Geschichte: Freie Arbeiten / Prosa / Erotik / Domina

Domina

von Nakago
GeschichteDrama / P18
10.11.2019
08.12.2019
5
17178
10
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Dieses Kapitel
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Domina

Prolog
Damals 2007


Ich lasse mein Skateboard ausrollen, steige ab und trete es mit einem Nose Pick up hoch in meine Hand. Mit einem unguten Gefühl betrachte ich das graue einstöckige Haus mit einem traurig hängenden Sternenbanner in der sengenden Nachmittagssonne von Kalifornien vor mir, in dem seit einen halben Jahr meine Mutter bei ihrem aktuellen Stecher Sean haust. Ich habe schon deutlich schlechter gewohnt, gibt es hier sogar ein Zimmer für mich, auch wenn es nur ein Feldbett in einem zu einem Lagerraum umfunktionierten Schlafzimmer ist.

Leise schließe ich die Haustür auf, streife meine Skateboard Sneaker ab und versuche leise barfuß  in mein Zimmer zu schleichen, um einen neuen schwarzen Sport BH anzuziehen, da der hier komplett durchgeschwitzt ist. Meine schwarzen Biker Shorts mit einer seitlichen Schnürung sind zwar auch nicht taufrisch, aber für die habe ich gerade keinen gewaschenen Ersatz parat. Im Haus ist es erfrischend kühl, die Klimaanlage summt auf hochturen. Ich höre die Dusche aus dem Bad des großen Schlafzimmers im hinteren Teil des Hauses. Es ist zwar kurz nach vier Uhr Nachmittags und draußen in den staubigen Straßen von Fresno herrschen 40 Grad im Schatten, aber meine Mutter duscht nur, wenn sie es vorher getrieben hat. Also meist mehrmals am Tag. Sean ist nicht zu sehen, meist hockt er auf der hinteren überdachten Veranda, wenn er nicht gerade meine Mutter vögelt. Leise kann ich einen der Deutschen Schäferhunde bellen hören. "Elendige Verräter!", denke ich und da höre ich auch schon Sean rufen: "Livi! Schwing mal deinen kleinen knackigen Arsch her und bring ne Dose Bier aus dem Kühlschrank mit!"

"Fuck!", fluche ich verhalten und wäge meine Optionen ab. Ich könnte so tun, als habe ich ihn überhört, flitze in mein Zimmer, schnappe mir meine Fitnesssachen und mach, dass ich ins MMA Dungeon komme. Dort habe ich heute eine Trainingseinheit, habe aber noch locker Zeit da hin zu kommen. Sean konnte sehr nachtragend sein, wenn man einen seiner direkten Befehle ignorierte, da er ja der Herr im Hause war und Respektlosigkeit gegenüber seine Person nicht duldete. Nicht das er mir was tun würde, dass würde die Finsternis mit größtem Vergnügen übernehmen. In der letzten Zeit war es mir gut gelungen, ihr auszuweichen, da sie die ganze Zeit mit Sean beschäftigt ist und ich nur zu den notwendigsten Anlässen hier aufkreuze. Wenn ich Sean also gehorchte, war das momentan der Weg des geringsten Widerstandes.

Obwohl ich absolut keinen Bock auf Sean habe, gebe ich mir einen Ruck und gehe den kurzen Gang in den großen Raum, wo sich Küche, Esstisch und die bequeme Couchgarnitur befinden. Der halbe Kühlschrank ist voll von Bierdosen der Marke Budweiser und ich greife mir eine. Sean flegelt sich nur mit Boxershorts bekleidet in einem Gartenstuhl auf der überdachten Veranda. Auf dem Tisch sind schon sechs Dosen in Reih und Glied aufgereiht. Im Aschenbecher glimmt liegen neben Zigarettenstummel auch die Reste von einem Joint, der nach dem Gestank zu urteilen hier erst kürzlich abgeraucht ist. Ich kann auch deutlich den Alkohol riechen, der von ihm ausdünstet. Bier, Hasch und vierzig Grad im Schatten sind keine so gute Kombination. Ich weiß nicht, ob er die sechs Dosen alleine hinter die Binde gekippt oder meine Mutter auch ein paar davon geleert hat.

Zwei Deutsche Schäferhunde hecheln im Schatten der Veranda um die Wette. Anne und Frank hat Sean sie benannt und die Ähnlichkeiten mit einer berühmten jüdischen Schriftstellerin kommen nicht von ungefähr. Beide schauen kurz zu mir her, aber ihre Aufmerksamkeit verfliegt vollständig, als sie sehen, dass ich kein Leckerli für sie dabei habe.

"Was hat so lang gedauert?", fragt er und ich regestriere, dass seine Stimmung eine gefährliche Mischung aus gelangweilt, betrunken und genervt ist. Als ich ihm das Bier geben will, packt er mich am Handgelenk und zieht sich zu mir her. Mir bleibt gar nichts anderes übrig, als auf seinem Schoß platz zu nehmen, was mir äußerst unangenehm ist.

"Ahhh! Das tut gut!", meint er, als die kühle Bierdose an seine Wange mitsamt meiner Hand drückt. Man könnte durchaus sagen, dass Sean nicht nur gutaussehend, sondern richtig heiß ist. Knapp ein Meter achtzig groß, breite Schultern und auf natürliche Weise von der Sonne Kaliforniens gebräunt. Da er regelmäßig trainiert, hat sein Waschbrettbauch ein richtig modelliertes Sixpack. An den oberen muskulösen Armen hat er coole Tattoos in Form von Tribals. Seine schmutzig blonden Haare sind militärisch kurz geschnitten, als wäre er immer noch bei den Marines. Ich weiß, dass er Mitte dreißig ist, sieht aber zehn Jahre jünger aus. Sean kann auf seine Art durchaus witzig sein, auch charmant und zuvorkommend, wenn er nur will. Gewinnendes Wesen nannte man das und er war in der Lage, so ziemlich Jede in sein Bett zu bekommen. Nicht das er sich bei meiner Mutter hätte anstrengen müssen. Seit schon viel zu langer Zeit war sie ziemlich finster drauf und da juckte ihre Muschi eigentlich immer.

"Könntest du mich bitte wieder loslassen?", frage ich, da ich die Situation als äußerst unangemessen empfinde. Der Mann, auf dessen Schoß ich sitze, könnte vom Alter her mein Vater sein. Und er ist der Freund meiner Mutter und Finsternis teilt nicht.

"Hat dir schon jemand gesagt, was für ein heißer Feger du bist?", fragt er mich und mir gefällt die Wendung überhaupt nicht, welche dieses Gespräch nimmt. Der Geschmack meiner Mutter war nicht der Beste und Sean gehörte zu den Typen, die sie aufriss, wenn sie finster drauf war. Den so nett Sean auch auf dem ersten Blick aussah, der Reichsadler mit Hakenkreuz im Lorbeerkranz auf seiner breiten muskulösen Brust machte jedem deutlich, welchem Gedankengut dieser Mann inzwischen ganz offen huldigte. Und es sagte schon viel über ihn aus, dass er seine Hunde Anne Frank rief.

"Hmm", meine ich scheinbar überlegend und antworte dann: "Ungefähr zwanzig bis vierzig mal pro Tag." Vor einem Jahr fing ich an in die Höhe zu schießen und bin inzwischen mehrere Zentimeter größer als meine Mutter. Meine Körperform entspricht dem westlichen Schönheitsideal der Sanduhr. Und es gibt sehr viele Jungs und Männer, die hinter mir eher harmlos herpfeifen. Andere Bemerkungen sind noch halbwegs witzig, wenn auch schon durchaus sexistisch. Aber viele sagen zu mir unverblümt Dinge, die unter aller Sau sind. Alle Welt glaubt, wenn man blond, blauäugig, wegen der Hitze durchaus leicht bekleidet ist, dazu noch etwas Holz vor der Hütte hat, einen knackigen Arsch und eine schlanke Taile, dass man dann automatisch für jeden Verfügbar ist. Dank meines Skateboards kann ich den meisten Spinnern schnell genug davon fahren, bevor ich kotzen muss. Oder mich genötigt fühle, ihnen meinen Skateboard so in die Fresse zu hauen, dass sie ihre Zähne schlucken.

