Bevor es zu spät ist

GeschichteRomanze / P18 Slash
James "Krone" Potter Remus "Moony" Lupin Severus Snape Sirius "Tatze" Black
06.11.2019
14.02.2020
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So, damit beende ich diese Geschichte.
Danke fürs Lesen. Danke für die Reviews und die Sterne.
Vielleicht kommen ja noch ein paar dazu? Würde mich auf jeden Fall sehr darüber freuen.



Momentan habe ich leider keine weitere "Snupin" in Planung.


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In dieser Nacht war Remus kaum zu beruhigen. Es kostete sie alle viel Geduld, Anschmiegsamkeit und animalische Flüsterei, um ihn zu bändigen. James erinnerte sich nicht daran ihn jemals so schrecklich unruhig und grimmig erlebt zu haben. Seine Aggression gegen sich selbst wechselte sich mit seinem herzzerreißenden Heulen ab. Das Einzige, was half, war, sich eng an ihn zu drücken, damit er merkte, dass er nicht allein war.
Erst, als er sich beim ersten Morgengrauen zurückverwandelte, taten sie es auch. In manchen Nächten liefen sie zu viert in Tierform durch die Gegend und hatten dabei viel Spaß. In der letzten Nacht wäre das nicht gut gegangen. Remus lag nackt und zitternd zwischen ihnen. Sein Arm war ein bisschen blutig, weil er sich da selbst gebissen hatte. Das Schlimmste war aber, er weinte noch immer bitterlich und unkontrollierbar. Sirius holte eine Decke und legte sie ihm über und James sprach leise mit ihm:
„Ist in Ordnung, Moony, es ist vorbei. Wir sind hier, alles ist gut. Du bist in Sicherheit und es ist nichts passiert.“ Lange weinte Remus. Ein wenig hilflos sahen sich Sirius und Peter an. Plötzlich sprach Remus. Er klang schrecklich heiser und so tief bekümmert, wie sie ihn noch nie erlebt hatten.
„Ich liebe ihn doch …“ Er war kaum zu verstehen.
„Was? Wen?“, fragte James sanft und strich ihm beruhigend über den Arm.
„Severus … ich liebe ihn und kann … das nicht mehr … aushalten …“
Black gab ein komisches Geräusch von sich und Peter fragte irritiert:
„Was sagte er? Er liebt Severus Snape? Ist er okay?“ Die Frage war durchaus berechtigt, doch James zischte Peter scharf an:
„Ja, er ist in Ordnung. Am besten ihr geht und entschuldigt uns. Wir brauchen noch ein paar Momente!“ Auffordernd und mit all seiner Autorität sah er zu Sirius. Sein bester Freund kannte ihn am besten von allen. Black war ein Derwisch, ein Charmebolzen, ein Tunichtgut, der nie genug bekommen konnte. Er war weder besonders klug, noch gewitzt oder ehrgeizig. Aber er hatte ein ausgezeichnetes Einfühlungsvermögen, was ihm nun sagte, dass sie gehen mussten. Er verstand, dass Remus das hier ernst meinte und gerade einen Zusammenbruch der schlimmsten Sorte hatte und er begriff, dass James der Einzige war, der jetzt richtig und klug mit ihm umgehen konnte.
„Komm, Peter!“, schob er den anderen Jungen durch die Tür und befolgte damit Potters Willen.


James zog Remus in seine Arme und hielt ihn tröstend, bis sein Weinkrampf nachließ.
„Ich weiß, dass du dich in ihn verliebt hast, Moony. Und es fiel mir wirklich schwer das zu akzeptieren. Ich meine, es ist Snape! Wie oft hat er uns in den Wahnsinn getrieben mit seiner Penetranz und seiner Neugier, doch ich sehe, wie du leidest und wenn ich mich weit aus dem Fenster lehnen darf, dann würde ich auch sagen, dass es ihm nicht besonders gut geht. Immerhin wollte er dich letzte Nacht vor dem Heulen in der Hütte retten und er hätte es getan, hätten wir ihn nicht aufgehalten.“ Leise erzählte er Remus alles, was geschehen war und strich ihm immer wieder beruhigend über die Haare.
„Jetzt weiß er, was du bist. Keine Ahnung, wie er es aufnimmt. Aber wenn er das Gleiche für dich fühlt, wie du für ihn, kommt er damit bestimmt klar. Ich will dich nicht leiden sehen, Remus. Du bist mein Freund und es tut auch mir weh, wenn es dir nicht gut geht. Triff dich mit ihm, wenn du willst und vielleicht machen wir ja wirklich eines Tages wieder etwas zusammen. So übel war es ja nicht.“
Remus schaffte es endlich sein Beben zu unterdrücken. Er konnte kaum glauben, was Potter da sagte.
„Ich liebe ihn …“, konnte er nur antworten, weil er zu nichts anderem in der Lage war.
„Sieh mich an, ja?“, forderte James und hob sein Kinn an.
„Das ist in Ordnung, hörst du, Remus? Wir sind deine Freunde und sind es auch, wenn du Severus Snape liebst, klar?!“ Remus nickte nur und brach dann wieder in Tränen aus. Niemals hatte er sich schrecklicher und erleichterter zur selben Zeit gefühlt. Es dauerte noch eine ganze Weile, bis sie ins Schloss zurückgehen konnten. Remus fiel wie tot in sein Bett, glücklich und voller Sehnsucht. Wie gern würde er jetzt Severus sehen und es ihm sagen, doch dazu war er noch nicht in der Lage.


