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Tales of... Fairytales

von GhostData
OneshotHumor, Parodie / P16 / MaleSlash
Alice Aster Colette Brunel Decus Lloyd Irving Zelos Wilder
15.11.2019
19.12.2019
4
8.479
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15.11.2019 3.855
 
Lloyd und die drei Zwerge - Hund inbegriffen




Es war einmal ein Cruxis-Engel, der bereits ein Kind hatte, aber unbedingt noch ein weiteres wollte. Jedoch gab es bei dieser Angelegenheit ein Problem: Männer konnten allein einfach keine Kinder auf die Welt bringen. Logisch – doch Kratos stand nun vor einer Masterquest. Die ganze Zeit machte der Rotbrünette sich Gedanken, wo und vor allem wie er nun ein zweites Kind auftreiben sollte, also lief er durch den nahegelegenen Wald von Iselia, um seine Gedanken frei zu bekommen. Jedoch versank er derweilen so tief in Gedanken, dass er den Baum übersah, welcher in seinem Weg stand und schließlich mit ihm kollidierte.

Sich den Kopf reibend, betrachtete er das Gewächs und sprach mehr zu sich selbst:
„Hätte ich doch nur einen Sohn mit braunem Haar und braunen Augen, so wie diese Baumrinde…“
Kurz nach diesen Worten hörte er ein leises Räuspern hinter sich. Augenblicklich drehte er sich um und erblickte Yuan, einen Abtrünnigen, den er nur zu gut kannte.
„Kratos, du hast schon einen Sohn, der so aussieht…“, meinte der Blauhaarige.
Anscheinend war der Rotbrünette nach dem Tod Annas doch mehr in Mitleidenschaft gezogen, als man es sich hätte denken können.
„Ach stimmt ja, da war ja noch etwas…“, meinte Kratos nun und Yuan schüttelte den Kopf.
„Als Alleinerziehender kommst du nicht wirklich zurecht, oder? Ich könnte dir helfen, aber dann musst du mich heiraten.“, meinte der Blauhaarige einfach, jedoch nicht ohne Hintergedanken.
Wollte er den Cruxis-Engel doch schon als Partner haben, als sie noch mit Martel auf Reisen waren. Innerlich grinste Yuan. Dieses Angebot kam für den Vater jedoch mehr als unerwartet, nur klang die Hilfe gleichzeitig auch nicht schlecht. Somit sagte er zu.

So kam es, das bereits einige Tage später eine sehr merkwürdige Hochzeit zwischen Kratos und Yuan stattfand und sich der Vater allmählich mit den Gedanken anfreundete, mit einem Mann verheiratet zu sein. Nur Lloyd wusste von der ganzen Sache nichts und da Schock die beste Medizin war, entschloss sich der Rotbrünette, Yuan einfach einzuladen, welcher den jungen Mann nun schon seit seinem dritten Lebensjahr nicht mehr zu Gesicht bekommen hatte. Immerhin hatte der Blauhaarige ja auch einen Job zu erledigen.

Als der Abtrünnige nun endlich in dem Anwesen ankam, welches Kratos bewohnte, musste er feststellen, dass sein alter Freund sich doch ziemlich verändert hatte. In der Zwischenzeit schien der Mithos, den sie kannten, zum persönlichen Informanten Kratos‘ geworden zu sein und geisterte demnach auch in dem Anwesen herum. Von ihm bekam der Vater immer die neusten Informationen und natürlich behielt er durch den Blonden auch seinen Sohn ein wenig im Blick. Schließlich kam es natürlich auch zu dem lang ersehnten Treffen zwischen Yuan und Lloyd, nur lief eben jenes ein wenig anders ab, als Kratos es sich erhofft hatte. Kaum hatte der Blauhaarige den brünetten erblickt, brach er ein Thema vom Zaun, welches nicht gut enden sollte.
„Mensch Lloyd, du bist viel erwachsener als beim letzten Mal als ich dich sah!“, meinte der Abtrünnige und Kratos, welcher diese Worte hörte, merkte augenblicklich wie der Zorn in ihm aufstieg.
Es war nur logisch, dass Lloyd erwachsener aussah, als vor geschätzten sechzehn Jahren, doch dies sei nun auch dahingestellt.
War er gerade wirklich auf seinen eigenen Sohn eifersüchtig?

