Die fünf etwas anderen Freunde

von Hen
GeschichteFantasy, Freundschaft / P12
02.11.2019
10.11.2019
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Da endlich schaltete auch ich mich ein.
- „Nein, habt ihr sie noch alle?!? Was, wenn uns da jemand sieht?“
- „Janina, denk nach, was ist im Mädchenklo?“
- „…Nein, nicht euer Ernst!!!“. Jetzt war ich noch sehr viel fassungsloser als zuvor.
- „Doch“, sagte Vipera nur, ebenfalls entschieden. „Und Martin, stell dich nicht so an, wir können es warm zaubern! Ich lieeeebe es dort!“
- „Wo sollen wir denn sonst auch hin? Wir machen das doch schon, seit wir Vipera kennen!“, versuchte nun auch Dracosia, Martin und mich zu überzeugen.
Wir waren einfach die beiden einzigen Vernünftigen in dieser Gruppe. Na ja, er vielleicht manchmal. Hin und wieder. Selten… ok, eigentlich fast nie. Aber in dem Moment war er es auf jeden Fall!
- „Ich will nicht an Myrte vorbei! Das regelt ihr!“
Na toll, zur Kammer des Schreckens hatten sie ihn also doch schon überzeugt. Aber an Myrte nicht vorbei wollen, diese Logik. Da hörte es auch schon wieder auf mit seiner Vernunft. Ich hielt einfach meine Klappe und ja, vielleicht schmollte ich auch ein wenig. Aber jetzt mal im Ernst, das konnten die doch nicht ernst meinen? Schon wieder da runter? Am ersten Tag? Wenn am meisten auf die Schüler achtgegeben wird?
- „Ach, ich mag Myrte mittlerweile“, lachte, lachte doch tatsächlich Vipera.
Ich meine… ja, sie gar nicht so schlimm, wenn man mit ihr umzugehen weiß… aber mögen? Ich weiß ja nicht.
- „Dort ist es schön!“, brachte Vipera nun ihr eindeutig bestes Argument.
Also, da musste ich mich jetzt aber einschalten, Schmollen hin oder her.
- „Es ist nicht schön da unten, sondern verdammt gefährlich!“
- „Was soll denn da passieren?“
- „Sie nervt… Myrte nervt… Immer…“, warf Dracosia ein.
- „Sie ist TOT!“, erwiderte Vipera energisch.
- „Wir könnten nicht mehr herauskommen!“, antwortete ich auf ihre Frage. Wir sprachen nun schon ziemlich durcheinander.
- „Und mault!“, kam von Martin. „Außerdem könnten wir dort unten ertrinken!“
- „Janina, ich bin ein Parselmund, natürlich kommen wir wieder raus. Martin, wir können zaubern! Niemand wird ertrinken!“
- „Ach hört doch auf…“, versuchte Dracosia nun, das Durcheinander zu ordnen.
- „Wir könnten auch alle wegen Dracosias Zauber dort unten sterben, ohne jemals gefunden zu werden!“
- „Ok, dagegen kann ich jetzt nichts sagen…“
- „So gefährlich ist er nicht!“
- „Wir könnten an Drachenpocken erkranken!“
- „Ihr könnt ja vor der Tür stehen bleiben!“, kam nun so genervt von Vipera, sodass alle es hörten.
Es herrschte betretene Stille, denn das wollten Martin und ich jetzt nun auch wieder nicht. Dracosia unterstützte Vipera nun mit einem anderen Punkt.
- „Wir können den Zauber ja auch woanders testen. Dann sieht uns jemand und wir fliegen von Hogwarts“.
- „Wie wäre es, wenn wir ihn gar nicht testen…?“, wagte ich zu fragen.
Leider wurde mein Vorschlag dann doch einstimmig abgelehnt. Dracosia wollte es uns nun natürlich beweisen, Vipera war zu neugierig (wie immer) und Martin fand es zu langweilig, doch nichts zu tun.
„Wie wäre es, wenn wir den Zauber nach unserem Abschluss ausprobieren? Wenn wir fertig sind mit der Schule? Und dann auch nicht mehr davon runterfliegen können?“, fragte ich vorsichtig.
Aber nein, natürlich wollte auch niemand so vernünftig sein und so lange warten. Warum auch, es ging ja nur um unser aller Zukunft. Und unser Leben.
- „Ach man, meinetwegen. Dann komme ich halt mit“, gab ich mich schließlich doch geschlagen.
