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Romanian Dreams

von Karolina
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
10.11.2019
29.05.2020
15
23.270
 
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16.11.2019 1.668
 
Ich sehe eine jüngere Kopie meiner Managerin vor mir. Die gleichen dunklen Haare. Das gleiche herzförmige Gesicht, die schmalen Konturen und ein kleiner Körperbau. Bloß ihre Augen sind völlig anders. Ihre sind extrem hell anders als die dunkel braunen fast schwarzen Augen ihrer Mutter. Musternd sieht sie mich an. Irgendwas scheint ihr an mir etwas nicht zu passen. Sie redet mit ihrer Mutter, doch leider verstehe ich kein Wort. Wieder diese seltsame Sprache die Ayaka schon vorhin im Auto sprach.

„Er kann sich an mich anschleichen.“
„Ach da gewöhnst du dich schon noch dran. Ab sofort gilt auch die Regel, dass er mit dir japanisch reden soll und du mit ihm in Englisch. Irgendwann werden wir das noch umdrehen“
„Ist das dein Ernst? Willst du uns in Teufelsküche bringen?“
„Nein. Ihr sollt lernen. Ab an den Tisch mit euch beiden, jetzt wird gegessen.“
Mama setzt sich an ihren Platz an der Stirnseite. Jack und ich stehen noch etwas unschlüssig da. Anscheinend will er sich nicht irgendwie auf meinen Platz setzen.
„Wo sitzt du?“
Mein Gehirn rattert ewig bis es das mal in einen Kontext gebracht hat.
„Rechts von Mama.“
Er sieht mich jetzt genau so an, wie ich ihn vorher wahrscheinlich. Jap, Mama will uns in Teufelsküche bringen. Zumindest sind wir aber schon so weit, dass sich jeder hinsetzt. Mit Gesten weise ich Jack, dass er mir seinen Teller geben soll.
„Ihr sollt keine Gebärdensprache lernen.“
„Ja Chefin.“
Halb knurrend sehe ich Mama an. Ich will ihn ja auch nicht so quälen.
„Sag stopp, wenn es reicht.“
Nach ihm gebe ich noch Mama und nehme erst danach selbst. Das Essen verläuft dann mehr oder weniger ruhig. Die beiden sprechen den nächsten Tag ab. Soweit ich verstehe rennen sie von einem Termin zum nächsten. Er hat bisher nur einen Sponsoren und braucht noch einige weitere. Mein Hörverstehen ist ja gar nicht so schlecht. Wenn ich das schon verstehe. Aber die Aussprache. Am Ende nenne ich noch irgendeinen riesen Wandschrank blöd und klein. Da dürfte ich dann die Beine in die Hand nehmen und rennen.
Abropo Wandschrank. Unser neuer Mitbewohner ist gigantisch. Gut okay, für mich sind fast alle Menschen monströs groß, aber der ist doch sicher an die 1,90 wenn nicht sogar 2m. Blond und Augen wie Amethysten. Muskulös und gleichzeitig trotzdem relativ schlank. Die Frauenwelt wird ihm zu Füßen liegen wie keinem anderen zuvor. Aber ob er wirklich so gut ist? Wo kommt er eigentlich her? Seine Kleidung ist ziemlich abgetragen. Er sieht eigentlich nicht wie der Sponsorentraum aus. Zudem hat er meinen leicht bekleideten Zustand so hingenommen ohne lange zu gaffen. Er ist sogar noch etwas rot geworden.
„Wo kommst du eigentlich her?“
Meine Mama hält mit dem Löffel in der Luft kurz vor ihrem Mund inne nach meiner Frage. Unwillkürlich gibt sie mir damit einen Hinweis über dieses heikle Thema. In Neo Domino City kannst du nur von einem einzigen Ort kommen, um so eine Reaktion auszulösen. Vorsichtig sieht sie zu ihn. Mama fragt ihn irgendwas so schnell und auf Japanisch, dass ich es nicht verstehen kann.
„Du darfst aber mit niemanden darüber reden. Das könnte in Zukunft Probleme machen.“
„Also ich muss es auch nicht wissen. Wenn du das so sagst. Denken kann ich mir es schon woher er kommt, so wie ihr reagiert.“
Wenn etwas auf Rumänisch gesagt wird hat es Rang S auf der Gefährlichkeitsskala. Jack sieht sie noch etwas unschlüssig an. Die Information ist ja auch sehr brisant. Da hier Keiner die Dinge beim Namen nennen will, frage ich gleich nach vielen Details. Von Satelite kann man nicht so leicht abhauen.
„Wie bist du hier her gekommen? Hast du die alten Abwasserschächte genommen? Sind die noch begehbar? Ich bin immer davon ausgegangen, dass mit zerstört worden. Naja die sind wirklich platt. Gibt es noch andere Schächte außer den Mülltunnel? Bist du geschwommen?“
Okay. Das war glaube ich zu schnell. Seinem perplexen Gesichtsausdruck nach muss er gerade sehr viel im Kopf sortieren.
„Ich glaube du meinst, dass ich aus Satelite komme.“
„Ja. Also wie bist du hier her gekommen? Bist du auf einem Tanker mitgefahren?“
„Mülltunnel.“
„Da musst du doch gefahren sein. Die sind doch viel zu lang um sie zu Fuß zu durchqueren.“
„Sag mal mein Schatz… woher weißt du das alles?“
Mit hochgezogener Augenbraue sieht mich meine Mutter an. Mir würde es auch nicht gefallen, wenn meine Tochter sich Fluchtpläne überlegt.
„Ähm… naja… ich hatte die letzten Tage ein wenig Langeweile.“
„Und da hast du dir keine Gedanken darüber gemacht wie du das Gen von Bakterium xyz auseinandernehmen könntest? Du Alien! Gib mir meine Tochter zurück!“
„Ich bin so froh wenn ich endlich die verfluchte Bestätigung habe. Das ist so langweilig und im Labor wird man mich auch schon vermissen.“
„Wenn dir so langweilig ist, kannst du den Haushalt ja wieder jeder normalsterbliche Mensch machen.“
„Nein. Lieber versinke ich wieder in Verschwörungstheorien. Sonst kann ich mich hier ja gar nicht austoben.“
Das bringt mich darauf, dass ich noch gar nicht weiß ob Mama unserem Gast schon von meinen besonderen Fähigkeiten erzählt hat.
„Hat dir Mama schon von meiner Zauberlehrlingnummer erzählt?“
„Zauberlehrling?“
„Du kennst den Zauberlehrling nicht?!“
„Catri… Die Zeit, dass Goehte in Japan In ist, ist vorbei. Du sagst doch selber immer, dass du allem Jahrzehnte  hinterher bist.“
„Aber Disney.“
„Ist doch egal. Jack, ich hatte vorhin im Auto ja schon angedeutet, dass bei Catri etwas anders ist. Aber ich gehe mal davon aus, dass gerade du das ganz gut verkraften wirst.“
„Warum sollte ich ausflippen?“
Viel Reden bringt da nichts weiter. Da wir fertig gegessen haben, lasse ich Taten sprechen. Zuerst staple ich alles. Teller auf einen Stapel, oben drauf das Besteck und lasse dann alles samt Topf und Co. in die Küche fliegen. Dort mache ich noch den Geschirrspüler auf und alles ordnet sich ein an seinen angestammten Platz. Jack schaut interessiert zu bleibt aber ganz ruhig. Mir fällt ein ganzes Gebirge vom Herzen.
„Jippie! Keine Hausarbeit!“
Das Familienoberhaupt schüttelt den Kopf über meinen freudigen Ausbruch. Eher müsste sie sich Sorgen machen, wenn ich vor langer Weile anfangen würde den Haushalt von Hand zu machen. Da das nun geklärt ist, interessiert mich ein anderes Thema.
„Wie macht ihr das jetzt eigentlich mit den Sponsoren die in Frage kommen? Wie wollt ihr die überzeugen, dass er das kann?“
Angesichts der Tatsache, dass nicht nur er in Domino den Traum hat Duellkönig zu werden, stelle ich mir das alles etwas kompliziert vor.
„Ich werde mich gegen einen Gegner duellieren, den sie rausgesucht haben.“
„Ist das nicht ein bisschen riskant? Immerhin geht es ja um ziemlich viel.“
„Vertraust du etwa nicht darauf das ich das nicht kann? Soll ich es dir zeigen?“
Hui, da hat einer aber ein hitziges Gemüt.
„Gegen mich wäre das keine Kunst. Ich habe absolut überhaupt keinen Plan von dem allem.“
Jetzt schaut er mich verdutzt an. Den Blick hätte ich erwartet, als den Tisch abräumte ohne auch nur einen Finger zu krümmen.
„Wie kannst du davon keinen Plan haben?“
„Ich war den größten Teil meines bisherigen Lebens in Rumänien. Da konnte sich Duel Monsters nicht so durchsetzen. Es wird weltweit gespielt, doch bis in den hintersten Winkel konnte es noch nicht vordringen.“
Nachdenklich nickend setzt er das Glas mit Wasser an und trinkt einen Schluck. Solange wir sprachen schrieb Mama auf einem großen Zettel viele verschiedene Sachen auf. Soweit wie ich sehen kann verschiedene Termine und Gedankenstützen. Ohne aufzusehen fängt sie an zu sprechen und schreibt nebenbei weiter.
„Da das Haus groß genug ist, kannst du gerne mit hier wohnen, Jack. Die Sponsoren werden dir bestimmt eine Bleibe anbieten, doch ich könnte da nicht mit hin, da ich Catrinel ja habe und das Haus nicht aufgeben werde.“
„Wenn ich euch nicht störe, nehme ich das Angebot gerne an.“
Mama nickt zufrieden und sieht zu uns auf. Da wir mit Essen fertig sind und das Gröbste gesagt ist, werde ich mal verschwinden.
„Ich gehe jetzt mal fix duschen. Wir teilen uns ein Bad. Also klopfe bitte an bevor du reingehst. Handtücher lege ich dir dann noch hin.“

