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Der Gott der Liebe, der mit Verdammnis droht

GeschichteAllgemein / P12
03.11.2019
23.09.2020
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03.11.2019 381
 
Missionierende Christen trifft man überall, sogar hier auf Fanfiktion. Das ist ihr gutes Recht, so wie es meines ist, vor diesem Glauben zu warnen. Wer eine empfindsame Seele besitzt, muss sich ein dickes Fell zulegen, wenn er in der Bibel blättert. Das christliche Menschenbild ist alles andere als aufbauend. Ein labiler Mensch kann daran zerbrechen, wenn er liest, dass er von Geburt an böse und verdorben ist und automatisch die Hölle verdient. Wohlgemerkt, die ewige Hölle. Nicht als zeitlich begrenzte Strafe für ein selbstverschuldetes Vergehen, wie z. B. Mord, sondern als Dauerstrafe dafür, überhaupt geboren worden zu sein.

Nebenbei sei angemerkt, dass das Judentum in sich wesentlich logischer und geschlossener ist, und dass die Juden gute Gründe haben, das Neue Testament abzulehnen. Nicht etwa, weil Gott „ihre bösen Herzen verstockt hat“, sondern weil schlicht und ergreifend die Prophezeiungen für den Messias nicht erfüllt sind. Dazu später mehr.

Gott ist so heilig, dass in seinem Dunstkreis kein Mensch bestehen kann. Selbst die kleinste, winzigste Imperfektion unsererseits ist des Todes würdig. Es sei denn, er bekehrt sich zu Christus und empfängt den Heiligen Geist. Dann ist ihm alles Böse, was er je getan hat, vergeben, und auch zukünftige Sünden werden nicht angerechnet. Allerdings besitzt der gläubige Christ seinen Wert nur durch Jesus, und auch nur solange, wie er ihm die Treue hält. Apostasie wird im Alten Testament mit dem Tode bestraft. Im Neuen Testament steht es den Menschen zum Glück frei, ob sie Jesus nachfolgen oder nicht, wobei die Angst vor einer ewigen Hölle ein nicht zu unterschätzender Grund ist, der viele im Stillen unglückliche Christen davon abhält, ihren Glauben zu hinterfragen.

Eine Gleichberechtigung von Mann und Frau existiert so, wie wir sie heute kennen und schätzen, in der Bibel nicht, auch wenn viele moderne Christen auf dem einzigen positiven Satz von Paulus herumreiten und ihn gerne wörtlich zitieren: „… da ist nicht Mann noch Frau, denn ihr alle seid eins in Christus.“ (Gal. 3, 28.) Dass die Frau in der Gemeinde schweigen und ihr Haupt bedecken soll, der Mann jedoch nicht, weil er Gottes direkter Abglanz ist, diese Verse werden von denselben Christen mit dem größten rhetorischen Erfindungsreichtum umgedeutet oder als nicht mehr zeitgemäß erklärt. Eine wörtliche Auslegung findet offenbar nur dann statt, wenn sie einem persönlich gerade in den Kram passt.
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