Irgendjemand hatte seinen Arm geheilt und wagte es ihn zu wecken.
Sirius grinste ihn an:
„Aufwachen, Prinzessin! Du stinkst!“, sagte er heiter und hüpfte um sein Bett herum.
„Was?“
„Komm schon, geh einfach baden, Moony. Es ist zwar schon spät, aber du als Vertrauensschüler darfst doch ins Bad, wann immer du willst. Also hopp, sonst will niemand mit dir sprechen.“ Black nötigte ihn so lange, bis er wirklich in seiner Begleitung zum Bad der Vertrauensschüler trottete.
„Wässere dich ordentlich, klar? Wir besorgen etwas zu Futtern und dann sprechen wir zusammen, ja?“ Remus nickte nur wie betäubt. Nach der Vollmondnacht funktionierte sein Verstand nie besonders gut. Das dauerte immer noch ein paar Tage.


Nur wenig später glitt er ins angenehm warme Wasser, hing dann am Rand der riesigen Badewanne und hatte Mühe nicht wieder einzuschlafen. Sein Zusammenbruch gestern, hatte ihn total erschöpft. All seine Mauern waren eingebrochen. Nach so einer Nacht waren seine Nerven sowieso extrem dünn, doch gestern war es zu viel gewesen. Wie James reagiert hatte, kam ihm immer noch wie ein Traum vor. Das würde er ihm nie vergessen. Potter hatte es bemerkt und eigentlich war das fast zu erwarten gewesen. Dass es für ihn nicht leicht war eine Entscheidung zu treffen, war klar. Am Ende hatte er sie getroffen und er war ihm dafür sehr dankbar. Hatte er Potter auf seiner Seite, waren es auch Black und Pettigrew. Jetzt musste er nur noch mit Severus sprechen und ihm die gute Nachricht überbringen. Davor graute es ihm aber sehr, weil er einfach nicht vorhersehen konnte, wie der Slytherin reagieren würde. Vielleicht war es seines feigen Zögerns schon längst überdrüssig und wollte seine Liebe gar nicht mehr. Alles war möglich.


