I'm surprised that you're still trying to make friends with me.

von Yessica
GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
Farmer (weiblich) Shane
05.11.2019
30.09.2020
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05.11.2019 2.960
 
Die aufgehende Sonne glitzerte durch die verstaubten Fenster des alten Farmerhauses, als Edith sich verschlafen auf die Seite drehte und auf ihren Wecker spähte. An dieses frühe Aufstehen hatte sie sich immer noch nicht gewöhnen können, obwohl sie bereits seit drei Monaten hier auf der Farm lebte, die ihr Großvater ihr vermacht hatte. Für eine Weile betrachtete sie die feinen Staubkörner die im fahlen Licht in der Luft umherschwirrten, ehe sie es schaffe sich auf zu setzen. Manchmal fragte sie sich, ob es wirklich eine so gute Idee gewesen war, ihr altes Leben hinter sich zu lassen. Dieser Hof war nicht mehr das, was sie aus ihrer glücklichen Kindheit in Erinnerung bewahrt hatte. Es fehlte einfach die Liebe und die Vertrautheit ihrer Großeltern, die diesen Ort zu einem Paradis hatten aufblühen lassen, ganz im Gegensatz zu dem, was sie bei ihrer Ankunft hier vorfand. Der heruntergekommene Albtraum von einer Farm war mehr als Hilfebedürftig gewesen. Allein der Ausbau des Hauses, die Renovierung und der Kauf eines Hühnerstalls hatten ihre gesamten Ersparnisse verschlungen. Den Tränen nahe, wischte Edith sich mit dem Ärmel ihres Pyjamas über die Augen und zwang sich selbst aus dem Bett, in die klirrende Kälte des viel zu großen Haus, ihrem neuen Zuhause. Ihr Kater Snasper schmiegte sich liebevoll an ihre Beine, als sie sich ihr karges Frühstück herunter zwang. Der Winter hatte sie schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, was ihre neue Zukunft als Farmerin betraf. Sie hatte schlichtweg keine Ahnung gehabt, wie man das alles regelte und ehe sie sich versah, stand sie da, mitten im Schnee, ohne die Möglichkeit etwas an zu pflanzen, das man verkaufen könnte. Ihr letztes Erspartes war für den Kauf einer Heizung für den Hühnerstall drauf gegangen, denn wenn sie sich etwas nicht erlauben konnte, dann war es das, dass ihre allerletzte sichere Geldquelle für diesen Winter in der Kälte erfror. Der Schnee vor ihrer Haustür deprimierte Edith noch mehr, als sie es erwartet hatte, während sie über das knirschende Weiß hinüber zu ihrem Stall stapfte. Die Bewohner von dieser kleinen Stadt waren zwar anfangs skeptisch ihr gegenüber gewesen, aber bei den meisten hatte sie sich durch kleine Nachbarschaftsgefallen doch etwas Sympathie eingehandelt, was ihr nun im Winter etwas gelegen kam. Dennoch fühlte sie sich so einsam, wie seit Langem nicht mehr. Die Angst, das Vermächtnis ihres Großvaters in den Sand zu setzen, stieg mit jedem weiteren Tag, an dem sie es nicht schaffte mehr Geld auf zu treiben, als sie ausgab. Das Gefühl wurde auch nicht besser, als sie den Stall betrat und bemerkte, dass er bitterkalt darin war. Panisch faste sie an das Heizgerät in der Ecke um mit Schreck fest zu stellen, dass es absolut still war. Nichts rührte sich. „Verfluchte Drecksscheiße!“ fluchte sie und trat gegen das Metallgehäuse. Und das an einem Sonntag! Ihre Hühner waren zum Glück noch am Leben, aber lange würden sie der Kälte hier in dem kleinen Stall nicht mehr standhalten, das wusste Edith nur zu gut. Betrübt kniete sie sich neben die kleinen Hennen, die sich sofort an sie kuschelten, als sie ihre Körperwärme spürten. Es hatte keinen Sinn bis Montag zu warten, sie würde diese blöde Heizung heute brauchen. Mit dem letzten bisschen Geld, das sie unter ihrer Matratze versteckt hatte, stapfte sie los Richtung Süden, zu der Ranch von Marnie, eine kugelige, aber sehr nette Farmerin, die hier im Tal Tiere züchtete und verkaufte. Bei ihr hatte sie vor einem Monat auch die Hennen bekommen. Die Wärme, die ihr im Laden entgegenkam, ließen Ediths Wangen kribbeln, so durchgefroren war sie.
„Oh hallo Edith! Bei der Kälte hätte ich dich heute nicht hier erwartet!“ begrüßte sie die Farmerin mit einem sanften Lächeln, welches die junge Frau erwiderte. Irgendwas an ihr strahlte absolute Sicherheit aus, die Edith sehr genoss. Vielleicht weil Marnie sie an ihre Mutter erinnerte.
„Guten Morgen Marnie, ja die Kälte hat mich gewissermaßen hergetrieben“, gestand sie und rieb sich die unterkühlten Fingerknochen, „Die Heizung in meinem Hühnerstall ist über Nacht kaputt gegangen und ich hatte gehofft, dass du noch eine Neue für mich hättest.“ Der betrübte Gesichtsausdruck der Farmerin sprach Bände. „Ach Kind, ich muss dich leider enttäuschen. Ich bekomme erst nächste Woche wieder eine Lieferung aus der Stadt.“ Edith sackte das Herz in die Hose. „Oh okay.“ Schluckte sie und biss sich auf Lippe, um nicht direkt los zu weinen. Dann musste sie sehen, wie sie ihre Hühner warmhielt. Marnie sah sie mitfühlend an. „Aber ich wüsste da jemanden, der sich deine Heizung vielleicht mal ansehen könnte“, fiel ihr ein und sie wandte sich um zum Flur, der weiter hinten ins Haus führte. „SHANE!“, rief sie und Edith erstarrte. Oh nein, nein, nein, dachte sie insgeheim. Alles nur nicht das. Ihre Nackenhaare stellten sich auf, als sie seine entnervte Stimme aus einem anderen Raum zurückrufen hörte „WAS IST?!“

