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[(D'c) HeartBeat] Die Verführung der Braut

GeschichteRomance, Suspense / P18 / Het
14.11.2019
18.01.2020
38
107.456
130
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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26.12.2019 2.297
 
Eine halbe Stunde später kam Josh zurück ins Wohnzimmer und sah auf Andy, der immer noch im Sessel saß, sein Kinn in seine Hand gestützt hatte und auf die Sachen auf dem Tisch sah. Neben der Handtasche lagen fein säuberlich, Brieftasche, Handy, Taschentücher, eine kleine Schachtel Pillen und diverses Kleinzeug aufgereiht und Josh sah stirnrunzelnd auf die Sachen, bevor sich sein und Andy's Blicke trafen.

„Scheiße.“ Josh ließ seinen Blick erneut über die Sachen gleiten und ein ungutes Gefühl beschlich ihn. Warum, zum Teufel, war Joy nicht zurückgekommen, um ihre Tasche zu holen?
...weil Du Idiot sie rausgeworfen hast...

„Tja … so viel dazu, dass da vielleicht nur unnützes Zeug drin ist, was sie nicht vermissen wird.“ Langsam packte Andy die Sachen wieder ein und hob das Handy hoch. „Nicht abgesperrt, sie hat über zwanzig unbeantwortet Anrufe und jede Menge Nachrichten von Pam und einer Mrs. Vega.“

„Ich verstehe nur nicht, warum sie nicht zurückgekommen ist, um ihre Tasche zu holen. Verdammt. Egal was ich zu ihr gesagt habe, es ist ihre Tasche.“

„Keine Ahnung. Aber da sie sie nicht abgeholt hat, sie scheinbar weder zuhause ist noch sich auf irgendeiner Art bei ihrer Freundin gemeldet hat...“ Er ließ den Rest des Satzes offen und sah wie Josh blass wurde.

„Glaubst Du...“ Josh schloss die Augen und fuhr sich mit leicht zittriger Hand durch die Haare und setzte sich auf die Couch, während er wie blind weiter auf die restlichen Sachen starrte, die noch auf dem Tisch lagen. Er wollte nicht daran denken, doch ohne es verhindern zu können, drängten sich furchtbare Bilder in ihm auf. Sie hatte geweint, als er sie so gemein rausgeworfen und zu ihrem Mann geschickt hatte. Was war, wenn sie beim Fahren nicht aufgepasst hatte oder einen Moment unaufmerksam gewesen war? Zischend holte er Luft, als Bilder von Autounfällen in seinem Kopf auftauchten. Er war schon bei zig Unfällen vor Ort gewesen und teilweise hatte er schlucken müssen, so grausam war der Anblick gewesen. Doch diesmal sah er in jedem dieser Unfallautos nicht fremde Leute sitzen, sondern Joy, eingeklemmt, verletzt, bewusstlos und das Schlimmste von allen … tot.

„Hier, schau mal nach wo sie wohnt, wir fahren hin.“

Andy warf ihm Joy's Brieftasche in den Schoß und zögernd nahm Josh sie in die Hand. Langsam öffnete er sie und sah die verschiedenen Karten darin stecken. Kreditkarten, Mitgliedskarten und zögernd griff er nach ihrem Ausweis.

„Joyce Benedikt, 125 Bay Street... “ Das war nur zehn Minuten von seiner Wache entfernt und … ihm stockte kurz der Atem als er die Adresse erneut laß, in der Nähe des Lagerhallenbrandes unten am Pier.

„Gut, dann fahren wir jetzt dahin.“ Andy sah ihn abwartend an, als Josh immer noch auf den Ausweis sah und keine Anstalten machte, ihm die Brieftasche zurückzugeben. „Josh?“

„Was?“ Josh zuckte zusammen und steckte den Ausweis zurück in die Brieftasche, bevor er sie Andy reichte, der sie zurück zu den anderen Sachen in die Handtasche packte. Wieso wohnte Joy in der Bay Street, wenn ihr Mann das Haus in Pacific Heights hatte?

„Ich sagte; Gut, dann fahren wir jetzt dahin. Vielleicht ist sie ja mittlerweile zuhause...“ Entschlossen sah er Josh an, obwohl seine Stimme alles andere als zuversichtlich klang.

„Bist Du mit dem Wagen hier?“ Langsam stand Josh auf und strich sich erneut über die Augen. Blass und fragend sah er Andy an, der mit dem Kopf schüttelte.

„Ne, Maschine.“

„Dann nehmen wir den Dodge. Du fährst.“ Josh nahm den Ersatzwagenschlüssel aus dem Schlüsselkasten und warf ihn Andy zu, der ihn erstaunt ansah.

„Ich soll Deine Hellcat fahren? Sicher?“ Fassungslos sah er auf den Schlüssel zu dem Dodge in seiner Hand.

„Ja, ich glaube … ich sollte gerade besser nicht fahren.“

Langsam nahm er seine Lederjacke vom Garderobenhaken und zog sie mit noch langsameren Bewegungen über. Alles in ihm rumorte, ihm war übel und immer wieder sah er Joy in einem verunglückten Wagen irgendwo im Straßengraben liegen.

Andy sah ihn prüfend an. Das mehr als blasse Gesicht und die scharfen Linien um seinen Mund und nickte nur stumm. „Denke ich auch.“

„Geh schon mal vor, ich muss noch telefonieren.“ Josh drehte sich etwas um und zog sein Handy hervor. Stirnrunzelnd sah er auf die vielen unbeantworteten Anrufe von Andy und schloss die Liste, bevor er Maddox anrief. Es dauerte keine Minute als Shane abhob und sich meldete.

„Josh? Was ist los? Du rufst doch sonst nicht an, wenn Du frei hast.“

Josh holte tief Luft und musste sich zwingen zu reden. Die Bilder im Kopf haben und es aussprechen, noch dazu, wenn er theoretisch kein Recht dazu hatte, waren zwei Paar Schuhe.

„Shane … Du musst mir einen Gefallen tun. Du bist mit dem Polizeichef befreundet, oder?“ Leise und tonlos klang seine Stimme und selbst Josh erkannte sie kaum. Langsam lehnte er sich mit dem Rücken gegen die Wand neben der Tür und lehnte seinen Kopf etwas zurück, während er schluckte und die Augen schloss.

„Ja, was ist los? Du klingst gar nicht gut.“

„Kannst Du bitte nachforschen, ob es heute Nacht einen Unfall gab? … vielleicht mit unbekannten Personen?“

„Hm, kann ich machen. Warum? Und wieso unbekannte Personen? Jeder hat doch seinen Führerschein oder Ausweis dabei.“

„Sie hat ihre Tasche mit allen Papieren bei mir liegengelassen und niemand kann sie erreichen. Ihre Freundin sagte, dass sie nicht zu Hause wäre … Seit heute Nacht ist sie scheinbar spurlos verschwunden.“ Nervös fuhr sich Josh durch die Haare und sah zur Decke.

„Will ich wissen, was da los war, wenn eine Frau mitten in der Nacht ihre Tasche bei Dir vergisst?“

„Glaub mir, Shane. Du willst weder wissen wer es ist, noch was los war. Tu mir einfach den Gefallen, ja? … Bitte.“ Josh presste die Lippen zusammen und fuhr sich mit der anderen Hand erneut durch die Haare, die nun in allen Himmelsrichtungen abstanden und ihn aussehen ließen, als wäre er gerade aus dem Bett gefallen. Er hasste es, jemanden um einen Gefallen zu bitten, aber wenn er dafür Info's über Joy bekommen würde, würde er noch um zwanzig Gefallen bitte, wenn es nötig wäre.

„Natürlich. Aber nur weil ich Dich schon ewig kenne. Gib mir etwas Zeit, ich melde mich.“

„Danke.“

Josh legte auf und schloss einen Moment die Augen. Hoffte, betete, dass da absolut nichts gemeldet war und sie einfach zuhause war und sich vielleicht ins Bett verkrochen hatte, ohne daran zu denken, sich bei ihrer Freundin zu melden oder vielleicht noch gar nicht bemerkt hatte, dass ihre Tasche fehlte. Trotzdem bekam er von Minute zu Minute ein mieseres, drückenderes Gefühl. Langsam verließ er sein Haus und ging auf seinen Wagen zu, während Andy schon mit laufendem Motor wartete.



