Der Fall: Percival Graves

von Steffi575
GeschichteFantasy, Freundschaft / P12
Albus Dumbledore Gellert Grindelwald Newt Scamander OC (Own Character) Percival Graves
10.11.2019
29.02.2020
4
7.039
4
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
10.11.2019 1.955
 
Mit einer sanften Bewegung ihres aus Birnenholz bestehenden Zauberstabes ließ die braunhaarige Dame mit den Namen Katerina Wolf, bekleidet mit einem langen, grauen fast silbernen Mantel, der ihr bis zu den Knien ging einen wortlosen Zauber wirken, der dafür sorgte, dass die ganzen Akten und Papiere auf dem feinsäuberlich gemachten Bett in ihrer braunen Lederumhängetasche gelangten, welche sie schon aufbruchbereit um den Hals trug. Nachdem sie mit einer weiteren Bewegung ihres Zauberstabes die Tasche zugemacht hatte, drehte sie sich nach hinten um und ging auf eine kleine Kommode gegenüber dem Bett zu. Der Spiegel, der über der Kommode an der Wand befestigt worden war, zeigte die Frau von vorne, die mit großen und doch elegant aussehenden Schritten auf diesen zuging. Unter dem geöffneten Mantel trug die Frau mit den gelockten, braunen Haaren, die ihr bis unterhalb der Schulter ging, ein weißes Hemd und eine dazu passende dunkelblaue Hose mit einem hellbraunen Ledergürtel um die Hüfte befestigt, der ihre sportliche Statur trotz des Mantels hervorhob. Ein schwaches Lächeln erschien auf ihrem relativ rund geformten Gesicht, als ihre goldbraunen Augen sich auf das lila Halstuch fixierten, welches auf der Kommode lag. Auf dem Halstuche befanden sich königsblaue Dreiecke in verschiedenen Größen, was perfekt mit dem matten lila Ton harmonierte. Katerina nahm das Halstuch mit ihren schwarzen Handschuhen in die Hand und legte sich diesen um den Hals, wo es schon seit vielen Jahren ihren Platz fand.

,,Fido!", rief die Braunhaarige durch die kleine Wohnung, als auch schon ein weißer Crup mit braunen Flecken, der für die Muggel aussah wie ein normaler Jack-Russell-Terrier Hund, aus einem Nebenzimmer gehechelt kam. Außer das Crups magische Tierwesen waren und bei der Geburt eine gegabelte Rute besaßen, unterschied sie vom Aussehen her nichts von der Muggel Hunderasse. Ein Crup war ein von Zauberern gezüchteter Hund und ein nützlicher Vielfraß, da er alles von Gnomen bis Autoreifen verspeisen konnte. Um einen als Haustier besitzen zu dürfen, brauchte man eine Crup-Halterlizenz, die bei der Abteilung zur Aufsicht und Führung magischer Geschöpfe beantragt werden konnte. Voraussetzung ist ein einfacher Test, bei dem der Antragsteller seine Fähigkeit nachweisen soll, den Crup in Wohngebieten der Muggel im Griff zu halten. Der Grund für diesen Test war, dass Crups sich gegenüber Zauberern sehr treu und zahm verhalten, aber gegenüber Muggeln sehr aggressiv werden. Crup-Besitzer sind gesetzlich verpflichtet, die Rute des Crups im Alter von sechs bis acht Wochen mit einem schmerzfreien Abtrennzauber zu entfernen, damit er den Muggeln nicht auffällt. Die Besitzerin des Crups erinnerte sich noch genau daran, wie sie den damals noch kleinen Crup-Welpen in der Stadt Berlin in der Nähe der Wagnereck-Gasse, die Hauptstraße des Einkaufsviertels für Hexen und Zauberer in Berlin, fand und mit nach Hause nahm, nachdem dieser sich mit aggressiven Gebell gegenüber den Muggeln, die dort gerade unterwegs waren, auf sich aufmerksam gemacht hatte. Da die Braunhaarige aus einer Zaubererfamilie stammte und selber Hexe war, konnte sie den ausgesetzten Hund beruhigen und ohne Probleme mitnehmen. Nachdem sie die Crup-Halterlizenz bekam und den Crup ab diesen Zeitpunkt offiziell behalten durfte, blieb dieser immer an ihrer Seite. Sie musste sehr viel Geduld und Willensstärke aufbringen, um ihren Fido das aggressive Verhalten gegenüber den Muggeln abzugewöhnen und ihm zu zeigen, dass Muggel auch nur normale Menschen waren, auf die man nicht böse sein musste. Seitdem sie das geschafft hatte, konnte sie sich mit Fido ohne Probleme in der Muggelwelt fortbewegen, ohne dass sie Angst haben musste, dass etwas passieren könnte. Fido sah ihrer Halterin neugierig an und bellte kurz fröhlich, als Katerina sich zu ihm runter beugte und ihn streichelte.