"Ich muss noch ins Dungeon, trainieren. Kannst mich also ruhig wieder loslassen", verlange ich ein weiteres mal und lege meine freie Hand auf seinen Brustkorb, um mich abzustützen, da er sein Gewicht zu sich verlagert, so dass ich mich näher zu ihm hinbeugen muss. Ich versuche meine Verärgerung nicht zu zeigen, da ich die Erfahrung gemacht habe, dass dies Männer seiner Art eher anmacht.

"Du bist so ein schönes Mädchen. Ich kann mir vorstellen, dass alle Jungs verrückt nach dir sind", fährt Sean fort, ohne auf meine Worte zu achten.

"Deswegen gehen die ja hier auch ein und aus", erwidere ich ironisch, da ich noch nie Besuch hier hatte und überlege, wie ich auch dieser Situation wieder heraus kommen soll. Zum einen gehört der Großteil meiner Freunde zu die Typus Mensch, die Sean und seinesgleichen als Bohnenfresser, Nigger oder Schlitzaugen bezeichnen. Zum anderen schäme ich mich für meine Mutter und will nicht, dass meine Freunde sie näher kennen lernen.

Sean hat mehr intus, als ich zuerst gedacht habe. Obwohl er erst vor kurzem mit meiner Mutter getrieben hat, ist er auf eine Art drauf, die äußerst gefährlich ist. "Meine Mutter könnte jederzeit kommen und du weißt, wie verrückt sie ist."

"Oh, ich weiß wie oft deine Mutter kommt. Wahrscheinlich besorgt sie es sich gerade mit dem Brausekopf", meint er anzüglich und ich könnte glatt auf ihn kotzen. Selbst wenn ich das Wort "Unangemessen" in seine Brust schneiden würde, Sean würde immer noch nicht kapieren, was er für ein sexistisches chauvinistisches Schwein doch ist. Hebephil ist er eigentlich nicht und wahrscheinlich kennt er nicht mal die Bedeutung dieses Wortes, was nichts anderes bedeutet, dass die Präferenz auf frisch pubertierte Jungfrauen liegt. "Und deine Mutter ist wirklich die verrückteste Schlampe, die je gefickt habe. Und ich habe schon einige wirklich verrückte Schnallen durchgevögelt. Aber auch niemanden, der so gut bläst wie sie. Schluckst du wie deine Mutter oder spuckst du?"

"Sean! Das reicht jetzt, OK? Das ist Scheiße noch mal nicht mehr cool! Lass mich jetzt bitte los!" In meiner Stimme schwingt die Wut hörbar mit, die inzwischen in mir hochkocht. Ich versuche mit Kraft von ihm wegzukommen, aber das einzige Resultat ist, dass er mich so fest packt, dass es weh tut. Aus Erfahrung weiß ich, dass das blaue Flecken geben wird. Ich habe zwar Sommerferien, aber solche Flecken sind nicht cool und bei der Hitze kann ich nichts langärmliges tragen. Natürlich kann ich es auf einen "Trainingsunfall" vom MMA schieben. Früher war es meine sprichwörtliche Ungeschicklichkeit, die mich gegen Tische oder Türrahmen hat rennen lassen. Oder lange Treppen, die ich herunter gefallen bin.

"Man könnte meinen, du magst mich nicht", erwidert er ungerührt. Mir gehen so langsam die Optionen aus. Gebe ich nach, wird Sean das weiter ermutigen. Wehre ich mich, tat er mir nur mehr weh.

"Das könnte an dem da liegen!", sage ich ehrlich und weise auf seine muskulöse Brust, auf dem sich der Reichsadler mit dem Hakenkreuz befindet.

"Du darfst nicht glauben, was die jüdische Presse für Lügen verbreitet. Die haben den Holocaust nur erfunden, um ihr Israel gründen zu können." Das sagt Sean im Brustton der Überzeugung. Ich weiß, dass er diesen ganzen Schwachsinn wirklich glaubt. Schließlich lebt er davon, da er einen kleinen Onlinehandel mit angeblich echten Nazikram über Ebay und andere Plattformen betreibt. Das Geschäft läuft so gut, dass er täglich nur zwei Stunden arbeitet und den Rest des langen Tages seinen Hobbys nachgeht. Also Gewichte stemmen, mit seiner Playstation zu zocken, auf der Veranda Joints rauchen, an seinem Chevrolet Camaro herumschrauben und meine Mutter zu vögeln.

