9 – The Flying Doctors – Wie Wasser in der Wüste

von mops1980
GeschichteDrama / P12
10.11.2019
22.03.2020
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Kelly gähnte herzhaft. Ihr Nachtdienst hatte erst vor drei Stunden begonnen, aber sie war jetzt schon hundemüde. Allerdings war es jetzt auch schon der siebte Nachtdienst in Folge.
Es war im Moment wie verhext. Tom und sie hatten kaum Zeit für einander, weil sie ständig versetzte Dienste hatten. Oftmals gaben sie sich morgens nur die Klinke in die Hand. Leider gab es im Moment viele Krankheitsfälle unter den Schwestern, sodass Kelly häufig einspringen musste.
Da es gerade ruhig war, holte sie sich einen Kaffee. Vielleicht konnte sie damit die Müdigkeit ein wenig überbrücken. Sie nahm einen großen Schluck und verzog im selben Moment das Gesicht. Irgendetwas stimmte mit dem Kaffee nicht. Dieser war aber schnell vergessen, da das Telefon klingelte.
„Coopers Crossing Hospital, Schwester Kelly?“, meldete sie sich.
„Kelly, hier… Sam.“ Der Pilot klang sehr aufgeregt.
„Sam, was ist los?“
„Emma… sie… bei ihr… die Wehen.“ Sam war so aufgeregt, dass er keinen vollständigen Satz herausbrachte. Kelly musste schmunzeln. In seinem Job war Sam immer besonnen und ruhig, aber in dieser Situation war er wie jeder werdende Vater, bei dessen Frau die Wehen eingesetzt hatten.
„Okay Sam, es ist jetzt sehr wichtig, dass du ruhig bleibst. So hilfst du Emma am besten. In welchen Abständen kommen die Wehen?“
„Ich… ich weiß nicht. Warte…“ Sam wandte sich vom Telefon ab und sprach wohl mit Emma. Kelly konnte nicht verstehen, was Emma sagte, aber die Stimme klang gereizt. „Emma sagt es ist auf jeden Fall Zeit fürs Krankenhaus.“, sprach Sam jetzt wieder mit Kelly. Diese musste ein wenig schmunzeln.
„Okay, du packst Emma jetzt ins Auto und kommst mit ihr her. Ich rufe Tom an, er hat Bereitschaft.“
„Ja okay.“ Sam schien sich etwas beruhigt zu haben.
„Gut, dann bis gleich. Fahr vorsichtig.“

Das Klingeln des Telefons drang an Toms Ohr. Im Halbschlaf tastete er nach dem Hörer.
„Tom Callaghan?“, meldete er sich verschlafen.
„Hier spricht deine Frau.“ Beim Klang von Kellys Stimme wurde Tom sofort etwas wacher. „Leider muss ich deine Nachtruhe stören, mein Lieber. Bei Emma haben die Wehen eingesetzt und sie sind auf dem Weg hierher.“
„Okay, ich bin gleich da.“
Als Tom aufgelegt hatte, schwang er sich aus dem Bett und ging ins Bad, wo er sich schnell frisch machte und anzog.
Einige Minuten später kam er zeitgleich mit Sam und Emma beim Krankenhaus an.
„Hallo ihr zwei.“, begrüßte er die beiden. „In welchem Abstand kommen die Wehen?“
„Alle zehn Minuten.“, antwortete Emma und wurde im nächsten Moment von einer neuen Wehe erfasst.
Tom und Sam griffen ihr unter die Arme und stützten sie. Kelly kam ihnen mit einem Rollstuhl entgegen. Emma setzte sich dankbar hinein und die Gruppe machte sich auf den Weg Richtung Kreissaal.

Einige Stunden später hatte Emma Presswehen. Die Geburt war also in der finalen Phase. Sam und Kelly standen jeder an Emmas Seite und hielten ihre Hand.
„So Emma, das Köpfchen ist da. Noch ein paar Mal pressen, dann hast du es geschafft.“, erklärte Tom.
Emma schrie auf, als die nächste Wehe kam.
„Liebling, du machst das wunderbar. Du schaffst das.“, wurde Emma von Sam ermutigt.
„Sam, tust du mir einen Gefallen?“, fragte Emma gereizt und sah ihren Mann an.
„Ja mein Schatz?“, antwortete dieser.
„Halt‘ die Klappe!“
Tom und Kelly lachten auf, als sie Sams Gesicht sahen. Dieser sah seine Frau nämlich entsetzt an.
Nur wenige Minuten später waren alle Schmerzen vergessen, als Emma und Sams Tochter das Licht der Welt erblickte. Lautes Babygeschrei erfüllte den Kreissaal.
„Sam, willst du die Nabelschnur durchtrennen?“ Tom hatte das kleine Mädchen in Emmas Arme gelegt. Diese sah glücklich auf ihre Tochter.
„Darf ich denn?“ Überrascht sah Sam zu Tom.
„Na klar. Das überlassen wir gerne den Vätern.“, erklärte Kelly und zeigte Sam, was er zu tun hatte. Überglücklich gab er seiner Frau einen Kuss, als die Schnur durchtrennt war.
Während Emma auf ein Zimmer gebracht wurde, untersuchte Tom das kleine Mädchen und stellte fest, dass alles in Ordnung war.
Kelly und Tom brachten das Baby schließlich zu den glücklichen Eltern. Die Mechanikerin sah erschöpft aus, aber glücklich.
„Sagt hallo zu eurer kerngesunden Tochter.“, sagte Kelly, als sie das Babybettchen ins Zimmer schob. „Und, habt ihr schon einen Namen?“, wollte die Krankenschwester als nächstes wissen. Sie legte das Baby in Emmas Arme.
„Ja, haben wir.“, erklärte die Mechanikerin und sah ihren Mann auffordernd an.
„Wir dürfen euch Kirsty Brianna Patterson vorstellen.“, erklärte Sam stolz und sah glücklich auf seine kleine Familie.
Kelly nahm ein Schild aus der Tasche ihrer Schwesterntracht und schrieb den Namen darauf. Während der Untersuchung hatte sie bereits das Gewicht von 3580 Gramm und eine Größe von fünfzig Zentimeter eingetragen. Das Schild befestigte sie an dem Babybettchen.
„Okay, wir lassen euch dann mal allein.“, meinte Tom und legte Kelly einen Arm um die Schulter. Zusammen verließ das Ehepaar Callaghan das Zimmer.

