Zaubererbruder

GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P16 Slash
Juro Krabat
15.11.2019
12.04.2020
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15.11.2019 794
 
Hallo, wie schön, dass du hierher gefunden hast! :)

Das Krabat- Universum lässt mich nicht los. All die Düsternis und schwarze Magie, dieser ganz eigene Stil sorbischer Sagengeschichten, die vielen, wahnsinnig tiefgehenden Charaktere, all das hat mich wohl unwiderruflich in seinen Bann gezogen und wer bin ich, mich dagegen zu wehren. Nachdem zuletzt Jirko und der Meister für einen OS herhalten mussten, gibt es hier nun meine FanFiktion zu Juro und Krabat. Die Idee hat schon eine ganze Weile in meinem Kessel halbgarer Schreibideen vor sich hin geköchelt, jetzt möchte sie bitte serviert werden.

Ich hab mich vorher noch nie an ein Pairing gewagt, das es so in der Geschichte von Otfried Preußler (an dessen Version ich mich orientiere) nicht gibt. Krabat und Juro, zwei unglaublich sensible, intelligente und achtsame Charaktere, konnte ich mir aber immer gut miteinander vorstellen.

Der Titel meiner Geschichte, der "Zaubererbruder", knüpft an den gleichnamigen Krabat- Liederzyklus der Band ASP an. Falls ihr Krabatfan seid und das Album noch nicht kennt, lauscht mal rein!

Fürs erste: viel Spaß beim Lesen!

Mood Board für den Prolog: "Frosthauch" - Neun Welten          










   


Prolog


Der Wüste Plan lag still und gleichgültig da. Schneebedeckt war er, mit Erhebungen hier und dort, die aussahen, wie der Rücken einer weißen, buckelnden Katze. Der Himmel war grau und voll von dicken Schneewolken, die der feuchte Wind immer näher an den Koselbruch herantrug, die Luft schmeckte nach Neuschnee und neu war auch das Jahr. Es war kaum Nachmittag, doch die Dämmerung war bereits hereingebrochen und legte ihre Schatten auf das Moor. Und in dem immer fahler werdenden Tageslicht war eine Gestalt zu erkennen, die sich ihren Weg durch den Schnee bahnte, hin zum Wüsten Plan.
„Zaubererbruder!“ flüsterte die Gestalt und sank vor einem Erdhügel in die Knie, der zwar vom Schnee bedeckt war, dessen frische Erde aber vor nicht mehr als ein paar Tagen aufgeschüttet sein mochte.
„Zaubererbruder, ach wär ich nur nicht solch ein Feigling gewesen!“
Und hättest du mich gehört, mit deinem Herzen, hättest du meine Blicke zu verstehen gewusst, all meine Gesten, meine Worte. Aber vor allem hätte ich nicht solch ein Feigling sein dürfen.
Denn dann hätte vielleicht alles anders kommen können, schoss es ihm bitter durch den Kopf, dann vielleicht wären sie jetzt beide frei von dem Meister und seiner Mühle und frei von all schwarzer Magie, die ihr Schicksal besiegelt hatte, an dem Tag, an dem der Meister seine Linke hingehalten und sie eingeschlagen hatten.
So jedoch war er nun allein auf dieser Welt und es gab keinen Trost, der seinen Schmerz zu lindern vermocht hätte. Bald, so wusste er, wäre es auf der Mühle, als hätte es einen Müllerburschen Krabat dort nie gegeben. Und die Vorstellung, dass sein Freund Krabat, den er so lebendig vor Augen hatte, als würde er jede Sekunde hinter den Bäumen auftauchen und neben ihn treten, bald schon in Vergessenheit geraten würde, das war schmerzlicher als ihn nun nicht mehr bei sich zu wissen. Denn Vergessen bedeutet, losgelassen zu haben und los lassen bedeutet, endgültig Abschied genommen und ein Band zerschnitten zu haben.
Tränen liefen stumm Juros Wangen hinunter.
Urplötzlich musste er zurück denken, an die Altjahresnacht vor zwei Jahren. Tonda war es, der den Morgen des neuen Jahres nicht mehr hatte erleben würden. Bevor der Altgeselle dem Meister zu gefährlich werden konnte, wie Juro dachte. Und da war der Schrei, der die Stille zerriss und das qualvolle und doch erleichterte Aufstöhnen der Mitgesellen und Krabat, der neue Junge Krabat, der nicht verstand, was wirklich vor sich ging und wie von Sinnen versucht hatte, die Bodentür der Schlafkammer aufzureißen, um seinem liebsten Freund zur Hilfe zu eilen, doch die Luke war von Außen zugesperrt. Juro war es, der zu ihm heran getreten war, ihm die Hand auf die Schulter gelegt und den verstörten Jungen zurück zu seiner Pritsche geführt hatte. Dann hatte er ihm gesagt, er solle nicht heulen, damit würde man nichts ungeschehen machen.
Nun sammelten sich die salzigen Perlen an Juros Kinn, bevor sie vor ihm in den Schnee fielen.
Er streckte seine Rechte aus, sodass sie eine Handbreit über dem schneebedeckten Hügelgrab in der Luft verharrte, schloss seine Augen und murmelte ein paar unverständliche Worte.
Doch hier, auf dem Wüsten Plan, auf dem der Schnitter Herr war wie nirgends sonst, hier wollte keine Blume wachsen, da konnte Juro so viele Formeln in den Schnee flüstern wie er wollte.
Kuckucksblumen hätte er gern wachsen lassen. Von denen wusste er, dass Krabat sie gemocht hatte.
So kniete er im Schnee vor dem Grab ohne Kreuz und ohne Blumen und er weinte stumm und bitterlich und war voller Gram ob seines Herzens Ruf, den er laut und deutlich vernommen und dem zu folgen er zu feige gewesen war.
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