"Das macht voll Sinn", erwidere ich im neutralen Tonfall, da ich mich auf keine politische Diskussion mit ihm einlassen will. Aus Erfahrung aus früheren Diskussionen weiß ich, dass er auf kein rationales Argument zu hören bereit ist.

"Du musst wissen, es waren der Mossad, die den 11. September verursacht haben. Die Juden ziehen überall die Strippen und wollen die Weltherrschaft. Der Jude ist unser größtes Unglück!" Unter anderem verkauft er auch Bücher über den 11. September, wo genau das drin steht. Da ich in seinem Lagerraum penne, habe ich aus Langeweile in ein paar von diesen Machwerken hin gesehen.

"Klar, der Jude ist an allem Schuld", erwidere ich in der Hoffnung, wenn ich ihm recht gebe, lässt er mich vielleicht los, bevor die Finsternis über uns kommt.

"Kluges Mädchen!", meint er und dann ist der Daumen seiner linken Hand an meinem Kinn.

"Scheiße! Sean! Lass das!", verlange ich mit Nachdruck und versuche mit meiner linken Hand die seine wegzudrücken. Es ist nicht wirklich überraschend, dass es mir nicht gelingt. Er will mich provozieren und spielt mit dem Feuer.

"Ich kann die Dusche nicht mehr hören. Die Finsternis kommt gleich!", warne ich eindringlich in der Hoffnung, dass er noch zur Vernunft kommt, bevor die Lage hier eskaliert.

"Du siehst aus wie deine Mutter, nur sechzehn Jahre jünger", erwidert er vollkommen gleichgültig mit einer monotonen Stimme und dann drückt er mit seinem Daumen zwischen meine Lippen. Ich bin versucht, in seinen Daumen zu beißen, aber ich kalkuliere die Konsequenzen. Dieser Mann kann mich totschlagen, da er viel stärker, schwerer und kampferfahrener ist. Ich fühle mich machtlos und das macht mich wirklich wütend. Das schlimmste ist, ich denke, er ist noch nicht einmal wirklich an mir interessiert. Er spielt nur ein sehr gefährliches Spiel, nur um zu sehen, was gleich passieren wird.

Dann ist die Finsternis über mir. Ich habe meine Mutter nicht mal kommen hören. Brutal packt sie mich an meinen Haaren und reißt mich von Sean herunter. Ein unglaublicher Schmerz explodiert. Das tut so weh, dass Tränen in meine Augen schießen und ich nur noch alles verschwommen sehe. Wegen der Sonnenstrahlung trage ich ein Basecap der Edison Tigers und habe meine langen Haare durch die hintere Öffnung geführt. Was einen guten Griff ermöglicht. Daran zerrt sich mich zurück ins Haus. Auf die Idee, dass Sean vielleicht mich gegen meinen Willen festgehalten hat, kommt Finsternis erst gar nicht. Wenn meine Mutter so drauf ist, bin immer ich Schuld, selbst wenn die Erde bebt oder eine Hitzewelle über uns drüber schwappt.

"Du verschissene kleine Schlampe! Ich werde dir verfickten Hure zeigen, wo dein Platz ist!", mit diesen Worten schleudert sie mich zu Boden. Ich schlittere kurz über den Parkett, bevor ich zu Ruhe komme. Ehe ich reagieren kann, spüre ich einen Schlag mit einer Gürtelschnalle auf meinem Rücken. Das tut ordentlich weh. Offensichtlich hat die Finsternis vor, mit dieses mal mit einem Gürtel zu verprügeln. Letztes mal hat sich mich vor einem Dreiviertel Jahr so richtig durch die Mangel gedreht und so lange mit einem hölzernen Kleiderbügel wegen einer Nichtigkeit auf mich eingeschlagen, bis der zerbrochen war. Ich konnte danach zwei Wochen nicht in die Schule gehen. Aber seitdem bin ich um drei Zoll gewachsen, hatte trainiert und bin stärker geworden. Und ich hatte damals beschlossen, dass dies das letzte mal gewesen war, dass die Finsternis mir die Scheiße aus dem Leib geprügelt hat. Seitdem trainiere ich verschiedene Kampfsportarten, wobei ich bei vielen nicht über das kostenlose Probetraining hinaus gekommen bin. Nur beim MMA Dungeon konnte ich den Besitzer überzeugen, mich umsonst zu trainieren. MMA war nicht die beste Art sich zu verteidigen, aber mir ging es auch eher darum, der Finsternis weh zu tun, falls es wieder so weit sein würde. Zwar musste man mindestens sechzehn dafür sein, aber ich habe einen gefälschten Schülerausweis, der besagt, ich wäre schon so alt. Durch meine Körpergröße gehe ich teilweise schon als Erwachsene durch.

