Als Rio noch nicht Reiser hieß

von uninona
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 Slash
04.11.2019
21.01.2020
23
110570
3
Alle Kapitel
29 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
So, schon wieder Dienstag^^Hallo liebe LeserInnen*
Danke Schoko, für deine Rewie :)Was erwartet uns heute? Ersteinmal schlaflose junge Leute, die sich die Zeit mit lustigen Dingen vertreiben;)
Dann Zimmer- und letztlich die ganze WG Umräumen, ein Nachmittag  , der so ist, wie diekleine Kommune es sich idealer weise vorstellt ( vielleicht auch ein bisschen Langweilig?) Aber dann geht es noch einmal durch die Nacht. Viellicht gefällt es euch ja ein bisschen, auch wenn das Kapitel ziemlich lang ist...udn es nur Sex, Gespräche und gemütliche Momente gibt( so kann man aber sicher fix gesund werden)
Eeinen Topf Eintopf von Rio hinstelle und den Kuchen von Kai udn Britta ;)
Hugs uni


"Ich kann nicht mehr schlafen..." verkündete Rio vielleicht eine halbe Stunde später . Das hatte Stefan gemerkt. Sein Freund hatte sich zwar bemüht, still zu liegen, doch das war ihm gründlich misslungen. Das hatte der Münchner zu spüren bekommen. Er hatte, obwohl er natürlich inzwischen sehr müde war, kein Auge zu bekommen und hatte sich deshalb eine kleine Rache - Inszenierungen ausgedacht,  die ihnen beiden gefallen könnte, Rio üben konnte, still zu liegen und beide am Ende hoffentlich redlich erschöpft und entspannt waren. So setzte er sich auf, erklärte, theoretisch könne er schon schlafen, aber sein Wuselfreund verhindere das. "Vielleicht hilft ja eine kleine Lektion im Stillliegen! Ich würde dann mal sagen, du ziehst dich aus, suchst mir den Seidenschal von neulich und ein sauberes Taschentuch.Danach legst du dich auf den Rücken und rührst dich nicht, bis ich es dir erlaube..."

Er hatte streng und einschüchternd klingen wollen, musste aber feststellen, Rio war geradezu begeistert und kam eifrig seinen Anordnungen nach. Schon war er nackt, wie Gott ihn schuf und kramte in seiner Kleiderecke. Sekunden später kam er mit Schal und Taschentuch zurück. Natürlich wollte er wissen, was sein Freund damit vor hatte. Ehe er antwortete, zog Stefan ihn zu sich heran und küsste ihn äußerst gründlich - oder besser animierte ihn, ihm einen seiner aufregenden Küsse zu schenken. Als er sich von ihm gelöst hatte, erklärte er, "Ich werde dir jetzt deinen Schnabel verbinden...Widersprich nicht! Willst du, dass deine Ziehkinder dir zuhören, wenn du hier vor Lust herumwinselst?"

Schnell beeilte sich Rio, das zu verneinen und wenige Augenblicke später fand er sich mit dem Taschentuch im Mund und darüber den Seidenschal gebunden auf dem Rücken liegend wieder. Noch einmal verstärkte Stefan seine Ansage, verbot Rio sich von der Stelle zu rühren. "Es wäre mir ein Leichtes, dich fest zu binden. Aber ich will wissen wie ...leidensfähig Du wirklich bist. Also los...kennst du den viruvisanischen Menschen? " Rio nickte und es sollte wohl Da Vinci heißen, was er da unter dem Knebel hervor stieß. "Genau...So legst du dich hin, Arme und Beine gespreizt. Ja, genau so!"

Wie sein berühmtes, gemaltes Vorbild lag Rio da und Stefan durfte feststellen , sein Freund fand die ganze Sache bis jetzt schon ziemlich heiß. Sein eingebauter Seismograph  verriet ihn. Doch dem Münchner ging es ja nicht anders. In aller Seelenruhe holte er das Kopierrädchen hervor und zeigte es dem Spielgefährten. "Was meinst du, was das für ein hübsches Muster auf deiner seidigen Haut ergibt..." erkläre er und wackelte ein bisschen teuflisch mit den Augenbrauen . Rio beobachtete ihn. Da war aber mehr Neugier als Angst. Dann setzte Stefan das Rädchen  fest auf und umrundete enervierend langsam den Vorhof von Rios hart aufgerichteter Brustwarze. Nach und nach bedeckte er den Freund mit einem ganzen Muster - rot auf blasser Haut. Rio schaffte es mit größter Willensanstrengung liegen zu bleiben und nicht weg zu zucken, wenn Stefan das kleine Rad neu ansetzte, noch etwas fester aufdrückte. Es gab schon die eine oder andere besonders empfindliche Stelle an seinem Körper, der sich Stefan ausführlicher widmete. Schließlich betrachtete der Student sein Werk und befand es als sehr gelungen.

Aber gern hätte er den Freund zum Orgasmus gebracht ohne eine der typischen Berührungen, die es normalerweise bedurfte. Da viel sein Blick auf den Kerzenhalter. "Was hältst du davon?" wollte er wissen . Zögerliches Nicken. Eine gewisse Unsicherheit in den Augen, die Stefan ziemlich anmachte. Mit einem Lächeln tropfte er den heißen Wachs auf Rios Oberschenkel und als der eine leichte Fluchtbewegung machte , ging der nächste Tropfen ziemlich Hoden nah....Das fand der Münchner auf jeden Fall ausbaufähig und tropfte konzentriert und gezielt weiter. Beide waren sie so in ihr Tun gefangen, dass zuerst Rio sich ergoss, nur wenige Sekunden später Stefan. Der war stolz drauf, geschafft zu haben, was ihm in seiner Fantasie vorgeschwärmt war.

Als er den Freund schließlich von Knebel befreite, stieß der heraus "Das war ja mal ne abgefahrene Kiste! "Sie unterhielten sich noch ein wenig über die ganze Sache was Rio besonders gefallen hatte, was Stefan. Woher der Münchner die Idee gehabt hatte. Der grinste und erzählte davon die er den alten Nähkasten durchstöbert hatte und dabei das Kopierrädchen gefunden hatte...und dann genug Zeit gehabt hatte, sich auszumalen, was er damit anfangen konnte. „War wie gesagt geil...“ bestätigte ihn Rio. Minuten später schliefen sie Arm in Arm.

Stefan erwachte irgendwann,  weil der Platz neben ihm leer war. Draußen war es schon ziemlich hell und Rio saß fast direkt vor ihm. Auf dem Schoß hatte er einen Skizzenblock und malte den bis eben schlafenden Freund. "Pst...Schlaf weiter und bewege sich nicht..." sagte er  leise und mit beschwörenden Unterton. Eine kurze Weile beobachtete Stefan ihn, dann fielen ihm erneut die Augen zu. Als er das nächste Mal aufwachte, war Rio tatsächlich ganz verschwunden. Statt dessen lag seine sämtliche Kleidung ordentlich zusammen gelegt neben der Leiter. Für einen Rockstar war das verdammt wenig. Der Stapel Hemden und der mit den T Shirts war sehr überschaubar. Nur Unterwäsche und Socken waren etwas zahlreicher vorhanden. Zwei Sakkos, drei Hosen, der blaue Mantel, der Klautrenchcoat, fertig war die gesamte Ausstattung. Was es aber reichlich gab waren Tücher und Schals, bunt, schillernd, mit indischen Mustern. Stefan hatte sie in der Ecke liegen sehen, hatte einmal den weichen Seidenschal  heraus gefischt. Dass es so viele waren, hätte er nicht gedacht. Spannend fand er, dass Rio sich offenbar wirklich auf den Umzug freute.

