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Game Changer

von Leryavac
GeschichteAbenteuer, Humor / P18 Slash
Eren Jäger Levi Ackermann / Rivaille
13.11.2019
21.11.2020
48
136.382
117
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Dieses Kapitel
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21.11.2020 2.441
 
Letzter Nerv



     Seit er Levi erblickt hatte, stand Erens Körper auf Hochspannung. Bei jeder Person die ihn kurz streifte, wann immer er eine Gruppe von Menschen umrundete, hielt er aufgeregt die Luft an. Nur um dann jedes Mal noch ein bisschen frustrierter auszuatmen.
     Ein dummer Teil von ihm ging davon aus, Levi würde ihn suchen, aber tatsächlich hatte er den Anwalt nämlich schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen. Wie schon früher am Abend schien dieser wie vom Erdboden verschluckt und hätte Historia ihn nicht auch gesehen, so würde der junge Mann denken, dass er allmählich verrückt zu werden begann.
     Unzufrieden streunte Eren weiter durch den Raum und bedauerte, dass der Umstand es ihm nicht gestattete seinen Frust in alkoholischen Drinks zu ersäufen. Historia war längst wieder im Gespräch mit irgendwelchen Ärzten deren Namen er nie auch nur gehört hatte und er wusste herzlich wenig mit sich anzufangen, was ihn ablenken könnte
     Getrieben von einem letzten Funken der Hoffnung, holte er sein Smartphone aus der Innentasche des Jacketts. Nur um noch weiter enttäuscht zu werden, natürlich. Wahrscheinlich zog der Anwalt nicht mal in Erwägung, versuchte Eren sich einzureden, ehe sich der Gedanke, dass Levis Anwesenheit kein Zufall sein konnte noch hartnäckiger festsetzen konnte.
     Wie von allein trugen ihn seine Füße einen der Flure entlang in Richtung der Herrentoiletten. Levi hatte recht gehabt, damals als er ihm sagte, dass er sich gerne auf Toiletten flüchtete, auch wenn ihm dies selber bis zu jenem Tag nicht aufgefallen war.
     Mit dem Ellbogen stieß er die mattschwarze Tür auf und trat in den freundlich hellen Raum in modernem Stil hinein. Toilettenkabinen nahmen eine Seite des Raumes ein, an der gegenüberliegenden reihten sich glänzend weiße Waschbecken unter einem blank geputzten Spiegel. Was Erens aber wirklich die Sprache verschlug war nicht die geschmackvolle Innenarchitektur.
     »Wenn ich’s nicht besser wüsste, würde ich sagen du verfolgst mich«, kommentierte Levi mit sanfter Ironie und sah ihn über den Spiegel unverblümt an, während er den Wasserhahn zudrehte und das Rauschen des Strahls verklang.
     »Tut mir leid«, brachte der junge Mann wenig geistreich hervor. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals und ihm schien, als könnte er das Adrenalin in jeder Zelle seines Körpers prickeln spüren. Sie waren ganz allein in diesem Raum, er und dieser attraktive Mann. Wie sollte er da den ein oder anderen schlüpfrigen Gedanken vermeiden?
     Kaum merklich den Kopf schüttelnd zog Levi zwei weiße Papiertücher aus dem Spender und trocknete sich damit gründlich die schlanken Hände. »Ich nehme an du bist nicht hier, weil du mir beim Pissen zugucken wolltest?«
     Eren konnte spüren wie seine Wangen sich bei den uneleganten Worten des Anwalts schlagartig erhitzten und verlegen mied er den Blick in den Spiegel. In Momenten wie diesen wurde er wieder daran erinnert, dass der Andere an und für sich nicht gerade für seinen höflichen Charme gerühmt wurde.
     »Nein, natürlich nicht!«, verteidigte sich Eren und trat schüchtern auf den Anderen zu. »Ich hätte nicht erwartet dich ausgerechnet hier zu treffen. Kennst du jemanden?«
     Die Worte waren heraus, bevor er sie hatte zurückhalten können und schon im selben Moment bereute er sie, Levi hatte es noch nie gemocht, wenn er in seinen Privatangelegenheiten stocherte und gerade jetzt war der Zeitpunkt denkbar schlecht. Dennoch juckte es ihn zu wissen, was Levi hier trieb.
