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His last Escort

OneshotSchmerz/Trost / P12 / Gen
Erik - das Phantom der Oper OC (Own Character)
11.11.2019
11.11.2019
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Ein fahler, Knochen bleicher Vollmond stand über Paris und tauchte die schlafende Stadt in unheimliches Zwielicht.
Tief, tief im siebten unterirdischen Stockwerk des pompösen Opernhauses, der geheimen
" Wohnung am See " brannte einsam eine einzige Kerze.
Mit ihren schwachen Licht schaffte sie es kaum die Umgebung aus zu leuchten und warf ihr  spärliches Licht
auf zerplatzte Wünsche, Träume und Hoffnungen.

Zerbrochene Möbel und andere Einrichtungsgegenstände lagen überall herum, Spiegelscherben glitzerten wie Diamanten zwischen verbrannten und in Fetzen gerissenen, unzähligen Notenblättern.
All die wundervollen Bilder die er einst von der kleinen Sängerin gezeichnet hatte waren zerstört.
Die prächtigen, riesigen Vorhänge die einst in lang vergangenen Tagen die Seiten der Opernbühne geschmückt hatten waren gewaltsam von den sonst kahlen Wänden gerissen worden.
Schon vor Tagen, nachdem das Phantom in blinder Wut und Enttäuschung hier alles zerstört hatte, war es in Trauer und Selbstaufgabe verfallen, hatte mit allen ab geschlossen.
Es war vorbei, alles wofür er das letzte Jahr gelebt hatte, vorbei.
Christine war fort, sie käme niemals wieder zurück.
Er war jedoch selbst Schuld an allen, er hätte diese naive, zarte Person nicht so grausam behandeln dürfen.
Eine Blume brauchte Licht um zu wachsen und er hatte sie klein gehalten, eingesperrt.

Gebrochen lang sein schwacher Körper auf dem kalten Boden des " roten Zimmer, " die Augen geschlossen, bis er eine leise, sanfte Stimme vernahm die wie aus einen Traum an seine Ohren drang.
" Erik. Erik, wach auf." flüsterte sie ihm zu, holte ihn langsam aus einer Tranche zurück in die Wirklichkeit, in das Hier und Jetzt.
Bebend fingen seine schweren Augenlider an zu flackern, als er leicht den Kopf in Richtung der zarten
Stimme drehte.
" Christine?" entkam es ihm heißer und er streckte die Hand nach dem vermeintlich geliebten Geschöpf aus.
" Du, du bist zu mir zurück gekommen." seine Brust verkrampfte sich zu einen rasselnden Hustenreiz, schüttelte den ohnehin schon kraftlosen Körper, trieb ihm die Schweißperlen auf die von Fieber glühende Stirn.
" Nein. Ich bin es. Sieh mich an." sprach die Frauenstimme auf ihn ein, legte ihm sachte eine Hand unter seinen Hinterkopf um diesen zu stützen.
Es bereitete dem Mann unglaubliche Mühen die Augen ganz zu öffnen um die Person an zu blicken welche dort halb zu ihm gedreht bei ihm saß.
Ein wunderschönes, junges Gesicht, braune Augen, braunes, langes Haar, sie sah Christine so ähnlich, doch sie war es nicht.
" Erinnere dich, erinnere dich an mich." die Unbekannte schenkte ihm ein mildes Lächeln, fuhr Erik mit der anderen Hand leicht, fast so zart wie ein Windhauch durch das schweißnasse Haar.

