Love is in the air ... or maybe something else

GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Anders Fannemel
09.11.2019
09.11.2019
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love is in the air ... or maybe something else
Fanni humpelte, wie in letzter Zeit eigentlich immer, schlecht gelaunt durch den dunklen, weiß gefliesten Flur, blieb dann schließlich vor einer gelblichen Tür stehen und stützte sich schwer auf seine Krücken. Hinter der undurchsichtigen Glasscheibe, die in die gelbe Tür eingesetzt worden war, konnte er schattenhafte Bewegungen erahnen und auch leise Stimmen, zu leise, als um etwas zu verstehen, drangen auf den, von den flackernden Lichtern von knackenden Neonröhren erhellten Flur. Genervt warf er einen noch schlecht gelaunteren Blick auf seine Armbanduhr und seufzte frustriert, als er dann feststellte, dass er fast 14 Minuten zu spät zu seinem Termin beim österreichischen Physio gekommen war. Wahrscheinlich war Tom bereits ziemlich wütend und würde die zwar wahre, aber dennoch fadenscheinig klingende Ausrede des kleinen, verletzten Skispringers, dass Tom seine Krücken mit Hello Kitty Aufklebern beklebt hatte, sicher nicht akzeptieren. Fanni konnte die mahnende Stimme des Österreichers, der ihn sicher  darauf hinweisen würde, wie eng getaktet sein Zeitplan wäre, förmlich hören …
In manchen Moment hasste Fanni sein Leben einfach nur.
Und gerade war so ein Moment.
Als er aber nun endlich die Hand zum Klopfen heben wollte, öffnete sich stattdessen die Tür und seine erhobene Hand streifte jemanden. Vor Schreck verlor der verletzte Athlet das Gleichgewicht, die Krücken fielen polternd auf die Fliesen und Fanni taumelte dann hilflos in die Arme seines Gegenübers. Der Geruch nach Mandeln und Sandelholz, wahrscheinlich eines der neuen Massageöle von Lindinger, hüllte ihn ein, aber darunter lag noch ein anderer, fremder Geruch und errötend löste Fanni sich und murmelte ohne aufzusehen eine halblaute Entschuldigung, „Sorry … Ich bin nur … gestolpert.“
Er versuchte erst nach den Krücken zu angeln und als ihm das nicht gelang, probierte er an der hochgewachsene Gestalt vorbei zutreten, hatte dann aber plötzlich etwas grün-rotes, stark riechendes im Gesicht, das ihn gleich darauf auch niesen ließ. „Was?“, Fanni blinzelte und erkannte nun erste Details eines großen Blumenstraußes, „Rote Rosen?“ „Hmmm.“, die Stimme kam ihm bekannt vor, aber dennoch gelang es ihm nicht sie einordnen und er blinzelte ein weiteres Mal hilflos und versuchte das Gesagte zu verstehen, „Geh mit mir aus, Fannemel!“
„Was?“, überrumpelt machte Fanni einen Schritt rückwärts, sodass er an den Blumen vorbei nun endlich auch das Gesicht erkennen konnte und seufzte. Ståle Sandbech, meistens Sunnyboy, noch öfter Arschloch Delux, Fannis hoffentlich noch immer geheimer Boycrush und natürlich auch eine Vollzeitnervensäge, stand in der Tür, hielt ihm mit einem seltsam erwartungsvollen Lächeln den übergroßen Blumenstrauß entgegen und schien in seiner unnachahmlich direkten Art und Weise wohl ein Date mit dem Skispringer haben zu wollen.
Ja, manchmal hasste Fanni sein Leben.
Gerade jetzt zum Beispiel.
„Hat Lars dich geschickt, um mich aufzumuntern? Oder ist das irgendeine bescheuerte Wette mit Anders oder Hilde?“, rutschte es Fanni unwillkürlich heraus und er biss sich, kaum dass er diese Worte gesprochen hatte auf die Lippe. Für den ziemlich langen Bruchteil einer Sekunde schien Ståle von diesen Anschuldigungen beinahe schon entsetzt oder zumindest betroffen zu sein, aber dann kehrte schon wieder das für den jungen Snowboarder so typische Grinsen auf sein Gesicht zurück, als er Fanni erstaunlich überzeugend versicherte, „Kein Lars … kein Anders … keine Wette … kein Scherz. Versprochen. Ich will nur ...“
„Kein Interesse.“, unterbrach Fanni ihn einfach und versuchte an der Gestalt des Jüngeren vorbei in das Büro des Physios zu sehen, „Ich habe keine Zeit … Lindinger wartet schon ...“ Als Ståle nicht reagierte, schob versuchte Fanni den Jüngeren zur Seite zu schieben, aber Ståle bückte sich nur, hob die Krücken auf und versperrte ihm erneut mit Leichtigkeit den Weg, „Der kann noch zwei Minuten warten, länger wird das wohl nicht dauern ...“ „Ach?“, Fanni hob fragend eine Braue, als Ståle wiederum nur nickte und ihm nun ein weiteres Mal den Strauß und auch die Krücken entgegenhielt, „Wie wäre es mit einem Kaffee? Oder meinetwegen auch Red Bull? Die kann man bestimmt auch aus Champagnergläsern trinken ...“
Fanni blinzelte und versuchte die Bilder, wie er Red Bull nicht aus nutzlosen Champagnergläsern, sonder gleich von Ståles trainiertem Körper leckte, aus seiner Fantasie zu verdrängen, während er nun beinahe mechanisch die Rosen und die Krücken nahm und gleichzeitig auch einen leisen Schmerzenslaut unterdrückte, als er sich an einem der Dornen stach, „Au ...“ In einem Arm hielt er nun die Rosen und er hatte den verletzten Daumen im Mund, als er nun, auf die Krücken gestützt, noch immer versuchte die Situation irgendwie annähernd zu begreifen.
Ståle hatte mit ihm geflirtet …
Nun, eigentlich hatte der Snowboarder mit jedem geflirtet, fast so als wäre das einfach ein Teil seiner sehr … offenen und mehr als ertragbaren Persönlichkeit, die Ståle im Übermaß zu besitzen schien. Aber Fanni hatte nie gewusst, wie er mit dieser nicht sehr ungewollten Aufmerksamkeit umgehen sollte. Und natürlich, ob die Aufmerksamkeit und das Interesse wirklich ihm gelten sollten oder doch wieder nur eines der Spielchen des Jüngeren wären …
„Du weißt schon, dass ich Heuschnupfen habe?“, Ståle schien noch immer auf eine Antwort zu warten und Fanni, überrumpelt und nach wie vor mehr als unfähig mit der Situation angemessen umzugehen, sprach das Erste aus, was ihm durch den Kopf ging. Im Nachhinein schien das aber nicht die beste Idee gewesen zu sein, denn Ståles blauer Blick veränderte sich von 'besorgt' zu 'mörderisch' und er stieß den Namen des ehemaligen Physiotherapeuts mit erstaunlich viel Wut aus, „Haugvad ...“
Aber ebenso schnell schien der Snowboarder sich auch wieder zu fangen und nickte in Richtung des riesigen Straußes, hinter dem der kleine Fanni beinahe zu verschwinden schien, „Also, ich habe meine Adresse auf die Karte geschrieben … Heute Abend um acht Uhr … Wenn du nicht weißt, wo das ist, kann ich dich auch .abho ..“ „Ich weiß, wo du wohnst.“, rutschte es Fanni, der sich die Adresse bereits vor Monaten beschafft und mittlerweile mehrmals bei Google Earth angesehen hatte, heraus und der kleine Skispringer errötete prompt, als Ståle ihn fragend, voller Neugier und aber auch mit so etwas wie Hoffnung in den blauen Augen ansah. „Ich meine ...“, Fanni räusperte sich und senkte dann eilig den silbrigen Blick, als wollte er sich den Strauß ansehen oder an den roten Rosen riechen, was allerdings seine Nase kitzeln und ihn mehrmals niesen ließ. Hilflos wischte er sich mit dem Ärmel über die Nase und murmelte halbherzig, „ … Ich werde das schon … irgendwie finden.“
„Wie du meinst.“, mit einer eleganten Bewegung, gepaart mit einem knappen Schulterzucken schob Ståle sich nun vorsichtig an dem kleinen, verletzten Skispringer vorbei, verharrte dann aber einen Moment neben ihm und beugte sich zu ihm. Seine Lippen streiften hauchzart Fannis rot gefleckte Wange und hüllte Fanni erneut für einige Sekunden in eine, nach Mandeln riechende Duftwolke, bevor er dann um die scharfe Biegung des Ganges verschwand.