Zwanzig Minuten später bog Andy gerade in die Bay Street ein und sah auf die Hausnummern, als das Handy von Josh schellte und dieser zusammenzuckte. Blitzschnell hatte er sein Telefon aus der Jacke gezogen und zögerte dann kurz, das Gespräch anzunehmen, als er Maddox Namen auf dem Display sah. Urplötzlich fühlte er sich, als würde er in einem Eisblock sitzen und gepresst holte er Luft. Andy warf ihm einen kurzen Blick zu und fuhr dann schweigend an den Straßenrand. Prüfend sah er Josh an, der sein Handy anstarrte und irgendwie keine Anstalten machte, das Gespräch anzunehmen.

„Geh schon ran, Josh. Oder soll ich...?“

„Nein.“ Heiser fauchte Josh auf, nahm endlich das Gespräch an und drückte gleichzeitig auf Lautsprecher, damit Andy mithören konnte. „Shane.“

Maddox räusperte sich und schwieg einen Moment, bevor er leise anfing zu sprechen. „Josh … es gab die Nacht mehrere Unfälle über Frisco verteilt, halt das übliche. Jedoch gab es auch zwei Autounfälle, wo erst unklar war, wer die beteiligten waren. Der erste war ein Mann und ich hab‘ Jesse gesagt, dass wir nach einer Frau suchen, er hatte zwei Berichte auf seinem Schreibtisch, weil seine Leute vor Ort waren … Josh, die zweite Person war eine Frau … sie hatte keinerlei Papiere bei sich und fuhr einen kleinen, silberfarbenen Sportwagen...“

Josh wurde schlagartig blass und schloss die Augen, während er sich bemühte nichts zu sagen und nur mit Mühe konnte er ein gequältes Stöhnen unterdrücken, während unzählige Bilder von Unfallopfern in seinem Kopf auftauchten und ihn marterten. Jedes verunglückte Opfer, das er in den letzten Jahren gerettet oder geborgen hatte, hatte plötzlich Joy's Gesicht.

„Josh?“

„Ja...“ Gepresst stieß er das Wort zwischen den Zähnen hervor und hatte das Gefühl, als würde ihm langsam der Atem aus den Lungen gepresst.

„Bei dem Unfall hatte die Polizei Glück, weil es einen Augenzeugen gab, der sofort die Polizei anrief. Laut seiner Aussage fuhr er auf der linken Spur und ein Stück vor zwei, ihm folgende Wagen, die auf der rechten Spur waren, Er sagte, dass der vordere Wagen urplötzlich ohne Grund gebremst habe und der hintere Wagen nicht mehr abbremsen konnte...“ Maddox hörte das unterdrückte gequälte Stöhnen von Josh und brach kurz ab.

„In welchem Wagen … war die … Frau?“ Josh zwang sich zu atmen, obwohl sich alles in ihm zusammenkrampfte und er das Gefühl hatte, überhaupt keine Luft mehr zu bekommen. Krampfhaft umfasste er das Handy, während seine Fingerknöchel weiß hervortraten und Andy warf ihm erneut einen mehr als besorgten Blick zu.

„Sie … saß in dem hinteren Wagen. Jesse sagte...“ Maddox brach ab, als er das leise Poltern hörte und wie Josh verzweifelt aufstöhnte.

'Nein'!“ Josh ließ das Handy fallen und starrte blicklos und kalkweiß durch die Windschutzscheibe, bevor er urplötzlich nach dem Türgriff griff und ausstieg.


Er hatte das Gefühl, im Wagen zu ersticken. Er wollte von Maddox nicht hören, dass jede Hilfe zu spät gekommen war, sein Ton hatte es mehr als deutlich gemacht. Er war oft genug dabei gewesen, wenn Maddox mit Hinterbliebenen gesprochen hatte und er wusste genau, wie seine Stimme dabei geklungen hatte, wenn er versuchte ihnen möglichst schonend beizubringen, dass der geliebte Mensch niemals zurückkommen würde.

