Was das Herz will...

KurzgeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P12 Slash
Primera Division
06.11.2019
06.11.2019
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Hallöchen,

Lang lang ist es her, dass ich etwas gepostet habe.
Aber dieser kleine OS ruhte die ganze Zeit auf meinem Handy und als ich dann vor ein paar Tagen gelesen habe, dass Iker zumindest wieder auf dem Platz steht, habe ich zu Ende geschrieben.
Nichts besonderes.
Einfach nur eine Kleinigkeit für Zwischendurch.

Ich hoffe, es gefällt und ich wünsche viel Spaß beim Lesen.

Gruß der Keks ^^


Was das Herz will...


"Es ist mir scheiß egal, dass ich nicht auf der Liste stehe. Lassen Sie mich durch."

Laute Stimmen rissen mich aus meinem Schlaf.
Es dauerte einen Moment, bis ich mich orientiert hatte, und mir wieder bewusst wurde, dass ich im Krankenhaus lag.

"Madre mia.", erklang lautes Fluchen auf dem Flur und ein leichtes Lächeln schlich sich auf meine Lippen.
Ich kannte nur eine Person, die so leidenschaftlich fluchen konnte.

Die Tür zu meinem Zimmer wurde geöffnet und da stand er.
Sergio Ramos.

Hinter ihm tauchte eine völlig panische Krankenschwester in der Tür auf und fasste ihn am Arm, um ihn weg zu ziehen.
"Ist schon in Ordnung.", sagte ich zu ihr und versuchte mich an einem Lächeln.
"Herr Casillas braucht Ruhe, benehmen Sie sich.", wies sie Sergio noch zurecht, ließ ihn los und entfernte sich dann.

Sergio hatte ihr die ganze Zeit über kaum Beachtung geschenkt, denn sein Blick hatte nur auf mir geruht.
Leise schloss er die Tür und kam auf mein Krankenbett zu.
Sein Blick flackerte zwischen Sorge und Erleichterung hin und her, doch da war noch etwas, das ich nicht deuten konnte.

Ich versuchte mich aufzurichten, doch meine Brust schmerzte noch zu sehr, sodass ich leise stöhnend zurück in die Kissen sank.
Sergio war sofort bei mir und griff besorgt meine Hand.
"Soll ich eine Schwester holen?", fragte er und seine Stimme klang erstickt.
"No, ich habe mich nur falsch bewegt. Es geht schon wieder.", antwortete ich wahrheitsgemäß und drückte seine Hand sanft.

Sergio ließ sich langsam auf den Stuhl neben meinem Bett sinken, ließ meine Hand dabei die ganze Zeit nicht los und sah mich dann mit einem solch schmerzvollem  Blick an, dass es mir das Herz brach.
"Iker...fuck...Ich dachte, ich hätte dich verloren.", seine Stimme brach und plötzlich rannen Tränen seine Wangen hinab.
"Hey, Nene, ich bin noch hier. Du weißt doch, mich wird man so schnell nicht los.", versuchte ich ihn zu beruhigen, selbst ein wenig überfordert mit seinem Schmerz und den Gefühlen, die es in mir auslöste.
"Ich...Ich weiß...Ich bin sofort los, sobald ich konnte. Wir...Ich musste dich sehen. Ich konnte das die letzten Monate nicht, aber das jetzt... fuck...", er schniefte leise.
Vorsichtig hob er unsere verschränkten Hände an seine Lippen und hauchte mir einen Kuss auf den Handrücken.
"Ich kann doch nicht ohne dich, Iker.", hauchte er so leise, dass ich es fast nicht verstanden hätte.

