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Das Viertellächeln

Kurzbeschreibung
OneshotFreundschaft / P12 / Gen
Cho Chang
05.11.2019
05.11.2019
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unpopular opinion: cho ist ein all time favourite und sie verdient mehr liebe und jetzt mag ich marietta auch, mal sehen, ob ich noch ein kapitel aus chos sicht schreibe. cn für eine esstörung.



Das Viertellächeln


Jeden morgen aufs Neue steht ihre Mutter im Bad, während Marietta im Wohnzimmer ihrer kleinen Wohnung frühstückt, und schminkt sich sorgfältig. Sie malt sich eine eiserne Maske auf, überschminkt die schlaflosen Nächte bis Marietta nur noch weiß, dass sie es sie gab ohne sie zu sehen. „Sitz gerade”, sagt ihre Mutter ohne sich nach ihr umzudrehen, „Iss nicht so viel”, verlangt ihre Mutter und verzieht das Gesicht.

Sie ist ein stilles Mädchen, die anderen Kinder halten sich von ihr fern, als würden sie spüren, dass etwas falsch ist mit ihr. Marietta lernt sich anzupassen, sie lacht, wenn sie zu lachen hat, sie erzählt lustige Geschichten, sie isst nie mehr als die Person mit der sie zusammen ist.

Manchmal, da wirft ihre Mutter ihr ein anerkennendes Lächeln zu, ihre rot geschminkten Lippen verziehen sich zu einem Viertellächeln. Marietta jagt dieses Lächeln, verzehrt sich nach jedem Lob. Sie sitzt artig, sie spielt Klavier, weil ihre Mutter sagt ein junges Mädchen müsse Talente vorweisen können, sie spricht leise und sie hasst alles Ungewöhnliche.

Marietta jagt etwas hinterher, dass sie nicht gewinnen kann, aber noch weiß sie das nicht. Noch ist sie still und lächelt, wenn ihre Mutter sie erwartend ansieht. Sie macht sich das Kleid nicht dreckig und ist artig, zu jeder Zeit.

Sie wird elf. Ihre Haare sind zu zwei hübschen, ordentlichen Zöpfchen geflochten, sie trägt ein Kleid, ihr Gesicht ist undurchsichtig, als läge alles oder nichts dahinter. Sie hält ihren Hogwartsbrief in der Hand, als könnte er ihr den Weg weisen. Ihre Mutter bringt sie zum Bahnsteig und wartet bis sie in den Hogwartsexpress eingestiegen ist, dann geht sie ohne zurück zublicken. Im Zug sitzt Marietta alleine, fürchtet sich und sehnt sich zugleich nach etwas, dass sie nicht identifizieren kann. Der Hut schickt sie, wie zu erwarten, nach Ravenclaw. „Ravenclaw ist das einzige angemessene Haus“, hat ihre Mutter gesagt.

Marietta lernt Cho und mit ihr den Neid kennen.
Cho ist hübsch auf eine andere Weise als Marietta. Sie ist natürlich und lieb. Manchmal bekommt Marietta Bauchschmerzen, wenn sie das dunkelhaarige Mädchen zu lange ansieht. Die Anderen verbringen gerne Zeit mit Cho, weil sie ihnen ein gutes Gefühl gibt, sie gehen Marietta aus dem Weg, als würden sie noch immer spüren, dass etwas nicht mit ihr stimmt.

Sie lernt zu fliegen und obwohl sie jedes Mal davor jammert, macht es ihr insgeheim Spaß, aber das würde sie das Viertellächeln ihrer Mutter kosten, also tut sie es nach dem ersten Schuljahr nicht wieder. Cho liebt das Fliegen, sie sagt, sie fühle sich furchtlos dabei, aber Marietta verdreht nur die Augen. „Bewerb dich doch für das Team“, sagt sie, aber als Cho begeistert nickt, brennt der Neid wieder in ihr. Marietta lernt zu zaubern und ist es wie es sich gehört gut, aber nicht überdurchschnittlich gut. Sie verliebt sich in Kräuterkunde, in die Pflanzen, darin wie sorgsam und feinfühlig man sein muss und gibt auch das nicht zu, verdreht stattdessen die Augen, wie sie es immer tut und behauptet Pflanzenkunde wäre was für talentlose Verlierer.

(Wie hält Cho es nur mit ihr aus?, fragt sie sich oft.)

Die Weihnachtsferien verbringt sie in Hogwarts, weil ihre Mutter keine Zeit hat. Sie versteckt sich die meiste Zeit in ihrem Schlafsaal, weil sie nicht möchte, dass die anderen Züruckgeblieben sie sehen und denken sie wäre eine von ihnen. Das ist sie defintiv nicht. Manchmal schleicht sie sich kurz vor der nächtlichen Sperrzeit, wenn sie aus der Küche kommt auch noch in die Bibliothek und leiht sich einen Abenteuerroman aus. Sie weiß, wie schrecklich sie ist, aber sie kann einfach nicht anders.

Marietta wächst und jagt weiterhin dem Viertellächeln hinterher. Sie wird dreizehn und fängt an sich eine Maske aufzumalen, jeden morgen, als könnte sie ihr eigenes Gesicht dadurch auslöschen. Sie ist sorgfältig, deshalb hat sie oft keine Zeit zu Frühstücken, aber dass ist ihr Recht. Sport und Schwitzen ist anderen Leuten überlassen, aber dünn sein will sie trotzdem. („Ich hab schon gegessen, ich hab keinen Hunger“, wird zu ihrem Mantra.)

Am manchen Tagen würde Marietta am liebsten verschwinden, unsichtbar sein und trotzdem malt sie sich jeden morgen ihre Maske auf und geht aufrecht durch den Tag. „Steh gerade“, hat ihre Mutter gesagt.

Harry Potter kommt mit einem toten Cedric aus dem Labyrinth und behauptet verrückte Dinge.
„Abscheulich was Dumbledore dem Jungen in den Kopf gesetzt hat. Scheußlich wie er ihn manipuliert nur um das Ministerium zu übernehmen, wahrscheinlich sind mittlerweile beide schon verrückt geworden“, sagt ihre Mutter und Marietta wiederholt es.
Trotzdem schließt sie sich Cho an als diese sie zu diesen Treffen mitschleppt. Cho ist nicht mehr die, die sie damals kennen gelernt hat, aber Marietta kann sie nicht im Stich lassen, obwohl es das Viertellächeln kosten könnte. Cho gibt keinem mehr ein gutes Gefühl, aber sie ist noch immer so gut, also bleibt Marietta und hört sich an, was Potter zu sagen hat. Wenn ihre Mutter das wüsste.

Manchmal vergisst sie, dass sie sich bei den Treffen des Ordens schlecht fühlen sollte, weil sie etwas falsches tut. Dann stellt sie sich hin, die Beine hüftbreit und den Zauberstab fest in der Hand und konzentriert sich allein auf das, was Potter sie lehrt , aber sie kommt immer wieder zu sich und erinnert sich, dass es nicht sein darf.

Es geht ihr beinah gut, aber gut bleibt es nie lange für Marietta. Sie ist keine Person, die einfach glücklich sein kann. Es ist, als würde sie sich selbst in den Abgrund ziehen. Ihre Mutter schreibt ihr und einen Moment lang will Marietta sie belügen. Sie ist das erste Mal Teil von etwas Wichtigem und sie genießt es so viel mehr als gedacht, aber Marietta ist wer sie ist. Sie kann nicht aus ihrer Haut. Ihre Mutter fragt sie, ob wisse was vor sich ginge und Marietta bemüht sich. Sie strengt sich wirklich an, aber niemand würde sie das Viertellächeln kosten, nicht einmal Cho, also gibt sie nach und erzählt ihre Mutter alles, was diese hören möchte.

Am Abend liegt sie neben ihrem Bett auf dem Boden und macht Sit-ups, zehn, fünfzig, hundert, als könnte sie zurücknehmen, was sie gestanden hatte. Marietta möchte verschwinden und wenn sie schon nicht verschwinden kann, dann möchte sie so unsichtbar wie möglich sein, so schmal, dass man sie gänzlich übersieht. Sie setzt sich ein wenig zu schnell auf und ihr wird schwarz vor den Augen. Sie legt sich so leise wie möglich in ihr Bett und würde gerne weinen, aber umgeben von so vielen Personen ist ihr das nicht möglich.  

Sie bezahlt für ihren Verrat. Hermine Granger sieht ihr zwar nicht mehr in die Augen, aber ihr Lippen zucken immer ein wenig und Marietta sieht die Schadenfreude. Sie sieht sie in all ihren Augen.

Sie fühlt sich verunstaltet, gedemütigt. Sie hat so hart dafür gearbeitet, dass man ihr zumindest nicht ansah wie verkorkst sie wirklich war und innerhalb eines winzigen Moments war dies zunichte gemacht worden. Sie hat es nicht erwartet, aber Cho hielt zu ihr. Nach dem was sie getan hatte, sie hatte Cho verraten, und dennoch verließ diese sie nicht, obwohl daran ihre Beziehung zu Harry Potter zerbrach.

Marietta ist sechzehn, findet sich so hässlich wie nie zuvor, hat aber jedoch zwei Dinge gelernt: Cho Chang ist das Beste, was ihr je passiert war und sie würde den Respekt ihrer Mutter nie gewinnen. Sie hat alles in ihrer Macht getan um ihrer Mutter, das zu geben, was sie wollte und es hat absolut nichts gebracht.

Marietta fühlt sich als könnte sie das erste Mal seit Jahren atmen, als wäre ein Brocken von ihr abgefallen. Cho sieht sie verwirrt an, aber Marietta lacht nur. Lachen und keine Viertellächeln mehr beschließt sie.
 
 
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