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Neuorientierung

KurzgeschichteFreundschaft, Sci-Fi / P12
Inara Serra Kaywinnit Lee Frye Malcolm Reynolds
06.11.2019
06.11.2019
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Diese kleine Firefly-Story ist irgendwie so nebenbei entstanden, im Grunde nichts Besonderes. Nur ein paar Gedanken... Vielleicht mag es jemand von euch lesen - wenn es euch gefallen hat, lasst mir gern einen Kommentar da!

*Bringt Firefly zurück!*  ;-)

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Lautlos glitt die Serenity durchs All. Innen, im Raumschiff, konnte man lediglich das konstante, tiefe Wummern der Maschinen vernehmen. Beruhigend und konstant wie ein Hintergrundrauschen.

Für Inara gab es kein Geräusch, dass mehr nach Zuhause klang, als dieses Schiff. Hier war ihre Heimat, schon seit einigen Jahren. Hier waren ihre Freunde, die Menschen, die sie liebte. Während sie damit fortfuhr die Tomatenpflanzen von überzähligen Trieben zu befreien und die übrigbleibenden, starken, vorsichtig an den eigens dafür gespannten Drähten hochwand, hing sie ihren Gedanken nach.

Während der Arbeit mit ihren Pflanzen konnte sie hervorragend nachdenken, es war fast schon mehr ein meditieren, als denken. Sie zog die Rolle mit dem Bindedraht aus ihrer Hüfttasche und knipste ein Stück ab. Ihre Freunde und Kollegen auf dem Schiff machten sich noch immer darüber lustig, dass sie bei der Arbeit im Gewächshaus nicht endlich dazu überging, etwas praktischere Kleidung zu tragen. Zum Beispiel einen Arbeitsoverall, in der Art wie Kaylee ihn im Maschinenraum trug. Aber das war einfach nicht ihr Stil. Sie trug gern weich fließende Kleider und Röcke, aus schönen, glatten Seidenstoffen. Dazu schnallte sie sich dann ihre Hüfttasche um und konnte dort ihre Arbeitsutensilien verstauen. Das war kein Problem und störte keineswegs bei der Arbeit.

Sie befestigte den Tomatentrieb mit dem zuvor abgeknipsten Stück Draht am Haltedraht, er reichte ihr schon bis über den Kopf. Sie wandte sich der nächsten Pflanze zu. Seit sie ihre Arbeit als Companion vor knapp einem Jahr aufgegeben hatte, widmete sie sich mit Hingabe dem Anbau von Obst und Gemüse. Einer ihrer Kunden hatte ihr damals, als Bezahlung für ihre Dienste, die Ausrüstung für eine komplette Indoorgärtnerei samt des für mehrere Jahre reichenden Saatgutes überlassen.

Natürlich hatten der Captain und der Rest der Crew dem Aufbau des Gewächshauses in einem der Frachträume begeistert zugestimmt und Inara auch tatkräftig unterstützt. Die Aussicht, als Gegenleistung öfter etwas frisches auf den Teller zu bekommen, anstatt der immerwährenden Konservenkost, war dafür Lohn genug.

So hatte Inara, zunächst als Freizeitbeschäftigung und Versorgung für die Crew, mit dem Züchten von Obst und Gemüse begonnen. Offensichtlich hatte sie ein wahres Talent dafür, schnell überstieg der Ernteertrag die Mengen, die die Crewmitglieder selbst verzehren konnten, bevor die Früchte schlecht wurden. Selbst wenn Jayne sich alle Mühe gegeben hatte und mehr als einmal davon gegessen hatte, bis ihm schlecht wurde.

Dann begann Inara damit, ihre Ernte zu verkaufen. Da es kaum Planeten gab, auf dem der natürliche Anbau möglich war und Saatgut und das Equipment für ein Gewächshaus für die meisten Menschen unerschwinglich, lief das Geschäft hervorragend. Auf jedem der Planeten, auf dem die Serenity wegen Frachtaufträgen anlegte, konnte Inara ihre Waren zu unglaublichen Preisen verkaufen. Einige ihrer Kunden flogen ihnen nach einer Weile sogar entgegen, wenn sie ihre Heimatwelt für einige Zeit nicht passierten, um bei einem Rendezvous der Raumschiffe Ware anzukaufen.

So wurden die Aufträge, die Inara als Companion annahm, immer weniger und die Zeit, die sie bei ihren Pflanzen verbrachte, immer mehr. Die Entscheidung, ihre Registrierung als Companion nicht mehr verlängern zu lassen und sich ganz der Pflanzenzucht zu widmen, fiel ihr leichter, als sie es sich je hatte vorstellen können.

Sie hatte ihren Job als Companion geliebt, ihn tatsächlich als Berufung angesehen, auch wenn einige ihrer Freunde, allen voran Malcom Reynolds, der Captain der Serenity, das nie hatten einsehen können und ihre Arbeit einfach nur als ordinäre Prostitution abgetan hatten. Inara jeoch wusste, dass es so viel mehr, als nur das gewesen war.

Aber nach all den Jahren, in denen sie Männern und Frauen zu Diensten gewesen war, es ihren jeweiligen Kunden immer Recht gemacht hatte, das gesagt hatte, was diese hören wollten, ihre wahre Meinung immer hinter dem Schleier der absoluten Höflichkeit verborgen hatte -  war die Arbeit mit den Pflanzen eine wahre Befreiung für sie. Es fühlte sicht nicht einmal wie Arbeit an, sondern tatsächlich wie Meditation. Nicht reden, keine Floskeln - obwohl sie sich manchmal dabei ertappte, wie sie mit den Pflanzen sprach – vielleicht lag darin der Erfolg ihrer Ernte?

Einfach etwas mit den Händen schaffen und dann, im wahrsten Sinne des Wortes, die Früchte ihrer Arbeit mit eigenen Augen sehen zu können, verschaffte ihr eine zuvor nie dagewesene Befriedigung. Davon abgesehen, verdiente sie mit ihrer jetzigen Tätigkeit insgesamt sogar etwas mehr Geld, als zuvor. Vom absoluten Luxus, ständig frische Nahrung zur Verfügung zu haben, mal ganz abgesehen. Das war, in ihrem Zeitalter, sowieso fast unbezahlbar.

Sie ging hinüber zu den Himbeersträuchern, vorher dimmte sie die Beleuchtung ein wenig. Das Gewächshaus war im Tagmodus, die Beleuchtung simulierte Sonnenlicht und blendete sehr, wenn man genau unter den Leuchten stand. Inara nahm einen Korb vom Haken an der Wand.

River hatte das Flechten von Körben, aus abgeschnittenen Zweigen von Inaras Sträuchern, für sich entdeckt und hatte es, wie alles womit ihr brillianter Geist sich beschäftigte, zu absoluter Perfektion darin gebracht. Der Erntekorb hatte die perfekte Größe für Inaras zierlichen Körper, der Henkel war für ihre Armbeuge maßgeschneidert.

Sie begann damit, die Sträucher nach reifen Himbeeren durchzusehen und diese behutsam in den Korb zu betten. Hinter ihr hörte sie das Geräusch der Gewächshaustür, Kaylee kam zwischen den Sträuchern entlang auf sie zugeschlendert, die Hände tief in den Taschen ihres khakifarbenen Overalls vergraben. Strahlend und gut gelaunt wie meistens.

“Ich soll dir nur eben Bescheid geben, dass wir in ungefähr einer Stunde auf Whitefall anlegen werden. Wir bleiben aber nicht, sondern verkaufen nur die Waren. Wenn wir wieder an Bord sind, hat der Shepherd das Essen fertig. Ich habe gehört, es gibt heute Pasta mit Tomatensauce und zum Nachtisch Himbeeren. Shiny, oder?” erzählte die junge Frau ihr augenzwinkernd.

“Alles klar, danke Kaylee. Ich bin bis dahin mit der Ernte der Himbeeren fertig, die müssen am besten frisch vom Strauch weg verkauft werden”, antwortete Inara und steckte Kaylee, die neben sie getreten war, schmunzelnd eine Himbeere in den Mund.

Kaylee strahlte und gab ihr einen Kuss auf die Wange.

“Danke!”

Kaylee machte sich summend und fröhlich wieder auf den Weg zurück in ihr Allerheiligstes, den Maschinenraum.

Inara sah ihr lächelnd hinterher. Kaylee und River waren für sie mehr als nur Freundinnen geworden. Sie hegte so etwas wie Muttergefühle für die beiden, obwohl sie, zumindest was Kaylee betraf, kaum zehn Jahre älter war als sie. Trotzdem weckte sie in Inara den Instinkt sie beschützen und von allem Bösen fernhalten zu wollen.

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Nachdem sie die Geschäfte auf dem Planeten abgewickelt hatten und die Serenity wieder durch das All zu ihrem nächsten Auftrag unterwegs war, traf sich die Crew in der Küche zum Essen. Shepherd Book, die gute Seele des Schiffes und auch ein begnadeter Koch, hatte ein fantastisches Essen gezaubert.

Malcom Reynolds, der Captain der Serenity, saß am Kopfende des langen Tisches. Er hatte seine Portion bereits aufgegessen und das Besteck auf dem Teller abgelegt. Enstpannt lehnte er sich in seinem Stuhl zurück und beobachtete seine Crew, die schmatzend und laut über den Tisch miteinander plaudernd und diskutierend, die Mahlzeit genossen. Seit Inara ihren Obst-und Gemüseanbau auf dem Schiff betrieb, war die Stimmung unter seiner Crew definitv gestiegen. Gutes, frisches Essen zu bekommen, war in der heutigen Zeit eine wahre Herausforderung. Dass sie dies nun im Überfluss hier hatten, machte sie zu wirklich glücklichen Menschen.

Sogar Jayne, ihm gegenüber an der anderen Stirnseite der Tafel,  der eigentlich kein angenehmer Zeitgenosse war, eine Art Söldner und der für die entsprechende Bezahlung sogar seine eigene Großmutter verkaufen würde, war in letzter Zeit irgendwie entspannter, in sich ruhender – seit er immer reichlich und frisch zu essen bekam.

Direkt zu seiner rechten saß seine alte Freundin und erste Offizierin Zoe. Mit ihr hatte er bereits im Krieg gegen die Allianz Seite an Seite gekämpft, ihr würde er ohne mit der Wimper zu zucken sein Leben anvertrauen.

Zoe hatte ihre Mahlzeit ebenfalls schon beendet und hing am Arm ihres Mannes und seines Piloten Hoban Washburne, “Wash”. Der erzählte gerade laut und gestenreich aus seiner Zeit auf einem anderen Schiff und wie er, angeblich in allerletzer Minute eine Bruchlandung hatte verhindern können. Zoe hing gespannt an seinen Lippen, wusste aber durchaus einzuschätzen, wann ihr Mann ein bisschen übertrieb. Dies ließ sie sich aber natürlich vor den anderen Crewmitgliedern nicht anmerken. Malcom kannte sie jedoch gut genug, um auch diese Gemütsregung richtig deuten zu können.

Neben Wash saß Shepherd Book am Tisch, möglichst nah zur Küche, um bei Bedarf noch Teller nachfüllen zu können. Book war einmal Priester gewesen, allerdings hatte dieser sicher noch alle möglichen anderen Aufgaben ausgeführt, man munkelte beim Geheimdienst der Allianz. Aber keine wusste etwas genaues und Book versuchte sein Möglichstes, es dabei zu belassen.

Auf der anderen Tischseite saß seine Bordmechanikerin Kaylee, sie war ein Genie, wenn es um die Instandhaltung des Antriebs und sämtlicher andere technischer Systeme an Bord ging. Selten war ihm ein so positiver Mensch wie die junge Frau begegnet. Da Kaylee aber grundsätzlich immer an das Gute in jedem Menschen glaubte, war sie auch leicht verletzbar, was bei Mal regelmäßig eine Art Beschützerinstikt weckte.

Neben ihr saß Simon Tam, Schiffsarzt und auf der Flucht vor der Allianz, da er seine, neben ihm sitzende kleine Schwester River, aus einer medizinischen Forschungseinrichtung der Allianz befreit und mit ihr getürmt war. River war hochintelligent und verfügte über fast schon unheimliche mentale Fähigkeiten. Durch die Eingriffe in ihr Gehirn, hatte sie aber auch schwere psychische Schäden davon getragen. Es brach Malcom immer wieder das Herz, zu sehen, was man diesem damals siebzehnjährigen Kind angetan hatte, bei den Versuchen ihre übermenschlichen geistigen Fähigkeiten als Waffe nutzbar zu machen.

Direkt zu seiner linken war da noch Inara. Wunderschön, liebevoll und unglaublich gebildet. Ihre kleine, wohlgerundete Gestalt, die schwarzen leicht gelockten langen Haare und diese dunklen Augen. In ihnen konnte man sich fast spiegeln. Die Frau, die seine Crew nun mit ihrer Ernte versorgte und durch die Verkäufe und den Anteil, den sie davon als Miete für ihr Shuttle auf der Serenity zahlte, half, die Crewkasse immer gut zu füllen.

Es hatte Mal unglaublich glücklich gemacht, als Inara ihre Arbeit als Companion zugunsten der Gärtnerei immer weiter eingeschränkt und dann schließlich sogar ganz aufgegeben hatte. Die angeblich so ehrenwerte Arbeit hatte er nie als das ansehen können. Für ihn war es schlicht und ergreifend Prostitution, schließlich hatten die Männer Inara für Sex bezahlt, vielleicht besser als eine nicht registrierte Prostituierte, vielleicht hatten sie bessere Manieren gehabt und sie vorher sogar zum essen ausgeführt. Aber der Fakt blieb der gleiche, von dieser Meinung war Malcom Reynolds nicht abzubringen, egal wie oft Inara ihm noch erzählen mochte, dass sie ihre Arbeit eine ehrenwerte gewesen sei und sie diese gern gemacht hatte.

Nachdem sie ihre Registrierung nun nicht mehr verlängert hatte, schien sie tatsächlich bei der Pflanzenzucht bleiben zu wollen. Natürlich unterstützte Malcolm sie mit allem Erdenklichen dabei. Wenn sie nur nicht wieder ihren Körper verkaufen würde. Dass seine Crew seitdem im Überfluss Obst und Gemüse essen konnte, war nur ein postivier Nebeneffekt.

Vom ersten Moment an, als Inara ihn kontaktiert hatte, um eines der Shuttle der Serenity anzumieten, hatte diese Frau ihn fasziniert. Ihm war aber durchaus bewusst, dass Inara in einer anderen Liga spielte, als er.

Das Arrangement des Shuttlemietvertrags, hatte sich jedoch für beide Seiten als äußert praktikabel erwiesen. Inara konnte so ihre Kunden als freie Companion aufsuchen und Malcolm erhielt dadurch auch Landeerlaubnis und Kontakte auf Planeten, auf denen eine Schiff, dessen Captain früher gegen die Allianz gekämpt hatte, wohl sonst nicht gern gesehen wäre. Seit sie so begehrte Frischwaren verkauften, waren sie allerdings überall willkommen.

Seitdem ließ Mal allerdings der Gedanke, dass Inara dass Schiff demnächst verlassen könnte, um sich selbst ein Schiff zu kaufen oder ihre Pflanzenzucht einfach auf einen Planeten verlagern, nicht mehr los. Im Grunde hielt Inara doch nun nichts mehr auf der Serenity, oder?

“…Mal? Und? Meinst du, das würde klappen?” Inara sprach scheinbar schon eine Weile mit ihm.

Mal riss sich aus seinen Gedanken: “Was? Ich hab dir nicht zugehört Inara, war in Gedanken.”

Inara musterte ihn intensiv. “Ist alles in Ordnung, Mal?”, fragte sie ihn leise.

“Jaja, alles in Ordnung, ich war nur abgelenkt, ok?”, erwiderte er lauter als beabsichtigt.

Inara hob beschwichtigend beide Hände. “Ist ja schon gut, ich hatte dich nur gefragt, ob wir kommende Woche einen Abstecher nach Persephone einschieben können? Ich könnte dort eine Ladung Tomaten verkaufen.”

“Ja, ich schau mal, ob wir dort auch einen Frachtauftrag bekommen. Ich denke, das lässt sich machen”, antwortete Mal und wandte das Wort dann schnell an Book: “Du hast dich echt selbst übertroffen, Shepherd. Das Essen war köstlich!”

Der Shepherd lächelte und nickte zum Dank.

“Was gibt es zum Nachtisch?”, schob Mal schnell hinterher.

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