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Zaubererbruder

GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Juro Krabat
15.11.2019
12.04.2020
11
16.295
2
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
07.03.2020 903
 
Meine kleine Geschichte findet hier (fast) ihr Ende. Dieses Kapitel zu schreiben ist mir sehr schwer gefallen; irgendwie wollten mir die richtigen Worte nicht einfallen. Dementsprechend ist es sehr knapp ausgefallen und lässt mich immer noch etwas rastlos und ratlos zurück..



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Der Morgen des Altjahrestages brach an, wie jeder andere. Kalt und gleichgültig war er und dennoch lag ein nicht greifbarer Schatten über dem Koselbruch. Als Juros Blick den Krabats über den Tisch hinweg beim Morgenmahl traf, da wusste Juro, dass er nicht der einzige war, der keinen Schlaf gefunden hatte.
Es wurde nicht hell im Koselbruch an diesem Tag. Dämmeriges Zwielicht lag auf Mühle und Weiher als gelte es, den Abend schneller kommen zu machen. Als sich die knorrigen Zweige der Bäume kaum mehr von dem letzten Abendhimmel dieses Jahres abzeichneten, kam durch den tiefen Schnee eine kleine, schlanke Gestalt in Abendmahlstracht die Zufahrt hinauf geschritten.
Hanzo war der erste, der sie bemerkt hatte und als Juro und Krabat, die beide rastlos in der Stube verharrt hatten, die Mädchenstimme hörten, da fuhren sie beide auf. Sie sahen sich an und beide wussten sie, dass es nun nur noch diesen einzigen Weg gab. Für sie beide, für das Mädchen, für die Burschen auf der Mühle und den Meister.

Er ließ sie sich in der schwarzen Kammer versammeln, als die Müllerburschen die sie waren. Weshalb ließ er sie sich nicht in Raben verwandeln? Juro spürte Krabats Unruhe bis hin in die Ecke, in der er stand. Die Luft schien zu vibrieren, der Raum war gefüllt von schwefelgelbem, zittrigem Licht. Der Meister geleitete das Mädchen in die Mitte des Raumes. Als Juro ihr ins Gesicht sah, da sah er erschrocken, dass ihre Augen mit einem schwarzen Tuch verbunden waren. Der Meister trat beiseite und lehnte sich gegen die Wand, die Beine überschlagen, den Dreispitz mit beiden Händen haltend vor sich ruhend. Mit zuversichtlichem, hämischem Blick schien er der Kantorka ohne Worte zu verstehen zu geben, dass es nun an ihr war, ihrem Burschen zu finden.
Blind schritt sie die Reihe der Burschen auf und ab..

Juros Herz klopfte wie wild. Etwas schien ihm zu entgleiten. Etwas stimmte nicht. Sie mussten sich in Raben verwandeln! Der Meister musste Krabat herausfordern! Wie sollte das Mädchen nun so ihren Burschen unter den Zwölfen herausfinden?
Verzweifelt schloss Juro seine Augen..

Mach, das es gut wird, dass es alles gut wird. Oh, wenn es dort draußen einen Gott gibt oder einen Teufel, dann mach das Mädchen Krabat erkennen! Es muss sein, mach uns frei! Und wenn er mit dem Mädchen geht, dann sei es so. Doch lass uns frei sein und gehen, wohin wir wollen und sagen, was gesagt werden soll. Falls dieses Wagnis nun schief geht, dann ist das allein mein Verschulden, denn es war meine Idee. Ich halte die Angst nicht aus, nicht um mich, doch um Krabat, den ich liebe. Ich liebe ihn so sehr und wenn es nun schief geht.. lass ihn mich noch einmal sehen.

Und als Juro seine Augen öffnete und er instinktiv seinen Kopf wandte, da traf sein Blick den Krabats und es war, als ob Juros Wille ihm nicht mehr gehorchen wollte. Der Moment währte ewig. In ihm lag alles. Alles Unausgesprochene, alle Furcht. All die Worte, die es für Juro nicht gab, denn keines wurde dem gerecht, was er hätte sagen wollen. All die Unsicherheit der Offenbarung. All die Sicherheit seines Willens. All die Verzweiflung und Hingabe, Feigheit und Zuneigung und all seine Liebe für Krabat lagen in diesem Moment, lagen in Juros Blick und als Krabats Augen sich für den Bruchteil einer Sekunde in überraschtem Erkennen weiteten, da wusste Juro, Krabat hatte verstanden und da wussten beide, es war vorbei. Krabats Herz, seiner Zuneigung für das Mädchen so sicher, wusste, dass auch Juro einen Platz in ihm hatte, dessen Größe es bisher nicht verstanden hatte.
Krabats Herz hatte Juros Ruf gehört und es hatte ihm geantwortet und als dies geschehen war, konnte das Mädchen ihren Burschen nicht mehr finden.

Wie eine Ertrinkende an Land fing sie an zu schwanken und Halt zu suchen, doch fanden ihre Hände nicht ihren Geliebten.
„Ich..“
Die Gesichter von Überraschung und von Schrecken verzerrt, wirbelten Juros und Krabats Köpfe zu dem Mädchen.
Und sie wussten, dass es um sie geschehen war. Als die Knie der Kantorka nachgaben, da ergriff sie Hanzos Rockzipfel in einem letzten, verzweifelten Versuch.
„Krabat, du bist es?!“

Die Kammer begann zu beben; tiefes, grollendes Lachen erhob sich und schien das Holz zum bersten zu bringen. Das schwefelgelbe Licht in der Kammer flackerte, warf Schatten an die Wand von Gestalten, die kein Auge sehen konnte und erlosch schlussendlich. Das Brausen, das sich erhoben hatte, wurde zu einem schrillen Tosen, das sich mit dem Gelächter des Meisters mischte und unerträglich laut erhob und in Juros Ohren scharf und klirrend widerhallte, wie das Kreischen hunderter Dämonen, wie das Klingen der Schellen an der Pferdekutsche, die vor der Mühle gehalten hatte.

Schwere Tritte in der Mühle
„Ich komme, um zu holen, was mir zusteht!“
Und der Meister trat dem Gevatter aus der Dunkelheit entgegen, langsam und behutsam, denn er trug zwei Gestalten, schlaff und leblos. Der Schnitter nahm sie entgegen, wiegte sie in seinen Armen, fast liebevoll und schützend trug er sie hinaus in die Nacht des neuen Jahres.
Dort bettete er sie auf seiner Kutsche, eine kalte Ruhestätte und sie lagen vereint, das Mädchen und der Müllerbursche.

Die Mühle stand still, so totenstill..
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