Smaragdgrüner Schimmer

GeschichteRomanze, Freundschaft / P12
Commander Shepard Liara T'Soni
07.11.2019
07.11.2019
1
4.884
1
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
07.11.2019 4.884
 
Hallo meine lieben Leserinnen und Leser und Happy N7-Day! Es ist lange her, dass ich hier im Mass Effect Fandom aktiv war. Viel zu lange. Übrigens, falls es jemanden hier gibt, der noch darauf wartet: Grog Effect 2 wird kommen. Versprochen. Vielleicht noch in diesem Jahr. Aber darum soll es hier nicht gehen. Passend zum N7 Day habe ich dieses Wochenende die ME Trilogie wieder einmal nach langer Pause abgeschlossen und war so emotional gefangen wie eh und je. Und seit ich dazu übergegangen bin nur noch mit der „Mass Effect Happy Ending Mod“ zu spielen, die der Trilogie das verdiente, sowohl glückliche als auch logische Ende verschafft, vergieße ich am Ende nur noch Tränen der Rührung und der Freude. Ein Gefühl, dass ich mit euch zum heutigen Tag teilen will und daher hier nun, das Ende meines jüngsten Durchlaufes als Geschichte zum lesen. Ich hoffe sie gefällt euch und ich wünsche euch allen noch einen schönen N7 Day.
Euer Drachenritter

P.S: Hier ein Video zu der Mod damit ihr auch wisst wovon die Rede ist und falls ihr sie auch selbst installieren wollt: https://www.youtube.com/watch?v=oK0R2bs3qEU

Und für die Stimmung noch die Musik die ich beim Schreiben gehört habe. Für die erste Hälfte: https://www.youtube.com/watch?v=zVLWyt66Yj4
Und für das Ende: https://www.youtube.com/watch?v=txrPOJG5bUc

„Ich bin dein.“ Diese mit tränenerstickter Stimme geflüsterten Worte schienen immer noch in der Shuttlebucht der Normandy wiederzuhallen als diese die Erde verließ. Liara T’Soni, Archäologin, Informationsmaklerin und Shadow Broker, die vielleicht mächtigste Frau der Galaxie stand verzweifelt mitten im Raum, immer noch von James Vega festgehalten und fühlte sich gerade so furchtbar ohnmächtig. Ihre große Liebe hatte sie vor wenigen Minuten, ohne Widerspruch zu dulden hierher gebracht und war dann alleine ins Kreuzfeuer der Reaper weiter gelaufen. In ein Himmelfahrtskommando, selbst für ihre Verhältnisse. Liara schluchzte und nur Lieutenant Vegas fester Griff verhinderte dass sie zu Boden sank. Sie wusste dass Shepard sich um sie mehr Sorgen machte als um sich selbst und sie hatte ihr erneut gesagt, wie sehr sie sie liebte. Und dann war sie losgelaufen, ins Ungewisse auf einem Weg von dem es vielleicht keine Wiederkehr gab. In Richtung des Strahls, in Richtung der Reaper, in Richtung des Endes. Und sie, Liara blieb zurück. In dem Moment wo sie das Gefühl hatte, für ihre Liebe da sein zu müssen, mehr als jemals zuvor, war sie gezwungen zurückzubleiben und die Frau die sei mehr liebte als alles andere in der Galaxie alleine dem Tod und dem Abgrund entgegen treten zu lassen in der Hoffnung, dass erneut ein Wunder geschah. In der Hoffnung, sie wieder zu sehen.
Die Schluchzer bahnten sich ohne nennenswerten Widerstand den Weg aus ihrer Kehle und die Tränen nahmen immer weiter überhand. Schließlich packte James sie an beiden Schultern und sprach auf sie ein: „Hey! Ganz ruhig, Doc. Versuchen Sie durchzuatmen. Der Commander wollte sicher nicht, dass Sie so zusammenbrechen“ Er bugsierte sie sanft zu einem der Waffenschränke und lehnte sie dagegen. Sie machte keine Anstalten sich zu wehren. Sie fühlte sich zu schwach dazu. So verdammt schwach, zum Nichtstun verdammt. Sie nahm alles nur noch durch einen Tränenschleier war. „Hey, ich kann mir vorstellen wie Ihnen zumute ist“, sagte der Lieutenant nun. „Aber noch ist es zu früh zum weinen. Wenn jemand das hier überlebt, dann Lola. Versuchen Sie ein bisschen….“ Liaras trüber und leerer Blick ließ ihn unterbrechen. „Ach mierda, ich bin überhaupt nicht gut in so was. Ich weiß nicht was ich sagen könnte, damit Sie sich besser fühlen, Liara, aber ich kenne den Commander inzwischen gut genug um zwei Dinge über sie zu wissen: Sie liebt Sie über alles und sie ist nicht so leicht kaputt zu kriegen. Sie wird alles tun um die Reaper ein für alle Mal zu erledigen und dann wieder zu Ihnen zurückzukommen. Sie müssen ihr vertrauen.“
Liara sagte nichts. Was sollte sie auch sagen. Auch wenn James’ Worte sie nicht wirklich beruhigten, so hatte er doch auch nicht Unrecht. Sie atmete hastig ein und aus und versuchte sich wieder auf das hier und jetzt zu konzentrieren. Als ihr das halbwegs gelungen war, legte James wieder ihren Arm um sie und sagte: „Kommen Sie, Doc. Wenn Ihnen jemand helfen kann, dann Doktor Chakwas.“
„Ich brauche keinen Arzt“, sagte Liara matt.