Augenblicklich suchte der Vater Mithos auf und stellte eben jenen zur Rede. Er wollte unbedingt wissen, ob er mit seinen – doch sehr weit hergeholten und unlogischen – Vermutungen rechtbehalten sollte. Also löcherte er den Blonden immer wieder mit der gleichen Frage.
„Sag mir, Mithos, weißt du, ob mein Sohn wirklich erwachsener als ich ist, so wie Yuan es sagt?“, fragte er, in der Hoffnung, der blonde würde ihm keine Bestätigung geben.
Nur kommt es leider nie, wie man erwartet und so war es auch dieses Mal. Abgesehen davon, das der Rotbrünette wieder einmal viel zu viel in die Situation hineininterpretiert hatte und der Blauhaarige diese Worte so nie gesagt hatte, doch auch das sei nun dahingestellt.
„Nun ja, natürlich bist du erwachsen, aber in manchen Situationen muss ich schon sagen, das Lloyd sich erwachsener als du verhält…“, entgegnete der blonde Cruxis-Engel.
Im übertragenen Sinne fiel Kratos in diesem Moment alles aus dem Gesicht. Diese Worte bestätigten dem Rotbrünetten etwas, das er sich bereits dachte. Lloyd musste aus dem Haus! In Iselia durfte es nur einen Erwachsenen geben! Wenn dies auch ein Widerspruch an sich war, da Yuan und sämtliche andere männliche Wesen auch noch in Iselia existierten. Diese schienen für Kratos jedoch nicht in die Rechnung zu zählen.
Verstand doch einer diesen Mann…

Resultierend aus diesem Gespräch, fasste Kratos noch am gleichen Abend einen Entschluss, als er eine Assassine aus dem weit entfernten Mizuho bestellte, welche Lloyd in einen tethe’allanischen Wald bringen und ihn dort grausam verhungern lassen sollte. Als Beweis sollte die Frau Kratos zwei Tage später die Knochen des verhungerten Jungen bringen – weil Menschen auch ganz sicher so schnell verhungern. Mit diesem Vorschlag war Sheena nicht einverstanden, abgesehen davon, dass er jenseits jeder Logik lag, dennoch führte sie den Brünetten wie verlangt – bei Nacht und Nebel – von dem Anwesen weg und blieb vor dem Wald von Iselia stehen.
„Wohin gehen wir jetzt eigentlich?“, fragte Lloyd nach einer Weile des Stillschweigens.
Mist.
Sheena konnte doch niemanden ermorden, der sie auch noch so unwissend fragte, wohin sie denn jetzt gingen. Lautlos seufzte die junge Frau und hielt sich die Stirn.
„Verdammt! Hättest du nicht den Mund halten können? Jetzt kenne ich dich ja sozusagen, das macht es mir unmöglich, dich einfach verhungern zu lassen!“, schimpfte die Assassine.
„Wieso solltest du mich umbringen wollen?“, fragte Lloyd unwissend.
Die Schwarzhaarige schnaufte.
„Gut, in Ordnung. Wir sind hier in der Nähe von der Wüste. Wenn du von hier aus immer geradeaus gehst, kommst du nach einigen Tagen in Altamira an. Dort lebt ein guter Freund von mir und dort wird Kratos dich auch nicht finden. Ich gehe derweil zu den Ruinen von Triet und versuche dort Knochen aufzutreiben, einverstanden?“, fragte die Kunoichi und der Brünette benickte die Worte einfach nur.
Er wusste in diesem Moment wirklich nicht, was er dazu sagen sollte.

Somit trennten sich die Wege der beiden. Sheena brach nach Triet auf und fand nach einigem Suchen die Knochen eines noch nicht ausgewachsenen Drachen und nahm diese wieder nach Iselia mit. Damit Kratos‘ Vorschlag wenigstens ein bisschen logischer wurde, ließ sich die Assassine Zeit, brauchte somit ganze vier Tage, bis sie zurückkehrte – wenn auch in vier Tagen kein Mensch verhungerte – und übergab Kratos die Drachenknochen. Dieser war so angefressen, dass er nicht einmal bemerkte, dass diese Knochen keinerlei Ähnlichkeiten mit Menschenknochen hatten, doch solang es nicht auffiel, war alles gut. Schließlich rahmte der Rotbrünette sich die Knochen ein und hing sie sich über das Bett. Das Yuan nichts davon bemerkte, war kein Wunder. Er erkannte immerhin, dass es Drachenknochen waren, daher fragte er nicht nach. Trotzdem wunderte es ihn, dass er Lloyd schon seit einer Weile nicht mehr gesehen hatte.

