Bevor es zu spät ist

GeschichteRomanze / P18 Slash
James "Krone" Potter Remus "Moony" Lupin Severus Snape Sirius "Tatze" Black
06.11.2019
07.12.2019
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Den Vormittag verbrachte Severus wieder im Keller, um mit ein paar Tränken zu experimentieren. Dass Lupin auf ihn wartete, hatte er nicht vergessen, aber verdrängt, um nicht weiterhin über seine merkwürdigen Gefühle nachzudenken, die der Junge seit Neuestem in ihm auslöste.
Erst eine halbe Stunde nach 12 ging er nach oben. Remus stand da, wo er ihn gestern verabschiedet hatte. Severus war sich nicht sicher, was er in seinem Gesicht sah. Freude? Aufregung? Begeisterung? Falls ja, dann tickte Lupin nicht richtig. Die Aufgabe seines Vaters tat er ganz sicher nicht mit Eifer oder gar Enthusiasmus. Es war eine reine Notwendigkeit, nicht mehr.
„Lupin“, sagte er kühl und sah mit hochgezogenen Augenbrauen auf das kleine Päckchen, welches Remus ihm hin hielt.
„Was ist das?“
„Ein Geschenk. Frohe Weihnachten, Severus!“, sagte der Blonde mit belegter Stimme. Ein Hauch Röte hatte sich auf seine Wangen gelegt. Severus wusste nicht, was er davon halten sollte. Weihnachten interessierte ihn einen Dreck, ebenso wie seine Eltern.
„Na los, nimm es schon!“, sagte Lupin drängender und er nahm es. Er riss das Papier ab und sah auf die schwarze Mütze. Remus hatte fragend die Augenbrauen gehoben. Innerlich seufzte Severus, setzte sich die Mütze auf und sagte:
„Danke. Beeilung, mein Vater wartet sicher schon auf mich!“, und lief los. Mit liebevollen Aufmerksamkeiten konnte er nicht besonders gut umgehen und es interessierte ihn auch nicht, was Lupin davon hielt. Der lief schweigend neben ihm her.
„Bleib draußen, ich will nicht, dass mein Alter dich kennenlernt!“, befahl er uncharmant. Wenn sein Vater mitbekam, dass er einen Freund hatte, könnte das böse enden. Dachte er gerade wirklich von Lupin als einen Freund? Ein wenig verwirrt betrat er das Serpentine. Es würde bald aufmachen und seine Mutter war noch am Putzen und vorbereiten.
„Da bist du ja. Glaubst du, du hast Ferien, oder was?“, schnauzte sein Vater und legte ihm eine Liste auf den Tresen.
„Das schaffe ich nicht alles an einem Tag!“, sagte Severus empört und sah ihn herausfordernd an. Sein Vater, der damit beschäftigt gewesen war, die Biergläser zu sortieren, drehte sich zu ihm. Seine Augen waren kalt und durchdringend.
„Ich glaube, du hast sonst nichts Besonderes vor, Severus. Wenn du denkst, ich komme nicht in dein Kellerversteck, in dem du diese … diese widerwärtigen Zaubertränke braust, dann irrst du dich. Im Notfall würde ich sogar das Haus in die Luft jagen, um alles darin zu vernichten, was nur das Wort Magie kennt“, zischte er ihn an. Severus schluckte mit trockenem Mund und wich seinem vernichtenden Blick nicht auf.
„Warum bist du überhaupt mit meiner Mutter zusammen, wenn du sie …“ Seine Mutter packte Severus am Arm und zerrte ihn nicht gerade sanft weg.
„Sei still, du Dummkopf!“, fauchte sie ihn an und schubste ihn unbeherrscht in die Küche.
„Was fällt dir ein, Severus?!“
„Jemand muss ihm sagen, dass er ein Schwein ist“, flüsterte er und kassierte von seiner Mutter eine heftige Ohrfeige.
„Nicht du, kapiert?! Tue, was er sagt und misch dich nicht ein. Du bist nur ein Junge und darfst keine Magie benutzen.“
„Was denkst du, was ich tue, wenn ich sein beschissenes Geld einsammle, hm?“, fauchte er. Die Augen seiner Mutter funkelten wütend. Nein, auch sie verstand er nicht. Warum blieb sie bei diesem Bastard? Warum schaffte sie es nicht ihn zu verlassen, um sie beide damit zu befreien? Das dachte er schon seit Jahren, doch es würde nie passieren. Alles würde so weiterlaufen, wie immer. So lange, bis er endlich alt genug war, um nie wieder in dieses Drecksloch zurückzukommen.