- „Jay!“, rief Vipera glücklich.        
Ich lächelte, ehrlich. W ich meine Freunde so glücklich sah, so lies mich das eigentlich immer wieder lächeln, auch wenn ich eigentlich schlechte Laune hatte oder, wie in diesem Fall, ihnen eigentlich am liebsten an die Gurgel gesprungen wäre.
Martin legte natürlich wieder mal den drastischsten Themenwechsel hin, den man sich vorstellen kann. Es war wirklich wieder alles beim Alten.
- „Apropos, wie waren eure Prüfungen? Also ich habe alle Zulassungen für UTZ und VgdDK“.
Er lächelte stolz. Dracosia hingegen sah eher etwas bedrückt aus.
- „Meine ZAG’s waren super, bis auf VgdDK , da musste ich mich duellieren und habe nach Levicorpus keine Zauber mehr geschafft. Und in Wahrsagen habe ich aus Versehen einen normalen Traum geschildert, keine Version, hat aber keiner gemerkt“.
- „Ich lieeeeeeebe VgdDK!“, rief Vipera entzückt.
- „Ich auch“, stimmte Martin ihr zu und lächelte verträumt.
- „Also mir haben die Prüfungen eigentlich Spaß gemacht, hat auch alles super geklappt. Aber hey, Dracosia, du scheinst wirklich Hilfe zu brauchen. Wollen wir mal zusammen lernen?“, bot ich ihm an.
- „Ich kann dir auch was beibringen!“, meinte Vipera.
- „Oh bitte, sonst bringst du dich irgendwann noch um, alter Freund“, versuchte auch Martin den Rawenclaw zu überzeugen.
- „Du kannst doch unseren Stoff gar nicht?“, wunderte ich mich über unsere Freundin.
- „Na ja, ich habe in den Ferien mit meiner Tante trainiert. Und mit meiner Mutter“.
- „Und, war ich die Zielscheibe?“, schmunzelte Martin.
- „Teilweise, aber nur für Avada Kedavra!“
- „Ich mag deine Familie, hab ich das schon mal erwähnt?“
Alle schütteten sich aus vor Lachen, auch Martin, obwohl es bei ihm noch ein wenig ungläubig und erschrocken klang.
- „Was hast du denn trainiert, Duellieren? Oder Weissagen? …Moment mal, du hast ja auch gezaubert! Das hättest du auch nicht gedurft!“
Erschrocken sah ich Vipera an. Also ganz ehrlich, von ihr hätte ich das jetzt nicht erwartet! Diese versuchte, ein schuldbewusstes Gesicht zu machen.
- „Oops?“
- „Danke für eure Angebote, aber nützt ja doch nichts. Was ich brauche ist ein unbesiegbarer Zauber. Deswegen müssen wir den ja auch unbedingt ausprobieren“, rettete Dracosia Vipera.
Wir sahen ihn erstaunt an. Sollte er wirklich einen unbesiegbaren Zauber erfunden haben? Das wäre ja eine… eine Sensation! Martin aber war, aus welchem Grund auch immer, nicht wirklich interessiert an einem unbesiegbaren Zauber, mit dem er jedes Duell gewinnen könnte… Auf jeden Fall wechselte er mal wieder mit Bravour das Thema.
- „Warum wählt ihr auch Weissagen?“
- „Ganz einfach: es ist interessant!“, antwortete ich ihm. Also wirklich, seltsame Frage. Jeder wählt doch das, was er interessant findet, oder etwa nicht?
- „Erweitert euren Horizont!!!!!“, mimte er urplötzlich ziemlich erfolgreich Professor Trewlany und hörte sich dabei wirklich… nun ja, verrückt an. Wie Professer Trewlany halt.
- „Ähm, ich glaube, er ist krank…“, vermutete daher mal ganz vorsichtig und schaute etwas verunsichert zu ihm herüber.
Die Anderen stimmten mir zu, aber eines musste man Martin wirklich lassen: er gab eine echt gute Vorstellung ab. Er war sogar so gut, dass Dracosia lachend miteinstimmte.
- „Geht tief in euch, um euer drittes Auge zu öffnen…“
- „Seht… den Grimmmmmmmm!!!!!!“
- „Oh nein, ich glaube, ich habe mein drittes Auge zu Hause vergessen!“, unterbrach Vipera prustend die bühnenreife Vorstellung der beiden Jungs.
- „Tja, dann hast du bei ihr wohl verspielt“, lachte Martin zaghaft.