Der Brünette hatte sich derweilen auf den Weg nach geradeaus – welch wundervolle Wegbeschreibung – gemacht und suchte Altamira. Zwar war er sich sicher, dass er immer geradeaus gegangen war, so wie Sheena es ihm gesagt hatte, doch als er nach einigen Tagen im Gaoracchia Wald ankam, bemerkte er selbst, dass dies wohl nicht der richtige Weg war. In besagtem Wald verlief er sich bereits nach gefühlten drei Schritten, weil einfach alles gleich aussah.
Vorwärts, rückwärts, nach rechts, nach links… Alles sah verdammt noch einmal gleich aus!
Oder zumindest dachte er das, bis er endlich zu einer Lichtung kam, an welcher ein kleines Holzhäuschen stand. Sofort ging er auf das Haus zu und klopfte an der Tür, hatte verständlicherweise Hunger – war aber logischerweise nicht verhungert – doch niemand öffnete ihm die Tür. Allein aus Neugier und Interesse legte er seine Hand an die Klinke und – oh Wunder – es war nicht abgeschlossen! Das musste seine Rettung sein.

Drinnen war alles sauber und aufgeräumt. An einem kleinen Tisch standen zwei Stühle und der Tisch war gedeckt mit allen möglichen Speisen und ein herrlicher Duft wehte dem Brünetten in die Nase. Sofort drehte Lloyd seinen Kopf in die Richtung, aus welcher der angenehme Geruch kam und dachte tatsächlich darüber nach, etwas davon zu essen, bis er bemerkte, dass es das Hundefutter aus dem großen Napf neben der Tür war, was so verführerisch duftete. Nein, das war doch keine so gute Idee. Also setzte er sich anschließend an den Tisch und nahm sich von allem nur wenig. Nur die Tomaten verschmähte er, doch wenigstens hatte er nun etwas im Magen und unhöflich wollte er ja auch nicht sein. Nachdem er etwas gegessen und sogar ein wenig getrunken hatte, überkam ihn eine unglaubliche Müdigkeit und auch wenn das unter Hausfriedensbruch zählte, entschloss er sich schließlich, sich nur für ein kleines Weilchen hinzulegen. Aus diesem kleinen Weilchen wurden schließlich jedoch einige Stunden, immerhin hatte er auf seiner ganzen Reise – auf welcher er direkt an Altamira vorbeigelaufen war, ohne es zu bemerken – kaum ein Auge zugemacht.

In der Zwischenzeit, kehrten die eigentlichen Besitzer in ihr Haus zurück, denn die Nacht war bereits hereingebrochen. Es waren zwei Zwerge und ein Hund, Altessa, Dirk und Noishe. Natürlich bemerkten die beiden Männer sofort, dass man von ihren Sachen gegessen und getrunken hatte und schließlich fanden sie auch Lloyd, welcher sich – ohne es zu wissen – in Dirks Bett schlafen gelegt hatte. Dem braunhaarigen Zwerg kam der Junge irgendwoher bekannt vor, nur konnte er noch nicht sagen, woher. Stören wollte er den Jungen auf jeden Fall nicht, weswegen sie ihn einfach schlafen ließen und Dirk die Nacht über in einem kleinen Sessel verbrachte, zusammen mit Noishe, der ihm die Füße wärmte.

