[D'c HeartBeat] Die Verführung der Braut

GeschichteAbenteuer, Romanze / P18
14.11.2019
06.12.2019
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JT ist nicht schwul. Nein, ganz und gar nicht.
Sein bester Kumpel, Andy, aber schon. Und der lebt dies, seit er sich vor ein paar Jahren geoutet hat, auch voll aus.
Sehr zum Leidwesen von Josh, denn Andy will dieses Jahr an seinem Geburtstag unbedingt in dieses neue und angesagte Männer-Strip-Lokal.
Josh und ein ganzer Raum voll mit Männern, die auf Männer stehen?
Kein guter Ausgangspunkt für einen gelungenen Partyabend, findet zumindest Josh.
Wäre da nicht … Ja, wäre da nicht die plötzlich eintreffende Gruppe Frauen, die scheinbar ausgerechnet dort einen Junggesellinnenabschied feiern wollen...



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Josh hob nur kurz den Kopf, als er die Schritte hörte, die sich der Kellertür näherten und bearbeitete dann weiter das Stück Holz, was er in der Hand hatte. Prüfend fuhr er sanft mit dem Finger über die glatte Oberfläche und schüttelte dann unzufrieden den Kopf. Vorsichtig strich er hauchzart mit einem feinen Schmiergel erneut einige male über das Holz. Er war irgendwie noch nicht ganz zufrieden mit der Oberfläche.



„Gott, Josh, irgendwann raubt jemand Dein Haus aus, während Du Dich hier unten vergraben hast und mit Deinen Hölzchen spielst.“

Andy, Josh's bester Kumpel seit Kindesbeinen an und Arbeitskollege, stand oben an der Treppe und sah hinunter. Der ganze Keller des flachen, wenn auch großen und gemütlichen Hauses, war ein einziger, riesiger, heller Raum. Unzählige Fenster ließen das Tageslicht hinein und eine ganze Wand, oder besser gesagt die obere Hälfte davon, war nur mit Regalen bedeckt, auf denen die unterschiedlichsten Werkzeuge lagen oder hingen, von denen Andy nicht einmal wusste, wie sie hießen, geschweige denn, wofür man sie benutzte. Und wenn er es schon mal gewusst hatte, hatte er es wieder vergessen. Darunter ein langer Arbeitstisch auf dem ebenfalls unzählige Werkzeuge lagen, dazwischen verschiedene Bretter und Stöcke, und an dem Josh gerade auf einem gemütlichen Hocker saß und ein Stückchen Holz bearbeitete.

Zwei große Gefriertruhen standen noch unter der Treppe, das wusste Andy, ansonsten lagen und standen in dem ganzen Raum überall nur Holzbretter oder Scheiben eines Baumstammes herum. Und der Kühlschrank, ein kleiner, niedlicher Kühlschrank in der Ecke und immer von oben bis unten mit eiskaltem, herrlichem Bier gefüllt.

„Deine Türe ist unverschlossen und nicht mal die Alarmanlage ist eingeschaltet. Ich konnte einfach rein.“

„Cleo ist doch oben.“ Josh seufzte und legte das Holz beiseite, bevor er sich reckte und aufstand, während Andy nun langsam die Treppe hinunterkam.


„Toll, Cleo. Als ob der irgendetwas machen könnte oder würde.“ Spöttisch lehnte sich Andy am Ende der Treppe gegen das Geländer und nickte, als Josh ihm von dem kleinen Kühlschrank aus, vor dem er gerade stand, ein Bier zeigte.

„Er macht nichts, weil er Dich kennt.“ Josh warf ihm die Dose Bier zu und öffnete seine mit einem lauten Zischen. Zufrieden aufstöhnend trank er einen langen Schluck und ging dann wieder zu der Arbeitsplatte.

„Der würde auch nichts machen, wenn er mich nicht kennen würde.“

Josh ließ sich wieder auf den Hocker fallen und lehnte sich mit dem Rücken gegen die Arbeitsplatte. „Ich nehme mal an, Du hast einen besonderen Grund hier rauszukommen? Oder wolltest Du mich mal wieder einfach nur nerven? Ich habe Urlaub.“

Grinsend setzte sich Andy auf die unterste Stufe und trank einen Schluck Bier, bevor er antwortete. „Ich weiß, wo wir morgen meinen Geburtstag feiern werden.“

„Wurde auch langsam Zeit. Dafür hättest Du aber auch anrufen können.“ Josh sah kurz zu Andy und trank sein Bier leer, bevor er die Dose in einem hohen Bogen gekonnt in den Mülleimer warf, der auf der anderen Seite des Raums stand.

