[Good Omens] Helter Skelter in my head!

KurzgeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
Anthony J. Crowley Erziraphael
09.11.2019
10.11.2019
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„Shit, Shit… holy SHIT!“… sichtlich genervt und außer Atem setzte sich der rothaarige Mann auf eine Bank im St. James-Park und beobachtete etwas geistesabwesend die Gärtner, die die Blumenrabatten abräumten.

Warum musste IHM das passieren! Er war doch Der Frontman von Grave†heart, einer der angesagtesten Black-Metalbands auf der ganzen Insel. Seine Vorbilder waren Alice Cooper… Ozzy Osbourne, Prince of Darkness, und Lemmy Kilmister, Satan hab ihn selig. Er selbst nannte sich Anthony J. Crowley, nach dem berüchtigten Edward Alexander Crowley oder besser bekannt als Aleister Crowley, den Hexenmeister, das ‚J‘ stand natürlich auf dem Kopf! Helter Skelter eben, wenn’s Charly sagt!

Aber was war jetzt… in seinem Kopf war Helter Skelter angesagt und der Verstand war in einem Clinch mit dem Herz… wohl eher mit den urtümlichsten Trieben, wenn ein potenter Kerl Mitte Dreißig, jemanden begegnet ist, den er vielleicht gerne mal durchs Bett oder übers Sofa jagen würde… oder auch direkt auf dem Fußboden. Keine Möglichkeit war ihm bisher fremd.

Was ihm allerdings fremd war… bisher, dass diese Gefühle bei einem männlichen Wesen auftraten… „Verdammte Scheiße… ich bin doch keine Schwuchtel!“, nein, er war doch ein ‚harter Hund‘! Ein gewaltiges Beben erfasste erneut seinen, in schwarz gekleideten Körper und wieder stand jener kleine Engel nicht still, was im Moment auch noch heftige Schmerzen verursachte, bei der hautengen Lederhose.

„Verdammt…!“, noch ein Fluch, heute war er aber schon wieder sehr nah gebaut an der dunklen Grube. Sacht versuchte er den Druck zu mildern und zog die Hose etwas aus dem Schritt, was eher zu mäßigem Erfolg führte. Das einzige was diese Aktion einbrachte, war ein heftiger Hieb mit einem Regenschirm.

„Entschuldigung… Sir!“, das ‚Sir‘ klang zusätzlich nach einem weiteren Knuff, der verbal traf. „Wenn sie schon ihre Manneskraft nicht im Griff haben, dann verschwinden sie wenigstens hinter dem nächsten Baum und beruhigen sie ihn!“ der Herr mit dem schwarzen Regenschirm und Melone hatte entweder sehr viel Erfahrung auf diesem Gebiet oder überhaupt keine, auf jeden Fall spazierte der ohne auch nur eine weitere Sekunde an diesen dürren Kerl zu verlieren, einfach weiter.

„Idiot…!“, murmelte Anthony dem Frackträger ungehalten hinterher. „Wenn der wüsste.“

Er war doch nur für seine momentane Lebensabschnittsbettbegleiterin in dieser öden Bibliothek und hatte das doch sehr interessante Buch über Dämonologie abgegeben. Er… inmitten von Büchern, allein schon der Geruch, alt, trocken und langweilig! Im Gegensatz zu dem Typen, der das Buch entgegen nahm. Zu seinem Leidwesen war der Kerl eben alles andere als langweilig und…

„Sie haben die Ausleihzeit überschritten…“, nur das waren seine Worte, zumindest die, die er noch als solche wahrnahm. Dann diese unbeabsichtigte Berührung der Fingerspitzen, er wollte noch eine schräge Bemerkung loslassen und zog sich noch gönnerhaft die Sonnenbrille etwas über die Nase und… bumm… dieser beschissene Moment als sich die Augen getroffen haben.

Diese wunderschönen Augen… und aus Anthony ‚J‘ Crowley wurde wieder dieser kleine rothaarige Junge namens Antonio Jedidiah Croce, Sohn italienischer Emigranten, der kaum einen Ton heraus brachte, aber jetzt dieses unschuldige Kribbeln in der Magengrube verspürte, das sich ungeniert in die unteren Regionen ausbreitete, letztlich sein kleiner Italiener darauf reagierte und einen sehr langen Hals bekam.