„Tue doch einfach, was dein Vater will, bitte, Severus“, flehte sie ihn an. In ihren Augen glänzten nun Tränen und sie hatte wie immer überhört, was er gesagt hatte. Nämlich, dass er in der Muggelwelt Magie benutzte und es nur eine Frage der Zeit war, bis er damit aufflog und die Konsequenzen würde tragen müssen. Wollte sie das? Sah seine Mutter das als seinen heimlichen Ausweg für ihn?
Severus rieb sich mit beiden Händen übers Gesicht und seufzte.
„Schon gut. Bis später.“ Die Liste hatte er sich in die Hosentasche gesteckt.
„Severus?“
„Hm?“
„Die Mütze steht dir“, sagte seine Mutter und versuchte zu lächeln, während ihr eine Träne über die Wange lief. Er gab ihr keine Antwort. Eine gute Mutter hätte gefragt, woher er sie hatte. Seine Mutter hatte nicht mal bemerkt, dass es nicht seine war und er sich bestimmt auch nie eine Mütze gekauft hätte.
Sein Vater rief ihm grummelnd nach, dass er aufpassen soll, weil zwei Typen unterwegs waren, die ihm auflauern wollten.
„Was du nicht sagst“, rief er kalt über seine Schulter. Lupin sah erleichtert aus, als er rauskam und er konnte es ihm nicht verdenken.


Remus hatte die Umgebung beobachtet, so lange Severus im Pub war. Das Wetter war heute eher zum Möglichst-im-Haus-bleiben. Der Wind war scharf und es war ungemütlich nasskalt. Dass Severus nicht überschwänglich auf sein Geschenk reagierte, hatte ihn nicht gekränkt. Er hatte die Mütze auf und sie schützte gegen den fiesen Wind, mehr wollte er nicht. Dass er wieder hier stand und wirklich Snapes Hund war, ärgerte ihn ebenso, wie es ihn seltsam stolz machte. Auch wenn er seinen Mitschüler nicht aus dieser tragischen Lage würde erlösen können, so konnte er hoffentlich ein bisschen hilfreich sein. Die wenigen Menschen, die unterwegs waren, waren nicht Potter und auch nicht die beiden Typen von gestern.
Am liebsten hätte Remus heute Vormittag bei Lily vorbei geschaut, um mit ihr über alles zu sprechen. Aber sie hatte deutlich gemacht, dass sie in all das nicht mit hineingezogen werden wollte und er respektierte das. Letztlich könnte sie auch nichts tun, denn ansonsten hätte sie doch in den letzten Jahren etwas getan. Lily war ebenso hilflos wie er, aber sie hatte sich von Severus abgewandt. Etwas, was er auch tun sollte, wenn ihm die Freundschaft zu James etwas wert war. Doch das konnte er nicht. Jetzt nicht mehr, nachdem er wusste, was Severus tun musste.
Und da waren noch sein Herzklopfen und sein Flattern im Magen, wenn ihn Snapes dunkle Augen ansahen. In Hogwarts hatte er es noch für Angst oder ein Warnsignal gehalten, jetzt war er sich nicht mehr so sicher. Auch darüber hätte er gern mit Lily gesprochen, doch das war utopisch. Er sollte sie auf keinen Fall mit hineinziehen.
Schweigend führte sie Severus zu einer Adresse. Es war wieder eines dieser typischen dreigeschossigen Mietshäuser, wie es sie viele in der Gegend gab.
„Kennst du denjenigen, dem du das Geld abknöpfen musst?“, fragte Remus und sah sich sorgfältig um.
„Nein. Diesmal nicht. Ich habe also keine Ahnung, was uns erwartet. Lass mich reden und vor allem zaubere nicht!“ Remus musste grinsen.
„Nein, keine Sorge, ich schlage wem auch immer nur die Faust in den Magen.“
„Ja, das kannst du gut. Ich hätte mich kürzlich fast auf Potter übergeben.“ Remus lachte leise und Severus sah ihn seltsam dunkel an.
