Mephisto

von lunalinn
GeschichteDrama, Fantasy / P18 Slash
Itachi Uchiha Kisame Hoshigaki Naruto Uzumaki Sakura Haruno Sasuke Uchiha
09.11.2019
11.09.2020
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29.11.2019 4.815
 
In den nächsten Tagen kehrten seine Gedanken wiederholt zu dem Jungen zurück.
Er fragte sich, wohin dieser gegangen sein mochte. Vermutlich hatte er sich im Wald verkrochen und war inzwischen erfroren, denn wo sollte er auch sonst hin? Auch wenn die Leute keinen Teufel in ihm sahen, würden sie ihn bestimmt nicht aufnehmen.
Kisame war sich mittlerweile sicher, dass er sich die roten Augen eingebildet hatte, was er dem Alkohol zuschieben musste. Die geröteten Stellen auf seiner Haut, dort, wo der Junge ihn berührt hatte, konnte er sich zwar nicht erklären, aber Zauberei? Es musste ein Trick gewesen sein. Der Junge hatte Angst bekommen, weil er ihm während des Schlafs zu nahe gekommen war, und sich gewehrt.
Mit grimmigem Blick griff er nach seiner Hose und dem dazu gehörigen Oberteil, ehe er sich auch noch den Mantel überzog. Das seltsame Kind konnte ihm völlig egal sein, er würde es mit Sicherheit nie wiedersehen. Also sollte er auch keinen weiteren Gedanken mehr daran verschwenden.
Dieses Vorhaben gelang Kisame jedoch nur teilweise; er streifte des Öfteren durch die Wälder, entweder um sein Abendessen zu fangen oder um seinen Platz zu sichern und das erinnerte ihn unwillkürlich an diese merkwürdige Begegnung. Zwischendurch war wieder Schnee gefallen, so viel, dass die blutigen Spuren des Jungen längst unter den Massen begraben waren. Wie der Junge selbst, wenn dieser tatsächlich in der Kälte geblieben war.


Dem Dorf blieb Kisame in den folgenden Tagen fern, auch wenn ihn die Kneipe gelegentlich lockte. Sake mochte schön und gut sein, aber er machte ihn redselig und das konnte er nicht gebrauchen. Sicher, er konnte sich kontrollieren, aber er war ein auffälliger Typ, an den sich die Menschen erinnerten. Das war ungünstig und aus diesem Grund zeigte er sich den Leuten nur, wenn es notwendig war. Söldner mochten in der Regel gut bezahlt werden, aber in der Gesellschaft waren sie verpönt. Niemand wollte solchen Menschen wie ihm gern Asyl bieten, weswegen es klug war, sich möglichst bedeckt zu halten. Dass ihm das Kämpfen im Blut lag, hatte nicht nur er selbst erkannt, sonst wären seine Aufträge nicht so zahlreich. Leider machte man sich mit diesem Beruf auch viele Feinde und so war es klüger, sich zurückzuziehen und die Zeit verstreichen zu lassen.
Allerdings brauchte er trotz allem Lebensmittel und nicht immer lief seine Jagd so gut, wie er es sich erhoffte. Deshalb blieb ihm letztendlich nichts anderes übrig, als wieder runter ins Dorf zu gehen. Bei diesem Besuch konnte er auch gleich ein paar Gerüchte aufschnappen. Es war immer von Vorteil, wenn man auf dem aktuellen Stand war – auch wenn dies bei diesen Hinterwäldlern eher unwahrscheinlich war. Die glaubten lieber an Teufel. Lächerlich.


Zu seiner Verwunderung erwartete ihn ein noch größerer Tumult im Dorf, als er es sich vorgestellt hatte. Der Marktplatz war so gut besucht, dass er die Leute beiseiteschieben musste, um sich einen Weg durch die johlende Menge zu bannen. Kisame runzelte die Stirn, schubste eine ältere Frau, welche kreischend die Hände in die Luft gereckt hatte, von sich und ging weiter, ohne dem Gezeter noch mehr Beachtung zu schenken. Was zur Hölle war hier eigentlich los? Gleichermaßen interessiert und misstrauisch versuchte er, in das Zentrum der Meute vorzudringen, was ihm dank seiner Statur auch gut gelang. Dennoch konnte er nicht genug überblicken, sodass er sich weiter nach vorn kämpfte, wo ihn ein Anblick erwartete, mit dem er nicht gerechnet hatte.