„Was soll ich denn hier?“, sagte Snape nur wenige Meter von Remus entfernt zu Potter, der ihn immer weiter zog.
„Schon mal was von Überraschung gehört, Snape?“
„Ja, danke. Hatte ich letzte Nacht schon“, flüsterte er dunkel. Potter blieb stehen und sah ihn eindringlich an.
„Schulde ich dir jetzt mein Leben, Potter? Freust du dich darüber, dass du einem Feind schon zum zweiten Mal das Leben gerettet hast?“
„Nicht Feind, Snape!“ James hielt ihm die Hand hin und Severus starrte nur misstrauisch drauf. Sie standen in der Nähe des Vertrauensschülerbades herum und Severus hatte keine Ahnung, was er hier sollte. Potter hatte ihn hergelockt, indem er was von Lupin gefaselt hatte, dann aber noch hundert andere Sachen gesagt und ihn einfach mitgeschleift hatte. Dabei war er gerade auf dem Weg in sein Haus gewesen.
„Beenden wir den Krieg, wie wär’s?“, fragte James ihn nun leise. Seine braunen Augen lagen ruhig auf seinem Gesicht und es sah aus, als wenn er das Angebot sehr ernst meinte.
„Weshalb? Ich habe nicht gesagt, dass ich von Lily Abstand nehme und ich werde mich auch weiterhin mit den Dunklen Künsten beschäftigen.“
„Das war mir klar und sei es drum. Ich will das beenden für einen Freund. Remus … zerbricht daran, wenn ich das nicht tue.“
„Was?“ Severus stiegen Tränen in die Augen, obwohl er gar nichts begriff. Es lag an Potters Stimme, die so viel Mitgefühl enthielt, dass ihm ganz übel wurde.
„Remus hat es mir letzte Nacht gesagt. Sein Zusammenbruch war legendär und ich will das kein zweites Mal erleben. Er liebt dich. Ich bin nicht sicher, ob du das verdienst oder ob du seine Gefühle aufrichtig erwiderst, doch das ist nicht meine Sache. Wollte ihr zusammen sein, haben wir nichts dagegen. Das solltest du wissen, Severus.“ Severus sah nach unten auf James Hand. Eine Träne tropfte in die offene Handfläche und er legte seine Hand hinein. Er war vollkommen unfähig nur ein einziges Wort zu äußern. Niemand sprach von Lily, niemand dachte nur eine Sekunde an sie.
„Und … warum bin ich hier?“, flüsterte Severus als James seine Hand losließ.
„Weil Remus hier ist. Er weiß nicht, dass du kommst, doch ihr solltet dringend miteinander sprechen, ehe ihr uns alle in den Wahnsinn treibt. Wenn du rein gehst, verriegelt sich die Tür und niemand kommt rein. Die magische Verrieglung löst sich aber, wenn einer von euch das Bad verlässt, denk dran. Ich habe es so präpariert, nicht, dass euch jemand bei eurer Aussprache stört.“ James grinste und meinte dann schelmisch:
„Übrigens könnte ich mir gut vorstellen, dass du eine fantastische Fledermaus abgeben würdest“, zwinkerte er und ging dann weg. Severus sah ihm fassungslos nach und sah dann auf die Tür des Bades.
Und was war mit Lily? Kam es ihm in den Sinn. Es war irgendwie nur ein gehaltloser Gedanke. Gestern, als er glaubte Remus sei ernsthaft in Gefahr, war es ihm klar geworden. Er liebte diesen Idioten doch schon längst. Aber das war es nicht allein. Er war auch da, um sogar Potter und Black beizustehen. So weit war es schon gekommen? Aber damit war es vorbei. Keine Feinde mehr.


Leise drückte er die Tür auf und schloss sie hinter sich. Remus sah hoch, erkannte ihn und bekam große Augen.
„Severus …“
„Soll ich bleiben?“, fragte er sanft.
„Ja. Natürlich … ja.“
Langsam zog er sich aus. Der Blonde sah ihm dabei zu und seine Ohren wurden dabei sehr rot. Wegsehen konnte er aber auch nicht. Stattdessen gingen seine Lippen ein wenig auseinander. Severus glitt ins Wasser, lehnte sich aber Lupin gegenüber an den Beckenrand und sah ihn aufmerksam an.
„Ich weiß jetzt, dass du ein Werwolf bist. Das erklärt deine Kraft.“ Seine Stimme war ganz weich und dunkel.
„Es … ich hätte es dir sagen müssen, Severus.“
„Nein, hätte ich auch nicht getan. Ich hätte mir nicht vertraut. Aber keine Sorge, ich behalte es für mich …“
„Ich habe es James gesagt.“
„Was, Remus?“
„Dass ich dich liebe!“ Bis auf das leichte Plätschern des Wassers, war nichts zu hören.
„Ich weiß. Potter hat mich hergebracht und mir die Freundschaft angeboten. Ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll aber ich habe mal angenommen.“ Mit großen Augen sah Lupin ihn an und wirkte damit so, wie er ihn kannte. Immer ein wenig unsicher in seinem Verhalten, doch von Grund auf gut und mit den anständigsten Absichten.  Severus glitt fast lautlos unter Wasser und tauchte bis zu ihm rüber. Sofort umarmte Remus ihn und küsste ihn so gierig, dass er kaum Luft bekam.
„Ich hätte das keine Woche mehr ausgehalten“, flüsterte Lupin in sein Ohr, während er ihn so fest an sich drückte, dass sein Erregung nicht zu ignorieren war.
„Ich weiß nicht, wie es wird …“, keuchte Severus rau, als der andere Junge seinen erigierten Penis fest mit seinen Fingern umschloss.
„Ich auch nicht. Alles was wichtig ist, ist doch das … hier“, raunte Remus und nahm seine Unterlippe sanft zwischen seine Zähne. Als sich ihre Zungen zu einem wilden Tanz trafen, trat alles andere in den Hintergrund. Als Remus tief in ihm war und er seine Arme auf den Beckenrand und seinen Kopf darauf gelegt hatte, dachte Severus an nichts mehr. Nicht an Potter, nicht an Lily oder seine verkorkste Familie. Remus, ein toller, anständiger Kerl, wollte ihn und hatte am Ende den Mut aufgebracht, dazu zu stehen. Wer wäre er, wenn er gegen seine Sehnsüchte handelte, nur, weil er sich vor vielen Jahren in den Kopf gesetzt hatte, dass er Lily liebte und sie eines Tages zu ihm gehören würde? Er wäre nichts weiter als ein engstirniger Typ, der einen großartigen Jungen wie Lupin nicht verdient hätte.
Das waren seine letzten Gedanken, bevor er vor Lust nur noch keuchte, bevor sein Körper sich in lustvollen Wellen zusammenzog, weil Remus wieder seine Finger um seine Erektion geschlossen hatte und sie rieb, bevor er seinen Rausch und seine Ekstase dunkel heraus stöhnen musste.
Er hatte einmal alles richtig gemacht, bevor es zu spät gewesen wäre.
Das hatte er Lupins Pflichtbewusstsein, seiner aufrichtigen Charakterstärke und seinem gutmütigen Herzen zu verdanken. Oder Dumbledore – da war er sich nicht ganz sicher.
Er hatte es aber auch Potter zu verdanken, der sich als einfühlsamer, klüger und menschlicher herausgestellt hatte, als er ihn immer gesehen hatte. Sehen wollte, denn James war mit Lily zusammen und war damit automatisch jemand, den er hassen musste.
Sie verbrachten noch viel Zeit im Bad, reden, liebten sich und lachten zusammen. Sie wussten nicht, dass Potter, Black und Pettigrew eine Zeitlang draußen lauschten und sich grinsend ansahen, bevor sie sie allein ließen.



