Tattoo / Yoonmin

OneshotRomanze, Fantasy / P16 Slash
Jimin Suga
02.11.2019
02.11.2019
1
3040
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
„You get under my skin like the ink on my chest"

~*~


Die Welt war unfair, das hatte Yoongi früh lernen müssen.
Als Banshee war das nun einmal vorprogrammiert, gerade wenn man nur für diejenigen sichtbar war, die, wie er, mit dem Tod verbunden waren, ihm bereits gegenüber gestanden hatten, oder ihm bald begegnen würden.

Natürlich war Yoongi nicht wirklich unsichtbar - sonst würde die Verkäuferin im Supermarkt regelmäßig einen Herzinfarkt erleiden - nur sein Gesicht und seine Tattoos waren für den Rest der Lichtbevölkerung und Menschen sichtbar.

Jedes andere Schattenwesen konnte sein Gesicht, und all die Kunst auf seiner Haut sehen.
Kunst, die bei jedem getöteten Wesen auftauchte. Egal, ob Yoongi nur der Vorbote war, oder ob das Wesen durch seine Hand starb, jedes mal tauchte ein neues Bild auf seiner Haut auf. Und an dem Tag, an dem seine Haut vollständig bedeckt sein würde, wäre sein Leben als Banshee vorbei.

Aber bis dahin arbeitete Yoongi tagsüber in einem Callcenter und Nachts für den Tod, und gelegentlich auch als Auftragsmörder.

Das Callcenter war nervig, zwar hatte Yoongi bereits vorher gewusst, dass er Menschen und Wesen gleichermaßen verabscheute, aber mittlerweile war er zu einem stattlichen Misanthrop mutiert.

Nur ein Vorteil hatte das Callcenter: Niemand, der bei Yoongi anrief, wusste, dass er eine Banshee war. Keine angewiderten oder urteilenden Blicke. Kein Getuschel.

Man behandelte Yoongi einfach als ganz normalen Menschen.

Aber das war er nicht. Er besaß sogar Straffreiheit, denn wie sollte man die Diener des Todes bestrafen? Sie töten? Das machte keinen Sinn, da sie bis ihre Haut vollständig mit Tattoos bedeckt war, unsterblich blieben.

So waren alle Banshees, zumindest im Fall Mord und Totschlag, straffrei. Sonst wäre Yoongi wahrscheinlich bereits mit vier Jahren ins Gefängnis gewandert, denn damals war ein Fremder in die Wohnung von Yoongis Mutter und ihm eingebrochen, und aus Angst hatte Yoongi das getan, was er am besten konnte.

Schreien.

Für andere Verbrechen konnte man sie allerdings verurteilen. Konnte, passierte aber fast nie.

Eine andere Banshee names Taehyung hatte vor gut zwei Jahren eine Bank überfallen, war aber ohne Konsequenzen davongekommen, da das Gericht mit dem Tod konsultieren musste, und die Banshee Abteilung derzeit leider unterbesetzt war. So musste Taehyung nur das gestohlene Gut zurück geben, und durfte sich eine Moralpredigt von ihrem Boss anhören.

Und ob der Tod etwas gegen Yoongis Nebenjob hatte? Nein, genau genommen ersparte es ihm sogar arbeit, und sterben mussten alle sowieso irgendwann.

Wie Yoongi seine Aufträge entgegen nahm? Meistens im Callcenter, manchmal per Post, manchmal wurde er auf der Straße angesprochen. Aber nur weil er Straffreiheit besaß, galt das noch lange nicht für seine Auftraggeber, und wenn Yoongi ganz schrecklich langweilig war, gab er die Informationen an die Polizei weiter.

Denn Yoongi hatte keine Lust, sein Leben bereits in ein paar Jahren als sterblicher zu verbringen.

Und dafür, dass er Wesen und Menschen absichtlich in den Tod schickte, konnte man ja auch mal ab und zu eine Ausnahme machen und ein paar hinter Gitter bringen.

Doch sein neues Ziel hatte er nicht abgelehnt, und so verbrachte Yoongi die wenigen Stunden, die er vor beginn der Nachtschicht hatte - denn sein Boss weigerte sich strikt dagegen, tagsüber zu arbeiten, angeblich, weil es langweilig war, aber Yoongi wusste, dass er nur sein Gesicht wahren wollte, damit potentielle Lebenspartner nicht direkt schreiend reißaus nahmen - damit, in diversen Datenbanken nach seinem Opfer zu suchen.

Park Jimin. Der einzige Sohn des weltweit größten Waffenlobbyisten.

Aber um ehrlich zu sein, hatte Yoongi den Namen das erste Mal gehört, als er ihn auf dem Zettel gelesen hatte. Was er allerdings bereute, denn kaum hatte die Banshee mit der Recherche begonnen, musste er feststellen, dass Prak Jimin absolut umwerfend war. Gar überirdisch. Aber das hatte nichts zu heißen.

Yoongis größtes Problem war, dass er nicht wusste, welcher Rasse der Junge angehörte. Sein erster Gedanke galt einem Lichtwesen, aber seine Erscheinung konnte trügen.

Wenn man erst einmal einer Fee in ihrer wahren Gestalt gegenüber gestanden hatte, hatte man gewisse Zweifel. Die hinterhältigen Viecher sahen zwar ganz schön aus, mit ihrem ganzen Feenstaub und den zarten Flügeln, aber sobald die Täuschung aufgehoben war, kamen grau grüne Monster mit langen Zähnen und Krallen zum Vorschein, die so überhaupt nichts mit Grazie oder Anmut zu tun hatten.

Aber die Frage blieb offen. Jimins Vater schien ein gewöhnlicher Mensch zu sein, aber das hatte nichts zu heißen, die Gene seiner Mutter waren in dem Fall Ausschlag gebend. Doch die schien nicht zu existieren.

Es gab keine Fotos des Vaters mit überhaupt irgendwelchen Frauen, und erst recht nicht zu der Zeit, in der Jimin gezeugt wurde. Irgendetwas war seltsam an dem Jungen.

Kurzerhand hatte Yoongi sich dann dazu entschlossen, einfach ein Messer mitzunehmen, er wusste zwar nicht, welche Tonhöhe er erreichen musste, aber normalerweise blieb ihm genug Zeit, um zwischen den Oktaven zu variieren.

Zwar fühlte er sich nur mit seinem Messer etwas unvorbereitet, als er am späten Abend seine Wohnung verließ, aber seine tödlichste Waffe war immer noch seine Stimme.

Mit seinem Boss traf er sich an der einzigen Kreuzung, an der vier Straßen aus jeder Himmelsrichtung aufeinander trafen. Wie zu erwarten lehnte er, gehüllt in einen schwarzen knöchellangen Umhang, an einer der Ampeln und studierte sein Notizbuch, in dem die Namen für die aufkommende Nacht standen.

Yoongi fand es albert, dass der hochgewachsene Mann immer noch an dieser Tradition festhielt, denn vor allem in heißen Sommernächten wirkte der Mantel fehl am Platz. Doch auch er durfte sich nicht beschweren, da er selbst komplett in schwarz gekleidet zur Arbeit auftauchte.

„Viel los für heute Nacht?", fragte Yoongi, ging neben seinen Boss leicht in die Hocke und starrte misstrauisch die Straße hinunter.

„Mehr oder weniger", murmelte er, ließ das Buch in eine Innentasche seines Mantels gleiten und streckte sich einmal ausgiebig.

„Na dann los", sagte Yoongi freudig, richtete sich wieder auf, klopfte seine Hände ab und packte den Unterarm seinen Bosses.

Kaum spürte Yoongi seine unmenschliche Kälte durch den Stoff, begann die Welt sich um sie zu drehen und sie landete in der Wohnung des ersten Menschen, der in dieser Nacht sterben würde.

~*~


Fünf Stunden später, die Uhr zeigte gerade wenige Minuten nach zwei an, lehnte Yoongi am Treppengeländer und starrte auf den zerschmetterten Körper der jungen Frau hinunter.

„Hättest du nicht wenigstens etwas weniger Sauerei veranstalten können?", brummelte Yoongis Boss, als er den Namen der Frau aus seinem Buch strich.

„Nö", sagte Yoongi und wippte freudig auf und ab. „Ich bin eine Banshee, dafür geboren die Leute zu Tode zu erschrecken und genau das mache ich. Zudem sind wir keine Tatortreiniger, also was soll's, wir müssen ja so oder so nichts wegmachen."

Doch sein Boss verdrehte nur die Augen und überflog die nächsten paar Seiten, sie warteten beiden ungeduldig auf Yoongis Ablösung.

„Sag mal, hast du eigentlich darüber nachgedacht, in Rente zu gehen? Ich meine, du hast uns bereits alle auf Nachtschicht degradiert, wenn du also jemanden datest-", doch weiter kam Yoongi nicht, denn sein Boss unterbrach ihn.

„Wieso, willst du mich los werden?", fragt er und seine Augenbrauen wanderten spöttisch in die Höhe.

„Nein, aber du ziehst in letzter Zeit nicht so ein langes Gesicht, und ich hätte schwören können, dass du vorhin Herz-Augen gekriegt hast, als die Nachricht eingegangen ist", frotzelte Yoongi, und er konnte sehen, wie sein Boss bei dem Gedanken an die Nachricht anfing zu grinsen und dadurch seine Grübchen zum Vorschein brachte, warf dann aber einen nervösen Blick auf seine Armbanduhr.

Es war bereits 20 Minuten nach, und seine Ablösung kam einfach nicht. Wahrscheinlich war es Jungkook, die einzige Banshee, die regelmäßig zu spät zu ihrer Schicht kam.

„Hast du noch was vor?"

„Noch einen extra Auftrag", jammerte Yoongi und begann genervt auf dem Treppengeländer herum zu trommeln.

„Wirklich?", fragte sein Boss mit einem komischen Gesichtsausdruck und wollte gerade noch einmal zurück blättern, als Jungkook mit einem lauten Niesen mitten im Flur landete.

Bevor sein Boss noch etwas sagen konnte, hob Yoongi ein letztes Mal die Hand zum Abschied, schloss die Augen und ließ die Welt um sich herum verschwimmen.

Sanft landete Yoongi auf dem Flachdach eines modernen Gebäudekomplexes. In solchen Momenten liebte er es, eine Banshee zu sein, und Nachts die Fähigkeit zu besitzen, eins mit den Schatten zu werden. Und von Sicherheitssystemen wurde er auch nicht erkannt. War das nicht wunderbar?

Die Polizei war es leid, jedesmal, wenn eine Banshee in einem Haus oder in einer Wohnung auftauchte, an zu rücken. Da der Tod durch eine Banshee nunmal als natürliche Todesursache galt, wartete man lieber auf den nächsten morgen.

So hatte Yoongi keine Probleme an der Hauswand hinunter zu gleiten und auf dem schmalen Balkon zu landen. Zu seiner Überraschung stand sogar die Schiebetür einen Spalt breit auf, doch das Innere war in tiefste Dunkelheit gehüllt.

Kurz kam Yoongi die Idee, dass Park Jimin gewarnt wurde, und die offene Tür eine Falle war. Aber dann schüttelte er über seine eigene Albernheit den Kopf, was sollte der Junge schon gegen ihn ausrichten?

So schob er langsam die Tür auf und huschte lautlos durch den Spalt. Selbst für Yoongis Sichtverhältnisse war es unglaublich dunkel in der Wohnung, und er hatte Schwierigkeiten, die Umrisse der Sofagarnitur zu erkennen.

Leichtfüßig durchquerte er das Wohnzimmer, hielt aber bei dem Geräusch einer sich entriegelten Waffen inne. Eine Glock 17. Wie niedlich.

Aus dem Augenwinkel sah die Banshee eine Bewegung und zögerte keine Sekunden sich dort hin zudrehen.

Noch lag Park Jimins Gesicht im Dunkeln, aber wie auf Kommando machte er einen Schritt auf Yoongi zu.

Vielleicht hatte Yoongi sich eingebildete, er wüsste, was für ein Wesen Jimin war, wenn er ihm gegenüber stand, aber da war nichts. Er hatte nicht den leisesten Schimmer.

„Eine Banshee?", fragte sein Gegenüber geradezu verdutzt, und Yoongi musste zugeben, dass Park Jimin in Fleisch und Blut absolut atemberaubend war.

Es schien, als wäre das Mondlicht nur dafür geschaffen worden, im halbdunkeln mystische Schatten auf sein ebenes Gesicht zu werfen.

Doch es war nur ein Bruchteil einer Sekunde, bevor sich ihre Blicke kreuzten.

Höllischer Schmerz bahnte sich von Yoongis Schläfen über seinen Hals, bis hinunter auf deine Brust. Das einzige Stück Haut, das noch nicht großflächig von Tattoos übersät war.

Er kannte das Gefühl, wenn sich die Tinte unter seine Haut fras und dort ein ewiges Bildnis schuf. Aber das hier war anders, schmerzhafter.

Yoongi stolperte einen Schritt zurück, fiel über seine eigenen Füße und knallte mit dem Kopf hart gegen die Kante des Couchtisches.

Natürlich wusste er, dass auch Jimin sich auf seiner Haut verewigt hätte, aber so groß?

Schmerzens Tränen sammelten sich in Yoongis Augen, als er wimmernd sein Hemd aufriss.

Seine gesamte Brust war über und über mit schwarzer und weißer Tinte übersät. Doch das widerlichste daran war, dass die einzelnen Linien zu leben schienen, da sie sich unaufhaltsam über und untereinander schlängelten.

Yoongi wurde schlecht.

Dann fiel sein Blick zu seinem eigentlichen Opfer. Auch Jimin war auf die Knie gesackt und presste die linke Hand gegen die Seite seines Halses. Die Schusswaffe lag vergessen gut einen halben Meter weit weg.

Aber das war nicht wichtig. Jimins Anwesenheit musste etwas in Yoongi getriggered haben, dass dieses riesige Tattoo ausgelöst hatte.

Es war so riesig, dass es jedes Stückchen freie Haut einnahm.

„Nein. Nein. Nein. Nein", wimmerte Yoongi panisch und er spürte, wie seine Hände begannen zu zittern.

Er wollte nicht menschlich werden. Yoongi wollte eine Banshee bleiben. Der Platz hätte locker noch für mehrere Jahrzehnte gereicht.

„Es ist nicht so, wie du denkst", flüsterte Jimin, der plötzlich zwischen Yoongis Beinen kniete, und langsam die Hand ausstreckte, um von Yoongis Wange sanft über den Hals bis zu seiner Brust die dünnen Linien nachzufahren.

Faszination spiegelte sich in Jimins Blick, und die zarte Berührung seiner Fingerspitzen schickte elektrische Wellen durch Yoongis Körper.

„Was bist du?", hauchte Yoongi den Tränen nahe und schniefte leise. Er wollte das nicht.

„Ich-ich ...", stottert Jimin und schien sich erst selbst einmal wieder fangen zu müssen. „Homunkulus. Falls dir das was sagt."

„Was?", stöhnte Yoongi, dessen gesamter Oberkörper brannte, als hätte man ihm die Haut abgezogen.

„Weißt du, wer dich geschickt hat?", fragte er stattdessen und überging die Erklärung.

„Keine Ahnung, interessiert mich nicht. Ich stelle keine Fragen", jammerte Yoongi und biss die Zähne zusammen.

„Mein Vater", sagte Jimin und starrte Yoongi intensiv in die Augen. „Wusstest du, dass er mal Chemielehrer war, und erst dann in die Biowaffenforschung gegangen ist? Nun ja, du siehst seine Lieblingswaffe vor dir, nur leider hat sie in den letzten paar Jahren einen eigenen Willen entwickelt. Und das geht ihm so ganz gegen den Strich."

Yoongi verzog überfordert das Gesicht. Jimin war also ein künstlich geschaffener Mensch? Doch bevor er länger darüber nachdenken konnte, durchfuhr ein heißer Schmerz auch noch seinen Hinterkopf und als Yoongi die Stelle abtastete, hatte er Blut an den Fingern.

„Fuck", murmelte Jimin, packte vorsichtig Yoongis Hände, zog ihn auf die Füße und dann ins Badezimmer.

„Vorsicht Licht", sagte Jimin, bevor das kleine Badezimmer in grelles Licht geflutet wurde.

„Argh", stöhnte Yoongi und dieses Mal hatte Jimin die Gelegenheit, die Banshee genauer zu betrachten. Vollkommen vergessen war die Tatsache, dass der Vorbote des Todes hier war, um ihn zu töten.

Schwarz-weiße Ranken erstreckten sich von Yoongis Stirn, über seine Schläfen hinunter über den Hals, seine Schulterblätter und Brust.

Ein unglaubliches Schauspiel, da die Ranken zu leben schienen und ständig träge über die blassen Haut waberten. Jimin konnte sogar winzige Blüten erkennen, die als Knospe begannen, immer weiter wuchsen, bis sie scheinbar in voller Blüte standen, um dann wieder zu verwelken. Doch das ein oder andere Blütenblatt löste sich und schwebte ganz gemächlich über Yoongis Haut nach unten, wo sie sich kurz über dem Bauchnabel im Nichts auflöste.

Jimin war gefangen in der Schönheit. Dem Kontrast der schwarzen Tinte auf blasser Haut.

Erst als das erste dünne Rinnsal aus Blut über Yoongis Schlüsselbein lief, erinnerte er sich daran, warum er die Banshee auf seinen Toilettendeckel abgesetzt hatte.

„Wie heißt du eigentlich?", fragte Jimin leise, während er den Spiegelschrank über dem Waschbecken öffnete, und Desinfektionsmittel und Verbandszeug hervor holte.

„Yoongi. Min Yoongi", murmelte er, und Jimin konnte sehen, wie schwer es ihm fiel, die Augen offen zu halten.

„Hey! Nicht einschlafen", sagte Jimin leicht panisch, und zwickte Yoongi in die Seite. Doch die Banshee wimmerte nur und schmollte.

„Ich bin seit über 24 Stunden wach. Es ist normal, dass ich müde werde."

„Du könntest eine Gehirnerschütterung haben", entgegnete Jimin trotzig, drehte Yoongi auf die Seite, damit er besser an dessen Hinterkopf kam. Zum Glück schien es nur ein kleiner Schnitt zu sein, nicht mal besonders tief.

„Macht nichts. Ich bin unsterbli-", doch Yoongi unterbrach sich selbst. Nein, er war nicht mehr unsterblich. Sein gesamter Körper war mit schwarzer Tinte bedeckt. Nun war er sterblich.
Traurig ließ er den Kopf hängen.

„Ich sagte doch, das ist anders", schnaubte Jimin abfällig, packte mit beiden Händen Yoongis Kopf, um ihn wieder in eine aufrechte und gerade Position zu richten.

„Ach ja? Und warum bist du überhaupt so nett?", fragte Yoongi skeptisch, und zischte, als Jimin damit begann, die Wunde zu säubern. Dabei fiel der Blick der Banshee in den Spiegel. Was er dort sah, ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren.

An der Stelle, an der sich Jimin vorhin den Hals gehalten hatte, prangte eine Tätowierung. Eine Tätowierung aus schwarz-weißen Ranken, die sich unaufhörlich über Jimins angespannten Hals schlängelten.

Doch der schien das überhaupt nicht zu bemerken, da er konzentriert beide Wangen aufblies und dann verzweifelt von einem Pflaster zu einer Mullbinde sah.

Ein Pflaster wäre an der Stelle mehr als nur unpraktisch, aber für den Kratzer Yoongis ganzen Kopf zu umwickeln, schien doch etwas übertrieben.

Aber bevor Jimin sich für eine der beiden Optionen entscheiden konnte, hatte Yoongi sich umgedreht.

Mit geschickten Fingern löste er schnell die ersten Knöpfe von Jimins Hemd und offenbarte das ganze Ausmaß von Jimins Tätowierung. Sie nahm die linke Seite seines Halses ein, wanderte über deine Schulter und endete kurz über dem Schlüsselbein.

Genauso sanft wie Jimin vorhin, fuhr Yoongi mit den Fingerspitzen seiner rechten Hand über die Ranken. Jimin erschauderte und schloss kurz die Augen, so als müsste er sich beruhigen, oder ... zurückhalten.

„Was bedeutet das?", hauchte Yoongi und betrachtete, wie eine Blüte unter seinen Fingerspitzen wuchs und verwelkte.

„Es bedeutet", flüsterte Jimin leise, öffnete seine nun strahlend blauen Augen und lehnte sich nach vorne, sodass seine Lippen nur Millimeter von Yoongis entfernt waren und die Banshee erschaudern ließ. „Dass du mir gehörst. Und zwar nur mir. Mate."

Jimins Stimme war nur noch ein tiefes animalisches Grollen und vielleicht hätte es Yoongi Angst machen sollen, aber nun schickte es ihm nur einen angenehmen Schauder über den Rücken. Und bevor sich die Banshee versah, hatte Jimin seine Taille gepackt, und presste seine Lippen auf Yoongis.
Review schreiben