Im Zentrum des Menschenauflaufs hatten sich einige Personen versammelt, die durch ihre bodenlangen, schwarzen Roben hervorstachen. Sie hielten weiße Papierfetzen in den Händen, Rosenkränze und murmelten unverständliches Zeug vor sich hin. Es glich einem Singsang und er wusste nicht, was er von dieser Scharade halten sollte. Vermutlich kam er einfach von zu weit her, als dass ihm die merkwürdigen Riten anderer Regionen hätten bekannt sein können. Er hätte den Schauplatz spätestens jetzt verlassen und seines Weges gehen sollen, doch etwas…oder besser jemand hielt ihn davon ab.
Kisame traute seinen Augen kaum, als er die zierliche Gestalt, welche ihm schon die ganze Zeit nicht mehr recht aus dem Kopf gehen wollte, erfasste. Man hatte eine Art hölzernen Altar in der Mitte platziert und auf diesem lag rücklings der schmächtige Körper des Jungen, den man an Händen und Füßen festgebunden hatte, sodass er sich kaum noch rühren konnte. Hatte er in der Nacht, in der er verschwunden war, noch sein zerfleddertes Hemd getragen, so war er nun splitternackt.
Zittrig hob und senkte sich die flache Brust, welche alte und neue Verletzungen aufwies. Die schmalen Lippen, welche er fest aufeinander gepresst hatte, schimmerten aufgrund der Kälte bläulich.
Kisame fragte sich unweigerlich, wie er so lange überlebt hatte, dort draußen allein im Wald. Vermutlich hatte er sich ins Dorf geschlichen, um an wärmende Kleidung und Nahrung zu kommen;  eben das musste ihn in diese Situation gebracht haben.
Dadurch, dass man seine Arme über seinem Kopf zusammengezurrt hatte, stachen die Rippen noch deutlicher hervor. Einen Blick in die dunklen Seelenspiegel des Jungen konnte er nicht erhaschen, da man ihm diese mit einem Tuch verhüllt hatte. Kisame konnte nur erahnen, welche Ängste das Kind in seiner Lage auszustehen hatte, blind, halb am Erfrieren und diesen Verrückten ausgesetzt.
Einer der Männer, ein fettleibiger, älterer Kerl mit schwarzer, turmartiger Kopfbedeckung, der hinter dem Jungen stand, hob schließlich beide Arme in die Luft und sofort wurde es ruhiger. Einzig der geflüsterte Singsang verebbte nicht, hielt die Atmosphäre weiterhin auf Spannung, während der Priester oder was immer er auch darstellen sollte zu sprechen begann.

„Willkommen, ihr guten Leute!“, rief er mit einer heiseren, krächzenden Stimme. „Tragt keine Furcht in euren Herzen, denn wir haben einen der entkommenden Teufel gefangen! Er ist im Moment nicht in der Lage, uns zu schaden!“
Kisame hörte nur mit halbem Ohr zu, sein Blick lag wie gebannt auf dem schwach zuckenden Leib. Die schwarzen Haare lagen unordentlich um das aschfahle Gesicht des Kindes, dessen Hände und Füße sich immer wieder gegen die Fesseln stemmten. Dadurch schnitten sich die Seile jedoch nur tiefer ins Fleisch, sodass er sich zusätzliche Schmerzen zufügte.
„…er mag die Gestalt eines unschuldigen Jünglings tragen, aber wir wissen, was sich darunter verbirgt! Wir kennen diese Ungeheuer, die unsere Felder verderben und unsere Kinder stehlen, um sie zu entehren und zu verschlingen!“
Kaum waren die Worte gesprochen, reckten mehrere Leute die Fäuste in die Luft und schrien ihre Zustimmung heraus. Je weiter der Priester sprach, umso mehr wurde die aggressive Stimmung um ihn herum angeheizt. Der Hass auf den Jungen, Itachi, wurde präsenter, man schien danach greifen zu können.
„Und wir werden nicht ruhen, bis wir jedes dieser Monster ausgerottet haben!“
Kisame bemerkte, wie der festgebundene Körper mehr in Bewegung geriet, allmählich setzte wohl die Panik bei ihm ein. Nicht weiter verwunderlich, wenn man bedachte, dass hier gerade sein Tod prophezeit wurde.
„Wir werden das Böse aus ihm herauspressen! Ihn läutern! Wir werden diese Missgeburt reinigen, auf dass sie uns selbst nach ihrem Tod nichts mehr anhaben kann!“, redete sich der Alte in Rage.