…und dann rannte er einfach los, raus aus der Bibliothek, aus dem Gebäude und wer weiß wie lange, in den Garten, wo die Gartenpfleger mit ihrer Arbeit schon fast fertig waren. Uhh, es war spät, aber noch nicht so spät, um sich noch einmal zurück zu wagen, zu diesem verdammten Kerl, mit den wunderschönen Augen, diesen blonden, etwas struwweligen Haaren und einem Lächeln… das vom Himmel zu kommen schien. Anthony stellte sich dieses Bild vor seinem geistigen Auge und… sein Herz begann zu hämmern und schon wieder diese pulsierende Enge an seiner schmalen Hüfte.

„Okay…, wenn du meinst, aber das ist ein gewaltiger Irrtum!“, resümierte er nicht nur für sich, stand auf und ging schnellen Schrittes wieder zur Bibliothek zurück, vorbei an den Figuren der weinenden Engel und einigen merkwürdigen Schaufensterpuppen.

Gerade noch rechtzeitig konnte der Musiker in die Bibliothek schlüpfen und abwarten, bis der letzte Besucher verschwunden war. Anthony wollte die Probe aufs Exempel machen und alles wieder ins rechte Licht rücken. Es konnte und durfte nicht sein, dass er, der Lord of Hellfire, wie er sich selbst nannte, auf einmal einen Hang zu Männern entwickelte.

„Da sind sie ja wieder, Mister, sie müssten zwei Pfund und fünfundzwanzig Pennys an Überziehungsgebür nachzahlen und…“, der blonde Bibliothekar namens Aldwyn Zira Fell zwinkerte verschmitzt, als sein Gegenüber, der im krassen Gegensatz zu ihm, völlig in Schwarz gekleidet, wie eine Salzsäule da stand, ihn anstarrte und irgendwie nach den passenden Worten rang. Dieser andere war im Grunde aber gar nicht der Typ dafür, der verlegen Menschen anzustarren pflegte. Eher machte der Kerl mit den feuerroten wirren Haaren den Eindruck nicht gerade auf dem Mund gefallen zu sein.

Zira fasste sich ein Herz und begann zu sprechen, aber dann auch nur mit einigen wenigen Worten, denn… Dieser rothaarige Mann interessierte ihn in seiner enthemmten Sprachlosigkeit mehr als ihm lieb war und das schon seitdem dieser vorhin fluchtartig den Raum verlassen hatte. Da war etwas… magisches in seinen Augen. Warum versteckte er die hinter diesen dunklen Gläsern?

„Aber… aber das hat Zeit! Sie müssen das nicht sofort…!“, Zira war nun völlig verunsichert, er stand diesem Mann gegenüber, nahm dem wie selbstverständlich die Sonnenbrille ab und bewunderte nicht nur dessen bernsteinfarbene Augen. „Später… später geht… auch… noch!“, stammelte er verzweifelt, what the fuck ging hier vor? „A. Zira Fell… mein Name…“, und reichte ihm die Hand. Auf einmal war da so ein merkwürdiges pochen in seinen Ohren. Blut wurde in Regionen gepumpt, in denen das jetzt in diesem Augenblick so gar nichts zu suchen hatte.

Bei Gott… das ist ein Mann und er hatte noch niemals im Entferntesten daran gedacht… das waren für ihn diese Figuren aus diesen Geschichten und Romanen…, diese Stories waren zum Teil sehr gut geschrieben und manche ein völliger Nonsens und nun…

Anthony fand nun auch wieder seine Stimme wieder, mehr oder weniger… „A. J. Crowley, der meine… und… und wie geht es jetzt weiter?“, in diesen Räumlichkeiten wurde es auf einmal ziemlich warm und Anthony öffnete ungeschickt ein paar Knöpfe an seinem Hemd.

Zira hielt ihm immer noch die Hand entgegen und mit einem verlegenen Sorry nahm er die dann schließlich auch entgegen… sie waren sehr feucht… die Hände, und zwar beide. …und die Berührung seltsam vertraut.

„Ich… ich werde… ich muss jetzt die Bücherei abschließen!“, schließlich war das seine Aufgabe, als letzter Mann. Der Blonde war für einen kurzen Augenblick erleichtert, dass er sich irgendwie bewegen musste. Wenn nicht, dann wäre er vermutlich, aus welchem Grund auch immer über den Rothaarigen hergefallen. Es lag eine Anziehungskraft zwischen ihnen, als ob sie dazu bestimmt waren. Doch an Schicksal glaubte Zira nicht… das war ausgemachter Humbug.

Oder?

