Blue Moon

von Rikarin
GeschichteRomanze, Familie / P16
Bardock Bulma Nappa Radditz Son Goku Vegeta
05.11.2019
15.11.2019
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Mittlerweile waren zwei Jahre seit dem Blaumond vergangen und Bulma hatte sich so weit entwickelt, dass sie selbstständig auf ihren stämmigen Beinen stehen und laufen konnte. Auch die Kontrolle um ihren kleinen Affenschweif wuchs.
Ungeachtet der ungelenken Koordination betrachte sie ihre Umgebung mit neugierigen Blicken und verfolgte alles, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Ihr Vokabular entwickelte sich von Tag zu Tag und sie nutzte es, um ihrer Familie zu belabern.
Radditz bemühte sich, ein guter Bruder zu sein, aber trotzdem sehnte er sich immer öfters danach, Zeit für sich selbst zu haben.
Das Aufpassen wurde immer stressiger. Kaum hatte er einen Moment den Blick von ihr abgewandt, schon baumelte Bulma in den Bäumen oder verschwand im Wald.
Im Aufspüren war er dadurch sehr gut geworden, aber langsam wurde es nervig.
Gine bemühte sich, ihren Sohn seinen Freiraum zu lassen und beeilte sich, um früh nach Hause zu kommen.
Sobald er seine Mutter ankommen sah, überreichte Radditz ihr das strampelnde Kind und verschwand im Wald, um sich entweder mit seinen Freunden zu treffen oder alleine zu trainieren.
Erst wenn er ahnte, dass das Abendessen fertig war, kam er zurück.
Gine war eine junge, belastbare Frau, aber auch sie merkte allmählich, wie dieser Alltag mit Arbeit, Haushalt und Kindern an ihre körperlichen Grenzen ging.
Bardock befand sich oft auf Reisen und auf die Hilfe ihrer Stammes-Schwestern konnte sie nicht zählen. Man wunderte sich außerdem, warum man Radditz so selten im Dorf sah.
Kinder seines Alters hatten noch keine Pflichten und nutzen ihre Zeit zum Spielen mit Gleichaltrigen. Ein wichtiger Prozess, um soziale Regeln zu lernen.
Am späten Abend hatte Gine sich an ihren Lieblingsplatz am Fenster zurückgezogen, Bulma an ihre Brust gelegt und eine Decke über sich gezogen.
Müde schaute sie zum sternenübersäten Himmel. Die Luft war kühl und sie kuschelte sich tiefer in die Decke.
Sie sehnte sich nach Bardock und seiner Umarmung, aber vor allem sehnte sie sich nach ein paar Stunden Schlaf zusätzlich.
Normalerweise teilten sich die Saiyajin-Frauen ihre Arbeiten. Während einige sich um die Zubereitung von Essen kümmerten, waren die anderen mit der Betreuung der Kleinkinder beschäftigt.
Seit einigen Jahren gab es die Möglichkeit, Brutkästen zu nutzen, eine neue Technologie eines fremden Planeten. Mütter konnten ihre Kinder nach der Geburt bis zu drei Jahre darin verbringen lassen und sich so ungestört um andere Pflichten kümmern. Nach dem Ausbrüten waren die Kinder schon selbstständig genug; mussten nicht mehr getragen und vor sich selbst beschützt werden, konnten sich eigenständig erleichtern und feste Nahrung zu sich nehmen.
Für das kleine Volk der Saiyajins, die jede helfende Hand brauchte, die nicht mit Kinderaufzucht beschäftigt war, war es eine nützliche Erfindung.
Gine drückte ihr Kind näher an sich.
Sie hielt nichts von dieser neuen Sitte, die damit auch zugleich verhinderte, dass die Mütter und Kinder eine Bindung zueinander aufbauten. Sie hatte es bei Radditz nicht getan und für Bulma sah sie es auch nicht ein.
