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[(D'c) HeartBeat] Die Verführung der Braut

GeschichteRomance, Suspense / P18 / Het
14.11.2019
18.01.2020
38
107.456
128
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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20.12.2019 2.485
 
Genervt zog Josh die leichte Decke über seine Hüften. Es war knapp elf Uhr abends und er lag auf seiner Liege auf der Wache und wollte eigentlich schlafen. Ein paar Kollegen waren noch unten und spielten Dart oder Billard, während einige ebenfalls schon lagen und schliefen.

Er war hundemüde und trotzdem konnte er nicht einschlafen, es glich eher einem unruhigen Dösen, und knurrend legte er sich einen Arm über die Augen. Gestern Nacht hatte er kaum geschlafen, heute der wieder erwartend stressige Tag, wo sie bis in die Nachmittagsstunden immer und immer wieder trainiert hatten, bis er endlich zufrieden gewesen war. Er wusste genau, dass er seine Jungs viel zu hart rangenommen hatte, aber jedes Mal, wenn er auch nur eine Sekunde unkonzentriert gewesen war oder nichts zu tun gehabt hatte, war Joy in seinem Kopf aufgetaucht und wütend darüber, hatte er das an seinen Leuten ausgelassen.

Genauso wie jetzt. Kaum kam er etwas zur Ruhe, war sie da und spukte durch seinen Kopf, beherrschte seine Gedanken und am liebsten wäre Josh aufgestanden und auf's Laufband gegangen, nur um bis zur völligen Erschöpfung zu laufen. Doch das konnte er sich nicht erlauben. Wenn er vollkommen im Arsch war und es kam ein Alarm, würden eventuell Menschen darunter leiden müssen.

Was sie wohl gerade machte? Mit diesem Fatzke auf der Couch sitzen und Fernseh gucken? Was anderes würde diese Luftpumpe eh nicht hinbekommen. Oder waren sie aus, vielleicht essen und ins Kino? Oder waren sie in den Flitterwochen, um den Schein zu wahren? Josh merkte wie ihn jeder einzelne Gedanke, an eines dieser Szenarien unglaublich wütend machte und erneut versuchte er, Joy aus seinen Gedanken zu vertreiben. Er versuchte sich eine der Frauen vorzustellen, mit denen er irgendwann vor Joy eine Nacht verbracht hatte, doch es fielen ihm weder die Namen ein noch wie sie ausgesehen hatten, außer dass sie alle Blond gewesen waren, wie all seine Eroberungen für eine Nacht.

Alles war wie ausgelöscht und das Einzige, an das er sich bewusst erinnern konnte, was immer wieder in seinem Kopf auftauchte, waren Joy's Hände auf seinem Körper, ihr Geruch nach Früchten, obwohl sie sein Duschgel benutzt hatte und ihre leuchtenden, strahlenden Augen, wenn sie ihn ansah. Und ihr so unendlich süßer Geschmack, von dem er einfach nicht genug bekommen hatte. Genauso wie sie ihn überrascht und ihm einen Blowjob verpasst hatte, der sein Gehirn absolut leergefegt hatte. Innerlich fluchend, um die anderen nicht zu wecken, drehte sich Josh auf die Seite, als er spürte, dass sein Körper alleine bei dem Gedanken daran, Bilder in seinem Kopf entstehen ließ und das Blut kochend heiß in seine Lenden schoss.


Josh merkte gerade, wie er doch so langsam in den Schlaf glitt, als er plötzlich von der Sirene hochgerissen wurde, die lärmend anschlug und ihn augenblicklich wieder hellwach werden ließ. Eilig sprang er auf und griff zu seiner Montur, die neben seinem Bett lag. Noch während er in seine Klamotten sprang, versuchte er gleichzeitig den kleinen Ohrstöpsel zu befestigen, der es ihm erlaubte, mit all seinen Leuten zu sprechen und er trotzdem die Hände frei hatte.



„Bereit.“ Kurz gab er seinen Status durch und hörte nach und nach von allen anderen auch ihre Rückmeldungen, als er plötzlich Maddox in seinem Ohr hörte.