Als Lloyd am nächsten Morgen erwachte, erschrak er sich vor dem plötzlichen Besuch, doch wurde ziemlich schnell von Dirk beruhigt. Diesem fiel endlich ein, woher er ihn kannte und erzählte ihm, dass er seine richtige Mutter, Anna, kannte. Daraufhin schilderte der brünette Junge seine Situation, welche ihn zu Altessas Haus geführt hatte und die beiden Zwerge beschlossen zusammen mit Noishe, welcher den Jungen ohnehin schon adoptiert zu haben schien, das er bleiben durfte. Dennoch ging das natürlich auch nicht ohne eine Gegenleistung, welche jedoch nicht schwer zu erfüllen war.
„Weil du Annas Sohn bist, darfst du natürlich hier bleiben.“, meinte Dirk und Altessa nickte, „Dafür musst du dann nur das Haus ein bisschen sauber halten und mir vielleicht hin und wieder beim Schmieden unter die Arme greifen.“
Mit diesem Deal war Lloyd augenblicklich einverstanden und so lehrte Dirk ihm nebenbei auch gleich das Schmieden. Immerhin wusste er ja nicht, wofür es vielleicht noch hätte nützlich sein können.

Kratos dachte derweilen schon gar nicht mehr über Lloyd nach, vergnügte sich lieber in aller Ruhe mit Yuan – da war sowieso kein Platz für sämtliche Gedanken – bis er eines Tages einfach einmal aus Interesse wieder Informationen von Mithos einholte.
„Also gut, Mithos, ich muss jetzt einfach noch einmal fragen. Bin ich nun, da Lloyd ganz sicher verhungert ist, endlich der erwachsenste Erwachsene unter den erwachsenen Männern hier in Iselia?“, fragte Kratos ein wenig unverständlich, da die sterbende Logik ihn übertönte.
Der blonde Cruxis-Engel musste eine Weile nachdenken, bevor er antworten konnte.
„Also, wie sage ich das jetzt am besten? Du bist vielleicht der erwachsenste Mann in Iselia…“, begann Mithos, doch ein schrecklicher Husten, welcher sich nach ‚neben Yuan, Frank und so vielen anderen Männern in Iselia‘ anhörte, unterbrach seine Worte.
Schließlich sprach er aber einfach unberührt weiter.
„Nur ist Lloyd, der jetzt auf dem tethe’allanischen Teil der vereinigten Welt, bei Altessa und Dirk lebt, noch immer hin und wieder erwachsener als du.“, führte er seine Worte aus.
Diese Worte verstörten Kratos nahezu und er dachte bereits darüber nach, den Jungen nach Derris-Kharlan zu verschleppen.
Nur wie könnte er das anstellen?
Dort könnte er seinetwegen der Erwachsenste von allen sein, da war er immerhin allein.

Tage und Nächte lang, dachte Kratos darüber nach, wie er Lloyd denn am besten nach Derris-Kharlan verschleppen könnte und endlich fiel ihm etwas ein. Nur brauchte er auch für diesen Plan wieder die Hilfe von Mithos, welchem dieses ganze Prozedere bereits tierisch auf die Nerven ging. Er ließ sich von dem Blonden eine grüne Perücke und Eau de Seduction aufzwängen, welches er sich von Decus geliehen hatte. So musste Kratos für Lloyd einfach ein anderer Mensch sein! Oder zumindest dachte er das, da Mithos ihn nach Strich und Faden hinters Licht führte und meinte, er sähe nun aus wie seine Schwester Martel. Was beim besten Willen nicht stimmte. In dieser Verkleidung brach der Mann, welcher sich nun als Martel ausgab auf, um Lloyd zu suchen, was ihm nicht gerade schwer fiel.

Bei Altessas Haus angekommen klopfte der als Martel verkleidete, schrecklich stinkende Kratos an die Tür. Altessa und Dirk waren wie üblich außer Haus, nur Noishe war noch bei ihm als er die Tür öffnete, um nachzusehen, wer denn geklopft hatte. Immerhin hätte es auch etwas Wichtiges sein können. Kaum hatte der Brünette die Tür geöffnet, kam ihm ein Schwall dieses schrecklichen Parfums entgegen und benebelte seine Sinne, schaltete ihn beinahe aus. Dennoch konnte er noch erkennen, das Kratos die Perücke verrutscht war.
Nein, keine gute Tarnung, außer das Eau de Seduction, das konnte Leute wenigstens einschläfern.
„Bist du vielleicht interessiert an einer kostenlosen Reise nach Derris-Kharlan?“, fragte Kratos mit verstellter Stimme.
Augenblicklich zog Lloyd eine Augenbraue hoch und trat einen Schritt zurück, schüttelte den Kopf.
„Ich wüsste nicht, was ich jetzt in Derris-Kharlan machen sollte, also… Nein?“, meinte er, doch mehr konnte er dazu auch nicht mehr sagen, da Noishe diesen Geruch anscheinend auch nicht mehr ertrug und Kratos einfach ins Bein biss.
Wenn er dies auch nur mit spitzen Zähnen tat, verstehen konnte man es.