Geifer flog ihm aus dem Mund, benetzte die angespannten Züge des Jungen, doch dessen Haut glänzte ohnehin bereits. Trotz der Kälte rannen ihm die ersten Schweißtropfen über die Stirn, wurden von dem Stofftuch aufgefangen.
Derweil zog der Priester etwas unter seine Robe hervor und bei genauerem Hinsehen erkannte Kisame die kleine, aus Eisen gefertigte Zange. Die Vermutung, was es damit auf sich hatte, wurde sogleich bestätigt, als der Mann eine der bebenden Hände des Jungen erfasste und ihn mit genügend Druck auf die Innenfläche dazu zwang, die zarten Finger zu spreizen.
„Bekenne dich zu deinen Sünden, Uchiha! Gestehe, dass du aus der Hölle kommst und diesen Menschen Schaden zugefügt hast!“, fauchte der Alte und beugte sich dabei über das wehrlose Kind.
Dieses verspannte sich merklich, doch kein Laut drang über die geschlossen Lippen, sodass der Priester nicht länger zögerte. Er begann mit dem kleinen Finger, setzte die Zange tief am Nagel an, ehe er diesen mit einem kräftigen Ruck herauszog. Fest biss sich der Kleine auf die Lippe, gab ein unterdrücktes Ächzen von sich, doch ansonsten blieb er still. Unzufrieden stellte der Mann dieselbe Frage noch einmal und als darauf erneut keine Antwort folgte, wiederholte er die Prozedur mit der Zange. Rohes Fleisch blitzte aus den Fingerspitzen hervor, durchnässt von Blut und Wundwasser, doch es brachte ihn dennoch nicht zum Schreien. Kisame hatte damit gerechnet, dass er spätestens beim dritten Nagel flehen würde, dass es aufhören möge, doch anscheinend war der Kleine härter im Nehmen als erwartet. Zwar zitterte er am ganzen Körper wie Espenlaub, doch den Mund hielt er geschlossen.

„Der Dämon ist stark!“, rief der Priester aus, so als wollte er sich damit für die ausbleibenden Schreie entschuldigen. „Er verspottet uns! Doch lassen wir uns das gefallen?!“
Angestachelt schrien die Leute durcheinander, drohten mit den Fäusten und kein Einziger schien Mitleid mit dem Opfer zu haben. Diesem wurden soeben die beiden letzten Nägel gezogen, doch mehr als ein Wimmern blieb aus. Kisame fühlte obgleich des grausamen Szenarios doch so etwas wie Respekt für den Jungen, denn er war sicher, dass einige erwachsene Männer sich nicht so hätten beherrschen können.
Jedoch machte er seinen Peiniger damit nur wütender, sodass dieser ihm schlussendlich mit der Zange ins Gesicht hieb. Die Haut an der rechten Wange platzte des kräftigen Schlages wegen sofort auf und das Blut bildete einen grellen Kontrast zur aschfahlen Haut. Dennoch blieb das Kind still, zerbiss noch immer seine bereits geröteten Lippen.
„Gestehe, du Scheusal!“, zischte der Priester und riss an den schwarzen Strähnen. „Gestehe endlich deine Taten, du Miststück!“
Kisame war drauf und dran, dieser Farce den Rücken zu kehren, denn ihm kam allmählich die Galle hoch. Erwachsene Menschen standen in einem Kreis und sahen mit Begeisterung zu, wie ein verdammtes Kind misshandelt wurde. Er mochte kein Unschuldslamm sein, aber das hier war Folter aus purem Sadismus. Davon abgesehen, dass dem Jungen auch ein Geständnis nicht würde helfen können.
Inzwischen hatten zwei andere Männer, die ebenfalls in schwarze Roben gehüllt waren, auf Geheiß des Priesters damit begonnen, mit Peitschen auf den Körper Jungen einzuschlagen. Wann immer das Leder auf die zarte Haut prallte, rote Striemen hinterließ, bäumte sich der Körper Itachis auf, warf sich gegen die Fesseln – und die Menge brach in Jubel aus, als der erste Schrei über seine Lippen glitt. Seine Stimme klang verzerrt, von Schmerz gepeinigt und abgehackt, eine Tortur für die Ohren. Die geschundene Haut platzte unter den Hieben auf, ließen ihn sich in seiner Qual winden. Ziellos wurde auf ihn eingeprügelt, so dass bald keine Stelle mehr unversehrt war und die Bewegungen des Jungen erlahmten allmählich. Es war abzusehen, dass er schon bald in Ohnmacht fallen würde, wenn man ihn weiter bearbeiten würde. Jedoch schien auch der Priester diesen Ausgang abzusehen, denn er befahl seinen Lakaien aufzuhören. Abermals richtete er seinen Blick auf die Menge, hob die Hände, als wollte er sie alle umarmen.
