Ist das noch Punkrock?

GeschichteAllgemein / P12
Fabi Jo Mäx OC (Own Character)
16.11.2019
29.11.2019
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Ist das noch Punkrock -
wie dein Herz schlägt,
wenn sie dich küsst?




Ist das noch Punkrock? I

„Ey, pass doch auf!“, rief sie dem Kerl zu, der sie gerade angerempelt und ihr dabei ihr halbes Bier verschüttet hatte.
„Sorry, kriegst 'n neues, nach unserem Gig!“, rief er zurück und machte keine Anstalten stehen zu bleiben.
„Hä, wer bist du überhaupt?“
„Komm einfach gleich in den Club!“, sprach er und verschwand in der Menschenmenge, die sich am Eingang tummelte.

Lachend sah sie dem blonden jungen Mann nach. Sie fragte sich, wer um alles in der Welt das war.
Hanna war heute mit ein paar Freunden auf dem Free&Easy-Festival im Münchner Backstage, die Freunde waren aber schon die ganze Zeit in der großen Halle bei irgendeiner Metalcore-Band. Da sie so gar nichts mit dieser Musik anfangen konnte, ging Hanna relativ schnell mit einem Bier nach draußen.
Ach ja, das Bier. Sie schaute sich den nur noch zur Hälfte gefüllten Plastikbecher an, nahm einen großen Schluck und machte sich dann langsam wieder auf den Weg in das Gebäude. Drinnen bog sie nach links ab in den Club und steuerte direkt auf die Bar zu. Den inzwischen leeren Becher stellte sie am Tresen ab, bevor sie sich ein neues Bier bestellte und auf einem Barhocker ganz am Rand Platz nahm.
Sie drehte sich zur Bühne, wo eine Band bereits spielte. Irgendetwas zwischen Rock und Pop. Das Publikum war sehr übersichtlich – der ohnehin schon kleine Raum war gerade mal zu einem Drittel gefüllt.
„Wer is'n das?“, fragte Hannah den Barkeeper, als sie bezahlte, und nickte zur Bühne.
„Äh, ich hab keine Ahnung, Moment“, er zog hinter dem Tresen einen Flyer heraus und schaute ihn durch. „Die Killerpilze, spielen aber nur 'ne halbe Stunde“, gab er schließlich Auskunft.
„Ernsthaft?“, lachte Hanna, „Die sind aber groß geworden...“
Der Barkeeper nickte ihr noch zu, bevor er sich wieder seiner Arbeit widmete.