Verletzt und ohne jeglichen Erfolg verzeichnen zu können, musste Kratos wieder von dannen ziehen, weinte sich zuhause bei Mithos aus – natürlich nur im übertragenen Sinne – und dieser freute sich natürlich insgeheim. Als die beiden Zwerge wieder zu Lloyd nach Hause kamen, erzählte er ihnen von dem Vorfall, woraufhin Dirk gleich etwas sagen musste.
„Es war gut, das Noishe ihn gebissen hat. Wahrscheinlich hätte ein Blinder sehen können, dass es Kratos und nicht Martel war. Nächstes Mal solltest du vorsichtiger sein, lass einfach niemanden mehr ins Haus der verdächtig aussieht. Oder riecht…“, meinte der braunhaarige Zwerg und Lloyd nickte.
Somit konnte Lloyd erst einmal wieder in Frieden leben, zumindest für ein paar Tage, denn Mithos hatte bereits den nächsten Plan geschmiedet, um Kratos so richtig zu verarschen. Das Parfum sollte er dieses Mal jedoch weglassen. Laut Mithos wäre es zu auffällig. Und so machte Kratos sich ein paar Tage später erneut zu dem Haus von Altessa und Dirk, nur um Lloyd vielleicht dieses Mal verschleppen zu können. Immerhin hatte er dieses Mal die – angeblich – perfekte Verkleidung von Mithos bekommen. Als der Patriarch höchstpersönlich würde Lloyd ihn ganz sicher nicht erkennen.

Und so hörte der Brünette es schon bald wieder an der Tür klopfen. Da er jedoch nicht an die Tür gehen durfte, blickte der junge Mann nur aus dem Fenster, schnupperte vorsichtshalber auch erst einmal, doch dieses Mal schien die Luft rein zu sein.
Im wahrsten Sinne des Wortes.
Augenblicklich trat Kratos an das Fenster heran und stellte sich auch gleich als der Patriarch vor. Der eine, einzig Wahre und sämtliche andere übertriebene Redewendungen.
„Es tut mir leid, aber ich kann sie nicht hereinlassen.“, meinte Lloyd, der die Verkleidung tatsächlich einmal nicht durchschaute.
Wahrscheinlich war er noch von dem beißenden Parfum angeschlagen. Kein Wunder, das roch man auch nach Wochen noch.
„Ich komme von der Kirche Martels! Habt ihr vielleicht Interesse an einer Pilgerreise? Kostenlos, versteht sich.“, sprach Kratos.
Er hatte Derris-Kharlan nicht erwähnt, das musste einfach bedeuten, dass Lloyd ihn dieses Mal nicht erkannte. Das tat er auch tatsächlich nicht, nur ließ er ihn dennoch nicht ins Innere des Hauses.
„Leider habe ich keine Zeit für eine Pilgerreise, abgesehen davon, das ich mit der Kirche Martels nicht viel am Hut habe, ich muss immerhin auf das Haus aufpassen.“, entgegnete Lloyd gleich und schloss das Fenster wieder.