„Das sagen Sie, aber ich will nicht riskieren, dass Shepard mir den Kopf abreißt weil Sie einen Nervenzusammenbruch oder irgendwas anderes erlitten habe und sich niemand gekümmert hat. Kommen Sie schon. Wenn es nicht hilft, so schadet es doch auch nicht.“
Also ließ sie sich von ihm widerspruchslos in den Fahrstuhl führen und hinauf auf das Crewdeck in die Krankenstation.
Doktor Chakwas kam ihnen dort sorgenvoll entgegen. „Was ist los? Ist jemand von Ihnen verletzt?“
„Mir fehlt nichts, Doktor“, sagte James. „Und Liara hier scheint äußerlich auch okay zu sein, aber Shepard hat uns gerade im entscheidenden Moment evakuieren lassen und seitdem ist sie wohl krank vor Sorge. Ich wusste nicht wie ich sie beruhigen oder aufmuntern sollte. Sie kennen sie länger und Sie sind Ärztin, daher dachte ich…“
„Gut mitgedacht, Lieutenant“, unterbrach ihn die Schiffsärztin. „Ich kümmere mich um sie.“ Sie übernahm es, die benommene Asari zu stützen und sagte dann: „Danke, Mr. Vega. Sie können gehen.“
Dieser tat wie geheißen und die Ärztin bugsierte Liara zu einem Krankenbett und setzte sie auf dieses. „Durchatmen, Liara. Lassen Sie sich Zeit.“
Liara saß nur still da und sah teilnahmslos zu, wie die Ärztin ihr Universalwerkzeug aktivierte und die Asari offenbar gründlich scannte und untersuchte. Dabei redete sie auf sie ein doch Liara hörte gar nicht zu. In Gedanken war sie nur bei ihrer Liebsten und plötzlich musste sie irgendwie an ihre erste Begegnung denken. Nicht einmal vier Jahre waren seitdem vergangen und doch schien es ein ganzes Leben her zu sein, seit sie damals auf Therum die Protheanischen Ruinen leichtsinnigerweise alleine erforscht hatte und prompt in einem Kraftfeld gefangen gewesen war. Sie war kurz davor gewesen in Panik zu geraten, zumal plötzlich Geht, angeführt von einem Kroganer aufgetaucht waren und ebenfalls irgendetwas zu suchen schienen. Und dann waren plötzlich zwei Menschen und ein weiterer Kroganer vor ihr Zwei Menschenfrauen, beide gepanzert und mit schwarzem Haar. Aber da hatten die Gemeinsamkeiten beider Frauen schon aufgehört. Die Mittlere trug ihr nackenlanges, gleichmäßig geschnittenes Haar offen und hatte blassere Haut als ihre Mitstreiterin. Was Liara aber sofort in ihren Bann gezogen waren die Augen der Fremden gewesen. Sie waren von einem strahlenden Grün, wie ein Smaragd und sie schienen auch so zu glänzen. Die Frau hatte sich als Commander Shepard von der Allianz vorgestellt und ihr Fragen über ihre Mutter und einen Mann namens Saren gestellt. Liaras Verwirrung war noch weiter gestiegen aber schließlich hatten die drei sie befreit und in der ersten von vielen haarsträubend gefährlichen Aktionen auf ihr Schiff mitgenommen. So war sie auf die Normandy gekommen, und in die Crew von Anne Shepard, dem einstigen Waisenkind von der Erde, das zur Heldin von Elysium und dem ersten menschlichen Spectre geworden war. Oh, wie unsicher war sie gewesen, in ihren ersten Tagen und Wochen auf einem Schiff der Menschen. Anne war damals immer wieder zu ihr gekommen, hatte mit ihr über alles Mögliche gesprochen, ihr Fragen über ihr Volk und sie selbst gestellt. Hatte sie auf Einsätze mitgenommen und mit der Zeit wirklich eine Kämpferin aus ihr gemacht. Anne war eine brillante Taktikerin und hatte schnell eine Taktik ersonnen in der Liara eine wichtige Rolle spielte. Sie vermochte es, sich ungesehen an den Feind heranzuschleichen und war eine Meisterin mit dem Präzisionsgewehr. Mindestens ein Feind fiel bevor der Kampf begann. Wenn die anderen Feinde sie erspäht hatten und vor ihren präzisen Schüssen Deckung suchte setzte Liara ihre Biotik ein und erzeugte eine Singularität. Die hilflos schwebenden Gegner waren leichte Zeile für eine Meisterschützin wie Anne Shepard. Doch so unaufhaltsam und entschlossen sie auf dem Schlachtfeld auch war, so verständnisvoll und gütig war sie abseits des Kampfes. Stets hatte sie nach friedlichen Lösungen und gesucht, Gnade walten lassen und Unschuldige ohne zu zögern beschützt. Liara war oft Zeugin geworden wie sie mit geschickten Worten gefährliche Situationen entschärfte und Leute zur Zusammenarbeit überredete.
So hatten sie einander immer mehr kennen und schätzen gelernt. Liara musste trotz ihrer Sorge bei der Erinnerung lächeln, wie schüchtern sie gewesen war und ungeschickt gestottert hatte. Anne hatte das nie gestört. Sie hatte immer nur gelächelt und sie aus diesen faszinierenden smaragdgrünen Augen sanft angeblickt. Immer mehr war aus der Faszination die Commander Shepard darstellte etwas anderes geworden. Eine Anziehung zwischen ihr und Anne. Für Liara war das neu und beängstigend gewesen aber Anne hatte damals schon dieses Einfühlungsvermögen und diese Geduld bewiesen die sie so einzigartig und liebenswert machten. Bilder erschienen vor dem inneren Auge der Asari. Bilder von ihrem beinahe ersten Kuss, den Joker unterbrochen hatte, Bilder von ihrer ersten gemeinsamen Nacht, Bilder von ihrem gemeinsamen Kampf um die Citadel. Sie erinnerte sich auch an die Angst als sie nach der Schlacht Anne unter den Trümmern nicht hatte finden können und die enorme Erleichterung als sie dann plötzlich von selbst daraus herausgeklettert war. Die glücklichen aber viel zu kurzen Wochen die darauf folgten bevor die Normandy zerstört worden war und mit ihr Liaras Herz.
Dann war Cerberus an sie herangetreten und Liara hatte etwas getan was man nur als wahnsinnig oder verzweifelt bezeichnen konnte: sie hatte Cerberus Annes Leiche besorgt. Dabei hatte sich Feron geopfert und Liara hatte nun doppelten Grund Reue zu empfinden. Sie hatte sich um Feron gesorgt, sie hatte sich gefragt ob sie Anne je wieder sehen würde und wenn ja ob sie dieselbe war und ob sie ihr verzeihen konnte.
Zwei Jahre später war sie tatsächlich wieder da gewesen und hatte sich keinen Deut verändert. Ohne zu zögern hatte sie ihr verziehen und ihr geholfen den Broker zu jagen und sogar Feron gerettet. Wie durch ein Wunder war sie plötzlich da gewesen und hatte fast alles wieder gut gemacht.
Es war so ungerecht, dass ihnen beiden nach alledem immer noch kein Frieden vergönnt war. Denn Anne, verantwortungsbewusst wie sie war, hatte sich der Allianz gestellt. Und dann waren die Reaper gekommen. Auf dem Mars hatten sie sich wieder gesehen und immer noch hatte Anne keinen Zweifel daran gelassen dass sie Liara liebte und mit ihr zusammen sein wollte. Gemeinsam hatten sie einander Halt gegeben in diesem Krieg und auf ein gemeinsames Leben in Frieden gehofft. Doch es schien ihnen nicht vergönnt zu sein. Shepard war dem Tod schon so oft knapp entronnen. Liara fürchtete dass dieser sich dieses Mal nicht mehr überlisten lies.
Sie dachte an die Nacht als sie alle in Annes Apartment auf der Citadel gefeiert hatten. Sie dachte daran wie unbeschwert ihre Liebste an diesem Abend gewesen war und an die Leidenschaft mit der sie sich später in der Nacht geliebt hatten. Sie waren in dieser Nacht und am folgenden Morgen so glücklich gewesen. Sollte das ihre einzige unbeschwerte Erinnerung an ihre Zeit mit Anne Shepard bleiben? Das durfte nicht sein. Sie brauchte sie doch.
„Körperlich haben Sie nur ein paar Schrammen. Ihre Emotionale Belastung wirkt sich aber negativ auf ihren Kreislauf aus. Ich fürchte außer einem Beruhigungsmittel kann ich da erstmal nicht viel tun“, holte sie die Stimme von Doktor Chakwas wieder zurück ins hier und jetzt.
„Bitte kein Beruhigungsmittel“, sagte Liara. „Ich würde jetzt lieber klar im Kopf bleiben.“
„Wie Sie wollen Liara. Aber ich rate Ihnen, versuchen Sie gleichmäßig zu atmen und nicht zu sehr an Shepard zu denken. Ich weiß, dass Sie sich Sorgen machen. Glauben Sie mir, das tun wir alle hier an Bord. Aber noch wissen wir nichts und es besteht daher noch Hoffnung, dass sie heil wieder kommt.“
„Danke, Karin“, erwiderte Liara leise, stand auf und verließ die Krankenstation. Sie überlegte einen Moment lang, in ihr Quartier zu gehen. Aber was sollte sie dort tun? Ihre Arbeit war, solange die Schlacht noch tobte nicht wirklich sinnvoll und sie würde sich ohnehin nicht konzentrieren können. Und allein hier sitzen und sich zu sorgen und zu grübeln würde sie nur noch verrückter machen. Also stieg sie in den Fahrstuhl und fuhr hoch ins KIZ. Von dort eilte sie auf die Brücke, wo Joker saß. Dort konnte sie wenigstens den Funkverkehr mithören und würde es erfahren wenn sich etwas tat.
Vorne an der Brück angekommen verhielt sich Liara ganz leise. Sie wollte ihn nicht ablenken. Joker schien zunächst von ihrer Anwesenheit auch nichts zu bemerken, doch plötzlich ertönte EDIs Stimme: „Hallo, Liara“ und der Pilot drehte sich überrascht zu ihr um. „Hallo“, sagte auch er.
Liara nickte ihm nur zu. Sie wollte ihn bloß nicht aus seiner Konzentration reißen. Joker mochte der beste Pilot der Allianz sein aber nicht weniger brauchten sie jetzt auch. Denn die Asari stellte fest dass sie durch das Schlachtgetümmel zwischen der Erde und der Citadel flogen. „Was tun wir hier?“, fragte sie.
„Admiral Hackett hat durchgegeben, dass es jemand auf die Citadel geschafft hat. Die Arme öffnen sich und alle Schiffe haben Befehl den Tiegel zu eskortieren“, gab die Schiffs-KI Auskunft.
Jemand hatte es geschafft? Liara horchte auf. Wenn jemand das wirklich lebend geschafft hatte dann war die Chance sehr groß, dass es Anne war. Vielleicht konnte sie wirklich noch einmal Glück haben.
Die Minuten krochen quälend langsam dahin, bis Admiral Hacketts Stimme über Funk zu vernehmen war: „Zehn Sekunden bis Kontakt.“ Und kurz darauf: „Das war’s. Tiegel hat angedockt.“
Liara, Joker und EDI blickten angespannt nach draußen. Sie sahen die Offene Citadel und den Tiegel aber nichts schien zu geschehen. Joker hatte die Funkkanäle weiterhin offen und plötzlich konnten sie erneut die Stimme von Admiral Hackett hören: „Shepard! Commander!“
Und dann zu Liaras Erleichterung und Schrecken gleichermaßen Annes Stimme nur schwach und angestrengt: „Ich… was soll ich tun?“ Sie lebte! Aber es schien ihr gar nicht gut zu gehen.
„Nichts passiert“, sagte der Admiral. „Der Tiegel feuert nicht.“
Alle drei auf der Brücke atmeten hastig aus und ein als von Seiten Shepards nur ein schwaches: „Ich… weiß nicht wie…“, kam und dann nichts mehr. Entsetzt schlug Liara beide Hände vor den Mund.
Schließlich brach EDI das bedrückende Schweigen. „Die Schiffscanner stellen einen enormen Energienstieg an der Schnittstelle von Tiegel und Citadel fest. Die Waffe scheint zu laden und in Kürze zu Feuern. Allerdings dürften die daraus entstehenden Energieentladungen mehrere Explosionen und schwere Schäden an der Citadel und speziell im Präsidiumsring  auslösen. Laut den Scannerdaten und meinen Berechnungen befindet sich Shepard im unmittelbaren Gefahrenbereich.“
„Bei der Göttin!“, keuchte Liara. „Wir müssen sie da rausholen!“
„Ich weiß nicht, ob die Zeit dafür ausreicht“, sagte EDI. „Die Normandy müsste mitten durch den Gefechtsraum fliegen und unzähligen Projektilen und Reapern ausweichen.
„Aber wir können sie doch nicht einfach zurücklassen“, protestierte Joker. Der ertönte erneut ein Funkspruch von Admiral Hackett: „Alle Flotten: Der Tiegel feuert! Formationen auflösen und Rückzug zum Rendezvouspunkt! Ich wiederhole: Lösen Sie die Formationen auf und verschwinden Sie von hier!“
Joker betätigte hastig mehrere Knöpfe seiner Steuerkonsole und wirkte unschlüssig. Liara zitterte wieder am ganzen Leib. Wenn sie jetzt nichts taten würde sie Anne in wenigen Augenblicken doch noch verlieren.
„Nein“, sagte Joker schließlich und lenkte das Schiff um in Richtung Citadel. „Wir müssen…“
Weiter kam er nicht, denn erneut ging ein Funkspruch ein: „Normandy. Hier ist die SSV Nürnberg. Wenn Sie nach Shepard suchen wollen, geben wir Ihnen Deckung.“
In diesem Moment tauchte besagter Allianzkreuzer auch neben der Normandy auf.
„Hier Normandy. Danke sehr“, antwortete Joker kurz angebunden und vollführte einige seiner speziellen Manöver. „Achten Sie auf meine Flanke! Wir fliegen rein!“ funkte er der Nürnberg zu. Er flog direkt zwischen den Armen eines Reapers durch doch zum Glück war die Nürnberg eine hervorragende Ablenkung für alle Feinde. An den Anzeigen der Steuerkonsole konnte Liara angespannt verfolgen wie sich die klappen der Shuttlebucht öffnete und ein Shuttle die Normandy verließ „Verbindung wiederhergestellt. Sende Koordinaten für Shuttleexfiltration“, sagte EDI.
Dreißig Sekunden später kam der Funkspruch von einem der Servicemen im  Shuttle. „Sind auf der Citadel gelandet. Ausschwärmen und den Commander suchen!“
Liaras Herz schlug bis zum Hals doch nur ein paar Sekunden später kam der erlösende Funkspruch: „Normandy, Shepard ist am Leben.“
„Energiewert der Citadel erreicht kritisches Niveau in 40 Sekunden“, warnte EDI während alle drei beobachteten wie das Shuttle sich quälend langsam wieder der Normandy näherte. „Normandy, Rettungsteam ist im Landeanflug“, gab der Serviceman wieder Auskunft.“
„Komm schon! Komm schon!“, bangte Joker.
Schließlich war das Shuttle endlich an Bord. „Sichere Luftschleusen und Frachtraumrampe“, berichtete EDI.
„Dann nichts wie weg hier!“, sagte Joker und hielt auf den offenen Weltraum zu, dabei aus der Normandy alles rausholend. Denn nun feuerte der Tiegel und für einige Sekunden war der ganze Weltraum in rotes Licht getaucht. Joker flog so schnell er konnte, doch der Lichtstrahl holte die Normandy schließlich ein. Alle hielten den Atem an, und machten sich auf das schlimmste gefasst, doch es passierte nichts. Die allgemeinen Befürchtungen hatten sie als unbegründet erwiesen. Ganz im Gegensatz zu den allgemeinen Hoffnungen. Sämtlich Reaper die von dem roten Licht erfasst wurden, brachen an Ort und Stelle zusammen und trieben leblos durch das All. Das war das Ende der Reaper. Das Ende des Zyklus. Das Ende des Krieges.
„EDI?“, fragte Joker. „Mit dir und dem Schiff alles in Ordnung?“
„Alles in Ordnung, Jeff. Die Dunkel Energie des Tiegels hat sich offenbar tatsächlich nur auf die Reaper ausgewirkt.“, beruhigte ihn diese.
Nun, wo sie sicher sein konnte, dass hier alles in Ordnung war, hielt Liara nichts mehr auf der Brücke. Sie eilte mit raschen Schritten wieder zum Fahrstuhl, direkt dorthin wohin ihr Herz sie rief. So schnell sie konnte war sie wieder bei der Krankenstation wo Doktor Chakwas gerade dabei war, jemanden auf einem Krankenbett zu versorgen.