„Los!“, sagte er leise und ging voran. Sie brauchten nur in den ersten Stock gehen und Severus hämmerte seine Faust mehrmals fest an die Tür mit der Nummer 132. Auch Remus hatte nun seinen Zauberstab im Ärmel seiner Jacke, jederzeit einsatzbereit, auch wenn Severus ihm davon abriet. Sein Herz klopfte wild und er sah zu seinem Mitschüler. Der Schwarzhaarige schien ruhig und gefasst zu sein.
Eine junge Frau öffnete ihnen. Sie sah schlampig aus, hatte Ringe unter den Augen und Flecken auf der Bluse. Irritiert sah sie von einem zum anderen.
„Was wollt ihr?“
„Wir suchen Gus. Gus McNeal.“ Sie begann rau zu lachen. Remus schauderte, weil es sich eher nach Weinen anhörte. Im Inneren der Wohnung begann jetzt allerdings wirklich ein Kind zu weinen und ein zweites stimmte ein. Die Frau musterte sie noch mal schnell und sagte dann:
„Kommt kurz rein, diese scheiß Plagen bringen mich noch um den Verstand.“
Sie trafen die Frau im Wohnzimmer – oder was auch immer das sein sollte – wieder. Überall lagen Kinderspielsachen herum. Ein Kleinkind saß in einem Hochstuhl, plärrte und bewarf seine Geschwister, die sich am Boden balgten mit Brei.
„Hört auf mit dem Scheiß!“, herrschte die Frau die beiden streitenden Kinder an. Das letzte Kind, welches noch nicht weinte, begann auch zu heulen, als die Frau die beiden Jungs grob auseinander zerrte und dem bulligeren der beiden eine feste Ohrfeige gab. Remus zuckte zusammen. Severus sah ungerührt zu.
„Was wollt ihr von Gus?“, fragte sie nun endlich und nahm das kreischende Baby auf dem Arm.
„Er hat bei meinem Vater im Serpentine 225 Pfund Schulden und ich bin hier, um sie einzusammeln.“
Wieder lachte die Frau völlig überdreht.
„Ich bin nicht Gus. Ich bin nur die Gebärmaschine seiner Bälger. Holt euch das Geld von ihm, wenn ihr ihn findet. Falls das der Fall sein sollte, haut ihm ordentlich in die Fresse, denn ich habe ihn schon seit zwei Monaten nicht gesehen und natürlich auch kein Geld von ihm bekommen.“
Sowohl Severus als auch Remus schwiegen, weil sie auf so etwas nicht vorbereitet waren.
„Ich brauche aber das Geld!“, sagte Severus irgendwann hartnäckig.
„Willst du mich verarschen, Bengel? Sehe ich so aus, als hätte ich Geld übrig?“
„Aber …“, begann Snape wieder und Remus unterbrach ihn schnell.
„Wo könnten wir Gus finden?“
„Hm, entweder liegt er besoffen am Westufer irgendwo unter der Brücke oder er hängt seit Neustem im Stallion ab“, gab sie Auskunft.
„Danke!“ Remus zerrte Severus nach draußen.
„Das geht nicht, ich muss notfalls ihre Wohnung durchsuchen, um das Geld zu bekommen, verstanden?!“, wollte er sich losreißen. Remus ließ das nicht zu, sondern packte ihn fester, um ihn über den Gang zu treiben.
„Wir finden Gus schon. Du siehst doch, dass bei der armen Frau nichts zu holen war!“
Severus riss sich los.
„So funktioniert das nicht, Lupin! Ich darf kein Mitleid haben, sonst bezahle ich oder meine Mutter dafür!“ Er wollte umkehren, doch Remus packte ihn. Wie kürzlich in Hogwarts, umklammerte er ihn mit seinen Armen und drückte ihn an die Wand.
„Lass mich los, du verfluchter Hund!“, knurrte Severus böse, doch Remus hielt ihn sehr fest und drückte sich gegen ihn und Snape damit an die Wand.
Bis Snape aufgab sich zu wehren. Bis Verlangen in ihm nach oben kam, was ihn verstörte.
