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[(D'c) HeartBeat] Die Verführung der Braut

GeschichteRomance, Suspense / P18 / Het
14.11.2019
18.01.2020
38
107.456
127
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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21.12.2019 2.886
 
Josh lehnte sich mit Schweiß überströmtem Gesicht mit dem Rücken gegen den Löschwagen und öffnete seine Jacke, um wenigstens etwas das Gefühl zu haben, Abkühlung zu bekommen. Sein Blick unverwandt auf das Feuer gerichtet, drehte er am Verschluss seiner Wasserflasche herum, bevor er sich etwas über den Kopf goss und dann die Flasche mit langen Zügen leertrank. Es kochte in ihm genauso heiß wie das Feuer im Lagerhaus und es ging ihm absolut gegen den Strich, dass sie den Kampf gegen dieses Feuer verloren. Seit fünfzehn Stunden kämpften sie nun verbissen gegen das Flammenmeer und es sah nicht so aus, als hätten sie es überhaupt nur ein winziges Stückchen zurückgedrängt oder kontrolliert.

Immer wieder fauchte es wütend auf und griff nach den Nachbargebäuden. Mittlerweile hatten sich zwei Züge einzig und alleine darauf konzentriert, die Nachbargebäude zu schützen, damit diese nicht auch noch der Gier der Flammen zum Opfer fielen.

Andy trat neben ihn und reichte ihm eine neue Flasche Wasser, bevor er sich mit seiner auf den Fußtritt des Wagens setzte. „Brown sagt, dass er mit dem Lagerbesitzer gesprochen hat. Wir haben absolut keine Chance und werden das Lagerhaus kontrolliert abbrennen lassen. Es bleiben nur zwei Züge hier, die beobachten und die Nachbargebäude schützen sollen. Diesmal hat sie gewonnen, wir kommen nicht durch.“

Josh sah ihn nur kurz an und knurrte dann wütend auf. Er wollte es nicht zugeben, aber er war einfach nur noch fix und fertig, aber noch weniger wollte er sich dem Feuer geschlagen geben.

„Hier...“

Josh sah zu Andy, der ihn gerade aus seinen Gedanken riss und ihm einen kleinen Zettel hinhielt.

„Was ist das?“ Neugierig nahm Josh den Zettel und sah auf die Handynummer, die darauf notiert war.

„Joy's Nummer. Du solltest sie anrufen. Hier waren Reporter und wenn sie Nachrichten gesehen oder gehört hat … vielleicht macht sie sich Sorgen. Ich hab‘ vorhin, als wir kurz Pause gemacht haben, einen Freund angerufen, der bei der Telefongesellschaft arbeitet. Hatte noch was gut bei ihm … Er hatte zwar Probleme, aber er hat ihre Nummer herausgefunden und mir gerade vor 'nen paar Minuten 'ne Nachricht geschickt.“

Josh sah auf den Zettel und die Nummer und zerknüllte ihn dann langsam in der Hand, bevor er ihn beiseite warf. „Danke Andy, wäre aber nicht nötig gewesen. Sie ist verheiratet. Ich werde bestimmt nicht anrufen und mich melden, wenn sie vielleicht nichts mitbekommen hat oder ihr Fatzke bei ihr ist. Wer weiß wo sie gerade sind...“
...und ich werde mir bestimmt nicht die Blöße geben und ihr hinterher rennen...

Andy seufzte und fuhr sich durch seine Haare. „Josh … aber wenn sie es mitbekommen hat, … sie ist Dein Mädchen, sie wird durchdrehen, wenn sie nicht weiß, was mit Dir ist...“

„Lass es gut sein, Andy. Sie ist nicht mein Mädchen. Es ist wirklich nett gemeint … bringt aber gar nichts. Das würde es nur, wenn sie nicht geheiratet hätte.“ Gereizt fuhr sich Josh durch die Haare, bevor er kurz die Augen schloss und dann wieder ins Feuer sah. Toll, jetzt war sie wieder in seinem Kopf. Seit sie gestern Nacht hier angekommen waren, war er voll konzentriert gewesen und hatte es geschafft, sie aus seinem Kopf herauszuhalten, nicht daran zu denken, ob sie von dem Feuer etwas mitbekam, ob sie sich vielleicht Sorgen machen oder ob sie an ihn denken würde.