„Also, machen sie sich bitte keine Umstände wegen mir.“, versuchte Edtih die Farmerin noch davon ab zu bringen, aber sie war bereits nach hinten verschwunden und diskutierte etwas unverständlich mit ihm. Edith überlegte, ob sie noch schnell abhauen sollte, aber da stand er bereits vor ihr, zähneknirschend und mit einem Blick, als wenn er sie gleich umbringen würde. Seit sie hier lebte, war ihr jeder Dorfbewohner freundlich und zuvorkommend begegnet. Mit einigen wenigen hatte sie sich bereits anfreunden können, aber wenn es jemanden in diesem gottverdammten Kaff gab, den sie einfach nicht dazu bewegen konnte auch nur ansatzweise nett zu ihr zu sein, war es Shane. Sie wusste wie die Leute im Dorf über ihn sprachen und sie hatten nicht mal Unrecht, soweit Edith das beurteilen konnte. Einmal hatte sie ihn ausversehen angerempelt, als sie aus Pierres Laden gekommen war und er hatte sie lautstark angebrüllt und gefragt, ob sie noch ganz bei Trost sei. Gut zugegeben, er hatte eine beachtliche Bierfahne gehabt, aber das rechtfertig ein derart ekelhaftes Verhalten kein Bisschen.

„Shane wird sich deine Heizung gerne mal ansehen, er repariert unsere im Hühnerstall auch immer.“, verkündete Marnie fröhlich und schob ihren Neffen etwas barsch vor sich her in Ediths Richtung, der das Ganze einfach wirklich unangenehm war.
„Gerne wäre gelogen“, zischte er und zog sich den Reißverschluss seiner giebeligen, abgetragenen Joja Arbeitsjacke hoch, ehe er zur Tür ging. Er öffnete sie und warf Edith einen absolut entnervten Blick zu „Wird’s Bald? Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit“ , blaffte er sie an und die Scham stieg der jungen Farmerin die Wangen hoch. Was für ein ungehobelter Holzklotz. Der Weg zurück zu ihrem Hof war unendlich unangenehm, sodass Edith es kaum wagte neben ihm zu atmen. Vorsichtig beobachtete sie ihn aus dem Augenwinkel, während er so neben ihr herlief. Ihre neue Freundin Abigail hatte ihr erzählt, dass Shane kaum älter war als sie selbst und dennoch sah er bereits ziemlich verbraucht und alt aus. Er hatte ihren Blick bemerkt und sie sah schnell woanders hin. „Hab ich was im Gesicht oder warum glotzt du so?“ knurrte er.
„Ich habe nur geguckt, entschuldige.“, zischte sie zurück.

