Romanian Dreams

von Karolina
GeschichteDrama, Romanze / P18
10.11.2019
23.05.2020
14
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23.05.2020 1.490
 
Und schon wieder kann ich nicht schlafen! Was ist denn das? Im Labor geht das immer so gut. Genervt gehe ich ins Bad und trinke einen Becher Wasser in der Hoffnung, dass mein Problem in einem Flüssigkeitsmangel begründet ist.
„Kannst du wieder nicht schlafen?“
Gedämpft höre ich seine Stimme durch die Tür. Da ich darauf verzichtet habe das Licht im Bad anzuschalten, kann ich den feinen Schimmer unter der Tür, die zu Jacks Zimmer führt sehen.
„Du aber anscheinend auch nicht. Kann ich rüber kommen?“
„Ja.“
Er hat ohne zu zögern geantwortet. Als ich die Tür auf mache sehe ich, dass er auf dem Bett liegt mit hinter dem Kopf verschränkten Armen. Die kleine Lampe auf dem Nachttisch neben ihm taucht alles in einen warmen Schein. Trotz des angekippten Fensters, durch das die kalte Luft in das Zimmer fließt liegt er nur bis zur Brust zugedeckt da.
Ich merke schon wie meine Wangen wieder warm werden und sehe schnell weg. So fällt mir auch auf, dass sich seit seinem Einzug nicht viel verändert hat. Unpersönlicher kann kein Zimmer sein. Ich finde das ein bisschen traurig, doch was sollte er hier auch aufhängen? Er kam mit nichts außer seinen Karten, dem D-Wheel und seinem Talent hier her.
„Was ist?“
Ihm ist meine Musterung nicht entgangen. Ich setze mich zu ihm auf die Bettkante und wende  meinen Blick ihm zu.
„Ich finde es traurig, dass in dem Zimmer gar keine persönlichen Gegenstände von dir zu sehen sind und es noch immer wie am Anfang aussieht. Wie sollte es denn aber auch anders sein?“
Nachdenklich betrachtet er mich. Schließlich zieht einen Arm unter seinem Kopf hervor und greift nach dem Knauf der obersten Schublade in seinem Nachttischchen und holt eine kleine Kiste raus. Diese ist schon sehr vergilbt und stark abgegriffen. Einzelne Flecken sind darüber verteilt. Zudem riecht sie auch relativ alt. Jack macht sie auf und der alles andere als alte Inhalt kommt hervor.
„Diese Bilder sind mir zu wichtig. Es würden dann auch zu viele Fragen dazu gestellt werden, falls sie jemand anderes sehen würde und erst soll es ja noch geheim bleiben, dass ich aus Satelite bin.“
Erstmal ist gut gesagt. Das Geheimhalten wird andauern bis Satelite und Domino wieder vereint sind. Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Dies sage ich ihm aber nicht, da ich den Moment nicht zerstören möchte. Dafür freue ich mich viel zu sehr, dass er sich endlich mir noch ein Stück weiter öffnet.
Behutsam nimmt er eine Fotografie raus und gibt sie mir. Einige Sekunden lang lasse ich meinen Blick darüber schweifen. Vier Jungs sind darauf zu sehen. Einer ist Jack, die anderen drei kenne ich nicht. Nur der mit den dunklen Haaren sieht dem einen Baby auf Mamas Fotos sehr ähnlich. Alle tragen braune Lederwesten und dazu schwarze Lederriemen an den Armen. Jeder hat eine Duelldisk in der Hand. Einer mit weißen Haaren hält noch Handschellen mit einem überlangen Seil. Dahinter ist das zerfallene Satelite zu sehen. So wie man es auf dem Bild erkennen kann, ist dort wirklich noch nichts gemacht worden seit der Katastrophe. Ich verstehe nicht warum das so ist. In jedem anderen Teil der Welt wäre man den Menschen sofort zur Hilfe geeilt. Selbst wenn die Hilfe nicht aus dem eigenen Land gekommen wäre, so hätte doch bestimmt eine andere Nation eintreten können um zu helfen. Meine Gedankengänge und weitere Verwünschungen werden unterbunden, als zu sprechen beginnt.
„Wir nannten uns „Die Beschützer“. Zusammen haben wir Satelite von den Duellgangs befreit. Wenn wir schon nicht hierher konnten, wollten wir es allen dort schöner und friedlicher machen. Dies schafften und hielten wir auch eine Weile, doch dann hatte einer von uns einen Höhenflug übergeschnappt und alles war vorbei.“
Ich sehe zu ihm. Er hat die Augen geschlossen und scheint ganz woanders zu sein. Um ihm ein wenig Halt zu geben rutsch ich näher zu ihm und lehne mich etwas an ihn an. Gleichzeitig bekomme ich so noch etwas von seiner Wärme ab.
„Du kannst dich auch mit hinlegen wenn du möchtest.“
Dankbar nehme ich das Angebot an. Ich schlüpfe noch mit unter die Decke. Wohlig empfängt mich die Wärme. Erst jetzt merke ich wie kalt mir eigentlich ist.
„Brr. Ich hatte erst gar nicht gemerkt, wie kalt das ist.“
„Hm.“
Ein wenig aufgetaut kommt auch meine Neugier wieder. Das war nicht das einzige Bild in dem Kästchen.
„Darf ich weiter schauen?“
Er nickt nur. So ziehe ich die Schachtel wieder näher an mich heran und nehme einen Teil des Fotostapels in die Hand. Es sind viele Bilder von den Jungs dabei. Auch einige wo sie noch wesentlich jünger sind. Auf einem sind sie vor einem großen gelben Haus zu sehen im Sandkastenalter. Hinter ihnen steht eine etwas ältere Frau mit dunkler Haut und einer etwas amerikanisch nonnenhaften Kleidung. Sie strahlt aber wie die Sonne und hält die vier Jungen im Arm.
„Wer ist die Frau?“
Ich halte ihm das Bild unter die Nase. Mit halbgeschlossenen Augen sieht er es an.
„Das ist Martha. Meine Mutter.“
Das ist also die Frau die Jack groß zog.
„Sie hat gute Arbeit geleistet. Du bist einer der nettesten Menschen die ich hier kennenlernte.“
Bei meinen Worten lächelt er leicht und rückt nun ein Stück näher zu mir, sodass mein Kopf auf einem seiner verschränkten Arme zur Ruhe kommt. Ich schließe die Augen und genieße so noch mehr das Gefühl. Bevor er zu Bett ging duschte er noch, sodass der Patchouliduft mich noch stärker umfängt als vorhin im Bad. Ich liebe diesen Geruch, da er oft auch mit anderen Duftnoten aus dem Wald verwendet wird. Das erinnert mich immer an zuhause… Da fällt mir gerade auch noch etwas anderes ein.
„Noch etwas ganz anderes. Hat Mama schon mit dir wegen Weihnachten geredet?“
„Du meinst ob ich mit nach Rumänien will?“
„Ja.“
„Ich komme gerne mit.“
„Echt? Jippie!“
Überfreudig umarme ich ihn. Immerhin gehört er ja jetzt auch zu unserer Familie, da können wir ihn hier nicht alleine lassen, sonst würde etwas fehlen. Bevor ich mich wieder von ihm lösen kann legt er seine Arme um mich und zieht mich fester an sich. Erst bin ich etwas verwundert darüber, doch dann schmiege ich mich einfach an ihn. Er rollt sich auf die Seite und hält mich weiterhin fest. Seine starken Arme halten mich so vorsichtig umfangen, als könnte ich jederzeit zerspringen. Ich verberge meinen Kopf unter seinem Kinn. Mein Herz schlägt schnell.
Jack stellt noch die Bilder wieder auf seinen Nachttisch und macht die Lampe aus. Wir liegen eine Weile so ruhig da, bis ich wieder das Wort ergreife.
„Da werde ich dir aber noch etwas rumänisch beibringen müssen, denn sonst wird dich der Drache auffressen.“
„Warum Drache?“
Ich löse mich wieder etwas von ihm und sehe ihm in die Augen.
„Du kennst nicht Dracula?“
„Der Vampir?“
„Eigentlich ist das nicht so richtig, dass wurde viel später dazu gedichtet. Dracula bedeutet Sohn des Drachen. Irgendwann kam es zu einer Änderung von Draculae zu Woiwode. Vlad der Pfähler ist mein zig Ur-Großvater. Vollständig heiße ich auch Catrinal Alessandra Woiwoide Draculae. Du wirst Draculas echtes Schloss sehen.“