Am liebsten hätte er aufgeschrien, etwas gegen die Wand geworfen, doch so lief er nur einige Meter und legte die Hände in den Nacken, um nicht gegen die Hauswand zu boxen, während er in den Himmel starrte und dann die Augen schloss. Joy hatte einen Unfall gehabt und er war es schuld. Er war schuld, dass sie geweint hatte. Er war schuld, dass sie so Autogefahren war. Er war schuld, dass sie in den Unfall verwickelt wurde. Er war schuld, dass sein Feuermädchen tot war.
Er spürte, wie ihm Tränen in die Augen traten, doch das war ihm gerade scheißegal, alles war scheißegal. Schlagartig war alles einfach nur grau und leblos und tot und in ihm rumorte ein Schmerz, der ihn fast zerriss. Gleichzeitig fühlte er sich wie betäubt, als wenn er in eine übergroße Wattekugel gepackt worden wäre, nichts erreichte ihn, alles rückte weg und nur dieser wahnsinnige Schmerz blieb bei ihm und das Gefühl das urplötzlich etwas fehlte, ein riesiges Loch in ihm klaffte, dass ihn langsam, aber sicher in die Knie zwang.



Andy hob das Handy auf und beobachtete besorgt Josh, der in einigen Metern Entfernung auf dem Bürgersteig stand und dessen Körperhaltung aussah, als würde er gleich zusammenbrechen. „Chief? Josh ist ausgestiegen. Was ist mit der Fahrerin?“

„Andy? Was ist los? Was ist mit Josh?“ Maddox Stimme klang mehr als besorgt und Andy seufzte leise auf.

„Shane … die Frau … wir vermuten, dass es sich um Joy oder Joyce Benedikt handeln könnte.“ Andy strich sich durch die Haare und ließ Josh nicht aus den Augen, der zwar körperlich anwesend war, aber das war auch alles. Er stand mitten auf dem Bürgersteig, und die vereinzelten Fußgänger mussten ihn umrunden, weil er sich absolut nicht rührte.

„Ja, allerdings heißt sie seit Sonntag Joyce Vega. Die Polizei hat das Kennzeichen überprüft und die Halterin stimmt mit dem Bild im Führerschein überein.“

„Scheiße … Gott, hat sie … ist sie, … wenn ihr was passiert ist … um Himmelswillen...“ Andy warf wieder einen Blick auf Josh, der sich mit kalkweißem Gesicht mit dem Rücken gegen die Hauswand gelehnt hatte und nur starr nach oben in den Himmel sah.

„Was läuft da zwischen Mrs. Vega und Josh? Weißt Du da was, Andy? Er hat am Sonntag auf der Hochzeit schon so seltsam reagiert.“

„Es ist sein Feuermädchen, Shane, und ich denke, er liebt sie.“

„Oh, verdammte Scheiße. Ich habe so etwas geahnt, so wie er regiert hatte, als sie geheiratet hat. Er stand absolut neben sich, so kannte ich ihn gar nicht.“

„Er sich wohl auch nicht … Er hat alles versucht, sie aus seinem Kopf zu bekommen, weil sie einem anderen gehört, doch nach dem Brand am Hafen … ich hatte sie angerufen, um ihr zu sagen, dass er okay ist. Ich war dabei, als sie sich kennengelernt haben und sie konnten kaum die Augen voneinander lassen … Ich dachte mir, dass sie sich vielleicht Sorgen machen würde, wenn sie etwas mitbekommen haben sollte und lag richtig. Sie war total aufgelöst, weil sie im Fernsehen gesehen hatte, wie Josh und ich ins Lagerhaus sind und es danach eine Explosion gab. Sie war total wahnsinnig vor Sorge und ich sagte ihr, sie soll zu ihm fahren. Doch Josh … Du kennst seine Prinzipien. Als er letzte Nacht wach wurde und sie schlafend auf seiner Couch lag, hat er sie nach Hause geschickt zu ihrem Mann...“

„Scheiße … scheiße … scheiße...“

Andy sah wieder zu Josh, der sich gerade über das Gesicht wischte und dann die Hände in der Lederjacke vergrub und die Schultern hochzog. Er sah absolut fertig aus und bedrückt seufzte Andy leise auf.

„Andy. Sag Josh, dass er den Rest der Woche frei nehmen soll. Er würde sich hier garantiert nur selber im Weg stehen.“

„Ich weiß nicht, ob das so gut wäre. Die Arbeit würde ihn ablenken.“

„Ich schon. Er bleibt zuhause.“

„Was ist mit Joy? Hat sie … ist sie … sie ist doch okay, oder?“ Andy zog nervös die Augen zusammen, während er weiter auf Josh sah und auf eine Antwort von Shane wartete, der leise seufzte...

„Andy...“
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