„Ja, aber das wäre ja langweilig. Außerdem hast Du Dich seit Anfang der Woche nicht mehr gemeldet und ich wollte sehen, ob alles ok ist.“

„Himmelherrgott, Andrew. Stell Dich nicht an wie eine Pussy, deren Freund sich mal ein paar Tage rar macht. Ich … habe … verdammten … verfuckten … wohlverdienten Urlaub. Die letzten Wochen waren stressig genug mit den ganzen Bränden durch diesen verdammten Brandstifter.“ Knurrend fuhr sich Josh durch seine kurzen dunkelblonden Haare und seine Augen nahmen einen wütenden Schimmer an.

Fasziniert beobachtete Andy, wie die kleine Strähne seines Ponys augenblicklich wieder in seine Stirn zurückfiel und die letzten Sonnenstrahlen, die es gerade noch schafften durch das Fenster zu kommen, kleine goldene Strähnchen in JT's Haare zauberten.

'Andrew!'“ Das wütende, warnende Fauchen seines Freundes ließ ihn zusammenzucken und kurz grinste er schuldbewusst, bevor er sich entspannt zurücklehnte.

„Ich kann doch nix dafür. Du bist eben was Leckeres für's Auge.“

„Nicht … für … Deine Augen!“ Knurrend holte sich Josh ein neues Bier und ließ sich erneut auf den Hocker fallen.

„Für andere Männeraugen aber schon?“ Prustend sah er, wie Josh's Lippen und die kleine, schmale, einige Zentimeter lange Narbe, auf dem Wangenknochen unter seinem linken Auge, weiß wurden vor Wut und winkte ab. „Komm runter, JT. Das war ein Scherz, mein Gott.“

„Falsche Adresse für sowas, ganz falsche Adresse.“ Brummend schnappte sich Josh wieder sein Bier, das er gerade sicherheitshalber weggestellt hatte, bevor er es nach Andy werfen würde und trank einen Schluck.

„Dass Du immer direkt an die Decke gehen musst bei sowas.“

„Dass Du mich immer und immer wieder provozieren musst. Ich bin nicht schwul und werde auch niemals auf Männer stehen. Mir reichen die beharrten Männerärsche in der Dusche auf der Wache, da dreht sich mir schon der Magen um, wenn sie dicht an mir vorbeigehen. Das weißt Du genau. Ich kann den ganzen Coming-out und alles ist toll Scheiß nicht mehr hören...“

„Ist ja gut, Alter. Komm mal wieder runter. Willst Du nun wissen, wo wir morgen abfeiern gehen? Kommen wahrscheinlich noch ein oder zwei Jungs von der Freiwilligen mit. Aber die treffen wir direkt da.“

„Wo ist nun 'da'?“ Josh drehte sich wieder zu Andy, der nun ein gleichgültiges Gesicht aufsetzte und Josh spürte augenblicklich, wie alle Alarmsirenen in ihm losgingen. Er kannte Andy gut genug, um zu wissen, wenn er so ein Gesicht machte, kam es knüppeldick.

„Im Excalibur.“ Andy sah angelegentlich auf seine Bierdose und hörte das Scheppern, als Josh seine auf die Arbeitsfläche knallte.

„Das ist jetzt nicht Dein Ernst, oder? Sag mal, sind bei Deinem Coming-out irgendwelche Gehirnwindungen durchgeschmort oder irgendwelche Synapsen abgestorben? Oder ist das einfach nur ein scheiß Drecks Virus, der Dein Gehirn aufweicht, bis nur noch Scheiße da drin ist?“

„Nein, da ist alles gut. Ich will dieses Jahr ins Excalibur.“

„Vergiss es. Letztes Jahr Dein scheiß Weichspül-Wellness Wochenende, wo ich fast nur gekotzt habe bei den ganzen Kerlen, die da rumgerannt sind und einen begrabschen wollten. Ich habe da meinen Rekord von damals, als ich sechzehn war, in Dauer besoffen sein und kotzen eindeutig gebrochen. Davor das Jahr ein verfucktes Wochenende intensiv Salsa-Tanzkurs scheiß, wo zumindest wenigstens ein paar Frauen waren und davor Dein herumgewedel im Schnee, weil Du Ski fahren wolltest. Und jetzt das? Vergiss es. Damit ist unsere Freundschaft offiziell gelaufen. Du kennst ja den Weg und weißt, wie Du rausfindest ... wir sehen uns nächste Woche auf der Wache.“

