Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

9 – The Flying Doctors – Wie Wasser in der Wüste

von mops1980
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama / P12 / Gen
10.11.2019
22.03.2020
20
26.076
1
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
23.02.2020 1.385
 
Im OP gab eins der Überwachungsgeräte plötzlich einen schrillen Warnton von sich.
„Was ist los? Kelly?“, fragte Chris. In ihrer Stimme war Panik zu hören.
„Das ist nicht Kelly. Das Kind, die Herztöne werden schwächer.“, antwortete David.
„Das kann doch nicht wahr sein.“, war jetzt Geoff zu hören.
„Herztöne weiter fallend. Geoff, mach‘ was, sonst verlieren wir das Kind.“, erklärte David, während er auch Kelly weiter überwachte.
„Einen Kaiserschnitt? Das schafft Kelly nicht.“ Geoff sah zu David.
„Du weißt, was sie gesagt hat. Wir sollen das Kind retten, wenn es hart auf hart kommt.“ Es fiel David schwer, das zu sagen, immerhin ging es hier um die Familie seines besten Freundes.
„Ich kann sie nicht sterben lassen, beide nicht.“ Geoff atmete einmal tief durch. „Ich übernehme das Risiko und mache einen Kaiserschnitt.“
„Bist du dir sicher?“ Chris sah ihren Kollegen an. Nur mit Mühe konnte sie die Tränen zurück halten.
„Ja, bin ich.“, erklärte Geoff und machte den ersten Schnitt.
Auch Kate musste schwer schlucken, als Geoff mit dem Kaiserschnitt begann.

Tom hatte sich inzwischen etwas beruhigt und saß jetzt fast apathisch neben Tanya auf dem Stuhl. Seine Augen waren rot unterlaufen vom Weinen.
Tanya hielt seine Hand. Sie musste jetzt für ihn stark sein, auch wenn sie mindestens genau so besorgt um Kelly war, wie ihr Bruder. Sie war genauso den Tränen nahe. Die Callaghans waren ihre Familie, die einzige, die sie noch hatte.

Im OP war plötzlich Babygeschrei zu hören. Geoff hatte das Kind geholt und Chris übernahm das Baby, um es zu untersuchen. Kate nahm jetzt ihren Platz ein, während Annie die Instrumente anreichte.
„Es fängt an zu bluten. Klemme! Kate, saugen!“, gab Geoff knappe Anweisungen.
Es wurde hektisch, David gab Kelly Blutkonserven.
„Die Herzfrequenz wird arrhythmisch.“, erklärte David.
„Ich muss die Blutung stoppen, sonst verlieren wir sie.“ Geoff war angespannt.
„Geoff, der Blutdruck ist nicht mehr messbar.“
„Du musst sie halten, David.“
Inzwischen kam Chris kurz in den OP und erklärte, dass es dem Baby gut ging. Als sie sah, wie die anderen um Kellys Leben kämpften, musste sie schwer schlucken. Sie wandte sich vom Geschehen im OP ab und brachte das Kind auf die Säuglingsstation. Dann ging sie zu Tom.

Als Tom Chris auf sich zukommen sah, sprang er von seinem Stuhl auf. Tanya, die tatsächlich kurz eingenickt war, schreckte hoch.
„Was ist?“ Tom sah seine Kollegin erwartungsvoll an.
„Ich gratuliere, Tom. Du hast eine gesunde Tochter.“ Chris zwang sich zu einem Lächeln.
„Ihr musstet das Kind holen?“ Tom war völlig perplex. „Aber es geht ihr gut?“
„Ja, mit deiner Tochter ist alles in Ordnung.“ Chris legte eine Hand an seinen Oberarm.
„Was ist mit Kelly?“ Panik und Angst schwang in Toms Stimme mit. Ihm war bewusst geworden, dass Chris bisher nur von dem Kind gesprochen hatte.
„Geoff operiert noch. Es ist zu starken Blutungen gekommen.“
Tom fuhr sich durch die Haare.
„Wie stehen ihre Chancen?“ Tom schluckte. Tanya stand neben ihm und legte einen Arm um seine Schultern.
„Ich weiß es nicht.“, antwortete Chris wahrheitsgemäß. „Wir können jetzt nur abwarten. Aber Kelly ist zäh, sie hat schon so viel überstanden. Willst du deine Tochter jetzt sehen?“
„Ja.“
„Na, dann komm.“ Tom folgte Chris Richtung Säuglingsstation.
Tanya blieb zurück. Jetzt ließ sie ihren Tränen freien Lauf.
„Bitte lieber Gott, lass Kelly das überstehen.“, sendete sie ein Stoßgebet zum Himmel.

Zusammen mit Chris betrat Tom das Säuglingszimmer. Chris ging auf das einzige Bettchen zu und nahm die Kleine heraus.
„So meine Kleine, schau mal, da ist dein Daddy.“
Mit diesen Worten legte sie Tom seine Tochter in die Arme. Tränen der Rührung schossen ihm in die Augen.
„Meine Tochter.“, sagte er leise und strich vorsichtig über den dunklen Haarflaum. Auf einem Schild am Bettchen konnte Tom sehen, dass sie 2927 Gramm wog und 48 Zentimeter groß war.
Chris zog sich leise zurück. Sie wollte Tom ein bisschen Zeit mit seiner Tochter lassen. Angespannt ging sie Richtung OP, um zu erfahren, ob es Neuigkeiten von Kelly gab.