Und weg ist sie.
„Das ist mein Kind.“
Breit grinsend sitzt meine Managerin da. In beiden Händen hält sie Teetasse aus der sie trinkt.
„Ich bin aber fasziniert wie gut sie plötzlich japanisch versteht. Hast du was dagegen, wenn wir sie morgen mitnehmen?“
„Warum sollte ich etwas dagegen haben? Was für einen Nutzen hat es?“
„Sie kommt nicht mehr auf dumme Gedanken Menschen aus Satelite auf was für Wegen auch immer hier her zu schleusen und wir fahren sowieso zu Firmen, die ihre Version von Disneyland verkörpern. Vorerst werden wir uns an Firmen orientieren, die vor allem mit dem Biotechnik Sektor zu tun haben. Bei den meisten ist auch noch ein großer Bereich dabei, in dem noch an anderen Sachen geforscht wird. Zum Beispiel, ob man Bakterien dazu bringen kann Polymerähnliche Stoffe zu synthetisieren. Mit Erdöl hat man es ja schon geschafft. Wenn da noch jemand mit ist der sich damit auskennt und uns das übersetzt verschafft uns bloß Vorteile.“
„Wie alt ist sie?“
„Wie du 17. Du bist bloß ein paar Monate älter. Bei ihr darfst du aber nicht in normalen Maßstäben rechnen. An ihrer Schule war Biotech Vertiefungsfach und nebenbei hat sie noch in allerhand Betrieben gearbeitet.“
Schweigend sitzen wir nun da. Ich weiß noch nicht so wirklich wie ich mit dem allem hier umgehen soll. Die beiden sind so nett. Für mich stand fest, dass ich erst mal richtig hart hätte kämpfen müssen, bis überhaupt jemand freundlich zu mir ist. Jene Stadtbewohner die ich bis jetzt in Satelite kennen lernen durfte waren nicht so gutherzig. Die beiden sind so… Catri ist ja wirklich selbst darauf gekommen, doch sie hat mich nicht verachtet. Sie interessierte sich mehr dafür wie ich hier her kam. Ayaka hat auch noch kein Wort über das wie verloren. Sie weiß es. Dem bin ich mir sicher. Vielleicht helfen mir beide. Da schaffe ich es noch bevor ich berühmt geworden bin
„Ayaka, gibt es eine Möglichkeit meine Freunde noch her zu holen?“
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