Ein warmer Schauer flutete meinen Körper bei diesen Worten.
Wir hatten uns voneinander entfernt.
Porto und Madrid lagen nicht gerade nah beieinander.
All die Jahre in Madrid war Sergio mein bester Freund gewesen.
Wir waren selten ohne den anderen anzutreffen gewesen.
Auch wenn wir so gegensätzlich waren.
Vielleicht hatten wir auch gerade deswegen so gut harmoniert.
Mit den Jahren war unser Verhältnis immer enger geworden.
Sergio kannte mich besser als jeder andere Mensch auf dieser Welt.
Doch irgendwann war da von meiner Seite aus mehr gewesen.
Ich hatte nichts dagegen unternehmen können, hatte es schließlich akzeptieren müssen und hatte weiter gemacht wie immer, weil ich ihn als meinen besten Freund nicht verlieren wollte.
Zumal solche Gefühle mit meiner Karriere als Fußballer nicht vereinbar gewesen wären.
Mein Leben ging weiter wie bisher.
Die Jahre vergingen.
Beziehungen, Kinder.
Schließlich 2015 mein Wechsel nach Porto.
Sergio hatte getobt.
Über den Verein und meinen Wechsel allgemein.
Nie aber über meine Entscheidung.
Er hatte es verstanden.
Irgendwie.
Wir hatten Kontakt gehalten, so gut es auf die Entfernung eben ging.
Aber wir hatten eben auch Familie, unseren jeweiligen Verein und unser sonstiges Privatleben.
Ich hatte ihn vom ersten Tag an schrecklich vermisst, gleichzeitig aber auch gehofft, dass meine Gefühle für ihn mit der Zeit verschwinden würden, wenn ich ihn eben nicht mehr jeden Tag sah.
Doch ich hatte mich getäuscht.
Eine tiefe Sehnsucht nach ihm hatte sich in mir breit gemacht und ich war um jedes Mal dankbar gewesen, das ich ihn sehen oder auch nur seine Stimme hören konnte.
Seit dem waren vier Jahre vergangen und ich liebte ihn noch immer.
Doch im letzten Jahr hatte Sergio sich mehr und mehr von mir entfernt.
Kein Besuch.
Nur wenige Anrufe.
Wenn überhaupt noch Whatsapp-Nachrichten.
Doch jetzt war er hier und das war alles, was für mich in diesem Moment zählte.

Ich riss mich aus meinen eigenen Gedanken und blickte wieder zu Sergio, der mich besorgt musterte.
"Alles okay?", fragte er und war schon halb aufgestanden, um im Zweifel jemanden zu holen.
"Ja, alles bestens. Ich bin froh, dass du da bist, Nene. Ich habe dich vermisst.", antwortete ich.

Wenn mir der gestrige Tag eines gezeigt hatte, dann, dass es viel zu schnell vorbei sein konnte.
Deshalb wollte ich endlich reinen Tisch machen.
Meine Profikarriere war vermutlich zu Ende.
Dadurch konnte es mir dann auch egal sein, was die Öffentlichkeit über mich wissen könnte, denn es würde keine Auswirkungen mehr auf meine Karriere haben.
Nicht wie vor über 10 Jahren, als mein Gefühlschaos seinen Anfang genommen hatte und ich es nicht zulassen konnte und wollte, weil ich damit meine Karriere aufs Spiel gesetzt hätte.
Aber jetzt wollte ich diesen Teil nicht mehr zurückdrängen und verstecken müssen.
Ich wollte Sergio die Wahrheit sagen.
Auch wenn er meine Gefühle wohl nicht erwidern würde.
Aber vielleicht würde mir das auch helfen, mich wieder zu entlieben und wir konnten danach wieder normal miteinander umgehen.
Quasi als kompletter Neuanfang für mich dann.

Sarah hatte ich es gestern nach der OP schon gesagt.
Nicht, dass ich tief in meinem Herzen eigentlich immer nur Sergio geliebt hatte, sondern, dass ich sie nicht mehr genug liebte, um mein Leben weiter mit ihr verbringen zu können.
Sie hatte es erstaunlich gefasst aufgenommen, vielleicht hatte sie es auch schon irgendwie geahnt.
Sie hatte lediglich darum gebeten, ob wir nach meiner Entlassung noch einmal in Ruhe darüber sprechen könnten und diesen Wunsch  hatte ich ihr nicht ausschlagen können.
Schließlich waren wir 10 Jahre zusammen gewesen und hatten zwei gemeinsame Kinder.

"Iker?", Sergios Stimme riss mich aus meinem Gedanken, "Wirklich alles in Ordnung? Du wirkst so abwesend."
Ich schenkte ihm ein beruhigendes Lächeln: "Der Tag gestern...der Infakt. Das war nicht ohne. Ich kann das alles noch immer nicht richtig begreifen. Ich hatte Angst, Nene, dass mein Leben zu Ende ist. Und das stimmt mich jetzt nachdenklich. Es steht noch nicht fest, ob ich wieder professionell Fußball spielen kann. Außerdem habe ich mich von Sarah getrennt...", weiter kam ich gar nicht.
Sergio sprang auf und blickte mich geschockt an.
"Du hast dich von Sarah getrennt?", echote er.
"Si. Ich liebe sie nicht genug, um weiter mit ihr zusammen zu sein.", fuhr ich fort.
"Iker, ihr seid seit 10 Jahren ein Paar und habt zwei gemeinsame Kinder.", versuchte er mir ins Gewissen zu reden.
"Das weiß ich. Aber ich liebe jemand anderes."
Sergios Blick wurde noch geschockter.
"Du liebst jemand anderes?", echote er erneut, "Seit wann denn?"
Ein wehmütiges Lächeln schlich sich auf meine Lippen: "Seit mehr als 12 Jahren."
Ihm fiel endgültig alles aus dem Gesicht.
"Fuck, Iker...warum bist du dann mit Sarah zusammen gekommen? Sorry, aber ich verstehe gerade gar nichts mehr."
"Weil die Beziehung mit Sarah alles einfacher gemacht hat. Keine unangenehmen Fragen nach meinem Liebesleben. Keine Einsamkeit und wir haben zwei wundervolle Kinder. Es bedeutet ja auch nicht, dass ich sie nicht geliebt habe. Aber ich habe jemand anderes all die Jahre mehr geliebt als sie, es mir aber verboten.", versuchte ich es irgendwie zu erklären.
Er blickte mich immer noch verständnislos an.
"Dios, Nene...", seufzte ich, "Ich bin seit mehr als 12 Jahren in einen Mann verliebt."
Ein erleichtertes Lächeln schlich sich auf meine Lippen.
Endlich war ein Teil meines Geheimnisses raus.
Dennoch hatte ich ein wenig Angst vor seiner Reaktion.