„Warum stellst Du Dich so an? Das ist ‘nen ganz normales In-Strip-Lokal. Wir trinken was, machen Party und dann ist gut.“

„Das ist ein verdammter Männer-Strip-Puff. Ich erkläre Dir gerne den Unterschied. Bar oder Strip Lokal ist, wenn da ‘ne langbeinige Blondine mit mehr Oberweite als Hirn auf der Theke in hautengem Leder langsam auf mich zu gekrochen kommt und sich dabei über die Lippen leckt. Dann kommt ein erwartungsvolles Kribbeln in mir auf und ich werde sie freudig begrüßen. Wenn ein Kerl in engem Leder, das den halben Arsch frei lässt auf mich zu robbt, ist das einzig freudige was sich in mir ausbreitet, die Vorstellung wie meine Faust in seinem Gesicht landet.“

„Josh, es ist doch nur ein Abend und mein Geburtstag. Nächstes Jahr können wir dann wie bei Deinen Geburtstagen, Bouldern oder Kajak fahren oder Wildwasser Rafting machen oder surfen gehen. Meinetwegen auch nochmal dieses Paragleiten oder Fallschirmspringen. Aber morgen … es gibt da jemanden, der da tanzt und naja, ich hab‘ ihm versprochen vorbeizukommen.“

„Dann geh doch alleine und zwing mich nicht in so was etwas trinken zu gehen. Soviel Alkohol gibt es nicht, dass ich es da einen ganzen Abend aushalten werde.“

„Man könnte echt meinen, Du hast etwas gegen Schwule.“

„Außer dass mein bester Kumpel plötzlich schwul ist? Nein. Meinetwegen können sie euch einen ganzen Bundesstaat schenken und euch alle dahin verfrachten, damit ihr euch schneller findet und glücklich seid. Zumindest hab‘ ich dann meine Ruhe.“

„Selber schuld, wenn Du so aussiehst, wie Du aussiehst. Du bist nun mal ein Leckerchen...“ Andy brach ab, als er das dunkle Grollen aus Josh's Kehle hörte und seufzte auf. „Ist ja gut ... Du bist so extrem, seit Dich damals der Typ angebaggert hatte, wo Du dachtest, er sei ‘ne Frau...“

„Weißt Du, wie ekelig das war? Du machst mit ‘ner vermeintlichen Frau rum, es kommt zur Sache und plötzlich hast Du ‘nen Schwanz in der Hand. Ich hatte tagelang danach noch das krampfhafte Bedürfnis, mir meine Finger mit Säure zu waschen und minütlich die Zähne zu putzen, weil mich dieses … Ding geküsst hat.“

„Du warst nicht mal fünfundzwanzig, Josh.“ Andy lachte nun und erntete von seinem Kumpel einen wütenden Blick. „‘Nen Heißsporn der jede abgeschleppt hat. Aber sie war auch niedlich. Schade, dass ich damals nicht an sie geraten bin.“

„Dann wäre Dein Gehirn schon seit Jahren Matsche oder Du hättest es vielleicht bis heute endlich begriffen, dass ich für sowas nicht wirklich der richtige Freund bin. Nicht für Männer Strips und nicht für so weichspül-salsa-schlagmichtot-wochenenden.“

Andy wollte gerade etwas sagen, als man plötzlich das heisere, warnende und laute Krächzen eines Raben hörte und nur einen Moment später oben eine Stimme nach Josh rief.

„Siehst Du, meine Alarmanlage funktioniert.“ Grinsend stand Josh auf und stellte das Bier beiseite, bevor er die Treppen hochlief, um die alte Dame zu begrüßen, die nach ihm gerufen hatte.

„Tolle Alarmanlage und das von einem hochrangigen Feuerwehrmann.“ Andy verdrehte die Augen und lehnte sich etwas zurück, während er langsam sein Bier trank und dem Gespräch oben lauschte, das, durch die angelehnte Kellertüre, leicht gedämpft zu ihm hinunterdrang.




