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9 – The Flying Doctors – Wie Wasser in der Wüste

von mops1980
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama / P12 / Gen
10.11.2019
22.03.2020
20
26.076
1
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09.02.2020 1.181
 
Mit quietschenden Reifen bog Tom auf dem Krankenhausparkplatz ein.
„Ich bin sofort wieder da.“, sagte Tom und rannte ins Gebäude.
„Eine Trage, ich brauche eine Trage.“, rief er, als er drin war.
„Tom, was ist los?“, fragte Geoff. „Haben die Wehen eingesetzt?“
„Nein, sie hat starke, stechende Schmerzen im Unterbauch, außerdem Übelkeit und Erbrechen. Auf dem Weg hierher hat sie sich zweimal übergeben.“, erklärte Tom, während er und Geoff sich mit einer Trage auf den Weg nach draußen machten.
„Hey Kelly.“, begrüßte Geoff die Krankenschwester, die längst auch zu einer guten Freundin geworden war, als er am Wagen ankam. „Wir helfen dir jetzt auf die Trage und bringen dich rein. Dann schauen wir was los ist, okay?“
Kelly nickte nur, da sie wieder von einer Schmerzwelle erfasst wurde. Inzwischen war auch Annie nach draußen gekommen und gemeinsam schoben sie Kelly ins Krankenhaus. Tom lief neben der Trage her und hielt Kellys Hand. Als sie am Behandlungsraum ankamen, wollte Tom natürlich mit rein.
„Stopp, du kennst die Regeln, Tom.“, wurde er von Geoff aufgehalten.
„Aber ich muss…“
„… hier draußen warten. Lass mich Kelly in Ruhe untersuchen. Sobald ich was weiß, gebe ich dir Bescheid.“ Geoff hatte eine Hand auf Toms Schulter gelegt, während er das sagte.
Tom fuhr sich frustriert mit beiden Händen durch die Haare, als sich die Tür zum Behandlungsraum schloss.

Geoff trat zu Kelly, um mit der Untersuchung zu beginnen.
„Also Kelly, du musst mir jetzt ein paar Fragen beantworten. Ist der Schmerz plötzlich gekommen?“
„Um ehrlich zu sein, hab ich seit zwei, drei Tagen immer mal wieder Schmerzen. Ich dachte, das wären Senkwehen. Aber heute fühlt sich das ganz anders an. Au…“ Wieder fuhr eine Welle des Schmerzes durch Kelly.
„Okay, dann schauen wir uns das mal an. Ich taste jetzt deinen Bauch ab, okay?“
Kelly nickte. Geoff schob ihr Oberteil hoch und begann, ihren Bauch abzutasten. Als Geoff eine bestimmte Stelle erreichte, zuckte Kelly zusammen.
„Tut es da weh?“
„Ja, was ist das nur?“
„Das war der McBurney-Punkt. Ich fürchte, du hast eine Appendizitis.“
„Wie bitte, eine Blinddarmentzündung? Ist es akut?“
„Das werden wir gleich sehen. Ich mache einen Ultraschall.“
Geoff holte sich das Ultraschallgerät heran, gab Gel auf den Schallkopf und setzte diesen auf Kellys Bauch.
„Also, mit dem Baby ist alles in Ordnung. Der Herzschlag ist kräftig und der Muttermund noch geschlossen. Es ist aber, was ich vermutet habe. Eine Appendizitis. Wir behalten dich zur Beobachtung erst mal hier. Ich gebe dir was gegen die Schmerzen.“
„Nein, keine Medikamente. Ich halte es aus, Geoff.“
„Bist du dir sicher?“ Geoff sah sie besorgt an.
„Ja, ganz sicher.“ Kellys Tonfall war sehr bestimmt.
„Gut, wie du meinst. Dann gehe ich jetzt mal zu deinem Mann. So wie ich ihn kenne, hat er bereits Furchen in den Fußboden gelaufen.“ Geoff lächelte sie an und drückte ermutigend ihre Schulter.