Die Finsternis holt ein weiteres mal mit dem Gürtel aus. Dahinter steht in sicherem Abstand Sean und sieht dem treiben meiner Mutter interessiert zu. Er hatte den Gesichtsausdruck eines bösen Jungen, der kochendes Wasser in einen Ameisenhaufen schüttet und dann genüsslich dem Chaos zusieht. So lange nichts von seiner ach so wertvollen Einrichtung zu Bruch ging, würde er nicht eingreifen.

Meine Mutter, die nur Jeans Hotpants und einen Bikini mit dem Sternenbanner trägt, steht neben mir. Ich rolle von ihr weg und der Gürtel trifft nur den Parkett. Das hinterlässt eine Delle und ein paar Kratzer.

"He ihr Schlampen, macht bloß den Boden nicht kaputt!", ruft Sean drohend und für einen kurzen Moment zögert die Finsternis. So komme ich auf die Beine, bevor sie ein weiteres mal mit dem Gürtel zuschlagen kann.

"Mommy!", versuche ich meine Mutter an die Oberfläche zu bringen. "Mommy! Mach, dass die Finsternis aufhört!" Manchmal klappte das und die Finsternis verschwand. Aber heute wohl nicht.

"Ruf nur nach deiner Mommy! Die sitzt im Dunkeln und heult nur rum!", höhnt die Finsternis und versucht wieder auf Schlagdistanz zu kommen. Inzwischen ist es mir gelungen, die im Raum stehende, mit schwarzen Leder bezogene Sitzgruppe zwischen sie und mir zu bringen.

"Hör auf! Ich will Mommy und der Lady nicht weh tun!", versuche ich trotz besseren Wissens das wohl unvermeidliche heraus zu zögern. Wenn ich Finsternis schlage, tu ich auch den anderen Persönlichkeiten meiner Mutter weh, da sie ja zwangsläufig im gleichen Körper wohnen.

"Ich will Mommy und der Lady nicht weh tun", äfft sie meinen Tonfall nach und versucht mich in die Enge zu treiben. "Ich werde dir die verschissene Scheiße aus deinem verfickten Leib prügeln, du verwichste kleine Hure. Du geile Fotze wirst dich nicht an meinem Sean vergreifen. Ich hab dich gewarnt, bei Gott, ich hab dich beschissene Bitch gewarnt!"

"Und ich dich!" Es ist genug! Während sie mit dem Gürtel ausholt, stehe ich in perfekter Schlagdistanz vor ihr und verpasse ihr einen hohen Roundhousekick gegen den Kopf. Gegen einen Kämpfer ist ein so hoher Tritt in der Regel eher Wahnsinn. Aber die Finsternis kann sich nur an Schwächere vergreifen oder aus dem Hinterhalt angreifen. Sie versteht nichts vom kämpfen. Ich inzwischen schon! Ich fege meine Mutter von den Beinen und sie knallt voll mit dem Gesicht auf den Boden. Das hat gesessen! Mit aller Selbstbeherrschung muss ich an mich halten, um nicht auf die Finsternis, die am Boden liegt, einzutreten.

"Bleib unten, Finsternis oder du wirst es bereuen!", befehle ich ihr und baue mich in optimaler Distanz zu ihr auf. Sean schaut der Sache immer noch zu und erfreut sich hämisch grinsend am Chaos, dass er angerichtet hat. Irgendwie scheint es ihm einen Kick zu geben, Mutter und Tochter miteinander kämpfen zu sehen.

