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sunrise

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Annabeth Chase Jason Grace Nico di Angelo Percy Jackson Piper McLean Will Solace
16.11.2019
18.12.2020
14
39.360
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28.02.2020 4.061
 
Die Argo wurde sanft von dem Wind hin und her gewiegt. Auch mit dem Unwetter hielt sich die Argo stabil in der Luft. Will lag in seinem kleinen Zimmer und beobachtete, wie das Licht der umher schwingende Lampe an der Decke, die Schatten im Zimmer vor sich her scheuchte. Sein Bett war angenehm warm und der Sturm der draußen tobte, änderte nichts an seiner innerlichen Ruhe. Geniesend schloss er seine Augen und schmiegte sich an den kühlen Körper hinter ihm. Die zwei schlanken und doch starken Arme, die sich um ihn umschlungen, gaben ihm ein Gefühl von Geborgenheit. Vorsichtig strich er über die blassen Hände.

Mit einem Lächeln auf den Lippen drehte er sich um und schaute tief in die dunkelbraunen Augen. Nico lächelte nicht, aber in den tiefen seiner Seelenspiegel erglomm etwas was ein Schauer durch Wills Körper jagte.  Mutig beugte er sich im Bett vor und küsste bestimmt die Lippen seines Gegenübers. Das Nico ihn nicht weg schob nahm er als ein gutes Zeichen. Mit den Beinen umschlang er die schmalen Hüften des Schwarzhaarigen. Mit einem Ruck drehte er Nico herum, sodass dieser in die Laken gedrückt wurde.

Herausfordernd blickte Nico mit dunklen Augen zu ihm empor, während er mit seinen Händen unablässig über Wills Körper fuhr. Dann packte sein Freund ihn auf einmal fest bei den Hüften und drehte sie Beide herum. Als Will den Körper seines Freundes über sich spürte entwich ihm ein leises Keuchen, welches lauter und verzweifelter wurde als Nico sich aufreizend langsam auf ihm zu bewegen begann. Auch sein Freund begann schneller zu Atmen und blickte begierig auf ihn hinab. „Ich will dich“, wimmerte Will seinem Freund ins Ohr, als dieser seinen Kopf senkte und begann sich seinen Hals entlang zu küssen. „Ich denke nicht, dass du in der Position bist um Forderungen zu stellen“, flüsterte der Sohn des Totengottes rau und hielt seine Hände weiter mit eisernen Griff fest. Grade als sich der Hadessohn erneut zu ihm hinunter beugte... schlug Will die Augen auf.

„Na endlich bist du wach. Beeile dich wir erreichen gleich Karibati“, Katie wartete nicht auf eine Antwort, sondern verließ gleich wieder sein Zimmer. Will blieb mit geschlossenen Augen liegen und vergrub seine Hände in den blonden Locken. Wärme schoss ihm ins Gesicht. Wie kam sein Unterbewusstsein nur darauf ihm solche Träume zu schicken? Will war sicherlich noch nicht bereit diesen Schritt zu gehen und hatte um ehrlich zu sein auch noch nicht drüber nachgedacht. Peinlich berührt hob er die Decke an und stellte erleichtert fest, dass sein Traum keine unerwünschten Veränderungen bzw. Verspannungen hinterlassen hatten. Für Nico waren auch kleine Berührungen kaum ertragbar und das wusste er, also warum zum Hades träumte er von so etwas?

Noch einwenig benommen stand er auf und unternahm einen kläglichen Versuch seine Haare zu richten. Der Traum hatte sich so real angefühlt und dennoch lag eine solche Zweisamkeit in weiter Ferne. Schließlich hatte Will sich Nico beinahe aufgedrängt und er wusste überhaupt nicht was der Hadessohn für ihn empfand. Nico machte sich sorgen um ihn und er reagierte auf ihn nicht so gereizt wie auf andere Halbgötter, aber das hatte eigentlich nicht viel zu bedeuten. Immerhin hatte Nico ihn mehrere Male stehen gelassen und beim Training war er auch nicht grade sanft mit ihm umgesprungen. Zudem vertraute er ihm scheinbar nicht genug, um von seinen Problemen zu erzählen.