Vor dem Behandlungsraum lief Tom auf und ab. Er machte sich Vorwürfe. Warum hatte er am Morgen nicht darauf bestanden, zu Hause zu bleiben? Hatte sie schon länger Schmerzen? Das hätte er doch merken müssen. Zum gefühlt hundertsten Mal fuhr er sich frustriert durch die Haare.
„Tom?“ Geoff stand plötzlich hinter ihm. Tom war so in Gedanken gewesen, dass er seinen Kollegen nicht bemerkt hatte.
„Geoff… was ist los?“ In Toms Augen war Angst zu sehen.
„Mit dem Baby ist alles Ordnung. Der Muttermund ist noch nicht geöffnet und der Herzschlag ist kräftig.“
„Aber?“
„Kelly hat eine Appendizitis. Akut und weit fortgeschritten.“
„Verdammt. Dann geben wir ihr Antibiotika.“
„Die wird sie verweigern, denke ich. Sie hat gerade schon das Schmerzmittel abgelehnt. Also wird sie wohl kaum andere Medikamente nehmen.“
„Aber eine OP? Im neunten Monat? Das Risiko ist viel zu groß, für beide.“
„Ich gebe dir völlig Recht.“ Geoff sah seinen Kollegen und Freund mitleidig an.
Tom seufzte auf. „Ich rede mit ihr.“ Mit diesen Worten ging er ins Behandlungszimmer. Dort saß Annie neben der Trage und sprach ihrer Kollegin Mut zu.
„Annie, lässt du uns kurz alleine?“, fragte Tom, als er ins Zimmer trat.
„Ja klar.“ Annie verließ den Raum, nicht ohne vorher Kellys Hand ermutigend zu drücken.
Kelly sah ihren Ehemann an. „Es ist akut, oder?“ Es war mehr eine Feststellung, als eine Frage. Sie ahnte, dass Geoff ihr nicht alles gesagt hatte. Tom setzte sich zu ihr und nahm ihre Hand.
„Ja, weit fortgeschritten. Warum hast du denn nichts gesagt? Du musst doch schon länger Schmerzen haben.“
„Erst war es ja gar nicht so schlimm und ich dachte, es wären Senkwehen. Ich wollte dich nicht beunruhigen. Bitte, mach mir keinen Vorwurf, ja?“
„Aber nein, das mache ich doch gar nicht, Liebling.“ Er beugte sich etwas zu ihr und strich mit dem Zeigefinger eine einzelne Träne von ihrer Wange.
„Wie geht es jetzt weiter?“, wollte Kelly wissen.
„Im neunten Monat ein Blinddarm-OP zu machen ist ein zu großes Risiko. Wir versuchen, die Entzündung medikamentös zu behandeln.“
„Nein Tom, keine Medikamente.“
„Kelly, bitte…“
„Nein, ich will keine Antibiotika. Dann lieber die OP.“
„Kelly, bitte sei vernünftig.“
„Das bin ich und ich will ein gesundes Kind.“, entgegnete Kelly bestimmt.
„Glaubst du etwa, ich nicht? Ich will beides – ein gesundes Kind und eine gesunde Ehefrau.“
„Es bleibt dabei. Operation – und Tom, wenn etwas schief läuft… ich meine, wenn ihr euch entscheiden müsst, dann müsst ihr alles für das Baby tun.“
Tom stand auf und nahm ihren Kopf in beide Hände und sah ihr in die Augen.
„Das ist doch jetzt kein Thema!“
„Tom, versprich mir, dass unser Baby gerettet wird.“ Kelly brach in Tränen aus.
„Komm, mach dich nicht verrückt.“ Tom küsste sie auf die Stirn. „Mach dich bitte nicht verrückt. Es wird alles gut, hörst du? Alles wird gut.“
Er gab ihr einen weiteren Kuss und strich ihr beruhigend über die Wange. Laut schluchzte Kelly auf.

Nick Cardaci betrat das Pub mit einem Grinsen. Er wollte Mittagspause machen.
„Hallo Nancy, hallo Vic.“, begrüßte er die Eheleute Buckley.
„Hallo Nick. Was ist so lustig? Lässt du uns an deiner Freude teilhaben?“, wollte Vic von ihm wissen.
„Oh, ich glaube, Coopers Crossing ist bald um einen Bürger reicher.“
Fragend sahen Vic und Nancy ihn an. Sie wussten nicht, worauf Nick hinaus wollte.
„Na, ich habe gerade gesehen, dass Tom mit einem Affenzahn zum Krankenhaus gefahren ist, mit Kelly auf dem Beifahrersitz.“
„Oh, du meinst Kelly bekommt das Kind?“ Nancy war plötzlich ganz aufgeregt. „Wie wundervoll!“
Vic, der hinter ihr stand, grinste jetzt auch und holte ein Notizbuch hervor.
„Das ist gut, auf heute oder morgen hat noch niemand getippt. Mal sehen, ob es ein Junge oder Mädchen wird und welcher Name es wird.“
Nancy drehte sich mit einem vorwurfsvollen Blick zu ihm um. „Victor Buckley, hast du etwa wieder Wetten angenommen?“
„Du kennst mich doch, Nancy…“ Vic wusste, es hatte keinen Zweck, es zu leugnen und ärgerte sich über sich selbst. Scheinbar hatte er seine Gedanken laut ausgesprochen.
Nancy schüttelte missbilligend den Kopf. Das war so typisch für Vic und wahrscheinlich hatte Jack Carruthers mal wieder beide Augen zugedrückt und sogar mitgemacht.
Nick lachte nur, wusste doch jeder im Ort, wie gerne Vic bei großen Ereignissen zum Buchmacher wurde.
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