     »Einer der Redner ist seit Jahren ein Mandant von mir«, erläuterte der Schwarzhaarige ziemlich kurz angebunden und hakte die Daumen in die Seitentaschen seiner Anzughose. »Aber lass doch den scheiß, auf Smalltalk habe ich genauso wenig Bock wie du gerade.«
     Mühsam zwang er sich den Blick zu heben, auch wenn die frostige Reaktion des Anderen ihn etwas zurückschreckte. Durch ihre Intimität in den vergangenen Wochen hatte er beinahe vergessen, wie hart und abweisend sich dieser Mann mit nur wenigen Worten geben konnte.
     Obendrein ärgerte es ihn, dass die Anwesenheit des Anwalts rein gar nichts mit ihm zu tun zu haben schien. Er war sich schon beinahe sicher gewesen, Levi hätte nur eine Möglichkeit gesucht in seiner Umgebung zu sein!
     Nun wo Eren mit dem Anwalt in dieser Herrentoilette stand, wurde ihm bewusst wie lächerlich und vor allem kitschig dieser Gedankengang gewesen war. Das hier war keine der Hollywood Romanzen, die Historia sich so gerne ansah und erst recht war Levi nicht der Typ, der einem Mann, den er schon gehabt hatte, nacheierte!
     »Was ist los? Ich dachte über die Zeit in der du mich wie einen Fußabtreter behandelst wären wir inzwischen hinweg«, konterte Eren taffer als er sich fühlte und musste unwillkürlich daran denken, was Historia ihm kurz zuvor gesagt hatte. Hatte er sich eventuell wirklich von der Attraktivität des Anwalts blenden lassen und deshalb schöngeredet wie dieser ihn behandelte?
     »Dasselbe dachte ich über die Zeit, in welcher du mich hingehalten hast«, hielt Levi flapsig dagegen und verblüfft über den wechselnden Tonfall seines Gegenübers weitete Eren die Augen.
     »Sag mal, kann es sein, dass du eifersüchtig bist?«, rutschte es ihm raus und schon Sekunden später, als sich die elegante Nase pikiert rümpfte, bereute er es. So wie Levi gerade drauf war, hätte er sich nicht so weit aufs Eis hinauswagen dürfen.
     »Nötig habe ich das sicher nicht«, erwiderte der Schwarzhaarige und aus seiner Stimme klang tatsächlich nicht die Note von Unsicherheit heraus, eine Tatsache die Eren ein wenig enttäuschte. Es schien unmöglich diesen Mann aufs Glatteis zu führen.
     »Was ist es dann?«, fragte Eren leise und kämpfte gegen den Impuls an, nach Levis Hand zu greifen. Der Anwalt hatte ihm gestanden, dass er weiterhin Sex mit ihm wollte, aber er war nicht so dumm zu glauben, dass er sich deshalb alles würde leisten können. Eine Affäre mit Levi war wie ein Tanz auf dem Seil. Ein falscher Schritt und er würde fallen.
     »Tch. Als du gesagt hast du bräuchtest noch um dich zu entscheiden ob du dich weiter von mir ficken lassen willst habe ich das toleriert. Aber dem, für über eine Woche im Leeren hängen gelassen zu werden, habe ich nicht zugestimmt.«
     »Das ist nun mal nicht so einfach für mich«, entgegnete Eren eine Nuance heftiger als geplant und biss sich auf die Lippe. »Denkst du ich finde es toll, mich zwischen zwei Menschen entscheiden zu müssen?«
     »Du kennst die Antwort doch schon, sonst wärest du jetzt gar nicht hier«, antwortete Levi stumpf und ging einfach an ihm vorbei. Panisch vor einem zu schnellen, wütenden Ausgang dieses Gesprächs hielt Eren den Anderen am Arm zurück und zwang ihn, sich ihm wieder zuzuwenden.
     »Geh jetzt nicht einfach, nicht so«, wisperte Eren und hob die Fingerkuppen seiner freien Hand an die aristokratisch blasse Wange des Älteren.