- „Ihr seid unmöglich, alle miteinander! Zeigt mal etwas Respekt, sie ist unsere Lehrerin!“, nahm ich nun, leicht verspätet, unsere Professorin in Schutz.
Also wirklich, irgendjemand musste es ja tun, auch wenn Dracosia da wohl anderer Ansicht war. Zumindest lachte er so sehr über meinen Kommentar, dass er sich verschluckte und unkontrolliert zu husten anfing. Ich lachte mich schlapp, das hatte er jetzt davon! Auch Vipera grinste, Dracosia sah einfach zu lustig aus.
- „Eyyyyy…“, brachte er zwischen seinen Hustern immerhin zustande.
Martin versuchte, ihm zu helfen, und schlug ihm daher auf den Rücken.
- „Ja, sie ist unsere Professorin, aber sie ist auch etwas durch…“
Ich ließ ihn seinen Satz nicht beenden, uns allen war klar, dass er, vielleicht nicht mal fälschlicherweise, „durchgeknallt“ sagen wollte, aber es auszusprechen ging hier nun wirklich zu weit.
- „Zeig. Respekt“, ermahnte ich ihn nun todernst.
- „Vor wem? Ich sehe nichts ohne mein drittes Augeeeeee!“, erwiderte er und imitierte Professor Trewlany ein weiteres Mal perfekt.
Das gab Vipera den Rest, sie lachte laut los und konnte nicht mehr aufhören, so sehr sie es auch versuchte. Wir versuchten noch, sie zu beruhigen, aber es war einfach hoffnungslos, zumal auch ich all meine Selbstbeherrschung brauchte, um nicht mitzulachen, Martin schien es nicht anders zu gehen.
- „Hört…auf!“, versuchte ich noch einmal, unsere Lehrerin zu beschützen, aber ohne Erfolg. Kichernd hat man einfach keine Autorität.
- „Ist alles wieder gut?“, fragte Martin Dracosia, nachdem alle sich mehr oder weniger wieder beruhigt hatten.
- „Ja… aber ich sehe etwas… Es ist… der Grimmmm!!!“
Nun war es vorbei mit uns allen. Geschlagene zehn Minuten konnten wir nichts anderes mehr als Lachen. Immer, wenn sich einer von uns auch nur ansatzweise erholt hatte und wieder zu Luft gekommen war, rissen ihn die anderen mit ihrem Gelächter wieder mit. Martin war der Erste, der sich wieder soweit fing, dass er reden konnte.
- „Das ist schön… aber sagt mal, wo ist eigentlich Brod?“
Ja, das war mir auch schon aufgefallen. Wir waren nicht vollzählig, einer von uns fehlte, Brodwick, ein weiterer Rawenclaw-Schüler.
- „Vielleicht kommt er ja anders zur Schule? So reich wie seine Familie ist…“, schlug ich unsicher vor.
- „Möglich, bei dem weiß man ja nie“, stimmte Martin mir mit einem zaghaften Lächeln zu.
- „Ich denke, er hängt wieder bei den Vertrauenschülern rum. Bei seiner ’Freundin‘“ , mutmaßte dagegen Dracosia. Das war tatsächlich wahrscheinlicher.
- „Ohhhh, erzähl!!!“, forderte Martin ihn direkt aufgeregt auf.
- „Seine Sache, vielleicht irre ich mich auch“, erwiderte Dracosia aber eher abweisend.
Ich seufzte nur. Also hatte Brodwick schon wieder mal eine neue Freundin. Mein Gott noch mal, hörte das denn wirklich niemals auf?
- „Oh, ach ja. Ich müsste ja eigentlich auch zu den anderen Vertrauensschülern…“, fiel Martin da erst auf. Dann aber zuckte er nur mit den Schultern. „Naja, beim Aussteigen“.
- „Oh je, da bekommt wohl jemand Ärger…“, kündigte ich scherzhaft an.
- „Jap“.
- „Dann los, geh doch jetzt schon und beeil dich gefälligst!“
- „Nö!“
- „Wenn du meinst…“
- „Ich habe euch seit 6 Wochen nicht mehr gesehen, da will ich jetzt etwas Zeit mit euch verbringen“. Martin lächelte mich, ganz martinmäßig eben, an.
- „Na, wenn das so ist… Ich kann es ja verstehen, würde auch lieber hier bleiben und nicht dorthin gehen wollen“, antwortete ich und lächelte leicht zurück.