„Josh! Feueralarm unten am Hafen, Station vier und fünf sind auf dem Weg, haben aber Unterstützung angefordert. Du unterstehst direkt Chief Brown, der die Löscharbeiten leiten wird, ist sein Bezirk, er kennt sich da besser aus. Du behältst aber die Kontrolle über Dein Team und teilst sie selber ein, da Brown nicht weiß, wer wo am besten von euch aufgehoben ist und was sie können. Alarmstufe drei, nach oben offen. Die Gefahr besteht wahrscheinlich im überspringen. Der Wachmann, der das Feuer gemeldet hatte, sprach von ziemlich viel dichtem, schwarzem Rauch, der irgendwie urplötzlich dagewesen sein soll. Naja, dazu sag ich mal jetzt nichts.“

„Wieso ging nicht automatisch ein Alarm raus, bei so einer Rauchentwicklung?“

Josh zählte kurz seine Leute und sprang dann auf den Wagen, während er seine Hand in der Luft einmal kreisen ließ und den Befehl zum Ausrücken gab.

„Brown meinte, dass die entweder keine Feuermelder haben oder sie nicht funktionieren. Hab' ihn auf der anderen Leitung. Er hört gerade mit.“

„Eingeschlossene?“

„Nicht sicher. Der Wachmann meinte, es würden sich da unten immer welche herumtreiben und 'nen Platz zum Schlafen suchen. Er kann es weder bestätigen noch abstreiten. Die Halle ist zwar abgeschlossen, aber die Leute finden trotzdem immer irgendwie eine Möglichkeit hineinzugelangen.“ Brown gab ihm die Antwort, bevor Maddox was sagen konnte und Josh presste kurz die Lippen zusammen. Die Antwort bedeutete, dass er und Andy in die Halle mussten um nachzusehen und ein Brand in einer Lagerhalle, war nicht gerade angenehm.

Josh fluchte und sah auf seine Uhr, während er kurz abschätzte wie lange sie brauchten. „Sind in ein paar Minuten da. Ich will ‘ne Karte von dem Gebiet und der Lagerhalle, dazu eine Liste was da gelagert wird.“

„Wird bereits angefordert.“

„Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit eines Sprungs?“

„Kann ich noch nicht sagen, allerdings steht dort alles sehr dicht und wenn ich 'ne Prozentzahl abgeben müsste, würde ich auf Minimum siebzig Prozent tippen, was ich … um Himmels willen … nicht hoffe.“

„Scheiße ... alles klar, Chief Brown. Zwei Minuten bis Ankunft.“

Josh klickte das Gespräch weg und sah seine Männer an, die alle still saßen und ihre Ausrüstung überprüften. Das Gespräch, dass sie gerade alle mitgehört hatten, deutete darauf hin, dass es eine verdammt lange Nacht werden würde. Sie waren alle lange genug dabei und auch erfahren genug, um die Warnsignale alle zu sehen und zu verstehen.

„Okay, jeder kennt seinen Platz und seinen Job. Wir werden uns gleich vor Ort noch ein Bild machen. Andy und ich werden reingehen, sofern es erforderlich sein sollte. Was ich allerdings schwer vermute. Haltet den Funk auf die anderen Teams offen, um regelmäßige Updates zu bekommen.“

Abrupt bremste der Wagen und alle sahen das Inferno, dass sie erwartete. Sie hatten zwar schon von weitem den Rauch gesehen, aber was sie nun zu sehen bekamen, war um einiges schlimmer als sie insgeheim vermutet hatten. Fluchend sprang Josh vom Wagen, während alle blitzschnell ihre Plätze einnahmen und Jace die Stützen ausfuhr. Mit langen Schritten stürmte Josh auf den Chief zu, der ihm gerade zuwinkte und dann seinen Leuten einige Befehle zubrüllte.



<<-->>




Pam öffnete die Türe zu Joy's Wohnung und wunderte sich kurz, das der Fernseher lief und obendrein scheinbar Nachrichten. Wenn Joy die Kiste mal anmachte, dann höchstens, um Musik zu hören oder einen Film anzuschauen.

„Joy?“

Pam sah fragend zur Wohnzimmertüre doch ihre Freundin antwortete nicht und neugierig ging sie ins Wohnzimmer, um dann abrupt im Türrahmen stehenzubleiben.

Joy saß in einer Ecke der Couch, hatte ein Kissen vorm Bauch liegen, während sie gleichzeitig die Beine angezogen hatte und ihre Knie umklammert hielt und sah erstarrt und mit blassem Gesicht auf den Fernseher.

„Joy? Gott, ist was passiert?“

Mit langen Schritten lief Pam zu ihrer Freundin und setzte sich vorsichtig neben sie. Sanft stupste sie sie an und bemerkte wie eiskalt Joy sich anfühlte und einen Moment zu brauchen schien, bevor sie registrierte, dass Pam neben ihr saß.

„Um Himmelswillen, Joy? Was ist los?“

„Josh...“ Joy sah sie nur einen Moment aus schreckgeweiteten Augen an, bevor sie wieder auf den Bildschirm des Fernsehers sah.

„Was ist mit Josh?“ Pam sah sie verwirrt an und dann ebenfalls kurz zum TV, um nur einen Moment später die Augen aufzureißen, als sie die Bilder des Feuers sah. Wieder sah sie zu Joy, die genauso wie gerade auf den Fernseher starrte, so als wollte sie ihn hypnotisieren.

„Glaubst Du, dass er auch da ist? Muss er doch nicht unbedingt, Kleines.“

„Ich habe ihn gesehen, er ist in das Lagerhaus rein und danach gab es eine Explosion...“ Tonlos sah Joy weiter auf den Bildschirm und Pam wurde mit einem Schlag blass, während sie entsetzt zu Joy sah.

„Vielleicht war es nur jemand, der aussah wie Josh? In dieser Montur sehen sie doch alle gleich aus.“

„Nein, er hatte den Helm ab und sich mit jemandem unterhalten und danach hat er sich eine Maske aufgesetzt und den Helm und ist mit einem anderen direkt ins Lagerhaus rein. Das war heute Nacht um halb zwölf.“

„Himmel, Joy, seitdem sitzt Du hier? Oh, scheiße...“ Pam sah Joy entsetzt an und dann auf ihre Uhr. „Und Du bist ganz sicher? Es könnte doch auch...“

„Meinst Du ich bin bescheuert und erkenne ihn nicht, wenn er keinen Helm aufhat? ES WAR JOSH!“

Pam strich Joy beruhigend über die Schulter. „Ich meine ja nur, es kann ja auch jemand anderes gewesen sein, der ihm ähnlich sieht. Und wer weiß, wie nah der Reporter an den Leuten war.“

Joy drehte sich aus Pam's Armen und griff nach der Fernbedienung, um den Fernseher lauter zu machen, als plötzlich umgeschaltet wurde und eine Reporterin ins Bild trat. Im Hintergrund sah man die Löschfahrzeuge der Feuerwehr, das immer noch brennende Lagerhaus und einige Feuerwehrmänner, die scheinbar erschöpft eine kurze Pause machten, während andere sich gerade auf ein nahestehendes Gebäude konzentrierten und da versuchten, ein kleineres Feuer zu löschen.

Unruhig ließ sie ihre Augen über den Bildschirm wandern, nur um einen Moment wieder etwas blasser zu werden, als sie nicht fand, was sie suchte.



„...mit den neusten Informationen über das Feuer am Pier. Seit gestern Abend gegen elf, versucht die Feuerwehr verzweifelt einen Brand zu löschen, der in einem Lagerhaus am Pier ausgebrochen ist. Es wurde mehrmals versucht in das Lagerhaus vorzudringen, um eventuelle Eingeschlossene zu suchen. Einigen Informationen zufolge sollte sich keiner darin aufhalten, jedoch wird das Lagerhaus immer wieder, obwohl abgeschlossen, von Obdachlosen zum Schlafen benutzt. Bis jetzt wurde allerdings weder bestätigt noch dementiert, ob sich Menschen in dem Lagerhaus aufgehalten hatten oder haben. Zwischenzeitlich schien die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle bekommen zu haben, doch kurz danach gab es diverse Explosionen und das Feuer griff auf das benachbarte Lagerhaus über. Dieses konnten sie allerdings schnell unter Kontrolle bekommen und sind gerade dabei es zu löschen. Jedoch facht sich das Hauptfeuer immer wieder selbst an. Uns liegen keinerlei Informationen vor, was dort gelagert wird und immer wieder zu kleinen Explosionen führt, allerdings gehen einige von Munition oder Farben aus. Beides würde die Explosionen erklären...“



Die Kamera schwenkte nun über die einzelnen Löschfahrzeuge und die ganzen Feuerwehrleute und kam dann wieder auf die Reporterin zurück.

Joy beugte sich etwas vor und ihre Augen glitten erneut über alle Männer, die teilweise ohne Helm dastanden und etwas tranken und knetete blass ihre Hände.

Entschlossen stand Pam auf und griff nach ihrem Handy. Es dauerte eine ganze Weile, bevor sich jemand meldete und Pam seufzte innerlich auf.

