Sein letzter Kampf

von Ortakh
GeschichteThriller, Horror / P18
02.11.2019
09.02.2020
24
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Dunkelheit umgibt mich. Sie hüllt mich ein, wie eine warme, aber dennoch eiskalte Decke aus schwarzem Nichts. Ich glaube, so muss sich der Tod anfühlen. So heimatlich, und doch so fremd. So wohltuend, und trotzdem abstoßend. Man fällt ins Nichts und doch liege ich still auf einem harten und kalten Untergrund. Da ist ein Licht. Es ist so weit weg, aber ich spüre, ich kann es greifen. Es zieht durch meinen Körper; das Gefühl mich zu bewegen, mich auf das Licht zuzubewegen. Aber wie? Ich habe keine Kraft dafür. Meine Arme und Beine hören weder auf mich noch auf das, was ich ihnen sage. Sie tun gar nichts. Ich falle und falle, aber es kommt kein Aufprall, keine Endgültigkeit, kein Ende. Was passiert hier?  

Meine Augen öffnen sich. Der Wolken ziehen langsam über meinen Kopf hinweg. Hin und wieder leuchten die Monde durch sie hindurch und lassen die Welt um mich herum etwas heller erscheinen. Links von mir befinden sich zwei große Bäume, die unten von einzelnen kleinen Sträuchern bedeckt sind. Als würde der große Bruder auf seine kleinen Geschwister aufpassen und sie vor den Gefahren der Welt beschützen wollen. Rechts erstreckt sich eine große Grasfläche, die von einem Zaun abgegrenzt wird. Die Holzbalken sehen noch nicht alt aus. Kein morsches Holz, keine abgebrochenen Balken. Und zu meinen Füßen erhebt sich ein Haus. Es ist kein gewaltiges Haus, aber es hat mindestens ein Obergeschoss, da die Wolken hinter einem Balkon verschwinden.  

„Ich bin nicht tot.“, sage ich zu mir und versuche mich mit dieser etwas sarkastischen Aussage in dieser Situation zu orientieren. „Wo bin ich hier?“ Das ist eine gute Frage, wie ich feststelle. Ich habe zwar leichte Kopfschmerzen, bin aber sonst gesund. Trotzdem kann ich mich nicht entsinnen, was dieser Ort ist. Wessen Haus das ist und vor allem warum ich hier auf dem kalten und teilweise nassen Rasen liege. Ich versuche mich auf die Seite zu rollen und bemerke einen leichten Stich in der Seite. „Auh!“, stöhne ich. Der Schmerz ist erträglich, aber hat er mich doch überrascht. „Was…ist das denn?“ Als ich nachschaue sehe ich, dass ich auf einem Ast liege, der sich leicht in meinen Rücken gebohrt hat, aber durch das Umdrehen wieder herausfiel. Der muss wohl von einem der Bäume gefallen sein – und ich dann auf ihm. Ja, ich fürchte, dass ich vom Balkon gefallen und mich dadurch verletzt habt. Warum sonst liege ich wohl unter einem Balkon und habe Schmerzen im Rücken?

Allmählich komme ich wieder zu Kräften und schaffe es mich langsam aufzuraffen. Meine Glieder fühlen sich noch etwas steif an, aber das legt sich kurze Zeit später. Mit Hilfe meiner Arme, auf die ich mich stützen kann, schaffe ich es sogar aufzustehen und mein Umfeld aus der gewohnten und angenehmeren Perspektive zu betrachten. Hinter mir erstreckt sich nun weiter der Garten, der wie zu meiner rechten Seite durch einen Gartenzaun begrenzt ist.  

Durch meine noch etwas unbeglichen Beine schwankend, laufe ich durch den Garten zum Zauntor. Dass die Tür offen steht überrascht mich bei längerem Nachdenken nicht. Während ich an der Hauswand entlanglaufe, versuche ich weiterhin zu überlegen, was denn passiert sei und wieso ich in einem Garten aufwache, deren Besitzer ich nicht kenne. Das Haus ist, wie ich vermutet habe, zweistöckig und, so scheint es zumindest von außen, sehr geräumig.  

Über eine kleine Treppe gelange ich zur Eingangstür. Direkt neben der Tür ist ein Fenster in die Wand eingelassen, durch die ich in das Haus blicken kann. Als ich niemanden sehen kann, drehe ich mich wieder zur Tür und klopfe drei Mal. Einen Moment später klopfe ich erneut und wieder etwas später noch einmal.  

„Hallo? Ist jemand zu Hause?“  

Keine Reaktion. Also drehe ich mich um und schwanke in Richtung Straße. Doch plötzlich knarzt die Tür hinter mir und geht doch noch auf. Ich drehe mich auf dem Treppenabsatz um und schaue in einen dunklen Hauseingang, der mich förmlich in sich hineinziehen möchte. Ich lege meinen Kopf zur Seite und schaue etwas um die Ecke. Leider scheint das Licht, das von den Monden reflektiert wird, nur spärlich in das Haus und so kann ich nur das Fenster am anderen Ende des langen – ich nehme an es ist einer solcher – Flures sehen.  

Langsam schleiche ich zum Eingang und wage einen Blick hinein. Nachdem meine Augen sich an das Licht gewöhnt haben, erkenne ich einige Möbelstücke, die sich vor mir im Wohnzimmer und Teilen der Küche erstrecken. Es ist nicht sehr prunkvoll eingerichtet, sondern hat nur einen Kamin, zwei Stühle an einem kleinen Tisch und ein paar Regale mit Vitrinen. An den Wänden hängen vereinzelt Bilder, deren Themen und Inhalte ich aber nicht erkennen kann. Und soweit ich das sehe, ist die Küche nach dem gleichen Prinzip eingerichtet: schlicht.  

Schritt für Schritt bewege ich mich weiter ins Innere des Hauses. Auf der rechten Seite des Wohnzimmers erstreckt sich nun eine Treppe in den zweiten Stock. Alles in diesem Haus sieht wie neu und noch fast unbenutzt aus; wie draußen im Garten. Ich schleiche mich weiter zur Treppe und steige sie empor. Immer wieder schaue ich mich um, ob ich nicht jemanden erkennen kann, der mir meine Fragen beantworten kann – oder zumindest eine davon. Zudem wird mir langsam unwohl. Ich habe kein gutes Zeitgefühl, aber nach der Zeit, die ich nun schon hier umherirre und noch keine Seele angetroffen zu haben, erscheint mir diese Situation sehr seltsam.  

Wie auch im Erdgeschoss ist das obere Stockwerk völlig leer. Ein Schlafzimmer, eine Abstellkammer und ein Kinderzimmer. Der Balkon, von dem ich meine gefallen zu sein, ist vom Flur aus zu erreichen – hilft mir somit kein Stück weiter. Etwas entmutigt begebe ich mich wieder auf den Weg nach unten. Da huscht plötzlich etwas am Fenster neben der Eingangstür vorbei.
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