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Romanian Dreams

von Karolina
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
10.11.2019
29.05.2020
15
23.270
 
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„Ich habe gekündigt.“
Mir fällt der Löffel aus der Hand.
„Was hast du? Bist du verrückt geworden Mama? Ich kann nicht noch mehr arbeiten gehen! Ich erfahre doch erst morgen, ob ich von der Uni überhaupt angenommen werde. Was ist, wenn ich keinen Zuschuss bekommen? Was soll aus uns werden? Was….“
„Jetzt mal ganz ruhig mein Schatz. Ich habe schon wieder neue Arbeit. Deswegen rufe ich eigentlich auch an, ich bring die Arbeit mit nach Hause. Kannst du das Gästezimmer und das Abendessen vorbereiten? Wir müssen hier noch einiges machen.“
Da ist die Katastrophe doch nicht ganz so schlimm. Was das für Arbeit ist würde ich aber schon gerne wissen.
„Kann ich wissen wie die Arbeit heißt?“
„Siehst du nachher schon noch. Ich muss jetzt Schluss machen. Hab dich lieb.“
„Ich dich auch.“
Aufgelegt. Ich sehe noch einige Sekunden das Gerät in meiner Hand an, bevor ich es seufzend weglege.
Ich stelle den Eisbecher in den Gefrierschrank und gehe nach oben in mein Zimmer und ziehe mich um. Eine weite sehr dünne Yoghose und ein Bondeautop. Das reicht. Meine schwarzen Haare binde ich mir erst zu einem hohen Pferdeschwanz und drehe den dann zu einem Dutt ein. Selbst wenn ich sie zusammengebunden habe gehen sie mir noch immer bis zur Rückenmitte. Bei 32°C im Schatten ist selbst das unerträglich.
Mama hat mir nichts wegen Allergien oder etwas ähnliche gesagt, sodass ich einfach mal sehe was reif ist. Die Arbeit muss auf jeden Fall sehr stabil sein. Irgendjemand schwaches würde sie nie vertreten. Ich gehe wieder nach unten, nehme mir Korb und Messer und gehe nach draußen. Je nach dem was reif ist werde ich mir schon was zu essen einfallen lassen. Bevor ich vor die Tür trete setze ich mir noch meinen großen Sonnenhut auf. Eingecremt habe ich mich schon. Wir haben wirklich riesen Glück. Unser Haus ist zwar außerhalb von Domino, aber noch so nah, dass ich schnell und ohne Probleme in die Innenstadt komme mit den öffentlichen Verkehrsmitteln komme. Dadurch haben wir hier so viel Platz für einen schönen Garten, in dem ich allerhand anpflanzen kann. Heute sind drei Auberginen, eine Zucchini ein paar Tomaten und Paprika reif. Die vermesse und wiege ich noch. Der Gemüseanbau ist ein kleines Projekt von mir. Am Ende des Sommers wird man dann sehen, ob sich der ganze Aufwand auch lohnt.
Aus dem geernteten Gemüse von heute werde ich Ratatouille zubereiten und koche noch dazu etwas Reis. Wenn sie kommen ist alles fertig und ich muss es bloß nochmal warm machen. Dank meiner Fähigkeiten kann ich das ganze Gemüse auf einmal schneiden und kann beim Umrühren nebenbei Zeitung lesen. Dabei höre ich Musik mit Kopfhörern und vergesse mich ganz in meiner eigenen Welt. Ohne aufzustehen drehe ich den Herd weiter runter und lasse alles weiter köcheln. Das Kochlöffelrühren schiebe ich ganz nach hinten in meinen Kopf, wodurch es nebenbei noch mit ablaufen kann. Da hier nichts mehr anbrennen kann gehe ich beschwingt durch die Musik nach oben. Ich denke nicht, dass Mama unseren Gast in den Anbau unterbringen will. Neben meinem Zimmer ist ja noch das Zimmer frei und halbwegs möbliert. Dennoch sollte ich bevor er kommt noch meine Lernposter abnehmen. Da der Raum frei war tobte ich mich dort etwas aus. Mein Zimmer versinkt auch ohne die im Chaos. Ich schiebe die Tür zu dem Raum auf. Unser Haus ist noch in der alten japanischen Bauweise errichtet mit den ganzen Schiebetüren. Dafür ist es aber erstaunlich warm im Winter. An manchen Tagen, wenn auch sehr, sehr, sehr selten, erreichen auch hier die Temperaturen rumänische Verhältnisse und da war es hier in dem Haus wärmer als in manchem Schloss.
Gerade ist aber Sommer und so ist in dem Zimmer richtig stickig und dazu noch dunkel. Die Sturmläden von den Zimmern die wir selten benutzen lassen wir meistens zu. Während meinen Prüfungen hatte ich sie zwar öfter offen, doch die sind seit einem guten Monat vorbei. Gefühlte tausend mal stoße ich mir irgendwas an bevor ich die Fenster erreiche. Nach etwas fummellei, die Dinger gehen sauschwer auf, schiebe ich sie auf und die Luft fließt mir kühl entgegen. Zumindest kommt es drauf an wie man kühl definiert bei diesen Temperaturen. Durch das einfallende helle Tageslicht kann man die Gegenstände im Zimmer erkennen. Hier sind ein einfaches Bett, ein Schreibtisch und ein Kleiderschrank. Die Tür rechts von dem Schrank führt zu dem Bad neben an. Das Bad konnte ich alleine benutzen, aber da wir jetzt einen Gast haben werden muss ich mich da etwas einschränken. Deswegen beziehe ich fix das Bett, lass sämtliche Plakate auf dem Dachboden verschwinden und gehe dann ins Bad um meinen Kram etwas zusammen zu räumen. In einem anderen Winkel meines Gehirns lasse ich noch Schwamm und Klobürste putzen. Innerhalb von 20 Minuten ist das Bad blitzblank. So eine Ordnung würde sich Mama sicherlich auch in meinem Zimmer wünschen. Bevor das aber passiert lerne ich ungebrochenes Japanisch zu sprechen.