„Anne“, entfuhr es Liara und sie eilte an die Seite der Schiffsärztin. Was sie dann sah, ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren. Es war Anne aber sie sah schrecklich aus. Ihre Nase und ihre untere Gesichtshälfte war von einem Blutrinnsal bedeckt. Ihre Panzerung wirkte verbrannt ihre Arme ebenso verbrannt und blutig. Ihre Augen waren geschlossen und ihr Gesichtsausdruck schmerzverzerrt. Sie war offenbar ohnmächtig und schien trotzdem Schmerzen zu leiden. „Bei der Göttin“, jammerte sie und Doktor Chakwas zog sie mit sanfter Gewalt weg. „Ganz ruhig, Liara“, sagte sie. „Ich weiß, das sieht furchtbar aus und sie ist auch schwer verletzt. Sie hat schwere Verbrennungen und Quetschungen sowie Knochenbrüche erlitten. Aber soweit ich das bisher beurteilen kann, ist nichts passiert was sich nicht heilen lässt. Atme tief durch und hab Vertrauen. Mit etwas Glück ist sie in ein paar Monaten wieder ganz die alte.“
„Wirklich?“, fragte Liara zweifelnd.
„Wirklich“, sagte die Ärztin und lächelte. „Ich konnte das in letzter Zeit viel zu selten sagen, aber jetzt kann ich es: Alles wird wieder gut.“ Dann ertrug die Menschenfrau den waidwunden Blick der jungen Asari nicht mehr und nahm sie in die Arme.
„Danke“, schluchzte diese, mehr als sie sagte. Nun war sie endgültig nicht mehr in der Lage, ihre Gefühle zurückzuhalten.
„Schhhhh“, wisperte Karin beruhigend. „Das wird schon wieder.“ Schließlich lies sie Liara los und sagte: „So und jetzt brauchen wir alle drei Ruhe. Shepard und ich brauchen Ruhe, damit ich sie von dieser verbrannten Panzerung lösen und sie behandeln kann und du brauchst jetzt auch etwas Ruhe. Wir werden sie in eine Klinik auf der Erde bringen und bis dahin solltest du in dein Quartier gehen und dich ein wenig ausruhen. Keine Widerrede, ärztliche Anweisung.“ Liara schien immer noch nicht begeistert. „Ich sage dir Bescheid, sobald sich was tut“, fügte die Ärztin hinzu. „Versprochen.“
„Also gut“, lenkte Liara ein. „Und danke, Karin“
„Nichts zu danken. Ich bin selbst sehr erleichtert“, erwiderte Dr. Chakwas bevor Liara die Krankenstation verließ und in ihr Quartier ging. Glyphs: „Ich grüße Sie, Doktor T’Soni“ nahm sie nur am äußersten Rand ihres Bewusstseins wahr. Sie ließ sich auf ihr Bett fallen und lies ihren Gefühlen und ihren Tränen freien Lauf. Es war vorbei! Es war tatsächlich vorbei! Und es schien tatsächlich ein gutes Ende zu nehmen. Auch wenn sie von den anderen Crewmitgliedern der Normandy noch nichts gehört hatte. Außer Joker, Karin, Traynor und James waren alle noch auf der Erde. Hoffentlich ging es ihnen gut. Immer noch war vieles in der Schwebe, aber es schien in der Tat das erhoffte Wunder eingetreten zu sein. Mit diesem Gedanken driftete die gebeutelte Asari in einen unruhigen Schlaf.
Als sie wieder erwachte war etwas anders als vorher. Schließlich fiel ihr auf was es war. Das Schiff lag ruhig und kein Geräusch von den Triebwerken war zu hören. Sie waren offenbar gelandet. Vermutlich in einem Raumdock auf der Erde. Als sie aufstand kam Glyph auf sie zugeschwebt und sagte: „Guten Morgen, Dr. T’Soni. Doktor Chakwas bat mich, Sie bei ihrem Aufwachen darüber zu informieren dass Commander Shepard in ein Krankenhaus gebracht wurde und bereits auf dem Weg der Besserung ist. Ich übertrage die Koordinaten auf Ihr Universalwerkzeug“
„Danke, Glyph“, sagte sie und war sofort wach. Sie eilte aus ihrem Quartier und stellte fest, dass sich scheinbar niemand auf dem Crewdeck befand. Sie fuhr nach unten in die Shuttlebucht und stellte fest dass sie richtig gelegen hatte. Die Frachtrampe war offen und Tageslicht schien durch sie hinein. Sie waren auf der Erde. Und offenbar war es gerade Morgen oder Vormittag. Sie trat über die Rampe ins freie. Sie fand sich auf einem offenen asphaltierten Gelände wieder. Etwas weiter vor ihr stand ein Shuttle. Und vor diesem ein Mann der ihr entgegen trat. Es war Lieutenant Steve Cortez. „Hallo, Dr. T’Soni“, grüßte er sie.
„Hallo, Steve“, erwiderte sie und bracht ein lächeln zustande. Schön, dass Sie wohlauf sind.“
„Sie ebenso Liara“, antwortete er. „Dr. Chakwas meinte, dass Sie vermutlich sofort nach dem Commander sehen wollen, sobald Sie aufgestanden sind. Ich kann Sie hinbringen, wenn Sie wollen.
