Reisegefährten

KurzgeschichteAbenteuer, Humor / P12
Ritter & Krieger
09.11.2019
09.11.2019
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Das ist mein erster Text auf dieser Plattform, ein recht kurzer Einstieg in die Geschichte. Ich weiß selbst noch nicht genau, wohin es gehen wird... Mal schauen? Wär aber sehr interessiert an eurer Meinung zum Stil und freue mich über Anregungen und Verbesserungen.
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Eine verschneite Nacht, der erste Schnee in diesem Winter und dann gleich eine solche Menge. Er rieselte hinab in das kleine, einsame Tal, das scheinbar völlig abgeschieden von der Zivilisation inmitten eines sich weit ausbreitenden Waldes saß. Die Schneeflocken trudelten herab, wurden vom Wind gepackt und einige mitten in ein faltiges Männergesicht gewirbelt.

„Bah!“ Der Mann schüttelte seinen Kopf angewidert und zog ihn schnell wieder zum Fenster des einzigen Hauses weit und breit herein. Es war sein Haus oder genauer, seine Gaststätte und er war der Wirt. Nun, die einen nannten es wohlwollend Gaststätte. Menschen, die es lieber mit der Wahrheit hatten, hätten vorsichtig „Unterkunft“ gesagt. Aber zu welcher Sorte man sich auch immer rechnen wollte, Tatsache war, dass es die einzige Möglichkeit im Umkreis von wenigstens zwei Tagesreisen war, in der man die Nacht trocken, warm und einigermaßen sicher überstehen konnte. Solange man seine Wertsachen direkt am Körper trug und dem Wirt gegenüber nicht zu geizig auftrat. Aber ein solches Verhalten wäre provokant und dem folgende unschöne Konsequenzen selbstverschuldet gewesen.

Der Wirt schloss eilig das Fenster und die Anwesenden in der Gaststube lösten die Hände von ihren Mantelkragen, die sie zugehalten hatten. Trotz der ungemütlichen Jahreszeit befanden sich erstaunlich viele Reisende in der Gaststube. Am frühen Nachmittag war eine ganze Reisegruppe angekommen und hatte die Räume der Gaststätte mit unerwartetem Lärm erfüllt. Und was für eine Reisegruppe das war.  Sie war scheinbar völlig zusammengewürfelt aus allen Arten von Menschen, die man sich nur denken konnte.

Da waren die zwei jungen Frauen, ihre Anwesenheit in einer Reisegruppe war als solches schon ungewöhnlich, da sie offenbar keinen männlichen Begleiter hatten, der für sie sprach. Stattdessen hatten sie sich nach ihrer Ankunft schnell von der restlichen Gruppe abgesondert und saßen nun auf einer Bank nahe dem Kamin und sprachen leise zueinander. Ihre Röcke und Mäntel aus zweiter Hand sollten darüber hinwegtäuschen was sie wirklich waren, aber der Wirt hat einige der gemurmelten Worte mitbekommen und war sich sicher, dass niemand, der sich so wortgewandt ausdrücken konnte wie diese zwei, auf so schlechte Kleidung angewiesen war.

„Ein großes Dunkles“, ein Mann mit ledriger Haut im Gesicht und einer feinen Narbe an der rechten Schläfe hatte sich an den Tresen gesetzt. Der Wirt glaubte in ihm den Anführer der Gruppe erkannt zu haben. Er knallte dem Mann den Humpen vor dessen abgestützten Arme. Dann hob er zwei Finger. Der  grinste und nahm einen großen Schluck. Weil er nicht sofort sein Geld herausholte, sah sich der Wirt zu einigen Worten gezwungen.

„Hier wird direkt bezahlt.“ Es war keine Anklage und kein Vorwurf, nur eine Feststellung. Sein Gegenüber grinste wieder und leckte sich den Schaum von den breiten Lippen. Er war dem Wirt noch unsympathischer als schon vor einer Minute. Endlich steckte er seine Hand in seinen Mantel und zog zwei kleine messingfarbene Münzen hervor.

„Wozu so viel Vorsicht? In dieser verlassenen Gegend sind wir schließlich auf Sie angewiesen.“

„Vorsicht ist besser als Nachsicht.“ Der Wirt hatte absolut keine Lust sich in ein Gespräch verwickeln zu lassen.

Zu seinem Glück nahm der Narbige sein Bier und setzte sich an einen großen Tisch, an dem die meisten seiner Mitreisenden saßen: Ein alter Mann, der den Wirt darin reizte, dass er in einem erstaunlich regelmäßigen Abständen von einer Viertelstunde in einen in den Ohren schmerzenden Reizhusten verfiel. Der Wirt konnte nur hoffen, dass er sich bis zum Ende des Abends die Lunge rausgehustet hatte und somit endlich Ruhe geben würde. Ein beinah so missmutig wie der Wirt selbst dreinschauender Mann war dessen zweite Hoffnung; er kratzte bei jedem neuerlichen Anfall mit seinen Fingernägeln über den Tisch und biss die Zähne fest zusammen. Vielleicht war seine Toleranzschwelle so niedrig angesetzt, dass er in der nächsten halben Stunde das Messer an seiner Hüfte ziehen und dem Kranken in die Brust rammen würde.

An der Seite des gereizten jungen Mannes war ein kleiner Junge, dessen Laune unverschämt gut war; er zupfte gerade am Mantel seines Aufpassers. „Siehst du nur, wie es schneit, Andri? Meinst du wir können morgen weiter? Denkst du, wir sitzen hier fest?“ Diese Aussicht schien den Kleinen weniger zu enttäuschen als zu begeistern. „Bestimmt werden wir tagelang eingeschneit sein, das Essen wird knapp und wir werden uns gegenseitig lynchen, damit wir nicht verhungern!“ „Lynchen“ war sein aktuelles Lieblingswort.

„In dem Fall musst du dir keine Sorgen machen“, antwortete Andri seufzend, „niemand würde dich deines Fleischs wegen umbringen. Ist ja nichts dran an dir.“

„Stimmt nicht! Ich bin ganz schön gewachsen in den letzten paar Monaten!“, behauptete der Kleine.

Der Mann mit dem chronischen Husten mischte sich ein. „Außerdem ist dein Fleisch sicher schön zart, so jung wie du bist.“ Er kniff dem Jungen in den Arm und lachte dann laut, als dieser erschrocken von seinem Stuhl aufsprang. Schnell verwandelte sich sein Lachen in den nächsten Hustenanfall und der Mann namens Andri versuchte wenig erfolgreich seine Genervtheit zu verstecken.

Die fünfte am Tisch, wahrscheinlich die Frau des Kranken, schnalzte mit der Zunge. „Das hast du nun davon den Kleinen so zu ärgern!“

„Ich bin nicht klein“, der Junge zog ärgerlich die Brauen zusammen und sah seinem Aufpasser einen Moment lang erstaunlich ähnlich.

„Nein, natürlich nicht“, beeilte sich die Frau zu sagen, „sonst hättest du ja gar nicht mit uns mitreisen können!“

Der Wirt am Tresen machte sich durch ein Räuspern bemerkbar. „Abendessen wär jetzt so weit“, murmelte er. Die zwei Frauen kamen von ihrem Platz am Kamin zu den anderen an den Tisch und der Wirt stellte zwei große Töpfe auf den Tisch mit wenig appetitlich wirkendem, da braunem Grünkohl und ein paar kleinen Pellkartoffeln.