Somit musste Kratos auch dieses Mal wieder aufgeben, die Mission abbrechen und zu Mithos und seinem Ehemann Yuan zurückkehren. Der blonde Cruxis-Engel war erstaunt, dass er tatsächlich damit durchgekommen war, doch beim nächsten Mal würde er ihn ganz sicher nicht so leicht davonkommen lassen. So viel stand für ihn fest. Auch an jenem Abend des Geschehens erzählte Lloyd den beiden Zwergen, was vorgefallen war und Dirk hatte sofort eine Vorahnung.
„Aber du hast nichts komisches gerochen, oder?“
Lloyd schüttelte den Kopf.
„Nein, wahrscheinlich hat die letzte Begegnung meinen Geruchssinn abgetötet.“, entgegnete er und Dirk nickte bestätigend.
Auch er hatte es immerhin gerochen, die Wolke des Duftes schien noch immer nicht richtig aus der Luft gewichen zu sein.
„Das kann ich nur zu gut verstehen. Aber vertrau mir, Junge, das war Kratos. Hierher verirrt sich eigentlich so gut wie nie ein Diener der Kirche von Martel. Gut, das du ihn nicht reingelassen hast.“, meinte Altessa nun, um sich auch einmal ins Gespräch einzumischen, „Trotzdem solltest du weiterhin keinen reinlassen, ja?“
Auf diese Frage hin nickte Lloyd auch wieder und ging in den folgenden Tagen einfach ruhig seiner Arbeit nach, so wie es eigentlich auch sein sollte. Das Kratos derweilen schon den nächsten Plan schmiedete und Mithos nun gänzlich keine Lust mehr hatte, konnte der Brünette wohl kaum wissen.

Schließlich, einige Tage später, klopfte es dann wieder an der Tür. Wieder sah der junge Mann aus dem Fenster und schnupperte erst einmal, bevor er sich die Person betrachtete, welche dort stand. Ein Blick genügte, um Kratos zu sehen, der sich als Colette verkleidet hatte, um Lloyd den Schrecken seines Lebens einzujagen. Eines musste man Kratos jedoch lassen, wenigstens wurden seine Perücken professioneller. Aus Schock taumelte der Irving zurück, fiel über Noishe und stieß sich den Kopf ungünstig an der Tischkante, sodass er für eine Weile bewusstlos wurde. Kratos sah natürlich sofort durch das Fenster und als der den reglosen Lloyd dort liegen sah, empfand er seine Aufgabe als erfüllt. So brauchte er sich wenigstens auch nicht die Arbeit zu machen, ihn nach Derris-Kharlan zu verschleppen. Augenblicklich reiste er zu Yuan und Mithos zurück, um dem Blonden – nachdem er sich endlich aus den an ihm unglaublich schrecklich aussehenden Sachen geschält hatte – wieder die übliche Frage zu stellen.
„Also gut, Mithos, ich muss jetzt einfach noch einmal fragen. Bin ich nun, da Lloyd definitiv tot ist oder so ähnlich, endlich der erwachsenste Erwachsene unter den erwachsenen Männern hier in Iselia?“, fragte er und Mithos musste den Drang unterdrücken, sich die Hand gegen den Kopf zu schlagen.
„Es hat also funktioniert? Was ist passiert, hat er vor grauenhaftem Ansehen einen Herzinfarkt bekommen?“, nuschelte der Blonde in seinen nicht vorhandenen Bart und räusperte sich schließlich.
Die Nachricht hatte ihn immerhin bereits erreicht. Er hatte seine Quellen eben überall.
„Ja, es sieht so aus, als wärst du nun der erwachsenste Mann von ganz Iselia.“
Neben Yuan und all den anderen Männern, fügte er wieder einmal gedanklich hinzu.
Anschließend schnaufte der Cruxis-Engel und kündigte seinen Job als Informant. Kratos war jetzt immerhin zufrieden und er konnte endlich wieder seine Ruhe haben.

Als Altessa und Dirk nach Hause kamen, recht spät in der Nacht, erfuhren auch sie den Schock ihres Lebens, als sie Lloyd ebenfalls reglos am Boden liegend und am Kopf blutend sahen. Da aber niemand so schlau war, einmal nach dem Puls des Jungen zu sehen, wurde er sehr schnell – viel zu vorschnell – für tot erklärt und Dirk begann augenblicklich unter Altessas Anleitung einen ganz besonderen Sarg zu schmieden, in welchen Lloyd anschließend gelegt wurde. Seine Bewusstlosigkeit und der Schock hielten tatsächlich ziemlich lang an, doch bei dem Anblick, den er erfahren hatte, wäre es wahrscheinlich auch der Autorin nicht anders ergangen. Nachdem einige Tage vergangen waren, in denen sie trauerten, wollten sie Lloyd eigentlich begraben, doch es war zu schade, da er einfach nur schlafend wirkte, also stellten die beiden Zwerge den Sarg neben dem Haus auf und immer hielt einer der beiden daneben Wache, bis zu dem Tag, an welchem Dirk vollkommen übermüdet in der Nacht neben dem Sarg des Brünetten einschlief und doch recht unsanft aus dem Schlaf gerissen wurde.
„Honey!“, tönte es beinahe durch die ganze Umgebung und selbst in der Ferne konnte man einige Vögel davonstoben sehen.