,,Zeit nach Hause zu gehen. Wir sind hier fertig.", sprach sie lächelnd mit klarer Stimme und stellte sich wieder gerade hin. Als selbsternannte Privat-Detektiven, ohne Zaubereiministerium oder Vorgesetzte im Nacken, hatte sie einen kleinen Fall in Ägypten und Rumänien bearbeitet und befand sich momentan in einem Gasthaus für Zauberer und Hexen im zuletzt genannten Land. In einer der ägyptischen Pyramiden, hatte sich ein kleiner rumänischer Langhorn Drache befunden, der dort aus einem Ei ausgebrochen ist und sein Unwesen getrieben hatte. Rumänische Langhorn Drachen besaßen dunkelgrüne Schuppen und lange, golden glitzernde Hörner, mit denen es seine Beute aufspießt, bevor es sie röstet. Das Ursprungsgebiet des Langhorns ist eines der weltweit wichtigsten Drachenreservate, in dem Zauberer aus aller Herren Länder eine Vielfalt an Drachen aus nächster Nähe studieren können. Es war mehr als ungewöhnlich, dass dieser Drache sich soweit von seiner Heimat entfernt befand, da Rumänische Langhorn Drachen nicht in Ägypten gezüchtet wurden, sondern ausschließlich in Rumänien. Mit Hilfe von Drachenwärtern, die aus einem ägyptischen Drachenreservat kamen und sich um die Zucht und Forschung von Drachen kümmerten, schaffte Katerina es zum einen den Drachen aus der Pyramide zu holen und in das nächstgelegen Drachenreservat zu bringen, bevor dieser nach Rumänien zurückgebracht wird, wobei die Drachenwärter in dieser Sache die ganze Arbeit getan hatten, und zum anderen schaffte sie es, den Fall nach einigen Tagen abzuschließen, da sie den Verantwortlichen für dieses Malheur in Rumänien ausfindig machen konnte. Wie sich am Ende herausstellte, wurde ein Ei aus dem rumänischen Drachenreservat heimlich entwendet und in Ägypten in der Pyramide versteckt. Der Schuldige wollte das Ei dort auf dem Schwarzmarkt für viel Geld verkaufen, da der Rumänische Langhorn Drache wegen des Handels mit ihren Hörnern, die zu Pulver gemahlen, als wertvolle Zutat für Zaubertränke gelten, in der Population beträchtlich geschrumpft war und sogar als auszusterbende Drachenart galt. Für Katerina war es eine große Genugtuung gewesen, die Schuldigen aufzuspüren und zu schnappen. Besonders wenn Unschuldige, wie in diesem Fall die Drachen, verletzt worden sind.

All ihre Fälle, die Katerina bisher bearbeitet hatte oder gerade dabei war zu lösen, dokumentiere sie genau in ihren Akten und dieser Fall hier gehörte noch zu den leichteren Fällen, die sie zu lösen hatte. ,,Komm, Fido, wir müssen zum Portschlüssel apparieren.", sagte Katerina und hielt dem Crup ihre linke Hand hin, während sie in der Rechten ihren Zauberstab hielt. Fido gehorchte sofort und reichte Katerina seine Pfote. Mit einem "Plop"-Geräusch lösten die beiden Gestalten sich ins Nichts aus und tauchten fast zeitgleich an einem anderen Ort wieder auf. Vor ihnen befand sich eine kleine Holzhütte, die mitten im Wald entfernt von den neugierigen Augen der Muggel stand, und als Ort genutzt wird, um mit einem Portschlüssel zu reisen. Katerina und Fido gelangten mit dem Portschlüssel in Deutschlands Hauptstadt Berlin, wo sie direkt weiter zu Katerinas Wohnung, die sich in mitten dieser Metropolen Stadt befand, apparierten. Die Braunhaarige sah sich prüfend in ihren eigenen Vier Wänden um, während sie ihre Umhängetasche auf ihrer braunen Leder-Couch fallen ließ. Da sie dieses Mal nur eine kurze Zeit weg war, hatte sich noch kein Staub in ihrer Wohnung angesammelt, wie es vor ein paar Monaten der Fall gewesen war, als sie ganze 3 Monate an einem kniffligen Fall in Italien gesessen hatte. Katerina musste sich in eine dort beheimatete Geheimorganisation einschleusen, die teure, meist illegale oder gestohlene, magische Artefakte und auch magische Tierwesen auf dem Schwarzmarkt weiterverkauften, um Geld daraus zu gewinnen. Es tat Katerina in der Seele weh, als sie gesehen hatte, wie die armen Tierwesen dort behandelt wurden. Doch die ehemalige Aurorin konnte am Anfang nichts tun außer zuzuschauen, damit ihre gelogene Identität nicht aufflog.

