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Zaubererbruder

GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Juro Krabat
15.11.2019
12.04.2020
11
16.295
2
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Dieses Kapitel
1 Review
 
 
12.04.2020 489
 
So ihr lieben, dies lesenden, Menschen. Mein Abstecher in die Was-wäre-wenns und Es-hätte-dochs des Krabat-Universums finden hier ihr Ende. Passend zu Ostern gibt es diesen kleinen Epilog. Mir hat das Schreiben dieser Geschichte sehr viel Spaß gemacht; meine Melancholie konnte ich voll und ganz ausleben. Lasst es euch gut gehen, tut Dinge, die eurer Seele gut tun- und frohe Ostern! :)




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„Erstanden ist der heilig Christ, halleluja, halleluja
Der aller Welt ein Tröster ist, halleluja, halleluja!“


Hell und rein klang die einzelne Mädchenstimme durch das Dorf von Schwarzkollm und wurde im Halleluja des Auferstehungsliedes beantwortet vom Gesang der anderen Mädchen. So waren sie feierlich und unter Glockengeläut um Mitternacht in ihrer Abendmahlstracht aus der Kirche getreten, gefolgt von den anderen Gästen der Ostermesse, die sich ihre wollenen Tücher nun fester um ihre Leiber schlangen. Die Dunkelheit wurde erfüllt vom Schein unzähliger Kerzen, die die Mädchen vor sich her trugen, während sie nun singend durch die Straßen zogen. Tröstlich schallte der Osterchoral durch die Nacht und der Wind trug ihn hinauf zu Bäumels Tod.
Hier verharrte Juro am Feuer, den Rücken gegen den dicken Stamm unter dem verwitterten Kreuz angelehnt, beide Hände nur ein Stück weit über der wärmenden Glut, doch er spürte nichts. Stumm sah er hinüber nach Schwarzkollm, schaute in das Lichtermeer. Er lauschte dem Gesang,  doch kein Wort, keine Melodie kam Juro vertraut vor. Die Musik war ihm fremd geworden und konnte ihn nun nicht mehr berühren, so wie sie es einst vermochte.
Wie von alleine tasteten seine Finger in seine Westentasche und holten ein Messer hervor. Juro ließ die Klinge mit einem Druck auf die Schale hervorspringen. Blank und klar schimmerte sie in der orangenen Glut.
Und so wird es auch immer bleiben, dachte Juro, mir droht keine Gefahr, solang ich der dumme Juro bin. Was bin ich nur für ein bedauernswerter Feigling. Lasse andere die Drecksarbeit machen und habe dadurch den einzigen Menschen verloren, der mir lieb und teuer war auf dieser Welt.
Doch Juro wusste, dass er nie den Mut haben würde, den Meister alleine herauszufordern. Und er wusste, dass er niemals ein Mädchen haben würde, das ihn hätte frei bitten können. Er wollte kein Mädchen.
Juro sah sich selbst vor seinem geistigen Auge, sah sich auf der Mühle am schwarzen Wasser alt werden, ein Leben lang unter dem Tarnmantel des dummen Juro, sah, wie all seine Mitgesellen nie länger blieben, als ein paar dunkle Jahre, bevor sie in ihrer Tollheit gegen den Meister aufbegehrten und scheiterten. Juro sah ein Leben in Ruhe und Sicherheit, bis er dem Schnitter irgendwann aus freien Stücken heraus folgen würde. In dieser Vorstellung fand er einen einsamen und freudlosen Trost.
Er steckte das Messer wieder ein. Im Dämmerlicht zeichneten sich die beiden Müllerburschen mit dem Mal der geheimen Bruderschaft. Juro erhob sich, verwischte die Spuren, so gut es ging, dann streckte er seinem Mitgesellen die Hand hin.
„Komm, Lobosch. Gehen wir Heim.“
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