Das schwere Schloss fiel in sich, der Schlüssel bewegte innere Mechanismen und Hebel. Normalerweise würde er jetzt das Licht bis auf ein Minimum dimmen und zum Hinterausgang nach Hause gehen… allein, wie immer in letzter Zeit. Doch dieser Mann stand an der Theke und atmete, genau wie er, sehr, sehr heftig. Die Schalter für das Licht befanden sich… an der Theke… Crowleys Augen verfolgten ihn auf Schritt und Tritt, kein Wort kam über die Lippen, wie auch, wenn diese so fest zusammen gepresst wurden und nur noch ein schmaler Strich waren.

Zira handelte, als wäre er so nicht ganz bei der Sache… wie mechanisch löschte er die Lichter… bis auf einige wenige. Als ob nur noch die Augen das einzig sichtbare an dieser schwarzen Gestalt sein sollten… unheimlich und faszinierend zugleich. Wenn er jetzt… nichts mehr würde so sein wie zuvor, aber nein, nicht dieser Gedanke! War doch zu absurd! Geistesabwesend schlich er an dem Mann mit den feuerroten Haaren vorbei… Feuer, zu nah und du verbrennst. Vielleicht waren sie beide dazu gemacht um zu… verbrennen.

„Halt…!“, fest war Crowleys Griff um die Handgelenke des Blonden.

„Halt!“, war zugleich das letzte Wort, das Crowley noch sagen konnte…

Shit… shit… ich bin doch ein Kerl! Und… ich hatte schon vieleund ich hatte noch nie einendoch der hier ist so hell… und... no more silly mind games!  

No matter ... only true feelings ...

Love!

Eine Melodie… er schwebte förmlich darauf und Zira ließ es zu… Love!

Crowley stieß ihn gegen die Wand, lehnte sein gesamtes Gewicht auf ihn… die Augen, sie waren willig!

It‘ a sin… and we will burn in hell!

But not tonight!

Tonight, we will burn in our own fire of the eternity!

Die Lippen, sie waren warm… weich… keine Atmung, für einen Moment… Ewigkeit.

Die Hände… sie suchten nach der nackten Haut, jedes Stückchen Stoff… es war lästig, frei wollten sie sein, raus aus den Zwängen, frei!

Free… to do, what we want to do!

Love!

Zungen bahnen sich ihren Weg, zu spät kein Zurück mehr! Hände fühlen, be-greifen… sie halten fest, Körper an Körper… die schnelle Atmung wich einem gierigen Schnauben.

Nein… nein… nein… der Verstand sagt doch nein! Doch was hat denn der Verstand zu sagen, wenn die Neugier stärker ist. Wie weit bin ich bereit zu gehen… kann ich alles geben?

Kann ich auch geben? Hart war die Kante, als er sich daran festhalten musste und gleich die Schwere spürte. Vielleicht war es etwas Beklemmung… vielleicht sogar Angst, das erste Mal… und Zira zögerte und strich sanft über Anthonys Seiten langsam nach unten.

So anders auch für ihn, einen Mann so zu spüren und trotzdem so wunderschön… und sie lassen es geschehen.

Your desire burns me to ashes

and it is so right!

No pain… you are in my thoughts… in my heart,

you are in me

and it’s so right!

Die Herzen bestimmen den Rhythmus, schnell und wild, wie der dumpfe Bass, er dröhnt in seinem Bewusstsein, sein Körper abgestützt auf der glatten Unterlage lässt er es geschehen, wieder und wieder…

Like a storm, who wants to destroy me, but…

No matter … only true feelings …

Love!

Tief gruben sich Ziras Finger ins Fleisch von Crowley, Schweiß und Blut vermischten sich, tiefer wurden die Schreie, sie verlangten nach mehr.

Your magic wand in my hand…

He grows… more and more an he is powerful

He ties me tight.  Without a chance to escape

I don’t want to escape… anymore.

Wie kann man den Schmerz nur so genießen… neue Werte, alte Werte… die Welt des Musikers veränderte sich von Herzschlag zu Herzschlag. Wie konnte er zuvor nur Frauen lieben. Seine schwarzen Fingernägel krallten sich an der Theke fest. Irgendwelche Zettel und Bücher flogen zu Boden… egal, gleich würde es soweit sein, er würde Liebe… fühlen, mit allen seinen Sinnen.

Let us burn up,

brighter than the sun,

hotter than hell ever could be

We are now!

And We Are One!

We are only true feelings …

Love!

In einem gellenden Schrei bäumte sich sein Körper auf, fest umschlungen von Zira, dessen Nähe er sich erst jetzt wieder bewusst wurde.

