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Sein letzter Kampf [Teil 1]

von Ortakh
GeschichteThriller, Horror / P18 / Gen
02.11.2019
09.02.2020
24
30.760
5
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23.11.2019 1.244
 
Die Nacht legt sich über den Wald und die Schatten der großen Bäume verdecken schon früh die letzten Sonnenstrahlen. Wie gigantische Hände aus hauchdünnen Knochen tanzen die Äste und Blätter mit ihren Schatten im Wind über meinem Kopf und werfen ihre Silhouette vor mir auf das hohe Gras. Ich selbst sitze am Lagerfeuer auf einem kleinen Baumstamm, den ich mit viel Mühe und Anstrengung an diese Stelle gezogen habe und an welchem ich später lehnend zu schlafen gedenke.

Mein Abendessen bestand lediglich aus einem der Äpfel und einem kleinen Stück Brot, die ich beide aus meinem Haus mitgenommen habe. Vermutlich werden diese Portionen für etwa eine Woche reichen, vielleicht auch weniger. Unter Umständen muss ich in umliegenden Dörfern und Städten ebenfalls Häuser plündern, falls die Reise länger dauern sollte, als ich es vermute. Laut meiner Karte bin ich in Mitten des Waldes im Zentrum Valenwalds und habe noch den morgigen und den darauffolgenden Tag vor mir, bis ich die Landesgrenze zu Cyrodiil erreiche.  

Die Zeit vergeht und ich genieße es auf dem Stamm zu sitzen und mich von den Wärmenden Flammen des Feuers einhüllen zu lassen. Als ich vor drei Jahren Opfer des Daedrafürsten Athar wurde und dieser mich in meinen Träumen mit grauenhaften und schockierenden Welten und Situationen – teilweise sogar aus meiner eigenen Vergangenheit – konfrontierte, löste der bloße Anblick einer Kerze und deren Flammenschein eine emotionale Reaktion hervor, die so stark und unkontrollierbar war, dass ich fast einen meiner besten Freunde – Khadran – mit meinem Dolch erstochen hätte. Ich war in dieser Zeit ein psychisches Wrack, aber sie haben mir geholfen meine Albträume zu besiegen und Athar ein weiters Mal zu verbannen.  

Ich habe darüber sogar ein Buch geschrieben, nachdem ich dazu in der Lage war und mich mit diesem Thema rückblickend auseinanderzusetzen. Als Athar das erste Mal zu einer echten Gefahr für Tamriel wurde, war ich einer der Agenten des Kaiserreichs und habe mit meinen Freunden Dan-Lai, Raman und Tauren, dem Kampfmagier aus der Kaiserstadt die Gefahr abwenden können. Wir haben es geschafft, Athar in sein Reich zu verbannen und auch dieses Mal konnte ich mit Hilfe neuer Freunde seinen Machenschaften ein Ende bereiten.  

Meine Gedanken schweifen hin und her zwischen Dan-Lai, Khadran, meiner Frau und den wenigen Erinnerungen, die bisher an die Oberfläche meines Bewusstseins getreten sind. Plötzlich vernehme ich ein Rascheln vor mir. Im Dunkel der Nacht und der Dichte der Bäume kann ich nicht erkennen, ob und wer dort sein mag. Zur Sicherheit lösche ich das Feuer mit Wasser aus einer Flasche, die ich mithabe, um meine Anwesenheit unter Umständen zu verbergen – falls ich nicht schon entdeckt worden bin.  

Die letzte Glut erlischt und es wird finster um mich herum. Da ich die Umgebung zuvor etwas genauer untersucht habe, weiß ich, dass nur wenige Schritte hinter mir eine Höhle ist, in der ich mich sogleich verstecke. Die Höhle ist sehr klein und bietet nicht mehr als einen sicheren Unterschlupf vor Regen oder größeren Tieren. Ich versuche zu lauschen, was sich vor dem Höhleneingang abspielt und ob ich jemanden sehen kann.  

Es raschelt weiter, aber ich kann immer noch niemanden sehen. So wie es sich anhört, müsste der – oder dasjenige direkt vor der Höhle und somit auch zu sehen sein. Ich krieche ein wenig nach vorne, weg vom hintersten Eck bis kurz vor den Eingang. Ganz langsam bewege ich mich auf meinen Knien vorwärts in der Hoffnung weder mein Schlurfen über den Erdboden noch mein Herzschlag oder mein schnelles Haschen nach Luft verriete meine Position. Immer noch nichts zu sehen, dabei wird das Rascheln immer lauter und lauter.  