Verstehe einer was in Di Angelos Kopf vor sich geht! Will zog sich warme Sachen an und öffnete dann die Tür. Auf dem schmalen Gang, welcher die Schlafkabienen miteinander verband, lief ihm eine sehr verschlafene Clarisse entgegen. Eilig folgte Will ihr auf das Deck. Die anderen Verrückten trafen schon letzte Vorbereitungen. Nico lehnte neben Jason an dem Schiffsmast. Der Hadessohn war völlig in schwarz gekleidet und hatte sich seine Lederjacke übergeworfen. Er sah ein wenig so aus wie der Anführer einer gefährlichen Motorradgang, wie Will fand. Ihm gefiel der Anblick, auch wenn Nico höchstwahrscheinlich kein Motorrad besaß und eher dem Ruf als Sohn der Unterwelt gerecht werden wollte. Als in ihm wieder die Bilder aus seinem Traum aufkamen, wandte er schnell den Blick von dem Jungen ab. Verstohlen sah er sich um, ob jemanden sein Gestarre  aufmerksam geworden war, aber da hatte er wohl noch einmal Glück gehabt.

„Also noch einmal. Der Plan ist, wir gehen dort rein wie zivilisierte Menschen und versuchen es zuerst mit Diplomatie. Ihr werdet mir das Reden überlassen, vielleicht habe ich Erfolg und Circe gibt uns den Spiegel freiwillig“, erklärte Piper und blickte sich in der Runde um. „Und wenn das nicht klappt?“, fragte Nico und Will konnte seinen Zweifel beinahe hören, welche er an diesem Plan hegte. „Dann klauen wir ihn einfach“, sagte Travis leichthin. „Piper entscheidet dann was zu tun ist“, sagte Jason und seine Stimme duldete keinen Wiederspruch.

„Und wie wissen wir welcher Spiegel der Richtige ist? Ich meine ein einem Beautysalon sind doch bestimmt mehrere“, gab Will zu bedenken. „Mehrere? Wohl eher Tausende“, warf Percy ein. Er schien nicht so begeistert auf eine erneute Begegnung mit Circe. „Könnten wir Aphrodite nicht einfach irgendeinen Spiegel bringen? Das fällt ihr doch bestimmt nicht auf“, sagte Damien ratlos. „Das würde ihr auffallen, sei dir da sicher“, murmelte Piper, dann richtete sie sich wieder auf „Also aus Erfahrung wissen wir, dass Circe nicht so gut auf Jungen zu sprechen ist und Annabeth kennt sie bereits, deswegen werden zunächst nur Katie, Lou, Clarisse und ich uns umhören. Ich hoffe, dass wir so keinen Argwohn erwecken und uns erst einmal umhören können.“

„Und was machen wir anderen in der Zeit?“, fragte Leo. „Ihr bleibt in der Nähe, falls wir euch brauchen sollten“, sagte Piper entschlossen. Die anderen Halbgötter nickten Zustimmend und auch Will nickte eifrig. Die Idee kam ihm wie die beste vor, es erschien ihn dumm, dass er jemals Zweifel an dem Plan gehabt hatte. „Gut“, lächelte Piper „mein Charmsprech funktioniert also.“ „Ich gehe mal das Schiff landen, bevor Clovis am Steuer einschläft und uns umbringt“, meinte Leo und ging eilig.

Das Schiff setzte sanft auf. Neugierig blickte Will von der erhöhten Position auf die umliegende Landschaft. Die Insel schien aus mehreren Inselgruppen zu bestehen. Egal wo er hin blickte er konnte immer das klare blaue Meerwasser sehen. Vor einigen Jahren musste Kiribati bestimmt größer gewesen sein, aber das Meer hatte sich einiges an Fläche zurückgeholt. Die tropische Vegetation machte die Insel zu einem sehr schönen Ort. Allerdings hatte Will wenig Zeit die Umgebung zu bestaunen, denn die Halbgötter machten sich daran von der Argo herunter zu kommen.

„Können wir sie einfach hier so stehen lassen?“, zweifelte Katie und bedeckte die Augen mit der Hand, um sie vor der Sonne zu schützen, die auf sie hinunter prallte. „Die kriegt niemand von ihrem Platz solange ich das nicht will“, grinste Leo. Die dreizehn Verrückten mussten noch eine kurze Stecke durch seichtes Wasser warten, dann kamen sie mit nassen Beinen am Strand an. Will hoffte, dass die Sonne seine Hose schnell wieder trocknete, denn er hasste es wenn seine Kleidung an seiner Haut zu kleben schien.