Völlig versteinert saß er auf dem Stuhl und ich sah es förmlich in seinem Kopf arbeiten.
Das einzige, was mich beruhigte, war, dass er meine Hand noch immer fest hielt.

"Oh Iker, ich hatte ja keine Ahnung...warum hast du mir denn nichts gesagt?", fragte er leise und blickte mich tief betroffen an.
"Ich war trotzdem glücklich mit Sarah. Und wäre das gestern nicht passiert, wäre ich es wahrscheinlich immer noch. Außerdem wie hätte ich es dir sagen sollen? Ich hatte Angst, du würdest mich deswegen von dir stoßen oder mir Vorwürfe machen, weil ich trotzdem mit Sarah zusammen war.", antwortete ich ihm und fügte dann noch scherzhaft hinzu, "Und außerdem wärst du viel zu neugierig gewesen, um wen es sich denn handelt."
"Ich verstehe das.", sagte er ernst, dann flackerte Neugierde in seinem Blick auf, "Kenne ich ihn?"
"Si.", erwiderte ich.
Jetzt war Sergios Neugier, wie vorhergesagt, geweckt: "Oh, Iker, spann mich nicht auf die Folter. Wer ist es? Cris?"
"No", lachte ich, "Mehr als 12 Jahre, Sese. Cris ist erst 2009 gekommen."
"Raul?"
"No."
"Guti?"
"No."
"Beckham?"
"Oh Gott, no, Sergio.", empörte ich mich.
"Sag's mir doch einfach.", quängelte er jetzt und blickte mich mit seinem besten Hundeblick an.
Für einen kurzen Moment flackerten Zweifel auf.
Sollte ich es ihm wirklich sagen?
Vermutlich würde es unsere Freundschaft zerstören.
Aber ich musste es endlich loswerden.
Nach gestern war alles anders.
"Nene, por favor, hass mich nicht, okay?", begann ich.
"Das könnte ich nicht, Iker.", unterbrach er mich.
"Da wäre ich mir nicht so sicher... Dios...Nene, ich liebe dich. Seit 12 Jahren."
Endlich war es raus.
Ich schloss die Augen und wartete darauf, dass er mich entweder verfluchte oder einfach den Raum verließ.
Doch nichts davon geschah.
Vorsichtig öffnete ich meine Augen wieder.
Sergio hielt meine Hand noch immer fest und blickte mich völlig ungläubig an.
"Du liebst mich?", flüsterte er und seine Stimme zitterte.
"Si, ich liebe dich. Deswegen konnte ich es dir nie sagen. Ich wollte und konnte dich nicht als meinen besten Freund verlieren.", erwiderte ich und versuchte mich an einem Lächeln.
"Oh, Iker.", schluchzte Sergio plötzlich und im nächsten Moment küsste er mich.
So sanft und vorsichtig, als könnte er mich zerbrechen.

Atemlos lehnte er seine Stirn an meine und ich spürte, wie einige seiner Tränen auf meine Wangen hinab tropften.
Langsam legte ich ihm eine Hand an die Wange und wischte seine Tränen fort.
"Oh, Nene...", flüsterte ich.
"Iker...ich...fuck... ich hab mich die letzte Zeit so rar gemacht, weil ich die Trennung von dir kaum ausgehalten habe. Ich habe gedacht, dass es besser wäre, wenn wir dann keinen Kontakt mehr haben. Aber das war noch schlimmer. Und als das gestern dann passiert ist... Ich bin gekommen, weil ich dir sagen wollte, dass ich mich schon vor Ewigkeiten in dich verliebt habe. Ich habe mir keine Hoffnung gemacht...Und dann gestehst du mir, dass du mich liebst... Madre mia...wir hätten es schon so lange so viel einfacher haben können...", murmelte er gegen meine Wange.
"Wir sind schon zwei Idioten.", lachte ich leise und machte ihm ein wenig Platz neben mir im Bett, "Komm, leg dich zu mir."
Vorsichtig legte er sich neben mich, ein breites Lächeln auf den Lippen.
Er hauchte mir immer wieder federleichte Küsse auf die Lippen und auch ich kam aus dem Strahlen gar nicht mehr raus.

Irgendwann musste ich eingeschlafen sein, denn ich wurde durch ein Klopfen an der Tür wach.
"Ja.", antwortete Sergio an meiner statt und die Krankenschwester von Sergios Ankunft kam herein.
"Herr Ramos, Sie sind ja immer noch...", wollte sie schon mit ihm schimpfen, als sie sah, dass ich an ihn geschmiegt im Bett lag, "Oh...entschuldigen Sie...ich müsste von Ihnen, Herr Casillas, ein paar Werte nehmen und danach gibt es Abendessen. Der Arzt schaut nach dem Essen noch mal vorbei."
"Okay, gar kein Problem.", erklärte ich ihr, während Sergio mir half, mich aufzusetzen.

Die Krankenschwester führte die Untersuchungen durch und ließ dann mein Abendessen da.
Ich hatte nicht wirklich Hunger und besonders appetitlich sah das Essen auch nicht aus.
Sergio und ich einigten uns darauf, dass ich den Nachtisch und den Apfel aß, er den Rest.

Wir waren gerade fertig mit Essen, als der Arzt herein kam.
Das Gespräch zog wie in Watte gepackt an mir vorbei.
Ich durfte kein Fußball mehr spielen.
Zumindest nicht mehr als Profi.
Hobbymäßig wäre es noch okay, aber erst, wenn ich mich wieder vollständig erholt hatte.
Er gab mir noch einige Anweisungen und Tips und riet mir, mich zu Hause weiterhin von einem Arzt meines Vertrauens betreuen zu lassen.
Außerdem würde ich, wenn alle Untersuchungen positiv abgeschlossen waren, schon in drei Tagen nach Hause können.
Ein zu Hause, das nach der Trennung von Sarah nicht mehr mein Zuhause war.

Es dauerte noch eine Weile, nachdem der Arzt gegangen war, bis ich zu irgendeiner Reaktion fähig war.
Ich drehte mich zu Sergio, schlang meine Arme um ihn, vergrub mein Gesicht an seinem Hals und fing an zu weinen.

Sergio strich mir sanft über den Rücken und wartete, bis ich mich wieder beruhigt hatte.
"Iker, ich weiß, was dir der Fußball bedeutet. Aber das wichtigste ist, dass du lebst und wieder gesund wirst. Das klingt hart und ich kann nicht annähernd nachvollziehen, was du gerade durchmachst. Aber ich bin für dich da. Immer."
Ich streckte mich ein wenig, um ihn zu küssen und lächelte dankbar.
"Danke, Nene...", flüsterte ich.
"Ich werde morgen nach Hause fahren und mit Pilar sprechen. Sie wird es nicht wundern, glaube ich. Wir haben in letzter Zeit oft gestritten und ich musste oft im Gästezimmer schlafen.", erklärte er dann und blickte mich ein wenig unsicher an.
"Du musst das nicht tun.", sagte ich matt und sank in die Kissen zurück.
"Doch, das muss ich. Ich will dich. Mit allen Konsequenzen. Dazu gehört auch eine offizielle Trennung. Ich komme danach wieder und bin da, wenn du entlassen wirst. Du musst da nicht alleine durch.", widersprach er mir und lächelte sanft.
Ich nickte ergeben.

Eine Weile war es still im Raum und so langsam fielen mir die Augen zu.
Doch bevor ich einschlief, wollte ich noch etwas geklärt haben.
"Nimmst du mich mit zurück nach Madrid?", fragte ich leise.
"Oh, Ikerito, natürlich. Wir können uns auch gleich zusammen etwas suchen, wo wir doch so lange aufeinander verzichtet haben, wir Idioten.", erwiderte er liebevoll und küsste mich dann sanft.
"Das wäre schön...", murmelte ich und ergab mich nun doch meiner Müdigkeit.
Eng an Sergio gekuschelt und mit einem Lächeln auf den Lippen, da ich trotz oder vielleicht auch wegen der ganzen Sache endlich das bekommen hatte, was mein Herz immer gewollt hatte.