Angestrengt dachte er nach.
Woher kannte er sie?
Diese Augen, er kannte diese unglaublich sanften Augen, doch woher nur.
" Erinnerst du dich? Ich war bei dir. Mein Gesicht war das erste was du nach deiner Geburt gesehen hast. Ich war da in all den einsamen Tagen und Nächten welche du als Säugling verstoßen und weg gesperrt in deiner kleinen Wiege oben auf dem Dachboden verbracht hast. Ich tröstete dich an dem Tag an dem dir bewusst geworden war das dort im Spiegel kein schreckliches Monster lauerte, sondern das du dies selbst warst. Ich war da als die Nachbarskinder deine über alles geliebte Sally töteten, hielt deinen von ihnen schwerst verletzen Körper in meinen Armen." ihre Finger wanderten zärtlich über seine eingefallene Wange welche nicht von der Maske bedeckt war.
" Wie du verängstigt, ohne Schutz in deinen Gefängnis bei den Zigeunern gesessen hast, war ich ebenso in deiner Nähe. Damals in Mazendaran als das Mädchen vom Dach stürzte nachdem es dein Gesicht gesehen hatte, du dem kranken Jungen ein gnädiges Ableben beschert hast, auch da war ich zu Gegen. Und erinnerst du dich an die Nacht in der du fast gestorben bist? Als man dir geriebenes Glas in den Wein gemischt hatte? Da dachte ich es währe mit dir nun wirklich vorbei, doch du warst stark, du hast dich an dein Leben geklammert wie an einen Rettungsanker und hast überlebt."

Erik griff kraftlos nach der kleinen Hand die nun auf seiner Brust ruhte, blickte der schönen Gestalt aus müden, ungleichen Augen jetzt mitten ins Gesicht.
" Du.......du bist das. Ich........ich hielt dich immer für Einbildung. Meine stumme Begleiterin aus vergangenen Tagen. Ja, ich erinnere mich." erneut plagte ihn ein Hustenanfall, der ihn sich vorne über beugen ließ.
" Du bist gekommen um........" weiter kam er nicht, seine Stimme war so heiser, so kraftlos das sie ihm schlicht Weg diese versagte.
" Ja, ich bin hier um dich nach Hause zu holen." ihr warmes Lächeln blieb als sie ihm half sich mühevoll ein wenig auf zu richten bis sie ihn näher in ihre Arme ziehen konnte.
Behutsam legte sie die Arme um seinen mageren, ausgezehrten Körper.
" Dazu bin ich bereit, hier gibt es nichts mehr was mich hält." brachte das Phantom kaum hörbar über seine zitternden Lippen.

Langsam, ganz langsam nährte sich ihr schönes Gesicht dem seinen, er ließ zu das ihre filigranen Finger die Maske von seinen Gesicht lösten, die Hand auf der entstellten Gesichtshälfte liegen blieb.
" War denn alles umsonst gewesen? Sag mir, habe ich alles falsch gemacht? " kam die Frage eines gebrochenen Mannes.
Die augenscheinlich junge Frau welche ihn in ihren Armen hielt schüttelte leicht den Kopf.
" Nein, es war nicht alles schlecht und du bist auch kein schlechter Mensch. All die Umstände die in deinen Leben auf dich eingeprasselt sind haben dich zu dem gemacht was du bist. Dich trifft daran keine Schuld.
Deine Seele ist schön, Erik, sie ist wahrlich schön und darauf kannst du stolz sein. "
Wie sie spüren konnte das kraftlose Arme sich nun auch um ihren Körper legten, zog sie den Sterbenden so nahe wie nur möglich an ihn heran.
" Das zweite Mal, es ist das zweite Mal das ich von einen Engel berührt werde. " er klang glücklich und in diesen bedeutenden Satz klang Traurigkeit mit.

Nun berührten ihre Lippen die seinen, beide Münder vereinten sich zu einen wahrlich, langen und leidenschaftlichen Kuss und während er sie küsste, rollten Tränen über seine fiebrig, glänzenden Wangen und er schloss langsam die ungleichen Augen.

Das erste Morgenrot fiel auf Paris, tauchte die nun erwachende Stadt in flammendes Rot und Orange, während in der Wohnung am See die Kerze erlosch, das Zimmer in endgültige und nun ewig währende Finsternis hüllte.
Der Tod welcher immer noch den erkalteten, leblosen Körper des Phantoms in seinen Armen hielt, bettete nun diesen vorsichtig und behutsam auf dem kargen Steinboden.
Leicht erhob sie sich dann, blickte auf Erik hinab, streckte die Hand nach ihm aus.
Ein heller, bläulicher Nebel entschwand aus dem Leichnam, eine Hand griff nun nach der des Todes und beide entschwanden in  die Schatten.
Zurück blieb nur ein Körper auf dessen Gesicht sich ein friedliches Lächeln zeigte.
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