„Wir haben ihn beinahe bezwungen! Der Dämon ist geschwächt, er wird sich uns bald ergeben…doch wollen wir ihn so einfach davon kommen lassen?! Ich sage, es reicht nicht!“
Kisame schnaubte, als um ihn herum die Leute die Worte des Mannes wiederholten, wohl keinen Zweifel daran hegten, dass das hier richtig war. Wie Schafe folgten sie ihrem Hirten…

„Rache für unsere Kinder!“, brüllte der Alte und seine Augen traten hervor, als würden sie jeden Moment aus den Höhlen quellen. „Wir werden ihn auf dieselbe Weise strafen! Wir werden ihn in der gleichen Schande baden, ihm dieselbe Demütigung zuteilwerden lassen!“
Kisame erstarrte innerlich, doch außer ihm schien niemand Bedenken zu haben, als die beiden Männer, die den Uchiha schon zuvor geschlagen hatten, dessen Fußfesseln lösten. Es sagte auch niemand etwas, als einer von ihnen seine Robe anhob, während der andere die Schenkel des Jungen auseinander drückte. Wie auf Kommando zappelte das Kind wie von Sinnen, warf sich gegen die Fesseln und gab dabei Laute von sich, die nicht mehr menschlich klangen. Schiere Panik schien von ihm Besitz ergriffen zu haben, der Kopf flog hin und her, doch die Verzweiflung würde ihm nicht helfen. Unberührt fing der Priester an zu beten, so als höre er den Jungen gar nicht. Reflexartig spannte sich jeder Muskel im Körper des Hünen an und er ertappte sich bei dem Gedanken, loszustürmen und dem Jungen zu helfen. Ein wahnsinniger Gedanke, denn in diesem Fall hätte er diese ganzen Verrückten gegen sich. Die würden ihn als Ketzer abstempeln und sie beide hinrichten – das würde nichts bringen.
Doch gerade als er sich damit einigermaßen beruhigt hatte, schaffte es das Kind, den Stofffetzen von seinem Kopf zu streifen. Erschöpft kippte er zur Seite, die Nasenflügel bebten bei jedem Atemzug, die Lippen vermochten nicht mehr aufeinander zu ruhen und…diese Augen.
Kisame erstarrte, als sich die dunklen Seen mit all ihrer Verzweiflung auf ihn richteten und ihn nicht mehr losließen. Die dichten Wimpern zuckten leicht, betonten das, trotz aller Blessuren, hübsche Gesicht. Und…tatsächlich gab es da noch einen verfluchten Hoffnungsschimmer unter den flatternden Lidern und dieser schien ausgerechnet auf ihm zu liegen. Die dunklen Perlen schienen ihn stumm anzuflehen, bohrten sich in seinen Blick und Kisame begriff langsam, dass er sich dem nicht entziehen konnte. Es war vollkommen irrsinnig, sich für dieses Balg in Gefahr zu bringen, und er war Egoist, das hier brachte ihm nichts. Doch dann sah er wieder in diese Augen…und plötzlich hatte er seinen Nebenmann zur Seite geschubst, um nach vorn zu gelangen. Die Geschehnisse schienen an ihm vorbeizuziehen, als er noch während des Laufens sein Katana aus der Scheide zog. Bevor der Mann wusste, wie ihm geschah, durchtrennte ihm die Klinge den Hals, glitt widerstandslos durch das Fleisch. Die Hände ruhten noch zuckend an den hellen Innenschenkeln des Jungen, als ihm das Haupt geräuschlos von den Schultern glitt, mit einem gedämpften Laut zu Boden fiel.
Es interessierte ihn nicht, dass ihn der Uchiha mit geweiteten Augen anstarrte, ebenso wie der Rest des Pulks, welcher die Aktion fassungslos mitangesehen hatte. Die Gesänge hatten gestoppt, keiner rührte sich mehr; sie starrten entweder auf ihn oder die Leiche zu seinen Füßen. Grabesstille.
Es war der fette Priester, der sich als erster wieder fasste und mit wutentbrannter Mimik schrie: „Tötet ihn!! Das Ungeheuer hat ihn verhext! Er ist einer von ihnen!“

Die Worte waren wie ein Stichwort und Kisame verlor nicht länger Zeit damit, einfach nur in der Blutlache rumzustehen. Ruppig stieß er den zweiten Mann beiseite, sodass dieser zu Boden fiel, direkt neben dem abgetrennten Haupt seines Kollegen landete. Würgend krabbelte er davon, doch Kisame hatte seine Aufmerksamkeit längst auf den fetten Priester gerichtet. Dieser zückte plötzlich einen Dolch, welchen er zuvor in seinem Gewand versteckt hatte, und hob diesen über den Adamsapfel des Jungen, um diesen zu durchstoßen.