In solchen Momenten hasste und liebte sie ihren selbst ausgewählten Beruf zu gleich. Sie hasste es, dieser Ungerechtigkeit und Boshaftigkeit entgegenzublicken und dennoch liebte sie es, genau diese zu zerstören, um die Welt bei jedem neuem abgeschlossenen Fall ein bisschen sicherer und besser zu machen. Nach 3 Monaten hatte sie es dann mit Hilfe des deutschen Ministeriums geschafft, die Organisation von innen erfolgreich zu infiltrieren und aufzudecken. Mittlerweile saßen die ganzen Mitglieder der Organisation in Askaban, ein Zauberer Gefängnis der schlimmsten Sorte, bei der Katerina hoffte, niemals selbst darin zu landen. Von dem, was sie von dem Ort gehört hatte, würde sie sich lieber selber mit dem unverzeihlichen Avada Kedavra Fluch treffen, als ihre letzten Lebenstage hinter diesen Gittern zu verbringen. Die Vorstellung den Wächtern von Askaban, den Dementoren, die alles Glück und Freude aus einem heraussaugten, zu begegnen, sorgte für großes Unbehagen in ihr. Nein, auf so eine Begegnung würde sie lieber verzichten wollen. Katerina wandte sich ihrem Kamin zu, der gegenüber der Couch seinen Platz hatte, und entzündete mit ihrem Zauberstab ein kleines, wärmendes Feuer. Die Temperaturen in Rumänien waren um einige Grade niedriger als hier in Berlin, weshalb Katerina froh war, sich mit dem Kamin nun aufwärmen zu können. Auch wenn ihr grauer Mantel eigentlich sehr Wetter fest war, neigte Katerina dazu ihren Mantel offen zu lassen, da sie so bessere Beinfreiheit besaß und sich einfach besser bewegen konnte.

Für die gegenwärtige Zeit 1926 war es eigentlich nicht üblich, dass Frauen Hosen trugen und doch tat Katerina genau das, seitdem sie die deutsche Zaubereischule Tamaro erfolgreich verlassen hatte. Damals als Schülerin hasste sie es Röcke zu tragen, da sie sich dadurch eingeengt und in ihren Fähigkeiten eigeschränkt fühlte. Lächelnd erinnerte sie sich an die vielen Beschwerdebriefe zurück, die sie ihrem ehemaligen Direktor der Schule geschrieben hatte. Nur leider war sie dort bloß auf taube Ohren gestoßen. Ein Klopfendes Geräusch rechts von ihr am Fenster löste ihren starren Blick von dem Feuer. Die Detektivin zog eine Augenbraue hoch, als sie eine große braune Eule, die einen Brief mit ihrem Schnabel festhielt, draußen auf der Fensterbank sitzen sah. Ein neuer Fall? Das war der erste Gedanke, der der erwachsenden Frau in den Sinn kam. Privaten Briefverkehr, der nichts mit dem Geschäftlichen zutun hatte, führte sie nur selten, da sie echte Konversationen mehr bevorzugte. Menschen waren um einiges Aussagekräftiger, als sorgfältig ausgewählte Wörter auf Pergament oder Briefpapier.

Die ehemalige Tamaro-Schülerin öffnete das Fenster für die Eule und erlaubte ihr, sich auf ihrem Schreibtisch niederzulassen, der an derselben Wand zwischen den beiden Fenstern stand, die das Wohnzimmer mit Licht fluteten. Die Eule wirkte vom Flug ziemlich erschöpft, weshalb Katerina ihr ein Schälchen mit einem einfachen Aquamenti-Zauber mit Wasser füllte und ihr ein paar Kekse gab, welche sie vor einiger Zeit mal selber gebacken hatte. Nachdem die Eule versorgt war, die begeistert ihr Kekse zu verschlingen schien, widmete die Braunhaarige sich dem Briefumschlag zu, der die ganze Zeit über neben der Eule auf dem Schreibtisch gelegen hatte. Katerina musterte den hochwertig wirkenden Umschlag stutzig, da sie so eine Qualität bisher noch nicht in Händen gehalten hatte. Hätte sie es nicht besser gewusst, würde sie wahrscheinlich glauben, dass die Post vom deutschen Zaubereiministerium käme, allerdings benutzten diese einen anderen Umschlag, der aber von der Hochwertigkeit genauso gut sein musste. Sie kniff ihre Augen leicht zusammen, als sie mit ihren Fingern über das rote, ungebrochene Wachssiegel Strich, welches sich auf der Rückseite befand. Darauf zu sehen war das Siegel des MACUSA, der magische Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika, was man neben dem langen Schriftzug an der Seite auch an dem Adler in der Mitte des Siegels erkennen konnte. Was wollte der MACUSA von einer europäischen Privat-Detektivin? Dieser Gedanke kam ganz von selbst, als Katerina das Siegel durchbrach und den Brief herausholte. Katerina wusste, dass sie sich in den letzten Jahren einen großen Namen in der Zaubereiwelt gemacht hatte, der sogar bis außerhalb von Europa ging und ihr war auch klar, dass das deutsche Zaubereiministerium ihre Alleingänge all die Jahre nur durchgehen ließ, da sie erfolgreich mit dem war, was sie tat. Dennoch überraschte dieses Nachricht von Amerika, die sogar vom magischen Kongress selber kam, sie, da die Braunhaarige mit denen da drüben bisher noch nichts am Hut hatte. Sie wusste nicht einmal, dass sie sogar Bekanntheit in Amerika besaß.
,,Na schön. Welcher womöglich neuer Fall erwartet mich diesmal?", fragte sie sich selber neugierig, faltete das Papier auseinander und begann konzentriert die englisch geschriebenen Zeilen zu lesen.
Review schreiben