„Guten Tag. Mir wurde gerade von jemanden mitgeteilt, dass es am Pier unten brennt und mein Bekannter, Assistent Chief JT Walker, soll auch dort unten sein. Ich würde gerne...“

Pam verdrehte die Augen und holte Luft, bevor ihre Stimme fauchend wurde. „Es ist mir scheiß egal ob Sie ihre Befehle haben und keinerlei Informationen rausgeben dürfen. Ein Freund von mir hängt vielleicht da unten, denn ich kann ihn über sein Handy nicht erreichen, also sagen Sie mir jetzt, verdammt nochmal, ob er in Ordnung ist. Mir wurde gesagt, dass er ins Lagerhaus ist und danach gab es eine Explosion...“

Pam hörte zu und fauchte erneut wütend auf. „Vielen Dank für Ihre Nichthilfe. Ich hoffe, dass Sie einmal genau das gleiche erleben und Sie stundenlang absolut keinerlei Informationen über ihren Mann oder Freund erhalten, Sie dämliche, bescheuerte Kuh...“


Wütend beendete Pam das Gespräch und steckte ihr Handy wieder weg, bevor sie sich zu Joy drehte und sie musterte. Sie saß immer noch unbeweglich da und starrte auf den Fernseher, so als könnte sie ihn zwingen, ihr Josh zu zeigen und dass er in Ordnung war.

„Liebes, ich bekomme keine Informationen. Sie darf angeblich nichts sagen. Nicht Mal wenn ich Familie wäre … Aber er wird in Ordnung sein, bestimmt … es ist sein Job da zu sein und das Feuer zu löschen.“ Sie wollte gerade Joy umarmen, als diese sie wütend ansah.

„Ich weiß, dass das sein verdammter Job ist. Aber er ist in die scheiß Lagerhalle rein und danach gab es diese Explosion. Also lass mich in Ruhe, ich will doch nur wissen … nur wissen...“ Joy brach ab und plötzlich schluchzte sie auf, während sie gleichzeitig anfing zu zittern. „Ich will doch nur … nur wissen, dass er heil da rausgekommen ist.“

Zitternd und schluchzend schlang sie die Arme erneut um ihre Knie und Pam setzte sich wieder neben sie. Sie konnte sich nicht einmal ansatzweise vorstellen, was Joy gerade durchmachte. Sie war noch nie mit jemandem zusammen gewesen, der einen gefährlichen Beruf gehabt hatte und für Joy war es doppelt schlimm. All die Jahre hatte sie sich nie für Männer interessiert, außer für John und das war ja nicht einmal was Richtiges, wie sie gestern erfahren hatte. Und dann plötzlich tauchte ‘n Kerl in Joy's Leben auf, brachte alles durcheinander und seit Freitag war ihr Leben ein absolutes Chaos. Hin - und hergerissen zwischen dem Mann, dem sie ihr Wort gegeben und geheiratet hatte und Josh, in den sie sich Hals über Kopf verliebt hatte.

„Schau, es sind seit gestern Abend bis jetzt mehr als vierzehn Stunden vergangen. Wahrscheinlich ist alles gut gegangen und er ist bestimmt schon auf der Wache, um sich auszuruhen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie so viele Stunden bei einem Feuer bleiben, das muss doch verdammt heiß und nervenaufreibend sein und irgendwann lässt doch auch die Konzentration nach. Bestimmt sind sie nach einer bestimmten Zeit abgelöst worden, oder?“

„Woher soll ich das wissen? Ich weiß nur...“ Wieder schluchzte sie auf und klammerte sich an Pam fest.



„...eine erneute Explosion und wie wir erfahren haben, wurden dabei zwei Feuerwehrmänner verletzt. Die Rettungskräfte kümmern sich gerade um die beiden. Wir haben zwar versucht, nähere Informationen zu bekommen, doch wir wurden von der Polizei wieder zurückgedrängt, die das Gebiet weitläufig abgesperrt hat. Wir haben daher momentan keinerlei Information, wie und warum sich die neue Explosion nun ereignet hat und wie es den beiden verletzten Feuerwehrleuten geht. Wir melden uns wieder, wenn wir genauere Informationen vorliegen haben.“



Joy wurde noch blasser und sah entsetzt auf den Fernseher, wo nun erneut die Bilder liefen, die sie schon kannte und bei deren Anblick sie trotzdem nicht wegsehen konnte. In ihrem Kopf klang nur die Stimme nach, dass zwei Leute verletzt worden waren und sie spürte wie ihr erneut eiskalt wurde.

„Ich geh Dir einen Kaffee kochen. Joy? Hast Du schon was gegessen?“ Langsam machte sich Pam von Joy los und sah auf ihre Freundin die unverwandt auf den Bildschirm sah und der leise und unaufhörlich Tränen über das Gesicht liefen.

„Ich habe keinen Hunger.“

„Du musst was essen, Liebes.“

„Ich habe keinen Hunger.“

Seufzend ging Pam in die Küche. Sie würde einfach was machen und ihr hinstellen, vielleicht würde sie doch was essen.
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