„Du kommst mir nicht davon!“, schrie er in seinem Wahn und Kisame wusste, dass er zu spät da sein würde. „Fahr zur Hölle!“
Die fleischigen Hände schlossen sich fester um den Griff, stießen zu – nur um wenige Zentimeter über der Gurgel des Jungen zu stoppen. Wie gelähmt stand er da, die Adern traten an seiner Schläfe hervor und die Lippen bewegten sich stumm. Kisame verharrte für einen Moment in seiner Position, das Schwert noch zum Schlag erhoben und mit der anderen Hand hielt er einen der Mitläufer am Kragen gepackt. Ungläubig sah er zu dem Jungen, dessen Iriden die Farbe von getrocknetem Blut angenommen hatten. Rot glommen sie auf, bohrten sich in den erschrockenen Blick des Priesters…und dann schrie dieser auf einmal auf. Der Geruch von verbranntem Fleisch stieg Kisame in die Nase und als der Priester das Messer zur Seite warf, erkannte er, dass dessen Hände zahlreiche Brandblasen aufwiesen. Die Haut war wund und eitrig, schien sich immer mehr aufzublähen, wanderte die Unterarme hoch und breitete sich dort aus.
Kisame zweifelte bereits an seinem Verstand, doch auch die restlichen Leute starrten den Gepeinigten fassungslos an. Das hier ging definitiv nicht mit rechten Dingen zu! Entsprachen die Gerüchte letztendlich doch der Wahrheit?
Jedoch litt wohl nicht nur der alte Mann, denn als Kisame den Blick wieder auf das Kind richtete, erkannte er, dass sich auf seinen Wangen rote Tränenspuren gebildet hatten. Der Lebenssaft kam direkt aus den nun wieder dunklen Augen, welche so viele Gefühle wiederspiegelten, dass ihm ganz schlecht davon wurde. Da war Schmerz, Scham, Angst…und ein letzter Funken Hoffnung, der nach wie vor auf ihm ruhte. Scheiße, er konnte den Bengel nicht hier lassen, Teufelsbrut hin oder her – und wenn er dabei drauf ging!
Grob schlug er die Hände, welche nach ihm griffen, beiseite und kämpfte sich mühsam zu dem Opfer vor, hieb dessen Fesseln mit seinem Katana durch. Ihre Blicke trafen sich, nur wenige Sekunden, ähnlich einer stillen Übereinkunft, ehe er sich den geschwächten Jungen mit einem Ruck über die Schulter warf. Zu seinen Füßen wand sich kreischend der Priester, doch er ignorierte ihn, hob erneut sein Katana, um sich gegen die aufgebrachten Dörfler zu verteidigen. Die Stirn des Uchihas tippte sachte gegen seinen Rücken, die Glieder wurden noch schlaffer und es ließ ihn stutzen.
„Wehe, du stirbst jetzt!“, knurrte er, den Blick auf die Meute vor sich gerichtet.
Der Junge gab keine Antwort, doch wenigstens atmete er noch und das reichte ihm vorerst. Auch wenn er nicht damit rechnete, dass sie hier lebend wieder rauskamen. Vielleicht mit zweifelhaftem Glück, immerhin war mit Sicherheit keiner dieser Männer richtig ausgebildet. Sei es drum, er war niemand, der aufgab und so warf er sich mit Kind und Schwert in das Getümmel.