     »Du bist es doch, der mich wegschickt«, murmelte Levi und für einen Moment schien es als wollte eine dichte, schwere Woge lang unterdrückter Gefühle unter der abweisenden Eisfläche hervorbrechen. Aber das konnte er sich nur eingebildet haben, denn als er in die sturmgrauen Augen sah, schien der Mann so fern, obwohl sie dicht beieinanderstanden.
     Er wollte, doch konnte nicht leugnen, dass er noch immer in den Anwalt verliebt war. Der Sex mit ihm hatte dies endgültig unumkehrbar gemacht und es tat Eren leid, dass er seine Gefühle an einen Menschen verschwendete, der nicht in der Lage schien sie zu erwidern. Ganz gleich wie gut sie im Bett auch harmonierten, wie zufrieden er sich in diesen Stunden fühlte. Sie würden seinen emotionalen Hunger nach Nähe niemals stillen können.
     »Würdest du mich wollen? Hier, jetzt, sofort?«, brachte Eren seinen kompletten Mut auf diese Frage zu stellen und zwang sich den Anderen anzusehen, auch wenn eine schambehaftete Hitze seine Wangen einnahm.
     Sein Finger hatten wie von allein ihren Weg in den ausrasierten Nacken des Anwalts gefunden und kraulten die rauen Stoppeln. Sein Bauch kribbelte aufgeregt. Würden sie es wirklich hier tun? Würde Levi ihn wirklich heute zu dem Mann machen, der nicht bloß für drei Male gut genug war?
     »Mach dich nicht lächerlich, ich lass mich nicht mit dir beim ficken erwischen«, lautete Levis ernüchternde Antwort und auch wenn der Andere nicht vollkommen unrecht hatte, gruben sich die verletzenden Worte wie Dornen in Erens Herz hinein.
     Aus dem Schmerz der Zurückgewiesenheit, der Tatsache, dass der Anwalt auf keine seiner Berührungen reagierte trat Eren einen Schritt zurück und biss sich auf die Unterlippe. Merkte dieser Mann denn gar nicht wie sehr er ihn demütigte?
     »Willst du, dass ich gehe?«, fragte er leise und drehte den Kopf zur Seite, nur um das schöne Profil des Anwalts gleich darauf in dem überdimensionalen Spiegel zu sehen. Warum war mit diesem Mann alles so kompliziert?
     Levi antwortete nicht, nicht sofort und dieses Mal hatte Eren keinen Nerv dafür, dass der Andere ihn zappeln ließ. Zischend machte er auf dem Absatz kehrt, verließ rauschenden Schrittes den Raum und machte seinem Frust Luft, indem er die Tür hinter sich zuwarf. Sollte Levi doch von ihm denken, was er wollte!
     Dieser verfickte Mann wusste, dass er in ihn verliebt war, er wusste, was er sich schon seit Monaten von ihm gewünscht hatte. Und als wäre es nicht genug, dass er ihm dies nicht geben wollte musste er sich auch noch von ihm erniedrigen lassen. Erneut.
     Mit Sicherheit hätte sich Eren noch mehr in seine Rage hineingesteigert, bis hin zu dem Punkt, wo er Levi erneut aufgesucht und ihm alles vor die Füße gespuckt hätte was ihn beschäftigte. Bis zum Punkt der blinden Wut, hätte er seine Spirale fortgesetzt, wäre da nicht seine Freundin gewesen. Jene Freundin, die er gerade um ein Haar auf einer Herrentoilette betrogen hätte.
     »Wo hast du gesteckt?«, fragte die hübsche Blondine kaum, dass der junge Mann auf sie zukam und mit einem besorgten Ausdruck auf dem Gesicht musterte sie ihn
     »War kurz an der frischen Luft, fühl mich nicht so«, murmelte Eren und mit einer kleinen Sorgenfalte auf der Stirn, legte ihm die Kleinere ihre Hand an die Stirn.
     »Du siehst auch ganz blass aus, ich fahre uns nach Hause«, entschied sie und streichelte ihm fürsorglich über die Wange.