„Und, was machen wir jetzt mit dem angebrochenen Tag?“, fragte Tom, als sie am Empfang waren.
Kelly sah auf ihre Uhr. „Nun mein Herr, ich habe bereits seit einer Stunde Feierabend und dein regulärer Dienst beginnt in einer Stunde. Was hältst du von Frühstück bei Vic und Nancy? Dann haben wir wenigstens ein bisschen Zeit für uns.“
„Das ist eine gute Idee.“
„Okay, ich mache noch kurz eine Übergabe mit Annie und dann können wir gehen.“
Zehn Minuten später betraten sie Hand in Hand das Majestic, wo nicht viel los war, was auf jeden Fall der frühen Morgenstunde geschuldet war.
„Guten Morgen, ihr zwei. Ihr seid ja schon früh auf den Beinen.“, wurden sie von Nancy begrüßt.
„Guten Morgen Nancy. Ja, so ist das nun mal in unserer Branche.“, antwortete Kelly lächelnd. Sie würde Nancy bestimmt nicht erzählen, das Coopers Crossing eine neue Bürgerin hatte. Das sollte Sam lieber selbst bekannt geben.
„Wem sagst du das. Was kann ich euch Gutes tun?“
„Wir würden gerne frühstücken.“, antwortete Tom. „Ich nehme Rührei mit Speck, dazu Toast und Kaffee, viel Kaffee.“ Kelly musste schmunzeln, als sie Toms Bestellung hörte.
Nancy notierte sich Toms Bestellung und sah Kelly auffordernd an.
„Für mich bitte nur etwas Toast mit Vegemite und einen Orangensaft.“
Nancy notierte sich auch das und verschwand in der Küche. Tom und Kelly setzten sich an einen der Tische.
„Was ist los? Ein leichtes Frühstück ohne deinen geliebten Kaffee?“ Tom sah seine Frau erstaunt an.
„Sieh mich nicht so an. Wenn ich gleich schlafen will, sollte ich mir den Magen nicht so voll schlagen und vor allem keinen Kaffee trinken, so sehr ich Kaffee auch liebe.“
„Da gebe ich dir Recht. Was würde ich dafür geben, wenn ich auch ins Bett könnte.“ Tom unterdrückte ein Gähnen.
„Mein armer Schatz…“, meinte Kelly nur und strich mit einer Hand über Toms Wange. Tom nahm ihre Hand und hauchte einen Kuss darauf. Lächelnd sah Kelly ihm in die Augen.
Der Moment wurde von Nancy unterbrochen, die ihnen das Frühstück servierte, welches sie dann schweigend genossen.

„Schlaf gut, mein Schatz. Du siehst ganz schön müde aus.“, meinte Tom, als sie später wieder vorm Krankenhaus standen. Sanft streichelte er ihre Wange.
„Hab du mal sieben Nachtdienste hintereinander. Aber das war ja jetzt der letzte. Morgen bin ich mit Geoff auf Kliniktour.“ Kelly wollte schon ins Auto steigen.
„Hey warte, du fährst nicht ohne das hier.“, hielt Tom sie davon ab. Er legte einen Finger unter ihr Kinn und küsste sie zärtlich.
„Ich liebe dich.“, flüsterte er, als der Kuss endete.
„Ich liebe dich auch.“, kam die ebenfalls geflüsterte Antwort von seiner Frau. Tom nahm sie in die Arme und sie schmiegte sich kurz an ihn. Dann stieg sie ins Auto, winkte Tom nochmals lächelnd zu und fuhr davon.
Als Kelly zu Hause ankam, machte sie sich direkt bettfertig und schlüpfte ins Bett. Sofort schlief sie ein.
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