„Bitte, Severus. Wir finden Gus, ich verspreche es dir!“, gab er eine unüberlegte Äußerung von sich, die er noch bereuen würde. Snape lachte verächtlich, blieb aber ruhig, dass er ihn schließlich loslassen musste. Ehe es peinlich werden würde.
„Gut, dann weiter. Arbeiten wir die anderen auf der Liste ab. Aber erinnere dich meiner Worte: Wir hätten hier bleiben sollen und der Frau notfalls die Wohnung zerlegen müssen, um Geld zu finden.“ Remus brummte unwillig und war erleichtert, dass Snape wirklich den Weg zur Treppe einschlug. Er verstand ja, dass Severus sehr unter Druck stand, doch nun war er ja dabei. Und er würde ihn nicht nur beschützen, sondern auch darauf hinweisen was falsch war. Remus zitterte leicht. Nicht vor Kälte, nicht äußerlich. Innerlich.
Aus rätselhaften Gründen schlug Severus den Weg durch den Keller zur Hintertür ein. Er folgte ihm und trat dann beinah gleichzeitig mit dem Slytherin durch die Tür. Sie wurden sofort angegriffen. Ein Fuß traf seine Brust und aus dem Augenwinkel, im Fallen, sah er noch, wie ein Typ mit Schlagring um die Faust Snapes Kiefer traf. Nicht ohnmächtig werden, befahl sich Remus. Der Schmerz war heftig, doch nichts gegen seine monatliche Verwandlung. Er biss die Zähne zusammen, schluckte den Schmerz, wie er das in all den schweren Jahren gelernt hatte und schnellte nach oben, bevor er überhaupt zu Boden ging. Der Angreifer hatte damit nicht gerechnet. Auch nicht mit seiner Faust, die seine Schläfe sehr fest traf. Lautlos sackte der Kerl zusammen und blieb liegen. Gleich wandte er sich an Snapes Angreifer, der seinen Freund zu Boden gebracht hatte und ihn da würgte. Ohne zu Zögern, trat Remus dem fiesen Typ fest auf sein Bein. Der heulte auf und ließ Severus los, der keuchend und hustend wegkroch. Leider zog der Slytherin nun seinen Zauberstab und Remus ahnte, dass das nicht gut ausgehen würde, wenn Severus jetzt Magie benutzte. Obwohl er das nicht wollte, warf er sich auf den Mann und prügelte auf ihn ein, bis ihn Snape wegzerrte.
„Ich glaube … das reicht. Er ist … schon bewusstlos!“, keuchte er und half ihm hoch. Remus lief Blut ins Auge, weil seine Platzwunde von gestern wieder aufgerissen war. Snapes Kiefer sah übel aus. Schockiert und schwer atmend sahen sie sich an.
„Weg hier …“, befahl Snape und lief los.
„Komm mit zu mir, Severus, wir sollten uns um unsere Wunden kümmern, ehe wir weitermachen“, sagte Remus leise. Er hatte Schwierigkeiten beim Atmen und Severus lief ganz langsam.
„Meine Eltern sind heute Morgen abgereist und kommen erst in einigen Tagen zurück“, fügte er an, weil er keine Antwort bekam.


Severus zögerte wieder. Er bräuchte das beschissene Geld, so schnell es ging. Doch er sollte sich eingestehen, dass es nicht deswegen war, weshalb er nicht mitgehen wollte. Eigentlich ging es eher darum Lupin auf Abstand zu halten. Weil er sich nicht an seine Gegenwart gewöhnen wollte, weil es wieder vorbei sein würde, wenn sie zurück in Hogwarts wären. Andererseits fühlte er sich wirklich elend und wenn er nur annähernd so aussah wie Lupin, dann würden sie viel zu sehr auffallen, wenn sie so durch die Stadt liefen.
„Von mir aus.“
Sie nahmen den Bus und saßen fast eine Stunde schweigsam nebeneinander. Severus bereute es ja gesagt zu haben, weil es nichts Gutes bringen würde, sich auf einen Typen wie Lupin einzulassen.
Remus hatte eher seine Aufregung zu bekämpfen. Was tat er hier? Verlor er den Verstand Snape mit zu sich nach Hause zu nehmen? Was war, wenn Potter auftauchte? Das war nicht unwahrscheinlich. Ach scheiß auf Potter und Black. Er hatte langsam genug von ihrem Verhalten und letztlich würden sie ihn wohl sowieso nicht besuchen, nachdem er sie so rüde abgewiesen hatte.