Vielleicht sahen einige Frauen es als tröstlich an, weil eine geringe Bindung auch weniger Schmerzen bei Verlust bedeutete. Aber sie hielt sich in diesem Fall an die Tradition.
Sie seufzte und ihre müden Augen schlossen sich.
Bei Radditz Erziehung war es damals einfacher gewesen, sie hatte mehr Unterstützung gehabt durch ihren Wohnplatz im Dorf.
Aber sie hatte sich für dieses Opfer entschieden. Was waren schon ein paar Stunden Schlaf weniger, wenn man dafür diese Frieden hatte?
Sie konnte den Atem ihrer Tochter an ihrer Brust spüren; ihre wohltuende Wärme.
Eine Welt ohne Bulma war für sie nicht mehr vorstellbar und sie wusste, dass es ihren Männern genau so ging.
Die Zeiten würden sich bessern.
Sie streichelte ihr Kind über den Rücken und hörte Bulmas leises Schnarchen.
Ihre Tochter war so schlau.
Wie schnell sie sprechen lernte, schneller noch als bei Radditz. Sie konnte sogar die ersten Symbole der Saiyajin-Sprache lesen, die er ihr beibrachte. Dafür haperte es noch mit dem Laufen und Klettern, aber das Nacheilen des großen Bruders war ein Ansporn. Die Bindung zwischen den Geschwistern wurde immer stärker, aber Radditz brauchte auch seinen Freiraum. Bulma hing ihm manchmal zu sehr an den Füßen.
Gine war froh, dass ihr Sohn so viel Verantwortung auf sich nahm. Nicht viele Kinder in seinem Alter wären so selbstlos.
Wer weiß, in ein paar Monate konnte Bulma vielleicht bei ihrem Bruder schlafen und Bardock und Gine hatten ihre Bettstätte wieder für sich.


Einige Tage später….
„Raddiiiitz, warte auf mich“ rief Bulma mit quengelnder Stimme und wankte ihrem großen Bruder hinterher.
Radditz sah sie genervt an.
„Nein, Bulma, du gehst zurück ins Haus und wartest dort“ befahl er und schnappte sich das kleine Mädchen, um es sich unter den Arm zu quetschen und wieder in die Hütte zu bringen.
Er hatte Hunger und wollte nach Beeren und Früchte suchen, da konnte er seine kleine, schwache Schwester nicht gebrauchen.
Wenn sie nicht auf ihn hören wollte, musste er sie halt festbinden. Das hatte schon öfters funktioniert.
Er schnappte sich ein Seil und band es um den großen Stammbalken im Haus. Das Ende verband er um Bulmas Pummelbauch.
„Bleib schön hier, dann gibt es auch ein paar süße Beeren, verstanden“ sagte er streng.
Bulma zog eine Schnute.
„Aber ich will mit dir mit, Nii-chan.“
Ihre großen blauen Augen sahen ihn flehend an, aber Radditz blieb dank seines knurrenden Magens hart.
Er drehte sich um und verließ die Hütte, ohne hinter sich zu sehen.

Bulma setzte sich unzufrieden auf den Boden und verschränkte die kleinen Ärmchen. Sie zog einen Schmollmund.
Radditz-nii-chan war so gemein.
Warum ließ er sie im langweiligen Haus zurück?
Lieber wollte sie mit in den Wald gehen.
Dort gab es wilde Tiere, an die sie sich anschleichen konnte.
Bunte Schmetterlinge.
Tolle Bäume zum Rumklettern.
Glitzernde Steine und toll duftenden Blumen.
Für Bulma war der Wald ein großer Spielplatz, nur für sich und ihren geliebten Bruder.
Sie atmete tief ein und aus.
Der Knoten, den der ungeübte Radditz um ihren Bauch geschlungen hatte, lockerte sich.
Interessiert sah sie nach unten und fing an, mit ihren kleinen Fingern am Knoten herum zu spielen.