"Du beschissenes Miststück! Ich bring dich um!" Mit diesen Worten versucht sie aufzustehen.  Vierzehn Jahre lang hat die Finsternis immer wieder die Oberhand über meine Mutter gewonnen und jedes mal ist dann was Schlimmes mit mir passiert. Aber heute nicht.

Vor einem dreiviertel Jahr, als die Finsternis endlich von mir abgelassen hatte und ich heulend zusammen gerollt auf dem Boden lag, war mir klar geworden, dass es nur zwei Wege gab. Entweder ich akzeptiere, dass Finsternis mir überlegen ist und richte meinen Zorn gegen mich selbst. Oder ich steh auf, unternehme etwas und richte meine Wut nach außen. Ich hab mich für letzteres entschieden.

"Ich hätte dich aus dem Leib herausreißen sollen, als es noch ging. Aber deine dumme Mommy wollte dich nicht abtreiben. Das wäre unchristlich! Diese verdammte Katholikenfotze! Aber heute ist Schluss! Heute mach ich dich verhurte Missgeburt alle!" Die Stimme der Finsternis wird mit jedem Satz lauter und sie versucht sich hochzustemmen.

Für einen kurzen Moment sehe ich rot und trete mit aller Kraft in ihr Gesicht. Es knirscht, als ihr Nasenbein bricht und sie heult auf, als sie auf den Boden knallt. Das hat gesessen! Blut schießt aus ihrer Nase und besudelt den Boden. Heute zahle ihr etwas von dem zurück, was sie mir die letzten vierzehn Jahre immer wieder angetan hatte. Die Prügel, die Demütigungen, die hämischen Bemerkungen und das unaussprechliche, wenn sie mich in der Finsternis zu sich ins Bett geholt hatte.

"Ey, Scheiße, Livi, du bringst die Schlampe ja noch um!", mit diesen Worten geht Sean auf mich zu. "Was für eine Scheiße, Echt!" Das Gesicht meiner Mutter schwillt bereits an, ein Auge würde wohl komplett zu gehen und aus ihrer gebrochenen Nase floss Blut. Mit dem gesunden Auge fixierte sie mich und ich konnte sehen, wie die Finsternis von ihr wich. Viel zu spät!

"Lauf, kleine Schwester, lauf! Und komme nie zurück oder die Finsternis wird dich töten!" Es war mehr ein Flüstern, aber ich konnte die Lady verstehen. Die Lady kam immer, wenn die Finsternis zu viel Scheiße gebaut hatte. War die Finsternis brutal, dumm, kleingeistig und selbstzerstörerisch, war die Lady das absolute Gegenteil. Eloquent, klug, redegewandt und konnte unglaublich gut lügen. Die Lady funktionierte, brachte immer Ordnung ins Chaos und sorgte dafür, dass die Taten der Finsternis keine wirklichen Konsequenzen für sie selbst hatte.

Es gab noch eine dritte Person in der Frau, die mich geboren hatte. Das war Mommy. Liebevoll, aber immer überfordert und realitätsfern. Sie war es, welche die ersten meiner Lebensjahre dominiert hatte und mir das blaue vom Himmel versprochen hatte. Aber immer wieder war die Finsternis in ihr stark geworden und ihr handeln bestimmt. Ich habe nicht eine Mutter, sondern drei, die unterschiedlicher nicht sein konnten. Auf sehr schmerzhafte weise hatte ich gelernt, auf die kleinsten Anzeichen zu achten um zu sehen, wer da im Körper meiner Mutter vor mir stand.

"Du hast zehn Minuten, Livi. Wenn du dann noch hier bist, mach ich dich alle. Musstest du es echt so übertreiben? Sie ruiniert mir den Paketboden mit ihren Blut. So eine Scheiße auch!", jammert Sean und es war bezeichnend für seinen Charakter, wo hier seine Prioritäten lagen. Aber mir ist auch klar, dass er das Todernst meint.

Das Gefühl des Triumphs erlosch. Ich habe gesiegt, aber der Preis ist zu hoch gewesen. Die Lady hatte Recht, die Finsternis war rachsüchtig und ihre Vergeltung absolut. Sie würde mich töten, wenn ich hier blieb, sobald es ihr wieder besser ging. Die Finsternis konnte gar nicht anders. Sean hatte einige Waffen, wie eine halbautomatsiche Pistole der Marke Glock und ein AR-15 Schnellfeuergewehr, welches gerne von Amokläufern benutzt wurde. Aber wahrscheinlich würde die Finsternis ein Messer nehmen oder einen Knüppel. Und es würde nicht schnell gehen.