Wie er das hasste, all das hier. Er hätte sein Zimmer heute einfach abschließen sollen, dachte er sich als er dieser seltsamen kleinen Farmerin durch den Schnee folgte. Seit wann machte er eigentlich Reparaturdienste für dieses beknackte Dorf? Und dann noch für diese neue, selbsternannte Farmerin, er hatte ihren Großvater schon nicht leiden können, da war sie keinen Deut besser. Dieses beschissene Leben wusste einfach jeden Tag aufs Neue, wie es ihm seine Zeit auf Erden zur Hölle machen konnte. Wie hieß sie noch gleich? Shane schnaubte und wischte sich eine seiner violetten Strähnen aus der Stirn. War ja auch egal wie sie hieß, er würde das schnell reparieren so wie Marnie es von ihm verlangte und sich dann so schnell es ging wieder in seinem Zimmer mit Dosenbier und Videospielen verschanzen. Im Hühnerstall angekommen, brauchte Shane eine ganze Weile ehe er die Ursache für die kaputte Heizung fand, was für eine absolut ätzende Konstruktion, man möchte direkt brechen bei diesem Haufen Scheiße. „Ist es schlimm?“ fragte die kleine Farmerin vorsichtig.
„Willst du meine ehrliche Meinung?“ fragte er sarkastisch den Blick nicht von seiner Arbeit abwendend „Diese Heizungen sind absoluter Müll, ich weiß nicht warum meine Tante immer noch dieses Drecksmodell den Leuten verkauft, aber was misch ich mich da ein“, murmelte er. Immerhin gehörte der Laden seiner Tante, nicht ihm. Er hatte nicht viel zu melden, hatte er generell nirgendwo. Für wen hielt er sich auch? Er war Shane, der Typ für die Dreckarbeit.

Es dauerte fast eine Stunde, aber schlussendlich gelang es ihm, das elende Gerät wieder zum Laufen zu bringen. Edith strahlte, als wieder eine wohlige Wärme von dem Heizkörper ausging und ihre Hühner fröhlich glucksend sich um sie herumwirbelten. „Danke vielmals“, quietschte sie begeistert „Das rettet mir wirklich die Haut“. Shane schien sich aber nicht für Edith zu interessieren, viel mehr begeisterten ihn ihre Hennen, die sich wild gackernd um die Füße des Mannes scharten. Er hob eine Henne auf und strich ihr vorsichtig über die Federn. „Ihr Name ist Haley“ rutschte es ihr heraus und Shane sah sie das erste Mal direkt an, seit sie hier angekommen waren. „Bitte?“, fragte er ungläubig, das war wirklich der schrecklichste Name, den man einem so wunderschönen Huhn hätte geben können und irgendwie beleidigte es ihn fast ein wenig. Edith bereute es fast schon wieder ihm das erzählt zu haben, aber irgendwie fand sie die Stille zwischen ihnen fast noch unerträglicher. „Naja, also…Sie ist eine Schönheit, aber ich finde sie benimmt sich so als wäre sie etwas Besseres und … Da hat sie mich an Haley erinnert.“ War das ein Schmunzeln? Oder hatte sie sich getäuscht, bei dem kleinen Zucken, das über Shanes Lippen gezuckt war. „Haben die alle Namen von Dorfbewohnern?“ fragte er fast schon belustigt über ihre naive Namensgebung, er hatte auch schon bei dem Verhalten des ein oder anderen Huhns an seine Nachbarn gedacht, aber bei Gott hatte er Besseres zu tun sie nach ihnen zu benennen. „Oh ja!“, antwortete Edith freudestrahlend, das plötzliche Interesse des Mannes erfreute sie ein kleines Bisschen, „Die dort heißt Maru, weil sie so schöne dunkle, glänzende Federn hat und sie mich an ihre Haare erinnert haben. Und die kleine hier heißt Evelyn, sie ist wirklich ein Goldstück“, erklärte sie Shane stolz.

Während sie so erzählte, beobachtete er sie, die Art wie sie sprach, wie ihre grünen Augen funkelten. Wie grässlich glücklich konnte man eigentlich sein? Shane bereute es etwas, sie danach gefragt zu haben, er vergeudete hier nur seine kostbare Zeit, die er bereits mit Dosenbier vor dem Fernseher hätte verbringen können. Vorsichtig setzte er das Huhn ab und strich ihr erneut durch die Federn. Wunderbare Tiere waren das. „Ich werde jetzt los“, verkündete er monoton und ließ die Farmerin stehen. „Warte, willst du nicht noch einen Tee oder irgendwas?“, fragte sie und die Art wie ihre Stimme klang kotzte Shane einfach maßlos an. „Nein“, entgegnete er, „Ich hasse Tee.“  Ohne sich noch mal um zu drehen, marschierte er durch den Schnee zurück in Richtung Ranch. Tee. Für wen hielt sie ihn? Selbst wenn er im Sterben liegen würde, erkrankt an einer massiven Lungenentzündung würde er nicht mal auf die groteske Idee kommen Tee zu trinken.

Etwas enttäuscht blieb Edith an der Tür ihres Hühnerstalles zurück und schaute dem jungen Mann hinterher. Wieso war er nur derart gemein zu ihr? Sie hatte ihm doch absolut nichts getan, außer die Sache mit dem Anrempeln. Was für ein Idiot. Aber irgendwie war das schon fast wie eine Aufforderung zum Angriff. Niemand war im Grunde seines Herzens wirklich ein Eisklotz. Die nächsten Tage verbrachte Edith damit auf ihrem Hof Holz zu hacken, damit sie in diesem Winter wenigstens irgendwas hatte, um es zu Geld zu machen. Erst als die Sonne langsam über den Horizont verschwand und es einfach unmöglich wurde etwas zu sehen, beendete sie ihre Arbeit und verstaute das fein gehackte Holz in der Kiste für den Marktverkauf. Das würde zumindest reichen, um sie eine weitere Woche über Wasser zu halten.

Besonders die gemütlichen Abende im Saloon hatten es ihr angetan, seit sie hier in Pelican Town lebte. Es war fast so, wie in dem alten Pub in der Stadt, in dem sie mit ihren Freundinnen öfter gewesen war. Zumindest…bevor sie für Joja gearbeitet und ihr dieser Konzern sämtliche Lebensfreude geraubt hatte. Die Wärme des Saloons hatte etwas Tröstliches nach diesem rauen Tag, die Stimmen, die Musik und der schwere Geruch von Essen waren einfach das richtige für einen Abend wie diesen. Heute schien er besonders gut besucht.
Shane blendete den viel zu vollen Laden an diesem Abend einfach aus, er wollte einfach nur einen weiteren absolut sinnlosen Tag seines Lebens unter der Schaumkrone seines Biers ertränken. Morris hatte ihm wieder damit gedroht, sein Gehalt zu kürzen, wenn er weiterhin so unfreundlich zu den Kunden wäre. Was für ein absoluter Wichser, er selbst war kein Bisschen besser was den Umgang mit anderen Menschen betraf, was wollte ein Lackaffe wie er ihm bitte erzählen. Wenn es nach Shane ginge, würde er diesen ganzen Mist an den Nagel hängen, aber was hatte ihm dieses Leben sonst zu bieten? Er leerte mit drei weiteren Schlucken den Krug. Die Tür des Saloons wurde geöffnet und der kurze Windhauch kalter Winterluft ließ ihn zusammenzucken, aber er scherte sich nicht weiter darum. Vor ihm stand bereits ein neuer Krug und nur dafür war er hier.