„Ja bitte“, sagte sie dankbar.
„Na, dann steigen sie mal ein“, sagte er grinsend.
Als das Shuttle gestartet war, fragte Liara. „Wissen Sie, wie es ihr geht?“
„Den Umständen entsprechend gut“, antwortete der Pilot. „Wir waren alle genauso krank vor Sorge, wie Sie, aber die Ärzte meinen dass sie verdammt viel Glück hatte und gute Chancen hat, sich vollständig zu erholen, dank Doktor Chakwas’ schneller Hilfe.“
„Der Göttin sei Dank“, seufzte Liara erleichtert. „Wie steht es denn um die anderen von der Normandy?“
„Allen geht es soweit gut“, gab er die nächste erlösende Antwort. „Nur ein paar kleinere Verletzungen und Streifschüsse. Wenn meine Beobachtungen mich nicht täuschen habe ich alle Leute, die ich auf Shepards Party auf der Citadel gesehen habe, auch mit mir im Krankenhaus auf Nachrichten über ihren Zustand warten sehen.“
Das nächste Wunder. Niemand hatte sich in solche absolute Gefahr begeben wie Anne aber sie alle hatten in dieser Schlacht auch ihr Leben eingesetzt. Anne würde sehr froh sein, all ihre Freunde um sich zu haben, wenn sie aufwachte. Erneut atmete Liara erleichtert tief aus und ein.
„So, da sind wir schon“, sagte Cortez und setzte zur Landung an. „Kommen Sie, ich zeige Ihnen den Weg.“
Zielstrebig führte er sie durch die Flure und Gänge des erstaunlich gut erhaltenen Krankenhaus bis zu einem Zimmer vor dem mehrere ihrer Freunde versammelt waren und so eine Art Wache hielten. Liara erkannte Wrex und Grunt, Tali und Garrus, Miranda und Jack, sowie Steve und Ashley. Sie nickte allen nur kurz zu als diese sie lächelnd begrüßten. In diesem Moment kam Karin aus dem Zimmer. „Ah, Liara. Da bist du ja. Wenn du willst, kannst du kurz rein und nach ihr sehen.“
„Danke“, sagte diese und trat hastig in den Raum.
Drinnen war es für ein Krankenzimmer recht angenehm eingerichtet. Es gab einen Tisch mit Stühlen, zwei Schränke, ein Fenster nach draußen und in der Mitte des Raumes ein Krankenbett in dem Anne lag. Sie sah schon weniger ramponiert aus als zuvor und schien friedlich zu schlafen, wie Liara erleichtert feststellte. Sie zog einen Stuhl zum Bett und setzte sich. Erneut stiegen ihr die Tränen in die Augen, als es langsam in ihr Bewusstsein drang, dass dieser Albtraum tatsächlich vorbei war und zumindest für sie und Anne einen glücklichen Ausgang zu nehmen schien. Leise weinend, um ihre Geliebte ja nicht aufzuwecken ergriff sie zärtlich deren Hand und drückte sie sanft. So verharrte sie eine Weile und sandte ein stummes Dankgebet an die Göttin oder wen auch immer bis sie spürte dass Annes Hand sich in ihrer bewegte. Sie sah sie an und beobachtete wie die Menschenfrau die Augen aufschlug. Ihre Augen wirkten einen Moment lang matt und desorientiert doch schließlich trafen Annes grüne Augen ihre blauen.
„L…Liara?“, fragte sie mit matter Stimme.
„Ich bin es, Anne“, erwiderte sie ebenso leise.
Annes Mund verzog sich zu einem lächeln und in ihren smaragdgrünen Augen war wieder dieses Funkeln, dieser Schimmer an dem sich Liara nicht sattsehen konnte. „Schön dich zu sehen“, sagte Anne. „Ihr seid also noch rechtzeitig weggekommen.“
„Ja das sind wir. Und ich hatte die ganze Zeit eine furchtbare Angst um dich“, erwiderte Liara und konnte nicht anders als vorwurfsvoll zu klingen.
„Das tut mir wirklich leid“, sagte Anne. „Aber es musste sein. Ich konnte das nur zu Ende bringen, weil ich wusste dass du sicher warst und auf mich warten würdest. Das Wissen und der Wunsch zu dir zurückkehren zu können hat mir die Kraft gegeben, weiter einen Fuß vor den anderen zu setzen nachdem dieser Reaperstrahl mich getroffen hatte. Was ist eigentlich passiert? Das letzte was ich weiß ist, dass ich auf der Citadel war. Ich muss dort wohl ohnmächtig geworden sein.“
„Der Tiegel hat nach einer gewissen Aufladezeit gefeuert. Die Zeit war lange genug dass wir dich mit einem Shuttle evakuieren und von der Citadel schaffen konnten, bevor die Explosion die der Tiegel dort ausgelöst hat dich erwischt hätte. Karin hat dich versorgt und dann hierher bringen lassen in ein Krankenhaus auf der Erde.“
„Und die Reaper?“, fragte Anne.
„Weg. Der Tiegel hat sie alle vernichtet. Es hat funktioniert“, sagte Liara.
„Es hat funktioniert?“, fragte Shepard. „Der Krieg ist vorbei?“
„Ja, er ist vorbei Anne“, bestätigte Liara jauchzend. „Der Krieg ist vorbei und ich habe dich wieder.“
„Und die anderen?“, fragte Anne nun, die immer zuerst an ihre Freunde dachte.
„All deinen Freunden geht es soweit gut. Viele von ihnen sind draußen und warten dass du aufwachst.“
„Das ist gut“, sagte Anne und seufzte erleichtert auf. „Wenigstens muss ich nur Anderson betrauern.“
„Anderson?“, fragte Liara verwirrt.
„Er hat es mit mir auf die Citadel geschafft“, erklärte Anne. „Aber der Unbekannte war auch da. Er hat versucht mich mit Reapertech zu kontrollieren. Kurz ist es ihm gelungen und ich habe auf Anderson geschossen. Ich konnte die Kontrolle abschütteln und dem Unbekannten endlich klar machen dass er der kontrollierte ist. Er hat sich daraufhin selbst erschossen. Andersons Verletzung war aber tödlich. Er ist neben mir sitzend gestorben nachdem ich den Tiegel aktiviert hatte.“
„Anne, das tut mir sehr Leid. Ich weiß dass er dir sehr nahe stand“, sagte Liara ehrlich.
„Ja, das stimmt“, sagte Anne leise. „Er war mein Mentor, mein Fürsprecher. Er war der Vater den ich nie hatte.“
„Dann behalte ihn genau als diesen in Erinnerung“, sagte Liara. „Und mach dir keine Vorwürfe. Ich bin sicher er wollte dass du lebst und lächelst, wenn du an ihn denkst.“
„Da hast du wohl recht. Aber es wird wohl noch eine Weile dauern, bis ich beim Gedanken an ihn wieder lächeln kann.“  
„Das verstehe ich. Lass dir Zeit. Ich bin da für dich, das weißt du“, sagte Liara.
„Ich weiß“, sagte Anne und sah sie liebvoll an. „Und das ist im Moment alles was ich brauche.“ Liara lächelte gerührt zurück bis Anne ihre Arme trotz der sichtbaren Mühen und Schmerzen nach ihr ausstreckte. „Komm her“, sagte sie sanft und drückte ihre Asari an sich. Diese lies sich nach einigem Zögern doch in die Umarmung sinken. Wieder konnte sie nicht anders als zu weinen und ihrer Geliebten ging es nicht anders. So ließen sie beiden ihren Gefühlen freien Lauf und verarbeiteten die Erkenntnis. Sie hatten es geschafft. Die Reaper waren tot und sie lebten noch. Sie hatten nun eine Zukunft auf die sie sich freuen konnten. „Jetzt wirst du mich so schnell nicht mehr los“, scherzte Anne.
„Das hoffe ich doch. Du hast mir ein Haus und einen Haufen blauer Kinder versprochen“, erwiderte Liara.“
„Und ich werde dieses Versprechen mit Freude erfüllen“, meinte Anne. „Und dir jeden Tag zeigen wie wundervoll du bist und wie sehr ich dich liebe.“
„Ich liebe dich auch“, hauchte Liara und küsste Anne. Die beiden Liebenden versanken in dem Kuss und ließen all den Schmerz und Schrecken der vergangenen Monate für einen kurzen, kostbaren Moment hinter sich. Als sie sich voneinander lösten, lächelten sie einander überglücklich an, auflebend in dem Wissen dass auf diesen Moment noch viele andere Momente des Glücks folgen würden. Dass die Zeit all ihre Wunden an Körper und Seele heilen würde und auf sie eine Zukunft in Frieden und Glück wartete, zusammen und gemeinsam mit ihren Freunden. Liara blickte tief in Annes Augen und versank erneut in dem tiefen grün und diesem smaragdenen Schimmer der immer darin erschien wenn sie einander ansahen. Die Farbe Grün stand bei den Menschen für Leben und Hoffnung, wie sie inzwischen wusste und in der Tat: Anne Shepard war ihr Leben und der Quell ihrer Hoffnung seit diesem Tag auf Therum vor gefühlt so langer Zeit und würde es immer bleiben.
Review schreiben