Hanna lauschte ein wenig der Musik und bei genauerem Hinhören erkannte sie auch Jo's Stimme wieder. Als die Band gerade berühmt wurde, war sie auch ein riesiger Fan, da musste sie so 13 oder 14 Jahre alt gewesen sein. Hannah musste lachen. Damals hatte sie kein einziges Konzert der Killerpilze besucht, weil ihre Mutter es ihr verboten hatte. Und jetzt, 10 Jahre später, wo sie die Band, die sie damals rauf und runter gehört hat, eigentlich schon fast vergessen hat, findet sie sich auf einem ihrer Konzerte wieder.
Und da nicht nur der Sound, sondern auch die Band selbst erwachsener geworden ist, erkannte Hanna sie kaum wieder.
Sie stand auf, nahm sich ihren Becher Bier und ging nach vorne Richtung Bühne. Dort lehnte sie sich rechts an die Wand, als die letzten Takte des aktuellen Liedes gespielt wurden.
„So ihr Lieben, leider ist unsere gemeinsame Zeit schon wieder fast vorbei“, rief Jo ins Mikrofon, „Danke, dass ihr da wart, viel Spaß noch mit den restlichen Bands. Vielleicht sehen wir uns später noch an der Bar“ - „Auf ein Bier!“, fiel ihm Mäx, der auf der rechten Seite der Bühne stand, ins Wort und winkte Hanna zu. Hanna musste lachen – jetzt erkannte sie den Typen, der draußen ihr Getränk verschüttet hat, wieder. Sie hob ihren Becher zum Gruß zurück und Mäx zwinkerte.
„Und jetzt viel Spaß mit unserem neuesten Song: You've got my HEART!“, sprach Jo weiter und fing schon beim letzten Teil seines Satzes an, die ersten Akkorde zu spielen.
Hanna wippte leicht mit und sah den Sänger an. Er trug seine Haare mittlerweile kürzer, nach hinten gestyled und blond. Sehr gewöhnungsbedürftig, wie Hanna fand. Aber irgendwie hatte es etwas – ihn zusammen mit dem Song, der irgendwie verrucht und sexy war, auf der Bühne zu sehen.
Als Hanna registrierte, was sie da gerade für Gedanken hatte, trank sie schnell noch einen großen Schluck Bier. Als ob sie jetzt, mit 23 Jahren, wieder ihrem Teeniestar verfällt.
Weil sie so mit ihren komischen Gedanken beschäftigt war, bekam sie gar nicht mit, dass das letzte Lied bereits zu Ende war und die Band die Bühne verließ.
Als Hanna aufblickte, sah sie, dass die meisten Leute aus dem Publikum sich bereits zum Ausgang bewegten, nur ca. 10-15 Mädchen standen noch in der ersten Reihe. Sie sah sich weiter um und sah dann, keine fünf Meter entfernt, Mäx hinter einem schwarzen Vorhang hervor stolpern.
„Scheiße“, fluchte er und schob den schweren Stoff unsanft zur Seite, bevor er auf Hanna zukam.
„Alles klar?“, fragte sie lachend.
„Ach, ich hasse diese schwarzen Backstage-Vorhänge, vor allem wenn der Raum sowieso schon so dunkel ist“, maulte Mäx, fing danach aber gleich an zu grinsen. „Du hast mich also gefunden?!“, bemerkte er, während er ihr bedeutete, mit ihm hinter die Bühne zu gehen.
„Ja, also das war jetzt nicht so schwer, Mäx“, lachte Hanna und lief neben ihm her.
„Du kennst mich also doch“, merkte er an.
„Äh, ja, also ehrlich gesagt musste ich erst den Barkeeper fragen“, gab Hanna zu.
„Wer ich bin?“, entgegnete Mäx und blieb stehen.
„Was das für eine Band ist“, stellte sie richtig und schubste ihn leicht in die Seite.
„Ey!“, er schubste zurück und Hanna musste aufpassen, dass ihr nicht schon wieder das Bier verschüttet wurde.
„Ernsthaft?!“, sie zeigte lachend auf ihren Plastikbecher.
„Ach ja, das Bier“, Mäx betrachtete prüfend den Füllstand des Bechers, „Naja, du hast ja noch genug, muss ich dir ja keins ausgeben“, und grinste.
„Meinst du?“
Er nickte.
Das sah Hanna als Aufforderung, setzte den Becher an und trank die letzten paar Schlucke ihres Bieres auf Ex.
„Äh...“, Mäx sah zwischen dem Becher und dem Mädchen hin und her.
Sie lachte. „Ich hoffe nur, dass ihr gescheites Bier aus Flaschen habt, und nicht diese ekelige Plastikbecher-Plörre.“
„Ja, Bier aus Plastikbechern ist irgendwie komisch“, stimmte er ihr zu, „Also komm, wir haben schön gekühltes Augustiner.“
Sie gingen weiter und neben dem Bühnenaufgang entdeckte Hanna einen Mülleimer, in welchen sie den leeren Becher kurzerhand entsorgte.
Ein paar Meter weiter öffnete Mäx eine dunkle Tür, an der ein Schild mit der Aufschrift „Killerpilze“ angebracht war, und ließ Hanna eintreten.
„Oh mein Gott, backstage bei den Killerpilzen!“, kreischte sie, konnte sich selbst aber nicht ernst nehmen und fing an zu lachen.
Mäx schaute sie an. „Du bist irgendwie ganz schön bescheuert“, stellte er dann grinsend fest.
„Hey!“, rief sie entrüstet.
„Sorry Mäx, aber wer ist das eigentlich?“
Erst jetzt bemerkte Hanna, dass auf dem Sofa, das mitten im Raum stand, jemand saß.
„Hi, ich bin Hanna“, sie lief auf den jungen Mann zu und reichte ihm die Hand.
„Fabi, hi“, stellte auch er sich vor und klopfte auf den Platz neben sich, damit sie sich setzte.
„Danke“, Hanna ließ sich auf das Sofa sinken.
„Und Hanna, was machst du so hier?“
„Äh, naja, ich warte auf das Bier, das mir versprochen wurde, weil irgendwer meins vorhin verschüttet hat“, sie schaute Mäx erwartungsvoll an und zwinkerte.
Dieser lief sogleich zum Kühlschrank und holte drei Flaschen Bier heraus.
„War er wieder verpeilt unterwegs, mh?“, neckte Fabi seinen Bandkollegen.
Hanna lehnte sich etwas zu dem Schlagzeuger und antwortete dann etwas leiser: „Er hat mich ja noch nicht mal nach meinem Namen gefragt, also vom ersten Eindruck her bist du ihm schon meilenweit voraus.“
Fabi begann zu grinsen wie ein Honigkuchenpferd.
„Hast du das gehört?“, fragte er Mäx, der den beiden nun jeweils ein Bier reichte und sich neben Hanna auf das Sofa setzte.
„Hm?“, machte er abwesend und kramte in seiner Hosentasche.
Fabi wiederholte, was Hanna ihm erzählt hatte.
„Hey, das ist gemein, ich...“, begann Mäx sich zu rechtfertigen.
Hanna lachte. „Schon gut, Mäx“, und tätschelte ihm die Schulter, bevor sie ein Feuerzeug aus ihrer Hosentasche holte und das Bier öffnete.
Sie tauschte mit Mäx, der immer noch nicht gefunden hatte, was er suchte, die Flaschen und öffnete auch das zweite Bier.
Fabi nahm sich einfach den Flaschenöffner, der auf dem kleinen Tisch vor ihnen neben einem Aschenbecher lag.
„Wo ist eigentlich dein Bruder?“, fragte Mäx, nachdem er einen Schluck von seinem Bier genommen hatte.
„Der ist noch raus zu den Fans, er hat da irgendein Mädel gesehen...“, gab Fabi Auskunft.
„Ich verstehe“, lachte Mäx.
„Darf man hier rauchen?“, fragte Hanna unabhängig vom Gesprächsthema mit einem Blick auf den Aschenbecher.
„Klar“, antwortete Mäx und fing wieder an, in seinen Taschen zu suchen, während Hanna ihre Zigaretten mit einem Griff aus der Handtasche holte und sich eine ansteckte.
„Sind deine Hosentaschen schwarze Löcher oder was?“, fragte Fabi belustigt, als Mäx entnervt aufstand und auch in den hinteren Hosentaschen suchte.
Auch Hanna musste lachen, hatte aber schließlich Mitleid. „Komm, ich geb dir eine“, sie reichte ihm ihre Schachtel Zigaretten und ihr Feuerzeug.
„Danke“, lächelte Mäx sie an, bevor er sich seine Zigarette ansteckte.
Er setzte sich wieder neben Hanna, die sich zurück gelehnt hatte und an ihrer Zigarette zog.
In diesem Moment kam Jo zu Tür herein.
„Hey Leute, ich bin wieder da, aber ich hab die Süße leider nicht mehr ge-“, er stocke mitten im Satz, als er Hanna sah, „Da ist sie ja.“
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