     »Ich kann mir auch ein Taxi nehmen«, wandte Eren ein. Wie hätte er auch erklären sollen, dass alles woran er gerade litt ein gebrochenes Herz war. Vor allem aber, wollte er in diesem Moment am liebsten allein sein. Die Augen schließen, den Kopf an die Fensterscheibe eines Taxis lehnen und vollkommen im Selbstmitleid versinken.
     »Ich wollte eh langsam heim«, widersprach Historia und hakte sich bei ihm unter. Außerdem lasse ich dich so doch nicht mit einem Taxi fahren!«

     Erens Versuche die Blondine doch noch vom Bleiben zum zu überzeugen hatten keine Früchte getragen und wenn er ehrlich war, dann hatte ihm auch die Energie gefehlt es überhaupt ernsthaft zu versuchen. Nun saßen sie schweigend in seinem Wagen, Historia fuhr.
     Immer wieder schielte Eren auf sein Smartphone. Es war stummgeschaltet, aber das Aufleuchten dieses kleinen Lämpchens am oberen Bildschirmrand würde ihm verraten, wenn er eine Nachricht erhielt. Aber bislang hatte das kleine Lichtchen kein einziges Mal aufgeleuchtet.
     Jetzt wo es bereits zu spät war, bereute er Levi nicht die Antwort gegeben zu haben, welche er insgeheim bereits seit Wochen wusste. Die schroffe Art des Anwalts hatte ihn abgeschreckt, auch wenn er sie inzwischen gewohnt sein sollte, er hatte sich nicht getraut, seine Gefühle einzugestehen. Zu oft war er schon abgewiesen worden. Doch er bereute es.
     Ein leichter Regen begann auf das Auto hinab zu prasseln, das harte Geräusch von Tropfen auf Blech und Glas. Als wäre es ein Zeichen, als würde irgendetwas oder irgendjemand ihn bewusst dazu bringen wollte noch mehr an Levi zu denken.
     Ihr erstes Mal. Der heiße Kuss im Regen auf dem Parkplatz des Sushi Restaurants, die Rückbank des Aston Martins, das kalte Glas der Fensterscheibe in seinem Nacken während die Luft im Wageninneren immer feuchter und wärmer wurde. Levis geschickte Finger, welche ihn viel zu früh zum Orgasmus brachten. Warum musste er sich ausgerechnet jetzt so detailliert daran erinnern?
     »Sollen wir kurz anhalten? Du siehst wirklich nicht gut aus«, riss Historia ihn aus seinen schlüpfrigen Erinnerungen und Eren konnte sich denken was sie meinte. Seine Wangen waren mit Sicherheit glühend rot, seine Augen glasig. Wie sollte sie auch ahnen, was wirklich in ihm vorging.
     »Nein, ist schon in Ordnung«, lehnte Eren hastig ab. Er wollte nur noch nach Hause, ins Bett. Vielleicht vorher noch eine schnelle Dusche. Vor allem aber allein sein, nicht in Gesellschaft der Frau deren bloßer Anblick ihn unablässig an seine Missetaten der vergangenen Wochen erinnerte.
     Sie nickte, die Augenbrauen jedoch skeptisch zusammengezogen.
     »Du bist seltsam in letzter Zeit.«
     Die Worte sorgten für Unwohlsein, Erens Eingeweide schienen sich zusammenzuziehen. Es war ihr also doch nicht entgangen, es war lächerlich gewesen, dass er sich selbst dies hatte glauben lassen. Historia hatte einen viel zu guten Sinn für den Gefühlszustand ihres Umfelds, eine der Sachen in die er sich damals so verliebt hatte.
     »Es ist eine schwierige Zeit«, erwiderte Eren brüchig auch wenn es nur die halbe Wahrheit war. Die Miene der Blondine wurde weicher, mitfühlend nickte sie und das was von Erens Herz noch über war, schien am Grund zu zerschellen.



Und, wer hat Mr. Asshole Ackerman vermisst? Was meint ihr, könnte seine schroffe Art dieses Mal daran gelegen haben, dass er ein wenig seine Gefühle schützen wollte? Sonst ist er Eren gegenüber mittlerweile ja ziemlich umgänglich...
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