Jetzt hörte er auch, wo sein Freund war. Er raschelte unter dem Hochbett . Stefan rutschte an den Rand und sah nach unten. Tatsächlich sortierte der dort Papiere, baute Stapel, die schon in eine beachtliche Höhe angewachsen waren. "Was ist das alles?" wollte der Münchner wissen. Rio sah auf, zeigte auf den ersten Stapel " Scherben...Der da Auftragsarbeiten ...Der große hier , das sind Songs, die ich geschrieben habe und die wir nicht auf unsere Platten bringen können, weil das nicht revolutionsträchtig genug ist.... " Stefan war irritiert, obwohl er die "Pharisäer" gesehen und vor allen gehört hatte. " Das lasst ihr euch gefallen? " fragte er fassungslos. "Naja, ich denke ja, das Liebe und Politik zusammengehören, dass der Kampf um eine gerechtere Gesellschaftsordnung auch den Umgang mit der Umwelt dazu gehört. Hab ich ja schon auf den Konzerten Songs zu gespielt. Vielleicht kannst du dich an die Reaktionen erinnern...die haben schon unsere Konzerte gestürmt und das Publikum aufgefordert, ihr Geld zurück zu verlangen, weil wir Konterrevolutionäre seien. Wenn Sie dann noch mitbekommen haben, dass ich schwul bin, war es ganz aus! Und das unter der Prämisse der sexuellen Revolution - Ich bin dann ein bougeoasistisches Schwein, das man von der Bühne treiben sollte. Das ist hart. Also für mich. Für die Anderen ist da dann eher der Aspekt, dass man uns dann nicht mal unseren Mindestsatz von dreihundert Mark bezahlt...Da nützt es nicht, dass wir da nie wieder auftreten wollen - und werden. Wir sitzen , wenn so etwas passiert, um drei Uhr Nachts auf der Straße, haben Hunger, keine Unterkunft mitten im Nirgendwo, am besten in Bayern..oder sonst wo. Als ich meine ...Jacke zurück gelassen habe...Das war so ein Abend. in der Nacht darauf lernten wir uns kennen. "

Mit keinem Wort erwähnte Rio, was damals noch geschehen war - merkte nicht, wie sein Freund zusammen zuckte. Er fuhr einfach fort "Da überlegste schon, ob du mehr als ein Liebeslied oder ein anderes , wie ich finde ,auch  wirklich wichtiges Thema auf die neue Scheibe tust. Naja, is ja erst unsere zweite...Vielleicht wird's ja besser mit der Zeit und wir können unserem Publikum nahe bringen, dass wir mehr zu sagen haben als Demonstrationsaufrufe... " Rios Rede war eine merkwürdiger Mix von Schmollen, dem Wissen um die Qualität seiner Arbeit, aber auch Zaghaftigkeit, doch irgendwie Hoffnung auf die nahe  Änderung der Bedingungen für sie.  Erstaunlich noch war auch der Stapel auf dem laut Rio die Auftragsarbeiten lagen, Theatermusik oft, aber auch Schlager. Auch davon hatte er dem Freund schon einige gezeigt und es waren eher Lieder mit Anspruch an die Mitmenschen und Witz. Das waren allerdings bis jetzt ganz wenige, die sie bestellten,zum Beispiel  Drafi Deutscher ...


Der allerletzte Stapel waren persönliche Papiere und einige Klatten, von denen Stefan annahm, es seien Tagebücher. Die legte Rio in die einzige Pappkiste, die er hatte auftreiben können. Er sah hoch zu seinem Liebsten und verkündete, die Kiste sei privat. Schwups kann er die Leiter hoch, stahl sich einen Kuss und schnappte sich seine Unterwäsche, die er dann, wie Stefan verfolgen konnte, in die Privatkiste packte. Das ließ den Psychologiestudenten schmunzeln. "He, lach mich nicht aus!" entrüstete sich Rio.

Es klopfte - etwas , das in dieser WG sehr selten geschah. Auf eine Antwort wartete man allerdings nicht . Es waren Nikel und R.P.S. Lanrue. Sie  enterten den Raum und verkündeten: "Also, wir sollten frühstücken und loslegen. Wir ham sogar Semmeln geholt." Rio wollte darauf bestehen , erst einmal zu baden. Aber sein best Budy erklärte: " Erst wird gefrühstückt...auch du, Brutus! Dann kannste meinetwegen so lange baden, bis du dich aufgelöst hast . Danach haste bei mir Asyl - brauchst auch nicht diskutieren. Wir haben das gestern Abend schon festgelegt. Denk dir einfach es sei dienstlich! Ich erklärte das Ganze jetzt einfach zum Dienstprojekt." So saßen sie kurze Zeit später gemeinsam am Küchentisch und tranken Kaffee, freuten sich an den frischen Brötchen. Die Kurzen mussten mehrmals aufgefordert werden, noch ein bisschen zu warten, bis sie das bisherige Wohnzimmer ausräumen durften. "Wir können  keine sechs Sessel im Durchgangszimmer unterbringen und Rio ist bestimmt nicht unglücklich, wenn er mehr als einen Stuhl und seinen Schreibtisch zu stehen hat" wurde ihnen erklärt. Allerdings war man sich gar nicht einig, was unbedingt mit ins neue Wohnzimmer musste und was nicht...was vielleicht einfach in dem wesentlich kleineren neuen Raum keinen Platz fand und ob Rio das, was übrig blieb, haben wollte . Stefan war sich sicher, sein Freund würde wahrscheinlich nicht protestieren. Derzeit war es ihm bestimmt zu unwichtig. Aber es lag jede Menge Konfliktpotential für die Zukunft darin. Wenn Rio jetzt aus Desinteresse und weil er kein Spielverderber sein wollte gerade den Mund hielt, ihm aber nach und nach klar wurde, auch das war nicht der Raum, in dem er sich wohlfühlen konnte  - zumindest so wie er jetzt eingerichtet war, brauchte es wahrscheinlich nur einen nichtigen Anlass, das er sich  darüber aufregte, dass sein Zimmer einfach überfüllt war und immer noch alles darin stand, das irgendwann mal irgendwo gestört hatte. Und irgendjemand würde ihn an den heutigen Tag erinnern, an dem er die Chance verpasst hatte. Das würde zig mal gut gehen und eines Tages mit einem wie auch immer gearteten Ausraster enden oder sein Schatz verbarrikadiert sich - beide Seiten mochten sich dann vollkommen unverstanden fühlen.
R.P.S , auch Fiffi gerufen, fürchtete wohl das selbe.  Stefan dachte kurz, es wäre schön, wenn man den Grundstein für einen kommenden Konflikt immer so früh identifizieren könnte.Und daraus Handungsstrategien entwickelte. Er selbst hatte gerade keine. Fiffi, immer die Ruhe in Person,  schon.