Abigail hatte Edith schon zwischen den Leuten ausfindig gemacht und zu sich gewunken, aber die Farmerin gab ihr zu verstehen, dass sie erst etwas essen wolle und dann nach hinten zu den Billiardtischen kommen würde. Als sie sich an der Bar umsah, erspähte sie den letzten freien Platz an der Theke neben….. Sie schluckte kurz, dachte dann aber daran, dass sie ja nicht unfreundlich zu ihm sein musste nur weil er unfreundlich zu ihr war. Das war eben nicht ihre Natur.
„Hey Shane, wie war dein Tag?“ begrüßte sie ihn und platzierte sich auf dem Hocker neben ihm. Shane zuckte zusammen und sah sich verwirrt um. Hatte sie ihn gerade wirklich angesprochen? Die hatte vielleicht Nerven und dabei wusste er immer noch nicht wie sie hieß. Grimmig vergrub er das Gesicht in seinem Krug und antwortete ihr nicht. Jeder hier wusste, dass man ihn nicht ansprach, zumindest nicht vor dem dritten Bier. „Oh guten Abend Edith“, begrüßte Gus sie freundlich, „Was kann ich für dich tun?“
Edith, dachte Shane sich. Was für ein dämlicher Name. Wenigstens sah sie heute nicht ganz so sehr nach Arbeit aus, anstelle von ihrer Latzhose und der festen Winterjacke trug sie jetzt einen roten Mantel und einen Rock. Ihre Haare waren nicht zu einem schief sitzenden Dutt zusammengebunden, sondern lagen ihr offen über der Schulter. Shane war nicht bewusst gewesen, wie lang sie eigentlich waren.
„Hallo Gus, ich hätte gern ein Bier und eine Pizza, wenn es dir keine Umstände macht“, antwortete sie und wandte sich dann zu Shane um, der beim Blickkontakt mit ihr zurück in sein Glas starrte. Sie räusperte sich. „Dankeschön überhaupt nochmal, wegen der Heizung“, begann sie nun und drehte den Krug, den Gus vor ihr abgestellt hatte, zwischen den Fingerspritzen im Kreis, „Ich glaube ohne deine Hilfe hätte ich wirklich jetzt ganz schöne Schwierigkeiten.“ Shane zuckte mit den Schultern. „Mag sein. Da nicht für“, knurrte er. „Irgendwie ist das Farmleben nicht so einfach wie ich es mir vorgestellt habe“, gab Edith zu und nahm einen Schluck von ihrem Bier. Shane schnaubte. Einfach? War das ihr Ernst? „Dabei will ich doch nur so weit wie möglich von der Stadt weg sein, atmen können, frei sein. Weißt du was ich meine? Und trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, als wenn es ein Fehler war her zu kommen.“ Sie erhielt keine Antwort, was hatte sie auch erwartet? Dieser Holzklotz von einem Mann saß einfach nur da und man konnte deutlich sehen wie er seine Kiefermuskeln anspannte. Er würdigte sie keines Blickes. Gus stellte die dampfende Pizza vor ihr ab und bei dem Anblick krampfte sich Shanes Magen zusammen, den er heute bisher nur mit Bier gefüllt hatte. Edith bemerkte seinen Blick und schob den Teller zwischen sie. „Möchtest du ein Stück?“ fragte sie und ihre Stimme klang wie ein verdammtes Glockenspiel. „Okay was wird das hier?“ stellte Shane als Gegenfrage, es war nicht zu überhören wie irritiert er war. „Was wird was?“ Edith sah ihn verständnislos an. Er deutete auf die Pizza. „Das alles hier, du setzt dich neben mich, laberst mich voll und willst jetzt dein Essen mit mir teilen? Wo ist die Kamera?“ Edith sah ihn an wie ein Reh, das vor einen Scheinwerfer gelaufen war. Dann zog sie eine Augenbraue hoch „Bei Yoba, ich will einfach nur nett sein!“, maulte sie empört und Shane schnaubte verächtlich ehe er zwei weitere Schlucke Bier nahm. „Du bist wirklich noch nicht lang genug hier, das merkt man sofort“, brummte er griesgrämig, „Zu mir ist man nicht einfach so nett. Man setzt sich im Saloon nicht neben mich“, fuhr er fort und seine Stimme wurde immer leiser, umso weiter er sprach, „Man beachtet mich in der Regel einfach nicht. So machen das die Leute hier und ich habe mich damit abgefunden.“ Eine Weile sagte keiner der Beiden etwas und selbst das laute Treiben im Saloon wirkte viel leiser als noch vor einem Moment. Ohne etwas zu sagen, schob Edith den Teller noch ein Stückchen näher zu ihm, bis der Rand gegen seinen Unterarm stieß und sah ihn erwartungsvoll an. Shane seuftze.
„Du gibt’s nicht auf oder?“
„Ich bin eine Kämpfernatur!“, verkündete Edith stolz und grinste breit. Widerwillig gab sich der junge Mann nun doch dem Angebot hin und nahm sich eines der Stücke, woraufhin die Farmerin triumphierend selbst in ihres biss. „Bilde dir ja nichts darauf ein“, maulte er, als er im Augenwinkel ihr dämliches Grinsen bemerkte „Ich nehme das als Bezahlung für die Heizung.“