Andy sah ihn an, musterte das verschwitzte und schmutzige Gesicht seines Freundes, die erschöpften Augen und presste kurz die Lippen zusammen, bevor er entschlossen aufstand.

„Ich werde mal Ben anrufen. Er hatte mir 'ne Nachricht geschickt und sich Sorgen gemacht.“ Langsam ging er einige Schritte beiseite und Josh nickte nur müde.

„Mach das.“

Er sah, wie Andy langsam wegging und sein Handy zückte und automatisch ging sein Blick von Andy zum Boden und dem kleinen zerknüllten Zettel, der ein paar Meter entfernt auf dem Boden lag. Nein, er würde ganz bestimmt nicht … er sah, wie ein Windstoß den Zettel etwas unter den Wagen schob und fluchend ging er die wenigen Schritte und bückte sich nach der Notiz. Sorgfältig glättete er ihn und sah auf die Nummer, bevor er ihn vorsichtig faltete und in die Innentasche seiner Jacke steckte.
...so viel dazu. Bist ja sowas von standhaft. Ehrlich...

„JT!“

Chief Brown kam auf ihn zu und Josh richtete sich automatisch wieder kerzengrade auf.

„Sir.“

„Hör mit dem scheiß Sir auf. Wir sind alle Möglichkeiten durchgegangen und Andy hatte es ja schon mitbekommen und Dich garantiert auch schon informiert. Wir lassen die Halle kontrolliert abbrennen, wir haben diesmal keine Chance gegen sie. Gleich kommen zwei frische Züge, um uns abzulösen und werden die Nachbargebäude sichern. Du kannst Dich mit Deinen Leuten zurückziehen. Danke für die Unterstützung. Hab' schon mit Shane telefoniert. Ihr fahrt zur Wache und dann habt ihr den restlichen Tag heute und morgen ebenfalls frei, erholt euch, die andere Mannschaft wird eure restliche Bereitschaft übernehmen.“

„Danke. Wir räumen noch auf und rücken dann ab.“

„Gräm' Dich nicht, Junge, das nächste Mal gewinnen wieder wir.“ Chief Brown sah auf das Feuer und klopfte Josh kurz auf die Schulter, bevor er zu seinen Leuten zurückging.



<<-->>




„...wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, geht es den verletzen Leuten den Umständen entsprechend und sie wurden ins Krankenhaus gefahren. Wir hatten zudem Glück und Chief Brown, der leitende Chief, hat sich kurz Zeit genommen und uns über die weitergehenden Maßnahmen unterrichtet. Da das Feuer absolut nicht unter Kontrolle zu bekommen ist, wurde nun die Order gegeben, das Lagerhaus kontrolliert abbrennen zu lassen und sich ausschließlich auf die Sicherung der Nachbargebäude zu konzentrieren. Natürlich wird das Feuer kontinuierlich bewacht und zwischendurch eingegriffen, wenn es zu hochkommt, jedoch sieht Chief Brown nach dem heutigen Tag keinerlei Chancen das Feuer zu löschen. Er wollte natürlich keine Angaben machen, was in dem Lagerhaus ist und das Feuer immer wieder entfacht, teilte uns jedoch mit, dass unter den gegebenen Umständen die Sicherheit vorgehen würde und er es nicht verantworten kann, seine Leute einer weiteren unnötigen Gefahr auszusetzen. Wir halten Sie natürlich auf dem laufenden und geben erst einmal zurück ins Studio.“


Joy starrte auf den Fernseher und wartete darauf, dass noch etwas gesagt wurde, über die Verletzten, wer war verletzt? Sie konnten doch nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen und keine weiteren Informationen geben. Unruhig biss sie sich auf die Fingerknöchel und starrte den Fernseher beschwörend an, als plötzlich ihr Handy schellte und sie zusammenzuckte.

Zögernd griff sie nach ihrem Telefon auf dem Wohnzimmertisch und sah auf die unbekannte Nummer. Unruhig biss sie sich auf die Lippen, wer sollte sie mit einer unbekannten Nummer anrufen?

Pam steckte den Kopf zum Wohnzimmer herein und sah wie Joy nur blass auf das Handy sah. „Gott, nun geh doch mal ran.“

„Ich … ich...“ Joy sah Pam aus aufgerissenen Augen an, bevor sie zögernd das Gespräch annahm.

