Nach den eingesammelten Seelen«, hatte er geantwortet und ihm die Rangordnung erklärt.

Rangordnung:

Praktikant: 0 bis 99 Seelen, Wappen-Farbe: Rot
Lehrling: 100 bis 999 Seelen, Wappen-Farbe: Grau
Gehilfe: 1.000 bis 9.999 Seelen, Wappen-Farbe: Weiß
Mitarbeiter: 10.000 bis 99.999 Seelen, Wappen-Farbe: Gelb
Leiter: 100.000 bis 499.999 Seelen, Wappen-Farbe: Orange
Oberhaupt: 500.000 bis 999.999 Seelen, Wappen-Farbe: Grün
Meister: 1.000.000 bis Unendlich ∞ Seelen, Wappen-Farbe: Golden

»Und wie viele Seelen hast du bereits eingesammelt?«, hatte Kaito neugierig bei ihrer ersten Begegnung nachgehakt. Sein Todesengel lächelte dünn und flüsterte ihm zu:
»Ich benötige noch eine einzige Seele bis zum Meister-Titel und dafür habe ich mir eine ganz besondere ausgesucht.«
Der Auserwählte hatte verwundert mit den Augen geklimpert und danach lauthals losgelacht, was Shinichi damals sehr gewundert hatte, denn schließlich hatte er ihm gerade offenbart, dass er ihn holen würde und sein Tod kurz bevorstand.
»Hast du keine Angst?«, erkundigte er sich verwirrt und ließ sich neben der zu holenden Seele auf der Parkbank nieder, traf ein Todesengel die zu holende Seele zum ersten Mal stets am Sterbeort. Dies war ein unausgesprochenes Gesetzt.

»Warum sollte ich von hier verschwinden? Du weißt, dass dies mein Lieblingsort ist«, hakte Kaito überrascht nach und beendete die Streicheleinheiten bei dem Täubchen, das noch immer auf seiner Handfläche saß. Er machte eine ruckartige Bewegung und scheuchte damit die Taube auf, die mit einem protestierenden Gurren einmal um seinen Kopf flog, um sich letztlich auf einen Ast des hinter ihm befindlichen Baumes niederzulassen, der unmittelbar über seinen Kopf schwebte.
Kurz fragte er sich mit einem schiefen Grinsen, ob die Taube ihm nun auf den Kopf scheißen würde.
»Du wirst heute hier sterben«, gestand ihm sein Shinigami.
»Verrätst du jeder Seele ihren Todestag?«
»Nein«, gestand er und Shinichi lehnte sich mit dem Rücken an die Bank, sein Blick traurig nach oben gerichtet. »Aber du bist für mich eine besondere Seele und ich hätte mir gewünscht, dass du an Altersschwäche sterben wirst.«
Verblüfft sah Kaito ihn an und da hörte er ein bedrohliches Knacken über sich. Bevor er reagieren konnte, wurde er von einem dicken, abgebrochenen Ast erschlagen. Dem Ast, auf welchem die Taube saß und den bereits angeknacksten Ast vom heftigen Sturm der vergangenen Nacht, damit den letzten Auslöser gab.

Shinichi seufzte und schrieb in sein Notizbuch:

Kuroba Kaito
Geboren am 21.06.
Verstorben am 12.04.
Todesalter: 29 Jahre
Todesart: Schädelbruch

»Das hast du schon bei unserer ersten Begegnung angedeutet. Warum bin ich eine besondere Seele für dich«, hörte er Kaito interessiert neben sich fragen.
Der Todesengel steckte sein Notizbuch in die Innentasche seines Haori und erwiderte: »Weil du meine 1.000.000 Seele bist und damit automatisch zu meinem Shinigami-Praktikanten wirst.«
Er deutete auf das Gewandt von Kaito, der nun ebenfalls einen Haori inklusive Schal in roter Farbe trug, während Shinichis Wappen und Schal nun golden schimmerte.«
»Was zum Henker?«, brüllte Kaito geschockt und sprang von der Bank auf und damit direkt auf seinen materiellen Körper, den er mit seinem Astralkörper durchdrang. Seine Füße gingen durch seinen Körper hindurch. Er glotzte verdutzt auf seinen leblosen Leib, ehe er amüsiert auflachte.
»Todesursache Schädelbruch verursacht von einer eingeschnappten Taube. Das nenne ich mal einen Abgang.«
»Du scheinst sehr amüsiert zu sein«, stellte der Meister fest.
»Auf jeden Fall«, konterte er glücklich und sein Meister neigte fragend den Kopf zur Seite. »Denn das heißt im Umkehrschluss, du hast mich auserwählt, damit ich zum Shinigami werde, damit ich an deiner Seite bleiben kann, richtig?«
Seine indigoblauen Augen leuchteten regelrecht und stellten selbst das Funkeln der Sterne in den Schatten.
»Exakt, denn du bist meine Belohnung.«
Shinichi lächelte smart und hauchte seinem Praktikanten einen liebevollen Kuss auf die Lippen.

Ende
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