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I Only See Daylight (Übersetzung)

GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Gen
Elain Archeron Lucien Vanserra
03.11.2019
11.01.2020
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Elain zappelte herum, während Nuala und Cerridwen ihr dabei halfen, sich anzuziehen. Als sie damit fertig waren dankte sie ihnen und schlüpfte in ein Paar zartrosaner Schuhe, die gut zu ihrem Kleid passten. Sie räusperte sich zwei Mal und fuhr fort, mit nervösen Fingern an einem losen Faden herumzuspielen. Sie fragte sich, ob Lucien wusste, dass sie vergangene Nacht in seinem Zimmer gewesen war. Früher am Morgen hatte Feyre sie in ihrem Zimmer aufgesucht, um ihr zu sagen, dass er zurück war. Obwohl sich ihre Eingeweide wanden und zusammenzogen hatte sie so getan, als wisse sie das nicht schon längst und als würde es sie auch nur mäßig interessieren.
„Ist alles in Ordnung mit dir, Elain?“, fragte Nuala, während sie mit einem Kamm durch Elains dichtes, gewelltes Haar fuhr.
„Es geht mir gut.“, ihre Stimme klang höher als sonst und sie hatte zu schnell geantwortet, um beiläufig zu wirken.
Nuala blickte mit einem kurzen Lächeln zu Cerridwen hinüber, sagte jedoch Nichts.
Elain verließ die Sicherheit ihres Zimmers und trat ins Treppenhaus hinaus. Seit dem Sieg über Hybern hatte sie versucht, auf die Anderen zuzugehen. Sie hatte daran gearbeitet zu akzeptieren, dass sie nie wieder sterblich sein würde und nicht mehr ins Reich der Menschen zurückkehren konnte. Nach Greysens Zurückweisung war ihr dies weit weniger schwer gefallen, als sie erwartet hätte. In den darauffolgenden Monaten hatte sie sich dazu gezwungen häufiger an Familienessen teilzunehmen, um die Leute, die Feyre als Familie betrachtete wirklich kennenzulernen und als sie das einmal getan hatte hatte Velaris sich schnell zu einem viel angenehmeren Ort zu leben entwickelt.
Morgens hielt sie sich in der Regel im Garten des Stadthauses auf, dessen Pflege sie übernommen hatte und ihre Nachmittage verbrachte sie meist entweder mit ihren Schwestern oder den Geisterzwillingen. Nuala und Cerridwen waren so freundlich zu ihr gewesen, als sie nach Velaris gekommen war und waren zu weit mehr als Dienerinnen für sie geworden. Von Zeit zu Zeit leistete Azriel ihr im Garten Gesellschaft. Er sagte nie viel, doch das Schweigen zwischen ihnen war angenehm und irgendwie gab er ihr auch ohne Worte das Gefühl, willkommen zu sein.
Als sie den Fuß der Treppe erreichte ließ ihr der Duft der Zimtschnecken bereits das Wasser im Mund zusammenlaufen. Sie dachte zurück an ihre ersten Tage als High Fae, als sie alle Nahrung verweigert hatte.
‚Ich muss verrückt gewesen sein, um so gutes Essen abzulehnen.‘, überlegte sie.
„Guten Morgen.“, sagte sie fröhlich, als sie die letzte Biegung der Treppe umrundete und ins Wohnzimmer trat. Etwas an Rhysands innerem Kreis, das sie zu gleichen Teilen liebte und an das sie sich noch immer gewöhnen musste war das Fehlen von Formalität: Niemand saß am Tisch, um mit Besteck zu frühstücken und Rhysand saß nie am Kopfende des Tisches. Stattdessen lümmelte jeder auf dem Platz herum, den er sich ausgesucht hatte, während sich Zimtschnecken auf einer Platte stapelten, die auf dem niedrigen Tisch in der Mitte des Raumes stand.
Luciens Kopf zuckte, als ob er eigentlich im Begriff gewesen wäre zu ihr herumzufahren und es sich dann doch anders überlegt hätte. Feyre grinste ihn an. Rhysand grinste sie an. Jeder hier grinste.
Mor erhob sich aus dem Sessel, in dem sie mehr oder weniger gelegen hatte und schnappte sich eine Zimtschnecke von dem Stapel.
„Guten Morgen Elain.“, sagte sie, den Mund voller Essen, „Da anscheinend alle anderen in diesem Haus plötzlich stumm geworden sind oder ihre Manieren verloren haben.“
Feyre verengte die Augen und streckte Mor die Zunge heraus, wofür diese sich revanchierte, in dem sie Zimtglasur auf Feyres Arm schmierte.
Elain lachte, als Feyre aufkreischte; Sie hatte sie noch nie zuvor mit einer echten Freundin gesehen. Glück stand ihrer kleinen Schwester unheimlich gut.
Beim Klang ihres Gelächters fuhr Lucien nun doch zu ihr herum. Um die Röte zu verstecken, die ihr in die Wangen kroch griff Elain nach einer Zimtschnecke und nahm einen viel zu großen, undamenhaften Bissen. Zum Glück war Nesta nicht hier.
„Wo ist Nesta?“, fragte sie an Feyre gewandt, nachdem sie fertig gekaut und ihren Bissen hinuntergeschluckt hatte.
„Ach, ich glaube sie ist letzte Nacht bei Amren geblieben. Amren hilft ihr immer noch dabei, sich an ihre Kräfte zu gewöhnen.“
Elain nickte nur stumm bei Feyres Erklärung, doch ihre Schwester sprach weiter:
„Rhys muss Zusammen mit Az und Cas ins Haus des Windes und wird dort wahrscheinlich den größten Teil des Tages zu tun haben. Ich hatte vor zum Regenbogen zu gehen und einige Farben zu kaufen. Ich werde wohl nicht fürs Mittagessen zurück sein.“
Elain nickte abermals und nahm einen weiteren Bissen von ihrem Frühstück.
„Ich schätze du solltest mitkommen.“, sagte Feyre und gestikulierte zu Lucien hinüber. Er starrte sie verständnislos an. „Du Brauchst … Naja, alles. Rhys hat deinen Namen schon auf die Liste der Leute gesetzt die auf unseren Namen einkaufen dürfen.“
Luciens Miene war eine Mischung aus Dankbarkeit und Schahm. Elain wusste nur zu gut, wie er sich fühlte. Es war beschämend allen Reichtum und alle finanzielle Sicherheit zu verlieren und plötzlich mit lehren Händen dazustehen. Sie warf ihrer Schwester einen strafenden Blick zu, weil sie vor allen Anderen die Aufmerksamkeit auf Luciens Situation gelenkt hatte. Auch wenn sie sich wünschte, dass ihre Familie nie wieder arm sein würde konnte sie nicht verhindern, dass sie sich an die Zeit erinnerte, die sie in der Hütte gelebt hatten. Die Zeit, in der sie wenig mehr als einander gehabt hatte. Damals hatte sie Feyre weder so sehr geschätzt noch sie beschützt wie sie es verdient gehabt hätte.
Als Nesta und sie zu Fae gemacht wurden waren sie hier her gekommen, um hier zu leben und obwohl es ihnen an Nichts gemangelt hatte hatten sie auch Nichts besessen - Nichts, das wirklich ihnen gehört hätte jedenfalls.
Elain erinnerte sich an das Gefühl der Dankbarkeit angesichts der Großzügigkeit, die Ihnen entgegengebracht wurde. Doch sie erinnerte sich auch an den Ärger darüber, dass sie dieser Grußzügigkeit überhaupt bedurften.
Elain wurde klar, dass sie noch immer kein Wort zu Lucien gesagt hatte. Sie wollte etwas Tröstendes sagen, oder doch wenigstens etwas, um ihm das Gefühl zu geben, willkommen zu sein. Er besaß kaum mehr, als die Kleider, die er am Leib trug und die paar Dinge, die in seinen Rucksack passten. Er hatte es für sie getan, wurde ihr plötzlich klar, er hatte den Frühlingshof für sie hinter sich gelassen. Zugegeben, nach allem, was sie von Feyre gehört hatte war Tamlin nicht gerade leicht zu ertragen. Nach dem Sieg über Hybern war er auf den Kontinent gegangen, um den Menschen dort beim Wiederaufbau zu helfen.
Er hätte dort bleiben können, doch er war zum Hof der Nacht zurückgekehrt, für sie. Sie hatte mit Feyre darüber gesprochen, was ihre Schwester in ihrer Zeit als Spionin am Frühlingshof herausgefunden hatte; Lucien hatte nicht gewusst, dass die Priesterin beabsichtigte Elain und Nesta zu entführen.
Sie nahm ihren Mut zusammen und erinnerte sich daran, dass es einem nur besser gehen konnte, wenn man weitermachte.
Sie schluckte ihre Angst vor dem Unbekannten herunter und räusperte sich leise. Alle Blicke im Raum richteten sich auf sie und sie zwang sich nicht rot zu werden.
„Die beste Schneiderin ist am anderen Ufer des Sidras. Nicht weit vom Regenbogen.“, erklärte sie.
Elain konnte sich noch gut daran erinnern, wie es war Kleider tragen zu müssen, die zuvor jemand anderem gehört hatten und sich nach maßgeschneiderten Gewändern zu sehnen. Sie war dankbar gewesen überhaupt Kleider zu haben, doch sie hatte sich nach gesehnt dass wirklich passte und das sie ihr Eigen nennen konnte. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass Lucien fremde Kleidung tragen wollte, wenn es nicht unbedingt nötig war - auch wenn er absolut atemberaubend gewesen war, als er bei den Neuverhandlungen der Verträge zwischen den Reichen der Fae und der Menschen in der elyrianischen Lederrüstung erschienen war.
Die Erinnerung daran trieb ihr das Blut in die Wangen. Doch ihren Mienen zu folge schienen Feyre und Lucien anzunehmen, dass es nur an ihrer Verlegenheit darüber lag, einen Vorschlag gemacht zu haben. Sie hatte einen Ruf dafür entwickelt, still und schüchtern zu sein.
Lucien nickte ihr zu und versuchte erfolglos sein Lächeln zu verbergen: „Dankeschön.“
„Und?“, fragte Feyre wie beiläufig, „Was hast du heute Morgen vor? Irgendwas im Garten, das gepflückt werden soll?“
„Es heißt zurückschneiden, nicht pflücken.“, korrigierte Elain und verdrehte die Augen. „Und eigentlich“, fügte sie langsam hinzu und steckte sich eine widerspenstige Locke hinters Ohr, „Hatte ich vor, dich zu begleiten. Wenn…. Wenn das in Ordnung ist.“
Weder Feyre noch Lucien gaben sich besonders viel Mühe, ihre Überraschung zu verbergen:
„Natürlich.“, sagte ihre Schwester, aufrichtig erfreut.
 
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