„Mrs. Delgado, was verschafft mir die Ehre Ihres Besuchs?“ Josh blieb ein Stückchen vor der älteren Dame stehen, die ihn nun ansah und leicht lächelte.

„Mary, Josh, das hab‘ ich doch schon tausendmal gesagt. Du kennst mich, seit Du auf allen vieren hier durch das Haus gekrabbelt bist.“

„Ich weiß, Mary.“ Josh lächelte sie an und Mary deutete mit ihrem Stock zur Decke. „Cleo hat mich angemeldet, ja?“

„Das macht er doch bei jedem. Was kann ich für Sie tun, Mary? Oder sind Sie heute nur auf ein Pläuschchen hier?“

„Nein. Mein Rollo klemmt wieder und will nicht runter. Du sagtest doch, dass ich Dir Bescheid sagen soll. Oder passt es gerade nicht?“ Kurz sah sie ihn unsicher an und Josh schüttelte energisch den Kopf.

„Nein, alles okay. Ich gehe kurz mein Werkzeug holen und komme dann gleich rüber. Warum gehen Sie nicht schon einmal vor?“

Mary nickte zufrieden und grinste dann. „Ich setze auch einen Kaffee auf und mach Dir was Leckeres. Du hast bestimmt wieder nichts gegessen, oder? Deine Mutter würde mich ohrfeigen, wenn ich nicht hin und wieder ein Auge auf Dich werfen würde. Außerdem, wer arbeitet, muss auch essen, nicht wahr?“

„Das ist nicht nötig, Mary.“ Josh winkte ihr nochmal kurz zu und drehte sich gerade um, um wieder in den Keller zu gehen, als ihn ihre Stimme aufhielt.

„Doch, doch … das ist nötig. Du brauchst endlich eine Frau, die auf Dich aufpasst, Junge. Deine Mom ist in Wyoming bei Deiner Schwester und ich werde auch nicht ewig leben. Dein Beruf ist schon gefährlich genug. Andere in Deinem Alter haben schon Kinder. Du brauchst wirklich dringend eine Frau.“




„Ja, JT, du brauchst dringend ein Frauchen, die auf Dich aufpasst. Nur arbeiten und dann Frauen abschleppen ist nicht richtig. Du musst viele kleine Joshua's in die Welt setzen.“ Andy verzog amüsiert sein Gesicht, als Josh die Treppe herunterkam und nach seinem Werkzeuggürtel griff.

„Halt die Klappe. Zumindest will sie mir 'nur' eine Frau auf das Auge drücken und mich nicht in eine Bar abschleppen, wo nur Kerle rumhängen, die sich...“ Josh schüttelte sich und überprüfte die Werkzeuge, die er mitnehmen wollte.

„Genau, was uns zurückbringt. Gehst Du nun morgen mit mir dahin?“

„Alter, das hört sich an wie ‘nen Date. Gott, kannst Du das auch anders sagen? Aber ja, wenn mich das jetzt von Dir erlöst und meine letzten paar Nerven das überleben und Du endlich abhaust und mich in Ruhe lässt und raffst, dass es das letzte Mal … wirklich das allerletzte Mal ist, dass ich sowas mit Dir mache ...ja. Und Andy? Ich meine es ernst, noch so eine Aktion nächstes Jahr und Du siehst mich nur noch von hinten.“

„Ooch, ich hätte nichts dagegen Dich öfters von hinten...“ Andy hatte den Satz noch nicht zu Ende gesprochen, als dicht neben seinem Gesicht, im Geländer der Treppe, zitternd ein Schnitzmesser steckenblieb.

„Hau ab … ganz schnell.“ Josh's cognacfarbene Augen schossen Blitze und Andy schluckte einen Moment, bevor er aufstand und die Hände etwas hochhob.

„Ist ja gut, Gott, bist Du heute gereizt. Schnapp Dir mal wieder ‘ne Frau, Alter.“ Schnell lief er die Stufen hoch und drehte sich oben noch einmal um. „Wir treffen uns um acht im El Techo zum Essen und danach gehen wir in den Club. Bye...“


Josh sah ihm einen Moment wütend nach, bevor er nochmal sein Werkzeug überprüfte und sich dann auf den Weg machte, um Mary bei ihrem Rollo Problem zu helfen.