Im Haus machte Remus erst mal den Kamin mit Magie an und suchte ein paar Sachen zur Wundversorgung zusammen.
„Entschuldige bitte, meine Heilmagie ist grauenhaft, deshalb arbeite ich lieber mit Muggelsachen“, sagte er leise und legte alles auf den Tisch. Severus saß auf dem Boden, direkt vor dem Kamin und starrte in die Flammen.
„Wir werden Gus nicht finden und ich muss erneut zu seiner … Frau, was auch immer sie ist. Diesmal wird sie vorbereitet sein und es wird unschön werden“, sagte er leise. Remus hatte ein Glas mit dem Whiskey seines Vaters eingegossen und hielt es Snape hin.
„Was ist das?“
„Etwas, um die Schmerzen zu mildern. Mein Vater bringt aus jeder Ecke der Welt solche Sachen mit und dieser hier brennt wie d…“ Severus kippte das Glas in einem Zug in den Mund und verzog keine Miene.
„ … wie die Hölle. Na ja, vielleicht nicht bei jedem.“ Remus schmunzelte und goss sich selbst ein Glas ein. Um es Snape gleichzutun, trank auch er sein Glas auf ex. Leider brannte es in seinem Magen wie die Hölle. So sehr, dass er keuchte.
„Lass mich dein Gesicht sehen“, sagte er dunkel. Gehorsam drehte Snape ihm sein Gesicht zu. Die Haut an seinem Kiefer, war aufgerissen. Remus heilte das Gröbste mit seinem Zauberstab. Aber es sah immer noch schlimm aus. In Snapes dunklen Augen spiegelte sich das Kaminfeuer. Sein Blick waren auf ihn gerichtet, doch er schien ihn nicht anzusehen, sondern nachzudenken. So behutsam Remus es vermochte, versorgte er seine Wunde. Vermutlich würde er trotzdem eine kleine Narbe behalten und es tat ihm leid, dass er es nicht verhindern konnte.
„So gut wie neu“, sagte er verlegen und setzte sich neben Severus. Der Schwarzhaarige griff nach der Whiskeyflasche und goss sich ein weiteres Glas ein. Remus spürte schon jetzt die Wirkung des Alkohols, Snape schien es nichts auszumachen.
„Die beiden waren vom Stallion und hatten es eindeutig auf mich abgesehen …“, begann Severus zu sprechen. Er kniete sich plötzlich vor ihn, strich ihm die Haare aus der Stirn und besah sich ganz professionell die kleine Platzwunde. Als er sie säuberte, brannte es ein wenig. Während er die Wunde mit seiner Magie heilte, verspürte Remus ein irres Prickeln, ausgehend von der Wunde, was sich in seinem ganzen Körper breit machte. Er begriff jäh, dass Snape eine mächtige Magie sein eigen nannte. Es war so gut spürbar, dass er erschauerte. Hoffentlich kämpften Potter und Snape nie ernsthaft gegeneinander. Es wäre der Tod seines Freundes James, das war so sicher, wie er gerade vor Euphorie eine Erektion bekam.
„Nicht so gut wie neu, nur repariert“, sagte Snape leise und nahm sich ein weiteres Glas. Allerdings gab er es an Remus weiter, der es nur trank, weil er sich nicht blamieren wollte.
„Und was heißt, dass sie vom Stallion sind? Wollen sie dich … töten?“, nahm Remus den Gesprächsfaden auf. Snapes fürsorgliche Nähe hatte ihn ganz stumm und gedankenlos gemacht. Jetzt, wo er neben ihm saß, funktionierte sein Verstand wieder einigermaßen.
„Nein, noch nicht. Es soll nur eine Warnung für meinen Vater sein. Mein Alter soll tun, was sie wollen.“
„Das ist grauenhaft!“
„Das ist die Muggelwelt. Aber sind wir doch mal ehrlich, selbst in unserer Welt passiert so was. Oder wer hat dich so zugerichtet und dir die Narben auf dem Gesicht verpasst?“ Remus errötete, als sich Snapes dunkler Blick eindringlich auf ihn legte.
„Hm, verstehe … ich würde auch nicht darüber sprechen wollen. Fakt ist, Grausamkeiten gibt es überall und wir sollten uns nichts vormachen, man wird schneller hineingezogen, als man Nein sagen kann. Hätte ich dich vorhin nicht aufgehalten, hättest du den Typen totgeschlagen, Lupin.“
„Unsinn!“, knurrte er empört, war sich aber keineswegs sicher, ob der Schwarzhaarige nicht doch recht hatte. Er war wie in einem Blutrausch gewesen, so wütend auf alle die Ungerechtigkeiten des Lebens.
Severus legte sich plötzlich nach hinten und auch Remus fühlte, wie der Alkohol seine Wirkung tat.
„Willst du etwas essen?“
„Nein!“
Remus legte sich ein wenig ratlos neben ihn. Schon von Haus aus war er niemand, der viel plapperte, doch mit Snape schien es keine gemeinsamen Themen zu geben, die nicht Grausamkeiten und Abscheu enthielten. Aber da irrte er sich, denn Severus sagte plötzlich leise:
„Du bist also in Lily verliebt?“
„Ja“, sagte Remus sofort. Lügen würden nichts mehr bringen und es wäre nur peinlich es zu leugnen, dazu war Snape viel zu klug.
„Wie war es in ihrem Zimmer?“


Severus hörte selbst, wie seltsam verwaschen seine Stimme klang. Es lag am Whiskey, aber nicht nur. Es lag am Moment und an der guttuenden Wärme, die von Lupin ausging. Noch nie hatte er mit irgendjemand über Lily gesprochen. Bis jetzt. Ob es klug war ausgerechnet mit Lupin darüber zu sprechen, wurde ihm gerade nicht klar, weil der Alkohol seinen Verstand ein wenig betäubt hatte. Remus brauchte eine Weile, bis er ihm antwortete. In der Zeit hörten beide, wie es draußen heftig zu regnen begann.
„Ganz nett, wie bei einem Mädchen eben … In ihrem Bett … war eine Vertiefung …“ Severus drehte den Kopf und sah Lupin an, der an die Decke starrte. So ganz begriff er nicht, was ihm der Blonde damit sagen wollte, doch Remus sprach weiter.
„Ich … habe mir vorgestellt, wie sie darin liegt.“ Er flüsterte nur noch. Die Ergriffenheit von Lupins Worten sprang auf ihn über, weil er endlich verstand, was der andere Junge damit sagen wollte.
„Was würdest du tun, wenn du sie so sehen würdest?“ Man konnte ihn kaum verstehen, weil der Regen derart heftig gegen die Fenster trommelte, dass es recht laut war. Sie beide stellten sich vor, was sie tun würden.
„Ich würde mich zu ihr legen … auf sie …“
„Und dann?“, fragte Severus begierig und hatte die Augen geschlossen, weil er sich sicher war, dass Remus dasselbe dachte wie er.
„Darüber sollten wir besser nicht sprechen“, sagte Lupin dunkel und räusperte sich schwerfällig. Ein unwilliges Knurren kam aus seiner Kehle. Nie hatte er sich Lily näher gefühlt als gerade in diesem absurden Dialog mit Remus Lupin, der ebenso in das Mädchen verliebt war. Etwas daran war allerdings eigenartig und nicht zu greifen.
„Dann zeig es mir eben …“, flüsterte er und öffnete die Augen. Remus hatte auch den Kopf zu ihm gedreht und sah ihn an. Seine Augen hatten die Farbe von dunklem Tannengrün, mit ein paar braunen Sprenkeln, wie eine Tanne mit ihren Früchten, den Zapfen. Es war angenehm in sie hinein zu sehen, weil es beruhigend war. Jetzt war sein Blick glasig und verwirrt.