„Also Circes Beautysalon Außenstelle Kiribati müsste da um die Ecke liegen“, meinte Piper und deutete den Strand entlang. „Lou, Clarisse, Katie und ich gehen am besten den ganz normalen Weg. Ihr geht durch den Wald, wo man euch nicht sehen kann. Ihr könnt das Haus garnicht übersehen.“ „In Ordnung, aber wie sollen wir wissen, ob ihr Hilfe braucht“, fragte Jason seine Freundin besorgt. „Gebt uns eine Stunde Zeit, es auf einfachem Weg zu lösen, dann kommt herein“, bestimmte die Tochter der Aphrodite. Sie verabschiedeten sich kurz von einander, dann liefen die vier Mädchen alleine den Strand entlang.

Die Jungen und Annabeth warteten eine Weile, bis die vier aus ihrem Sichtfeld verschwunden waren, dann betraten sie einer nach dem anderen den Wald. Obwohl Wald wohl etwas übertrieben war. Der Boden war sehr licht und kaum bewachsen. Nur die Palmen warfen hin und wieder einen Schatten auf den sandigen Boden. Will war einer der wenigen dem die Wärme nichts auszumachen schien. Die anderen schwitzten und der Heiler befürchtete, dass der eine oder andere an einem Hitzekollaps sterben würde, bevor dieser Tag zu Ende war.

Nico hatte seinen Kopf gesenkt und konzentrierte sich nur auf seine Schritte. Will konnte nicht erkennen, wie es ihm ging und momentan traute er sich auch nicht seine Heilersinne nach ihm auszustrecken. Auch wenn Insel keinen bedrohlichen Eindruck machte, kam er nicht zur Ruhe und beobachte ständig Aufmerksam die Umgebung. Jason war ebenfalls unruhig und Will vermutete, dass sich der Sohn des Donners sorgen um Piper machte. Dann hielt Annabeth an.

„Da vorne ist es, schaut“, forderte sie die anderen auf. Will blickte entgegen der Sonne auf ein großen Gebäudekomplex. Es ähnelte einwenig an eine Villa eines Milliardärs und nicht an einen Laden. „Bescheiden“, skeptisch schaute Damien auf das imposante Gebilde und sprach damit genau das aus was Will dachte. Ein Schatten in seinem Blickfeld riss seine Augen von dem Gebäude ab. Nico hatte sich neben ihn gestellt. Mit grimmig zusammengekniffenen Augen beobachtete er den Eingang und seinem scharfen Blick schien nichts zu entgehen.

Das Gesicht des Hadessohnes zeigte keine Regung. Er hatte wie so oft eine emotionslose Maske aufgesetzt, aber seine gesamte Haltung verriet wie angespannt er war. Will konnte die Macht, die von ihm ausging beinahe spüren und auch Percy und Jason strahlten eine bedrohliche Aura aus. „Habe ich dir eigentlich schon mal gesagt, wie froh ich bin, dass wir auf der gleichen Seite kämpfen“, flüsterte Will so leise, dass es nur für Nicos Ohren bestimmt war. „Nein und Ich hoffe das war ein Kompliment“, gab Nico kurz angebunden zurück. „Naja nach meiner herausragenden Leistung beim Training, würde ich es lieber vermeiden gegen dich zu kämpfen“, erwiderte Will lächelnd. Nur mit Mühe konnte er der Versuchung wiederstehen Nico durch das dunkle Haar zufahren.

„Wenn du freundlich zu mir bist sollte das nie dazu kommen“, sagte Nico sarkastisch und wandte ihm seinen Blick zu. Will versank wie so oft in den Seelenspiegeln seines Freundes. Sie waren dunkel braun, fast schon schwarz wenn keine Sonne schien und dennoch irgendwie farblos. Diese Augen faszinierten ihn und er vergaß, dass er Nico wie ein kompletter Idiot anstarrte. Bis der Junge verlegen seinen Blick senkte und der Blickkontakt abriss. „Nun ja, ich bin immer freundlich“, räusperte sich Will bei dem Versuch keine Stille zwischen ihnen herrschen zu lassen. „Ja sicher in dem einen Moment tust du auf den verständnisvollen, sanftmütigen Heiler und im anderen Moment bist du der schlimmste Quälgeist den die Unterwelt je gesehen hat“, meinte Nico grimmig.