Ich wusste schon, dass sie so reagieren würde. Sie hat zwar Nerven aus Stahl und die Ruhe weg, doch bei so was verliert sie leicht die Nerven.
Den armen Kerl musste ich retten. Seelenruhig zusehen wie die Haie von Neo Domino City ihn auffressen? So etwas kann ich nicht. Dazu habe ich auch das Gefühl, dass er die größte Nummer wird, die Domino je hatte. Und Catris Japanisch kann unser neuer Gast bloß helfen. Sie war bis jetzt nur an einer Schule wo alle Fächer auf Englisch unterrichtet wurden, weshalb sie bis jetzt nicht ganz so mit der Sprache in Berührung kam. Ihm hilft es auch, so lernt er gut Englisch.
„Sie scheint nicht so begeistert zu sein.“
„Ach was, sie ist bloß etwas geschockt. Hast du verstanden was wir gesprochen haben?“
„Nein. Nur den Ton.“
Ist auch logisch, wenn er nicht gut Englisch sprechen kann, kann er erst recht nicht Rumänisch. Klingt so gesagt zwar fies, aber ist leider eine Tatsache.
„Mach dir keine Sorgen. Sie kann dich auch nur eingeschränkt verstehen.“
„Darum mache ich mir keine Sorgen.“
An seinem Selbstbewusstsein müssen wir nicht arbeiten. Das scheint denen hier allen schon mit in die Wiege gelegt. Trotzdem ist er netter als die anderen Städter. Er ging die ganze Zeit vor und hat mir immer die Türe aufgehalten. Ein schlechter Kerl ist er nicht, auch wenn es sehr fragwürdig ist wie er nach Domino kam. Ich werde Catri nachher mal fragen müssen ob sie ihn mal beurteilen kann. Mist. Ich habe vergessen ihr zu sagen, dass er wahrscheinlich mit Telekineten sehr … spärlich vertraut sein wird. Jetzt werde ich sie aber auch nicht mehr erreichen. Hoffentlich zieht sie nicht die komplette Zauberlehrlingshow ab.
„Hattest du schon mal mit Telekineten zu tun?“
„Die die Löffel mit Gedankenkraft verbiegen?“
„Das ist die erste Stufe.“
„Noch nie.“
Oh. Da wird sie wohl den Haushalt wie eine normale Person schmeißen müssen, zumindest wenn er da ist. Aber die Sateliter dürften ja relativ nervenstabil sein.
„Wieso?“
„Catrinel.“
„Was?“
„Nicht was, sondern wer. Meine Tochter.“
„Was ist das für eine Name?“
„Rumänische Version für Katharina“
„Sie sind Rumänin?“
„Nein. Ihr Vater. Aus Liebe bin ich damals dort hingezogen.“
„Wieso sind sie dann hier?“
„Er ist gestorben. Minimal kannst du Englisch, oder?“
„Jein.“
„Da wirst du gezwungen sein es zu lernen. Ihr könnt euch ja darauf einigen, dass du ihr alles auf Japanisch sagst und sie dir auf Englisch. Andersherum kommt nur Chaos raus.“

Das Haus ist blitz blank von Oben bis Unten. Draußen wird es langsam dunkel. Ich sitze auf unserem riesigen Magnolienbaum. Da der Frühling schon vorbei ist, strahlt der Baum in dunklem strahlenden Grün. Gut versteckt im Wipfel des Baumes kann ich alles beobachten. Das Brett auf dem ich mich befinde ist fest im Baum verankert. Von vorne höre ich die Motorengeräusche der vorbeifahrenden Autos. Ich horche auf, als die von Mamas Auto näher kommen. Langsam lasse ich mich an einem Ast baumeln und springe runter. Genüsslich strecke ich mich und gehe in Richtung des Hauses. Trotz, dass die Sonne schon fast weg ist, hält die Hitze weiterhin an. Innen ist der Boden angenehm kühl. Nebenbei schalte ich den Herd in der Küche an und lasse den Löffel wieder rühren. Aus dem Küchenschrank lasse ich die Teller rauskommen und das Besteck aus dem Kasten gesellt sich gleich dazu. Das Ratatouille ist wieder richtig warm als ich höre wie Mama den Schlüssel im Schloss dreht. Mit dem Reis zusammen stelle ich es auf ein Tablett und bringe es in das Esszimmer.
„Hey Catri. Ist der Zauberlehrling gerettet?“
„Ja. Hallo Mama.“
Vollbeladen mit bunten Tüten kommt sie durch die Tür vom Flur die in das Esszimmer und die Küche führt.
„Die Welt geht aber nicht so schnell unter. Das sieht aus als hättest du ganz Domino leer gekauft.“
„Papperlapapp, die Welt geht neu auf. Das riecht ja wieder himmlisch was du gekocht hast. Ohne dich müsste ich verhungern.“
Mama stellt alles ab, drückt mich und gibt mir einen Kuss auf die Stirn.
„Wolltest du nicht noch jemanden mitbringen?“
„Er steht schon hinter dir.“
Erschrocken drehe ich mich um. Entgeistert sehe ich ihn an. Niemand, wirklich niemand kann sich an mich ranschleichen. Mama neben mir muss laut lachen. Mein Gegenüber schaut auch ein wenig seltsam aus der Wäsche.
„Jack, das ist meine Tochter Catri. Catri, das ist Jack. Der nächste König der Turboduelle.“
 
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