Aussichtslos beschrieb seine Situation wohl am besten, als er wenig später mit dem Rücken zur Wand stand und sich mit aller Kraft gegen die aufgebrachten Dörfler verteidigte. Der Junge befand sich direkt hinter ihm, hielt die Augen krampfhaft geschlossen, während er in seinem Schutz auf dem Boden kauerte. Mittlerweile war der Schnee zu seinen Füßen blutgetränkt und die Erschöpfung meldete sich, ließ seine Bewegungen erlahmen und seine Aufmerksamkeit abschweifen. Wie lange stand er hier schon und verteidigte sich und das Kind mit allen Mitteln? Anfangs war es noch relativ einfach gewesen, da nicht alle bewaffnet gewesen waren, doch die Leute waren ausgeschwärmt und sei es nur, um sich einen Hammer zu holen, mit dem sie ihm eventuell den Schädel zertrümmern konnten. Kisame wusste nicht, wie viele Hälse er umgedreht, wie viele Herzen durchstoßen oder wie viele Schädel er zertrümmert hatte. Er wusste nur, dass er selbst zu viel abbekommen hatte, auch wenn es wohl nur oberflächliche Wunden waren und er nicht gerade zimperlich reagierte. Jemand hatte ihm die Faust gegen die Schläfe gedonnert, ihm eine Platzwunde zugefügt und das Blut lief ihm immer wieder in die Augen. Einer hatte ihm seinen Hammer direkt zwischen die Rippen gerammt und mindestens eine war gebrochen, denn das Atmen fiel ihm schwer. Allmählich hatten sie ihn soweit mürbe gemacht, dass er selbst nicht mehr daran glaubte, heil hier rauszukommen. Es waren zu viele und auch wenn er zahlreich getötet hatte, so nützte es ihm im Endeffekt nicht viel. Nicht, dass er aus diesem Grund aufgeben würde, doch es war nur eine Frage der Zeit, bis man ihn niederringen würde – und mit dem Kind als Last hatte er noch weniger Chancen.
Der nächste Hieb traf wieder seinen verletzten Kopf, weil er nicht reagiert, das Schwert gerade im Brustkorb eines jungen Mannes zu seiner Linken stecken hatte. Ein Tritt gegen seine Beine ließ ihn vollends das Gleichgewicht verlieren und um ein Haar wäre er auf den Jungen gefallen. Dieser japste erschrocken auf, blickte sich panisch zu allen Seiten um und auch er schien zu begreifen, dass es vorbei war.
„Tötet sie! Alle beide! Der Teufel hat ihn in seinem Besitz! Sie sind verflucht!“, schrien die übrig gebliebenen Priester.
Ihr Anführer war vermutlich längst niedergetrampelt worden, doch als er ihn das letzte Mal gesehen hatte, war sein Gesicht ohnehin nur noch eine Masse aus verbranntem Fleisch gewesen. Zornig schaute er zu dem Jungen runter, welcher sich zitternd an seinen Rücken drückte. Wütend griff er nach hinten, zerrte unwirsch an seinen dunklen Haaren, woraufhin ein schmerzerfülltes Keuchen ertönte.
„Setz deine verfluchten Teufelskräfte ein, Junge, sonst gehen wir hier drauf!“, grollte er und schüttelte ihn durch.
Bevor er sich jedoch noch weiter auf ihn konzentrieren konnte, wurde ihm der kalte Stahl eines Katanas gegen die Kehle gepresst und er stockte. Umzingelt traf ihre Situation wohl am besten und er knirschte mit den Zähnen, schmeckte sein Blut in seinem Mund.
„Richtet sie für ihre Verbrechen!“, ertönte wieder ein Ruf. „Rächt eure Familien, eure Freunde!“
Mit der bloßen Faust schlug er das Schwert beiseite, kümmerte sich dabei nicht um die Wunde, die er sich zufügte, sondern sprang wieder auf die Beine. Und wenn sie ihn in tausend Stücke schneiden mussten, er würde sich nicht freiwillig ergeben. Er würde kämpfend sterben, so wie er es immer gewollt hatte.

Der Junge hinter ihm gab gar keinen Mucks mehr von sich, aber darum konnte er sich jetzt nicht kümmern. Doch gerade als ihm der Gedanke kam, dass es vielleicht gnädiger wäre, wenn er dessen Leben beendete, bevor diese Geisteskranken ihn wieder auf den Altar schnürten, um ihn aufgrund ihrer lächerlichen Rache zu vergewaltigen und danach hinzurichten, ertönte ein Schrei. Es war der Schrei einer Frau, welche mit geweiteten Augen gen Himmel zeigte…und was dort zu sehen war, ließ sogar ihn erstarren.
Die Stille, die sich plötzlich über den Platz gesenkt hatte, wurde von einem lauten Krächzen gebrochen. Normalerweise hätte Kisame einen Schwarm Krähen nicht als beunruhigend empfunden, allerdings handelte es sich hierbei nicht um ein paar schwarze Vögel. Er konnte sich nicht erinnern, jemals so viele Viecher auf einmal gesehen zu haben. Die dunklen Schwingen bedeckten den Himmel, ähnlich einer Unwetterfront, die aufzog. Gut hundert Augenpaare richteten sich auf den Pulk unter ihnen und Kisame stutzte, als ihm auffiel, dass die Tiere immer tiefer flogen.
Im nächsten Moment schossen die Krähen im Sturzflug herunter, mit den scharfen Klauen voran und mit einem eindeutigen Angriff. Das laute Krächzen mischte sich mit den Angstschreien der Leute, als die Vögel mit Krallen und Schnäbeln nach ihren Gesichtern hieben.
Als hätte man mit einem Stock in ein Wespennest gestochen, schwärmten die Krähen aus, machten vor niemandem Halt und Kisame duckte sich gerade noch rechtzeitig, bevor das Vieh ihm die Krallen in die Augen jagen konnte. Andere hatten nicht so viel Glück, wie zum Beispiel eine junge Frau, die sich schreiend die Hände auf die zerfleischten, leeren Höhlen drückte.
„Scheiße!“, entfuhr es ihm und er taumelte zurück, wäre beinahe über das Kind gestolpert, welches regungslos im kalten Schnee lag.
Kisames Kiefer mahlte geräuschvoll, als er sich runterbeugte und den Jungen an der Schulter packte, um ihn grob daran zu rütteln. Dieser schaute aus fiebrig glänzenden, pechschwarzen Seen zu ihm hoch, zitterte sofort wieder am ganzen Leib.
„Warst du das?!“, zischte der Hüne und zeigte auf das blutige Schauspiel.
Der Uchiha folgte seinem Blick, schüttelte dann nur langsam den Kopf und Kisame bemerkte, wie eiskalt der Körper war. Murrend hob er das nackte Bündel auf seine Arme, drückte es an sich und sah sich nach einer Fluchtmöglichkeit um. Er fuhr herum, als über ihm Flügelschlagen und ein bedrohliches Krächzen ertönte – und er sah nur noch, wie der schwarze Schatten auf ihn zuraste. Reflexartig kniff er die Augen zusammen, drehte den Kopf seitlich, um sein Gesicht zu schützen…doch der erwartete Schmerz blieb aus. Etwas drückte seine Schulter, ein kaum nennenswertes Gewicht und als er aufschaute, sah er, dass sich die Krähe auf ihm niedergelassen hatte, die roten Iriden fest auf den Jungen in seinen Armen gerichtet. Dessen nun ebenfalls wieder glühende Rubine fixierten den Vogel, während sich die blutigen Finger in den Stoff seiner Kleidung verkrallten. Kisame verstand nicht länger, was hier vor sich ging…es musste Hexerei sein.

Kaum hatte er den Gedanken gesponnen, fegte plötzlich eine Feuersalve über den Platz, schmolz den Schnee innerhalb von Sekunden weg und setzte die Unglücklichen, welche im Weg standen, in Brand. Das Chaos um sie herum nahm zu, Panik brach aus und nun schien keiner mehr kämpfen zu wollen. Kisame blieb mit dem Rücken zur Wand stehen, als er sah, wie ein kleiner Junge umgestoßen und in kurzer Zeit totgetrampelt wurde. Abermals fegte die Flammen wie aus dem Nichts auf die Menschen zu und Kisame vernahm den Geruch von verbranntem Fleisch, spürte die Hitze bereits, obwohl er bis jetzt noch außerhalb der Reichweite stand. Hart schluckte er, wich noch weiter zurück, denn er selbst bezweifelte mittlerweile, dass er gegen diese Macht bestehen konnte. Das hier ging nicht mit rechten Dingen zu.
Und dann sah er es…eine Gestalt in glänzend roter Rüstung, mir rabenschwarzem Haar und sie bewegte sich unmenschlich schnell durch den Pulk. Eine Sichel bohrte sich durch Eingeweide, ließ Knochen splittern und nahm ein Leben nach dem anderen.
„Der Dämon!“, drangen die Schreie an seine Ohren. „Er wird uns alle umbringen!“
Erneut loderten die Flammen empor, verschlangen die Leute, die bereits auf der Flucht waren und ließen nur rußgeschwärztes Fleisch übrig. Kisame schluckte, als sich der Verantwortliche dieses Massakers auf ihn zu bewegte und gleichzeitig spreizte die Krähe auf seiner Schulter ihre Schwingen, krächzte schrill, ehe sie davon flog.
Es handelte sich um einen Mann Ende Dreißig, der über seine schwarzen Kleidung die Rüstung eines Samurais trug. Auf seinem Rücken hatte er einen riesigen Fächer befestigt und die Kette daran führte zu der blutbefleckten Sichel, welche er in der Hand hielt. Er stand aufrecht, mit erhobenem Kopf und der harte Blick leuchtend roter Augen drückte puren Hass aus. Die Züge waren nicht so feminin wie die des Jungen, doch er erkannte dennoch eine gewisse Ähnlichkeit. Die schwarze Mähne reichte ihm bis zum Hintern, stand wild in alle Richtungen ab. Schatten lagen unter seinen Augen, so als hätte er nächtelang nicht geschlafen, doch es ließ ihn nicht weniger bedrohlich wirken. Dieser Mann war zum Töten gekommen, das merkte man seiner Ausstrahlung an.

Ihre Blicke trafen sich, keiner von ihnen beiden sagte etwas, sie musterten einander bloß, doch dann trat der unbekannte Krieger vor. Kisame wusste, dass er sterben würde, wenn er es auf einen Kampf anlegte. Erstens war der Mann vor ihm nicht normal und zweitens nahm seine Erschöpfung immer mehr zu. Die Sichel wurde über den Kopf des Fremden gehoben, ein mörderisches Funkeln trat in die hasserfüllten Augen und Kisame begriff, dass es wegen dem Jungen in seinen Armen war. Dieser zuckte nur noch schwach, die Kälte und die Schmerzen schienen ihn langsam dahinzuraffen.
Dachte dieser Dämon, dass er dem Kind das angetan hatte? Wohl kaum oder? Vermutlich war es ihm einfach nur egal, er wollte jeden hier tot sehen. Bevor sich die Waffe jedoch in seinen Körper graben konnte, erschien erneut eine Krähe wie aus dem Nichts und ließ sich auf der Schulter des Unbekannten nieder. Dieser hielt daraufhin inne und es machte den Eindruck, als lauschte er dem Krächzen des Vogels, welcher aufgeregt mit den Schwingen raschelte. Verrückt.
Erneut bohrte sich der Blick des Mannes in den seinen, abschätzend und immer noch verächtlich, doch dann befestigte er die Waffe an seiner Seite und deutete mit einem Nicken auf den Jungen.
„Gib ihn mir zurück.“
Die Stimme dröhnte dunkel und unheimlich machtvoll in seinen Ohren wieder, ließ keine Widerrede zu. Zurück…also gehörte auch dieser Kerl zu diesem angeblichen Clan von Teufeln. Teufel…ja, das mussten sie in der Tat sein und dennoch verspürte Kisame keine Angst. Weder vor dem Kind, noch vor dem Mann, welcher sich ihm nun so vorsichtig näherte, als glaubte er an eine Falle. Unweigerlich sträubte er sich dagegen, den Jungen einfach wegzugeben, immerhin hatte er sein Leben für ihn riskiert.
Gib ihn mir!“, zischte der Dämon nun und die Luft um ihn herum schien zu flimmern.
Kisame schluckte den Kloß in seinem Hals nur mühsam herunter, doch er wich nicht zurück. Woher diese plötzliche Besessenheit von dem Kind in seinen Armen kam, das wusste er selbst nicht. Er wollte es noch immer verteidigen. Doch gerade als der Krieger erneut zu seiner Waffe greifen wollte, legte sich eine kleine Hand auf die seine, ließ sie beide innehalten. Die Finger, deren Nägel fehlten, zitterten heftig, der Atem ging stockend, doch der Blick war so eindringlich wie eh und je. So beeindruckende Augen, nicht nur der Form oder Farbe wegen, hauptsächlich war es die Willensstärke in den tiefschwarzen Perlen, die ihn gefangen nahm. Ein mühseliges Nicken folgte und Kisame verstand, was er ihm sagen wollte…was er tun sollte.

Als er dem Mann mit den Teufelsaugen das Bündel überreichte, hatte er nicht das Gefühl, man nehme ihm eine Last von den Schultern, nein, es war beinahe so, als hätte er etwas Wertvolles verloren. Möglicherweise war es die Macht, die von beiden gleichermaßen, wenn auch auf verschiedene Weise, ausging. Kein Mensch konnte so einer Verlockung wiederstehen. War es dieser Gedanke, der ihn den Abschied nicht so gleichgültig nehmen ließ? Der Krieger jedoch verhinderte jede Chance auf eine letzte Kommunikation, lediglich der Blick des Bengels brannte sich ein letztes Mal in den seinen, ehe sich die Lider erschöpft schlossen. Beim nächsten Wimpernschlag waren die beiden verschwunden, als hätte sie der Erdboden verschluckt und alles was blieb, waren die Krähen, die sich an dem Fleisch der zugerichteten Leichen labten.
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