Dracula ist ihr irgendwas Ur-Großvater. Das erklärt die Messerattacke.
„Und das Pfählen konnte er wegen seiner telekinetischen Kräfte?“
„Ja.“
Und du könntest es auch. Ich sage es nicht, aber denke es. Anscheinend muss man es mir ihren folgenden Worten nach sehr deutlich ansehen.
„Doch es ist ein Unterschied ob man so etwas machen will oder es sich entscheidet es nicht zu tun.“
„Ich weiß, dass du so etwas nie tun würdest!“
Dafür ist sie ein viel zu netter Mensch. Gerade sieht sie mich mit ihren großen, hellen Augen an, aus denen die reine Unschuld spricht. Sie wirken auch noch so unendlich tief und geheimnisvoll. Liebevoll lege ich eine Hand an ihr Gesicht und streiche über ihre Wange. Sie legt ihre Hand über meine und schmiegt sich an. Vorsichtig beuge ich mich wieder zu ihr herab und küsse sie. So wie letztes Mal, weiß ich wieder nicht warum ich es mache. Es fühlt sich richtig an und dies ist das einzige was ich wissen muss. Ihre Lippen sind so weich und warm. Dadurch, dass sie auch langsam wieder etwas wärmer wird steigt mir auch wieder mehr ihr Osmanthus-Duft in die Nase. Bevor ich mich weiter in ihren Geruch, ihre Wärme und ihre weichen an mich schmiegenden Kurven hinein steigern löst sie sich vorsichtig wieder von mir und sieht mich mit leicht rosa Wangen an. Das macht sie noch niedlicher als sonst. Sie küsst mich noch auf die Wange, kuschelt sich wieder an mich und schließt die Augen.
Von mir aus, Hauptsache sie bleibt bei mir im Bett. Ich streiche über ihre Haare und merke wie sich mein Puls verlangsamt. Sie murmelt etwas an meiner Brust, dass ich in meinem halbschlafenden Zustand nicht verstehen kann. Ich weiß nicht genau, ob ich auf meinen Rückfrage noch eine Antwort erhalten habe, denn auch ich bin dann recht bald eingeschlafen.