Ehe man sich versah, hatte sie den Knoten gelöst.
Freudig sprang sie auf und lief nach draußen, den Spuren von Radditz folgend.

Im dichten Wald wurde der ausgetrampelte Weg der Kinder immer schmaler und Bulma hatte ihren Bruder immer noch nicht gefunden. An den üblichen Plätzen war er nicht und die ihr bekannten Büsche waren leer geerntet.
Bulma rief laut nach ihrem Bruder, während sie den bekannten Weg verließ und tiefer in den Wald ging. Sie wollte nicht eher weg, bis sie bei Radditz war.
Leise summte sie eine selbsterfundene Melodie, während sie über die Wurzel der Bäume sprang.
Plötzlich hörte sie ein Rascheln in den Büschen.
Freudig hob sie den Kopf und rannte los. Das konnte nur ihr Bruder sein.
Doch als sie die Äste vorbei schob, war es nicht seine Gestalt, sondern die eines großen Tieres, dass ihr unruhig entgegensah.
Es lief auf vier kurzen, aber starken Beinen, hatte einen kurzen Rüssel, dunkelrotes Borstenhaar mit schwarzen Spitzen und zwei gefährlich aussehende Hauern schauten aus seinem Maule. Der dicke, runde Körper war groß genug, dass ein kleines Wesen wie Bulma darauf reiten konnte.
Allerdings sah das Tier nicht so friedliebend aus, dass so etwas jemals passieren würde.
Es schnaufte und trat mit gesenkten Hauern auf Bulma zu. Sein starker, tierischer Geruch brannte in Bulmas Nase.
Ängstlich wich sie einen Schritt zurück.
Sie wusste nicht, was es war, aber es war nicht nett.
Sie drehte sich um und rannte durch die Büsche.
Sie hörte ein lautes Quieken hinter sich. Ein schnelles Umdrehen des Kopfs und sie konnte das rote Tier erkennen, dass sich zu ihrer Verfolgung aufgerafft hatte.
Bulma kreischte laut auf und rannte, so schnell sie konnte. Der Abstand verringerte sich.
Ihre Beine wurden schwerer, der Atem brannte in ihrer Lunge und sie konnte das herannahende, wütende Gequieke hören.
Eine hervorstehende Wurzel wurde ihr Verhängnis und sie stolperte; fiel zu Boden.
Ihre Knie und Handinnenflächen schlugen auf und fingen an zu bluten, aber Bulma bemerkte den Schmerz nicht.
Zitternd vor Angst drehte sie sich um und sah dem roten Übel ins Gesicht, das immer näher kam.
Tränen der Furcht bildeten sich, während sie angststeif auf den Schmerz wartete.
Sie konnte die wilden, kleinen, schwarzen Augen des Ungeheuers erkennen.
Kurz vorm Aufprall hörte sie ein lautes Schreien.
Ein heller Blitz traf das Tier und warf es zur Seite. Die Wucht war stark genug, dass es in die Büsche fiel.
Bulma sah zum Verursacher des Angriffes hin.

Radditz stand keuchend zwischen den Bäumen, seine Handfläche immer noch erhoben.
Er hatte das ängstliche Schreien seiner Schwester gehört und war ihr gefolgt.
Als er den Verfolger erkannte und seinen niedrigen Abstand zu Bulma, den er nicht rechtzeitig erreichen würde, hatte er nur eine Lösung gesehen.
Zum ersten Mal hatte er, verursacht durch die Angst und den Zorn, einen Energiestrahl abgefeuert.
Der ungeübte Angriff verursachte einen hohen Energieverlust und er atmete schwer, aber dafür konnte er das Tier von Bulma abbringen.
Leider war der Angriff nicht stark genug.
Das Scrofa, ein bulliges Waldwesen, schüttelte sich und kletterte aus den Büschen heraus. Der massige Körper hatte den Angriff ohne große Blessuren überstanden.