Er bekam keine Antwort, nicht in Form von Worten. Lupin richtete sich aber auf, stützte sich auf seinen Unterarm und begann ihm sein Hemd aufzuknöpfen. Dabei hätte er seinen Gesichtsausdruck beim besten Willen nicht deuten können. Sah er Neugier? Verwirrung oder nur die Vorfreude bei der Aussicht ihn zu demütigen? Nein, so war Remus nicht. Wie paralysiert sah er ihm dabei zu, wie er sein Hemd Knopf für Knopf öffnete. Obwohl es draußen kalt war, hatte er nichts drunter, weil seine Mutter seine T-Shirts nicht gewaschen hatte. So berührten Remus‘ Finger seine nackte Haut und ließen ihn erschauern. Meistens hatte Lupin den Blick gesenkt, als schämte er sich dafür, was er gerade tat. Aber wenn er ihn ansah, musste Severus die Luft anhalten, so sehr flammte etwas in ihm auf, was er nicht kannte. Nach diesem Tag wüsste er, was er verspürte. Verlangen. Heftiges, triebhaftes Begehren, den anderen Jungen zu spüren.
„Reicht das?“, fragte Remus leise und mit rotem Gesicht. Severus schüttelte nur den Kopf. Noch nie hat er sich so gewollt gefühlt, nie war jemand so aufmerksam und zärtlich zu ihm gewesen. Dass es Lupin war, ein Kerl, den er eigentlich hassen müsste, machte es nicht einfacher. Aber der Whiskey sorgte dafür, dass er darüber nicht nachdenken wollte.
„Würdest du sie küssen?“, brachte er kratzig hervor, als Remus ihn ein wenig unglücklich ansah.


Er würde Lily nicht nur küssen wollen, dachte er beunruhigt. Inzwischen hatte er eine unangenehme Erektion und das ängstigte ihn, denn er berührte nicht nur einen Jungen, sondern SEVERUS SNAPE!
„Ja …“, hauchte er und legte seine Lippen auf Snapes bleiche Brust. Sofort explodierten seine viel zu empfindlichen Sinne. Er roch und schmeckte ihn, er fühlte ihn und hörte, wie Snape scharf die Luft einzog. Wie in Trance zog er sich seinen eigenen Pullover und sein Shirt über den Kopf und begann sofort seinen Mund wieder überall auf Severus‘ warme Haut zu drücken. Seinen warmen, dünnen Körper an seinem zu spüren, machte ihn ganz schwindlig. Im Nachhinein würde auch Remus dem Whiskey die Schuld geben, doch selbst in diesem Augenblick wusste er, dass es nicht so war. Er war so begierig auf Severus, dass sein Verlangen ihn unkontrolliert überspülte. Snape hatte sogar seine Hände in seine Haare geschoben. Der andere Junge wollte es also auch, dachte er nur total unreflektiert und küsste seinen Hals, seine Brust und seinen Bauch, der unter seinem Mund leicht bebte. Seine Hand legte sich wie von selbst auf Severus‘ Penis, was der mit einem Aufkeuchen und einem Zusammenzucken kommentierte. Hätte er nicht seine Härte gespürt, hätte er in diesem Moment aufgehört. Aber sein Glied war ebenso angeschwollen, wie seins. Remus begriff in diesem Moment einfach nicht, was das zu bedeuten hatte. Er verlor sich nur in der Wahrnehmung seiner Sinne. Severus‘ schmächtigen Körper unter sich zu begraben, fühlte sich berauschend an. Seine Haut zu küssen und zu berühren, erregte ihn ungemein. Inzwischen lag er zwischen seinen Beinen und schob nun begehrlich seine Hände unter den lockeren Bund seiner Hose, um sein Hinterteil zu umfassen. Zwischen ihre Körper hätte kein Blatt Papier gepasste.


Und es lag auch an Severus, der sich dem anderen Jungen so begierig entgegen drückte. Remus‘ Küsse, seine Zähne an seinem Hals, seine Hände die ihn so an sich drückten, ließen ihn beinah den Verstand verlieren. Nie hatte Severus diese Hitze der sexuellen Erregung so deutlich gespürt. Er hatte Angst in diesem Feuer zu verbrennen und umarmte Lupin doch unnachgiebig, um alles von ihm zu spüren. Um den fremden, harten Schwanz an seinem zu spüren, seinen Mund an seiner Haut, sein dunkles Stöhnen zu hören und sich im Verlangen des anderen Jungen zu verlieren. In Severus‘ Ohren vermischten sich die Geräusche des Regens, mit seinem unartikuliertem Keuchen und Remus‘ dunklem Stöhnen. Es war wie ein verrückter Rausch, der ihn mal ausnahmsweise nicht in die Tiefe zog, sondern ihn vollkommen unerwartet nach oben schleudert. Das immer tiefer werdende Stöhnen von Lupin, der schwer auf ihm lag und sich nur wenig bewegte, ließ ihn dann endgültig die Kontrolle verlieren. In süßen Zuckungen ergoss er sich, dabei nahm er nur nebenher wahr, dass der Regen aufgehört hatte und Remus seinen Mund so fest gegen seinen Hals presste, dass es ein wenig weh tat. Severus fühlte den anderen Jungen erbeben, spürte wie heiß Remus‘ Haut sich anfühlte und fragte sich erschöpft, ob das normal war. Sein Sperma fühlte sich unangenehm feuchtwarm in seiner Hose an und beinah hätte er darüber gelacht, weil es so komisch war.
Remus atmete noch schwer und blieb auf ihm liegen. Vermutlich, weil er sich ebenso schämte, wie er selbst.
Als es laut an der Tür klopfte, zuckten beide ziemlich zusammen.


„Mr und Mrs Lupin! Ich will zu Remus!“, hörten sie Sirius Black. Remus sah ihn schockiert aus großen Augen an. Für Sekunden fiel Severus in seinen Blick und wünschte sich in diesem Augenblick nichts sehnlicher, als das Remus ihn jetzt küssen würde. Auf den Mund, ohne die Gier ihrer Lust, einfach, weil er ihn mochte. Aber Remus richtete sich auf.
„Moony? Bist du da? Ich bin es, Sirius, allein!“ Lupin sah derart verstört aus, dass ihm der Junge fast leid tat. Dann legte Remus allerdings den Zeigefinger auf die Lippen und legte sich wieder auf ihn. Von den Fenstern aus, war ihre Position nicht einsehbar, selbst wenn Black so dreist wäre, zu spionieren.
„Ach komm schon, man! Ich bin ohne James hier und will mit dir reden. Es geht um Snape!“


Severus‘ dunkle Augen sahen ihn an und darin erkannte er sich selbst. Was hatten sie getan? Es hatte sich unglaublich gut und gleichzeitig beschämend angefühlt. Sie waren doch beide in ein und dasselbe Mädchen verliebt und fielen derart kopflos übereinander her. Schlimmer, Remus dachte immer noch daran, dass er Snape am liebsten weiterküssen wollte. Und auch Severus sah weniger abweisend aus wie sonst. Seine Wangen hatten sich sogar ein wenig gerötet. Überall an seinem Hals und seiner Brust waren rote Stellen, an die er seinen Mund gepresst hatte. Oh Gott, sie hatten vollkommen die Kontrolle verloren.
„Ach scheiße, Lupin! Falls du da bist und mir nicht aufmachen willst, was ich verstehen kann, dann hör wenigstens zu! Potter will sich Snape noch immer holen und ich bin dabei. Peter kann nicht und Lily weiß von nichts. Sie ist wirklich ziemlich hart zu unserem armen Jim. Der bestimmt nachts in sein Kissen heult … huuuuuuhhhh …“ Sirius lachte dämlich und Remus sah weiterhin still Snape an. Noch immer lag er auf ihm, hatte seine Hand in seinen Haaren und streichelte ein wenig beiläufig darüber.
„Was ich sagen will, lass uns nicht im Stich. Wir brauchen dich doch. Außerdem hat Snape eine Abreibung verdient. Ich bin sicher, er benutzt skrupellos die Dunklen Künste und wir alle wissen doch was dann passiert.“ Snapes Blick verdunkelte sich während Blacks Worte immer mehr. Die zärtliche Atmosphäre verflüchtigte sich wie ein sanfter Frühlingswind.
„Melde dich einfach bei mir und erinnere dich an unsere Freundschaft, Remus!“, Black klang nun bekümmert und ein wenig resigniert. Dann ging er.
Severus bewegte sich plötzlich und knurrte:
„Runter von mir, Lupin!“ Mit diesen Worten beförderte er ihn von sich runter.
„Severus, ich …“
„Ich muss jetzt nach Gus suchen und das restliche Geld einsammeln.“
„Gut, ich komme mit … aber lass uns vorher wenigstens was essen und uns … säubern und umziehen“, sagte Remus mit roten Wangen und bekam immerhin ein gönnerhaftes Nicken.