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GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P12
11.11.2019
30.06.2020
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30.06.2020 400
 
12. September 2018


Es war ein heißer Spätsommertag, als der Brief mit der Post kam. Die Temperaturen waren auf über dreißig Grad geklettert und Berlin schwitzte schon seit Wochen. Unsere Altbauwohnung war verhältnismäßig lange kühl geblieben, kam nun jedoch auch an ihre Grenzen. Ich hatte einen kleinen Ventilator, den ich in der Abstellkammer gefunden hatte, vor das Bett gestellt und bewegte mich nur noch, wenn ich eine Seite in dem Buch, das ich gerade las, umblättern musste.

Dementsprechend genervt war ich, als es an der Haustür klingelte. Ich stöhnte und quälte mich vom Bett hoch, um zu öffnen. „POST!“, rief mir die Postbotin aus der Gegensprechanlage entgegen. Toll, dafür bin ich aufgestanden, dachte ich mir noch und wollte mich schon wieder auf den Weg ins Schlafzimmer machen, aber da fiel mir wieder ein, dass ich auf einen Brief von der Bank wartete, weil ich beim Feiern am letzten Wochenende meine EC-Karte in einen Gully fallen gelassen (Ich selbst konnte mich nicht mehr hundertprozentig daran erinnern, aber Freunde hatten das kleine Missgeschick zum Glück beobachtet…) und eine neue bestellt hatte.

Als ich die Wohnungstür öffnete, schlug mir vergleichsweise kühle Luft entgegen. Was für eine Wohltat. Zum Glück begegnete mir niemand im Hausflur, ich hatte nur kurze Sweatpants und ein lockeres Top ohne BH an. Tatsächlich lag etwas im Briefkasten. Es war jedoch kein kleiner Brief mit einer Karte drin, sondern ein großer DIN A4-Umschlag, der sehr offiziell aussah. Ich nahm ihn in die Hand und begutachtete ihn. Mir war immer etwas unwohl, wenn ein großer Umschlag ins Haus flatterte, meistens bedeutete das nichts Gutes. Doch dieser hier war für Jonas, nicht für mich. Im ersten Moment war ich erleichtert, doch dann las ich den Absender und war noch beunruhigter – Amtsgericht Tempelhof-Kreuzberg.

Das war nicht gut. Da war ich mir ganz sicher. Zurück in der Wohnung versuchte ich sofort, Jonas auf dem Handy zu erreichen, doch er ging nicht ran. Wie ich später erfahren sollte, lag er gerade bei einem Kollegen auf der Couch und rauchte einen Joint, um den ganzen Stress, den er in den letzten Wochen mit der Kindesmutter gehabt hatte, zu vergessen. Als er dann endlich nach Hause kam, starrte er mich aus geröteten Augen an, während ich ihm seine Vorladung zum Unterhaltsverfahren gegen ihn vorlas. Ein paar wenige Sätze auf Beamtendeutsch. Das war alles, was es brauchte, um meine heile Welt zu zerstören.