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Sein letzter Kampf [Teil 1]

von Ortakh
GeschichteThriller, Horror / P18 / Gen
02.11.2019
09.02.2020
24
30.760
5
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16.11.2019 995
 
“Kommt in die Kaiserstadt. Dort werden Euch alle Fragen beantwortet?”, lese ich mir die Inschrift vor. Woher will der Verfasser wissen, welche Fragen ich habe? Und warum steht dafür hier ein Schild und niemand ist in der Stadt? Das wäre doch deutlich sinnvoller. Was ist nur los verdammt?  

Aber auch wenn ich mich über dieses Schild und deren Mitteilung wundere und wie ein geisteskranker auf sie einrede, wird mir das trotzdem keine Fragen beantworten oder mich wieder zu meiner Frau bringen. Ich habe also die Wahl zwischen einer seltsamen Nachricht, die mich auffordert in eine andere Stadt Kilometer weit entfernt zu reisen, auf einem Schild, das eindeutig nicht von hier zu stammen scheint und einer Geisterstadt, in der eine verwirrte alte Frau umherirrt und ich mich vor ihr verstecken muss – ohne Sicherheit drauf, dass sich hier irgendetwas ändert.  

“Tja, ich fürchte ich habe meine Antwort.”, stöhne ich dem Schild entgegen und mache mich auf den Weg zu den Stadttoren.  

Auf dem Weg nach Norden komme ich erneut an meinem Haus vorbei. Da der Weg in die Kaiserstadt lange sein wird, muss ich mir Proviant einpacken. So betrete ich die gute Stube ein weiters Mal, nehme mir Äpfel, Brot und den ein oder anderen Heiltrank mit, den ich finden kann. Plötzlich kommt mir in den Sinn, dass ich beim Verlassen der Stadt wieder auf die alte Frau treffen könnte. Im Schutze der Nacht wäre es einfacher sich zu verstecken. Jedoch besteht so die Möglichkeit, mich unterwegs zu verlaufen.  

Unschlüssig wie ich weiter vorgehen soll, stehe ich in Mitten der Küche und warte auf etwas, das mir die Entscheidung abnimmt, oder zumindest leichter erscheinen lässt. Doch Minuten lang passiert nichts und so entschließe ich mich dazu, das Haus bei Tag zu verlassen. Verstecken kann ich mich auch so.  

Ich wage noch einen kurzen Blick aus dem Fenster der Vorderseite des Hauses, doch erscheint mir der Weg durch die Gärten sicherer und einfacher zum Verstecken. So wende ich mich von der Eingangstür ab, öffne die Hintertür und verlasse mein vermeintlich sicheres Heim. Die Gärten sind zwar durch Zäune getrennt, jedoch leicht zu überwinden. Dieses Mal achte ich darauf, nicht hängenzubleiben und mich schlimmstenfalls zu verletzen oder zu verraten, sondern steige langsam darüber und schleiche immer weiter nach Norden zu einem der riesigen Tore.  

Nach ein paar Minuten, in denen ich versucht habe so unauffällig wie nur möglich zu sein, gelange ich wieder in jenen Garten, in dem der Albtraum begann. Ich sehe sogar noch den Ast, auf dem ich gelandet bin, nachdem ich – so vermute ich, aber Beweise habe ich immer noch keine – vom Balkon eine Etage darüber gefallen bin. Das Gras ist an dieser Stelle auch plattgedrückt, was bedeutet, dass ich dort mehrere Stunden gelegen haben musste.  

“Warum weiß ich davon nichts mehr?!”, frage ich mich selbst in einem vorwurfsvollen Ton, der an dieser Stelle eigentlich auch von meinem Vater hätte kommen können, wenn ich etwas Wichtiges vergessen hatte. Nichts desto trotz verfolge ich weiter mein vorläufiges Ziel, das Stadttor zu erreichen.  

Ein paar wenige Gärten später erreiche ich die Stadtmauern und schließlich auch das Tor, das mich aus der Stadt führen soll. Zu meiner Überraschung ist es geöffnet, aber zu meiner Enttäuschung sind keine Wachen abgestellt. Ich hatte tatsächlich gehofft hier jemanden zu treffen, da mir die Wachen immer als fester Bestandteil einer Stadt vorkamen und ich mir eine solche ohne sie nicht vorstellen konnte. Ein weiterer Beweis für die Unwirklichkeit und Unmöglichkeit dieses Ortes.  

Auf schnellstem Wege renne ich – wie immer geduckt – an der Mauer entlang und durch das Tor. Da erblicke ich rechts von mir mitten im Tordurchgang eine geöffnete Tür, hinter der normalerweise die Wachposten stehen. Ohne nachzudenken ändere ich meine Route und betrete den kleinen Raum. Wände und Decke sind logischerweise aus Stein gefertigt, zwei Stühle und ein Tisch stehen auf der gegenüberliegenden Seite und links ist ein Holzregal mit allerlei Rüstung und Waffen gefüllt.  

Eine Rüstung kann ich nur schlecht mitnehmen, da sie mich zwar schützt, aber auch verlangsamt. Ich bin leider nicht so sportlich und athletisch, als dass ich eine schwere Rüstung tragen könnte. Glücklicherweise befindet sich in einem der Regalfächer auch eine Lederrüstung, die zwar leichter als die schwere Stahlrüstung ist, aber dennoch genügend Schutz vor einem Angriff bieten kann. Neben der Rüstung nehme ich noch einen Dolch, ein Kurzschwert und Pfeil und Bogen mit, für den Fall, dass ich mich vehement verteidigen muss.  

So verlasse ich gut gerüstet die Stadt und hasche die ersten Meter bis zur Abzweigung durch das hohe Gras, um nicht so einfach verfolgt werden zu können. Ich habe mir auch eine Karte mitgenommen und versuche nun den ungefähren Weg zur Kaiserstadt zu verfolgen. Die Straße führt mich zunächst nach Norden durch den Regenwald bis Arenthia und dann über die Grenze nach Cyrodiil bei Skingrad.  

Den Rest des Tages wandere ich durch den von Büschen, Farnen und Bäumen bewachsenen Weg, begegne so manch einem Waldbewohner – die Tiere scheinen in dieser Welt noch zu existieren – und erreiche nach einem halben Tagesmarsch eine kleine Lichtung in Mitten großer Ulmen, deren Kronen sich wie ein Dach über die Lichtung schützend legen. An dieser Stelle entscheide ich mich für eine Pause und richte ein kleines Lager ein.

Ich sammle lose herumliegende Äste, entfache ein Feuer und genieße den beruhigenden Schimmer der Flammen, wie sie das Holz Stück für Stück auffressen und nur kalte Asche zurücklassen. Elsil hat mir zu Beginn unserer Beziehung erzählt, welch Grauen sie gesehen und miterlebt haben, als die Talmor Städte und Wälder niederbrannten; Leichen, verkohltes Holz und in den Gesichtern der Lebenden keine Spur von Hoffnung, nur Verzweiflung.  

Meine Hoffnung schwindet auch immer mehr. Auch wenn mir das Schild in der Stadt Hilfe und Antworten versprochen hat, glaube ich noch nicht daran. Aber es ist meine beste Chance etwas zu erfahren, was mich wieder zu meiner Frau und meinen Freunden bringt. Ich hoffe nur, dass ich keinen Fehler gemacht habe.
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