Ab diesem Zeitpunkt waren es nicht mehr nur vier Jungs und ein Mädchen, sondern fünf Jungs und ein Mädchen. Mit erstaunlicher Geschwindigkeit und großem Talent erlernte Severus in kürzester Zeit den Animagus-Zauber. Dabei nahm er Potters witzige Bemerkung als Grundlage und wählte eine Fledermaus als seine Animagus-Form. Zu sechst unternahmen sie viel und es war immer spannend und auch lustig. Die Sorge aller, wie Severus und Lily aufeinander reagieren würden, löste sich in Nichts auf. Severus merkte schnell, dass es einen Unterschied zwischen Liebe und der Sehnsucht nach einer Freundschaft gab. Lily war seine erste und einzige Freundin gewesen, eine sehr lange Zeit. Als die Freundschaft zerbrach, hatte er sie vermisst und war dem Irrglauben verfallen, dass er Lily Evans über alles lieben würde. Was er aber vermisst hatte, war ihre Freundlichkeit und ihre Art ihn zu mögen und ihm verstehen zu geben, dass er gut und richtig war, so wie er war. Dieses Gefühl kehrte nun zurück und Severus kapierte, dass er genau das so vermisst hatte. Er mochte sie nach wie vor, doch Liebe war etwas anderes. Während des Alltags in Hogwarts machten er und Remus viel zusammen, zeigten ihre Liebe jedoch nie öffentlich. Nur wenn sie unter Freunden waren, taten sie es. Anfangs hielten sie eher verschämt Händchen, doch irgendwann küssten sie sich vor den Augen ihrer Freunde und es war, wie Potter gesagt hatte: In Ordnung.
So kam es, dass Severus niemals auf die Idee kam sich nach Hogwarts dem Dunklen Lord anzuschließen und ein Todesser zu werden. Er kämpfte von Anfang an auf der Seite der Guten und mit seiner mächtigen Magie und seiner Anwendung der Dunklen Künste gegen die Todesser gelang ihnen der Sieg. Voldemort wurde so schon in diesem Krieg endgültig vernichtet und ein kleiner Junge namens Harry Potter durfte als glückliches Kind bei seinen liebevollen Eltern aufwachsen. Auch Harry besuchte später Hogwarts, wo sowohl Remus Lupin, als auch Severus Snape als Lehrer arbeiteten. In jenen Jahren, Ende des Jahrtausends sprach schon längst keiner mehr vom Dunklen Lord.
Und das alles nur, weil ein Gryffindor den Mut hatte zu seinen Gefühlen zu stehen, ein anderer Gryffindor über seinen Schatten springen konnte, weil er das Leid seines Freundes nicht mehr ertragen konnte und ein Slytherin die gereichte Hand nicht hochmütig und aus falschen Idealen ausgeschlagen, sondern angenommen hatte.
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