Augenblicklich stürmte Altessa aus dem Haus und Dirk sprang regelrecht auf, seinen Hammer griffbereit haltend – nur für den Fall der Fälle. Der grauhaarige Zwerg war der erste, der etwas dazu sagte.
„Auserwählter, was möchtest du hier?“, fragte der Zwerg und Zelos wendete sich nur schwer von dem Sarg ab.
„Also, ein Vögelchen hat mir gezwitschert, das Lloyd hier ist und eigentlich wollte ich ihn sehen, aber… Was ist passiert?“, fragte der Rothaarige nun.
Auf diese Frage hin, wurde ihm die ganze Geschichte erläutert und da er nicht dumm war, wusste er gleich, dass irgendetwas mit dieser Sache nicht stimmen konnte und dennoch, verloren war trotzdem nichts. Selbst wenn Lloyd tatsächlich tot sein sollte, kannte er jemanden der – oder besser gesagt die – den Zauber Resurrection beherrscht. Also räusperte sich der Wilder.
„Wenn ihr mich ihn mitnehmen lasst, dann bringe ich ihn zu Raine und sie belebt ihn wieder. Ich würde mein Honey nämlich gern behalten, wisst ihr.“, meinte der Auserwählte Tethe’allas.
Für einen Moment mussten die beiden Zwerge sich beraten, entschieden dann aber, dass es wohl das Beste wäre. Also erlaubten sie Zelos, den Jungen mitzunehmen.

Gerade jedoch, als Presea beim Tragen helfen sollte und Zelos bereits darüber philosophierte, wie Lloyd dann bei ihm wohnen würde, nachdem Raine den Zauber gewirkt hatte, schlug der Brünette die Augen wieder auf.
„Meine Güte, ich hatte vielleicht einen merkwürdigen Traum in dem Zelos…“
Als er dem Rothaarigen jedoch direkt in die Augen sah, hielt er sofort mit seinen Worten inne. Augenblicklich, nachdem man Lloyds Stimme gehört hatte, wurde der Sarg geöffnet und der Rothaarige beugte sich über den Rand.
„Du weilst ja wieder unter uns! Und dabei wollte ich dich gerade zu Raine bringen, damit sie dich wiederbelebt.“, meinte Zelos und grinste.
Lloyd schüttelte den Kopf, starrte für einen Moment ins Nichts.
„Ich habe Kratos gesehen, der sich als Colette verkleidet hat.“, meinte der Brünette nun, klang dabei noch immer ein wenig schockiert.
Zelos wich einen Schritt zurück, starrte Lloyd verwundert an, musste erst einmal seine Gedanken sammeln und begann dann zu lachen. Er stellte sich das alles schon wieder viel zu bildlich vor.
„Gut, da wäre wahrscheinlich auch ich tot umgefallen.“, lachte der Auserwählte noch immer und half dem Brünetten schließlich, aus dem Sarg zu steigen.

Noch war Lloyd ein wenig wackelig auf den Beinen, doch dies war kein Wunder immerhin war er mehrere Tage Scheintod. Kurz streckte er sich und sah anschließend zu Zelos, blickte auch zu Presea herüber. Dann nickte er.
„Wenigstens kannst du mich in der Hinsicht verstehen.“
Zelos nickte und legte Lloyd einen Arm um die Schultern.
„Ja, das kann ich allerdings. Ich werde Kratos und Yuan dann schon einmal eine Einladung zu unserer Hochzeit schicken, ja? Dagegen hast du doch sicher nichts einzuwenden.“, grinste der Rotschopf und fiel mit diesen Worten wie immer mit der Tür ins Haus.
Alle Anwesenden blickten die beiden geschockt an und Lloyd verfiel anscheinend noch im gleichen Moment in die nächste Schockstarre.
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