Der Schmerz hatte das Tier noch wütender gemacht.
Aber sein Ziel war nun der etwas größere Zweibeiner mit dem langen, stacheligen Fell.
Es stampfte mir seinem Vorderhuf auf und nahm Anlauf. Den massiven Kopf gesenkt und zum Stoßen bereit, rannte es auf Radditz zu.

Der Junge ging in die Knie, bereit zum Abfedern und ließ den Angreifer nicht aus den Augen.
Für Erwachsene waren Scrofas Leckerbissen, die sie mit Leichtigkeit erledigen konnten, aber ein kampfbereiter Eber war für Kinder gefährlich. Der stämmige Körper konnte Knochen brechen, wenn er mit voller Fahrt den zarten Körper traf und seine gebogenen Hauern tiefe Wunden schlagen
Sein Instinkt half dem kampfunerfahrenen Saiyajin. Er sorgte dafür, dass sein Körper mit Adrenalin überflutet wurde und er keine Erschöpfung spürte. Statt eines Fluchtinstinkts, wurde sein Kampfinstinkt geweckt. Dies war Radditz erster ernsthafter Gegner.
Ohne dass er es wusste, lächelte er.

Das Scrofa war schnell, sobald es anfing zu laufen, aber mit den kurzen Beinen konnte es schlecht die Richtung wechseln und Haken schlagen.
Im Gegensatz zum agilen Saiyajin, der oft mit seiner Schwester Fangen spielte.
Kurz vor dem Aufprall sprang Radditz hoch. Der ungeschützte Rücken lag unter ihm. Der Junge konnte noch nicht fliegen und in Ki-Angriffe war er ungeübt, aber er erinnerte sich an das Gefühl seines ersten Blitz-Angriffs.
Durch seinen Willen formte sich das restliche Ki in seiner rechten Hand und er konnte einen weiteren, wenn auch schwächeren Energiestrahl abfeuern.
Das Tier schrie schmerzhaft auf. Der Angriff war stark genug, um die Haut zu verbrennen, aber er gelangte nicht tiefer ins Fleisch.
Radditz landete und sah hinter sich ein wirklich zorniges Waldtier, dass jetzt nur noch ans Töten dachte.
Ihm war klar, dass er eine lebenswichtige Stelle treffen musste, wenn er sich und seine Schwester retten wollte. Schnell genug flüchten; mit Bulma auf dem Rücken: unmöglich.
//Kehle…// dachte er.
Das war die einzige Möglichkeit, denn der Bauch war zu dicht am Boden und solange er das Tier nicht auf den Rücken drehte, erreichte er nicht die empfindlichen Innereien.
Er wünschte, er hätte ein Messer dabei. Er wusste nicht, wie er den massigen, kurzen Hals durchtrennen sollte.
Das Scrofa stürmte auf ihn zu und der erschöpfte Saiyajin konnte nur knapp zur Seite weichen.
Solange er keinen Plan hatte, war es die einzige Möglichkeit, das Tier zu beschäftigen.
Er konnte Bulmas blauen Haarschopf nicht sehen. Vielleicht war seine Schwester so schlau gewesen, weg zu rennen. Verstecken wäre wegen der feinen Nase des Scrofas keine gute Idee.
//Wenn ich mich von ihm angreifen lasse...und ihn dann aufhalte…käme ich nah genug an seine Kehle, um sie mit einem Ki-Angriff zu verletzten. Oder ich muss einen Faustschlag mitten zwischen die Augen landen, dann könnte es ihn betäuben//
Egal welchen Weg er wählte, er müsste einen körperlichen Schaden und Schmerzen dafür in Kauf nehmen.
Das Scorfa wendete, stampfte kraftvoll mit den Vorderhufen auf und quickte aggressiv.
Radditz stellte seine Beine auseinander und ging in die Knie; die Hände griff bereit um das Tier festzuhalten.