„Hallo?“

„Gott sei Dank. Joy?“

In Joy zog sich schlagartig alles zusammen. Alles Blut wich aus ihrem Gesicht und einen Moment lang, hatte sie das Gefühl, einfach nur zu sterben. Die Stimme kannte sie, sie hatte sie am Freitag gehört. Das war Josh's Freund aus dem Excalibur der ihn angerufen hatte, als sie am View Vista gewesen waren.

„Andrew hier. Ich weiß, Du kennst mich nicht, aber ich bin ein Freund von Josh und...“

„Bitte, geht es ihm gut? Es … es geht ihm doch gut, oder? Du rufst doch nicht an, um mir zu sagen … Gott, nein...“ Joy unterbrach ihn einfach und hielt mit klammen Fingern das Handy ans Ohr, während ihr urplötzlich übel wurde.

„Nach dieser Begrüßung brauch ich mich wohl nicht fragen, ob er Dir was bedeutet, hm? Weil Du Du nicht einmal fragst, woher ich Deine Nummer habe oder warum ich Dich anrufe. Deine Worte und Dein Ton sprechen für sich. Ja, es geht ihm gut, Joy. Total erschöpft, total erledigt aber unverletzt. Du hast also die Nachrichten verfolgt.“

Pam die wieder in die Küche gegangen war, kam nun doch wieder zurück und blieb im Türrahmen stehen. „Wer ist dran?“

Joy beachtete Pam gar nicht, als ein erleichtertes Gefühl durch ihren Körper raste. „Gott sei Dank. Ich habe gesehen, wie er in das Lagerhaus ging und … und dann … dann...“

„Oh, scheiße. Das war doch gestern Abend. Bevor die scheiß Reporter zurückgedrängt worden sind. Es tut mir leid, dass Du das sehen musstest.“

„Hauptsache ihm geht es gut. Ich habe gehört, dass … dass es Verletzte gegeben hat. Es tut mir leid. Ich hoffe ihnen geht es soweit gut?“

„Das weiß ich noch nicht, aber als sie abtransportiert worden sind, waren sie soweit okay und wach. Also dürfte alles okay sein. Angesengt, aber noch am Leben. Joy, weshalb ich anrufe. Ich weiß von Josh, ...“ Andy räusperte sich und man merkte, dass er etwas verlegen war.

„Ich weiß von Josh, das mit euch beiden...“ Er hörte wie Joy rasselnd Luft holte und redete schnell weiter. „Nicht, dass er was erzählt hat, aber ich kenne ihn schon sehr lange. Joy … ich denke mal, ich liege nicht falsch, wenn ich davon ausgehe, dass er Dir etwas bedeutet, oder? Zumindest Deiner Stimme zufolge und Deiner Sorge um ihn. Obwohl Du … geheiratet hast.“

„Ich … ich kann nicht...“

„Ich weiß. Kannst vielleicht nicht reden … Scheiß Situation … Joy? Josh wird Dich nicht anrufen. Du bedeutest ihm etwas, aber er würde sich eher die Zunge abschneiden, als nur ein Wort darüber zu verlieren, eben weil Du geheiratet hast. Aber ich glaube … Joy, Du bist sein Mädchen und ich denke, egal was er sagt … Vielleicht … ich will mich nicht einmischen, oder sonst was … aber, ich glaube … er ...“ Andy brach ab, als plötzlich jemand etwas zu ihm sagte und Joy spürte ein Kribbeln, als sie die Stimme erkannte. Sie klang so unendlich müde und doch jagte ihr der tiefe, dunkle Ton eine Gänsehaut über den Körper.

Plötzlich war Andy wieder am Telefon und ein kleines Grinsen war in seiner Stimme. „Ben? Wir fahren jetzt zur Wache und dann können wir nach Hause, weil wir für heute und morgen freigestellt wurden, um uns zu erholen. Ich melde...“

„Er weiß nicht, dass Du mit mir telefonierst, oder?“

„Nein...“

„Ohh...“

„Alles gut.“ Andy's Stimme wurde etwas leiser. „Ich weiß, dass ich mich nicht einmischen sollte. Es ist allein eure Sache. Aber, Joy? … ich glaube, Du solltest, ... wenn Du irgendwie die Möglichkeit hast … vielleicht zu ihm fahren, auch wenn er nicht begeistert sein wird. Ich glaube, … dass er Dich mehr als gerne hat. Und ich glaube, … es würde ihm wahrscheinlich guttun, wenn Du bei ihm wärst.“

„Wie kommst Du da drauf, dass er mich gerne hat oder mich sehen will?“

Andrew lachte leise. „...glaub mir, das wirst Du merken und hören, wenn Du da bist.“

Bevor Joy noch etwas sagen konnte, legte Andy auf und fassungslos sah Joy auf das Telefon, bevor ein Lächeln über ihr Gesicht flog. Es ging ihm gut, Josh war nichts passiert.

„Den Gesprächsfetzen entnehme ich, das Dich jemand angerufen hat wegen Josh? Wieso zum Teufel bekommst Du einen Anruf?“

Langsam ließ sie die Hand sinken und sah dann mit glänzenden Augen zu Pam. „Das war Andrew, sein Freund. Er wollte mir sagen, dass es Josh gut geht und ich mir keine Sorgen machen soll und das Josh gleich nach Hause fahren wird. Und...“

„Oh ... und wieso ruft Dich dieser Andrew an? Etwas seltsam, oder?“ Pam hob eine Augenbraue und sah neugierig zu Joy, die gerade ihr Handy auf den Tisch warf und dann aufsprang. Kurz schwankte sie, doch dann sah sie erneut zu Pam und ein Lächeln flog über ihr Gesicht.

„Es geht ihm gut. Alles ist gut. Es geht ihm wirklich gut. Ich werde zu ihm fahren. “ Lachend fuhr sie sich durch die Haare und verzog dann das Gesicht. „Nein, erst duschen und dann fahren...“

Aufgeregt rannte Joy durch das Wohnzimmer und schob Pam einfach beiseite. „Himmel was zieh ich an, sollte ich ihm was zu essen mitnehmen? Oder … Himmel, ich muss duschen.“

Joy rannte in ihr Schlafzimmer und fassungslos sah Pam ihr nach, bevor sie Joy hinterherging und sich mit immer noch entgeistertem Gesicht auf das Bett setzte.


Aufmerksam sah sie Joy an, die in ihrem Kleiderschrank herumwühlte und einfach nicht zufriedenstellende Sachen beiseite und auf einen Sessel warf.

„Joy? Nicht das ich...“ Sie brach ab als sie merkte, dass Joy ihr gar nicht zuhörte und einfach weiter in ihrem Schrank kramte.

„Himmel, Joy … Du … so kenne ich Dich gar nicht … Hallo? … Erde an Joy? Kannst Du mich hören?“

Endlich schien Joy etwas gefunden zu haben und warf nun eine enge knöchellange Jeans und ein Shirt auf das Bett, kurze Zeit wühlte sie in dem Fach mit ihrer Unterwäsche und murmelte leise vor sich hin, bevor sie tiefschwarze, seidene Spitzenunterwäsche hervorzog und sie ebenfalls auf das Bett warf. Bevor Pam noch etwas sagen konnte, war sie schon ins Badezimmer verschwunden und Pam hob mit spitzen Fingern die Unterwäsche hoch.

„Ahja … okay … So wie es aussieht, hast Du scheinbar nicht vor, heute nochmal nach Hause zu kommen. Ganz schön selbstbewusst, meine Liebe.“ Grinsend legte sie die Wäsche zurück und setzte sich bequem hin.


Zwanzig Minuten später betrat Joy frisch geduscht in einem Badelaken gehüllt das Schlafzimmer und blieb dann wie angewurzelt stehen, als sie Pam auf dem Bett sitzen sah, während Joy's Spitzenhöschen von ihrem Zeigefinder baumelte.

„Pam! Ich … oh … ich hab‘ total vergessen...“

„Ja, das hab‘ ich gemerkt. Du hast total vergessen, dass ich hier bin. Mein Gott, muss Liebe schön sein. Wenn ich groß bin, will ich das auch mal haben.“

„Das ist doch nicht … ich meine...“ Verlegen schnappte sie sich ihr Höschen von der vielsagend grinsenden Pam und schlüpfte schnell hinein.