„Hey, soll ich mal etwas zu deinen Stimmungsschwankungen sagen?“, beschwerte sich Will. Er bemerkte nicht, dass es seltsam still um sie herum geworden war.  „Ach bist du jetzt ein Therapeut?“, fragte Nico und zog die Augenbraue empor. „Ja Mister di Angelo und ihr Ergebnis ist leider nicht zufriedenstellend. Du bewegst dich auf einer Skala, von mir geht’s dreckig, bis hin zu ich bin Suizid gefährdet“, plapperte der Blonde drauf los und wenn Nico ihm schon eine so gute Vorlage bot, was sollte er machen?.  „Meine Therapie Empfehlung lautet“, er machte eine dramatische Pause „sei freundlich zu deinem, beinahe perfekten Freund und drohe ihm nicht in jedem zweiten Satz mit seinem vorzeitigen Tod.“

„Will?“, fragte Nico alarmiert. Jede Belustigung war aus seiner Stimme verschwunden. Verwirrt blickte Will ihn an. „Was?“ Der Schwarzhaarige schüttelte fassungslos den Kopf. „Entweder hat die Sonne mir mein Hirn weg gebrutzelt oder die anderen sind verschwunden“, murmelte Nico und suchte mit den Augen das Umfeld ab. „Aber sie waren doch grade noch hinter uns. Wie können die sich so schnell entfernt haben ohne, dass wir etwas bemerkt haben?“, stammelte Will und sah sich hektisch um. Weit und breit niemand zu sehen.

„Wenn sie sich nicht grade innerhalb von Zehn Sekunden hinter der nächsten Palme versteckt haben, wurden sie irgendwie mit fremder Hilfe hier weg befördert“, wisperte der Hadessohn. „Aber wieso sollten sie sich vor uns verstecken?“, fragte Will irritiert. „Eben“, gab Nico zurück und ein scharfes Metallendes Geräusch ertönte, als er sein Schwert zog. „Wow, so ein dramatischer Auftritt“, Will machte große Augen „Halt die Klappe, Solace“, Nico seufzte. „Du hast deine Waffen beim Schiff vergessen oder?“ Wills schuldbewusster Ausdruck reichte aus. „Du bist wirklich ein miserabler Krieger“, hörte Will ihn grummeln. „Bleib hinter mir“, murmelte Nico noch, dann machte er einige Schritte Richtung Eingang.

„Warte wir können doch nicht einfach da rein gehen. Piper sagte wir sollten eine Stunde warten“, schnappte Will überrascht nach Luft. „Die anderen sind Weg, einfach spurlos verschwunden und wir suchen nach einer Zauberin. Was glaubst du wo die anderen sein werden? Außerdem hast du einen besseren Plan?“, fragte Nico genervt. „Nein“, niedergeschlagen schüttelte Will den Kopf und folgte dann dem Jungen, der mit entschlossenen Schritten auf die pinkfarbene Eingangstür zusteuerte.  „Vielleicht sollten wir anklopfen“, schlug Will vor und suchte nach einer Klingel oder ähnlichem.

Nico trat einen Schritt zurück und Will erschreckte sich beinahe zu Tode, als sein Freund die Tür ein trat. Die rosa Tür brach aus den Angeln und fiel scheppernd zu Boden. „Sehr diskret“, murmelte er Will, als er hinter Nico in die Eingangshalle trat. „Scheint als wäre es grade geschlossen“; meinte Will. Der Raum lag in tiefem dunkeln  und Will nahm nur schemenhafte Umrisse war. „Sprich leise, deine Stimme halt von allen Wänden“, zischte Nico ihm zu, das Schwert immer noch fest in der Hand. „Warum? Ich rede nun einmal viel wenn ich nervös bin und es sieht nicht so aus als wäre jemand hier“, meinte Will und versuchte angestrengt etwas zu erkennen. „Also wirklich, hast du noch nie einen Horrorfilm gesehen? Man ist nie alleine in dunklen Räumen“, Will sah den dunkel Gekleideten Jungen nicht mehr, aber er war sich sicher, dass dieser grade grinste.

„Kannst du mir bitte nicht mehr Angst machen als ich eh schon habe?“, gab er wütend zurück, aber er senkte seine Stimme. „Lass uns nach einem Lichtschalter suchen“, kam Nicos Stimme beruhigend von weiter rechts. Sich an der Wand entlang tastend bewegte sich Will weiter von seinem Freund weg, hinein in die tiefe Finsternis. „Also theoretisch“, hörte er Nico flüstern „streben die Naiven immer zu erst.“ „Willst du damit an deuten ich sei naiv?“, fragte Will und verdrehte die Augen, obwohl er wusste, dass Nico ihn nicht sehen konnte. „Nein, das war nur eine Feststellung“, kam es zurück.

„Vielleicht sterben auch die zuerst, die gemein sind und anderen Angst machen. Du weißt schon Karma und so“, flüsterte Will, bemüht seine Stimme nicht zittern zu lassen. Er als Apollosohn hasste die Dunkelheit. Zum Thema Dunkelheit und sein Vater. Will brauchte kein Lichtschalter um Licht zu haben, immerhin war sein Vater Gott des Lichtes. Er verharrte kurz, um seine Kräfte zu sammeln als er es scheppern hörte. Angestrengt lauschte er, wie Nico fluchte.

„Neeks alles in Ordnung?“, fragte er in die ungefähre Richtung in der er seinen Freund vermutete. Es kam keine Antwort. „Nico?“, sagte er noch einmal mit Nachdruck. „Hör auf das ist nicht mehr lustig. Antworte gefälligst“, fauchte Will in die tiefe schwärze hinein. Ein seltsames Geräusch ertönte, wie Krallen die über den Boden schrapten. Wills Herz begann zu pochen. Wieder kratze etwas, dieses Mal näher. Will nahm seine Kraft zusammen und goldene Schleier tauchten um ihn herum auf. Wenn dieses etwas, was auf ihn zu kam seinem Freund irgendetwas angetan hatte, konnte es was erleben. Die Dunkelheit verschwand Augenblicklich und die goldenen Fäden tauchten den gesamten Raum in ein warmes Licht.

Er war alleine, soweit er das beurteilen konnte. Einerseits erleichterte ihn das und wiederum versetzte es ihn in Panik. Wo zum Hades war Nico? Die Wände des Raumes erinnerten Will an eine alte Ritterburg. Grober grauer Stein mit abgebrannten Kerzen, in den Halterungen. Eine bedrohliche Ruhe lag in der Luft, noch stärker, als er sie draußen gespürt hatte. Im Raum verteilt standen überall unbequem wirkende Tische und Stühle, mit Hautpflegeprodukten. Für ihn war dieser Ort mehr als unheimlich.

„Wer bist du? Wo bist du? und was hast du mit meinen Freunden gemacht?“, fragte er in den Raum leeren Raum hinein. Er war sich ganz sicher etwas gehört zu haben und die Sorge um Nico und die anderen Zwölf Verrückten, machte ihm Mut. Ein seltsames Geräusch ertönte, dieses Mal ein anderes als zu vor. Langsam trat Will näher zu einem der Tische. Mehrere Dosen lagen auf ihm verteilt und auch einige andere Gegenstände. Es raschelte auf der anderen Seite und ganz langsam, Stück für Stück  ging Will in die Hocke, um im nächsten Moment über den Tisch zu springen.

Sich auf einen Angriff gefasst machend ging er in Kampfpostionen, welche er im Camp gelernt hatte. Aber dass was er sah verschlug ihm dennoch den Atem. Nicos Schwert lag auf dem Boden, neben der schwarzen Klinge lief ein widerlich grünliches Sekret, aus einer zerbrochenen Glasphiole. Hatte Nico das umgestoßen? Das gleiche Geräusch wie vorher im Dunkeln, ertönte abermals. Krallen auf hartem Boden. Will spannte sich an. Wo war Nico?

Ein schwarzer Schatten schoss unter einem Tisch hervor. Ein recht kleines schwarzes Kaninchen, vor Überraschung hätte Will es beinahe weggetreten. „Was zum…?“, wisperte er, dann viel ihm wieder ein was Annabeth gesagt hatte. Circe hatte damals schon Percy in ein Meerschweinchen verwandelt. Äußerst misstrauisch begutachtete Will die grüne Flüssigkeit und dann fiel sein Blick zurück auf das Kaninchen und zu guter Letzt auf Nicos Schwert. Ihm ahnte schlimmes. Das Kaninchen sah ihn aus runden braunen Augen verwirrt an. Es öffnete das Mäulchen, vielleicht um etwas zu sagen, aber nur ein Ächzten kam heraus.

„Nico?“, fragte Will fassungslos. Das Kaninchen wurde panisch, als es merkte, dass etwas nicht stimmte. „Es ist alles in Ordnung. Wir kriegen das wieder hin.“, murmelte Will und nahm das zugegeben sehr flauschige Kaninchen hoch. „Wir gehen jetzt die anderen Suchen und dann gibt es sicherlich eine Möglichkeit um dich zurück zu verwandeln“, sprach Will beruhigend auf seinen Freund ein, der seinen Kopf versuchte in dem Ärmel seiner Jacke zu verstecken. Kurz war er versucht über das flauschige Fell zu streichen, konnte sich aber grade so noch beherrschen.

Will wusste, dass es unangebracht war, aber er kam nicht ohne hin einen kleinen Funken Genugtun zu verspüren, nachdem Nico ihm so oft erklärt hatte, was für ein Hoffnungsloser Fall er doch war. Langsam ging Will zum Ende des Raumes und eine steinerne Treppe empor. Das Kaninchen hatte inzwischen seinen Kopf wieder befreit und beobachtete jeder seiner Bewegungen genauestens. Auf halben Wege teile sich die Treppe auf und Will musste sich zwischen links oder rechts entscheiden. Den Fuß schon auf eine Treppenstufe der linken Seite gesetzt, strampelte Nico, das Kaninchen, auf einmal rum.      

Vorsichtig ließ Will ihn zu Boden. Nico hatte die langen schwarzen Ohren aufmerksam aufgestellt. „Hörst du etwas?“, fragte Will es leise. Das Kaninchen hoppelte los und Will sah mit großen Augen zu, wie sein Freund, ein Kaninchen begann eilig die Treppe hoch zu springen. Will folgte ihm mit langen Schritten. Nico wusste schon wo er hin wollte, hoffte er zu mindestens. Im ersten Stockwerk war der Boden mit dicken Teppichen gepolstert und schluckte alle Geräusche von ihren Schritten, bzw Hüpfern. Unwillkürlich breitete sich ein breites Grinsen auf Wills Gesicht aus. Er war sehr froh, dass Nico damit beschäftigt schien einem Geräusch hinter her zu jagen und sich nicht zu ihm umdrehte. Die Situation war aber auch zu komisch. Grade Nico, der immer so auf so düster und gefährlich tat, hatte sich in ein flauschiges Nagetier verwandelt.

Das Schwarze Kaninchen hielt vor einer Tür an und stellte sich auf die Hinterläufe. Will nahm ihn vorsichtig wieder hoch und nahm die Türklinge in die Hand. Das Kaninchen beschützerisch an ihn drückend betrat er den Raum. Zum Zweiten Mal an diesem Tag, wollte er seinen Augen nicht trauen. Die anderen Halbgötter saßen putzmunter in einer sehr bequemen Teerunde, in einem wohlig warmen Wohnzimmer vor einem Kamin. Travis hatte sich bestimmt acht Cookies in den Mund gesteckt und schmatzte zufrieden vor sich hin.

Als Will die Tür öffnete drehten sich die anderen zu ihm um. „Ach auch schon da?“, fragte Leo gelassen und drehte sich auf dem Sofa so um, dass er Will gut sehen konnte. „Wo ist Nico?“, Jason runzelte die Stirn und nippte an einer roten Kaffeetasse. Der Heiler presste die Lippen fest aufeinander und nickte in Richtung des Kaninchens auf seinen Armen, welches genauso fassungslos drein schaute wie er.

„Tja, scheiß Gefühl oder?“, fragte Percy der sich in einen Sessel geschmissen hatte. Will hatte seine Augen zu schlitzen verengt und ignorierte die Krallen, die sich in seine Haut bohrten und ihm zeigten, dass Nico ähnlich fühlte. „Ihr wart alle die ganze Zeit hier, während wir uns Sorgen gemacht haben und Nico in ein Kaninchen verwandelt wurde?“, seine Augen wanderten von einem Schuldigen Gesicht ins nächste. „Achtung, ich glaube das ist eine Fangfrage“, flüsterte Lou Ellen für alle verständlich.