Dann verstummt es plötzlich. Ich erstarre in meiner Bewegung und warte darauf, dass etwas passiert. Mein Herz hämmert in meiner Brust. Diese Stille ist nicht zu ertragen, aber es tut sich nichts.  

Ohne Vorwarnung springt mir etwas entgegen. Ich habe keine Zeit zu reagieren und mein Schwert zu zücken. Der Tiger – nein es ist ein Mann, ein Khajiit – fällt mich an und schleudert mich wieder ins Innere der Höhle, sodass ich gegen die Wand am anderen Ende pralle. Ein höllischer Schmerz durchzieht meinen Rücken und meinen Kopf, aber kann ich den Blick nicht von ihm wenden. Seine Augen haben sich so weit geöffnet, dass ich fürchte, sie fallen gleich aus seinem Kopf, sein Mund ist zu einem stummen Schrei geöffnet und sein kompletter Körper verkrampft sich, als er meine Arme an beiden Seiten packt und sie zusammenpresst, als wolle er sie abquetschen. Noch nie in meinem Leben habe ich so viel Angst in einem einzigen Gesicht gesehen; Todesangst.  

“Nicht hier sein darf! Weg müssen, schnell!”, schreit mich der Khajiit an. “Nicht sterben dürfen. Weg müssen, sofort!”  

Während er schreit schüttelt er meine Arme vor und zurück, sodass mein Kopf wieder und wieder gegen die Steinwand schlägt.  

“NICHT HIER SEIN DARF! NICHT STERBEN DÜRFEN! MÜSSEN SCHNELL HIER WEG!” Der Khajiit brüllt um sein Leben, aber mein Schock sitzt so tief, dass ich mich weder bewegen, noch etwas sagen kann.  

Ehe er noch ein weiteres Mal seine Verzweiflung kundgeben kann, wird er urplötzlich rücklinks aus der Höhle gezogen. Sein Schrei hallt von den Wänden , flutet den kleinen Unterschlupf und sogar den Wald draußen. Seine Hände versuchen mich noch irgendwie festzuhalten, aber er ist nicht schnell genug. Draußen vor der Höhle dreht sich der Khajiit auf den Rücken und blickt seinem Verfolger ins Gesicht. Sein Schrei jedoch verstummt zu keinem Zeitpunkt, als wäre seine Lunge mit einer ungeheuerlich großen Menge an Luft versorgt, die nun auf einen Schlag zu entweichen versucht.  

Schnell ziehe ich meine Beine zu mir und kauere mich ganz dicht an die Wand. Geschockt von dem, was sich da gerade vor meinen Augen abgespielt hat, starre ich auf den Höhleneingang und die beiden Gestalten davor. Über dem Khajiit steht eine große Person in eine dunkle Robe gekleidet und beugt sich langsam zu ihm hinunter.  

“Was tut Ihr denn hier? Wovor habt Ihr Angst?”, fragt die Stimme der großen Person sanft. “Kommt mit mir, ich bringe Euch zurück.” Die Person beugt sich weiter nach vorn und kniet sich schließlich vor den Khajiit, der immer noch verängstigt und paralysiert dreinschaut – immerhin schreit er nicht mehr.  

Ich betrachte das Gesicht der Person und mir fällt auf, dass ich sie kenne. Diese alte Frau habe ich erst gestern Nacht in der Stadt durch das Fenster des Hauses aus beobachtet. Was tut sie hier so weit weg von der Stadt? Moment... Ich weiß woher ich die Frau noch kenne. Ich erinnere mich, dass ich mit Elsil durch Grünherz gelaufen bin. Wir waren auf den Weg zu einer kleinen Feier bei Bekannten, die wir eigentlich nicht mögen, aber uns trotzdem blickenlassen mussten – gesellschaftlicher Zwang und so. Und dann kam uns diese Frau entgegen. Mit ihrer Robe und dem eingefallenen Gesicht ist sie uns direkt aufgefallen. Keiner von uns kannte sie und wir haben sie auch noch nie in der Stadt gesehen. Aber wenn sie hier ist, dann wird sie bestimmt wissen, wo die anderen sind. Meine Frau, meine Freunde und Nachbarn, einfach alle.  

Gerade wollte ich mich etwas nach vorn lehnen, um langsam aus der Höhle zu kriechen, als sie ihren Dolch unter der langen Robe hervorholt und mit dem Griff einmal kräftig gegen die Schläfe des ahnungslosen und völlig überraschten Khajiit schlägt. Dieser schafft es gerade noch die Augen und den Mund wie zu einem Schrei zu öffnen bevor er zur Seite fällt und bewusstlos auf dem Boden liegen bleibt.
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