„Ich bin ja die allerletzte die den Zeigefinger hochhält und Dich warnt. Gott, meinetwegen kann die ganze scheiß-Ehe-Farce aufgehoben werden, wäre für alle beteiligten besser. Besonders für Dich und scheinbar Josh, hm? 'Aber' … Du denkst an das andere, ja? Du hast Dich seit gestern Morgen hier vergraben, um Sachen auszusortieren. Wollte John's Mutter nicht mit Dir etwas unternehmen? Und John anrufen, wenn er in Shanghai gelandet ist?“

„Was? Jaja, John hat mich heute Morgen irgendwann angerufen. Er und Derek sind gut gelandet und er ruft nochmal an. Sie wollten zum Hotel und dann hätten sie direkt ein Meeting und seine Mutter weiß Bescheid. Ich hab‘ sie angerufen und alles abgesagt, … sagte ihr, dass ich das hier erst fertig machen will und die ist eh grade mal wieder damit beschäftigt, ihr eigenes Haus komplett neu zu möblieren. Als ob sie das nicht erst vor zwei Jahren gemacht hätte...“

Während sie mit Pam geredet hatte, hatte Joy sich angezogen und drehte sich nun einmal im Kreis. „...ist das okay so?“

Pam ließ ihren Blick über die enge Jeans und das freche Shirt, das bis zum Brustansatz spitz zulaufend ausgeschnitten war, gleiten und sah dann in Joy's leuchtende Augen.

„Mehr als okay, Kleines. Sehr hübsch. Siehst aus wie fünfzehn.“

„Echt? Ach Du scheiße, meinst Du, ich sollte mich schminken? Ja, natürlich.“ Ohne ein weiteres Wort verschwand sie wieder ins Badezimmer und Pam verdrehte belustigt die Augen. Selbst mit Schminke, wirkte Joy nicht wirklich älter als vielleicht gerade zwanzig.


„So ist besser, oder?“ Joy kam zurück ins Schlafzimmer, mit leicht geschminkten Augen und einem Hauch von Lippenstift und Pam musste sich zwingen nicht zu lachen. Selbst so sah Joy gerade viel jünger aus, als sie tatsächlich war. Aber das würde sie ihr bestimmt nicht sagen, deshalb nickte sie nur grinsend und sah dann zu, wie Joy überlegend auf ihre Unterlippe biss.

„Vielleicht sollte ich ja doch was anderes anziehen. Etwas, was mich älter macht? 'Nen Rock oder so?“ Sich immer noch auf die Lippe beißend, trat sie an den Schrank und riss ihn erneut auf. Seufzend stand Pam vom Bett auf und ging zu Joy, bevor sie sie vorsichtig umdrehte und musterte.

„Joy, Du bist hübsch, so wie Du bist. Egal was Du anhast, Josh wird es garantiert gefallen, okay? Ich glaube nicht, dass er sich jetzt noch groß Gedanken um Dein Alter macht oder wie jung Du aussiehst. Das hat er am Freitag, wo er dachte, dass Du garantiert kaum älter als zwanzig bist. Aber selbst da war er schon total hin und weg von Dir. So wie er Dich angesehen hat, hättest Du auch gerade wirklich zwanzig sein können, ich glaube, dass hätte kein Unterschied gemacht. Du scheinst ihn mit einem Hammerschlag getroffen zu haben, so dass ich keine Chance hatte, ihn auch nur ansatzweise zu interessieren.“

„Es tut mir leid ... ich wollte Dir nicht … also, ich...“ Unbehaglich trat Joy von einem Bein auf das andere und Pam seufzte auf.

„Alles okay. Ich denke, ich wäre für ihn eh nur was für eine Nacht gewesen … Du … scheinst da etwas ganz anderes in ihm zu berühren als das Verlangen nach einem One-Night-Stand.“

„Meinst Du?“ Hoffnungsvoll sah Joy zu ihr hoch und Pam nahm sie seufzend in die Arme.

„Ach Joy. Ja, meine ich. Er ist absolut hin und weg von Dir. Das hat man Freitag gesehen, er konnte ja keine Sekunde den Blick von Dir nehmen … Ihr beide hättet euch ein paar Wochen früher begegnen müssen. Jetzt haben wir den scheiß Salat. Aber egal, wir werden das schon irgendwie hinbekommen. Los fahr schon, ich mach es mir hier gemütlich und spiel Wachhund, falls sich Feinde nähern, um sie abzuschrecken.“

„Was?“

Lachend schob Pam Joy in den Flur. „Los mach schon und geh...“
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