„Scheiße.“, Fanni stolperte nun in das Büro des Physios und errötete ein weiteres Mal, als ihm bewusst wurde, das Lindinger wohl alles mitangesehen hatte. Er warf einen kurzen Blick auf den Österreicher, der merklich Mühe zu haben schien, sein Lächeln zu verbergen, bevor er dann das Bouquet auf die Massageliege legte und die Krücken daneben lehnte. „Kein Wort, Lindinger … Ich will nichts hören ...“, Fanni knurrte mit roten Wangen, aber das Grinsen des Österreichers gewann nun doch die Oberhand, als er dem kleinen Skispringer nun die blonden Haare zerzauste, „Love is in the air ...“ „Lindinger … LASS ES!“, Fanni ballte die Fäuste und seine silbrigen Augen schienen förmlich vor Wut zu sprühen, aber es gelang dem Physio mit einem einzigen Schritt aus der Reichweite des Kleineren zu treten, „ … everywhere I look around ...“
Tom hatte gedacht, er sei mittlerweile auf alles vorbereitet.
Aber, mit einem Rosenstrauß, der ihn ins Gesicht traf, hatte er wirklich nicht gerechnet.
„Ich nehme an, die Karte brauchst du nicht mehr?“, das Grinsen zierte noch immer die bärtigen Züge des jungen Österreichers, als er die Karte zwischen Mittel- und Zeigefinger geklemmt, wie ein Zauberkünstler präsentierte, „Soll ich sie verschwinden lassen?“ Tom war erstaunt, wie schnell der verletzte Fanni sich bewegen konnte, als er das Kärtchen nun an sich brachte und es eilig in seiner Tasche verschwinden ließ. Der zerrupfte und zerfledderte Strauß blieb aber unbeachtet auf dem Boden liegen, als Fanni nun hocherhobenen Hauptes und leise schimpfend, davon humpelte.

„Äh … Tom?“, Alexanders dunkelbrauner Blick wanderte über die Gestalt des Physios und betrachtete das, scheinbar von Dornen zerkratzte Gesicht und die beinahe herzförmigen, roten Blütenblätter, die immer noch Toms Haar und auch seine Kleidung zierten, bevor er sich dann vorbeugte und eines der Blütenblätter vorsichtig von Toms Schulter pflückte, „Sind das etwa Rosenblüten?“ „Ja, Fanni hatte ...“, Toms bärtige Wangen färbten sich nun rötlich, aber Alex ließ ihn nicht ausreden, sondern betrachtete das Blatt nun genauer und runzelte dann die Stirn, bevor er genauer spezifizierte, „Waren das Lars' Rosen?“ „Keine Ahnung ...“, plötzlich wirkte der jüngere Österreicher besorgt, aber auch etwas irritiert, „Warte … Lars züchtet Rosen? Lars Haugvad? Lars Haugvad züchtet Rosen?“ „Das tut er. Und, wenn ich du wäre ...“, Alex schlug Tom beinahe mitleidig auf die Schulter und klaubte ein weiteres Blütenblatt von dem hellblauen Shirt, „Würde ich Lars die nächsten Wochen aus dem Weg gehen ...“
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