„Das wird wehtun…“ murmelte aber. „aber danach bist du dran.“
Doch bevor das Scorfa zum Angriff lief, traf ihn ein Stein an der Schläfe.

Fassungslos sah Radditz, wie Bulma mit zittrigen Beinen zwischen den Bäumen stand; ihre Hand mit Steinen gefüllt.
„FINGER WEG VON MEINEM BRUDER!“ rief sie kreischend und warf weitere Steine auf das Scorfa.
„Du kleine Idiotin“ fluchte Radditz.
Doch Bulma überraschte ihn, als sie etwas in seiner Richtung warf.
„Radditz, nimm das und komm nach“ befahl Bulma und lief hinter die Bäume. Das Scorfa drehte sich zu ihr um und lief ihr nach.
Ihr Bruder griff nach dem Teil, was Bulma geworfen hatte und im Dreck gelandet war.
Überrascht starrte Radditz auf den gespaltenen Feuerstein, der eine grobe Klinge bildete. Der Keil hatte keinen Griff; er würde aufpassen müssen, dass er sich nicht selbst in die Hand schnitt. Aber die scharfen Kanten würden sich wie ein Messer einsetzen lassen können.

Bulma rannte auf den Baum mit den tief hängende Ästen zu und kletterte an den Zweigen hoch.
Rechtzeitig, denn das wilde Tier war dicht hinter ihr und boxte mit seinen harten Schädel gegen den Stamm. Bulma klammerte sich mit Händen und Affenschwanz an den Stamm und tat ihr Bestes, um nicht runter zu fallen.
Wütend rammte das Scorfa seine spitzen Hauer in den Stamm und schüttelte dann seinen kräftigen Kopf. Doch seine Kraft reichte nicht aus, den Baum zu fällen oder das zweibeinige Lebewesen  runter zu schütteln. Als es erneut Anlauf nehmen musste, bemerkte es irritiert, dass seine spitzen, aber unebenen Vorderzähne im Holz fest steckten.
Radditz wusste, dass dies der beste Moment war.
Während das Scorfa mit Bulmas Jagd beschäftigt war, hatte er sich angeschlichen.
Jetzt, wo das Tier seinen Kopf nicht drehen konnte, stürmte er aus den Hinterhalt und klammerte sich an seinen Hals; das provisorische Messer fest in seinen Händen.
Ohne zu zögern oder los zulassen, rammte er den scharfen Keil in die Kehle und zog es durchs Fleisch.
Das Scorfa wehrte sich und versuchte ihn abzuschütteln, aber es konnte seinen Kopf nicht drehen. Das Blut spritze auf den Boden. Die Wut verwandelte sich in Todesfurcht.
Radditzs Arme und Hände schmerzten, aber er ließ nicht los. Die scharfen Kanten der Klinge bohrten sich auch in seine Handinnenfläche.
Erleichtert hörte er den Todesschrei. Bald würde der Kampf zu Ende sein.

Nach einigen Minuten knickten dem Scorfa die Beine ein. Der hohe Blutverlust hatte es geschwächt.
Radditz wusste, dass es sich nicht mehr erholen würde und kletterte runter. Er riss den Keil aus dem Fleisch und sah dem Tier beim Verbluten und Sterben zu. Eine tiefe Zufriedenheit erfüllte ihn.
Er hatte heute seinen ersten Feind getötet. Das Scorfa hätte seine Schwester getötete und ihn verletzt, aber er hatte gewonnen. Bulma und er waren am Leben. Er spürte keinen Schmerz, trotz der tiefen Schnitte in seiner Hand. Stattdessen fühlte er Euphorie.
Er sah nach oben, wo Bulma sich immer noch ängstlich am Baumstamm  klammerte.
„Komm runter, Bulma. Er kann dir nichts mehr tun“ sagte er ruhig.
Bulma warf einen vorsichtigen Blick nach unten und erschrak beim gebotenen Anblick.