Er stand auf, meinte, sie sollten sich langsam an die Arbeit machen . Sie hätten noch zwei Stunden Zeit, bis die Handwerker kämen. Bis dahin sollten sie beide Zimmer frei geräumt haben, Rio müsse sich entscheiden, ob er von den Möbeln welche behalten wolle. „Gemeinsam sollten wir darüber abstimmen, was letztlich ins neuen Wohnzimmer soll“. Schlotterer fügte hinzu: "....und was wir mit dem Zeug machen, war über bleibt. " Alles nickte zustimmend und der Gitarrist begann zu grinsen, weil außer dem enthusiastische Nicken nichts geschah. Dann verdrehte er theatralisch die Augen, stand auf und ging mit einem "Worauf wartet ihr?" voraus.


Im " Wohnzimmer ", das Stefan nur ganz oberflächlich am ersten Tag nach der Tour gesehen hatte, als Rio ihm die WG zeigte -  ein mit zusammengewürfelten Möbeln überfüllter Raum - sahen sich nun tatsächlich alle ratlos an. Nur Rio wirkte ziemlich zielstrebig, als er auf ein rotes, altertümliches Sofa und zwei dazu passende Sessel zustrebte. "Das  Ding ist viel zu groß fürs Durchgangszimmer. Da passt besser das kleinere da rein...oder was meint ihr?" Mit" ihr" war eindeutig Stefan gemeint. Der grinste und fand, das rote Sofa passe hervorragend in den Raum. Er vermute , es stand mit den entsprechenden Sesseln wohl am längsten hier. Alles andere mochte nur bequem abgestellt worden sein. Darum auch die fehlende Gemütlichkeit, die Rio nicht einmal mit seiner offensiven Weihnachtschmückerei hatte herstellen können. "Was wir nicht haben wollen, können wir ja den Lehrlingen in der besetzten Fabrik spenden." schlug der vor und als  Nikel maulte, er brauche noch genau so ein Schränkchen, wie das dort in der Ecke, fuhr Rio fort: "Wenn es von keinem hier gebraucht wird...." Pallat ergriff seine Chance und verschwand mit dem Schränkchen in seinem Zimmer.

Rio war bereit , das Bücherregal  sozusagen zu teilen, erklärte er. Seine eigenen Bücher hatte er bis jetzt am Boden und auf dem Hochbett gelagert. Die Bände im Wohnzimmer waren meist politische Schriften. Er selbst hatte eher Romane und Gedichtbände. Von Karl May über Hölderlin bis Homer war alles vertreten. Die, sowie seine Platten, hatten es verdient, ordentlich untergebracht zu werden.  Schließlich war man sich einig. Zwei Regale, das rote Sofa samt Sessel und das Klavier würden in dem Zimmer bleiben. Der Rest wurde auf dem Flur abgestellt, man würde später weiter sehen. Rio fasste natürlich mit an. Wieder war es Lanrue, der plötzlich einen Stuhl absetzte und in Rios Richtung sagte, so sei das nicht abgesprochen. Der Freund solle sich daran halt, was sie ausgemacht hatten. Umgehend erklärte Rio, es ginge ihm doch gut. Er glaube, er habe auch kein Fieber mehr. Stefan betrachtete ihn genau. Er hatte das Gefühl, da war eher der Wunsch der Vater des Gedankens. Rio hatte sozusagen  Augenringe bis zum Kinn und als der Münchner den Freund berührte, bestätigte die ungewöhnliche Wärme seinen Verdacht und Lanrue meinte, das sei egal. Am Vortag habe er Temperatur gehabt und eigentlich sei er nur unter der Bedingung aus dem Krankenhaus entlassen worden, dass er Bettruhe einhielt und sich schonte. Konzerte geben ,Häuser besetzen und dreißig Leute bekochen habe sein Doc sicher nicht darunter verstanden. Das Zauberwort war dann allerdings: "Du hast es versprochen!"

Tatsache trollte sich Rio in Richtung des Zimmers seines Freundes. Sein Schmollmund sah sehr niedlich, noch süßer das Augenrollen, das bei den riesigen Augen gut kam , fand Stefan und musste grinsen, als Rio bemerkte, der Freund  beobachtete ihn und seine Leichenbitterminie noch vertiefte. Daraufhin richtete er seine imaginäre Krone , straffte  die Schultern und schloss die Tür von Fiffys Zimmer fest und nachdrücklich. Da Lanrue und Stefan das gutgelaunt hinnahm, blieben auch alle anderen gelassen und räumten ihr bisheriges Wohnzimmer weiter leer. Danach brachten sie die Bücher Rios in das Regal, das im Ex Wohnzimmer zurück geblieben war. Die Papiere in den verschiedenen Kisten, die sie nun doch irgendwo ausgebuddelt hatten. wurden auf dem roten Sofa abgeladen. Auch die Kleider Rios warfen die   Kurzen darauf. Stefan dachte kurz autsch, hatte er doch gesehen, wie ordentlich sein Schatz alles zusammen gelegt hatte. Jetzt lag allerdings wieder alles wie im Teenagerzimmer knautschig und zerknittert.

Es klingelte  und die beiden jungen Tischler standen samt Werkzeug vor der Tür. Mit Hilfe der T Ufler hatten die das Hochbett in Recordzeit ab - und wieder aufgebaut, Rios Schreibtisch, den Stuhl und das Bettzeug hinüber getragen. Die Lehrlinge verabschiedeten sich , schienen froh dass sie helfen konnten. Auch für das Festessen am Vortag bedankten sie sich noch einmal artig. In dem Augenblick kam der besagte Koch aus Lanrues Zimmer, wurde rot und verschwand sofort wieder. Stefan vermutete , der Breitschultigere der Beiden war Schuld. Eingedenk seiner eigenen Schwäche neulich nahm der Münchner es gelassen.


Allerdings folgt er Rio, sobald er konnte . Der war immer noch etwas durcheinander. Er wollte wissen, wie der Junge hieße und wurde schon wieder rot. Stefan beobachtete ihn, inzwischen auch ein ganz kleines bisschen verunsichert. "Ich glaube, Raymond..." meinte er beiläufig und sah Rio tief in die Augen. Dem stieg das Blut noch  noch heftiger ins Gesicht. Dann flüsterte fast als er hervorstieß: "Ich hatte gerade so was wie ne Vision...wie wir es zu dritt machen...mir ist ganz schwindelig davon geworden...." Eine Vision also . ..von einer Menage trois...Erneut dachte Stefan, sein Freund war immer für eine Überraschung gut. Ein  Stück Papier lag auf Lanrues Bett, ein Satz , hin gekritzelt, vielsagend. "....und wenn keiner keinen neidet, kanns sein, das da niemand leidet... " Rio nahm das Blatt an sich und meine leicht schnoddrige "Man kann ja mal drüber nachdenken! Und im übrigen , ich hab mich jetzt genug ausgeruht. Ich Krieg eine zu viel, wenn ich noch so ne Sekunde länger hier bleiben muss! Und im Fernsehen läuft sowieso nur Scheiße.."

Stefan konnte das gut verstehen. Außerdem war er abgelenkt von diesem merkwürdigen Raymondgate. Aber das sagte er nicht, sondern meinte statt dessen "Na dann komm, wie richten dein Zimmer fertig ein. Du Flohopser gibst ja sowieso keine Ruhe vorher. "  Dann packte er Rio am Arm und zog ihn zu sich hinüber. Er küsste ihn hart und besitzergreifend, war wie immer berührt, wie hingebungsvoll sich sein Schatz sich in den Kuss fallen ließ.