Sie zuckte zusammen als Will ihr einen vernichtenden Blick zu warf. „Ach komm schon alles halb so wild“, murmelte die Hekate Tochter „zeig mal her.“ Sie entriss Will Nico das Kaninchen und begann ihn zu untersuchen. „Ach ja eine ganz simple Verwandlung“, murmelte sie in ihrer Arbeit versunken. Das Mädchen stupste das verstört wirkende Tier mehrfach an. Prompt wuchs aus dem Kaninchen wieder ein Junge. Will sah der Verwandlung fasziniert zu, bis der Hadessohn wieder vollständig hergerichtet schien. Nico lag immer noch über Lous Schoß  und  er wurde sehr schnell, sehr rot. Hastig rappelte er sich auf und stellte sich neben Will.

„Was ist hier los? Warum seid ihr hier?“, grollte der, noch ziemlich durch den Wind wirkende, Halbgott. Bedrohlich musterte er die Gesichter der anderen. „Sie erfreuen sich guter Gastfreundschaft“ ertönte eine helle Stimme hinter ihnen. Nico und Will fuhren gleichzeitig herum. In dem Türrahmen stand eine große erwachsene Frau. „Zuerst wollte ich eigentlich anders mit euch vorgehen, aber die süße kleine Piper hier, hat ein gutes Wort für euch eingelegt.“

„Bist du Circe?“, fragte Will vorsichtig. „Ja das bin ich. Die anderen haben sich mir schon vorgestellt, als ich sie in mein Haus habe bringen lassen, aber ihr wirktet so in eure Diskussion vertieft, da wollte ich euch nicht stören.“ „Ähm danke“, meinte Will verlegen. Er hätte nicht mit so viel Freundlichkeit gerechnet, nicht nach Percys Geschichten, über die Zauberin. Piper musste sie gut um den Finger gewickelt haben. „Das ist Nico di Angelo und ich bin Will Solace“, stellte er sie beide höfflich vor, während Nico finster schwieg.

„Nun ihr hättet auch mal eine Generalüberholung nötig“, Circe musterte die beiden Jungen von Kopf bis Fuß und kratzte sich mit einem ihrer langen Fingernägel am Kinn. Nico wollte zu einer unfreundlichen Erwiderung ansetzten, aber Will trat ihm warnend auf den Fuß. Es wäre fatal Circe zu beleidigen, grade jetzt wo Piper so einen Erfolg erzielt hatte. „Nun, hier ist der Spiegel meine Liebe“, Circe reichte Piper ein sehr längliches Parket. Behutsam nahm Piper es ihr aus der Hand und begutachtete ihn.

„Vielen Dank, das ist er“, meinte Piper freundlich und es war unmöglich sich ihrer Aura zu entreißen. „Woher hast du ihn? wenn ich fragen darf“, Annabeth hatte sich gespannt nach vorne gelehnt. „Hm, da müsste ich jetzt nachdenken“, wieder kratzte Circe sich mit ihren langen Fingernägeln und Will durchlief ein unangenehmer Schauer, als er das dazu gehörende Geräusch hörte. „Ach“, Circe klatschte laut in die Hände und Travis viel vor Überraschung ein Keks aus dem Mund. „Ich weiß es wieder. Habe ihn Geschenkt bekommen einfach so in einem Präsentkorb vor meiner Tür. Von wem weiß ich nicht aber eins ist sicher, derjenige hat sich eine sonder Pediküre verdient“, Circe lächelte breit in die weniger begeisterten Gesichter der Jungendlichen.

„Sag  mal, kennen wir uns nicht“, nachdenklich blieb ihr Blick an Percy hängen. „Nein“, heftig schüttelte der angesprochene den Kopf. „Doch doch ich bin mir ganz sicher… aber woher nur“, murmelte Circe. Will bemerkte wie Annabeth und Piper einen eindringlichen Blick tauschten und Jason unruhig hin und her rutschte. „Nun ich denke wir sollten dann mal wieder los. Vielen Dank für den Spiegel und für den Tee“, meinte Piper immer noch lächelnd, aber ihre Stimme klang ungewohnt drängend und rüttelten Will wach.

„Auf widersehen“ er wartete Circes Antwort nicht ab sondern trat gleich zu Tür hinaus. Die anderen folgten ihm schleunigst. Zusammen rannten sie durch die Dunkelheit zurück zum Ausgang, wobei Nico sie sicher führte, aber dann hielt er Ruckartig an, sodass Will prompt in ihn hineinlief. Die quadratischen Umrisse des Eingangs warfen ein helles Licht auf eine Gestalt, zwischen ihnen und dem Ausweg.
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