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Spuren des Lebens

GeschichteDrama / P18 / Gen
Dr. Sara Tancredi Lincoln "LJ" Borrows Junior Lincoln Borrows Michael Scofield Paul Kellermann
02.11.2019
04.01.2020
11
56.399
2
Alle Kapitel
21 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
10.11.2019 4.024
 
Disclaimer:    
Alle Charaktere und die Idee der Serie Prison Break sind geistiges Eigentum von Paul T. Scheuring. Ich leihe mir seine Figuren nur aus und gebe sie am Ende wieder zurück.
Der Dialog am Anfang der Geschichte zwischen Michael und dem Geistlichen ist aus der Folge ‚Bolshoi Booze‘ der 2. Staffel. In einem Gespräch zwischen Michael und Sara im späteren Verlauf der Geschichte stammen Teile davon aus der Folge ‚Chicago‘ der 2. Staffel, sowie ist im letzten Drittel der fertigen Geschichte ein abgewandelter Dialog zu finden, welcher aus der Folge ‚Disconnect‘ der 2. Staffel stammt.

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Schon seit Stunden folgten Michael und Sara in einen gebrauchten Ford, welchen Michael unter falschen Namen und gefälschten Ausweis neu angemietet hatte, die Interstate 44 E Richtung Chicago. Nach knapp fünf Stunden waren sie auf die Interstate gewechselt und befuhren diese auch schon seit mehr als vier Stunden. Die neun Stunden waren aber erst der Anfang. Sie brauchten fast 20 Stunden, um vom Bundesstaat New Mexiko in den Bundesstaat Illinois und so nach Chicago zu gelangen. Sie hatten sich darauf geeinigt, dass sie sich alle zwei Stunden mit dem Fahren abwechseln würden und eigentlich waren die zwei Stunden auch schon seit knapp einer Stunde vorbei, aber Michael brachte es einfach nicht übers Herz Sara aus ihrem Schlaf zu reißen. Sie hatten kaum die Fahrer- und die Beifahrerseite getauscht, als sich die junge Frau auf dem Sitz klein machte, ihre zusammen geknüllte Jacke ans Fenster drückte und ihren Kopf drauf bettete. Es waren keine zehn Minuten ver-gangen und sie war eingeschlafen – und Michael wollte ihr den Schlaf geben. Sie waren sehr früh vom Hotel aufgebrochen und auch, wenn es jetzt erst früher Nachmittag war, so waren sie doch schon eine ganze Weile unterwegs. Michael gönnte ihr den Schlaf. Er würde sich dann einfach später ausruhen. Zumindest war das sein Plan.
Gerade als er wieder einmal eine Ausfahrt hinter sich ließ und abermals viele gerade Meilen auf ihm zu kamen, musste Michael dennoch herzhaft gähnen. Das lange Sitzen und das stundenlange Fahren zehrten ärgerlicherweise an seinen Kräften. Nur seine Sturheit, Sara wenigstens etwas Ruhe zu gönnen, hielt ihn wach. Er blinzelte ein paar Mal und rieb sich mit der Hand übers Gesicht. Er fokussierte seinen Blick auf die endlos gerade Straße und zuckte erschrocken zurück. Total verwirrt sah er der Gestalt entgegen, die mit einem Mal am Stra-ßenrand aufgetaucht war.
Je weiter er mit dem Auto der Gestalt näherkam, umso mehr kristallisierte sich heraus, dass Charles Westmoreland ihn mit starren Blick entgegen sah. Michael blinzelte noch einmal und versuchte sich zu konzentrieren, aber D.B. Cooper, wie Charles auch genannt wurde, blickte ihm nur umso intensiver entgegen. Träge hob der alte grauhaarige Mann den Arm und zeigte mit der Hand entschlossen auf ihm. Michael schluckte und schüttelte den Kopf. Das konnte nicht wahr sein! Als er an Charles vorbeifuhr, sah er ihn an sich vorbeiziehen und sein ehemaliger Mithäftling schüttelte enttäuscht den Kopf.
Einfach nur verwirrt, blickte er zurück auf die Straße und versuchte nicht darüber nachzudenken. Es konnte nur eine Einbildung gewesen sein!
Gerade als er tief Luft holen wollte, um das Geschehene abzutun, erschien die nächste Gestalt am Straßenrand. David Apolskis alias Tweener stand neben dem Geschwindigkeitsschild und sah ihn genauso enttäuscht an. Die Hände des jungen Mannes waren in den Taschen seiner tiefsitzenden Jogginghose vergraben. Im Gegensatz zu Charles schüttelte er nur betrübt den Kopf und ließ Michael ohne weitere Gesten an sich vorbeiziehen.
Michael umfasste das Lenkrad fester und hoffte, dass er sich auch das nur eingebildet hatte. War er so müde, dass sich sein schlechtes Gewissen an die Oberfläche kämpfte und ihm so zeigte, was er für Mist gebaut hatte? Er hoffte es, denn ansonsten musste er definitiv an seinen Verstand zweifeln. Langsam stieß er die Luft aus und merkte erst jetzt, dass er sie überhaupt angehalten hatte. Noch einmal schluckte er und blinzelte einige Male, um die Müdigkeit loszuwerden. Er sah fest auf die Straße und versuchte den Straßenrand auszublenden. Meile um Meile funktionierte das auch. Der Asphalt und die Fahrbahnmarkierungen waren das einzige, was er wahrnahm. Es war also wirklich nur Einbildung gewesen, dachte er erleichtert, als auf einmal zwei Gestalten in der Ferne auftauchten. Besorgt benetzte er seine Lippen und hoffte inbrünstig, dass es nicht wahr war. Schon an den Silhouetten erkannte er, dass es dieses Mal ein Mann und eine Frau waren. Als der Mann den Arm hob und Michael eine Pistole in dessen Hand sah, biss er die Zähne fest zusammen und umfasste das Lenkrad so stark, dass seine Fingerknöchel weiß hervortraten. Je näher er kam, desto sicher wurde er, dass die Frauengestalt Sara war. Was aber gar nicht gehen konnte! Denn sie saß ja neben ihm. Aus den Augenwinkeln sah er neben sich, um sich selbst zu überzeugen und nun echt an seinen Verstand zu zweifeln, als er bemerkte, dass die junge Ärztin gar nicht mehr neben ihm saß! Panisch drehte er den Kopf herum, aber Sara blieb definitiv verschwunden!
Luftschnappend blickte Michael wieder auf die Straße. Er war jetzt so weit an die beiden Ge-stalten herangefahren, dass er sehen konnte, wie Sara ihn voller Angst ansah. Der groß gewachsene Mann dagegen, gekleidet in einen schwarzen Anzug, hatte kein Gesicht und hielt seine Pistole fest auf Saras Kopf gerichtet. Sara begann am ganzen Körper zu zittern und Tränen traten in ihr verängstigtes Gesicht. Sie hob den Arm und wollte ihm entgegen gehen, als der Mann plötzlich den Abzug der Pistole drückte und Saras Kopf mit einem lauten Knall in eine Blutfontäne explodierte …
„SARA!!!!“
Sein entsetzlicher Schrei riss ihn schlagartig aus dem Traum. Ruckartig fuhr Michael in die Höhe und schnappte erschrocken nach Luft.  
„Was? Michael?“
„Sara?!“, keuchte er verzweifelt und hektisch sah er sich in dem kleinen Zimmer nach ihr um. „Sara?“ Sein ganzer Körper zitterte wie Espenlaub und endlich sah er sie.
Sie hatte sich wie er im Bett aufgesetzt und betrachtete ihn besorgt.
„Ich bin hier“, rief sie ebenso erschrocken. „Ich bin hier, Michael!“
„Gott sei Dank!“ Unendlich erleichtert schlang er die Arme um sie und drückte sie einfach an sich. Sie reagierte völlig perplex und erwiderte seine Umarmung etwas unbeholfen.
„Alles ist gut“, murmelte sie an seiner Schulter und fuhr beruhigend mit ihren Händen über seinen Rücken. „Du hast bloß geträumt. Alles ist okay!“
Michael antwortete ihr nicht. Er konnte nicht sprechen. Er konnte nicht denken. Er wollte sie nur festhalten. Zu real war der Traum gewesen, zu lebhaft, zu echt. Noch immer hörte er den lauten Knall der Pistole, sah die Handbewegung des unbekannten Mannes, der die Liebe seines Lebens aus seinem Leben riss. Immer und immer wieder wiederholte sich das schreckliche Geschehen. Auch als er die Augen fest zu drückte und nur mit Mühe die Tränen zurückhalten konnte, konnte er doch das Zittern seines Körpers nicht stoppen.
„Schsch“, flüsterte Sara sanft und verstärkte ihren Griff. „Schsch, Michael. Egal, was es war. Jetzt bist du wach und alles andere wird sich geben!“ Behutsam löste sie sich von ihm und sah ihn an. „Oder möchtest du vielleicht darüber reden?“
Einen endlosen Augenblick sah er sie einfach nur an. Ihre dunkelbraunen Augen schimmerten sorgenvoll, aber durch das kleine Nachtlicht, welches sie am Abend angelassen hatten, um beschäftigtes Treiben im Hotelzimmer vorzutäuschen, nahmen ihre Gesichtszüge weiche Konturen an und schnürten ihm umso mehr die Kehle zu. Er konnte und wollte sie nicht verlieren! Auf gar keinen Fall!
„Sie haben dich mir weggenommen“, erklärte er flüsternd und musste heftig schlucken. Der Gedanke allein reichte bereits, dass ein erneuter Schauer seinen Körper erfasste. Er atmete tief durch und legte dann sehr langsam seine Hand an ihre Wange. Hauchzart berührten seine Finger ihre weiche Haut und Michael konnte sich ein seliges Seufzen nicht verkneifen. Zu sehr kribbelte es in seinem Bauch. Zu sehr breitete sich diese wohlige Wärme in seinem Inneren aus, dass er einfach darauf reagieren musste. Fest sah er ihr in die Augen. „Sie haben dich mir einfach weggenommen“, wiederholte er flüsternd und musste erneut mit sich ringen. Er schüttelte leicht den Kopf und versuchte den Traum endgültig abzuschütteln. „Ich kann das nicht zu lassen!“
Für einen Moment schloss Sara die Augen und neigte leicht den Kopf.
„Ich bleibe hier“, flüsterte sie mit fester Stimme und blickte ihn wieder an. Ihre Augen richteten sich fest auf seine und sie sah ihn einige lange Sekunden einfach nur an. „Ich bleibe bei dir, Michael!“
Michael atmete tief ein und ließ die Luft zitternd wieder aus den Lungen entweichen. Das zu sagen, hatte Sara mit Sicherheit viel Mut gekostet. Nach allem was er ihr angetan hatte, wollte sie bei ihm bleiben. Trotz allem! Noch einmal atmete er tief ein und ließ dann all seine Gefühle für sie an die Oberfläche. Er öffnete sein Herz und ließ es einfach sprechen: „Ich liebe dich, Sara!“ Unglaublich zärtlich streichelte seine Finger ihre Wange. „Das hat mir der Traum mehr als klar gemacht. Ich kann nicht mehr ohne dich sein! Ohne dich bin ich nichts!“
Saras Augen weiteten sich schlagartig. Fast schon scheu schlug sie die Augen nieder, senkte den Kopf und schnappte sichtbar nach Luft.
Michael hielt die Luft an und beobachtete sie. Innerlich zählte er die Sekunden und musste gleichzeitig heftig schlucken. Noch nie in seinem jungen Leben hatte er diese Worte zu jemanden anderen als seinen Bruder gesagt. Noch nie hatte er sich so verletzlich gefühlt. So bloßgelegt.
Endlich hob sie ihr Gesicht seinen entgegen und ihre strahlenden Augen suchten seine. Ihre Wangen hatten einen leicht roten Schimmer angenommen.
„Und ich liebe dich, Michael“, flüsterte sie und hob ihre Hand an seine Wange. Sanft strich sie mit ihren Fingern über seine Wange, über sein Kinn, zeichnete die Schatten seines 3-Tages-Bartes nach, bevor sie sich zu ihm vorbeugte, ihre Arme um seinen Nacken legte und behutsam ihre Stirn an seine legte. „Ich liebe dich“, wiederholte sie und drückte mit diesen Worten ihre Lippen auf seine. Sehr sanft küsste sie ihn und ließ ihn mit einem Schlag alle Sorgen vergessen. Pures Glück rauschte durch seine Adern und ließ ihn nur noch handeln. Er legte seine Arme um sie und erwiderte ihren Kuss nur zu gerne.
Etliche Sekunden küssten sie sich zurückhaltend, fast schüchtern. Als er sich kurz von ihr löste, um Luft zu holen und sie dann erneut küsste, wurde ihr Kuss leidenschaftlicher. Ohne sich von ihm zu trennen, rutschte Sara richtig zu ihm herum und zog dabei die Beine an ihren Körper, um sich besser aufzurichten. Auf einmal spürte er, wie ihre Hände nach den Enden seines grauen T-Shirts griffen und es nach oben schob. Er reagierte instinktiv, hob die Arme und ließ sich das T-Shirt in einer fließenden Bewegung über den Kopf ziehen. Als Sara es achtlos fallen ließ und sich wieder zu ihm vorbeugte, um sein Gesicht zu küssen, erstarrte er in der Bewegung. Mit einem Schlag erahnte er ihre Gedanken. Sein Atem kam nur schwer über seine Lippen, sein Puls raste und das Blut rauschte nur so in seinen Ohren. Schwerfällig schluckte er und versuchte sich zur Konzentration zu zwingen. Seine Lippen waren plötzlich staubtrocken. Dennoch schaffte er es irgendwie seine Gedanken in Worte zu fassen, auch wenn sein Blut so laut rauschte, dass er nur hoffen konnte, dass sie ihn hörte: „Ich hab nichts hier.“
„Was hast du gesagt?“, fragte sie leise an seiner Wange und hauchte sogleich einen weiteren Kuss auf seine Haut.
Michael schnappte nach Luft und leckte sich kurz die Lippen. Unter größter Kraftanstrengung und körperlicher Qual nahm er vorsichtig ihre Hände von seinem Körper und wartete, bis sie ihn fragend ansah und er sich ihrer Aufmerksamkeit sicher war.
„Sara, ich habe keine Vorkehrungen getroffen.“ Er neigte leicht den Kopf und atmete noch einmal tief durch. „So sehr ich dich will. Ich habe nichts hier, um dich zu schützen! Ich hab‘ nicht daran gedacht, dass wir … dass wir …“
Lange sah sie ihn an, ehe sie ihn aufmunternd anlächelte und behutsam eine Hand auf seine nackte Brust legte und er nicht weitersprechen konnte. Ihre weichen Finger auf seiner Haut jagten einen Stromstoß nach den anderen durch seinen Körper und es fiel ihn ausgesprochen schwer, bei der Sache zu bleiben. Er schloss die Augen und ließ den Kopf sinken.
„Michael“, hauchte Sara ruhig und er spürte ihre Hände wieder an seinen Wangen. Sanft aber entschlossen zwang sie ihn den Kopf zu heben. Als er die Augen öffnete, lächelte sie ihn noch immer zuversichtlich an und ihre Augen strahlten für sie beide. „Ich weiß deine Zurückhaltung wirklich zu schätzen, aber ich habe bereits für Schutz gesorgt. Du brauchst dir also keine Gedanken darüber zu machen, ja? Oder gibt es noch etwas anderes, wovor du mich schützen müsstest?“ Fragend blickte sie ihn an und er schüttelte kaum merklich den Kopf. Sara ließ den Blick wandern und Michael spürte, wie ihre Hände erneut seine Brust berührten. Unendlich zärtlich streichelte sie seine Haut. Er bekam am ganzen Körper eine Gänsehaut und konnte sich ein leises Stöhnen nicht verkneifen. Zu gut fühlten sich ihre Hände einfach an, und doch, seine Gedanken schrien ihn weiterhin an Vernunft walten zu lassen.
„Michael?“
Ihre sanfte Stimme riss ihn aus seinen Gedanken und mit großen fragenden Augen sah er in ihre wunderschönen Augen.
„Du willst mich?“
Er schluckte abermals, fuhr mit der Zunge über seine Lippen und nickte dann entschieden. Sein Puls begann wieder zu rasen und sein Herzschlag lag ihn in den Ohren. All seine unbeschreiblichen Gefühle für Sara kamen mit aller Macht wieder an die Oberfläche und zehrten an seiner Konzentration.
Auch Sara neigte leicht den Kopf und sah ihn entschlossen an. „Wie sehr willst du mich?“
Michael keuchte vor Erregung auf. „Gott, Sara, ich will dich so sehr“, flüsterte er aufgewühlt und begann im selben Augenblick am ganzen Körper zu zittern – so sehr schwankte er unter seinen Gefühlen für sie. „Ich will dir meine Liebe zeigen, dich lieben und mich in dir verlieren!“
Ihr Lächeln erhellte ihr Gesicht noch mehr und ihre Augen sprühten jetzt nur so vor Glück. „Und ich will dich“, flüsterte sie nun ihrerseits ergriffen. „Also schalt deinen Kopf aus und lass deine Gefühle sprechen.“ Sie kam mit ihrem Gesicht seinem wieder näher und legte ihre Stirn an seine. Fast berührten sich ihre Lippen. Die Zeit zwischen ihnen schien still zu stehen. „Zeig mir doch einfach, wie sehr du mich willst!“
Statt ihr zu antworten, reagierte er nur und ließ seine Gefühle endgültig an die Macht. Sein Kopf war mit einem Mal wie leergefegt. Das Kribbeln in seinem Bauch und seine tiefe Liebe zu Sara breiteten sich in seinem ganzen Körper aus und ließen ihn regelrecht von innen her-aus glühen.
Entschlossen schlang er die Arme um sie und küsste sie von Anfang an leidenschaftlich. Sara erwiderte seinen Kuss, schlang die Arme um seinen Nacken und drückte sich an ihn. In der gleichen Bewegung hielt er sie fest und ließ sich zusammen mit ihr zurück aufs Bett sinken. Als ihr Kopf das Kissen berührte, löste er sich noch einmal von ihren Lippen und sah ihr tief in die Augen. Er betrachtete sie einen Augenblick und konnte noch immer nicht glauben, dass sie bei ihm war. Sara lächelte zu ihm hinauf und fuhr schemenhaft mit ihrer Hand seine Lippen nach. Er lächelte ebenfalls und beugte sich dann wieder zu ihr hinunter. Zärtlich berührten sich ihre Lippen und Michael legte all seine Liebe für sie in all seine Gedanken, in all seine Gefühle und in all sein Handeln. Er würde ihr zeigen, wie sehr er sie liebte und wie sehr er sie wollte …



Das ruhige, gleichmäßige Streicheln weicher Finger auf seiner nackten Brust weckte ihn aus einem traumlosen Schlaf. Müde, erschöpft und gleichzeitig voller Tatendrang regte er sich. Michael atmete noch mit geschlossenen Augen ihren herrlichen blumigen Duft ein, bevor er ganz langsam die Lider öffnete und auf Saras Kopf blickte, welcher auf seiner Brust lag und sich bei jedem seiner Atemzüge hob und senkte. Sie hatte sich an seine rechte Seite geschmiegt, ihre rechte Hand wanderte zärtlich über seinen Oberkörper und ihre Finger fuhren spielerisch die Linien seiner Tätowierungen nach. Er musste bei diesem Anblick schmunzeln und regte sich erneut, wobei er vorsichtig seinen Arm enger um Sara legte und sie fester an sich zog. Sie seufzte leise und genoss ebenso wie er die Berührungen. Sie schlang den Arm fest um seine Hüfte und ihr Fuß fuhr unter der Bettdecke sein Bein entlang, was ihn zum Stöhnen brachte.
„Ich könnte ewig mit dir hier liegen“, flüsterte sie und drehte sich zu ihm herum. Ihre Augen strahlten geradezu, als sie lächelnd die Arme auf seine Brust legte, ihr Kinn darauf abstützte und zu ihm aufsah. „aber wir müssen langsam, aber sicher los.“ Sie deutete mit dem Kopf Richtung Fenster und Michael verstand sofort, was sie meinte. Hinter den geschlossenen Gardinen drangen die ersten Sonnenstrahlen zu ihnen ins Zimmer und zeigten nur zu deutlich, wie spät dran sie eigentlich waren.
Leise seufzte er auf und verzog unwillkürlich das Gesicht.
„Ich musste dich einfach schlafen lassen“, erklärte sie leise weiter, als sie seinen Gesichtsausdruck bemerkte. „Du musstest dich unbedingt etwas ausruhen.“ Sie grinste ihn an und hauchte einen zarten Kuss auf seine Brust, dann beugte sie sich zu ihm vor und küsste ihn zärtlich auf die Lippen.
Liebevoll erwiderte er ihren Kuss und lächelte sie an, als sie sich von ihm löste und sich behutsam auf seiner Brust abstützte, um sich dann in der gleichen Bewegung unter der Decke zu drehen und zur Bettkannte zu rutschen.
„Glaubst du, Lincoln ist sehr besorgt, wenn wir uns verspäten?“ Sie saß jetzt mit dem Rücken zu ihm an der Bettkante, drehte den Kopf über die rechte Schulter und blickte zurück in seine Richtung, als er ihr nicht antwortete.
Michael musste sich zwingen ihr in die Augen zu blicken. Ihre weiche Haut hatte eine magische Anziehungskraft auf ihn. Er wollte sie schon wieder stundenlang streicheln. Als sie anfing zu lächeln, konnte er nicht anders und drehte sich auf die Seite, damit er wieder in ihre Nähe kam. Er hob seinen Arm und unendlich sanft fuhr er mit seiner Hand über ihren Rücken. Hauchzart fuhren seine Fingerspitzen über ihre Haut. Er begann in ihrem Nacken und fuhr langsam ihre Wirbelsäule hinab. Liebevoll zeichnete er ihre Rippen nach, um dann den Weg hinab zu ihrem Steiß zu folgen. Er sah, dass Sara die Augen schloss, tief einatmete und eine Gänsehaut bekam. Michael nutzte den Moment, beugte sich vor und küsste ihre Rücken, wobei er sie weiterhin streichelte.
„Versprich mir bitte eins, Michael“, hauchte sie leicht atemlos und öffnete wieder die Augen. „dass wir zwei irgendwohin verschwinden, wo keiner uns finden wird und wir zusammen sein können! Dass wir das alles einfach hinter uns lassen!“
Michael löste sich bei diesen ernsten Worten von ihr, richtete sich nun seinerseits mit dem Oberkörper auf und sah ihr fest in die Augen.  
„Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, dass genau dies geschieht!“ Er nickte ihr entschlossen zu. „Das verspreche ich dir, Sara!“
Mit diesen Worten küsste er sie sanft auf die Lippen. Einen stillen Augenblick genoss er einfach die Zärtlichkeit zwischen ihnen, ehe er sich zurückzog und es für sie beide nicht noch schwerer machte. Sara hatte recht. Auch wenn er einfach immer weiter mit ihr die Zeit allein verbringen wollte, mussten sie doch zu seinem Bruder und zu seinen Neffen nach Chicago.
„Wir müssen Linc ja nicht sagen, dass wir erst später losgekommen sind“, nahm er den Faden wieder auf und rutschte jetzt seinerseits zur gegenüberliegenden Bettkante. Er sah sich suchend im Zimmer um und fand seine rot gestreifte Boxershorts fast in der Nähe seiner Jeans liegen. Er stand auf und schlüpfte in beide Sachen. „Wir sind einfach in mehrere Staus geraten und gut ist.“ Er musste vor sich hin grinsen, als er an seinen stämmigen großen Bruder dachte und drehte sich zu der jungen Ärztin um. „Er ist zwar mein Bruder“, feixte er etwas. „Aber alles muss er nun auch nicht wissen.“
Sara neigte zustimmend den Kopf und schlüpfte bereits fertig angezogen in ihre leichte Lederjacke. Sie bückte sich und hob sein graues T-Shirt auf. Jetzt musste sie grinsen und reichte es ihm wortlos. Michael nahm es entgegen und ging zu seiner kleinen Reisetasche, die neben der Kommode mit dem Fernseher stand. Er stopfte das gebrauchte T-Shirt in die Tasche und zog bereits ein neues schwarzes heraus, als auf einmal Sara hinter ihm stand und vorsichtig sein rechtes Schulterblatt berührte. Ohne dass sie etwas zu sagen brauchte, hielt er in seiner Bewegung inne und sie konnte vorsichtig den Verband von seiner Verbrennung lösen, welche er sich vor nicht allzu langer Zeit in Fox River zugezogen hatte.
Als er für ihre Flucht wieder einmal in den sehr verwinkelten Systemen unterhalb der Gefängnisanstalt unterwegs war, um ihren Fluchtweg auszukundschaften, war er unerwarteterweise einen Gefängniswärter begegnet und musste sich reflexartig verstecken. Dabei war er mit seinem rechten Schulterblatt an die brühend heißen Rohre geraten und hatte sich verbrannt. Die Schmerzen waren die Hölle gewesen und nur mit letzter Kraft hatte er sich in die gemeinsame Zelle zu Fernando Sucre, seinen Zellengenossen und mittlerweile besten Freund, schleppen können. Auch wenn die Verletzung einige Tage zurück lag, so war sie doch noch immer am Heilen – und im ganzen Stress seiner Flucht hatte er mit Sicherheit vergessen danach zu gucken.
„Die Verbrennung nässt wieder an einigen Stellen“, erklärte Sara ruhig und warf den gebrauchten Verband in den kleinen Papierkorb. Sie ging zum Tisch, wo noch immer die Tüte mit dem Verbandsmaterial lag, die sie gekauft hatte, um seinen verletzten Arm zu versorgen. Wortlos folgte er ihr, setzte sich auf dem Stuhl und drehte ihr den Rücken zu, damit sie in Ruhe hantieren konnte. Mit geübten Handgriffen säuberte sie die Wunde und legte einen neuen Verband an.
„Ich hätte letzte Nacht besser darauf aufpassen müssen“, begann sie plötzlich und Michael hob nur verwirrt die Augenbrauen. Er wollte sich zu ihr umdrehen, aber sie reagierte sofort: „Nicht bewegen!“
„Du kannst doch nichts dafür, Sara!“, versuchte er es noch einmal. „Ich hätte schon vor Tagen danach gucken müssen.“ Er schüttelte leicht den Kopf. „Aber in der ganzen Aufregung und Hektik ging es einfach unter.“ Kurz überlegte er. „Ist es sehr schlimm?“
Sie schnaufte leise und er spürte, wie sie vorsichtig den Verband an allen vier Ecken um die Verbrennung festklebte. „Bevor wir die Stadt verlassen, würde ich gerne noch in eine Apotheke und ein entzündungshemmendes Mittel besorgen.“ Sie kam um den Stuhl herum und sah zu ihm hinab. „Es sieht so aus, als hätte sich die Wunde infiziert.“  
„Dann machen wir das.“ Er stand auf und zog sein schwarzes T-Shirt über. Wie sie begann er ihre wenigen Sachen einzusammeln und in ihre Taschen zu verpacken.
Michael sah auf die kleine Uhr, die über den Fernseher an die Wand hing und drehte sich zu Sara um. „Wann müssen wir ausgecheckt haben?“
„Spätestens um 10 Uhr, das meinte zumindest die Rezeptionistin.“ Sie griff nach ihrer kleinen Tasche, hängte sie sich über die Schulter und nahm dann den kleinen Plastikbeutel in die Hand, der ihr ganzes Verbandszeug enthielt. „Aber bis dahin ist ja noch Zeit.“ Sie sah ihn erwartungsvoll an. „Bist du soweit?“
Michael sah sich ein letztes Mal in dem kleinen Hotelzimmer um und fand keine Spuren mehr von ihrem Aufenthalt. Er nickte vor sich hin und nahm die Tragegurte seiner kleinen Reisetasche in die Hand.
„Wir können los“, erwiderte er ruhig und lief zur Zimmertür. In einer geschmeidigen Bewegung griff er nach der Klinge, öffnete die Tür und drehte sich zu ihr um. „Etwas zu essen müssten wir auch noch besorgen und …“
„Das wurde aber auch Zeit!“
Erschrocken fuhr er wieder herum und Michael wich vor dem groß gewachsenen Mann im Türrahmen zurück, aber da traf ihn bereits etwas schwer am Kopf. Er taumelte benommen, ließ seine Tasche fallen und wurde erneut hart am Kopf getroffen. Er konnte gar nicht reagieren. Zu schnell war alles gegangen. Seine Knie gaben nach und er sackte zur Seite.
„Nicht!“ Sara schrie auf und Michael versuchte sich mit letzter Kraft aufzurichten.
„Keine Bewegung!“, rief die fremde Stimme und schlug ihn erneut fest gegen die Schläfe. Dieser Schlag reichte endgültig und er konnte sich nicht mehr wehren. Die Bewusstlosigkeit griff mit gierigen Fingern nach ihm und zehrte ihn in ihre Tiefen …
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