Mit Hilfe von Nikel schoben sie das große rote Gründerzeitsofa an die Wand gegenüber dem Hochbett. Mit den beiden Sesseln , die sie ein bisschen planlos im Raum verteilten, sah das fast ein bisschen bürgerlich aus. Rio hoffte offenbar, dem mit der Platzierung der Poster  Maos, Ho Chi min und Che  Guevara  etwas entgegen zu wirken. Ein Sonnengelbes und ein grünes Tuch wählte er als weiteren Wandschmuck. Darauf Elefanten und Buddha. Der würde sich mit den Revolutionsführern schon verstehen. " Er nimmt uns die Aggressionen. " behauptete Rio steif und fest. Damit konnte Stefan gut leben. Noch einmal sehr berührt war er, als Rio als erstes aus der Kiste mit den persönlichen Papieren ( in der auch die Unterwäsche lagerte) die Skizze von frühen Morgen heraus fischte und   über dem Schreibtisch aufhing. Es war eine  gekonnte Bleistiftzeichnung, die ihn schlafend zeigte. Sie war sehr sorgfältig , doch mit leichter Hand gezeichnet und man konnte die Liebe des Künstlers zu seinem Model spüren. Nachdem Rio so weit zufrieden war, räumte er seine Sachen in den schmalen Kleiderschrank, der ebenfalls unterm Hochbett gleich neben dem Schreibtisch stand und auch eines der Möbel war, die hier irgendwer einmal abgestellt hatte und das jetzt genau zu passen schien, als sei er extra dafür getischlert worden, um unter dem Hochbett zu stehen. Darüber, dass jemand seine in den frühen Morgenstunden so sorgfältig zusammengelegten Klamotten achtlos zusammengeknüllt und in Tüten gesteckt gestopft  hatte verlor er kein Wort. Als dann auch das letzte Buch verstaut war und er seine Papierhaufen auf dem Schreibtisch verteilt hatte, auch das Achtspurgerät , das zuvor ein stiefmütterlich Dasein unterm Schreibtisch gefristet hatte und die Gitarren einen festen Platz  gefunden hatten, drehte er sich einmal um die eigene Achse und erklärte, sein Zimmer sei ein Traum. So toll habe er es sich nicht vorgestellt. Ganz zum Schluss holte er sich Zeichenkarton und Stifte und malte sich ein Eingangsschild : Autonome Republik Tuttifrutti. Das pinnte er  außen an die Zimmertür und amüsierte sich köstlich.

Danach gingen sie sich das umgestaltete Durchgangszimmer ansehen. Auch hier hatte sich der Raum zu seinem Vorteil verändert. Erst einmal wirkte er ohne das Hochbett viel größer. Das kleine Fünfzigerjahresofa und die drei weiteren Sessel machten den Raum gemütlicher. Eine Ottomane und ein paar Stühle sorgten dafür, das im Ernstfall alle WG Mitglieder genug Platz hatte, um zum Beispiel tatsächlich hier ein Plenum abzuhalten. Oder einfach nur Freizeit zu verbringen. Nikel hatte fürs erste sein Radio geopfert und verkündete, er würde einen Fernsehapparat besorgen. Jetzt, nach getaner Arbeit hatten sich alle Scherben und Anhang hier versammelt . Ganz waren sie noch nicht fertig. Schlottert und Kai  als die größten - zumindest bis Stefan herein kam - wurden von den anderen umher kommandiert, um Poster von Jimmy Hendrix, den Stones und auch hier Che  Guevara, Ho Chi Min und Mao ( Auch fantasievolle Künstler hatten eine Vorliebe, die allgemeinen Revolutionsheldenummer und überall auszustellen, ähnlich sie man es  früherer mit Heiligenbilder machte...) an die Wände zu pinnen. Die Beiden hatten es nicht leicht. "Das ist viel zu hoch...runter . höher....mehr rechts..ne mehr links.." Zurufe von allen Seiten trugen zur Erheiterung ihrer Freunde und  leichter Gereiztheit der Protagonisten bei. Doch dann war alles zur Zufriedenheit aller erledigt und man ging zum gemütlichen Teil des Tages über.  

Bei Weißwein und von Pallat gedrehten Joints  genossen sie den Nachmittag und lauschten dem Programm von Radio Luxemburg. Stefan und Rio hatten das kleine Sofa erobert, auf dem der Münchner saß und Rio lag, den Kopf in Schoß des Freundes gebettet. Lanrue und Schlotterer spielten Schach, Kai hatte beschlossen, mit Britta zusammen einen Kuchen zu backen. Immerhin war gab es was zu feiern. So durchwühlte er Kühlschrank und Vorratskammer nach Zutaten. Die Kurzen waren auch einmal ganz handzahm und lümmelten einfach nur rum. Die Zwillinge Renate und  Ute, die von den Teenagern diejenigen waren, die sich nur selten und zum Schlafen am T Ufer sehen ließen, hatten sich Bücher geschnappt und versuchten sie zu lesen. Da das  eine von Karl Marx "Das Kapital" war und das andere  eine Schrift Maos über die Notwendigkeit der Kulturrevolution, verstanden sie nur Bahnhof und stellten immer wieder Fragen, welche die Großen erst einmal selbst ins Grübeln brachte. Meist richteten sich dann alle Augen auf Rio und Stefan, nach dem Lanrue eine der Fragen mit einem Satz, der  noch mehr Fremdwörtern als die Sätze in den Büchern hatten, die die Fragen der Kids aufwarfen, beantwortete. Natürlich hatten alle ihn Zwinkern sehen und Joe hatte ein bisschen beleidigt festgestellt : "Du verarscht uns! " , worauf Fiffi mit einem fröhlichen "Jup" antwortete.

Aus der Küche begann der Geruch von frischem Kuchen herüber zu wehen , Britta wollte wissen, wer den gern Kaffee hätte und überhaupt war in diesem Augenblick alles perfekt und es war einer der Momente, in denen alle das Gefühl hatten, das Experiment "Zusammen arbeiten, zusammen leben" funktionierte und war das erstrebenswerteste der Welt. Natürlich sagte das keiner. Weil es unnötig war und auch aus Aberglaube, dass es aussprechen dazu führte, dieses Lebensgefühl zu zerstören. Momente wie diese waren es dann auch, die sie über alle Widrigkeiten , alle Auseinandersetzungen, unterschiedliche Meinungen , Geldnot  und  Alltagsstress letztlich fünfzehn Jahre an ihrem Traum festhalten ließ.

Sowohl Rio als auch seine Freunde merkten schnell, bei dem Interpretationen der gelehrten Schriften klangen sie bald genauso abgehoben, wie die Studenten in den Diskussionsrunden in der Freien Universität. Was einen ziemlichen Aha - Moment auslöste. Etwas später rappelte sich Rio hoch und verschwand ebenfalls in der Küche. Wobei "verschwand" ja nicht mehr das richtige Wort war. Man konnte ja einen Teil von dieser durch die Tür übersehen. "Was machst du da ?" wollte Stefan wissen. " Eintopf... " war die lakonische Antwort, die sofort glückliche Gesichter rundum zauberte. Das war genau das Richtige, einen solchen Tag ausklingen zu lassen. Rio kochte vieles gut, dank der Tante, bei der er die ersten Jahre in Berlin verbrachte, nachdem seine Brüder den gerade Siebzehnjähren hier her geschleppt hatten, damit er ihnen die Musik zur ersten Rockoper der Welt schrieb. Die war sogar im Theater des Westens aufgeführt worden, hatte aber gefloppt und wenige Wochen später hatte an anderer Stelle das Musical "Hair" das Licht der Bühnenwelt erblickt. Da konnte sich der bis dahin viel beschäftigte Rio, der bei Tante Lotti Ralphi hieß, wieder mit dem Erlernen von Kochrezepten beschäftigen, wenn er nicht im Hoffmann Comic Teater gebraucht wurde, das Projekt Peters. Wie auch immer, diese Zeit rettete jetzt die Leute am T Ufer vor eintönigem schlechten Essen, so Geld für Lebensmittel vorhanden war.

Da es draußen in Strömen regnete, beschloss man auch den Abend zusammen zu verbringen. Im Radio gab es ein Kriminalhörspiel, es fanden sich Gruppen zum Rommè  und zum Skatspiel zusammen. Auch Stefan und Rio beteiligten sich zuerst, dann zogen sie sich wieder auf ihr Sofa zurück und beobachteten die anderen. Einmal jedoch sahen sie sich tief in die Augen. Da war es, das Glück, das, was sie betraf, noch genau 44 Tage dauern würde. In diesem Augenblick der Wahrheit wussten sie plötzlich, dass vielleicht ihre Liebe überlebte, ihre Beziehung die lange Trennung nicht aushalten würde. Eine gefühlte Ewigkeit hielten sie einander in diesem Blick fest, versprachen sich, dass es nicht so kommen würde, ohne ein einziges Wort zu reden. Dann begann Rio leise zu singen und Stefan erinnerte sich, es war ein Text von Marlene Dietrich. Sie hatten ihn die Tage erst auf Platte gehört. "Wenn ich mir was wünschen dürfte, möcht ich etwas glücklich sein.Denn wenn ich gar zu glücklich wäre, hätt ich Heimweh nach dem Traurig sein..."

Im Radio unterhielten sich der Kommissar und der Verdächtige. Nickel macht es leiser. Das Gemurmel der viele Stimmen hatte aufgehört und alle lauschten den wenigen Zeilen. Als Rio geendet hatte, war da nur das unbeteiligte Radio , das sich an der Stimmung nicht scherte. Dann nach ein paar Minuten sagte Renate, der Zwilling : "Wow, das kenn ich auch..." Dann war der magische Moment vorbei und alle redeten wild durcheinander. Bis auf Rio und Stefan, die weiter mit sich beschäftigt waren oder zwischendurch die anderen beobachteten

Sie zogen sich bald danach in Rios Zimmer zurück. Stefan amüsierte sich, wie Rio jetzt seine Begeisterung mit der ihm eigenen Selbstironie tarnte .  "Schau mal, ich bin der König hier...der König von T Ufer. Oder wie soll ich das Rot hier sonst deuten? " Er kletterte aufs Hochbett und besah sich sein Bettzeug, von dem jemand - Stefan  im genau zu sein - die Bezüge abgezogen hatte. Auf Rios fragenden Blick meinte er, es hätte ihm zu viele Spermaflecken gegeben - Was ja kein Wunder war. "Der König der Wichser also auch noch.." Rios Augen blitzen schelmisch. Er kletterte Leiter herab und durchwühlte seinen kleinen Schrank. Triumphierend zog er zwei  Deckenbezüge, welche für Kopfkissen und ein riesiges Laken hervor. "Mama..." erklärte er lakonisch. " Ich könnte ja vor die Hunde gehen ohne genug Bettzeug..."  Ein Kälteschauer ließ ihn frösteln. Stefan dachte einmal mehr , sein Freund gehöre ins Bett. Rio sah ihm das wohl an, ging aber nicht darauf ein. Statt dessen meinte er, dass seine Mutter wohl außer sich wäre, wenn  sie wüsste, wann er das letzte Mal in der Wanne war. Ob Stefan dann mal weiter die Betten beziehen könne , er selbst würde wirklich gern baden. Jetzt war es Stefan, der eine Gänsehaut hatte. Er musste daran denken, wie sie seinen Liebsten aus der Wanne geholt hatten und er vor Fieber fast verglühte. Aber er riss sich zusammen, er wollte ja niemanden erschrecken. Nein Rio sah bei weitem nicht so krank au, wie damals. Der  verschwand ins Bad. Dann riss er die Tür noch einmal auf und  rief, er hätte gern einen Stift und Papier. Stefan ging  das Gewünschte  beschaffen. Er war zurück, als Rio gerade in die warmen  Fluten glitt. Er war mittelgroß, so jungenhaft schlang, dass man es schon dünn nennen könnte und selbst jetzt wirkte er schlaksig. Seine Haut war cremeweiß und samtig. Die Kopierrädchenmarken waren schon wieder verschwunden. Sofort sehnte sich Stefan danach, ihn zu berühren, ihn zu küssen, vielleicht etwas mit ihm machen, dass auf dieser makellosen Haut erneut Spuren hinterließ... Rio grinste ihn an und verschwand unter dem Schaum. Offenbar machte es ihm Freude, dass er es dieses Mal derjenige war, der seinen Liebsten zum schwitzen brachte.

Tatsache verbrachte er fast zwei Stunden in der Wanne. Als Stefan mit dem Bett beziehen  fertig war, überlegte er kurz, was er nun tun sollte. Aber eigentlich hatte er keine Lust sich nur mit sich selbst beschäftigen. Kurz entschlossen ging er hinüber ins Bad. Da saß Rio am Stift kauend , schien erfreut, ihn zu sehen und reichte ihm ein Bündel eng beschriebenes Papiers. "Ein Nutzungskonzept für die Fabrik. Von dem Wohnprojekt für Trebekinder bin ich weg. Das Gebäude ist , so wie es jetzt  ist, so ungeeignet, wie es nur gehen kann. Diese hohen Hallen....Aber Proberäume für Bands wären sicher machbar. Ein Jugendtreff....hier lies  mal!" Was er geschrieben hatte war ein machbares Projekt von Mensch zu Mensch. Vielleicht sollte es ein bisschen anders sortiert werden und ein paar besonders dramatische Formulierungen wäre toll für Liedtexte, aber nicht für ein Betreibungskonzept für den Senat, damit man er die Fabrik nicht räumte. Stefan musste schmunzeln. Manchmal merkte man so sehr, dass sein Schatz aus dem Theatermilieu kam. "Das ist richtig gut. Solltest du nur ,sagen wir, mal Sesselfurzerbekömmlich  gestalten! Das sind nur ein paar kleine Umstellungen des Textes. Was du hier entworfen hast, ist Poesie. Aber, die das entscheiden sind Bürohengste - kann mir vorstellen, deine schönen emotionale Worte verunsichern die nur. Sie brauchen Beamtensprache, um sich entscheiden zu können, ob sie uns nicht  nur nicht räumen, sondern uns sogar erlauben, dort eine Freizeit - und Begegnungs - Stätte zu installieren. "Ja," sagte Rio reumütig, " Das habe ich nicht bedacht....gut das es dir eingefallen ist. Was hast du den vor? "
Gespannt beobachtete er den Freund, der die Badtür verriegelte und sich seiner Kleider entledigte. Grinsend stieg er zu Rio in die Wanne.

Kurz dachte Stefan an das  heimische Bad in München, wo die Wanne  wesentlich kleiner war. Aber in der früheren großbürgerlichen Wohnung stand dieses Monster aus Gusseisen, mit verschnörkelten Klauenfüßen. Es war nicht gerade ein Wirrpool, aber sie hatten beide bequem Platz in dem Ungetüm. Rio musste immer wieder Wasser nach gelassen haben. Es war nicht warm - es war heiß und vielleicht hätte Stefan seinen Plan deshalb aufgegeben. Aber der koboldhafte Blick seines Freundes, der ziemlich amüsiert zu sein schien, ließ ihn die Zähne zusammenbeißen und so glitt er mit einem Lächeln ins Wasser. Er konnte Rio ja nicht einmal Schuld geben. Wenn der das so hielt, beziehungsweise sich durch ständiges Nachlaufen dran gewöhnt hatte, war das ja eigentlich seine Sache. Dass sein Liebster ihn ins Wasser folgen würde, damit hatte er  bestimmt nicht gerechnet.

Aber das der sich amüsierte und ihn interessiert beobachtete, gar lachte, als Stefan schnaufte, Grimassen schnitt und deutlich zeigte, er hatte mit dem Wasser so seine Probleme, war schon ein bisschen gemein. Der Wunsch, dieses schadenfrohe  Etwas zu schnappen, ihn hart und schnell zu nehmen und seinen Kopf unter Wasser zu drücken, war stark. Dieser Idee folgte  prompt die seine Geilheit noch mehr  aufheizende Fantasie dazu .  Sein Kopf und sein Schwanz stellte sich vor, wie sein Sexualpartner sich wehrte , sich wand, sich verkrampfte....halt, es war eine Scheißfantasie! Sogar dann, wenn er den Freund zu einem derart harten Spiel überreden  konnte - und dass er es konnte, wusste Stefan. Wenn er wollte war er sogar in der Lage , Rio  Bedenken entweder auszureden oder ihn  dazu zu bringen, dass der sie  hinten anstellte, weil die Angst , sonst nicht geliebt zu werden, größer sein würde. Immer da war und deshalb natürlich auch gefördert wurde , wenn man ihn entsprechend behandelte....

Sein englischer Freund hatte Stefan wohl besser durchschaut als er es geahnt  und sich selbst eingestanden hatte. Er hatte ihm eine fremde Welt gezeigt...die selbst für progressive Menschen , wie die Leute von der Studentenbewegung , die  auch ja  die sexuelle Freiheit propagierte, als noch wesentlich dekadenter galt, als bloßes homosexuell sein   - und  natürlich ebenfalls bei heterosexuellen Paaren - als no Go galt, als Perversität,  die in einer neuen Gesellschaft nicht geduldet werden konnte. Auch wenn Stefan hoffte, vielleicht würde sich allgemein irgendwann auch auf dem Gebiet etwas ändern, wusste er, das würde eher ein Langstreckenlauf werden. Wobei diese Dinge sowieso kaum im Bewusstsein der meisten Menschen waren, egal wo politisch verortet.  Personen mit Fantasien wie er sie hatte , mussten selbst herausfinden, wie es für sie möglich war, sie umzusetzen, ohne zu weit zu gehen, niemand ernsthaft schädigte . Und wie man eine Notbremse einbauen konnte, wenn man auf Menschen traf, die entweder , weil sie das perfekte Gegenstück zu einem selbst waren oder einfach alles taten, um sich geliebt zu fühlen, ihn oder Gleichgesinnte nicht stoppten, wenn gesteckte Grenzen überschritten wurden.

Noch immer war er sich nicht ganz sicher, wie Rio wirklich tickte. Selbst wenn er sich unwiderstehlich von ihm angezogen fühlte.Rios Beuteschema, von dem ihm auch seine Mitbewohner erzählt hatten, ließ ihn auf Typen abfahren, die jung  waren – in ihrem derzeitigen Alter und vielleicht auch  etwas jünger. Dabei waren es aber nicht die Jungs, die so kaum erwachsen wirkten, immer noch glatt und knabenhaft wie Rio selbst waren . Nein, es war eher der Typ, den man auf dem Bau antraf...der zupacken konnte und sich  nicht so schnell etwas sagen ließ. Auch Stefan selbst passte rein äußerlich in diese Kategorie. Leider waren diese  jungen Männer, die Rio zum Objekt  seiner Begierde  erkohr, selten schwul. Was immer wieder zu heftigen Liebeskummer führte, wenn er erkennen musste, sie lebten in verschiedenen Welten, weil der Angebetete entweder  schon sauer auf schmachtende Blicke reagierte oder ihm vorsichtig, ja fast verständnisvoll zu verstehen gab, er wollte nur mit Mädchen...wie auch immer ... Körperflüssigkeiten austauschen, würde man sich  auf keinen Fall in einem Jungen verlieben.

Dann war er jedes mal untröstlich. Hatte er jedoch das Glück, selbst gefunden zu werden oder auf ein Objekt der Begierde zu treffen, das auf seine Avancen ein ging ( die tatsächlich meist einzig aus verzehrenden Blicken und schüchternen Worten bestand, die völlig seine sprachliche Eloquenz negierte, geschweige denn seine feine Selbstironie und den dazugehörigen Humor), fasste der Jenige ihn meist hart an, bekam kaum einen Wunsch ausgeschlagen und war dann oft auch schnell wieder verschwunden,wenn ihn diese Demut und Schüchternheit zu langweilen begann, er begriff, es war materiell nichts zu holen oder zumindest Lanrue auf erste blaue Flecken, wenn er sie zufällig entdeckte, mit einem kurzen, aber eloquenten "Verpiss dich...! " reagierte, so er  dabei das Gefühl hatte, der " neue Freund" tat Rio nicht gut. Der Sänger selbst hatte zugegeben, er war  von von solchen Behandlung oft eher verwirrt, als angeregt( was allerdings auch immer wieder vorkam und die Verwirrung noch steigerte)  und wurde auch noch materiell abgezogen - was bei ihrem nicht vorhandenen "Wohlstand" schon eine ziemlich schwierige Angelegenheit war, aber trotzdem  geschah, kaum hatte Rio ein paar Mark in den Händen. Auch Stefan war spätestens in dem Augenblick durch R.P.S. auf Herz und Nieren  geprüft worden, als er der Band nachgefahren war und blieb.
Solche Überlegungen hatte Stefan immer wieder umgetrieben. Zumal er ja  als sie sich begegneten auf einen frisch traumatisierten Menschen traf und dieses Bewusstsein nie verlor.

Aus diesem Grund hatte er sich auch schon einige Male sehr zurück gehalten, wenn seine Fantasien ihn eine wesentlich härtere Gangart suggerierten. Sich ja einmal sogar spontan dazu entschlossen,  seinen Wunsch mit jemandem auszuleben, der den umgehend erkannt  und forciert hatte. Es war ein kleiner heißer Fick gewesen, der Typ war danach  zufrieden verschwunden . Rio hatte einiges beobachtet  und eins und zwei zusammen zusammen gezählt, dem Freund umgehend einen Dreier vorgeschlagen.  Bei diesen Vorschlag hatte  Stefan allerdings das Gefühl gehabt, die Idee, mit mehr als einer Person Sex zu haben, war tatsächlich eine Fantasie, die Rio sehr gefiel. Dennoch war der absolute Wille,  nicht eifersüchtig zu werden, deutlich zu spüren gewesen.

Allerdings war da auch dieser kleine Moment , in dem Rio bereit war, um jeden Preis im Bett  alles zu tun, was sein Partner sich wünschte, harten Sex statt Liebe zu nehmen, auch wenn ihm eigentlich in dem jeweiligen Moment nicht danach war. An dieser Stelle angekommen wurde ihm bewusst, Rio beobachtete ihn genau, ahnte wieder einmal , was Stefans durch den Kopf ging. "Du würdest gern irgendwie ...also, du hättest mich zumindest gern so richtig hart...gefickt. Mich ein bisschen durch die Gegend geschubst. Ersäuft?...warum machste dir den dann nich, wenn du das so gern magst? " Ja super.... "Weil ich nichts machen werde , was dir schadet und dir Todesangst zu vermitteln ist bestimmt nicht um Sinne der Erfindung!"  Rio erkundigte sich, wie er darauf nur käme, um dann fortzufahren , das mit dem Arschfick hätte ihn so spontan etwas überrumpelt. Aber potenziell wäre er doch  bereit gewesen... "Und jetzt bin ich auch für alle Schandtaten bereit...hab ich doch schon mehrmals gesagt..." Er wollte gewohnt frech und schnoddrig klingen, auch als machte er sich wegen seines Verantwortungsbewusstseins über Stefan lustig. Wären sie sich heute oder die letzten Tage das erste Mal begegnet , hätte der Münchner ihm vielleicht sogar geglaubt. Jetzt hörte er das Müh an mehr Rauheit allerdings heraus. Nein, er würde die Baustelle jetzt nicht aufmachen. Sonst leerten sie sicher sämtliche Kreuzberger Brunnen, welche die Wasserleitung speisten oder erfroren, ehe sie das Thema beenden konnten. Er fing jetzt schon an zu frösteln weil das Wasser abgekühlt war und Rio pflegte seine Diskussionen mit wilden gestikulieren zu begleiten. Also würde er das Wassernachlaufen lassen eher vergessen . Am Ende erfroren sie beide.... So sagte er nur grinsend , das sei schick, aber er habe andere Pläne. Die er jedoch nicht verraten würde...nur so viel, vielleicht war ja das neue Zimmer für was auch immer ihnen dazu einfiel besser geeignet...Er selbst habe langsam schon Schwimmflossen....und verlasse  die  Wanne. Ob Rio vielleicht auch.... Der wollte zuerst widersprechen, ließ das aber und folgte dem Rat. Stefan war schon wieder angezogen, als Rio, der sich schon einen Moment suchend umgesehen hatte, verkündete, er habe seine frischen Sachen vergessen. "Dann wickle dich ins Handtuch ! " schlug der Münchner vor. "Oh..." Rio biss sich sehr hübsch auf die Unterlippe. "Das hab ich noch nie gemacht..also nackt durch die WG gerannt. Dabei lässt Nikel sogar beim Scheißen die Tür von Klo auf...! "  Er klang davon nicht begeistert. Aber er klang wieder nach Rio, zumindest ein bisschen schnoddrig und selbstironisch.

Stefan grinste. "Ich denke, ein Badetuch geht schon...hast du gleich weniger auszuziehen..." Sie grinsten beide und Rio lief rot an. Wie konnte man nur so schüchtern und gehemmt sein, wenn es um Sex ging....Nein, Stefan dachte da jetzt am besten nicht weiter drüber  nach. Jetzt war das nur süß und darauf wollte er sich konzentrieren und vor allem darauf, wie es im neuen Rio - zimmer weiter ging. Bis jetzt hatte ihr Sexualleben auf dem Hochbett statt gefunden. Da waren den Fantasien eher Grenzen gesetzt. Er war gespannt, auf was sein Schatz so zulassen würde. Oder, wenn es gut lief ,was Rio so dazu einfallen mochte...

Der junge Sänger hüllte sich in das übergroße Badetuch, stand einen Augenblick ruhig da,   stloß die Tür auf, die Stefan eben aufgeschlossen hatte und rannte, als sei der Teufel vor  ihm her zu sich hinüber. Stefan folgte ihm, gespannt , wie es nun weitergehen mochte. Fast hätte er die Tür gegen den den Kopf bekommen, die sein Liebster hektisch aufgerissen hatte und hinter sich zuschlug. Erfreut stellte er fest, Rio war nicht aufs Hochbett geflohen, sondern stand vor dem Fenster und hatte die Stirn gekraust. "Wenn du magst, dann fang mich doch ein...."  Wie konnte jemand gleichzeitig so fragend schüchtern und frech klingen! Stefan musste schon wieder grinsen , und machte in seinem Kopf einen kurzen Abriss, wie er Rio zwar einfangen konnte, das aber möglichst ein wenig hinaus zögerte. Dann lief er los und Rio reagiere, wie Stefan gehofft hatte. Sie hatten in dem bestimmt 25 Quadratmeter großen Raum ungewohnt viel Platz, sich aus dem Weg zu ....laufen. Offenbar hatte Rio fix sehr viel Spaß an seiner Flucht und noch mehr an seinem Entkommen. Nach wenigen Minuten steigerte Stefan den Einsatz noch einmal. Er sprang schnell vor und riss Rio mit einem einzigen Griff das Badetuch vom Leib. Der versuchten mit einem wilden Sprung über die Sessel zu entkommen. Doch die rote Sitzgelegenheit kippte um und Stefan stieß sich das Knie bei der Verfolgung.  Rio hatte sich umgeschaut und musste lachen. Was in dem  Münchner  neue Kräften freisetzte. Er hechtete nach vorn und krachend landeten sie alle beide auf dem Fußboden. Obwohl das Knie ziemlich sauer darauf zu sein schien, mit dem Sessel kollidiert zu sein und wilde Schmerzimpulswellen durch seinen gesamten Körper sandte, überwog das Adrenalin und Stefan stieß ein wildes Siegesgeheul aus.




Sie atmeten beide heftig und kurz wehrte sich Rio auch gegen den festen Griff, mit dem sein Freund ihn an den Handgelenken hielt. Er wand sich, versuchte zu treten. Plötzlich fühlte es sich nicht mehr spielerisch an, sondern schon wieder bitterernst. Dann hörte genauso spontan alle Gegenwehr auf und der Sänger lag vollkommen still unter Stefans erregten Körper. Selbst seine eben noch fröhlich gegen den Oberschenkel des Studenten drückende Erektion schien merklich zu schrumpfen. "Alles gut?" fragte der Münchner irritiert und Rio nuschelte " Klar, alles bestens... " , was Stefan vollends ernüchterte. Beide setzten sich auf  und hockten splitterfasernackt auf dem Boden . Rio schaute etwas schuldbewusst zu seinem Freund hinüber. Gleich würde er irgendetwas in Richtung "es tut mir leid"  sagen. So legte der zukünftige Psychologe den Finger auf seinen Lippen. Er wollte nicht, das sich Ralph Christian für etwas entschuldigte, auf das er kaum Einfluss hatte. "Was ist noch passiert?" fragte er schließlich . Denn irgend etwas musste geschehen sein, das nichts mit der Sache in Bielefeld zutun hatten. Und Rio mochte außerhalb der Bühne schüchtern und introvertiert sein. Aber dass hier war eine ganz andere Nummer.... Stefan hatte kurz die Panik gespürt, der das vollständige Ergeben gefolgt  war. Der Freund sah ihn an und schüttelte den Kopf. "Ich habe keine Ahnung...."

Da es kühl im Zimmer war, stand Stefan auf und holte eine Decke vom Hochbett, die er dem immer noch ratlos am Boden Hockenden um die Schulter legte . Vorsichtig versuchte er heraus zu bekommen, wann  die Situation gekippt war und was der Auslöser gewesen sein könnte. Rio schielte unter dem Schleier seiner langen Haare hervor und erklärte, alles sei sozusagen wunderbar gewesen , selbst als Stefan ihn am Boden festhielt. Dann, einen Wimpernschlag später hatte er Todesangst gehabt und das Gefühl, um sein Leben kämpfen zu müssen. "Dann war auch das vorbei und ich habe aufgeben." Das klang irgendwie gruslig. Zumal sich auch seine Stimme genau so anhörte.  "Was dachtest du denn, was passiert?" wollte Stefan wissen. "Ich habe nicht gedacht. Ich fühlte nur und das war ...überwältigenden. Als sei ich in Auge eines Wirbelsturmes. Wenn der einen wieder frei gibt , liegt man mit zerschmetterten Gliedern am Boden. Nein, außer der Sache mit dem Typen aus Bielefeld kann ich mich an nichts erinnern, also dass mir jemand körperlich weh getan hat. Meine Eltern haben uns nicht einmal verhauen...Auch in meiner Pubertät waren sie eher verständnisvoll. Naja meine Mutter. Mein Vater hat sich rausgehalten. Jedoch haben sie lange gehofft, ich bringe bald ein nettes Mädchen nach Hause. Das es dann Jungs sind, meine Mutter tut so, als sei das ...normal. Ich meine,  ist es das nicht ..also.normal für sie. Aber wir tun so. Dann geht's ihr besser...  Gert und Peter wissen es schon lange. Sie unterstützen mich  ...irgendwie... Sie haben auch kein Problem damit, das ich schwul bin. Allerdings war ich schon immer ein verdammten Feigling. Und viel zu schüchtern, um den ersten Schritt zu machen. Es sei denn , ich hab was getrunken... Jedenfalls ist der Bielefelder...der erste, der es tatsächlich mit mir gemacht hat. Und ehe du fragst, nein, es hat mir nicht gefallen. Am liebsten.... " Er brach ab. "Muss das denn unbedingt dazu gehören?" stieß er letztendlich hervor.

Was sollte der Freund ihm  darauf antworten? "Ich glaube, gar nix muss. Wir haben ja wenigstens nicht den ganzen Stress, das da Kinder produziert werden müssen...oder eben auch nicht. Ich denke, erlaubt ist was gefällt . Oder was man aushalten kann....ach - Ich weiß auch nicht...Nein natürlich musst du das alles nicht . ...und du solltest aufhören, dich unter Druck und Zugzwang zu setzten.  Magst du zu mir kommen?" Rio rutschte etwas näher.. "Ein Lagerfeuer wäre schön... " murmelte  der Scherbensänger.  Stefan sah ihn erstaunt an. Wo sollten sie jetzt ein Lagerfeuer hernehmen? Inzwischen war es echt spät, eigentlich sollte Rio das Bett hüten. Und wenn es wohl auch nicht mehr regnete , so war es doch feucht draußen. Außerdem waren sie im fucking Westberlin, wo könnte man da ein Lagerfeuer machen ?  "Zieh dich an....ich guck mal, ob es ne Chance dafür gibt." hörte Stefan sich zu seiner eigenen Überraschung sagen.

Rio nickte und sammelte seine Klamotte ein, frisch aus dem Schrank. Zehn Minuten später waren sie fertig, nahmen ihre Jacke und schlichen aus der WG , in der es jetzt schon sehr still war. Doch als sie an der Küche vorbei kamen, war da doch noch Licht und Joes Kopf plopte  um die Ecke . Er hatte sie wohl doch gehört , obwohl sie gedacht hatten, sie hatten sich große Mühe gegeben . Natürlich fragte er , wo sie hin wollten. Die beiden sahen sich an. Eigentlich hatten sie alleine sein wollen. Aber immer noch wussten Sie nicht, wo sie mitten in einer Märznacht ein Lagerfeuer finden oder machen sollten "Rio braucht heute ein Lagerfeuer für sein Wohlbefinden..." sagte Stefan im scherzhaften Ton. Aber der Junge kannte seinen bisherigen Zimmernachbarn gut und sah in dessen Gesicht, es war wirklich ein dringender Wunsch des Sängers. Außerdem klang das spannend. "Geil! " meinte Joe , "Kann ich mitkommen?" Die jungen Männer sahen sich an. " Weißt du, wo ...man ein Lagerfeuer findet? " fragte Rio hoffnungsvoll.

An dieser Stelle zeigte sich, sie waren beide immer noch Bürgerkinder,  vom harten Leben auf der Straße hatten sie nicht viel Ahnung. Joe kam aus der Küche, in der Hand eine Wurststulle. "Klar weeß ick dat..." erklärte er selbstsicher, holte seinen Parker und meinte unternehmungslustig " Worauf wartet ihr? " und schon ging es los. Sie kannten das nächtliche Berlin. Doch meist hatten sie  Kneipen besucht, Diskotheken oder die Scherben kamen zu dieser späteten Stunde von einem Konzert. Mit Stefan allein war Rio noch nicht durch die schlafende Stadt gestromert.  Jetzt folgten sie dem Teenager Joe, der  zielstrebig in Richtung Bahnhof Zoo unterwegs war. Als Rio das bemerkte, rann ein Schauer über seinen Rücken. Stefan merkte es sofort, drückte seine Hand fest.  Sie verließen die U Bahn und befanden sich in der Welt der starken Kontraste. Die Glitzerwelt  der Restaurants, des Zoopalast, Theater des Westens, KaDeWe...die Penner , Junkies und Stricher.

Die letzteren waren das Ziel ihres jugendlichen Führers. Zwischen den Gleisen und dem Zoo fanden sie , was sie suchten. Es war kein klassisches Lagerfeuer, sondern eine Tonne, in der altes Holz vor sich hin prasselte . Ein Kumpel von Joe war der Hüter des Feuers. Das Publikum wechselte . Es war bunt wie Berlin. Eine Prostituierte, schon etwas älter, wärmte sich kurz auf, klopfte freche Sprüche, beäugte die beiden Zweiundwanzigjährigen und merkte sofort, als Kunden kamen sie nicht in Frage. Plötzlich war ihr Lächeln warm und sie wurde von einer Kunstfigur zu einem realen Menschen. Die Junkies versuchten sie nach Geld anzupumpen, die Stricher sahen, bei den beiden war wenig zu holen . Stefan und Rio stellten sich in den Schatten , beobachteten das Kommen und Gehen und vor allem das beruhigende Feuer. Sie standen inzwischen eng umschlungen und irgendwie kamen ihnen ihre eigenen Probleme  weit entfernt  und unwichtig vor.

Sie verließen die Leute vom Zoo in den frühen Morgenstunde. Auf dem Weg nach Hause holten sie frische Brötchen und Milch. Am T Ufer angekommen, genehmigten sie sich einen Kaffee , ein kleines Frühstück  und verschwanden endlich im Bett. Aus der ersten Nacht im neuen Zimmer wurde ein neuer Tag. Sie waren so müde , dass sie eng umschlungen sofort einschliefen, ohne an ihre ursprünglich eh Pläne auch nur zu denken.