"Mommy, Lady, macht´s gut!", erwidere ich ehrlich. Das war das Dilemma, wenn ich der Finsternis weh tat, betraf es auch Mommy und die Lady, da sie alle im gleichen Körper wohnten.

"Ist schon OK, meine Kleine, mach es besser als wir es gemacht haben", meldete sich nun Mommy zu Wort, die mich entweder Kleine oder Livi nannte. "Die Welt steht dir offen, Livi. Folge deinem Herzen!" Das war ihr übliches sinnloses Geschwätz, was einem absolut nicht weiterhalf, trotzdem ging es mir sehr Nahe.

"Es tut mir Leid!", brach es aus mir heraus und es war die Wahrheit. Weinend drehe ich mich um und renne in den Lagerraum, der mir als Zimmer dient. Meine Sachen sind schnell gepackt, passen in einen großen Rucksack. Meine Wäsche entsprach nicht einmal der Füllung einer Waschmaschine, dazu ein Hello Kitty Schlafsack aus Kindertagen, einen rosafarbenen Kulturbeutel und ein paar persönliche Gegenstände aus besseren Tagen. Ich konnte hören, wie die Finsternis wieder die Oberhand gewonnen hatte.

"Renn du nur weg, du Missgeburt. Ich werde dich finden und dann schneide ich dich auf! Ich werde dir die Augen ausstechen, deine verdorbene Fotze herausschneiden und sie dir zu fressen geben! Und egal was du auch tun wirst, du wirst immer eine billige White Trash Hure bleiben!", schreit sie mir hinter her, als ich auf mein Skateboard steige und in Richtung des hitzeflimmerndes Stadtzentrums von Fresno rollere.

"Ma´am! Zwei Minuten bis zum Missionsziel, Ma´am!", reißt mich Karl aus meinen Albtraum. Für einen kurzen Moment weiß ich nicht, wo ich bin. Dann spüre ich die weichen Sitze des Fonds aus Nappaleder in meinem Mercedes GLE Coupe. Es regnet und ein stetiger Wind aus Richtung Atlantik säuselt durch die Straßenschluchten von Manhattan. Offensichtlich bin ich eingeschlafen und habe schlecht geträumt.

"Ma´am, alles in Ordnung?", fragt mein Chauffeur nach er blickt in den Rückspiegel und ich zwinge mich, ihn beruhigend anzulächeln.

"Alles in Ordnung, Karl, noch zwei Minuten bis zum Kunden", erwidere ich und denke, dass in einem die Finsternis recht behalten hatte, ich war eine Hure. Aber keine billige, sondern eine verdammt teure Domina in New York.




Nakagos wirre Gedanken

Wie üblich setze ich am Ende eines Kapitels immer ein kleines Nachwort. Ich habe mich nun mal an einen gänzlich anderen Charakter getraut. Während einer Wanderung in Neuseeland im Dauerregen im letzten Jahr lies ich etwas meine Gedanken über meine Reihe Erstschlag schweifen. Und irgendwann blieb ich bei dem Charakter der Neun hängen. Wer die Reihe Erstschlag kennt, wird sich vielleicht erinnern, schon mal von ihr gehört zu haben. Vorgekommen ist sie persönlich nie, war aber immer ein Teil des Hintergrundes und wurde öfters mal erwähnt. Man braucht die Erstschlagreihe nicht zu kennen, da dies erst einmal eine eigenständige Geschichte ist.

Livi ist ein gänzlich anderer Charakter als Laura aka Zwölf aus der Erstschlagreihe, mit der es leider erst im nächsten Jahr weiter gehen wird. Das ist einfach mal als ein weiterer Versuchsballon mit etwas um die zehn Kapitel zu verstehen, wie eine Figur wie Livi beim Leser ankommt. Wie üblich freue ich mich über Kritik, Lob, Anmerkungen, Empfehlungen und Favos sehr. Also keine falsche Scham.
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