„Nicht… loslassen… noch nicht…!“, nicht dass dieser Rausch schon vorbei gehen sollte, dieser Moment, an dem sich alles geändert hatte.

„Werde ich nicht… kann ich… noch nicht!“, immer noch spürte er den schlanken Körper unter sich, war es denn wirklich geschehen… seine Fingernägel waren blutig, warum?

„Anthony… hab ich dir weh getan? Das wollte ich nicht… ich wollte… was ist… passiert?“, was hatte er getan, hatte er, der langweilige Büchereiangestellte, gerade einen anderen Kerl… hier zwischen den langweiligsten Büchern nach allen Regeln der Kunst… geliebt? Natürlich, Ge-Liebt! Ein ordinärer Sex konnte niemals alle Sinne gleichzeitig überfluten… das war weit entfernt, von einem Abspritzen warmer Körperflüssigkeiten, vielleicht im Moment bei Anthony… aber dann auch nur, weil der… verdammt, er hatte ja keinen Arsch zur Verfügung.

Nun lagen sie hier, in einer altehrwürdigen Bibliothek der Stadt auf der Ausgabetheke, eng aneinander gekuschelt und wurden sich jetzt erst des Moments Bewusst. Zira inhalierte den Geruch des Rothaarigen. Schweiß, vermischt mit kaltem Rauch diverser Zigaretten, ein wenig Alkoholdunst und dann etwas besonderes, das nur ihn definierte,… das un-definierbar blieb. Ein kleines schwarzes Schlangen Tattoo zierte seine rechte Gesichtshälfte, unscheinbar und doch auffällig schlängelte sie sich hinter dem Haaransatz hervor um dann in einem vielsagenden Ornament liegen zu bleiben.

Mit einer sachten Berührung seiner Lippen liebkoste er dieses Abbild. „Ich mag diese Schlange!“, flüsterte er dem Musiker ins Ohr. Doch der bebte immer noch am ganzen Leib.

„Ich… ich… ich weiß es nicht… was passiert ist ich…“, stammelte Anthony, war er es doch immer, der den Rhythmus bestimmte, der oben auf lag… der sich nahm, wann und wen er wollte und nun?

„Zira… Ich weiß im Moment nicht was…“, ungeschickt drängte er nun den Blonden, der noch immer auf ihm lag, zur Seite und zog, ein wenig linkisch, seine enge Lederhose wieder hoch. Die Schulter schmerzte… und bestimmte andere Teile auch!

Am besten vergessen, was gerade passiert ist… aber wie sollte das funktionieren, dieser Song… er manifestierte sich in seinen Gedanken, We are only true feelings … Love! „Es… es tut mir verdammt leid, Zira… ich muss jetzt gehen…“ fürchterlich, wie er sich benahm, wie ein Schuljunge, der zum allerersten Mal Sex hatte. Im Grunde war es auch vielleicht auch nichts anderes… nur eben anders. „Wir haben morgen Abend einen Gig und ich… muss klar im Kopf…“…sein. So verletzlich sah der junge Mann mit einem Mal aus. Ängstlich sich seinen Gefühlen zu stellen.

Und Zira erging es da nicht anders, vielleicht verstand er es nur ein wenig besser, aber das machte das Geschehene nicht leichter zu verstehen.

„Du kannst doch jetzt nicht gehen… Crowley… bitte!“, schließlich hatte er ihn gerade genommen, er hatte diesen Mann verletzt und lustvoll Schmerzen zugefügt… und es war himmlisch.

„Doch, das… das ist nicht mein Universum…“ und im gleichen Augenblick als Anthony sich selbst hörte, seine eigenen Worte vernahm, wusste er, es war gelogen. Es würde genau sein Universum sein… sein Ding… seine Szene und egal was all die anderen darüber denken würden…

Aber der Augenblick war zu schnell vorbei und Antonio Jedidiah Croce hatte Angst davor, was Anthony J. Crowley empfand.

True feelings … Love!

Zira blieb noch eine ganze Weile, nachdem Anthony schon längst verschwunden war. Räumte völlig gedankenverloren die Unordnung des Geschehens auf und ging… so wie immer, sperrte ab, so wie immer und machte sich auf den Weg nach Hause, allein, so wie immer. Nur trug er selbst so viele verwirrende Gefühle in sich…
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Zwei Menschen... Weil menschliche Liebe nur von wahren Menschen erfahren werden kann. Liebe die von (gefallenen) Engeln kommt, ist göttlich!


Liebe im eigentlichen Sinne ist immer göttlich, nur ist die Auffassung ihrer äußerst unterschiedlich...
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