Da kam plötzlich Brodwick, völlig aus der Puste, hineingestürmt, als wäre der Teufel höchstpersönlich hinter ihm her.
- „Hey… sorry, dass ich so spät erst komme, aber ich war noch bei meiner Freundin“, schnaufte er. Trotzdem brachte er bereits wieder ein Schmunzeln zustande. War ja klar.
Natürlich hatten wir Recht gehabt, Brodwick und die Mädchen. Aus irgendeinem Grund schien die halbe Frauenwelt ihn anzuhimmeln wie sonst jemanden, Gott weiß, warum. Martin lachte auf jeden Fall, zumindest er schien seinen Spaß an der Sache zu haben.
- „Was?!? Warum lachst du so?!?“, fragte Brodwick ihn gereizt.
- „Alles im Lot“, brachte Martin heraus, lachte aber weiter.
- „Hi Brodwart“, begrüßte auch Dracosia seinen Hauskameraden.
- „Hey, wie geht’s? Hast du einen neuen coolen Spruch zum Lernen?“, runzelte dieser fragend die Stirn.
- „Tatsächlich ja, wir gehen gleich zum Mädchenklo, wenn du weißt, was ich meine“.
- „Oh…“, grinste Brodwick.
-  „Was hast du denn so gemacht?“, wechselte Vipera das Thema. Vermutlich meinte sie seine Ferien, was Brodwick jedoch leicht falsch interpretierte.
- „Du weißt schon… so Sachen, die man mit Freundinnen halt macht…“
- „Jugendschutz!!!“, rief ich dazwischen, um meine wie auch Viperas Ohren vor dem, ansonsten sicherlich Kommenden, zu bewahren.
- „Jaaaaa! Ich bin auch noch da!“, stimmte diese mir mit erschrockenem Gesichtsausdruck zu.
Martin prustete los, er hatte verstanden.
- „Klappe!“, rief ich ihm zu, dass musste jetzt doch nun wirklich nicht sein.
Nur weil wir beide ein wenig jünger waren, gab es ihm doch noch lange nicht das Recht, uns zu behandeln, als wären wir Kindergartenkinder! Dracosia war da aber wohl anderer Ansicht und begann ebenfalls, laut zu lachen.
- „Ich hoffe, ihr habt nichts auf der Mädchentoilette gemacht...“, kam nun in klar zu deutendem Tonfall von Martin.
Jungs sind halt manchmal wirklich unmöglich. Was mir nun zum wiederholtem Male an diesem Tag auffiel.
- „Ohhh...“, unterbrach Dracosia sein Lachen, ebenfalls mit deutlichem Unterton.
- „Hallooooo!“, versuchte Vipera das Gespräch, solange man es so nennen konnte, zu stoppen.
- „Es sind Kinder anwesend!“, unterstützte ich sie.
- „Nein nein, nichts auf der Mädchentoilette“, beruhigte Brodwick uns beide.
- „Genau!“, stimmte Vipera ihm erleichtert zu.
- „Leute, Themenwechsel! Bitte!“ Ich wollte jetzt wirklich, wirklich über etwas anderes reden und dieses Gespräch vergessen. Einfach vergessen.
- „Ganz genau!“ Auch Brodwick schien daran interessiert, sein Privatleben etwas privater zu halten. Verständlicherweise, muss man dazu sagen.
- „Meine Katze ist den Ferien geflogen!“, verkündete dort Vipera mit einem Themenwechsel, der denen von Martin echt Konkurrenz machen konnte.
Fuego hob sofort seinen Kopf. Er war ein schlauer Kater, sofort hatte er gemerkt, dass über ihn gesprchen wurde. Verunsichert sah er erst seine Besitzerin und dann uns an. Dracosia hatte wohl schon einige fliegende Katzen gesehen, er nahm sich zumindest unbeeindruckt sein Amulett und setzte seine Bemühungen, es zu öffnen, fort.
- „Fuego saß einfach auf meinem Besen!“, erzählte Vipera einfach weiter.
- „Meine nicht, ist physikalisch auch nicht möglich“, unterbrach Martin sie.
- „Tja, bei mir schon. Ist halt mein Kater!“
Fuego schien sein Frauchen genau zu verstehen und schnurrte zustimmend. Eine wahrlich schlaue Katze.
- „Meine Eule ist auch geflogen!“, warf ich dort nun scherzhaft in meinem besten hochnäsigen Tonfall, den ich aufbringen konnte, ein.
- „Schön?“, antwortete Vipera lachend.
- „Ja, total toll! Sogar ohne Besen!“, fuhr ich nun in gespielter, kindlicher Begeisterung fort und grinste breit.
- „Wow!“, kam etwas skeptisch, aber doch von einem Lachen begleitet, aus Martins Richtung.
- „Wow!?“, lachte auch Vipera.
Ich mochte es einfach, meine Freunde zum Lachen zu bringen. Das machte so viel Spaß, dann musste ich auch immer lachen. Ich hatte all das hier, ich hatte sie in den Ferien wirklich vermisst. Ich konnte nicht aufhören daran zu denken, denn mir war klar, dass sich in zwei Jahren, wenn wir alle unseren Abschluss hätten, noch so viel ändern würde… ich wollte jetzt eigentlich noch gar nicht daran denken, aber verhindern konnte ich es auch nicht. Nur noch zwei Jahre, nur noch so wenig Zeit!
- „Was macht eigentlich Dracosia da drüben?“, riss Brodwick mich aus meinen Gedanken.
Ich sah hinüber und lächelte. Wie erwartet, erneut das Gewisper über seinem Amulett.
- „Was wohl, das, was er immer macht. Sein Medaillon lösen“, sagte ich mit einem Schulterzucken. Das war nun wirklich schon lange nichts Besonderes mehr.
- „Ja, schon“, meinte Brodwick, „aber irgendwie scheint er wie besessen von dem Ding zu sein“.
- „Natürlich, wäre ich auch. Ich meine, wie geheimnisvoll ist das denn bitte?!?“
- „War er schon immer, so ein wenig besessen von dem Teil“, schaltete sich auch Martin mit einem Schulterzucken ein. „Vielleicht hat der Zauber etwas damit zu tun…“
- „Besessen? Nein, mir geht es gut“, reagierte Dracosia extrem verzögert und noch immer leicht abwesend. Aber so war er nun einmal.
- „Sehr ihr?!?“
Brodwick schien meine Meinung nicht zu teilen
- „Sie mich mal an D, ja?“, wollte Martin, der fürsorgliche Hufflepuff, den geistigen Zustand seines Freundes testen.
Dieser aber starrte schon wieder apathisch auf sein Medaillon. Nichts schien seine Aufmerksamkeit für lange Zeit davon ablenken zu können, wirklich rein gar nichts. Da blieb die Lokomotive auf einmal stehen.
- „Wir sind da, endlich!“, rief ich erfreut.
Alle packten ihre Sachen, die sie mit ins Abteil genommen hatten, und wir verließen den Zug. Mittlerweile war es schon Abend geworden, die Sterne standen bereits am Himmel und tauchten die Umgebung in geheimnisvolles, silbernes Licht. In der Ferne erhob sich Hogwarts majestätisch über den Rest der Landschaft und erweckte in uns allen, obwohl wir doch schon im sechsten Schuljahr waren, noch immer ein Gefühl der Ehrfurcht. Für einen Moment standen wir einfach dort und ließen all das noch einmal auf uns einwirken. Jeder von uns hing eine Weile seinen Gedanken nach, bis schließlich die wie von selbst fahrenden Kutschen erschienen. Hätte ich es nicht gelernt so hätte ich niemals vermutet, dass diese Kutschen in Wahrheit von geflügelten Pferden namens Thestrale gezogen wurden. Diese anscheinend doch recht furchterregend aussehende magische Tierwesen konnten nur von Menschen, die dem Tod bereits einmal ins Auge geblickt hatten, gesehen werden, so stand es in unserem Schulbuch. Wobei… schon zuvor hatte Martin die mal angesprochen, nur hatte ihm niemand Glauben geschenkt. Er meinte, die Kutschen würden von gruselig aussehenden Pferden gezogen… aber wir anderen hatten gelacht, bis wir es als Thema im Unterricht hatten…
- „Jetzt komm schon Janina!“, rief mich da Vipera.
Erneut wurde ich aus meinen Gedanken gerissen, sonst passierte mir das eigentlich nicht so oft wie heute. Die Anderen saßen bereits alle in der Kutsche, nur ich stand, völlig in Gedanken, noch davor.  Schnell gesellte ich mich zu ihnen. Sanft fuhr das Gefährt an und zog uns den langen, geschlängelten Weg entlang in Richtung Schloss.
- „Janina, wusstest du eigentlich, dass James Potter, also euer Sucher, auf dich steht?“, fragte mich da Martin mit sinem Grinsen.
- „Ohhhhh“, machte Vipera erstaunt und sah mich erwartungsvoll an.
Ich erstarrte kurzzeitig. Deshalb also hatte Martin, ganz am Anfang im Zug, so explizit unseren Sucher angesprochen. Aber ich hatte jetzt echt keine Lust auf dieses gegenseitige Unterstellen von angeblichen Verehrern, das war doch vollkommener Unsinn. Ich war ja schon genervt, wenn ich so etwas nur von Schulkameraden mithörte, da brauchte mir Martin gar nicht erst auf diese Tour zu kommen. Glücklicherweise hatte nur Vipera etwas davon mitbekommen, sich aber auch schon wieder Brodwick zugewandt.
- „Garantiert nicht, niemals!“, antwortete ich genervt und setzte einen entsprechenden Gesichtsausdruck auf.
- „Ich hab’s von Fredrik“, fuhr Martin jedoch unbeeindruckt fort.
- „Ja, schon klar. Natürlich. Lustiger Scherz“. Ich fand es echt nicht witzig.
- „Und der hat es von Hugo. Und die sind ja wohl ziemlich dicke!“
Martin wusste einfach nie, wann es genug war. Ich sandte ihm noch einen für sich sprechenden Blick und nahm mir vor, ihn ab jetzt einfach zu ignorieren. Das mochte Martin wohl gar nicht, er sah mich ziemlich empört an.
- „Echt jetzt!“
- „Klappe“, sagte ich mit ausdrucksloser Stimme und keiner sonstigen Reaktion, seufzte aber innerlich. Ok, ja, ignorieren war das jetzt nicht, aber darin war ich einfach noch nie gut gewesen, vor allem nicht bei solchen Themen und bei meinen Freunden. Und jetzt hatte ich ein solches Thema, angesprochen von einem Freund. Jackpot.
- „Dann halt nicht… Aber du kannst ihn ja selbst fragen…“ Martin schien nun wirklich beleidigt zu sein.
Dennoch, es dauerte nicht lange und da hatte sich wieder ein fesselndes Gespräch zwischen uns allen eingestellt an dem jeder teilnahm. Bald war die Freundin von Brodwick das Thema, worüber er aber dann doch nicht so erfreut schien, wie man es sonst von ihm kannte. Im Gegenteil, er wandte die Unterhaltung von sich ab.
- „Ich habe eine Freundin, aber wie sieht es denn eigentlich mit euch anderen aus?“
- „James Potter steht auf Janina!“, rief Martin selbstverständlich rein.
Ich hätte ihn umbringen mögen, aber stattdessen machte ich gute Miene zum bösen Spiel.
- „Was?!? Echt?!?“, fiel Brodwick aus allen Wolken. Ja, damit hatte jetzt glaube ich wohl niemand gerechnet.
- „Nein, zum letzten Mal. Nein!!!“, rief ich, mit einem Lachen in der Stimme.
- „Okay, dann also doch dieses Thema“, meinte Vipera neugierig mit hochgezogener Augenbraue.
- „Ich habe doch gar nicht gesagt, dass du ihn zurück magst…“, murmelte Martin.
Brodwick schmunzelte, was ich jetzt gar nicht toll fand. Schließlich hatte er mich in diese Situation gebracht.
- „Er steht nicht auf mich! Ganz bestimmt nicht! Du erzählst einfach nur Unsinn!“
- „Warum sollte ich Unsinn erzählen? Und sooooo unwahrscheinlich ist das doch jetzt auch nicht!“
- „Was ist denn überhaupt so schlimm daran?“, fragte Vipera mich ehrlich.
- „Das ist James Potter!“
- „Und? Der ist doch nett…“, sagte Martin vorsichtig.
- „Aber neeeeeeervig…“, stöhnte ich darauf.
- „Aber im Quidditch-Team. Und groß. Und schlau. Und ein Potter…“
- „Vor allem letzteres ist ein Problem!“
- „Warum? Das macht sich doch gut im Stammbaum!“
- „Hallo?!? Soll ich meine Eltern jetzt etwa auch noch unterstützen?“
Unsere Ankunft auf dem Hogwarts-Gelände unterbrach glücklicherweise unser kleines Wortgefecht. Zu aufgeregt um zu reden stiegen wir aus der Kutsche und machten uns auf den Weg zum Großen Saal. Schon konnte ich die großen Türen sehen, bald würden sie sich öffnen, öffnen in ein weiteres Schuljahr voller Freude, neuer Erfahrungen und Aufregung…