Radditz war blutüberströmt, aber er lächelte selbstbewusst. Sein Gegner atmete noch, konnte sich aber nicht mehr rühren. Eine Blutlache bildete sich zu seinen Füßen.
Der ungewohnte Geruch von Metall und Tod drang in Bulmas Nase und sie jammerte leise.
„Bulma, du brauchst keine Angst zu haben. Komm runter“ befahl ihr Bruder, aber sie schüttelte den Kopf. Sie hatte noch immer Angst.
Radditz seufzte, steckte sich den Keil in den Gürtel und kletterte hoch, wo er Bulmas kleine, verkrampfte Finger vorsichtig vom Holz löste und sie dann auf seine Arme nahm.
Er war so erschöpft, dass er sie kaum tragen konnte. Mit letzter Kraft brachte er sie auf den Boden und setzte sie etwas weiter weg vom sterbenden Tier ab.
Beide setzten sich auf den Boden und ruhten sich aus.
„Wir müssen nach Hause. Bald wird es dunkel und Mutter wird kommen. Wenn sie uns so sieht…“ er starrte auf seine blutbefleckten Hände. Bulma war mit Dreck beschmiert und ihre Haut hatte einige blutige Kratzer abbekommen.
Unzufrieden schaute er auf den toten Leib. Es war zu groß zum Tragen.
Er hätte es gerne mit nach Hause gebracht und seinen Eltern gezeigt. Vater hätte ihn gelobt und Mutter könnte einen guten Braten daraus machen…aber er wusste, sobald die Nacht anbrach, würden andere Jäger kommen. Wahrscheinlich war morgen nichts mehr vom Fleisch übrig.
„So eine Verschwendung von guten Essen“ murmelte er unbefriedigt.
Bulmas leises Weinen brachte ihn wieder zurück in die Realität.
Er beugte sich zu ihr runter.
„Das hast du gut gemacht“ lobte er sie. „Woher hattest du den Keil?“.
„Gefunden“ schniefte sie. „Radditz, ich will nach Hause.“
„Ja, lass uns gehen. Vielleicht können wir uns noch sauber machen, bevor uns Mutter so sieht“ sagte Radditz müde und griff nach ihrer Hand. Er war zu erschöpft, um sie selber zu tragen. Die Kinder machten sich auf den Weg zurück.

Radditzs Hoffnung wurde zerstört.
Als die beiden in der Abenddämmerung die Hütte erreichten, war Gine bereits da und krank vor Sorge. Als sie ihren blutgetränkten Sohn sah, kreischte sie auf.
Sie rannte zu ihren Kindern und untersuchte sie hastig. Bulma warf sich ihr weinend in die Arme.
Stockend erzählte Radditz, wie ein Scorfa sie attackiert und er es erledigt hatte.
„Vielleicht kannst du das Fleisch noch holen?“ fragte er hoffnungsvoll seine Mutter.
„Wenn euch ein männliches Scrofa angefallen hat, können wir froh sein, dass ihr am Leben seid. Außerdem stinken die Eber furchtbar. Ihr werdet euch erst mal waschen und ich werde eure Wunden reinigen“ sagte seine Mutter streng.
„Wir sind Saiyajins. Was uns nicht umbringt, macht uns stärker“ wiederholte er den Lieblingsspruch seines Vaters.
„Ihr seid kleine Kinder und wärt heute beinahe gestorben. Ihr werdet jetzt baden. Raus aus den Klamotten.“
Dieser Abend endete damit, dass Gine ihre Kinder badete und eine Heilsalbe auf Bulmas Kratzer auftat und Raddditz Handinnenfläche verband. Sie selbst konnte sich nur dadurch beruhigen, dass beide Kinder bei ihr im Bett schliefen und sie ihr leises Atmen hörte.
Drei Tage später kam Bardock von seiner Mission zurück.
Dieses Mal kamen ihm seine Kinder aber nicht entgegen.
Leicht beunruhigt trat er ins Haus ein und sah seine Kinder gelangweilt am Tisch setzen. Ihre Gesichter leuchteten bei seinem Anblick auf und sie liefen auf ihn zu.
„Warum seid ihr hier drin und nicht draußen?“ fragte er.
Radditz zog eine Schnute.
„Mutter hat uns Hausarrest gegeben. Dabei habe ich Bulma von einem Scorfa beschützt. Ich habe meinen ersten Gegner getötet“ erzählte er aufgeregt. Die Worte über seinen ersten Ki-Angriff und seinem ersten Sieg sprudelten aus ihm heraus. Bardock bemühte sich, ihm zu zuhören, während er die Verletzungen seines Sohnes betrachtete. Nichts Ernstes und einen Eber zu töten in seinem Alter…nicht schlecht.  Er tätschelte ihm den Kopf.
„Gute Arbeit….und das Fleisch?“
Radditz verschränkte mürrisch die Arme „Mutter hat es nicht geholt. Sie hat gesagt, es würde nicht schmecken.“
„Wenn man hungrig ist, schmeckt alles. Und du, Bulma? Zeig mir deine Kampfnarben.“
Bulma hob ihre kleine Händchen und erleichtert erkannte Bardock nur leichte Kratzer, die am verheilen war.
„Gut, da ich wieder da bin, ist der Hausarrest aufgehoben. Geht nach draußen spielen“ erklärte er.
„Bringst du mir das Fliegen bei?  Und wie kann ich mein Ki kontrollieren? Ich will viel stärkere Angriffe abfeuern. Können wir kämpfen?“ redete Radditz aufgeregt.
Der erste Sieg hatte ihn hungrig nach mehr gemacht. Er wollte noch stärker werden.
„Gut, ich zeig es dir. Lass uns nach draußen gehen. Was ist mir dir, Bulma?“ Seine quirlige Tochter war so seltsam still.
„Bulma redet seitdem viel weniger“ sagte Radditz leise. Er hatte das Geschehen gut überstanden, aber Bulma hatte seitdem Alpträume. Nachts konnte er ihr Weinen hören und wie seine Mutter sie zu beruhigen versuchte.
„Hm“ Bardock nahm seine Tochter auf den Arm und sah ihr prüfend in die Augen.
„Hast du Angst gehabt?“ fragte er leise.
Bulma nickte.
„Es ist nicht verkehrt, Angst zu haben. Sie macht uns vorsichtiger. Aber du darfst dich davon niemals kontrollieren lassen. Du hast gelernt, dass der Wald gefährlich sein kann. Dein Bruder hat dich beschützt, aber du kannst nicht immer darauf vertrauen, dass er da ist. Bulma, du musst vorsichtiger werden. Wenn du schwach bist, musst du stärker werden. Und wenn du stark bist, darfst du niemals vergessen, deinen Kopf zu nutzen. So wie ich Radditz verstehe, hast du das getan. Du warst mutig und schlau. Und solange du bei deiner Familie bist, kann dir nichts passieren“ erklärte er.
Bulma verstand nicht den ganzen Sinn von den Worten ihres Vaters, aber seine bekannte, dunkle Stimme und sein starker, sicherer Blick beruhigten sie. Sie legte ihre Ärmchen um seinen Hals und schmiegte sich an ihm.
Bardock drehte sich zu seinen Sohn um.
„Also dann, Radditz, ich zeige dir, wie du dein Ki konzentrierst. Lass uns etwas in die Luft jagen.“
„Jaaaa“ Radditz  sprang erfreut in die Luft, seine Fäuste vorfreudig geballt.
Bardock ging mit seinen Kindern nach draußen; Bulmas Atem an seinem Hals und Radditz an seiner Seite.

Als Gine am Abend von ihrer Arbeit heimkam, waren ihr Mann und ihr Sohn dreckbeschmiert, aber Bulma lächelte wieder.
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