Tanya betrat jetzt das Säuglingszimmer. Tom saß mit dem Baby in einem Sessel. Gerade hatte er ihr das erste Fläschchen gegeben. Er sah auf, als seine Schwester reinkam.
„Schau mal, das ist deine Tante Tanya.“, erklärte er seiner Tochter, als wenn sie es genau verstehen würde.
„Hallo, kleine Maus.“, begrüßte Tanya ihre Nichte und streichelte ihr über die Wange. „Habt ihr schon einen Namen?“
„Darf ich vorstellen: Victoria Charlotte Callaghan.“ In Toms Stimme war Stolz zu hören, aber auch die Sorge um Kelly.
„Ein schöner Name. Hat er eine besondere Bedeutung?“
„Ja, Victoria ist Kellys Großmutter mütterlicherseits und Charlotte ist unsere Großmutter.“ Tom zeigte den Anflug eines Lächelns.
„Hör mal Tom, kann ich irgendwas tun?“
„Ja, eigentlich wäre das meine Aufgabe, aber es wäre schön, wenn du das übernehmen könntest.“, seufzte Tom, „Würdest du meine Mum und Kellys Eltern anrufen? Sie müssen schließlich Bescheid wissen.“
„Ja klar, das mache ich.“
Tanya legte ihm eine Hand auf die Schulter und verließ den Raum.
Kurz darauf betrat Geoff das Zimmer. Er trug noch die grüne OP-Kleidung und sah erschöpft aus. Tom sah Geoff fragend an und strich seiner Tochter über den Kopf.
„Tom, es gab Komplikationen. Der Blinddarm ist während der OP perforiert und das Bauchfell hat sich entzündet.“
„Wie ist ihr Zustand?“ Tom schluckte.
„Sie hat hohes Fieber und durch den Notkaiserschnitt hat sie viel Blut verloren. Wir mussten sie in ein künstliches Koma legen.“
„Nein!“ Tom sah seinen Kollegen entsetzt an.
„Tom… es… sieht nicht gut aus.“ Geoff war sichtlich betroffen.
„Sie darf uns nicht verlassen, wir sind doch jetzt eine Familie.“ Tom traten wieder Tränen in die Augen.
„Kelly wird engmaschig überwacht, bekommt Blutkonserven und Antibiotika. Wir können leider nur abwarten.“ An Geoffs Tonfall konnte man merken, wie nah ihm das alles ging.
Tom legte Victoria zurück in ihr Bettchen. Sie erholte sich von ihrem holprigen Start in die Welt und schlief.
„Ich will zu ihr.“
Der frisch gebackene Vater ließ Geoff einfach stehen und verließ den Raum.
Geoff sah ihm hinterher. Ein wenig machte er sich Vorwürfe. Hatte er die OP zu lange raus gezögert? Hätte er doch mit Tom operieren sollen und dadurch den Blinddarmdurchbruch verhindern können? Die Antwort auf diese Frage wusste wohl nur Gott allein.

Als Tom das Intensivzimmer betrat, überprüfte David gerade Kellys Werte. Bevor er schließlich den Raum verließ, legte er eine Hand auf Toms Schulter. Er wusste einfach nicht, was er sagen sollte. Es wäre falsch gewesen, wenn er gesagt hätte, dass alles gut werden würde, denn das wusste niemand.
Tom setzte sich an Kellys Bett und nahm ihre Hand. Sie war sehr blass und wurde künstlich beatmet. Wäre der Beatmungsschlauch und die vielen anderen Geräte nicht gewesen, hätte man denken können, sie würde nur schlafen.
„Hey mein Schatz.“, begann Tom zu sprechen. „Wir haben eine wunderschöne kleine Tochter. Ich war gerade bei ihr und Victoria ist kerngesund.“ Mit beiden Händen umfasste er ihre Hand und küsste diese. „Du darfst nicht gehen, hörst du? Ich brauche dich – wir brauchen dich. Bitte bleib bei uns.“

Tanya hatte inzwischen die Telefonate erledigt und wollte jetzt kurz mit Tom sprechen. Außerdem wollte sie natürlich auch wissen, wie es um Kelly stand. Sie betrat das Intensivzimmer von Kelly.
Tom saß dort nach wie vor am Bett und hielt Kellys Hand. Er hatte Tanya noch nicht bemerkt.
„Tom?“, machte sie leise auf sich aufmerksam. Dieser drehte sich langsam zu ihr um.
„Tanya…“ Sein Blick schien irgendwie leer.
„Wie geht es ihr?“
„Nicht gut. Sie hat hohes Fieber und sehr viel Blut verloren. Sie haben sie ins künstliche Koma gelegt.“
Tanya seufzte auf. Das hörte sich alles nicht gut an.
„Und wie geht es dir? Hast du schon was gegessen?“
„Ich habe keinen Hunger.“
„Du musst aber was essen, Tom. Deiner Frau und deiner Tochter ist nicht geholfen, wenn du hier zusammenklappst.“
Tom sah seine Schwester an. „Ich weiß, aber ich bekomme bestimmt nichts runter.“
„Okay, folgender Vorschlag: Ich besorge dir ein Sandwich und etwas zu trinken. Dann versuchst du es wenigstens, okay?“
„Na gut, wahrscheinlich gibst du sonst eh keine Ruhe.“
„Worauf du wetten kannst. Ach ja, bevor ich es vergesse. Deine Mum und auch Harriet und William wollen sich so schnell wie möglich um Flüge kümmern und dann herkommen. Sie melden sich, sobald sie mehr wissen.“
„Danke Tanya.“
„Das ist doch selbstverständlich.“, meinte diese nur und ging dann raus.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast