Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Mephisto

von lunalinn
GeschichteDrama, Fantasy / P18 Slash
Itachi Uchiha Kisame Hoshigaki Naruto Uzumaki Sakura Haruno Sasuke Uchiha
09.11.2019
11.09.2020
14
48.109
16
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
30.05.2020 2.936
 
Bis auf das leise Knistern des Feuers in der kleinen Hütte war es ganz still und wenn er ehrlich war, genoss er die Behandlung, die in den letzten Tagen zu einer Art Ritual geworden war. Nun, wo seine Wunden allmählich abheilten, zuckte er nicht mehr unter jeder Berührung zusammen. An den strengen Kräutergeruch hatte er sich mittlerweile gewöhnt, ebenso wie an Itachis geübte Finger, die seinen Rücken vorsichtig untersuchten, bevor sie seine Verbände wechselten. Vielleicht bildete er sich das nur ein, aber es kam ihm so vor, als würde auch das Teufelskind weit weniger Hemmungen haben, ihn anzufassen. Nicht, dass das bisher zur Sprache gekommen wäre, aber er spürte, dass Itachi nicht mehr so angespannt wie zu Anfang war.
„Deine Wunden verheilen gut“, hörte er ihn murmeln. „Ich denke, die Verbände sind nun nicht mehr nötig…so kann die Haut besser atmen.“
Kisame blickte an die Wand vor sich, an der das flackernde Feuer ihre Schatten in Bewegung brachte. Einerseits freute ihn das natürlich, andererseits haftete dieser bittere Beigeschmack an den Worten, denn es bedeutete, dass er ihn in Kürze fortschicken würde. Dabei wusste er immer noch kaum etwas über Itachi. Ihre Gespräche waren inzwischen nicht mehr so einseitig, doch meistens hatte Kisame Belanglosigkeiten angesprochen, um dem Uchiha nicht zu nahe zu treten. Er hatte sich nach der Sache mit Sasuke vorgenommen, Itachis Vertrauen zu gewinnen und das funktionierte nur, wenn er geduldig war und nicht mit der Tür ins Haus fiel.
Es schien die richtige Entscheidung gewesen zu sein, wenn er bedachte, wie der Uchiha mit den Fingern seine Schulterblätter nachzeichnete und weiter nach unten wanderte, dabei die Wunden mied. Kisame schauderte angenehm, schloss für ein paar Sekunden die Lider und ließ ihn machen. Die Berührung fühlte sich anders an als sonst, beinahe schon neugierig – doch dann zog Itachi seine Hände plötzlich zurück, so, als würde ihm bewusst werden, was er tat. Schade eigentlich.
„Kann ich dich was fragen?“
Itachi antwortete nicht direkt, doch als Kisame den Kopf hob und ihm einen Blick über die Schulter zuwarf, nickte er. Gleichzeitig rückte er ein Stück von ihm ab, so dass der höfliche Abstand wieder gewahrt wurde, als sich der Hüne zu ihm herumdrehte.
„Eure Kräfte – woher kommen die?“, stellte er eine der Fragen, die er lange zurückgehalten hatte. „Ich meine, die Leute damals nannten euch Teufel…aber wenn man mal die roten Augen ignoriert, unterscheidet ihr euch kaum von uns Menschen. Was hat es damit auf sich?“
Möglicherweise hatte er sich ja doch etwas zu weit vorgewagt, so wie sich Itachis Blick verfinsterte. Eine Weile schwieg er, die Hände in seinem Schoß ineinander verflochten. Als Kisame schon dachte, er würde sich gar nicht mehr äußern, hörte er ihn seufzen.
„Wozu willst du das wissen?“, gab er zurück und bohrte seine schwarzen Augen in die seinen.
Kisame runzelte die Stirn.
„Wozu? Ich frage mich das, seitdem du damals mitten in der Nacht aus der Hütte gestürmt bist – was im Übrigen nicht die beste Idee war.“
„Was du nicht sagst…“, brummte der Uchiha sarkastisch.
Mittlerweile wusste Kisame, dass sein Gegenüber nicht viel Humor besaß, doch den Sarkasmus beherrschte er ziemlich gut. Normalerweise amüsierte es ihn, aber dieses Thema stieß selbst ihm sauer auf.

„Wie haben die dich überhaupt erwischt?“, fragte er weiter und biss sich sogleich auf die Zunge.
Hatte er es nicht in kleinen Schritten angehen wollen? Nun hatte er bereits zwei Fragen gestellt, die sicher nicht leicht zu beantworten waren. Vorausgesetzt, Itachi wollte sich dazu überhaupt äußern. Dieser senkte den Blick wieder in seinen Schoß, rieb mit den Fingerkuppen über seinen Handrücken.
„Die Kälte, der Hunger…welche Wahl hatte ich?“
„Du hättest nicht wegrennen sollen.“
Ein bitteres Lächeln legte sich auf Itachis Lippen und Kisame begriff, wie gedankenlos er geantwortet hatte. Wieso hätte er ihm auch vertrauen sollen, nachdem er ihm versehentlich seine Kräfte offenbart hatte? Wenn ihn ein ganzes Dorf verurteilt hatte, warum hätte Kisame es nicht tun sollen? Hatte er das nicht sogar? Wie hätte er ohne diesen Vorfall reagiert? Zumindest hätte er ihn nicht gefoltert, getötet…aber ihn vielleicht davon gejagt? Kisame war sich nicht sicher, denn es hatte ihn schlichtweg überfordert, dass die Gerüchte nicht bloß Aberglaube waren. Heute faszinierte es ihn mehr, als dass es ihn verstörte, doch er hatte auch Jahre Zeit gehabt, sich an den Gedanken zu gewöhnen.
„Manchmal war die Angst so mächtig, dass ich wie gelähmt war.“
Kisame blickte auf, als der Uchiha plötzlich weitersprach, wenn auch so leise, dass er ihn fast nicht verstanden hätte. Sein Blick wirkte abwesend, so als wäre er sich gar nicht mehr bewusst, wo er sich befand. Es war unangenehm, auch wenn er diese Situation zu verschulden hatte und gleichzeitig bewies es, dass Itachi ihm bis zu einem gewissen Grad vertraute. Trotzdem sie eigentlich nur dieser eine Vorfall miteinander verband. Sieben Jahre…und dennoch hatte er es nie vergessen. Nie würde er vergessen, wie sich alles in ihm gesträubt hatte, das Teufelskind loszulassen. Das Gefühl konnte er sich bis heute nicht erklären, doch es war auch jetzt noch präsent, äußerte sich nur anders.
„Ich hatte nicht vor, dir irgendetwas anzutun“, nahm er das Gespräch wieder auf. „Ich meine, ja, du hast mich in dem Moment schon ziemlich erschreckt. Im Pub haben sie über euch geredet und ich dachte die ganze Zeit, die haben sie nicht mehr alle…bis du mir die Hand verbrannt hast.“
Itachi machte nicht den Eindruck, als würde er sich gern daran zurückerinnern, so wie er ihn ansah. Seine Finger verflochten sich ineinander, schienen nicht in seinem Schoß ruhen zu können.
„…und warum nicht?“
Kisame stutzte bei der Frage, hatte auch nicht sofort eine Antwort darauf. Das Teufelskind verengte bei seinem Zögern die dunklen Augen, behielt ihn genau im Blick.
„Diese Menschen, von denen du sprichst, hatten keine Skrupel, nachdem sie von unseren Fähigkeiten wussten. Keiner von diesen Menschen hätte das getan, was du getan hast.“
Dass er damit Recht hatte, war Kisame bewusst, denn niemand war eingeschritten. Alle hatten sie da gestanden und zugesehen. Entweder hatten sie seine Peiniger angefeuert oder dem Szenario einfach beigewohnt. Kisame erinnerte sich daran, wie er sich hatte abwenden wollen…und es nicht gekonnt hatte.
„Du stellst mir jedes Mal viele Fragen“, hörte er Itachi leise sagen. „Das ist meine.“
Leider war das ausgerechnet die Frage, die Kisame sich selbst viele Male gestellt und selten eine Antwort gehabt hatte. Wie sollte er sich erklären? Wieso musste er das überhaupt? Das Teufelskind machte ihn fertig.
Er seufzte tief, rieb sich den Nacken, ehe er zu seinem Gegenüber sah.
„Was willst du von mir hören? Dass ich mir einen Nutzen davon versprochen habe? Dass ich aus [i]Herzensgüte[/i] gehandelt habe?“, brummte er, doch Itachi fixierte ihn weiterhin.
„Die Wahrheit.“
Sicher, was auch sonst, nur war das eben nicht so leicht. Kisame zuckte schließlich mit den breiten Schultern, ohne dem Blick des Uchihas auszuweichen.

„Es hat sich eben richtig angefühlt“, erwiderte er schließlich.
„Richtig“, wiederholte Itachi tonlos. „Wie konnte es sich richtig anfühlen, wenn du nichts von uns wusstest? Mir ist bekannt, was diese Leute über uns erzählt haben.“
Man konnte nicht überhören, dass ihm der Uchiha nicht glaubte – und wer konnte ihm das schon verübeln.
„Ich habe nichts davon vergessen“, gab er zurück. „Eigentlich wollte ich mich raushalten…verschwinden.“
Itachi verschränkte nun die Arme, was ihn forscher wirken ließ, als er es war. Vielleicht suchte er auch nach einer Antwort, die ihm nicht gefiel, um einen weiteren Grund zu finden, ihn loszuwerden. Nicht, dass Kisame annahm, dass er das tatsächlich wollte, doch Misstrauen verschwand nicht grundlos.
„Aber dann hast du mich angesehen“, fuhr er fort und merkte, wie der Uchiha innehielt. „Ich weiß, dass das dämlich klingt, aber…du hast da gelegen, in deinem Blut, umgeben von diesen Irren, die dir so viel angetan haben – und dann siehst du ausgerechnet mich an. Du hast dein letztes bisschen Hoffnung echt in jemanden wie mich gesetzt…oder?“
Itachis Blick flackerte bei seinen Worten merklich und er wurde etwas blasser. Eigentlich hätte er genauso gut schweigen können, denn eine Antwort erübrigte sich bei der Reaktion. Er hatte auf ihn gesetzt gehabt. Trotzdem er vor ihm geflohen war und sie sich kaum gekannt hatten.
„Ja.“
Kisame hatte nicht damit gerechnet, dass er es so offen zugeben würde, wenn auch sehr einsilbig. Simpel, aber effektiv. Es erschien dem Hünen verrückt, dass das Teufelskind ihn als seinen letzten Ausweg gesehen hatte. Er war kein verdammter Held, der sein Leben für Fremde riskierte, das sah ihm nicht ähnlich. Wieso hatte er es damals getan?
„Frag mich nicht, was in mich gefahren ist“, meinte er schließlich. „Dachte eigentlich, du könntest mir das sagen…“
Itachis Blick kühlte deutlich ab und Kisame biss sich auf die Zunge. Ja, er hatte wirklich ein Talent für Fettnäpfchen – zumindest schien das bei dem Teufelskind der Fall zu sein.
„Ich dachte, du glaubst nicht an das Geschwätz der Leute?“
Ein schlechtes Gewissen würde er sich dennoch nicht einreden lassen.
„Jetzt tu nicht so, als sei das so weit hergeholt“, erwiderte er ohne Umschweife. „Ich habe gesehen, was du mit dem Priester gemacht hast…und wie du Menschen, mich eingeschlossen, mit deinen Augen hypnotisiert hast. Warum sollte ich dir glauben, dass du mich nicht beeinflusst hast?“
Itachi erwiderte seinen Blick fest, während er zu einer Antwort ansetzte.
„Mehr als mein Wort kann ich dir nicht geben.“
Irgendwie drehten sie sich im Kreis, jedenfalls kam es ihm so vor. Sie verstanden die Motive des jeweils anderen nicht und das nicht bloß, weil sie einander zu wenig kannten. Itachi mehr aus Misstrauen, Kisame eher aus der Neugierde heraus – aber das Ergebnis blieb dasselbe. Vermutlich würde sein nächster Vorschlag nicht auf Begeisterung treffen, doch er wollte es versuchen. Die Idee geisterte nicht erst seit ihrem Gespräch in seinem Kopf herum.

„Du solltest mich begleiten.“
Itachi starrte ihn zunächst nur an, schien den plötzlichen Themenwechsel nicht nachvollziehen zu können. Das Feuer neben ihnen knisterte geräuschvoll, warf immer wieder unregelmäßige Schatten an die Wände.
„Bitte?“
„Auf dem Weg zurück zu meinen Leuten“, führte Kisame es weiter aus. „Du solltest mit mir kommen – zumindest für eine Weile.“
Urteilte man nach Itachis Gesichtsausdruck, könnte man meinen, der Hüne hätte etwas ganz Furchtbares von ihm verlangt. Doch trotz der abweisenden Art und dem abschätzenden Blick war da noch etwas anderes. Etwas, das unter der kalten Fassade steckte.
„…und wieso sollte ich das tun?“
„Weil du mehr über mich wissen willst, ebenso wie ich über dich. Hier bleiben geht ja nicht, richtig? Außerdem würde dir das auch nichts bringen. Du verschanzt dich seit Jahren in diesem Wald und hast ausschließlich negative Erfahrungen gemacht – die Welt ist aber nicht in schwarz und weiß geteilt. Komm mit mir und schau es dir selbst an.“
Man konnte dem Teufelskind ansehen, dass es seine Idee für vollkommen verrückt hielt. Vermutlich wollte es am liebsten direkt ablehnen, stattdessen haderte es sichtlich mit sich.
„Ich…kann nicht“, kam es eine Spur zu zögernd, um ihm Glauben zu schenken. „Was du vorschlägst, ist…“
„Du hast mir doch dein Wort gegeben, dass du mich nicht verhext hast?“
Itachi biss sich auf die Unterlippe, nickte aber.
„Und ich gebe dir meines, dass ich nicht vorhabe, dir zu schaden.“
„Darum geht es nicht.“
Kisame glaubte, dass es auch darum ging. Nicht ausschließlich vielleicht, aber sicherlich war die Furcht einer der Gründe für seine Ablehnung.
„Ich kann dich nicht dazu zwingen, mit mir zu gehen. Was ich von dir verlangen kann, ist, dass du darüber nachdenkst. Schlaf ein paar Nächte drüber, rede meinetwegen mit deinem Bruder und deinem…Onkel...nur triff deine eigene Entscheidung.“
Anscheinend hatte der Uchiha mit einer längeren Diskussion gerechnet, so irritiert, wie er ihn ansah. Es konnte aber auch daran liegen, dass er von selbst seine Familie miteinbezogen hatte. Ob er sich damit nicht ins eigene Fleisch geschnitten hatte, würde er noch merken, denn mit Sicherheit waren die anderen beiden Teufel dagegen. Doch wie sagte man? Je mehr man gegen etwas anredete, umso mehr Widerwillen erzeugte man...und mit seinen Worten hatte er den Druck gemildert. Itachis [i]liebreizende[/i] Verwandtschaft würde es ihm zweifellos ausreden wollen, von daher konnte er nur hoffen.
„Meine eigene Entscheidung…“, wiederholte das Teufelskind betont langsam.
Dabei brannte sich sein Blick mit solcher Intensität in seinen, als versuchte er, seine Gedanken zu lesen. Nicht, dass Itachi dazu imstande wäre…hoffte Kisame jedenfalls.
„Du bist kein Kind mehr, oder?“
„Demnach nimmst du an, ich lasse mich bevormunden.“
„Wenn du das so nennen willst“, brummte der Hüne, zuckte mit den Schultern. „Ich dachte eher daran, dass mich deine Familie höchstwahrscheinlich lieber tot sehen würde – dein Bruder hat es ja schon versucht und dein Onkel hätte mich damals bestimmt auch nur zu gern in Asche verwandelt.“
Dass Itachi ihn nicht vom Gegenteil zu überzeugen versuchte, bedeutete wohl, dass er das genauso sah. Die schwarzen Augen lagen weiterhin auf ihm, als könnte er dadurch mehr über seine Intentionen erfahren, doch er wirkte wieder etwas entspannter. Das war ein gutes Zeichen.
„Ich denke darüber nach.“
Tatsächlich ein sehr gutes Zeichen, wer hätte das gedacht? Er konnte sich nicht helfen, musste einfach grinsen, als er diesen kleinen Triumph für sich vermerkte. Wenn er ehrlich war, hatte er mit mehr Abneigung gerechnet, das hier war kein Nein.
„Das war kein Ja.“
Kisame musste schmunzeln, als er das so trocken klarstellte.
„Keine Sorge, das ist mir bewusst.“
„Warum grinst du dann?“, folgte die skeptische Frage, die Kisames Laune aber nicht trübte.
„Nun, du hast gezögert…also hast du Interesse, nicht wahr?“
Das konnte der Uchiha kaum leugnen und so stockte er kurz, öffnete leicht den Mund, ohne etwas zu sagen. Der Hüne hörte ihn durchatmen, ehe er den Kopf schüttelte und sich erhob.
„Es ist spät. Du solltest schlafen.“
Kisame wünschte ihm immer noch grinsend eine gute Nacht, während er ihm nachsah, bis er die Hütte verlassen hatte. Erst, als er allein war, rollte er sich auf die Seite, den Blick auf die schwächer werdenden Flammen gerichtet. Es mochte verrückt klingen, aber er hatte nicht das Gefühl, dass Itachi seinen Vorschlag ablehnen würde. Aus ihren leider sehr kurzlebigen Gesprächen hatte er sehr wohl die Neugierde des Teufelskindes vernommen…und er hoffte wirklich, dieses würde ihn nicht enttäuschen…


Es war frisch draußen, als Sakura mitten in der Nacht den Tempel verließ. Die kühle Brise fuhr ihr durch das rosafarbene Haar und sie genoss es, schloss kurz die Augen. Bis eben war sie bei ihren Patientinnen gewesen, hatte sich um diese gekümmert und versucht, mehr über die Vorfälle herauszufinden. Natürlich wusste keine der Frauen, was genau passiert war…oder sie verdrängten es einfach so gut wie möglich. Nun, einen Vorwurf konnte man ihnen deswegen kaum machen.
Sakura öffnete die mintgrünen Augen wieder, blickte hoch zum dunklen Nachthimmel, an dem der Vollmond leuchtete. Ihre Arbeit war für heute getan, Hinata hatte sie soeben abgelöst, doch schlafen würde sie wohl trotzdem nicht können. Da waren zu viele Gedanken, zu viele Sorgen und Ängste wegen dem, was da draußen lauerte.
Sie ging ein paar Schritte über das Gelände, musste einfach ihren Kopf freibekommen, immerhin hielt sie sich fast ausschließlich im Tempel auf. Manchmal machten sie sich zu zweit auf Kräutersuche – eine Vorsichtsmaßnahme, auf die Tsunade aufgrund der Situation bestand, auch wenn sich Sakura nicht immer daran hielt. Vermutlich war sie zu leichtsinnig, doch da sie manchmal nach Naruto sah, umging sie die Regel in Ausnahmen.
Sie hielt inne, als ihr ein Rabe auffiel, der auf dem Ast eines Baumes saß und sie mit seinen rot leuchtenden Augen fixierte. Sakura mochte diese Vögel nicht, man nannte sie nicht grundlos Unglücksboten, die immer zur Stelle waren, wenn jemand das Zeitliche segnete. Viele Leute bezeichneten sie als schwarze Aasgeier, die sich am Fleisch der Toten labten. Obwohl sie das Tier unheimlich fand, konnte sie sich nicht von seinem Anblick loseisen.
Sie schauderte in ihrem blauen Yukata, bekam eine Gänsehaut…und fuhr erschrocken zusammen, als sich der Vogel laut krächzend von seinem Ast abstieß. Sie keuchte auf, sah dem Raben, der über ihren Kopf hinweg sauste, mit hektisch klopfendem Herzen nach. Gleichzeitig schalt sie sich eine Närrin; es war bloß ein Tier. Nichts, weswegen sie sich Sorgen machen musste.
Vielleicht sollte sie lieber wieder reingehen, wer wusste schon, wer sich hier draußen rumtrieb.
Ein plötzlicher Impuls ließ sie sich jedoch noch einmal umdrehen. Ihr wurde gleichzeitig heiß und kalt, als sie jemanden in der Ferne zwischen den dicht zusammen gewachsenen Bäumen verschwinden sah. Nur ein Schatten im Mondlicht, sie konnte nicht mehr als Umrisse erkennen, doch es musste ein Mensch sein. Beim nächsten Wimpernschlag war er jedoch verschwunden.
Sakura blieb wie erstarrt stehen, fixierte die Stelle, wo soeben noch jemand gestanden hatte. Jemand war hier gewesen, beim Tempel…hatte er oder sie sie beobachtet? Ihr wurde unwohl und sie haderte mit sich, ob sie nicht gleich zu Tsunade gehen sollte, um ihr davon zu berichten. Dann aber fragte sie sich, was sie ihr eigentlich erzählen wollte. Jemand war hier gewesen, ja, doch vielleicht handelte es sich nur um einen Reisenden, der lieber ungesehen durch die Wälder streifte und deshalb die Nacht bevorzugte. Es war nichts passiert. Wollte sie sich wirklich lächerlich machen, indem sie Tsunade mit so etwas beunruhigte? Ihre Meisterin war ohnehin schon wachsam genug und tat alles in ihrer Macht stehende, um die Mädchen im Tempel zu schützen. Sakura würde höchstens noch mehr Angst schüren und damit würde sie niemandem helfen.
Nein, sie würde vorerst nichts sagen, sondern lieber wieder zu Bett gehen. Der Tempel war ein sicherer Ort, sie alle waren ausgebildet, also keineswegs hilflos. Sie wussten sich zur Wehr zu setzen und da dies bekannt war, würde auch niemand wagen, dort einzubrechen. Obwohl sie sich mit diesen Gedanken einigermaßen zu beruhigen versuchte, konnte sie in dieser Nacht dennoch kaum Schlaf finden.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast